Zuviel Glanz: Das Schloss Vaux-le-Vicomte des Nicolas Fouquet und die Rache des Sonnenkönigs (Teil 2)

Im ersten Teil des Beitrags über das Schloss Vaux-le-Vicomte wurde der steile Aufstieg Nicolas Fouquets zu den Gipfeln der Macht behandelt und sein Schloss, „das erste Versailles“, als Prachtbau zur Mehrung des eigenen Ruhms, aber auch zur Demonstration der Treue zum „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. beschrieben.

Gegenstand des nachfolgenden zweiten Teils sind der Garten von Vaux-le-Vicomte, ein richtungsweisendes Werk des Gartenarchitekten Le Nôtre und ein Vorbild für den Park von Versailles, und des spektakuläre Fest, das Nicolas Fouquet am 17. August 1661 für Ludwig XIV. und dessen Gefolge in Vaux-le-Vicomte veranstaltete – ein letzter Höhepunkt vor seiner Verhaftung und seiner lebenslangen Festungshaft.

Der Garten von Vaux le Vicomte: Vorbild von Versailles und Muster europäischer Barockgärten

Außerordentlich wie das Schloss ist auch der Garten von Vaux-le-Vicomte. Und beide gehören zusammen, sind untrennbar miteinander verbunden. Das wird schon deutlich, wenn man das Schloss betritt:  Drei große Fenstertüren des Grand Salon -ursprünglich waren es sogar lediglich Gitter- öffnen sich zum Garten.  „die Architektur entwickelt eine Dynamik, die den Besucher direkt vom Schloss in den Garten weist.“ Das sah schon Mlle de Scudery: „Das Halbrund des Salons drängt nach draußen.“[1]

©Alejandro Fernandez

Das Panorama, das sich von dem leicht erhöhten Schloss auf den Garten bietet, ist grandios: „Fernab der bisher geltenden Regeln der Renaissance und des italienischen Manierismus wird ein Park ohne Mauerbegrenzung mit einer bis dahin unbekannten perspektivischen Wirkung in eine endlos scheinende Landschaft gestellt.“[2]  Der in der Entstehungszeit von Schloss und Garten angefertigte Stich von Israël Sylvestre zeigt das sehr eindrucksvoll.[3]

Zum ersten Mal erhielt in dieser Epoche ein Gartenarchitekt hier die Möglichkeit einer umfassenden Planung und Gestaltung.“[4] Und er erhielt als Voraussetzung ein von Bäumen und menschlichen Ansiedlungen „gesäubertes“ Gelände: Für sein Schloss und den Garten ließ Fouquet 500 Hektar Wald roden und den kleinen Weiler Vaux schleifen, ein Rechteck von bis zu 350 m Breite und 1200 m Länge. Die hier angewandte Methode ist die der tabula rasa, die der neuen Geisteshaltung der zentralistischen Macht entspricht.  Die in Versailles in gigantischem Ausmaß demonstrierte uneingeschränkte Macht des absoluten Herrschers über seine Untertanen und über die Natur zeichnet sich schon hier ab.[5]

Von der Schlossterrasse aus überblickt man den durch eine Hauptachse gegliederten Garten. In der Mitte das sogenannte Broderieparterre, zwei symmetrisch angelegte teppichartige Beete mit einem kunstvollen Muster beschnittener Buchsbaumhecken. Zur Entstehungszeit des Schlosses von Vaux-le-Vicomte galten sie als der vornehmste Schmuck eines Gartens.[6]

Foto: Frauke Jöckel 26.5.2012

Die Bäume dahinter, die den Garten einfassen, sind exakt in Reih und Glied aufgereiht: Auch sie sind ein Ausdruck der absoluten Herrschaft über die Natur. Die erwies sich in den letzten Jahren allerdings gewissermaßen als Spielverderber: Schädlinge und Krankheiten setzten den Buchsbaumhecken so zu, dass sie durch Bänder aus glänzendem Aluminium ersetzt wurden.[7]

Die Gartenpartien neben dem Broderieparterre sind allerdings keineswegs symmetrisch.

Die Treue zum König wollte Fouquet durch das parterre de la Couronne auf der linken Seite beweisen. Es bezieht sich auf das im linken Teil des Schlosses gelegene Appartement des Königs. [8]

In der Mitte dieses Gartenteils liegt der „Kronenbrunnen“. Hier schwebt eine goldene Krone scheinbar auf der Wasserfläche eines Teiches und spiegelt sich in der Sonne.

Die rechte Seite des Broderieparterres wird von Nutzgärten bestimmt: Einem Blumenparterre -dem einzigen im gesamten Garten- und einem Obst- und Gemüsegarten.

Fouquet war ein „ausgesprochener Liebhaber von Blumen“- er „ließ sich sogar aus Rom Hyazinthen kommen, die er besonders schätzte.“ Trotzdem spielen Blumen in dem Garten von Vaux-le-Vicomte nur eine Nebenrolle.“ Zweifellos galt die Vorliebe Le Nôtres „anderen Materialien und Elementen wie Rasen, Kies und Wasser: Auf diese Weise machte er seine Schöpfungen weitgehend unabhängig vom Einfluss der Jahreszeiten und verlieh ihnen etwas Unveränderliches.“[9]

Für die Anlage des Obst- und Gemüsegartens engagierte Fouquet Jean-Baptiste de la Quintinie, der eine vielversprechende juristische Laufbahn abgebrochen hatte, um seiner Berufung als Gestalter von Nutzgärten zu folgen.  Quintinie  konzipierte den potager von Vaux-le-Vicomte, der allerdings nicht mehr existiert. Und er gehörte mit Le  Nôtre, Le Vau und Le Brun zu der Künstlergruppe, die nach dem Fall von Fouquet von Ludwig XIV. „übernommen“ wurde. In Versailles schuf er, vom Sonnenkönig hoch geachtet, den „potager du roi“, der den königlichen Hof mit Obst und Gemüse versorgte.

Eingang des ehemaligen Nutzgartens

Eine prägende Bedeutung hatten die Wasserspiele des Gartens. Insgesamt gab es 36, von denen allerdings nur noch 20 heute existieren: Der Reichtum an Springbrunnen war für die Zeitgenossen ein wesentliches Kriterium für die Wertschätzung eines barocken Gartens. Und Wasser war in Vaux reichlich vorhanden. Es gab beim Bauplatz Bäche und das Flüsschen Anqueil, die genügend Wasser lieferten, um die vielen Springbrunnen zu betreiben. Hier waren also nur recht begrenzte Wasserbaumaßnahmen erforderlich, im Gegensatz zu dem dafür topografisch ungeeigneten Versailles, wo selbst pharaonische Bauwerke nicht ausreichten, um Ludwigs XIV. größenwahnsinnige Vorstellungen ewig sprudelnder Fontänen zu erfüllen.

Les Bassins des Tritons

Das Motiv des Wassers steigert sich vom Schloss kommend immer mehr. Beim Gang durch den Garten erwarten den Spaziergänger immer neue Überraschungen. Dazu gehörte auch die von Springbrunnen gesäumte Allee auf der Sichtachse des Gartens zwischen den Bassins des Tritons. Sie war gesäumt von mehreren Dutzend Fontänen, die heute durch Marmorvasen ersetzt sind. Madelaine de Scudery nannte die Allee eine „balustrade de cristal“.[10]

Das Ende dieser Wasserallee bildet ein großes quadratisches Wasserbecken. In ihm spiegelt sich -eine weitere Überraschung- das 500 Meter entfernt liegende Schloss in voller Größe: Der erste miroir d’eau eines französischen Gartens.

Zu den auf den Spaziergänger wartenden Überraschungen gehören auch der vom Schloss aus nicht sichtbare große Kanal, in dem das Wasser des Flüsschens Anqueil aufgestaut ist, und die große Kaskade.

Dazu Madeleine de Scudery 1661: „Hinter dem großen quadratischen Becken steigt man … hinab und jetzt sieht man etwas völlig Überraschendes. Tatsächlich kann sich die Phantasie etwas so Großes, so Schönes und so Glanzvolles nicht vorstellen; die Natur, so mächtig sie auch ist, kann etwas so Schönes nicht hervorbringen, und die Kunst, die sich so häufig rühmt, sie nachzuahmen, sie gar zur übertreffen und stets zu schmücken, könnte etwas so Wunderbares nicht erschaffen. So darf man sagen, dass das, was man an eben diesem Ort sieht, das Meisterwerk der Verbindung von Kunst und Natur ist.“[11]

Blick von der Kaskade auf den Kanal

La Fontaine rühmte in seinem Songe de Vaux die Zahl und Vielfalt der Springbrunnen. Hortésie, die Muse der Gärten, preist die „hundert verschiedenen Formen“: manchmal ruhe das Wasser, manchmal fließe und manchmal springe es empor; und immer sei es eine Freude für die Augen.[12]

In die beiden Grottenhöhlen (Plan Nr. 18) sind die Skulpturen zweier Flussgötter eingefügt. Hier in der linken Grottenhöhle der einheimische Flussgott Anqueuil ….

…. rechts der Tiber. „Mit diesem Gegensatzpaar präsentiert sich Vaux-le-Vicomte in Abgrenzung zu Italien und diesem überlegen.“

 Während der Tiber in melancholischer Pose seinen Kopf auf die linke Hand gestützt hat, zeigt sich „der die Anlage durchfließende und die unzähligen Wasserspiele unversieglich speisende Anqueuil …. üppiger und zufriedener als der römische Tiber, der sein Ansehen nur aus vergangener Schönheit zu schöpfen scheint.“[13]

Die Treppenaufgänge rechts und links der Grotte werden von zwei Löwen flankiert, jeweils in Begleitung eines Eichhörnchens, dem Wappentier Fouquets.[14]

   © Thierry Prat

Der jeweils äußere Löwe hält in seinen Pranken ein Füllhorn, Symbol des unter der Herrschaft des Sonnenkönigs verheißenen Wohlstandes. Und in diesem Füllhorn kann man das Eichhörnchen erkennen, das die Früchte des Wohlstandes genießt.

Bei den beiden inneren Löwenskulpturen hält der Löwe zwischen seinen Pranken vorsichtig und schützend ein Eichhörnchen. Der königliche Löwe und das Eichhörnchen sind hier harmonisch vereint: Fouquet war, als er Vaux-le-Vicomte bauen ließ, eine sehr einflussreiche, aber doch auch umstrittene Persönlichkeit. Das von einer Schlange (Colbert) verfolgte Eichhörnchen im cabinet des Jeux des Schlosses veranschaulichte das. Insofern ist die doppelte Darstellung des von dem Löwen beschützten Eichhörnchens auch eine unmissverständliche Botschaft an Ludwig XIV.

Den Abschluss der Wasserspiele bildet die in der zentralen Achse des Garten liegende,  von Zeitgenossen vielbewunderte Garbe[15], die allerdings im 19. Jahrhundert nur unvollständig rekonstruiert wurde.  Auf der Anhöhe dahinter steht eine bronzene Statue des Herkules Farnese. Leicht auf seine Keule gelehnt, ruht er sich von seinen Werken aus. Die kürzlich wieder frisch vergoldete Statue wurde erst 1891 aufgestellt, entspricht aber den ursprünglichen Planungen des Gartens und seiner Skulpturen.[16] „Die Herkulesstatue nimmt die Götterthematik wieder auf, die mit dem Hermengitter des Eingangs in Vaux eingeführt wurde. Sie bildet den Abschluss der Anlage und kennzeichnet damit eine weiteres Mal Vaux-le-Vicomte als einen von den Göttern bewohnten und bewachten Ort.“[17]

Überraschend ist die Perspektive vom Herkules-Hügel auf das Schloss. Es erscheint fast zum Greifen nahe, das ganze Ausmaß des Gartens bleibt im Verborgenen. Wie auch von der Schlossterrasse aus sind wesentliche Teile und Ebenen des Gartens nicht sichtbar, sondern der Besucher entdeckt sie erst nach und nach.  Das Schloss dagegen präsentiert sich besonders imposant: Die Wirtschaftsgebäude scheinen auf gleicher Höhe direkt neben dem Schloss zu liegen. Der Autor des Berichts über das Fest vom 17. August 1661 hebt das besonders hervor: „Ich will diesen Ort nicht verlassen, ohne euch zu sagen, dass sich hier die schönste Perspektive der Welt dargeboten hat; das Schloss ist eines der schönen Gebäude, die man sieht, tatsächlich ist es der Blickfang zusammen mit den beiden Wirtschaftsgebäuden der Nebenhöfe, und diese wirken trotz der ziemlich weiten Entfernung so, als wären sie mit dem Schloss verbunden, um seine Ausdehnung größer erscheinen zu lassen.“[18] Dass auch die Wirtschaftsgebäude architektonisch anspruchsvoll gestaltet sind, erweist sich gerade aus dieser Perspektive als sehr einsichtig.

Hier zeigt sich ein von Le Nôtre für Vaux-le-Vicomte konzipiertes beidseitiges Spiel mit den Perspektiven, das auch und vor allem den Blick von der Schlossterrasse auf den Garten charakterisiert.

Le Nôtre bedient sich dabei illusionistischer Effekte: der Methode der abgeschwächten Perspektive (perspective ralenti): „Le Nôtre manipuliert den Raum, indem er die Flächen und Skulpturen des Gartens unter Beachtung ihrer unterschiedlichen Entfernungen derart dimensioniert, dass sie sich vom Schloss aus in ihrer Größe nicht unterscheiden und somit der Effekt der Fluchtperspektive vermindert wird.“ Der 6 m hohe Herkules-Koloss am Ende des Gartens erscheint vom Schloss aus gesehen eher mannshoch. Und zu den illusionistischen Effekten gehört auch „der fortwährende Wechsel von Verbergen und Enthüllen, der zu einem Kennzeichen des französischen Gartens werden sollte.“[19]

Kurz hinter dem Eingang zum Tuilerien-Garten, den ebenfalls Le Nôtre geplant hat, ist auf der linken Seite seine Büste in die Mauer eingelassen. Da werden die Gärten von Versailles, Chantilly, Saint-Cloud und Meudon als seine herausragenden Kreationen genannt. Vaux-le-Vicomte fehlt, auch wenn es der erste und wegweisende Barockgarten Le Nôtres und Europas war.

Für mich ist das ein Hinweis auf das weitere Schicksal Fouquets und Vaux-le-Vicomtes. Indem dies ausgeblendet wird, fällt kein Schatten auf den „Sonnenkönig“ und sein Schloss. Es steht unangefochten am Anfang…

Das Fest vom 17. August 1661 in Vaux-le-Vicomte und der Fall Fouquets

Der 17. August 1661: Ein Höhepunkt barocker Festkultur

Fouquet ließ es an nichts fehlen, um ein außergewöhnliches Fest für den Besuch des Königs und seines Gefolges zu veranstalten und sich damit als loyaler Diener zu beweisen. Mit der Organisation wurden François Vatel und Charles Le Brun beauftragt: Der Haushofmeister Vatel für die Verköstigung der Gäste, Le Brun für die Dekorationen in Schloss und Garten. Dazu erhielt Molière den Auftrag, ein Bühnenstück für das Fest zu verfassen und aufzuführen; der italienische Maschinist Toricelli war für die Bühnendekoration zuständig und das Feuerwerk.[20] Auch für die musikalische Untermalung musste gesorgt werden. Da das Schloss noch nicht fertiggestellt war, ließ Fouquet Möbel, Tapisserien, Wäsche und silbernes Tafelgeschirr von seinen anderen Besitzungen kommen und kaufte dann noch Fehlendes hinzu. Immerhin gehörten etwa 500 Personen zum Tross des Königs und der Königinmutter, Anne d’Autriche, „die Blüte Frankreichs“, wie es in einem zeitgenössischen Bericht hieß.[21]

Foquet empfängt am 17. August 1661 Ludwig XIV. und sein Gefolge in seinem Schloss[22]

Nachdem sich die von Fontainebleau gekommenen Gäste von der Fahrt in der sommerlichen Hitze erholt hatten, folgten eine Schlossbesichtigung und ein Rundgang bzw. eine Rundfahrt durch den Garten.

Danach begab man sich wieder ins Schloss, wo im zentralen Salon, „groß wie eine Kathedrale“,[23] ein Festmahl die Gäste erwartete: Ein sogenanntes ambigu, bei dem alle Speisen gleichzeitig aufgetragen werden.

Dazu Félibien über seinen Festbericht:  „Ich fand einen sehr guten Platz, an dem man uns Fasane, Ortolane[24], Wachteln, Rebhühner, Bisque[25], Ragouts und andere gute Stücke und reichlich Wein aller Art servierte. Die Tische wurden mehr als fünf oder sechs Mal neu gedeckt, und es gab niemanden, der nicht vollauf zufrieden war.“ Ein Violinkonzert diente als musikalische Untermalung.

Nun ging es wieder in den Garten.  Dort präsentierte Molière auf einer eigens dafür hergerichteten Bühne Les Fâcheux, die er extra für diesen Anlass geschrieben und in drei Tagen einstudiert hatte. Zu Beginn betrat Molière die Bühne, beklagte die kurze Zeit der Vorbereitung und den Mangel an Schauspielern. Nur der König könne mit seinen Zauberkräften hier Abhilfe schaffen. So verwandelten sich auf einen Wink Ludwigs die Statuen und Bäume der Bühnendekoration nach und nach in lebendige Wesen, und das Spiel konnte beginnen.  Es ist die erste Ballettkomödie der Theatergeschichte und der Anfang einer langen Zusammenarbeit Molières mit dem Ballettmeister Pierre Beauchamp.

Nach dem Theater ein weiterer spektakulärer Höhepunkt: Ein grandioses Feuerwerk, bei dem nach zeitgenössischen Berichten mehr als 400 Lilienblüten und 16 große Figuren in den Himmel gezaubert wurden. Heute wird dergleichen am 14. Juli in Paris mit hunderten von Drohnen gemacht, aber offenbar war das schon damals möglich… Und dann erschien, begleitet von Trompetenfanfaren und Trommelwirbeln,  auf dem großen Kanal auch noch „die kunstvoll gestaltete Attrappe eines Wals, der ebenso unzählige Rauchraketen und Feuerwerkskörper entsprangen“, sodass der Eindruck entstand, man befinde sich mitten in einer großen Seeschlacht.

Nachdem die letzten Raketen verglüht waren, machte sich die Festgesellschaft auf den Weg zurück zum Schloss, wurde dabei aber von einem weiteren Feuerwerk begleitet: „Aus dem Kuppelturm des Schlosses schossen Schwärmer und Schlangen in den Himmel und bildeten einen Bogengang, unter dem die Gäste hindurchschritten.“[26]  In dem von Kerzen beleuchteten Schloss gab es dann nochmal einen Imbiss, zu dem „die schönsten und seltensten Früchte“ (Félibien) gereicht wurden. Weit nach Mitternacht verließen dann die Gäste unter Trommelwirbeln das Schloss und fuhren zurück nach Fontainebleau.

Das Fest vom 17. August 1661 war nicht das erste in Vaux-le-Vicomte, und bei königlichen Besuchen anderer Schlösser und hoher Herren gab es auch schon Feste mit ähnlichen Darbietungen wie denen des großen Festes von Vaux. Noch niemals aber waren diese Festelemente in dieser umfassenden Form und in dieser Perfektion präsentiert worden. Alles wetteiferte darin, wie La Fontaine schrieb, den König zu erfreuen. Noch tagelang danach war das Fest Gesprächsthema des Hofes und La Fontaine und Félibien veröffentlichten ausführliche Beschreibungen, die „die Magie des Festes“ weiter verbreiteten.[27]

Die Verhaftung und der politische Prozess gegen Fouquet

Fouquet konnte sich also Hoffnungen machen, mit diesem Fest seine Stellung beim König gefestigt zu haben. Allerdings war dem nicht so, ganz und gar nicht. Schon vor dem Fest war sein Sturz beschlossene Sache. Fouquet hatte also „keine Chance mehr“.[28] Ursprünglich war sogar geplant, die Verhaftung noch in der Nacht des Festes vorzunehmen. Die wurde allerdings dann auf den 5. September verschoben, als der nichtsahnende Fouquet an einer Versammlung in Nantes teilnahm. Da wurde er auf Befehl des Königs von d’Artagnan und seinen Musketieren verhaftet[29], zunächst in das Schloss von Angers und schließlich nach Vincennes gebracht, wo er im Donjon des Schlosses nicht der erste und letzte prominente Gefangene war und blieb…

In der Literatur werden mehrere Gründe für die Verhaftung Fouquets genannt:

  • Der Einfluss Colberts, der alles daran setzte, seinen Konkurrenten beim jungen König verdächtig zu machen.[30]  Colbert hat den Fall seines Rivalen betrieben und die Verhaftung Fouquet bis ins letzte Detail organisiert.[31]   „Colbert tat alles dazu, Fouquet zu diffamieren, um die enormen Geldzuflüsse vergessen zu machen, die er zu Zeiten Mazarins erhalten hatte. Colbert baute sein Ansehen als ehrenwerter Mann, als effizienter Reformator, als hingebungsvoller Minister im Dienste des Staatswohls auf dem Ruin des Ansehens seines Gegners auf.“ [32] Und Colbert war es dann ja auch, der ganz unmittelbar das politische Tribunal gegen Fouquet steuerte.
  • Das Fest vom 16. August 1661 hat sicherlich keine ausschlaggebende Rolle gespielt. Aber sicherlich hat Ludwig XIV. den Glanz von Vaux-le-Vicomte nicht ertragen und gewissermaßen von Fouquet in den Schatten gestellt zu werden.  Immer wieder wird angesprochen, wie der König voller Neid und Zorn das Fest verließ. Auf dem Rückweg nach Fontainebleau soll der seiner Mutter gesagt haben, man müsse diesen Leuten -d.h. Fouquet- an die Gurgel gehen „War es zu Zeiten Mazarins und seiner Regierung durchaus vertretbar gewesen, dem jungen und unerfahrenen König gegenüber die eigenen Führungsqualitäten zu rühmen“ – wie dies mit dem Schlossbau von Vaux-le-Vicomte geschah- „so bedeutete dies nach der Regierungsübernahme eines sich für mündig erklärenden Monarchen einen Affront. Die Wende von 1661 machte die baulichen Investitionen des Finanzministers zu einer Waffe, die sich gegen ihn zu richten drohte.“ (Howald, S. 173)Ludwig, der gerade auf dem Weg zur absoluten Herrschaft war, setzte alles daran, die Erinnerung an Vaux und Fouquet auszulösen. Das Schloss wurde seiner Kunstschätze beraubt, selbst die Orangenbäume aus dem Garten wurden ausgegraben und nach Versailles gebracht, wo Schloss und Garten Vaux übertrumpfen sollten. Dazu übernahm Ludwig das Personal Fouquets: Le Vau, Le Nôtre, Le Brun, La Quintinie, die Vaux geschaffen hatten. Dazu Molière, die nun alle bereitwillig in den Dienst des Sonnenkönigs traten und seinen Ruhm mehrten. Und Ludwig veranstaltete in Versailles grandiose Feste, die die „demütigende  Erinnerung an das Fest von Vau“ auslöschen sollten.  So die Plaisirs de l’Île enchantée, die eine ganze Woche lang vom 6. bis 13. Mai 1664 in den Gärten von Versailles stattfanden.[33]
  • Fouquet eignete sich hervorragend als Sündenbock, und einen Sündenbock konnten Ludwig und Colbert gut gebrauchen. Frankreich war durch lange Kriege belastet, die Staatskassen leer, die Steuerlast hoch. Wie gut, dass man da in Fouquet einen Schuldigen ausmachen konnte. So war es möglich, den bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert in Frankreich lebendigen Mythos eines guten Königs aufrecht zu erhalten und für alle Übel schlechte Ratgeber verantwortlich zu machen.[34] Da lag es nahe, den Reichtum Fouquets als hemmungslose Bereicherung auf Kosten des Staates anzuprangern und ihn für die finanzielle Misere verantwortlich zu machen. Voltaire hatte dazu schon bemerkt, dass man Fouquet wesentlich weniger Vorwürfe machen konnte als dem sich hemmungslos bereichernden Kardinal Mazarin.[35] Dabei war Fouquet derjenige,  „der die bereits zu seinem Amtsantritt schlechte Finanzlage der Krone über das Ende des Spanischen Krieges hinweg und trotz der unaufhörlichen pekuniären Forderungen Mazarins gerettet hatte.“ Und dabei hatte Fouquet auch sein eigenes Vermögen eingesetzt und dabei auch das Schloss von Vaux gegenüber den Gläubigern als Beleg für seine Zahlungskraft verwendet.[36]  
  • Der wohl wichtigste Grund für die Verhaftung Fouquets war aber wohl, dass dieser dem Wunsch Ludwigs im Wege stand, die Alleinherrschaft zu übernehmen. Die Zeugen des Coups vom 5. September 1661 verstanden, dass jetzt das persönliche Regiment Ludwigs XIV. begann.[37] 10 Tage nach der Verhaftung Fouquets schaffte Ludwig das Amt des Finanzministers ab und schuf einen Conseil royal des finances. Und das Amt eines Premierministers, das zu erhalten sich Fouquet nach dem Tod Mazarins Hoffnungen gemacht hatte, wurde selbstverständlich ebenfalls abgeschafft.

Mit Fouquet sollte nach dem Willen Ludwigs XIV. ein im wahrsten Sinne des Wortes kurzer Prozess gemacht werden. Es war ein von oben gesteuerter politischer Prozess, der geradezu zu einem zeitlosen „Archetyp eines politischen Prozesses“ wurde.[38] 

Eigentlich hätte dieser Prozess vor dem Parlament von Paris stattfinden müssen. Stattdessen wurde aber ein Sondertribunal gebildet mit von Colbert und dem König handverlesenen Mitgliedern[39], deren Auftrag es war,  Fouquet zum Tode zu verurteilen. Fouquet wurde in Isolationshaft gehalten; auf Befehl Colberts wurden wichtige Dokumente gefälscht, entlastende Dokumente vernichtet. Zeugen, die zugunsten Fouquets hätten aussagen können, wurden nicht gehört. Um Fouquet keine öffentlichkeitswirksamen Auftritte zu ermöglichen, fanden die Verhandlungen in rein schriftlicher Form statt, „comme à un muet“ in der damaligen Terminologie, also wie mit einem Stummen.  Prozessberichte, die die skandalöse Bereicherung Fouquets belegen sollten, wurden gezielt an die Öffentlichkeit gebracht. Aber Fouquet setzte sich zur Wehr. Er war ja auch ein brillanter Jurist und kämpfte wie ein Löwe: Einzelne Punkte der Anklage zerpflückte er detailliert. Seiner Frau, die immer zu ihm hielt, gelang es, heimlich Verteidigungsschriften ihres Mannes drucken zu lassen und zu verbreiten. Und dann gab es auch noch Freunde, die zu ihm hielten und sich für ihn einsetzten: Zuallererst La Fontaine, der in seiner Elégie aux Nymphes de Vaux vom Mai 1662 das Unglück Fouquets beklagte und, wie dann auch noch in seiner Ode au Roi, versuchte, den König umzustimmen und ihm nahelegte, Milde gegenüber Fouquet walten zu lassen.  Und dann kursierte auch unter der Hand La Fontaines zu seinen Lebzeiten nie veröffentlichte Fabel vom Eichhörnchen (Fouquet) und dem bösen Fuchs, eine unverkennbare Kritik an Fouquets Intimfeind Colbert.[40]

Auch Madame de Sévigné, die mit Fouquet Briefe ausgetauscht und der Fouquet den Hof gemacht hatte, hielt zu ihm. Es traf sich gut, dass ihr Vetter Olivier Lefèvre d’Ormesson von Ludwig XIV. zum Richter und Berichterstatter des Prozesses ernannt wurde. Diese Beziehung nutzte sie und machte sich bei ihm gewissermaßen zur Fürsprecherin der Freunde Fouquets. Sie war auch insofern betroffen, als bei den Durchsuchungen der Güter Fouquets eine Kassette mit intimen Briefen von Damen („poulets“!) gefunden wurde, die der notorische Verführer dort gesammelt hatte. Darunter waren auch Briefe von Madame de Sévigné, die nun die Rache Ludwigs XIV. fürchtete. Der ließ sich sogar diese Briefe vorlegen, überzeugte sich aber davon, dass Madame de Sévigné allen Verführungskünsten Fouquets widerstanden hatte. Vielleicht war er auch von der schriftstellerischen Qualität der Briefe beeindruckt, sodass er Madame Sévigné und ihrer Tochter sogar den königlichen Hof öffnete. Ihre Tochter Françoise durfte sogar mehrfach in Ballettaufführungen mit ihm tanzen, und beide Damen gehörten im Mai 1664 zu en Gästen des prächtigen Festes, mit dem der Park von Versailles  eingeweiht wurde. [41]

Allmählich kam es denn auch zu einer Veränderung interessierter und meinungsbildender Schichten der französischen Bevölkerung. Hatte man zunächst noch mit Bewunderung den „coup de majesté“ des jungen Monarchen begrüßt, so wurde Fouquet im Laufe des Prozesses immer mehr als Opfer gesehen. Und die Verhandlungen zogen sich immer mehr hin. Ganze drei Jahre dauerte der Prozess, vom 14. November 1661 bis zum 20. Dezember 1664.

Am Ende widersetzten sich die Richter mit 13 zu 9 Stimmen den Wünschen ihres Königs und Colberts, die Todesstrafe zu verhängen. Fouquet wurde „lediglich“ dazu verurteilt, Frankreich zu verlassen. Madame de Sévigné jubelte. Sie sei „außer sich vor Freude“: Insgesamt seien 13 Richter dem Votum ihres Vetters gefolgt und hätten gegen die von Ludwig XIV. gewünschte Todesstrafe gestimmt. „Unser armer Freund ist gerettet“, schrieb sie in einem Brief. [42] Aber weder Colbert noch Ludwig mochten sich einen Fouquet in Amsterdam oder London vorstellen. Fouquet hätte dort über beträchtliche Handlungs- und Einflussmöglichkeiten verfügen können.  In einem einzigartigen Akt absoluter Herrschaft kassierte Ludwig das Urteil und verhängte eine lebenslange Haft. Am 16. Juli 1665 wurde Fouquet von d’Artagnan und seinen Musketieren in die Alpen-Festung Pignerol gebracht. Dort blieb er bis zu seinem Tod am 23. März 1680.

    Die Festung Pignerol, in der Fouquet die letzten 26 Jahre seines Lebens verbrachte [43]

Das versiegelte und seiner Kunstschätze beraubte Schloss wird 1673 der Witwe Fouquets zurückgegeben, die es aber verkauft. Das Schloss übersteht die Revolution unbeschadet, verfällt aber nach 1847 in einen 30-jährigen Dornröschenschlaf, weil die Besitzer nicht mehr in der Lage sind, die notwendigen Erhaltungsmaßnamen  zu finanzieren. 1875 wird der Besitz in drei Teile aufgeteilt: Schloss, Garten und Nebengebäude, die versteigert werden sollen. Um eine Aufspaltung zu verhindern, wendet sich der Präfekt des Departements an seinen Freund Alfred Sommier, einen reichen Industriellen und Kunstliebhaber, der den gesamten heruntergekommenen Besitz kauft und Schloss und Park mit erheblichen Geldmitteln restauriert.

Portrait von Alfred Sommier in dem nach ihm benannten Hotel – seinem ehemaligen Stadtpalais in der rue de l’Arcade in Paris

Seit 1877 ist das Schloss nun im Besitz der Familie – es ist das größte monument historique Frankreichs, das sich im Privatbesitz befindet. Von Mäzenen unterstützt wird an der Anlage kontinuierlich weitergearbeitet, um ihr möglichst viel von dem  alten  Glanz wiederzugeben. Dabei ist auch an die Inbetriebnahme weiterer Fontänen gedacht, die es einmal gab… Und die soirées aux chandelles sollen ein wenig den Glanz des großen Festes vom 17. August 1661 erleben lassen.

Praktische Hinweise

Von Paris aus erreicht man das Schloss mit dem Transilien  Linie R nach Melun. (Erste Station des Zuges Richtung Montereau ab Gare de Lyon, 25 Minuten. Als Fahrkarte dient der Pass Navigo.

Ab Bahnhof Melun gibt es einen vorab zu buchenden Shuttle-Bus (Navette).

Fahrplan: https://media.vaux-le-vicomte.com/wp-content/uploads/2025/05/23144944/Navettes-2025-VF.pdf?_gl=1*vlo6fc*_gcl_au*ODk0OTI0NzUxLjE3NDg3MzkxMTY.

Alternative: Taxi oder Uber, was -wenn überhaupt- kaum teurer ist, bei mehr als 2 Personen sogar günstiger und schneller.

Schloss und Park sind vom 15. März bis 3. November täglich von 10-17.30 h geöffnet.

Die Springbrunnen sind nur noch während der soirées chandelles in Betrieb. Bei dieser Gelegenheit auch Feuerwerk. https://www.tourisme-seine-et-marne.fr/visiter-decouvrir/798844-soirees-chandelles-vaux-vicomte/

Plan des Gartens von Vaux-le-Vicomte. Aus Brix, Der barocke Garten.

Literatur

Alain Baraton, Le Jardinier de Versailles. Grasset 2006, S. 153ff

Vaux-le-Vicomte. Château & jardin. Herausgegeben von der Association Les Amis de Vaux-le-Vicomte 2022

Yves-Marie Bercé (membre de l’Académie des inscriptions et belles lettres), Nicolas Fouquet, le « coup de majesté » de Louis XIV et la fête de Vaux-le-Vicomte du 17 août 1661. In: Canal Académies, Les Podcasts de  l’Institut de France. 14. August 2011  https://www.canalacademies.com/emissions/un-jour-dans-lhistoire/nicolas-fouquet-le-coup-de-majeste-de-louis-xiv-et-la-fete-de-vaux-le-vicomte-du-17-aout-1661

Michael Brix:  Der barocke Garten. Magie und Ursprung – André Le Nôtre in Vaux-le-Vicomte. Stuttgart 2004

André Félibien, Relation des magnificences faites par M. Fouquet à Vaux-le-Vicomte lorsque le Roy y alla, le 17 aoust 1661, et de la somptuosité de ce lieu.  Le Fablier. Revue des Amis de Jean de La Fontaine  Année 1999,  pp. 31-34

Jean de La Fontaine, « Lettre à Maucroix »Relation d’une Fête donnée à Vaux. In: Oeuvres diverses, Paris, Didot, 1729, t. III, p. 296-304. https://moliere21.cnrs.fr/la-fontaine-lettre-a-maucroix/

Bénédictine Garnier und Francoise de La Moureyre, La folle course de Charles Le Brun dans le Grand Salon de Vaux-le-Vicomte. In: Bulletin du Centre de Recherche du Château de Versailles 14/2017 https://journals.openedition.org/crcv/14530?lang=en

Chantal Grell, En guise d’introduction: Nicolas Fouquet au tribunal de l’histoire. In: Les Années Fouquet: Politique, Société, Vie Artistique et Culturelle dans les années 1650. Münster: LIT 2001

Christine Howald,  Der Fall Nicolas Fouquet: Mäzenatentum als Mittel politischer Selbstdarstellung 1653–1661. München 2011.

Stéphane Maltère, Madame de Sévigné. Éditions Gallimard 2013

Alain Mérot, Temple des Muses, Palais du Soleil: les plafonds peints par Charles Le Brun au château de Vaux-le-Vicomte. In: Les Années Fouquet. LIT 2000

Marion Müller, Représentation politique et ambition artistique. Le décor de Charles Le Brun pour la chambre des Muses au château de Vaux-le-Vicomte. Bulletin du Centre de Recherche du Château de Versailles 14/2017  https://doi.org/10.4000/crcv.14617

Marion Müller, Das Schloss als Zeichen des Aufstiegs Die Ausstattung von Vaux-le-Vicomte im Kontext repräsentativer Strategien des neuen Adels im französischen 17. Jahrhundert. Universität Heidelberg 2022 https://heiup.uni-heidelberg.de/catalog/book/819

Hanno Dampf, Die Entwicklung der Gartenanlagen von der Renaissance zum Barock. Eine Gegenüberstellung der Villa Lante und Vaux-Le-Vicomte.

Schweizer, Stefan: André le Nôtre und die Erfindung der französischen Gartenkunst, Berlin: Wagenbach 2013

Thomas Ster, Andeutungen zur Geschichte der europäischen Gartenkunst. In: Carinthiall 192,  Klagenfurt 2002, S. 261-286


Anmerkungen

[1] Zitat von Mlle de Scudéry und vorausgehendes Zitat aus Howald, S. 129. Siehe dazu auch Brix, Der barocke Garten, S. 52: „Wenn schließlich noch die Eingangstüren an der Hofseite geöffnet waren, konnte man durch das ganze Gebäude hindurch bis zum Ende des Gartens schauen.“

Nachfolgendes Foto:  https://media.vaux-le-vicomte.com/wp-content/uploads/2019/12/10124149/Vaux-le-Vicomte_C_Alejandro_Fernandez_Fotografo_2016_3-1024×683.jpg  

[2] Thomas Ster, Andeutungen zur Geschichte der europäischen Gartenkunst. In: Carinthiall 192,  Klagenfurt 2002, S. 261-286

[3]  Israël Silvestre, Château de Vaux-le-Vicomte, vue et perspective générale des jardins Photo (C) RMN-Grand Palais (musée du Louvre) / Michel Urtado.  S.a. https://www.meisterdrucke.lu/fine-art-prints/Isra%C3%ABl-Silvestre-the-Younger/62558/Vue-en-perspective-du-jardin-de-Vaux-le-Vicomte.html

Silvestre hat eine ganze Serie von Stichen über den Garten von Vaux-le-Vicomte angefertigt. Siehe auch: https://vaux-le-vicomte.com/decouvrir/les-jeux-deau/ 

[4] Howald, S. 125

[5] Den Begriff der tabula rasa verwendet, auf den Garten von Vaux-le-Vicomte bezogen, Thierry Mariage. Zit. bei Brix, S. 161. Entsprechend. Thomas Ster, Andeutungen zur Geschichte der europäischen Gartenkunst. In: Carinthiall 192,  Klagenfurt 2002, S. 261-286

[6] Die Broderien wurden in den 1920-er Jahren rekonstruiert, allerdings nicht in der ursprünglichen Feinheit. Siehe Brix, Der barocke Garten, S. 70f

[7] https://media.vaux-le-vicomte.com/wp-content/uploads/2019/07/01152225/DP-Une-%C5%93uvre-dart-dans-les-jardins-de-Vaux-le-Vicomte.pdf

[8] Nachfolgendes Bild aus: https://vaux-le-vicomte.com/decouvrir/les-jeux-deau/

[9] Brix, Der barocke Garten, S.72

[10] « Le Nôtre a fait en sorte que le promeneur ne puisse jamais anticiper ce qui l’attend » – Patrick Borgeot, chef jardinier de Vaux-le-Vicomte

[11] Zitiert bei Brix, der barocke Garten, S. 60

[12] C’est à Vaux-le-Vicomte que naquit sous la plume de La Fontaine (qui y séjourna quatre ans) Hortésie, la muse des jardins, dans Le Songe de Vaux. Nul mieux qu’elle n’a décrit les effets produits par les eaux de l’Anqueil : « Je donne au liquide cristal Plus de cent formes différentes, Et le mets tantôt en canal, Tantôt en beautés jaillissantes ; On le voit souvent par degrés Tomber à flots précipités ; Sur des glacis je fais qu’il roule, Et qu’il bouillonne en d’autres lieux ; Parfois il dort, parfois il coule, Et toujours il charme les yeux. » https://www.connaissancedesarts.com/monuments-patrimoine/jardins/les-jardins-de-vaux-le-vicomte-le-chef-doeuvre-de-le-notre-11136228/

[13] Howald S. 133

[14] Nachfolgenes Bild aus: https://journals.openedition.org/crcv/14530?lang=en

[15] In seinem Brief an M. Maucroix über das Fest vom 17. August 1661 hebt La Fontaine drei Fontänen besonders hervor: Den Kronenbrunnen, die Kaskade und die Garbe.  Lettre à Maucroix – Molière 21

[16] https://actu.fr/ile-de-france/maincy_77269/patrimoine-pourquoi-y-a-t-il-une-statue-d-hercule-au-chateau-de-vaux-le-vicomte_45532811.html und https://www.leparisien.fr/seine-et-marne-77/maincy-77950/maincy-l-hercule-de-vaux-le-vicomte-brille-a-nouveau-de-mille-feux-25-05-2017-6983391.php

[17] Howald, S. 135/136

[18] Zit. bei Brix, Der barocke Garten, S. 138. Brix hält es offenbar für nicht erwiesen, dass Félibien der Autor des Berichts über das Fest vom 17. August 1661 ist.

[19] Howald, S. 131 

[20] Howald verwendet den Namen Torelli (S.178), Bercé den Namen Toricelli

[21] „la fleur de toute la France“. Muze historique vom 20. August 1661. Zit. von Howald S. 180

[22] Nicolas Fouquet reçoit Louis XIV lors de la somptueuse fête du 17 août 1661 dans son château de Vaux-le-Vicomte. Rue des Archives/©Rue des Archives/RDA Aus: https://www.lefigaro.fr/histoire/2018/02/06/26001-20180206ARTFIG00286-cinq-choses-a-savoir-sur-nicolas-fouquet-nomme-grand-argentier-il-y-a-365-ans.php

[23] https://www.canalacademies.com/emissions/un-jour-dans-lhistoire/nicolas-fouquet-le-coup-de-majeste-de-louis-xiv-et-la-fete-de-vaux-le-vicomte-du-17-aout-1661

[24] „Der Ortolan, ein etwa sperlinggroßer Singvogel, wird gefangen und im Dunkeln oder nach Entfernen seiner Augen etwa 14 Tage lang gemästet. Die Dunkelheit verwirrt den Tag- und Nachtrhythmus des Vogels, sodass er ständig frisst. Er erreicht dann etwa das Dreifache seines ursprünglichen Gewichts. Er wird in Armagnac ertränkt und in einem speziellen kleinen Topf in Fett gegart.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Fettammer

[25] Bisque ist eine pürierte Suppe, die aus Hummern oder anderen Krustentieren gekocht wird.

[26] Beide Zitate: Howald, S. 183/184

[27] https://francearchives.gouv.fr/fr/pages_histoire/39048

[28] Howald, S. 173. Siehe auch https://www.lefigaro.fr/histoire/2018/02/06/26001-20180206ARTFIG00286-cinq-choses-a-savoir-sur-nicolas-fouquet-nomme-grand-argentier-il-y-a-365-ans.php :   „La légende veut que ce soit à la suite de cette fête que le roi, jaloux, décide de la chute du surintendant des finances. Mais c’est faux: l’arrestation de cet encombrant et puissant personnage a été décidée par le roi dès le mois de mai. Jean-Baptiste Colbert qui souhaite la perte de Fouquet, a réussi à convaincre le roi des malversations du surintendant.“

Diese Legende wird auch heute noch verbreitet, sei es aus blanker Unkenntnis, sei es, dass die „schöne“ Legende wider besseres Wissen den historischen Fakten vorgezogen wird. Siehe Gerlinde Kraus, Bedeutende Französinnen. Mühlheim am Main 2006, S. 111: Fouquet „hatte den unverzeihlichen Fehler begangen, dem König in seinem Schloss Vaux einen allzu prunkvollen Empfang zu geben. Daraufhin ließ der König ihn fallen.“

[29] L’arrestation de Nicolas Fouquet le 5 septembre 1661 à Nantes par d’Artagnan, sur ordre du roi Louis XIV. Rue des Archives/Rue des Archives/Tallandier      

[30] „Colbert, autre ministre célèbre de Louis XIV, concentra tous ses efforts pour que le surintendant des finances devienne suspect aux yeux du roi.“ https://www.justice.gouv.fr/actualites/actualite/proces-nicolas-fouquet

[31]Mémoire de Colbert, Arrestation de Fouquet: Mesures préparatoires https://www.persee.fr/doc/corr_0000-0002_1863_cor_2_1_914_t1_0189_0000_2 

[32] Chantal Grell, Nicolas Fouquet au tribunal de l’histoire S. 1

[33] https://123dok.net/article/fete-aout-dossier-pedagogique-chateau-vaux-vicomte-maincy.yd7544gg#google_vignette

[34] Jean Meyer  (a.a.O.) spricht von einem „mythe quasi constitutionelle de la fidélité du peuple français à leur roi“ (S. 31)

[35] https://leslumeresdeversailles.blogspot.com/2024/01/portrait-de-nicolas-fouquet-par-charles.html

[36] Howald, S. 173

[37] https://www.canalacademies.com/emissions/un-jour-dans-lhistoire/nicolas-fouquet-le-coup-de-majeste-de-louis-xiv-et-la-fete-de-vaux-le-vicomte-du-17-aout-1661

[38] https://www.canalacademies.com/emissions/un-jour-dans-lhistoire/nicolas-fouquet-le-coup-de-majeste-de-louis-xiv-et-la-fete-de-vaux-le-vicomte-du-17-aout-1661

[39] https://www.justice.gouv.fr/actualites/actualite/proces-nicolas-fouquet

[40] Boris Donne, La Fontaine et l’invention des Fables. https://www.persee.fr/doc/lefab_0996-6560_2008_num_19_1_1160

[41] Claude Lefebvre, Portrait von Madame de Sévigné. https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/899704 und: Stéphane Maltère, Madame de Sévigné. Éditions Gallimard 2013, Kapitel: Le songe de Vaux, S. 117

[42] Zum Prozess siehe: https://www.canalacademies.com/emissions/un-jour-dans-lhistoire/nicolas-fouquet-le-coup-de-majeste-de-louis-xiv-et-la-fete-de-vaux-le-vicomte-du-17-aout-1661 und https://www.lefigaro.fr/histoire/2018/02/06/26001-20180206ARTFIG00286-cinq-choses-a-savoir-sur-nicolas-fouquet-nomme-grand-argentier-il-y-a-365-ans.php

Zitat von Mme de Sévigné: Stéphane Maltère a.a.O., S. 144

[43] Abbildung aus:  http://reinedumidi.com/rdm/fouquet.htm

Drancy,  das „Vorzimmer des Todes“: Durchgangslager auf dem Weg nach Auschwitz

Annette Kracjer war zwölf Jahre, als sie nach Drancy gebracht wurde. Wenige Tage zuvor hatte man sie brutal von ihrer Mutter getrennt. „Ich hatte den Eindruck in die Hölle zu kommen, die Eisengitter, der schwarze Boden, nirgends Grün, und an den Fenstern …, an diesen Doppelfenstern, wie sie heute noch da sind, diese Masse von Menschen, die uns Ankommende beobachteten.“ Philippe Allouche, Direktor der Stiftung „Mémorial de la Shoah“, ergänzt: „Dieses Gebäude, das war das „Vorzimmer des Todes“.[1]

Dieses Gebäude: Das ist die cité de la Muette, in den 1930-er Jahren ein Pilotprojekt des sozialen Wohnungsbaus in der von ökonomischen und sozialen Umwälzungen gebeutelten nördlichen Banlieue von Paris. Zu dem Projekt gehörten 10 zwei- bis dreistöckige Wohnhäuser, 5 Hochhäuser mit 14 Etagen und ein großer „cour d’entrée“ genannter Platz mit einer hufeisenförmigen Randbebauung: ein damals revolutionäres Konzept, nicht nur wegen der Größe und der Hochhäuser, sondern auch wegen des Baus mit vorgefertigten Teilen. Die Bauarbeiten ziehen sich wegen der Wirtschaftskrise der 1930-er Jahre hin und am Beginn des Zweiten Weltkriegs waren die Wohnungen des Hufeisens noch nicht fertiggestellt. Elektrische und sanitäre Installationen fehlten noch.

Mit Kriegsbeginn wird die Cité de la Muette, auch wenn die hufeisenförmige Anlage noch nicht fertiggestellt ist, von der republikanischen Regierung Daladier als Internierungslager verwendet: Sie bietet dafür beste Voraussetzungen: Es gibt einen großen freien Platz und eine geschlossene Randbebauung von 200 Meter Länge und 40 Meter Breite, so dass nur eine Schmalseite mit Zaun, Stacheldraht und ggf. Wachtürmen geschlossen werden muss. Interniert werden dort Kommunisten, die aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts als potentielle 7. Kolonne und damit Gefahr für die innere Sicherheit angesehen werden. [2]

Nach dem Waffenstillstand mit Frankreich wird das Lager von der Wehrmacht requiriert. Erst werden französische Kriegsgefangene dort provisorisch untergebracht, bevor sie auf Gefangenenlager in Deutschland verteilt werden, dann Briten.

Das Internierungslager für Juden

Im August 1941 wird Drancy zum Internierungslager für Juden: Nach dem Angriff auf die Sowjetunion und dem Bruch des Hitler-Stalin-Pakts setzt der kommunistische Widerstand ein. Für die Nazis war klar: Widerstand=Kommunisten= Juden. Am 20. August findet eine große Razzia im 11. Arrondissement von Paris statt. 4230 Juden, vor allem mit ausländischer Staatsbürgerschaft, werden verhaftet und nach Drancy gebracht, das darauf völlig unvorbereitet ist. Es fehlt an allem, es gibt Krankheiten und -zum ersten Mal wieder in Frankreich seit dem Ancien Régime- Hungertote. Man spricht auch von Drancy-la-Faim, dem Lager des Hungers. [1a] Die Lage ist so katastrophal, dass Anfang November das deutsche Militärkommando entscheidet, tausend Häftlinge zu entlassen. Die verbleibenden Häftlinge dürfen nun Päckchen erhalten, das französische Rote Kreuz ist vor Ort. Die Situation im Lager ist und bleibt trotzdem extrem schwierig. Da gibt es das Problem der ethnischen, sozialen und kulturellen Unterschiede der Häftlinge: Es gibt französische Juden mit hoher Bildung und aus gehobenen sozialen Verhältnissen. Überwiegend stammen die Häftlinge aber aus Osteuropa, ihr kultureller Hintergrund ist yiddisch, ihre Beherrschung der französischen Sprache oft nur mangelhaft. Die Gruppen sind auch in unterschiedlichen Partien des Lagers untergebracht: die einen ironisch „Champs-Élysées“ genannten Bereich, die anderen in „Belleville“ oder „Saint-Paul“, benannt nach eher proletarischen Pariser Vierteln mit starker jüdischer Präsenz. Und es gibt eine Tendenz bei den Bewohnern der „Champs-Élysées“, sich von den als lärmend, schnorrend, undiszipliniert und abscheulich angesehenen anderen abzugrenzen. Durch die Möglichkeit, Päckchen zu empfangen, werden die Gegensätze auch noch deutlicher und größer. [3]

Durchsuchung von Päckchen [4]

Die im Lager eintreffenden Päckchen sind auch Grundlage eines blühenden Schwarzmarkts im Lager. Am 16. Oktober 1941 titelt die Zeitung France-Soir: „Gibt es einen Skandal in Drancy? Im Konzentrationslager bei Paris werden alle Schwarzmarkt-Rekorde gebrochen.“ Das liegt auf der Linie der antisemitischen Propaganda der Nazis und Vichys. Außen vor bleibt dabei natürlich, dass es auch für die Eingangskontrolle der Päckchen zuständige Gendarmen gibt, die den Schwarzmarkt beliefern und davon profitieren. [5]

Und nicht zuletzt schwebt über den Lagerinsassen das Damokles-Schwert der Repressalien: Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion gibt es zunehmend im Raum Paris Attentate auf deutsche Militärangehörige. Sie werden mit der Erschießung oder der Deportation zur Zwangsarbeit von Geiseln beantwortet, die vor allem unter den kommunistischen Internierten des Lagers ausgewählt wurden.[6]

Drancy August 1941

Das Transitlager

Eine entscheidende neue Etappe des Lagers beginnt mit der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942. Drancy spielt nun eine entscheidende Rolle bei der dort beschlossenen sogenannten „Endlösung der Juidenfrage“. Am 16./17. Juli 1942 findet in Paris und dem umliegenden Département de la Seine die große Vel d’Hiv-Razzia statt: Fast 13 000 Juden, zum ersten Mal auch Frauen und Kinder, werden verhaftet.  Drancy wird nun zum Transitlager, dem Sammelpunkt auf dem Weg in die Vernichtungslager.

Ankunft jüdischer Häftlinge in Drancy 1942 [7]

Aus;: Drancy, Zeichnungen von Internierten. Juli 1942.  Ausstellung L‘Art en guerre. Musée d’Art moderne de Paris 2012 Foto: Wolf Jöckel.

Auf Wunsch der Vichy-Regierung werden, anders als zunächst vorgesehen, auch die Kinder deportiert. Im Mai 1943 übernimmt Alois Brunner, der Abgesandte Eichmanns, das Kommando in Drancy.  Er reorganisiert das Lager, steigert noch einmal die Effizienz der Jagd auf Juden, wobei er sich auch skrupellos der Mitwirkung von Juden bedient, und den Rhythmus der Todestransporte. Selbst nach der Landung der Alliierten in der Normandie verlassen noch Konvois nach Auschwitz das Lager: Als der „Endsieg“ selbst für die Verblendetsten kaum noch zu erwarten war, wurde noch umso fanatischer an der „Endlösung“ gearbeitet…

Der Zug der zur Deportation Bestimmten zu den Bussen, die sie zu dem im Bahnhof wartenden Convoi brachten.  Zeitgenössische Zeichnung. Foto Wolf Jöckel. Aus einer Ausstellung zum 80. Jahrestag des Vel d’Hiv Pogroms 2022 am Mémorial de la Shoah in Paris

Die Convois/Züge nach Auschwitz fuhren zunächst vom Bahnhof Le Bourget ab, dann von dem noch näher gelegenen Bahnhof Bobigny, der seit 2023 Erinnerungsort an die Deportation von Juden nach Auschwitz ist.

„Meine Liebste. Hier sind wir auf dem Weg nach X. Ich habe keine Ahnung. Alle möglichen Vermutungen machen die Runde , Deutschland, Polen ebenso wie die Pyrenäen. Wir werden sehen… Es kann sehr lange dauern. Aber wir werden zurückkommen. Ich fürchte nur eines, nämlich dass es euch geht wie uns“. 27. März 1942.  Ein Zettel, der aus dem ersten Konvoi  Drancy-Auschwitz geworfen wurde.  (Briefe aus Drancy)

Für 80% der aus Frankreich deportierten Juden war Drancy das Durchgangslager, vor allem für die aus Paris und Umgebung, insgesamt 63 000. Die meisten davon wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet.[11]

Ausländische Juden, auch viele Deutsche, die in Frankreich Zuflucht gesucht hatten, gehörten zu den ersten Internierten und Deportierten. Stolpersteine in Frankfurt

2009 wurden bei Renovierungsarbeiten in den  Sozialwohnungen der cité de la Muette an den  Wänden Graffiti von Häftlingen entdeckt, die 2012 im Mémorial de la Shoah Graffiti von Drancy ausgestellt wurden.[6]

„Auf die gekalkten Wände der Zimmer hatten wir Inschriften geritzt“.[7] Sarah Lichtsztejn-Montard – Convoi n° 75 du 30 mai 1944

       Mart Spindel, eingeliefert in Drancy am 27.3.1944, deportiert am 23.4.1944  

Martin Spindel wurde am 6. Oktober 1930 in Vienne (Isère) geboren. 1944 verhaftet, wurde er in Drancy interniert und am 23. April 1944 –zusammen mit den Kindern von Izieu- im Konvoi Nr. 71 nach Auschwitz –Birkenau gebracht. Informationen über das weitere Schicksal des 13-jährigen Jungen gibt es nicht. Das Foto wurde zuerst von Serge Klarsfeld in seinem Buch „Le mémorial des enfants juifs déportés de France. La Shoah en France“ Paris 2001 veröffentlicht und danach auch auf dem Cover des Buchs über die Graffiti des Lagers.

Max Lévy, Fernand Bloch und Eliane Haas,  eingeliefert in Drancy am 27.7.1944, deportiert am 27.7.1944  je reviens (ich komme zurück)  Fernand (Foto Wolf Jöckel 1919 Graffiti-Ausstellung Drancy)

Eliane Haas wurde am 4. August in Auschwitz ermordet, über das weitere Schicksal von Max Lévy gibt es keine weiteren Informationen.

Fernand Bloch wurde am 18. Juli 1944 von der faschistischen „Parti Populaire Français“ verhaftet und über Drancy nach Auschwitz deportiert. 1945 nach Dachau und Österreich verlegt, wurde er am 1. Mai 1945 von der amerikanischen Armee befreit und konnte nach Hause zurückkehren. Im Gegensatz zu den meisten seiner Schicksalsgenossen hat sich bei ihm die Hoffnung zurückkehren zu können erfüllt.

    Ein Graffiti aus dem Lager Drancy. Foto Wolf Jöckel 2019 im Mémorial de Drancy

Am 18. August 1944 wurde das Lager von Soldaten der Forces françaises de l’intérieur (FFI)  und dem amerikanischen Roten Kreuz befreit. 1380 Menschen  wurden dort noch angetroffen. Alois Brunner hatte sich gerade noch rechtzeitig, einen Tag vorher,  mit jüdischen Häftlingen, die als potentielle Geiseln dienen sollten, abgesetzt. Er wurde niemals verhaftet und zur Rechenschaft gezogen.  Im Syrien Assads soll er mit prominenter deutscher Unterstützung Unterschlupf gefunden haben und dort auch gestorben sein.[4]

Schon wenige Wochen nach der Befreiung diente Drancy zeitweise weiter als Internierungslager,  als „centre de séjour surveillé“ für tatsächliche und angebliche Kollaborateure, darunter u.a. der Regisseur Sacha Guitry und -jedenfalls für kurze Zeit- die Schauspielerin Arletty. Im Oktober 1944 waren mehr als 5000 Verdächtige in dem völlig überfüllten Lager zusammengepfercht. Im September 1945 wurde das Lager aufgelöst und die Cité de la Muette wieder zu dem gemacht, wofür sie ursprünglich geplant worden war: zu einem Projekt des sozialen Wohnungsbaus (HLM).

Foto: Wolf Jöckel

Drancy, un lieu de mémoire/ein Erinnerungsort

Foto: Wolf Jöckel

In der Cité de la Muette angebrachte Marmortafeln, die an die Verwendung des Lagers 1940 als Gefangenenlager für britische und französische Soldaten erinnern und von 1941-1944 an seine Bestimmung als Internierungslager und als Durchgangslager für die Transporte von Juden in die Vernichtungslager.

Erinnerungstafel auf dem ehemaligen Lagergelände: „Die Französische Republik ehrt die Opfer der rassistischen und antisemitischen Verfolgungen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, begangen unter der Autorität der sogenannten Regierung des État français“ (d.h. Vichys).

Es waren zwar die deutschen Besatzer, die in Drancy das Sagen hatte: Sie waren dafür verantwortlich, wer hier interniert, als Geisel ausgewählt und wer deportiert wurde. Aber der französische Polizeipräfekt hatte die Verantwortung für das Lager, die Gendarmerie sorgte für die Bewachung und die innere Ordnung, das Département de la Seine für die Versorgung.

Bald nachdem 2009 unser neuer Lebensabschnitt in Paris begann, fuhr ich nach Drancy- hatte doch Serge Klarsfeld 2004  festgestellt,  Drancy sei der in der ganzen Welt bekannteste Erinnerungsort der Shoah in Frankreich. Verabredet war ich dort mit dem aus Tunesien stammenden Raphaël Chemouni, „Président du  Conservatoire historique du Camp de Drancy“.

Hier stehen wir, bei einem Wiedersehen im April 2019 vor der Wand mit den plaques  commémoratives.

Herr Chemouni erklärte, dass auf der ursprünglichen, Anfang der 1950-er Jahre angebrachten mittleren Tafel,  noch nicht angegeben war, dass es sich bei den Insassen des Lagers und den Deportierten um Juden handelte. Das sei von der damaligen kommunistischen Stadtverwaltung bewusst ausgelassen worden. Man entsprach damit der dominierenden staatssozialistischen Lesart der „Opfer des Faschismus“. [12]

Er führte mich zu dem von Shelomo Selinger entworfenen monumentalen Mahnmal, das 1976 am Eingang des ehemaligen Lagers errichtet wurde.[13]

Fotos: Wolf Jöckel

„Am 20. August 1941 wurden 5000 Juden in Paris verhaftet und hier zusammengeführt. So entstand das Lager von Drancy, das Vorzimmer der Todeslager“.

Er zeigte mir auch den 1980 dort aufgestellten Eisenbahnwagen. Solche Wagons wurden für die Konvois von Le Bourget bzw. Bobigny nach Auschwitz benutzt.

Diese Wagen waren für 8 Pferde oder 40 Menschen bestimmt- bei den Auschwitz-Transporten waren es eher doppelt so viele.

Zur Verfügung gestellt wurden die Wagons von der französischen Staatsbahn, auch die Zugführer bis zur deutschen Grenze waren SNCF-Angehörige.

Im Erdgeschoss der cité de la Muette gab es einen kleinen, schäbigen Raum mit ein paar Tafeln über die Geschichte des Lagers, über das auch ein Kurzfilm informierte. Es war Herrn Chemouni offensichtlich unangenehm, dass alles hier so unsäglich trist und heruntergekommen war. Aber immerhin: Jetzt könne man sich hier noch aufhalten, abends sei das überhaupt nicht mehr möglich: Da werde die Szene von Drogendealern beherrscht.  Aber dann zeigte er auf eine große Baustelle gegenüber: Ein mehrstöckiger Rohbau. Dort werde eine Zweigstelle des Mémorial de la Shoah einziehen und dann werde alles besser. 

Im Oktober 2012 wurde die neue Dependence eröffnet. Ein imposantes Gebäude mit einer Glasfront, so dass man immer einen Blick auf das ehemalige Lager und die Gedenkstätte hat. Und eine sehr modern gestaltete interaktive Ausstellung mit vielen Zugriffsmöglichkeiten auf Zeitzeugenberichte.

Plakat zum Mémorial von Drancy: Paris-Drancy 12km; Drancy-Auschwitz 1220 km Foto: Wolf Jöckel Oktober 2018

Bei unserem Besuch der neu eröffneten Erinnerungsstätte hatten wir das große Glück, zwei ehemalige Lagerinsassen zu treffen, die versucht hatten, mit Hilfe eines Tunnels der Deportation zu entgehen.  Die beiden, Serge Bouder und Roger Handschuh, gehörten zu den 70 Internierten, die in drei Schichten mit primitivsten Werkzeugen, z.B. Suppenlöffeln, den Tunnel in die Freiheit gruben.

Unter dieser Allee verlief in 1,3 Metern Tiefe der Fluchttunnel des Lagers Drancy. 70 Internierte arbeiteten Tag und Nacht an  seiner Fertigstellung. Begonnen im September 1943 und 36 Meter lang, wurde er im November 1943 von den Nazis entdeckt und niemals fertiggestellt. Es fehlten drei Meter, um die Freiheit zu erreichen.

Fotos: Wolf Jöckel

Nach der Entdeckung des Tunnels wurden Bouder und Handschuh in einem der Viehwagons deportiert, konnten allerdings bei einem nächtlichen Stopp des Transports durch eine Luke des Wagons entkommen.

Zu Fuß liefen sie etwa 50 km nach Paris zurück, wo sie Freunde/Genossen hatten, bei denen sie Unterschlupf fanden und mit denen sie im Widerstand arbeiteten. Eine faszinierende, abenteuerliche und inzwischen auch unter dem Titel „Les évadés de Drancy“ verfilmte Geschichte.[14]

Im Sommer 2022 wurden am Zaun des jardin du Luxembourg Portraits von Überlebenden des Holocaust ausgestellt, Teil des Projekts Lest we forget/Gegen das Vergessen des deutsch-italienischen Fotografen Luigi Toscano. Eines der Portraits zeigt den inzwischen verstorbenen Henri Zajdenwerger.

Aufgenommen am Zaun des jardin du Luxembourg. Juli 2022. Wolf Jöckel

Der 14-jährige Henri wurde 1942 bei einer Razzia in Angoulême verhaftet, aber als Franzose wieder freigelassen. Am 7. Februar 1944 wurde er erneut verhaftet und im Mai 1944 nach Drancy überstellt, wo er 8 Tage blieb. Am 15. Mai 1944 wurde er mit dem Konvoi 73 in die baltischen Staaten deportiert. Es war der einzige Konvoi, der nicht Auschwitz als Bestimmungsort hatte.  Von den 878 Männern des Konvois überlebten nur 22.  2022 war Henri Zajdenwerger der Einzige von ihnen, der noch lebte und seine Geschichte erzählen konnte. Am 20. Mai 2024 ist er in Paris gestorben. [15]

Praktische Hinweise

110-112, avenue Jean-Jaurès 93700 Drancy

Geöffnet von Sonntag bis Donnerstag 10-18 Uhr. Freier Eintritt

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Metro 5 bis Station Bobigny Pablo Picasso, dann mit Bus 251 bis Place du 19 mars 1962

oder: RER B bis Le Bourget, dann Bus 143 bis Square de la Libération

Informationen über Tage, an denen das Mémorial geschlossen ist, auf der Website des Mémorial: https://drancy.memorialdelashoah.org/

An einem Sonntag im Monat gibt es um 13 Uhr einen kostenlosen Bus vom Pariser Mémorial de la Shoah nach Drancy und zurück. Nähere Informationen auf der Website https://drancy.memorialdelashoah.org/

Literatur

Jacques Fredj, Drancy, un camp d’internement aux portes de Paris. 2015. Éditions Privat 2015

Maurice Rajsfus,  Drancy, un camp de concentration très ordinaire. Aus: Chroniques allemandes 12/2008, S.185-191  https://www.persee.fr/doc/chral_1167-4733_2008_num_12_1_888

Annette  Wieviorka, Michel Laffitte, À l’intérieur du camp de Drancy. Paris 2015

Annette  Wieviorka, Drancy. In: Les lieux de l’histoire de France. Sous la direction de Olivier Wieviorka et Michel Winock. Paris 2019

Collectiv, Les Graffiti du Camp de Drancy. Des noms sur les murs  / sous la direction de Mélanie Curdy, Denis Peschanski, Benoît Pouvreau, Thierry Zimmer. Belgique : Snoeck Publishers, 2014   

Antoine Sabbagh, Denis Peschanski, Lettres de Drancy. Tallandier 2019

Anmerkungen

[1] https://www.deutschlandfunk.de/vorzimmer-zur-hoelle-100.html  Von Ursula Welter | 22.09.2012

Titelbild aus: Drancy, Zeichnungen von Internierten vom Juli 1942.  Ausstellung L‘Art en guerre. Musée d’Art moderne de Paris 2012 Foto: Wolf Jöckel.

[1a] Wieviorka/Laffitte, À’intérieur du camp de Drancy, S. 57

[2] De septembre 1939 à juin 1940, il sert au Gouvernement français de lieu de détention pour les communistes. Le fichier de Drancy. Archives Agence 11. Januar 2022 https://blogs.icrc.org/cross-files/fr/le-fichier-de-drancy/ Entsprechend: Lieu de détention des communistes au cours de la Drôle de guerre, de septembre 1939 à mai 1940  https://museedelaresistanceenligne.org/media4330-La-camp-de-Drancy Es ist aber bemerkenswert, dass in vielen der von mir konsultierten Darstellungen diese erste Phase des Internierungslagers Drancy nicht erwähnt wird. (z.B. Wieviorka, Drancy; https://de.wikipedia.org/wiki/Sammellager_Drancy; https://www.paris.fr/pages/le-memorial-de-drancy-lieu-de-memoire-de-la-deportation-des-juifs-15426 : La cité de la Muette a été utilisée comme camp d’internement de 1941 à 1944.)

Nachfolgendes Bild aus: https://www.paris.fr/pages/le-memorial-de-drancy-lieu-de-memoire-de-la-deportation-des-juifs-15426

[3] Wieviorka/Laffitte, À’intérieur du camp de Drancy, S. 81f

[4] Aus: Drancy, Zeichnungen von Internierten. Juli 1942.  Ausstellung L‘Art en guerre. Musée d’Art moderne de Paris 2012 Foto: Wolf Jöckel.

[5] Wieviorka/Laffitte, À’intérieur du camp de Drancy, S. 75f

[6] Zur Geschichte des Lagers siehe im Einzelnen: Annette Wieviorka, Drancy

Nachfolgendes Foto: https://museedelaresistanceenligne.org/musee/mediatheque/mediatheque.php?r_texte=Drancy&r_Tri=1

[7] Zum weiteren Schicksal Brunners siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Brunner

[5] Wieviorka, Drancy, S. 568

[9] Der Fond der Zeichnungen kann eingesehen  werden unter: https://www.siv.archives-nationales.culture.gouv.fr/siv/rechercheconsultation/consultation/ir/consultationIR.action?irId=FRAN_IR_053857&details=true&gotoArchivesNums=false&udId=root&auSeinIR=true

[10] https://garedeportation.bobigny.fr/en/107/lannonce-du-depart-etles-derniers-jours-adrancy.htm   sur les murs des chambrées badigeonnés à la chaux, nous avions gravé des inscriptions

[11] https://www.paris.fr/pages/le-memorial-de-drancy-lieu-de-memoire-de-la-deportation-des-juifs-15426

[12] Ein aktuelles Beispiel dafür ist auch „der weite  Weg“ des 2024 ins Deutsche übersetzten „Berichts aus dem Land namens Auschwitz“, „Kaltes Krematorium“ von Jozsef Debreczeni. Siehe FAZ vom 24.1.2025

[13] https://www.paris.fr/pages/le-memorial-de-drancy-lieu-de-memoire-de-la-deportation-des-juifs-15426

[14] https://www.fondationshoah.org/memoire/les-evades-de-drancy-de-nicolas-levy-beff

[15] Weitere Informationen zu Henri Zajdenwerger: Lest We Forget 

Interview mit ihm: https://www.dailymotion.com/video/x866lg4 (Leider mit zwischengeschalteter Werbung)

Verwandte Blog-Beiträge:


Endlich ist es so weit: Baden in der Seine …und der Marne …. (Juli 2025)

Baden in der Seine? Noch vor wenigen Jahren hätte ich mir das nicht träumen lassen. Immerhin war seit 1923 das Baden in der Seine verboten… 1988 hatte Bürgermeister Jacques Chirac es zwar vollmundig angekündigt, aber als er 2019 starb, war nichts geschehen und kein Seine-Bad in Sicht.[1]

Dass seit 2025 das Bad in der Seine dann doch für die Öffentlichkeit möglich ist, ist vor allem den Olympischen Spielen Paris 2024 zu verdanken. Es war der Ehrgeiz der Organisatoren, spektakuläre Spiele zu veranstalten und dazu einige Schwimmwettbewerbe in der Seine auszutragen. Zur Verbesserung der miserablen Wasserqualität wurden 1,4 Milliarden Euro investiert, u.a. für ein 50 000 m3 umfassendes Rückhaltebecken am gare d’Austerlitz, das verhindern soll, dass bei Starkregen Schmutzwasser ungefiltert in die Seine gelangt.[2]

Start des olympischen Frauen-Triathlons am Pont Alexandre III[3] 

Zwar mussten Wettbewerbs-Termine wegen unzureichender Wasserqualität verschoben werden. Und es gab bei den Athleten vereinzelt Beschwerden wegen sehr kurzfristig angesetzter neuer Termine und wegen gesundheitlicher Probleme nach den Wettkämpfen. Aber wie auch immer: Die vorgesehenen Wettkämpfe konnten alle durchgeführt werden.

Und ein Jahr später ist nun im Rahmen des jährlichen Paris-plages-Programms für die Öffentlichkeit kostenloses Baden in der Seine möglich…

…. und zwar an drei Stellen vom 5. Juli bis Sonntag, 31. August (bzw. an zwei Stellen bis 7. bzw 14. September – siehe unten)

Es sind Bercy im Osten der Stadt gegenüber der Bibliothèque François Mitterand, Bras Marie gegenüber der Île Saint-Louis im Zentrum und Grenelle mit Blick auf den Eiffelturm im Westen.

Dazu kommen noch wie in den letzten Jahren die beiden Badestellen am Canal Saint-Martin und im Bassin de La Villette. Hier ein kleiner Überblick mit näheren Informationen und ersten fotografischen Eindrücken-und dazu noch ein Bick auf eine stadtnahe Badestelle an der Marne…

Baignade Bercy

Baignade Bercy 183, quai de Bercy, Paris 12e
Täglich von 11 bis 21 Uhr

https://www.paris.fr/evenements/paris-en-seine-2025-baignade-dans-la-seine-sur-le-site-du-quai-de-bercy-86980

Die Badestelle liegt gegenüber den Türmen der Bibliothek François Mitterand und unterhalb der eleganten Passerelle/Fußgängerbrücke Simone de Beauvoir.

Gleich bin ich auch dabei….

Baden ist leider nur mit den gelben luftgefüllten Kissen erlaubt. Das stört zunächst etwas, aber man kann sich daran gewöhnen. Und sich auch mal darauflegen und damit in der leichten Strömung flussabwärts treiben lassen.

Allerdings war es bei unserem Besuch ziemlich voll: Also schön, im Flusswasser zu baden. Schwimmen war da aber nicht möglich…

Auf der anderen Seite der Seine liegt das Badeschiff Josephine Baker. [2a] Das bietet sich als Alternative für diejenigen an, die -aus welchen Gründen auch immer- Bad in der Seine scheuen, aber ein Bad auf der Seine. Hier war aber ganz offensichtlich der Andrang beim Badeschiff sehr gering. Das Bad in der Seine war offenbar attraktiver ..

Baignade Bras Marie

Baignade Bras-Marie 2, port des Célestins, Paris 4e
Montag bis Samstag 8-11.30 und Sonntag 8-17.30 Uhr

https://www.paris.fr/evenements/paris-plages-baignade-dans-la-seine-au-bras-marie-88863

Gute Bedingungen fürs Schwimmen: Zwar etwas wolkig, aber gute Wasserqualität („bomme“ bedeutet wohl/hoffentlich „bonne“) und 24 Grad Wassertemperatur

Ein Selfie fürs Fotoalbum, im Hintergrund der Pont Marie. Es ist -nach dem Pont Neuf- die zweitälteste noch erhaltene Brücke der Stadt. Auf der anderen Seite des Seine-Arms auf der Île Saint-Louis stehen noble Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert; den Anfang macht das exquisite hôtel Lambert: in der Tat „un tableau théâtral parisien.“ (Télérama 23.7.2025). Ein paar Schritte weiter flussabwärts gibt es die bar des Nautes im ehemaligen Maison des Célestins, und hinter dem Pont Marie die als Bars und Restaurants dienenden Flussschiffe; dazu genug Platz entlang der Seine zum Hinsetzen, Hinlegen, „Chillen“ – da, wo noch vor wenigen Jahren auf der Voie Pompidou die Autos entlangrasten….

Sehr schön ist auch, dass es, anders als in Bercy, hier keine feste Absperrung zur Seine gibt. Das ist ein ganz anderes Badegefühl. Allerdings lag bei unserem Besuch ein Polizeiboot in der Nähe. Das ist offenbar abgestellt, um zu verhindern, dass jemand mal ins „Freie“ schwimmt… Die Stadtverwaltung von Paris tut alles nur Erdenkliche dafür, um Beeinträchtigungen des „Grand Bain“, des großen Seine-Badefestes zu verhindern…

Bras de Grenelle

https://www.paris.fr/lieux/paris-en-seine-baignade-grenelle-20613 4 Port de Grenelle, Paris 15e  Gegenüber der Face Île aux Cygnes

Montag bis Freitag und Sonntag 10-17.30, Samstag 10-16.45 Uhr

Metro Station Bir-Hakeim

Als wir am 20. Juli bei schönstem Wetter zur Badestelle kamen: Kein Zugang. Enttäuschte Schwimmfreunde, „außerordentliche Schließung“ – ohne weitere Erklärung. Der allein anwesende Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma konnte auch keine Auskunft geben.

Ganz offensichtlich handelte es sich um ein Problem der Wasserqualität. Am 19. Juli hatte es einen Starkregen gegeben, der offenbar die Pariser Kanalisation überfordert hatte. Das hatte es ja auch schon bei den Olympischen Spielen gegeben, wo Wettbewerbe verschoben werden mussten, und auch kurz nach dem 5. Juli, als gleich nach Beginn der Seine-Badesaison die Badegelegenheiten schon wieder geschlossen werden mussten. Das Bad in der Seine ist also mit einigen Unwägbarkeiten verbunden, zumal man aufgrund des Klimawandels mit solchen Starkregen-Ereignissen immer häufiger rechnen muss.

Wir konnten am 20. Juli also nur Bilder von der menschenleeren Anlage vom Bras de Grenelle machen.

Blick auf das Grenelle-Bad vom Pont Bir-Hakeim

Auf der Seite von www.paris.fr gibt es immerhin auch Bilder mit Badegästen.[5]

Wir haben uns dann damit getröstet, dass es in der Nähe ja eine ganze Reihe von Orten gibt, die einen Besuch lohnen: So die Nachbildung der Freiheitsstatue auf der Île aux cygnes, die „Jeanne d’Arc Statue“ auf dem Pont Bir-Hakeim und die Gedenkstätten an die Razzia du Vel‘ d’Hiv‘.

Insgesamt war allerdings die Einrichtung der drei Badeanstalten in der Seine ein großer Erfolg. Der Parisien vom 5. August meldete am 5. August 2025, also nach genau einem Monat seit Beginn der Seine-Badesaison, dass insgesamt etwas über 35 000 Personen von der neuen Möglichkeit Gebrauch gemacht hatten – eine doch beträchtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass im ersten Monat aufgrund der „kapriziösen Wetterbedingungen“ nur an 17 Tagen das Baden in der Seine möglich war….

Aktueller Nachtrag (28. August und 6. September 2025)

Insgesamt waren es von Anfang Juli bis Ende August etwa 100 000 Badegäste, die das Angebot des Seine-Schwimmens genutzt haben. (Le Parisien vom 27.8.: La baignade dans la Seine prolongée en septembre sur deux sites)

Aufgrund des großen Erfolgs hat die Pariser Stadtverwaltung beschlossen, die Badesaison an der Seine zu verlängern: Zunächst hieß es, Grenelle schließe erst am 7. September, Bercy am 14. September. Dann wurde aber die Badesaison in der Seine publikumswirksam bis zum 21. September verlängert.

Für den Bras Marie bleibt es beim vorgesehenen Abschluss Ende des Monats. Verantwortlich ist dafür der Schiffsverkehr, der an dieser Stelle bei Badebetrieb unterbrochen werden muss, aber ab September wieder in vollem Umfang aufgenommen werden soll. Auch im nächsten Jahr wird am Bras Marie kein Baden mehr möglich sein. Ein alternatives Angebot wird geprüft.

Insofern ist dieses Werbeplakat leider unkorrekt: Es handelt sich bei dem Foto ja eindeutig um die Badestelle Bras Marie, wo das Baden gerade nicht verlängert wurde…. Das gilt auch für dieses Foto aus der „Verlängerungs-Serie“.

Ganz offensichtlich ist/war das Bad am Bras Marie das schönste und werbewirksamste. Wie schade, dass gerade dieses Bad dauerhaft geschlossen wird…

Bassin de la Villette

Baignade estivale – La Villette
40 Quai de la Loire, Paris 19e

Wie schon in den vergangenen Jahren [6]  gibt es auch in diesem Jahr wieder bis 31. August die Möglichkeit, im Bassin de la Villette zu baden und zwar sonntags von 11-18 Uhr und montags bis samstags von 11-21 Uhr

https://www.paris.fr/evenements/baignade-la-villette-39372

An Wochenenden und bei schönem Wetter muss man aber mit großem Andrang und ggf. entsprechenden Wartezeiten rechnen.

Zweimal in der Woche gibt es auch eine Badegelegenheit im Canal Saint-Martin:

Canal Saint – Martin / Jemmapes

https://www.paris.fr/lieux/baignade-estivale-canal-saint-martin-20412

Mittwoch 12 – 15.30 Uhr;  Sonntag 13 – 17 Uhr

116 Quai de Jemmapes, Paris 10e

Bild: www.paris.fr

Es ist sehr empfehlenswert, sich über die aktuellen Bademöglichkeiten/Schließungen zu informieren: https://www.sortiraparis.com/actualites/a-paris/articles/330514-fermeture-site-baignade-seine-canal-paris

Auch in der Marne kann man -wenn Wetter und Wasserqualität mitspielen- wieder schwimmen!

plage de Maisons-Alfort

1, avenue Joffre, Maisons-Alfort (94).

Die  Badestelle 2017

In den ersten Jahren unseres Paris-Aufenthaltes waren wir oft im Sommer an der Marne. Da gab es gut erreichbar mit der Métro Linie 8 die Stufen einer ehemaligen Badeanstalt. Offiziell war das Baden verboten, aber selbst die städtische Polizei, die ab und zu vorbeikam, ermahnte höchstens die Sonnenanbeter und (potentiellen) Badegäste, wegen der Wasserqualität und des Schiffsverkehrs auf das Bad im Fluss zu verzichten, ließ es aber dabei bewenden.[7] Verzichtet haben wir dann erst auf das Bad in der Marne, als ich beinahe beim Kraulen im Fluss von einem Lastkahn „überfahren“ worden wäre und als einmal an der Badstelle große tote Fische im Wasser dümpelten.

Die ehemalige Badestelle 2025

Im Rahmen der Vorbereitung für die Olympischen Spiele wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, das Wasser auch der Marne zu säubern. Sie mündet ja kurz Paris in die Seine und hat deshalb große Bedeutung für deren Wasserqualität. [8] So konnten 2025 auch an der Marne vier Badeanstalten eröffnet werden, darunter die von Paris aus gut erreichbare in Maisons-Alfort: Es gibt dort zwar jetzt weniger freizügiges und auch nicht mehr  kostenloses Schwimmen, aber dafür mehr Komfort und mehr Sicherheit.

Badestelle Maisons-Alfort. Täglich 10-18 Uhr. Mittwoch 10-20 Uhr, Samstag 10-19 Uhr. Für auswärtige Besucher 8 Euro Eintritt für ein Zeitfenster von zwei Stunden.  (Einheimische zahlen 3 Euro).  Reservierung (max 3 Tage vorher) unter marneboisplages.fr

Es gibt zwei Becken, eines, in dem auch Kinder stehen können, ein zweites, immerhin 50 Meter langes Becken zum Schwimmen. Und das ist im Vergleich zu den Badestellen in der Seine doch etwas Besonderes und versöhnt vielleicht mit dem hohen Eintrittspreis.[9]

Ein Nachteil ist allerdings ein permanenter Geräuschpegel: Entlang der anderen Seite der Marne verläuft die Autoroute de l’Est, in der Nähe der Badeanstalt überqueren zwei Brücken mit Autobahnzufahrten die Marne….

Wir wären trotzdem sehr gerne nach so vielen Jahren wieder in der Marne geschwommen, aber dann war auch dort geschlossen… .

Die Badeanstalt erreicht man in „20 Minuten von der Metro[10] Wenn man nicht im Sturmschritt läuft, dauert es allerdings etwas länger : Métro Linie 8,  Station École Vétérinaire Maisons-Alfort. Von dort sind es nur wenige Schritte bis zur Marne, dann flussaufwärts entweder die Straße (Rue du maréchal Juin und dann Avenue Foch) oder den alten/neu angelegten Treidelpfad/Leinpfad (chemin de halage) entlang der Marne. Den sollte man für einen Weg nutzen: Ein schöner Spaziergang!


[1] Zur Geschichte des Seine-Badens siehe auch: https://paris-blog.org/2017/08/07/sommer-in-paris-schwimmen-im-bassin-de-la-villette-in-der-marne-und-aufin-der-seine/

[2] https://paris-blog.org/2023/05/15/in-einem-jahr-die-olympischen-spiele-von-paris/

[2a] Bénédicte Vicent, Vous n’osez pas nager dans la Seine ? Cette piscine vue fleuve est le spot rêvé de cet été – et elle est vraiment magique la nuit. Paris secret. 22. Juli 2025 https://parissecret.com/piscine-parfaite-vue-seine-paris/

[3] JO Paris 2024 : les images incroyables des triathlètes lors de leur plongée dans la Seine

[4] Dort auch das nachfolgende Foto

[5] https://cdn.paris.fr/paris/2025/07/05/original-4a80a080d032190c0c5e6b1eff15e66b.jpg

[6] https://paris-blog.org/2017/08/07/sommer-in-paris-schwimmen-im-bassin-de-la-villette-in-der-marne-und-aufin-der-seine/

[7] https://paris-blog.org/2017/08/07/sommer-in-paris-schwimmen-im-bassin-de-la-villette-in-der-marne-und-aufin-der-seine/

[8] https://www.valdemarne.fr/le-conseil-departemental/cadre-de-vie/assurer-le-retour-a-la-baignade/2025-grand-retour-de-la-baignade

[9] https://www.enlargeyourparis.fr/artdevivre/jai-teste-la-baignade-dans-la-marne-et-jai-aime-ca

[10] https://actu.fr/ile-de-france/maisons-alfort_94046/une-plage-a-20-minutes-du-metro-c-est-ouf-a-maisons-alfort-la-baignade-dans-la-marne-enfin-autorisee_62856296.html

Malmaison: Das „allerliebste Landhaus“ Napoleons und Josephines

Der Name Malmaison ist wenig animierend: Er ist abgeleitet von dem zuerst im 13. Jahrhundert erwähnten „mala domus“ (mauvaise maison). Der Ort hatte einen schlechten Ruf, weil von einem dort gelegenen Stützpunkt aus die normannischen Invasoren Überfälle unternommen haben sollen. Seit aber 1799 Joséphine, die Gemahlin Napoleon Bonapartes, das im 17. Jahrhundert errichtete Schloss kaufte, ist Malmaison alles andere als schlecht oder minderwertig. Das Ehepaar Bonaparte engagierte nämlich die Architekten Percier und Fontaine, „die das alte Anwesen in ein heute beispielloses und einzigartiges Bauwerk im eleganten und raffinierten konsularischen Stil“ umwandelten.[1]

Dazu wurde Malmaison auch berühmt für seine Gartenanlagen. Josephine, eine Kreolin aus Martinique, liebte nämlich Pflanzen über alles und ließ im Laufe der Jahre, die sie in Malmaison verbrachte, die Gartenanlagen völlig umgestalten. Schöne und seltene Pflanzen aus aller Welt wurden dort kultiviert, so dort kein traditioneller Schlosspark entstand, sondern eher ein botanischer Garten. Man hat ihn als den damals „schönsten Garten Europas“ gerühmt. [2] Josephines besonderer Stolz war der Rosengarten, der in der ursprünglichen Form nicht mehr existiert. Seit 2014 wurden allerdings zwei neue Rosengärten angelegt, einer für alte Rosensorten und ein weiterer für Neuzüchtungen. Zum Park von Malmaison und zu Josephines Leidenschaft für die Rosen in einem späteren Bericht mehr.

Da Josephine, die zwar mit ihrem ersten Mann, dem 1794 guillotinierten Eugène de Beauharnais, zwei Kinder hatte, „dem Kaiser keinen Erben gebären konnte“[3], willigte sie 1809 in die Scheidung ein und zog sich nach Malmaison zurück, das ihr von Napoleon überschrieben wurde. Nach ihrem Tod 1814 erbte ihr Sohn Eugène das Anwesen. Er überführte einen Teil des Mobiliars in sein Münchner Exil, verkaufte anderes, konnte aber das Anwesen seiner Mutter nicht weiter nutzen. Nach seinem Tod verkam Malmaison immer mehr, bis es Kaiser Napoleon III., der Enkel Josephines, 1861 erwarb. Durch sein Engagement und nachfolgende Renovierungen erstrahlt das Schloss wieder weitgehend in dem von Josephine gewünschten Zustand und Glanz. [4] Seit 1903 ist es ein staatliches Museum.

Nachfolgend einige Eindrücke des Schlosses, die in drei Bereiche gegliedert sind:

  • Räume und Dekorationen
  • Die ägyptische Mode
  • Portraits von Josephine, Napoleon und Eugène Beauharnais

Der von Josephine veranlasste Umbau und die Inneneinrichtung des Schlosses von Malmaison wurden entworfen von den beiden Architekten Charles Percier und Pierre-Francois Léonard Fontaine. Percier war 1786 von der Académie royale d’architecture mit dem Prix de Rome ausgezeichnet worden, der mit einem längeren Studienaufenthalt in Rom verbunden war. Er lebte und arbeitete dort -und lebenslang- mit seinem Freund und Partner Fontaine zusammen. Intensiv beschäftigten sie sich mit der klassischen Architektur und Dekoration, deren Erforschung durch die Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum wesentlich befördert wurde. 1790 kehrten sie nach Paris zurück und wurden durch ihre praktischen und theoretischen Arbeiten stilbildend für die Architektur und Inneneinrichtung der napoleonischen Ära.[5] Als „Hofarchiteken“ der Bonapartes entwarfen sie beispielsweise die einheitlichen und repräsentativen Fassaden der Bauten an der unter Napoleons Ägide entstandenen rue de Rivoli und der zur Place Vendôme führenden rue de Castiglione mit ihren charakteristischen Arkaden.[6] Von Napoleon erhielten sie auch den Auftrag zum Bau des Triumphbogens zwischen Louvre und den Tuilerien, dem Arc de Triomphe du Carrousel.

Dass sich Percier und Fontaine in ihren Entwürfen intensiv an antike Vorbilder und Motive anlehnen, wird auch in Malmaison deutlich. 

Das Vestibül. Mit seinen Stucksäulen aus falschem Granit, Porphyr und Holz erinnert es an ein römisches Atrium. Zu Zeiten von Josephine gab es hier Volieren mit Vögeln aus Amerika, Afrika und Asien.[7]

Der  Speisesaal wurde im Jahr 1800 von Fontaine im pompejanischen Stil eingerichtet. Ursprünglich gab es dort nicht nur Stühle, sondern auch zwei Sessel für Napoleon und Josephine.[8]

Die Wände sind mit den Darstellungen von acht Tänzerinnen dekoriert, die von pompeijanischen Wandmalereien inspiriert sind.

Gemalt hat sie Louis Lafitte, der 1791 den prix de Rome gewonnen hatte und von daher mit der antiken Kunst und den im 18. Jahrhundert begonnenen Ausgrabungen von Pompeji bestens vertraut war. [9]

Das Billardzimmer[10]

Madmoiselle Avrillion, erste Kammerfrau der Kaiserin, schildert in ihren Memoiren, dass „sich ihre Majestät nach Verlassen des Tischs in das Billardzimmer begab, wo sie eine oder zwei Partien spielte, was sie bestens beherrschte.“

In Malmaison wurde aber auch gearbeitet. Es gab eine große, schöne Bibliothek, die Fontaine aus drei kleineren früheren Räumen schuf. Sie füllte sich so schnell, dass ein Teil in das benachbarte Schlösschen Bois-Préau ausgelagert werden musste.

Die Decke der ist mit Portraits klassischer Autoren geschmückt, die Napoleon besonders schätzte, hier dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot. Dazu verfügte Napoleon über ein Arbeitszimmer und einen Salon.

Der Einfluss der Antike wird auch im Frieszimmer deutlich, benannt nach dem Fries eines Festzuges mit Motiven der griechisch-römischen Mythologie.

Der Ratssaal (salle de conseil)[11]

„Ab Juli 1800 erforderten die häufigen Zusammenkünfte der Minister in Malmaison die Einrichtung eines Ratszimmers, das innerhalb von zehn Tagen von dem Architekten Fontaine gestaltet wurde.“ Fontaine ließ sich dabei von den bei den Feldzügen Napoleons aufgebauten Armeezelten inspirieren. Es ist, wie auch das für die Dienerschaft bestimmte Zeltzimmer, mit gestreiften Stoffen drapiert.

Dies ist das mit Schwänen verzierte Bett der Kaiserin in ihrem Schlafzimmer, in dem sie 1814 verstarb. Die Schwäne sind im Empire-Stil immer präsent: Sie verweisen auf Apoll, aber die gebogenen Hälse beziehen sich auch auf Zeus, der sich in Gestalt eines Schwans Leda näherte und sie verführte…  Angefertigt hat das Bett ebenso wie auch andere Möbelstücke des Schlosses, die Ebenisten-Werkstatt Jacob.[12] Die Brüder Jacob hatten im Ancien Régime Erfolg gehabt und die königliche Familie mit feinen Möbeln beliefert, so dass sie mehrfach verhaftet wurden und fast unter dem Fallbeil geendet hätten. Während des Konsulats und des napoleonischen Kaiserreichs konnten sie dann aber wieder an frühere Erfolge anknüpfen: Dann aber nicht mehr mit dem Stil Louis XVI, sondern mit Möbeln im modischen Akazienholz und in einem der neuen Zeit angepassten Stil mit griechisch-römisch-ägyptischen Elementen.

Josephines mit Blumen geschmückte Initiale ist bescheiden am Bettrand angebracht…

Darüber thront mächtig der napoleonische Adler – kaiserliches Symbol in der Tradition des Römischen Reichs. Und der Kaiser ist selbst am Toilettentisch präsent…[13]

Für Josephine war dies übrigens ein höchst bedeutsames Utensil. Josephine war ja sechs Jahre älter als ihr Ehemann. „Zunehmend machten ihr, wie es Napoleon nannte, die Schwierigkeiten des Alters zu schaffen. Im Almanach impériale war sie als um sechs Jahre jünger verzeichnet, und um auch so zu erscheinen, ließ sie sich entsprechend zurechtmachen. Sie schminkte sich immer stärker in einem krassen Kontrast von Rot und Weiß, gebrauchte reichlich Parfüm…“[14] Genutzt hat es ihr allerdings nicht. Nicht nur, weil sie Napoleon keinen Thronfolger schenken konnte, sondern weil dieser ganz grundsätzlich der Meinung war, eine einzige Frau könne einem Mann nicht genügen…

Napoleon hatte in Malmaison auch ein eigenes Bett, das allerdings wesentlich bescheidener war als das Prunkbett seiner Frau.

Dafür hatte er aber einen wahrhaft kaiserlichen Bettvorleger…

In Napoleons Schlafzimmer hängt das 1798/1799 entstandene Bild von François Louis Joseph Watteau, La Bataille des Pyramides.

Es handelt sich um die Kopie eines der napoleonischen Propaganda dienenden Gemäldes aus der Zeit des Ägyptenfeldzugs.  Am 21. Juli 1798 fand bei dem Ort Embabeh eine Schlacht zwischen den Mameluken und der französischen Armee statt, die dieser den Weg nach Kairo öffnete. Auch wenn die Pyramiden  ca 15 km entfernt waren, prägte Napoleon den eingängigeren Begriff Schlacht bei den Pyramiden. Und dazu passen ja auch seine legendären Worte an die Soldaten – aus seinen in Sankt Helena diktierten Memoiren: „Denkt daran, dass von diesen Monumenten 40 Jahrhunderte auf euch herabblicken.“

Ägypten-Mode in Malmaison

Bei einem Rundgang durch das Schloss sind die Bezüge zu Ägypten unverkennbar. Fast in jedem Raum gibt es entsprechende Möbelstücke, Ornamente und Bilder. Mit dem napoleonischen Feldzug nach Ägypten (1798-1801) ist die ägyptische Mode in Frankreich zwar nicht entstanden, sie wurde dadurch aber wesentlich befördert und steigerte sich bis zu einer Ägyptomanie. Die Abbildungen ägyptischer Landschaften und Bauwerke, die Vivant Denon in Le voyage dans la Basse et et la Haute Égypte  publizierte [15]  , inspirierten französische Künstler und wurden zu einem prägenden  Element des Empire-Stils. Nachfolgend einige Beispiele:

Applikationen an einem Sekretär aus dem Boudoir Josephines

Sphinx von einem Sessel des Salon doré

Sessel im Salon doré,  um 1800. Er gehörte zu einer umfangreicheren Lieferung von Möbeln der Jacob-Brüder für den Salon.[16]    

Stütze eines Erard-Pianos mit Sphinx

Subraporte mit zwei Greifen

Dies ist eines von sechs Portraits ägyptischer Würdenträger, die in Malmaison zu sehen sind.  Gemalt hat sie um 1800 Michele Rigo, ein aus Genua stammender Maler, der zu den 160 Wissenschaftlern, Ingenieuren und Künstlern gehörte, die von Bonaparte für seinen Ägypten-Feldzug engagiert wurden.[17] Die Portraits waren Teil der napoleonischen Propaganda: Die abgebildeten Würdenträger gehörten zu der von Napoleon eingesetzten ägyptischen Marionettenregierung. Napoleon stilisierte sich damit zum Befreier von ottomanischer und englischer Vorherrschaft und versuchte damit, seine eigenen machtpolitischen Interessen zu verschleiern.[18]

Auch die Manufacture de Sèvres trug zur Verbreitung der Ägypten-Mode bei.

Kaiserin Josephine bestellte bei der Porzellanmanufaktur Sèvres ein Tee-Service, ein sogenanntes cabaret, das zur Feier des neuen Jahres 1809 nach Malmaison geliefert wurde. Ein solches Service hatte zuvor Zar Alexander I. als Geschenk erhalten; da wollte Josephine wohl nicht nachstehen… Und Napoleon bestellte sich dann auch selbst dieses Service. 

Die ägyptischen Motive sind überwiegend dem Reisebericht von Vivant Denon entnommen, der zahlreiche Stiche von Landschaften und Bauwerken enthielt.

Diese mit Hieroglyphen verzierten Schale war für Punsch bestimmt. Die in Martinique geborene Kaiserin Josephine liebte dieses Getränk ihrer Heimat und servierte es gerne in den Teetassen ihren Gästen. Der Punsch wird aus fünf Zutaten hergestellt: Tee, Zucker, Zimt, Zitrone und Rum. Den Rum ließ sich Josephine aus Martinique kommen. 1814 gab es in ihrem Keller 332 Flaschen zum Teil sehr alten Rums… [19]

Noch vor der kaiserlichen Manufaktur von Sèvres entwarf die Pariser Porzellan-Manufaktur von Pierre Louis Dagoty ebenfalls auf der Grundlage der Abbildungen Denons ein Service mit ägyptischen Motiven. Nachdem er es 1904 der Kaiserin präsentiert hatte, konnte er es mit höchster Protektion und Unterstützung produzieren.

Ägypten ist also in Malmaison allgegenwärtig und ein anschauliches Beispiel für die Ägyptomanie dieser Jahre. Diese Begeisterung mag erstaunlich erscheinen, endete doch der Feldzug Napoleons mit einem militärischen Fiasco: dem Sieg der englischen Flotte des Admirals Nelson und der Kapitulation des französischen Heeres bei Alexandria 1801; Napoleon hatte da schon längst Ägypten den Rücken gekehrt. Aber die napoleonische Unternehmung war ja nicht nur ein gescheiterter Feldzug, sondern auch eine höchst erfolgreiche Expedition:  Sie befeuerte die Begeisterung für das exotische Land, beeinflusste wesentlich den Kunststil des Empire, und sie markierte auch den Anfang einer neuen Wissenschaft, der Ägyptologie. Und nicht zuletzt beförderte das ägyptische Abenteuer auch noch den weiteren Aufstieg Napoleons.

Portraits von Josephine, Napoleon Bonaparte, Hortense und Eugène Beauharnais

Wie in jedem Schloss oder hochherrschaftlichen Haus (hôtel particulier) dieser Zeit gehörte auch in Malmaison eine reichhaltige Sammlung von Bildern zu der Ausstattung des Schlosses. Die verschwenderische Josephine kaufte Bilder, profitierte aber auch von den napoleonischen Raubzügen. Beispielsweise zweigte Vivant Denon von den in Schwerin konfiszierten Prezisonen einen guten Teil direkt für Josephine ab. Und ihr selbst gelang es, sich zahlreiche -eigentlich gut versteckte-  Meisterwerke aus der berühmten Kasseler Kunstsammlung zu sichern. Eigentlich sollten die im Musée Napoléon (dem Louvre) ausgestellt werden, aber Napoleon, der die Eskapaden seiner Frau zwar oft missbilligte, aber letztendlich akzeptierte, war auch hier nachsichtig: „Elle ne seroit pas Impériatrice, si elle agiroit autrement“ – sie wäre keine Kaiserin, wenn sie anders handelte.“ So zierten die Kasseler Preziosen die Wände von Malmaison, heute die der Sankt Petersburger Ermitage. Denn was Josephine nicht verkauft oder verschenkt hatte, erwarb nach ihrem Tod der russische Zar Alexander I., der 1812 die ehemalige Kaiserin in Malmaison besucht und die dortige Gemäldegalerie bewundert hatte: eine abenteuerliche Geschichte. Mehr dazu im Blog-Beitrag über Vivant Denon und seine Raubkampagnen in Deutschland.

In dem nun als Museum dienenden Schloss gibt es aber immer noch eine reichhaltige Sammlung an Gemälden und Stichen. Bemerkenswert sind aus meiner Sicht dabei vor allem die Portraits. Besonders präsent ist natürlich Josephine, die eigentliche Herrin des Schlosses.

François Gérard ist der Maler dieses Portraits Josephines. Allerdings handelt es sich nicht um das Original von 1801, sondern um eine spätere vom Maler signierte Kopie des Bildes. Joséphine ist in ein leichtes an der Antike orientiertes Gewand gekleidet. Auch die Säule im Hintergrund verweist auf die Antike.  Sie sitzt auf einer bequemen Eckcouch, die durch das Gemälde den Rang eines modischen Möbelstücks erhielt. Der Raum ist zur Natur geöffnet. Zusammen mit dem Blumenstrauß wird so die Liebe Josephines zur Natur und zu Blumen als wesentlicher Teil ihre Persönlichkeit zum Ausdruck gebracht. Die Verwandtschaft des Bildes mit dem ebenfalls von Gérard gemalten Portrait der Madame Récamier ist auffällig.[20]

Das Original des Gemäldes hängt heute -wie zahlreiche andere Gemälde aus Malmaison- in der Ermitage in Sankt Petersburg. Zu den nach dem Tod Josephines von Zar Alexander I. erworbenen Gemälden konnte das Portrait Gérards allerdings kaum gehören: Eugène de Beauharnais hatte es in sein Münchner Exil mitgenommen und sich kaum vom Portrait seiner Mutter getrennt. Es konnte also erst später -wie auch immer- von München nach Sankt Petersburg gelangt sein… [21]  

Von Josephine gibt es auch zwei Büsten in Malmaison. Bemerkenswert ist dabei die natürliche Haartracht – hier mit einem Diadem aus Blumen. Josephine markiert damit demonstrativ den Bruch mit dem Ancien Régime, galten dort doch die extravaganten Haartürme von Marie Antoinette als letzter Schrei der Adelsgesellschaft.

Von Napoleon gibt es in Malmaison mehrere Portraits aus verschiedenen Phasen seines Lebens.

Dieses Gemälde aus dem Jahr 1887, eine Neuerwerbung des Museums, zeigt den jungen Bonaparte, der 1779 im Alter von 10 Jahren in die Kadettenschule von Brienne eintrat. Der Neuankömmling wird wegen seiner Kleidung und seines korsischen Akzents von den Mitschülern gehänselt. [22]  

Ganz anders dieses Gemälde: Auf einem sich aufbäumenden Schimmel überquert Bonaparte -in der Nachfolge Hannibals und Karls des Großen- mit wild wehendem Mantel in bizarrer Felslandschaft die Alpen am Großen Sankt Bernhard. Das Bild von Jacques-Louis David entstand 1800/1801 kurz nach Napoleons erfolgreichem Italienfeldzug. Es ist ein propagandistisches Werk, das Napoleon als visionären Führer glorifiziert. David entsprach damit dem Wunsch seines Auftraggebers, der ruhig auf einem feurigen Pferd gemalt werden wollte.  Niemand werde überprüfen, ob die Portraits großer Männer auch der Realität entsprächen, hatte er dem Maler erklärt. Es genüge, dass ihr Genie in dem Bild lebendig sei.[23] David folgte dieser Vorgabe: In Wirklichkeit überquerte Bonaparte die Alpen nämlich nicht auf einem feurigen Pferd, sondern  auf einem trittsicheren Maulesel… Napoleon war denn auch so zufrieden mit dem Bild, dass er gleich fünf weitere Versionen davon bestellte. Es ist das Original, das in Malmaison zu sehen ist.

Aber überquerte Napoleon die Alpen denn ganz alleine? Hatte er  nicht auch, so möchte man mit Brecht fragen, auch Soldaten dabei, mit denen er die Österreicher aus Italien vertreiben wollte? Natürlich gab es die auch.

Und es gibt sie sogar auf dem Gemälde Davids.  Immerhin war der Maler ja überzeugter und engagierter Republikaner und Jakobiner gewesen… Eine versteckte Kritik an dem Kult um Napoleon darf man in dem Gemälde aber nicht sehen…

Fotos: Wolf Jöckel

Dann gibt es in Malmaison auch noch Portraits der beiden Kinder, die Josephine mit ihrem ersten Ehemann, Alexandre de Beauharnais, hatte, der der jakobinischen Schreckensherrschaft zum Opfer fiel.

Anne-Louis Girodet de Roussy-Triosonhat dieses Portrait von Hortense de Beauharnais gemalt. Sie heiratete Louis Bonaparte, den dritten Bruder Napoleons, mit dem sie drei Söhne hatte. Einer von ihnen, Louis-Napoleon, war der spätere Kaiser Napoleon III. Das Gemälde ist auch wegen seiner Geschichte interessant. Offenbar wurde es von den Nazis konfisziert und war für das „Führermuseum“ in Linz bestimmt. Nach dem Krieg kehrte es wieder nach Frankreich zurück und wartet seitdem bzw. immer noch „auf die Rückgabe an seine legitimen Besitzer“, wie es auf der Website des Museums von Malmaison heißt.[24]

Eugène de Beauharnais war Josephines Sohn, von dem es dieses Portrait in Malmaison gibt. Es handelt sich um die 1839 entstandene Kopie eines Gemäldes von Karl Joseph Stieler aus dem Jahr 1816 (heute im Puschkin-Museum Moskau).[25] Eugène lebte damals in München. Verheiratet mit Augusta Amalia, der Tochter des bayerischen Königs, war er nach der Niederlage Napoleons dorthin ins Exil gegangen, wo er 1824 starb und begraben wurde.

Josephine legte großen Wert auf einen standesgemäßen Pariser Wohnsitz ihres Sohnes, immerhin ja zweitweise potentieller Thronfolger seines Stiefvaters. Sie engagierte das  Architekten-Duo Percier und Fontaine, das schon Malmaison neu gestaltet hatte, für den Umbau und die Ausschmückung des Hôtel de Beauharnais,  dem wohl hervorragendsten und am besten erhaltenen Bauwerk des Empire-Stils, heute Residenz des deutschen Botschafters in Paris und nach dem Urteil der ZEIT „das schönste Haus Deutschlands.“ Mehr dazu in den entsprechenden Blog-Beiträgen:   

und

Praktische Informationen[26]:

Zufahrt: Mit dem RER oder der Metro bis La Défense. Von dort Bus 258 bis Station Bois-Préau (oder Le Château). Von dort jeweils einige Fußminuten zum Parkeingang Bois-Préau oder dem Schloss.  

Öffnungszeiten:

Vom 1. Oktober bis 31. März täglich außer Dienstag. Schloss von 10 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 17.15 (Wochenenden 17.45) Park: Von 10-18 Uhr

Vom 1. April bis 30. September: täglich außer Dienstag. Schloss: 10-12.30 Uhr und 13.30 -17.45. Park: 10-18.30 Uhr

Literatur

H. Walter Lack, Jardin de la Malmaison. Ein Garten für Kaiserin Joosephine. München: Prestel Verlag 2004

Bernard Chevallier: Musée national des châteaux de Malmaison et Bois-Préau. Réunion des musées nationaux, Paris 2006

Joséphine. Katalog der Ausstellung im Pariser musée du Luxembourg 2014. Réunion des musées nationaux, Paris 2014

https://www.boutiquesdemusees.fr/fr/product/7079-josephine-la-passion-des-fleurs-et-des-oiseaux-catalogue-exposition.html

Die Gattinnen des Napoleon Bonaparte. Joséphine de  Beauharnais und Marie-Louise von Österreich. München: GRIN-Verlag 2023


Anmerkungen

[1] Aus dem Flyer des Schlosses. Das „Titelbild“ (Foto Wolf Jöckel) zeigt einen Teller der Manufaktur von Sèvres mit einem Blick auf das Schloss von Malmaison. Der Teller gehört zu einem 1807 bis 1810 speziell für Napoleon hergestellten Service, das auch für seine Hochzeit mit der österreichischen Erzherzogin Marie-Louise verwendet wurde.  https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/collection/objet/assiette-plate-de-dessert-du-service-particulier-de-lempereur

„Das allerliebste Landhaus“ – ein Ausdruck von U.T.von Uklanski aus seinem Reisebericht „Ansichten von Paris im Jahr 1809“. Abgedruckt in Lack, Jardin de la Malmaison, S. 52

[2]  https://www.boutiquesdemusees.fr/fr/product/7079-josephine-la-passion-des-fleurs-et-des-oiseaux-catalogue-exposition.html

Ute Missel, Die Rosen von Malmaison. Informationsdienst Wissenschaft 7.12.1999   https://idw-online.de/de/news?print=1&id=16472

[3] Flyer des Schlosses

[4] Nachfolgendes Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Malmaison#/media/Datei:Chateaudemalmaison.jpg

[5] Siehe z.B. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/percier1812/0015/image,info,text_ocr

[6] https://passerelles.essentiels.bnf.fr/fr/chronologie/construction/971df661-6520-48fa-bb60-a7784e9cd883-rue-rivoli/article/eac248de-4d7d-4816-8145-522bf94b6783-histoire-la-rue-rivoli

[7] Bild aus: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rueil-Malmaison_%2892%29,_ch%C3%A2teau_de_Malmaison,_vestibule_1.jpg

Text aus dem Schloss-Flyer

[8] Bild aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Malmaison#/media/Datei:Ch%C3%A2teau_de_Malmaison_-_Salle_%C3%A0_manger_002.jpg

[9] Zum Esszimmer insgesamt siehe: https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/collection/objet/danseuse-pompeienne

[10] Bild aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Malmaison#/media/Datei:Ch%C3%A2teau_de_Malmaison_-_Salle_de_billard_001.jpg

Text aus dem Schloss-Flyer

[11] https://www.akg-images.com/CS.aspx?VP3=SearchResult&ITEMID=2UMDHUNZPL7Z&LANGSWI=1&LANG=German

Text: Schloss-Flyer

[12] https://www.napoleon.org/histoire-des-2-empires/biographies/jacob-famille-debenistes-1765-1847/

[13] Mehr dazu: https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/collection/objet/necessaire-1806

[14] Herre, Joséphine, S. 185

[15] https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5787505v.r=egypt.langEN

[16] Näheres, vor allem auch zu den wechselhaften Geschichte der Einrichtung des Salons: https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/collection/objet/fauteuil-vers-1800

[17] Siehe dazu: https://www.editions-labisquine.com/les-savants-de-bonaparte-en-egypte.html#:~:text=On%20cite%20toujours%20les%20plus,et%20les%20m%C3%A9decins%20Desgenettes%2C%20Larrey%E2%80%A6  Eine Liste der wissenschaftlichen, technischen und künstlerischen Begleiter Bonapartes in Ägypten, die die Commission des sciences et des arts de l’armée d’Orient bildeten:

https://fr.wikipedia.org/wiki/Commission_des_sciences_et_des_arts

[18] https://en.wikipedia.org/wiki/Michel_Rigo

[19] https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/collection/objet/service-dit-cabaret-egyptien-de-limperatrice-josephine

https://panoramadelart.com/analyse/cabaret-egyptien-de-limperatrice-josephine

[20]https://www.carnavalet.paris.fr/en/collections/portrait-de-juliette-recamier-nee-bernard-1777-1849 

[21]Bild aus:  https://en.wikipedia.org/wiki/File:Fran%C3%A7ois_G%C3%A9rard_-_Portrait_of_Josephine_-_WGA08595.jpg

Erläuterungen zu dem Bild:  https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/collection/objet/madame-bonaparte

[22] https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/actualite/nouvelles-acquisitions

[23] „Personne ne s’informe si les portraits des grands hommes sont ressemblants. Il suffit que leur génie y vive.“ https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/collection/objet/le-premier-consul-franchissant-les-alpes-au-col-du-grand-saint-bernard 

[24] Bild und Info  aus: https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/collection/objet/portrait-de-la-reine-hortense  

[25] Bild aus: https://www.napoleon.org/en/history-of-the-two-empires/images/portrait-of-prince-eugene-de-beauharnais/  Zu Eugène auch: https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/en/eugene-and-hortense-de-beauharnais

[26] https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/en/practical-information

Ausflug zum Park von Sceaux -nicht nur- zur Kirschblüte

In Jedem Frühjahr wird im Park von Sceaux das Kirschblütenfest gefeiert. Ein Ereignis, das viele Besucher anzieht.

Kein Wunder:  Die in voller Blüte stehenden Kirschbäume sind eine Pracht! Und man darf sich im Schatten der blühenden Bäume niederlassen, seine Decke ausbreiten, sein mitgebrachtes Picknick verzehren, die meist alten wunderbaren Bäume und ihre Blüten bewundern, sich ausruhen, lesen, das Treiben um einen herum betrachten… Manchmal hat man fast den Eindruck, man sei nicht in Sceaux, sondern beim Kirschblütenfest in Japan…

Aber es lohnt sich, den Ausflug zu den Kirschblüten mit einem Spaziergang durch den Park zu verbinden. Der ist immerhin ein Werk des großen Le Nôtre, des Gartenarchitekten Ludwigs XIV., des Schöpfers des Parks von Versailles und vieler anderer großen barocker Gartenanlagen. Le Nôtre wurde von Colbert, dem „Finanzminister“ des Sonnenkönigs, für seine Schlossanlage in Sceaux engagiert. Und bei der Verwaltung der königlichen Finanzen kam Colbert offenbar auch auf seine Rechnung, so dass er sich ein wunderbares Schloss mit zahlreichen Nebengebäuden und einem riesigen, aufwändig angelegten Park leisten konnte…

Dazu passt die Statue des Herkules Farnese[1], der sich gerade, auf seine Keule gestützt, von seinen Kämpfen ausruht – natürlich vor blühendem Kirschbaum…

Man erreicht den Park von Paris aus einfach mit dem RER B.

Verlässt man den Bahnhof Parc de Sceaux wird man durch auf den Boden gesprühte Hinweisschilder zu einem der Parkeingänge geführt – Hanami ist der Name des japanischen Kirschblütenfests. Durch blühende Kirschbäume an den Straßenrändern wird man schon entsprechend eingestimmt.

An allen Eingängen zum Park gibt es Hinweistafeln, die die Orientierung erleichtern.

Die dem Bahnhof am nächsten liegenden Eingänge sind Mitte/rechts im Bild angegeben. Die Nummer 1 im oberen Teil bezeichnet das Schloss, die Nummer 2 die Orangerie, die Nummer 3 ganz oben rechts der Pavillon de l’Aurore.

Möchte man sich vor Beginn der Wanderung durch den Park etwas ausruhen, kann man unter den Kirschbäumen auf der Plaine de l’Orangerie (Mitte rechts auf dem Plan) schon eine kleine Pause einlegen.

Da hat man sogar die Auswahl zwischen „rot“ und „weiß“…

Der weitere Weg führt an der Orangerie vorbei…

Ein programmatisches Giebelrelief der Orangerie:  In Colberts Schloss herrschen Freude, Geselligkeit und Überfluss – hier ist man gewissermaßen auf Rosen gebettet. Und so konnte denn auch -wenn auch später einmal-  Voltaire schreiben, dass man sich in Sceaux ebenso gut unterhalten konnte, wie man sich in Versailles langweilte.[2]

Allerdings fehlt von der Orangerie ein Stück – es wurde im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 von preußischen Kanonenkugeln zerstört.

Schlimmer getroffen hat es allerdings das Schloss Colberts. Es wurde in der Französischen Revolution geplündert, schließlich an einen Unternehmer verkauft und zu Beginn des napoleonischen Kaiserreichs abgerissen.  Zwischen 1856 und 1862, also im Zweiten Kaiserreich Napoleons III., entstand dann der „Neubau“ im Stil Louis XIII, dem Baustil also, der die Bauten des großen Königs Henri Quatre prägt. Die Kombination von roten Backsteinen und behauenen weißen Kalksteinen kennen Paris-Besucher ja beispielsweise von der place des Vosges oder der place Dauphine auf der Île de la Cité.  Das Gebäude beherbergt ein Museum, das die Geschichte des Schlosses und die „art de vivre à la française“ zwischen Ludwig XIV. und Napoleon III. veranschaulicht.  Wir verzichten aber auf einen Besuch zugunsten der „art de vivre“ unter Kirschblüten…  

Auf dem Weg dorthin kommen wir zum pappelgesäumten Grand Canal. Der wurde erst 1687/88, also nach dem Tod Colberts gegraben. Schlossherr war damals der Marquis de Seignelay, der älteste Sohn Colberts. Aber verantwortlicher Gartenarchitekt blieb auch weiterhin Le Nôtre.  Der Kanal ist 1140 Meter lang, also fast so lang wie der des königlichen Schlosses von Fontainebleau (1,2 km), aber deutlich kürzer als der Grand Canal von Versailles (1670 m): Colberts Sohn vermied damit alles, seinen Herrn, den Sonnenkönig, zu übertrumpfen: Er kannte ja nur zu gut das Schicksal Fouquets, des Schlossherrn von Vaux-le-Vicomte und Konkurrenten seines Vaters, der der königlichen Sonne zu nahe kam, abstürzte und in schlimmster Festungshaft endete…

Hat man das nördliche Ende des Kanals umrundet, ist es nicht mehr weit zum Bosquet Nord: Japanische Lampions markieren die Zugänge.

Dieser Bosquet ist mit  insgesamt 144 japanischen Kirschbäumen (Prunun serrulata ‚Kanzan‘) bepflanzt, viele davon sind schon sehr alt…

Man ist eingeladen, sich in ihrem Schatten niederzulassen, die Blütenpracht zu bewundern, sein mitgebrachtes Picknick auszubreiten…

Nach einer entsprechend ausgiebigen Rast geht es weiter zum Bosquet Sud mit seinen weißblühenden Kirschbäumen, die es aber mit den japanischen bei weitem nicht aufnehmen können. (Und  -da kann ich einer lokalpatriotischen Anmerkung nicht widerstehen- sie können es schon gar nicht aufnehmen mit der wunderbaren Blüte von 42 000 (!) Kirschbäumen in den Streuobstwiesen von Ockstadt in der heimischen Wetterau…)

Also geht’s gleich weiter zum südlichen Rand des Großen Kanals. Da kann man sogar angeln und Boote mieten  (wenn die Warteschlange nicht zu lange ist…).

Zu den großen französischen Barockgärten, die im 17. Jahrhundert entstanden und deren bedeutendster Schöpfer Le Nôtre war, gehörten neben den großen Wasserflächen, den Alleen, Blumenrabatten und Bosquets auch Statuen. Colbert engagierte für seinen Park die bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit. Besonders beliebt waren Themen der antiken Mythologie.

Hier zum Beispiel die Kopie einer Statue von Bernini: Apoll verfolgt die sich ihm entziehende Daphne, die sich schließlich in einen Lorbeerbaum verwandelt. Die Skulpturen im Park waren vornehmlich aus Stein – der edle Marmor war dem König vorbehalten: Colbert , wie dann ja auch sein Sohn, kannten die Empfindlichkeiten ihres Herrn und nahmen darauf Rücksicht…

Die meisten Statuen des Colbert’schen Parks sind den Wirren der Zeit zum Opfer gefallen. Vieles wurde bei der Restaurierung des Parks in den 1930-er Jahren ergänzt: So die beiden Gruppen von Hirschen am südlichen Ende des Großen Kanals.

Zur ursprünglichen Anlage des Parks gehört das Octogon, ein großes Wasserbecken im Südosten des Parks:  In seiner Mitte eine 25 Meter hohe Fontäne. Le Nôtre musste dafür eine ganze Reihe von höher gelegenen Reservoirs schaffen, was allerdings aufgrund der günstigeren topographischen Bedingungen ungleich einfacher war als im Park von Versailles mit den Wasserspielen eines absoluten Herrschers, der auch der Natur seinen größenwahnsinnigen Willen aufzwingen wollte. Aber auch hier übten sich Colbert und Le Nôtre in untertäniger Zurückhaltung: Die höchste Fontäne von Versailles steigt immerhin 27 Meter in die Höhe!

Der Rückweg führt die wunderbare „Grande Cascade“ hinauf, die sich gerade in der abendlichen Sonne von ihrer schönsten Seite zeigt. Sie wurde wohl gemeinsam entworfen von Le Nôtre und Le Brun.

Über 17 kleine Wasserbecken mit jeweils zwei kleinen Fontänen fließt das Wasser hinunter zum Oktogon.

Das obere Ende wird durch wasserspeiende phantastische Köpfe (mascarons) markiert, die aber ebenfalls erst in den 1930-er Jahren installiert wurden. Sie stammen von dem für die Weltausstellung 1878 errichteten Palais de Trocadéro, das in den 1930-er Jahren dem für die Weltausstellung von 1937 errichteten Palais de Chaillot weichen musste.

Es ist nun nicht mehr weit zu den Ausgängen des Parks. Man sollte ihn aber nicht verlassen, ohne einen Blick in den Pavillon de l’Aurore zu werfen. Er steht am Rand des Parks, von wo aus man einen weiten Blick in die Umgebung hatte, vor allem auch über den heute nicht mehr existierenden Obst- und Gemüsegarten. Den ließ sich Colbert von Jean-Baptiste de La Quintinie anlegen, dem Hofgärtner Ludwigs XIV. und Schöpfer des königlichen Obst- und Gemüsegartens (potager du roi) in Versailles.

Für die Ausmalung der Kuppel engagierte Colbert den Hofmaler Ludwigs XIV, Charles Le Brun.  Le Brun hatte auch das Schloss von Sceaux ausgemalt. Nach dessen Zerstörung bleibt immerhin noch die Kuppel, die als ein Meisterwerk gilt.[3]

In dem Kuppelsaal liegen Faltblätter aus, die  die allegorische Bedeutung der Malerei erläutern. Hier eine Allegorie der Natur. Der Löwe, König der Tiere, steht für Colbert.

Die Tiere der Nacht werden von der Morgenröte verjagt…

… und dem neuen Tag, und damit der Sonne, werden Blumen gestreut:  So zollt Colbert seinem Sonnenkönig den gebührenden Respekt…

Wir verlassen -nach einem Tag voller Wunder der Natur und der Kunst- den Pavillon und es geht zurück nach Paris…


[1] Moderne Kopie der von Giovanni Comino zwischen 1670 und 1672 für Sceaux angefertigten Statue, einer Nachbildung der 1546 in Rom entdeckten Statue, die wiederum die Kopie einer antiken Statue ist.

Alle Fotos dieses Beitrags von Frauke und Wolf Jöckel

[2] Zit. von Dominique Brême, directeur du domaine de Sceaux. In: Le domaine de Sceaux. Dossier de l’art No 169, S. 5

[3] Siehe Dominique Brême, La coupole du pavillon de l’Aurore , chef-d’œuvre de Le Brun. In: Dossier de l’Art No 169: Le domaine de Sceaux, S. 16/17

Das Atelierhaus von Jean Arp und Sophie Taeuber in Meudon bei Paris und die Ausstellung arp mythique/arp antique (Februar bis November 2025)

Für Liebhaber der Werke von Hans/Jean Arp und seiner Frau Sophie Taeuber gibt es vor allem vier Orte, die zu besuchen man nicht versäumen sollte[1]:

  • Straßburg, die Geburtsstadt von Hans Arp.  An seinem Geburtshaus,  52 rue du Vieux-Marché-aux-Poissons in der Nähe der Kathedrale,  gibt es eine Erinnerungstafel.[2]

In der Avenue du General de Gaulle sind drei seiner Skulpturen aufgestellt,  und das Musée d’Art Moderne et Contemporain de Strasbourg (MAMCS, Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Straßburg) verfügt über eine beträchtliche Sammlung von Werken Arps und Sophie Taeubers.[3]

                  Blick aus dem Museum auf die Türme der Barrage Vauban und das Münster

  • Museum Rolandseck, das seine umfangreiche Arp-Sammlung der zweiten Frau Jean Arps verdankt.  „In Rolandseck steht das erste Museum weltweit, das Arps Namen trägt. Marguerite Arp-Hagenbachs großzügige Stiftung eines Großteils des Nachlasses von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp legte den Grundstein für das Arp Museum Rolandseck im eigens dafür errichteten von Richard Meier entworfenen Neubau.“[4]
  • Locarno mit dem Museo Comunale und dem ehemaligen Wohn- und Atelierhaus von Hans Arp, Sitz der Fondazione Marguerite Arp.[5]

In Locarno ist Jean Arp auch begraben, zusammen mit seiner Frau Sophie Täuber und seiner zweiten Frau Marguerite Arp-Hagenbach.[6]

Und nicht zuletzt gibt es das Atelierhaus von Jean Arp und Sophie Taeuber in Meudon bei Paris, Sitz der Fondation Arp.[7]

Arp hat in Meudon vor allem an seinen Skulpturen gearbeitet, von denen einige im Haus, im Garten und vor allem in dem großen Atelier ausgestellt sind: Ein Ort großen Charmes, biographischer Relevanz und Authentizität.

In einem autobiographischen Text straßburgkonfiguration schreibt Arp:

„ich bin in Straßburg geboren. Ich habe fünf gedichtbücher herausgegeben. die titel dieser bücher sind der vogel selbdritt- die wolkenpumpe- der pyramidenrock- weißt du schwarzt du- vier knöpfe  zwei löcher vier besen. 1916 habe ich in zürich unter freuden dada geboren. Dada ist für den unsinn das  bedeutet nicht blödsinn. Dada ist unsinnig wie die natur und das leben. Dada ist für die natur und gegen die kunst. Dada will wie die natur jedem ding seinen wesentlichen platz geben. Außerdem obliege ich teils sitzend teils stehend der bildhauerei. Niemand kann mir nachweisen dass ich je eine nymphe einen general oder einen adler modelliert habe.“ [8]

  • Die Nymphe steht hier, wie ich meine, für die Abbildung der Natur, wie sie von der klassischen Kunst praktiziert wurde. Und die lehnte Arp entschieden ab, weshalb er ja auch seine Studien der Bildenden Künste in Weimar und Paris abbrach.
  • Der General steht für den Krieg, den Arp ebenso entschieden ablehnte. „Nach Kriegsbeginn 1914 emigriert Arp, angewidert („höllischen Spuk irdischer Verwirrung“), über Paris ins neutrale Zürich. Seine pazifistische Haltung bekundet er öffentlich.“[9]
  • Der Adler schließlich steht für den Nationalismus. Den lehnte Arp entschieden ab. In Straßburg geboren als Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen/elsässischen Mutter, empfand er sich eher als Mitteleuropäer[10]. Aus all diesen Gründen war Arp auch ein Gegner des Nationalsozialismus. Das drückte er 1939 auch dadurch aus, dass er seinen deutschen Vornamen ablegte. 1940 stuften die Nazis seine Werke als entartet ein.

Was Arp an die Stelle von Nymphe, General und Adler setzte, ist derzeit  im Atelierhaus von Meudon in der Ausstellung „arp mythique arp antique“ thematisiert.

Ich werde zunächst auf die aktuelle Ausstellung eingehen. Danach werden wir einen Blick in das 1953 entstandene Ateliergebäude im Garten werfen und abschließend kurz das von Sophie Taeuber geplante und 1929 bezogene Wohn- und Atelierhaus des Paares Arp/Taeuber vorstellen.

arp mythique arp antique

Abgebildet auf dem Plakat ist die Skulptur Ptolémée, benannt nach dem griechisch-römischen Mathematiker und Astronomen Claudius Ptolemäus.

Hier die Gips-Version ptolémée II aus dem Jahr 1958. Vielleicht hat sich Arp dabei von Ptolemäus‘ Beobachtung der Sternbahnen inspirieren lassen.[11]  Arp schuf hier -wie später auch Henry Moore- eine Skulptur, die um einen offenen Innenraum komponiert ist – in dessen Mittelpunkt im Denken des Ptolemäus die Erde ihren Platz hat. Es gibt aber auch eine andere/weitere Sicht auf die Skulptur: Dass hier – 10 Jahre nach dem Tod der geliebten Frau-  „die Umarmung zweier Lebewesen“ dargestellt ist, die die Leere zwischen sich überbrücken.[12]

Mit der ersten Version der Plastik (Ptolemäus I), entstanden nach seiner ersten Griechenland-Reise 1952,  machte Arp 1954 auf der Biennale in Venedig Furore.  Er erhielt dafür den Internationalen Preis für Skulptur, seine erste große Auszeichnung, der viele weitere folgten.[13] In Venedig entstand auch dieses Foto, das Arp mit dem für die Biennale in Bronze gegossenen Exemplar der Skulptur zeigt.[14]  

Wie bedeutsam die Antike für Arps Werk ist, veranschaulicht ein Rundgang durch die Ausstellung.

Natur, Leben und Fruchtbarkeit, wichtige Themen Arps, sind in der nachfolgend abgebildeten Skulptur zum Ausdruck gebracht:

Es ist eine Figur der Demeter, der Schwester des Zeus und Göttin der Landwirtschaft. Und damit ist sie auch eine Figur, die die beiden in der Ausstellung beleuchteten Aspekte des Arp’schen Schaffens repräsentiert: des mythischen und den antiken Arp.

Die drei Grazien (1961)

Auch die drei Grazien, Töchter des Zeus, gehören zur griechischen Mythologie. Und die Mythologie war, wie auch die Natur, eine wesentliche Quelle der Inspiration Arps. Für ihn war ein Werk, das nicht im Mythos verwurzelt ist, lediglich ein „fantôme“, ein Phantom, ein Trugbild.[15]  

Besonders angetan hatten es Arp die Vasen und Figuren der vorklassischen Epoche, besonders die Kunst der Kykladen, die Arp bei seinen Griechenland-Reisen vor Ort studierte und die mit ihrer reduzierten Formsprache zum Vorbild wurden.

Die entzückende „petite Venus de Meudon“ von 1957

Eine zykladischen Idolen nachempfundene Stele, dahinter eine Krone aus Zweigen. Diese Krone erinnert an die Lorbeerzweige, mit denen Apollo gekrönt wurde.[16]

Es gibt aber auch den Bezug zu anderen Mythologien anderer Zeiten und Orte. Das zeigen die aus Papier ausgeschnittenen „Poupées“ pharaonischer Götter.

Kopf einer Horus-„Puppe“von 1964. Ausschnitt

In der Ausstellung wird auch gezeigt, wie sehr Arp von den Ideogrammen der Osterinseln angeregt wurde, deren künstlerische Dimension um 1930  entdeckt wurde.[17]

Hier ein Beispiel:

Der Bezug zum Osterinsel-Ideogramm ist offenkundig, aber die Bezeichnung der Skulptur La sirène (1942) verweist dann doch wieder auf die griechische Mythologie….

Zum Abschluss unseres kleinen Ausstellungs-Rundgangs noch ein Bild des wunderbaren Sterns, der auch das gemeinsame Grabmal der Arps in Locarno schmückt.[18]

L’étoile (1939) Foto von Marie-Christine Schmitt

Haus und Garten

Das Atelierhaus in Meudon wurde speziell entworfen von Sophie Taeuber: Ziel war die Verbindung von Leben und Arbeit. Entsprechend waren die drei Etagen des Hauses aufgeteilt: Im obersten Stockwerk der Arbeitsbereich Sophies, darunter der ihres Mannes und im Erdgeschoss Küche und Esszimmer. Das Atelierhaus bot so beste Voraussetzungen für die von beiden gewünschte und praktizierte enge künstlerische Zusammenarbeit; Und die ging über gegenseitige Anregung hinaus bis zu gemeinsamen Werken.    

Das Haus ist in seiner strengen schnörkellosen Form ausgesprochen modern. Andererseits aber wurde als Baumaterial der meulière-Stein verwendet, der „charakteristisch ist für das architektonische Erbe der Region Île-de-France.[19] So ist ein Haus entstanden, das einerseits architektonisch auf der Höhe der Zeit ist, sich aber andererseits durch seine Proportionen und das Baumaterial voll in seine Umgebung einfügt: architektonische Kühnheit im Dekor des banlieue.[20]

In dem Garten sind jetzt einige Skulpturen Jean Arps ausgestellt.

Shepherd of Clouds 1953. Die Skulptur wurde auch ausgestellt auf der documenta 2 1959. Für solche großen Skulpturen benötigte Arp entsprechend fachkundige Helfer: Steinmetze, die die kleineren Gips-Modelle Arps auf den gewünschten Umfang vergrößerten und dann in Stein ausführten, Gießereien, die Bronzeabgüsse der Plastiken anfertigten. Arp hatte das Glück, solche Mitarbeiter zu haben. Die arbeiteten dann auch weitgehend selbstständig in Meudon, als Arp ab 1959 mit seiner zweiten Frau ein Haus in Locarno kaufte und dort viel Zeit verbrachte.[21]

humaine, spectrale, lunaire. (menschlich) 1950

Der Garten war in den 1930-er Jahren auch ein Treffpunkt von Künstlerfreunden.  Jean Arp benutzte den Garten aber auch, um an seinen Skulpturen zu arbeiten und  -wie hier auf dem Bild von Michel Sima aus der Zeit um 1950 – mit ihnen zu posieren. Da es sich um Figuren aus Gips handelt, waren sie für eine dauerhafte Ausstellung im Freien nicht geeignet.[22]

Das Atelier

1953 wurde dann im Garten ein Atelierhaus gebaut, danach, als Arp auch das Nachbargrundstück erwerben konnte, daran anschließend noch ein zweites. Arp hat hier an seinen aus Gips gefertigten Skulpturen gearbeitet und sie auch dort auf- und ausgestellt.

Jean Arp in seinem Atelier. 1958. Foto von Michel Sima

Arp arbeitete hier mit Gips, ein ideales Material  für seinen Schaffensprozess: Ohne ein vorab festgelegtes Konzept konnte er in einem natürlichen Prozess seine Skulpturen  wachsen lassen, sie auch problemlos verändern und bearbeiten. „Man muss zuerst die Formen, die Farben, die Worte, die Töne wachsen lassen“, schrieb Arp in seinem „Manifeste millimètre infini“ 1938. „Ich mache nicht zuerst einen Plan, als ob es sich um eine Zeiteinteilung, eine Berechnung oder einen Krieg handelte. Die Kunst der Sterne, der Blumen, der Formen, der Farben gehört der Unendlichkeit“.

feuille se reposant. 1959

Blick vom Atelier auf das Atelierhaus. Im Garten eine Bronze-Version der Ptolemäus-Skulptur

Praktische Informationen:

Fondation arp. 21 rue des châtaigniers  92140 Clamart (kurz hinter der Stadtgrenze von Meudon).

Öffnungszeiten/Führungen Freitag 14.30 und 16.00 Uhr

Samstag und Sonntag 14.30, 15.30 und 16.30

Die Teilnahme an einer Führung empfiehlt sich sehr: eine sehr engagierte und sachkundige Einführung.

(Man kann allerdings auch zwischendurch kommen und sich schon einmal selbständig in der Ausstellung, dem Garten und dem Atelier umsehen)

Im Nachbargebäude des Atelierhauses gibt es eine kleine Boutique. Dort auch Literatur zu Arp und Taeuber, u..a. den sehr gehaltvollen Katalog der Fondation zu dem Atelierhaus und den beiden Künstlern.

Vom 1. bis 24. August Sommerpause

Es bietet sich an, einen Besuch des Atelierhaues mit dem des Rodin-Museums in Meudon zu verbinden (19, avenue Gustave Rodin)

Eine solche Kombination bietet sich nicht nur deshalb an, weil Atelierhaus und Museum mit dem RER C Haltestelle Meudon Val Fleury gut erreichbar sind; sondern auch deshalb, weil Rodin und Arp viel verbindet. Arp hat Rodin sogar eine Gedicht-Eloge gewidmet… [23]


Anmerkungen

[1] https://www.kulturreise-ideen.de/kunst/kuenstler/Tour-hans-arp.html

[2] Alle Bilder des Beitrags, wenn nicht ausdrücklich anders angegeben, von Frauke und Wolf Jöckel. Nachfolgendes Bild aus: https://www.batorama.com/fr/blog/visite-theme-strasbourg-poete-hans-arp

[3] Werke von Arp im Museum Straßburg https://www.navigart.fr/mamcs/artworks/authors/ARP%20Jean%20(ARP%20Hans,%20dit)%E2%86%B9ARP%20Jean%20(ARP%20Hans,%20dit)?page=4

[4] Sam Keller und Oliver Kornhoff, Vorwort und Dank. In: Rodin Arp. Katalog der Ausstellung in der Fondation Beyeler 2020, S. 9 

Nachfolgendes Bild: arp-museum-facebook-teilen.jpg (1068×560)

Werke von Hans Arp im Museum Rolandseck:  Sammlung Arp / Arp Museum Rolandseck

[5] Nachfolgendes Bild aus: https://www.artribune.com/arti-visive/arte-moderna/2023/04/jean-arp-mostra-locarno/ und Il viaggio in Oriente di Jean Arp in mostra a Locarno | Artribune

[6] Nachfolgendes Bild aus: Datei:Tomb of Hans Jean Arp, Sophie Taeuber-Arp and Marguerite Arp-Hagenbach in Locarno Switzerland.jpg – Wikipedia  

[7] Das Atelierhaus befindet sich, genau genommen, in Clamart, kurz hinter der Stadtgrenze von Meudon.

[8] Aus Hans Jean Arp, „ich bin in einer Wolke geboren“/je suis né dans un nuage.“ Gedichte/poèmes. Mitteldeutscher Verlag 2018, S.48 (Gesammelte Gedichte Bd 1: Gedichte 1903-1939)

[9] https://www.welt-der-form.net/Hans_Arp/leben_und_werk.html

[10] Fondation Arp, Atelier Jean Arp et Sophie Taeuber. Éditions des Cendres. Paris 2021, S. 28

[11] So der Hinweis auf der beigefügten Information

[12] Fondation Arp, Atelier Jean Arp et Sophie Taeuber. Éditions des Cendres. Paris 2021, S. 202

[13] S. Die Firma Arp. Katalog der Ausstellung im Gerhard-Marcks-Haus Bremen 2022/2023, S.35

[14] Hans Arp with Ptolemy I (1950), Venice, Italy, 1954. Photo: Archivio Cameraphoto © Vittorio Pavan

Bild aus: https://www.hauserwirth.com/ursula/24766-arp-ptolemy-ii/

[15] Motto der Ausstellung ist denn auch folgender Satz Arps aus Le langage intérieur von 1952: „Une œuvre qui n’a pass a racine dans le mythe, la poésie, qui ne participe pas à la profondeur, à l’essence de l’univers n’est qu’un fantôme“.

[16] „une Idole dont latête est ornée d’une Couronne de branches, à la manière des lauriers de la coiffe d’Apollon“. (dossier de presse zur Ausstellung, S. 7) Ich persönlich assoziiere bei der Couronne de branches von1959 allerdings auch oder fast eher die Ideogramme der Osterinseln als den wohlgeordneten apollonischen Lorbeerkranz.

[17] Siehe den Artikel von Hans Mühlestein, des origines de l’art et de la culture. An: Cahiers d’art  no2, 1930. Das Heft gehörte zu der Bibliothek von Hans Arp.

[18] Im Erdgeschoss des Atelier-Hauses gibt es eine kleine Ausstellung von Werken Sophie Taeubers.

[19] https://www.parc-naturel-chevreuse.fr/etudes-outils-de-connaissance/inventaires-du-patrimoine-historique/etudes-thematiques-0/la-meuliere

[20] Fondation Arp, Atelier Jean Arp et Sophie Taeuber. Éditions des Cendres. Paris 2021, S.15

[21] Siehe Veronika Wiegartz, ohne hillfe geht es nicht. handwerker und assistenten im kontext der gipsmodelle von hans arp. In: Die Firma Arp a.a.O., S. 34ff

[22] Aus: die firma arp. Formenkosmos und Atelierpraxis. Herausgegeben von Arie Hartog und Veronika Wiegartz. Katalog der Ausstellung im Gerhard-Marcks-Haus, Bremen vom 6.11.2022-29.1.2023, S.99   u.a. ausgestellt: Figur Idol von 1950 und Mythische Figur von 1950.  Bild auch in: https://museumtijdschrift.nl/artikelen/recensies/wegbereider-van-de-organische-vorm/

[23] Siehe: Katalog der Ausstellung Rodin Arp in der Fondation Beyeler 2020

Séraphine Louis und Wilhelm Uhde: Die wunderbare und tragische Geschichte einer französischen Malerin und ihres deutschen „Entdeckers“

Aufmerksam wurde ich auf Séraphine Louis durch eine Ausstellung, die 2019/2020 im Musée Maillol in Paris gezeigt wurde: Vom Zöllner Rousseau bis Séraphine. Die großen naiven Meister.

Die dort ausgestellten Bilder Séraphines fand ich faszinierend, zum Teil auch verstörend. Und ich fragte mich, wer diese mir bis dahin ganz unbekannte Malerin war. Dabei stieß ich auf eine wunderbare und tragische deutsch-französische Geschichte, und die begann so:

Im Jahr 1912 suchte der deutsche Kunsthändler und –sammler Wilhelm Uhde, der damals in Paris lebte, einen  ruhigen Platz auf dem Lande zum Arbeiten. Seine Wahl fiel auf Senlis,  „das mittelalterliche Städtchen mit seinen engen Gassen, seiner Kathedrale und den vielen gotischen Kirchen … mit seinen Klöstern und von hohen Mauern umfriedeten Adelssitzen.“  So Wilhelm Uhde in seinen Erinnerungen.  „Obgleich es nur vierzig Kilometer von Paris entfernt liegt, kam selbst an den Sonntagen niemand in diesen Ort. Er hatte nicht viel mehr als 4000 Einwohner.“

Senlis war ein verschlafenes Nest, das sich im 19. Jahrhundert geweigert hatte, an die Eisenbahnverbindung Paris- Lille angebunden zu werden – und das auch noch heute nicht über einen Bahnanschluss verfügt. Die freiwillige Distanzierung von der nahen Metropole kam dem Bedürfnis Uhdes aber gerade entgegen. Er schreibt weiter:

 „… Es waren seltsame enge Gassen da mit kleinen grauen Häusern, auf deren Fensterbänken rote Blumen standen.“  Die Kathedrale „hatte über der Pforte das Wappen Franz I. mit dem Salamander und in den äußeren Galerien wuchs Farren und blaue Glockenblumen.“[1] „Wenn man an der Kathedrale vorbeiging und dann an der Ruine eines Schlosses, das Heinrich IV. bewohnt hatte …

…. und sich dem Ende des Städtchens näherte, … kam man zu einem ganz kleinen Platze, auf dem das Gras zwischen den Steinen wuchs. Dort mietete ich drei Zimmer, für die ich fünfzehn Francs im Monat bezahlte …  Hier brachte ich jetzt von Zeit zu Zeit einige Wochen in Besinnung und Arbeit zu…[2]

Und hier beginnt auch  die wunderbare und tragische Geschichte einer französischen Malerin und ihres deutschen „Entdeckers“.

Eine  Künstlerin wird entdeckt

Wilhelm Uhde hat in seinen 1938 zuerst erschienen Erinnerungen (Von Bismarck bis Picasso) und dann noch einmal in seinem  Buch Fünf primitive Meister: Rousseau, Vivin, Bombois, Beauchant, Séraphine von 1947 berichtet, wie er auf die Malerin Séraphine aufmerksam wurde:

Eines Tages fand ich bei Bürgern auf einem Stuhl ein Stillleben, das mir seltsam den Atem benahm.

Granatäpfel auf blauem Grund. Aus der Ausstellung der Werke Séraphines im Museum Senlis[3]

Das waren Früchte, in schwerer, schöner Materie gebildet, nicht so hingestrichen: das sollen Äpfel sein, sondern sie waren in Schönheit geschaffen und Wirklichkeit geworden. Der junge Cézanne hätte sie gemalt haben können. Ich fragte nach dem Künstler und erhielt zur Antwort ‚Seraphine‘. Als ich damit nichts anfangen konnte, erklärte man mir, dass es meine Aufwartefrau sei, eine Alte, die seit einigen Tagen meine Zimmer machte und der ich noch keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte.[4]

„Als Séraphine am nächsten Tag bei mir ankam, sah sie auf einem Stuhle das Stillleben“. Uhde hatte es  seinen Gastgebern gleich für 8 Francs abgekauft. „Sie begann zu lachen.  ‚Monsieur hat mein Bild gekauft? Es gefällt also Monsieur?‘ – ‚Sehr gut. Haben Sie noch mehr?‘  Sie brachte ein halbes Dutzend, von denen jedes einen gleich großen Eindruck auf mich machte, wie das erste. Eine seltene Leidenschaft, ein heiliger Eifer, eine mittelalterliche Glut lebte in diesen Stillleben.“[5]

Einige dieser Bilder zeigte Uhde seinen Pariser Freunden. „Sie waren ebenso erstaunt und beglückt wie ich, und einer rief: ‚Es hat doch keinen Sinn, weiter zu malen, wenn eine ungebildete Frau solche gewaltigen Sachen fertig bringt.‘“[6]

Beten, putzen, malen: Das Leben der Séraphine Louis

Wer war diese Séraphine, die Wilhelm Uhde entdeckte, und die nach dem Urteil ihres Biographen Jean-Pierre Foucher zu den Unsterblichen gehört, die  den Rahmen einer Bewegung oder einer Schule durchbrechen?[7]  Geboren wurde sie 1864 in einfachen Verhältnissen, verlor früh ihre Eltern und erhielt nur eine rudimentäre Schuldbildung. Von 1881 bis 1901  arbeitete sie wohl als Laienschwester im Couvent de la Charité de la Providence in  Clermont-de-l’Oise, das sie dann aber verließ. Sie nahm Stellungen  als Haushaltshilfe bei  Familien in Senlis an, wo sie sich in der  rue du Puits-Tiphaine  ein eigenes Zimmer anmietete.[8]

Erinnerungsplakette am Haus, in dem Séraphine de Senlis von 1906 bis 1932 wohnte

Von dort  hatte sie es nicht weit zur Kathedrale, die sie, von einer tiefen, naiven Frömmigkeit geprägt, täglich besuchte. Es war dann auch ein Engel, der ihr in der Kathedrale von Senlis  den Auftrag Marias zum Malen übermittelte:

„Séraphine, tu dois te mettre à dessiner!“

 Séraphine folgte diesem Auftrag mit großer Beharrlichkeit. Weil sie sich keine Leinwände leisten konnte, malte sie Blumen und Früchte auf alles, was ihr in die Hände fiel, zum Beispiel auf diese beiden Crème-fraîche-Töpfe, die im Museum von Senlis ausgestellt sind.

Das nachfolgend wiedergegebene,  um 1910 entstandene Bild ist wahrscheinlich das früheste bekannte,  an Allgäuer Bauernmalerei erinnernde Werk von Séraphine. Hier nutzte sie offensichtlich die Wasserfarben eines Kindes, bei dessen Eltern sie als Haushaltshilfe beschäftigt war.[9]

Schon hier wie auch später verwendet Séraphine florale Motive. Die Vorlage waren wohl Blumen, die  sie auf ihren Spaziergängen fand – wie den Weißwurz, das Vergissmeinicht-Ästchen oder die beiden Hahnenfüße  auf diesem Bild. 

Christine Bourcey, Hommage à Séraphine. (2020) Abgebildet ist die von einer Aura umgebene Séraphine in ihrer typischen Kleidung und dem schwarz angemalten Strohhut beim Blumensammeln auf den Feldern um Senlis

Aber man kann auch von einer weiteren Inspirationsquelle ausgehen: „Die Tätigkeit als Reinemachefrau eröffnete ihr den Zugang zu den Büchern ihrer Dienstherren. Zum üblichen Bestand bürgerlicher Hausbibliotheken gehörten auch und gehören botanische Nachschlagewerke. In diesen wird sie manche Anregung für ihre Früchtestilleben gefunden haben.“[10]

Die Farben für ihre Bilder erstand sie in der örtlichen Drogerie Duval,  mischte sie aber auch selbst an. Vor allem verwendete sie Ripolin, eine von dem Holländer Riep 1889 entwickelte Farbe  für die Lackierung von Karosserien und Oberflächen in Feuchträumen.[11]

Ripolin war billig und hatte eine große Leuchtkraft. Das kam Séraphine sehr entgegen, so dass sie daran noch festhielt, als sie über Künstlerölfarben verfügte.  Zur Anmischung ihrer eigenen Farben verwendete  sie auch, so Uhde 1947, „Öl aus der kleinen Lampe des Muttergottesbildes“. Manches spricht dafür, dass es sich dabei um eine „literarische Fiktion“ Wilhelm Uhdes handelt. Aber  die Vorstellung, dass diese „Malerin des heiligen Herzens“, die ihre Bilder mit frommen Gesängen begleitete, als Bindemittel heiliges Öl verwendete, war nur allzu verführerisch. Wie auch immer: „Man muss“, so Körner/Wilkens, „die Maltechnik nicht mystifizieren, um sich von der Kunst dieser malenden Mystikerin faszinieren zu lassen.“[12]

Die Kapelle Saint-Denis der Kathedrale, in der sich auch die von Séraphine verehrte Marien-Statue befindet,  ist mit leuchtend –  bunten Glasfenstern aus dem 16. Jahrhundert ausgestattet, und man kann davon ausgehen, dass diese Fenster einen großen Einfluss auf ihr Werk gehabt haben. Wilhelm Uhde hatte ja spontan die „mittelalterliche Glut“ und die  „geheimnisvolle mittelalterliche Wirkung“  der Bilder seiner Zugehfrau bewundert.[13]

Nachfolgend  drei Fenster der Kapelle und drei m.-E. dazu passende- Bilder Séraphines  aus verschiedenen Phasen ihres Schaffens[14]:

Vogel und Kirschzweig (Oiseau et branche de cerisiers) 1925

Ausschnitt aus: Blumen und Früchte, um 1920

Ausschnitt aus: Les Grappes de raisins, um 1930

Der Entdecker  Séraphines: Wilhelm Uhde

Wilhelm Uhde, der 1912 das künstlerische Talent seiner Haushälterin erkannte, war ein ebenso außergewöhnlicher Mensch wie Séraphine. Und vielleicht war es ja diese Gemeinsamkeit, die sie verband.

Es gibt vier Portraits von Wilhelm Uhde, die diese Außerordentlichkeit etwas veranschaulichen:

Dieses Portrait Uhdes malte Robert Delaunay 1907. Drei Jahre zuvor hatte sich Uhde in Paris niedergelassen, wo er von seinen Artikeln zur modernen Kunst, vor allem aber von dem Verkauf von Bildern lebte, die er –ein hervorragender Kenner der zeitgenössischen Kunst- gesammelt hatte.[15]  Mit vielen Malern dieser Zeit war Uhde befreundet. So auch mit Robert Delaunay und der russischen Malerin Sonia Terk, die er 1906 heiratete. Allerdings war das eine Vernunftehe, und als Sonia Terk ihre Liebe zu Uhdes Freund entdeckte, wurde die Ehe geschieden und Sonia ging als Sonia Delaunay in die Kunstgeschichte ein.

Uhde hatte damals seine Homosexualität erkannt und sich zu ihr bekannt.  Ende des 1. Weltkriegs lernte er in Frankfurt  den 20 Jahre jüngeren Maler Helmut Kolle kennen, mit dem er bis zu dessen Tod 1931 zusammenlebte.  Hier das Portrait Wilhelm Uhdes, das Kolle um 1930 malte.[16]

Der heute fast vergessene Maler André Lanskoy (1902-1976) hat 1929 das nachfolgend abgebildete Portrait Uhdes in einem blauen Frauenkleid gemalt. Als „Zeugnis schwuler Selbstinszenierung“ war es allerdings nicht für die öffentliche Präsentation bestimmt. 2016 hat es ein bayerischer Kunstsammler aus Privatbesitz erworben,  und 2018 wurde es im schwulen Museum Berlin ausgestellt. .[17]

Das vierte Portrait Uhdes stammt von Pablo Picasso und entstand 1910.[18]

Picasso kannte Uhde seit 1905 – oder treffender: Uhde lernte Picasso  1905 kennen. Wie das kam, beschreibt er in seinen Erinnerungen:

„An der Ecke des Boulevard Rochechouart und der Rue des Martyrs hatte eine alter … Mann einen Laden, in dem er Betten und Bettzeug verkaufte. Vor der Tür des Ladens aber hatte er, der ein Bilderfreund war, die Malereien unbekannter junger Maler zu wohlfeilen Preisen aufgestellt. Dort fand ich eine Leinwand, auf der ein weiblicher Akt mit gelbem Haar abgebildet war. Ich zahlte die zehn Francs, die man für dieses Bild verlangte, das mir sonderlich gefiel. Die Signatur des Namens, der mit einem P begann, war mir durchaus unbekannt.“[19]

Am nächsten Tag traf Uhde den jungen Maler in Montmartre. Es war der  damals noch unbekannte Pablo Picasso, von dem er wohl als erster ein Bild erworben hatte und dem er sein Leben lang freundschaftlich verbunden war. Das kubistische Portrait ist „das bedeutendste Zeugnis der Freundschaft zwischen Picasso und Uhde“.[20] 

Georges Braque war Uhdes zweite große Entdeckung: Er wurde dessen erster Käufer und Händler. Der dritte „Große“, den Uhde in seinem ersten Pariser Jahrzehnt entdeckte, war der „Douanier“, der  „Zöllner“ Rousseau.  Uhde tat auch alles dafür, „seine“ Maler durch publizistische Beiträge und Ausstellungen bekannt zu machen. Die  erste Werkausstellung Rousseaus beispielsweise brachte er, tief beeindruckt von der Charmeuse de serpents, 1908 in Paris auf den Weg.  Der Douanier soll Uhde, als er an der Schlangenbeschwörerin arbeitete, „wiederholt um Rat gefragt haben, was die Komposition und das Kolorit betraf, sodass Uhde ein Stück Autorschaft an diesem Meisterwerk beanspruchen kann.“[21] 1921 widmete er Rousseau eine erste Monographie.  Der Maler wurde damals als nicht ernst zu nehmender Spaßvogel abgetan, und der „Figaro“ machte sich über den närrischen Ausländer lustig, „der sich mit diesem abwegigen Unfug französischer Kunstproduktion abgab“.[22] In den Jahren vor dem Krieg besuchte Uhde öfters Rousseau in dessen Atelier. Uhde berichtet in seinen Erinnerungen:

„Einmal sprach er vom Kriege, den er verabscheute. Er wurde heftig: ‚Wenn ein König Krieg führen will, soll eine Mutter zu ihm gehen und es ihm verbieten.‘ ….Der schönste Tag bei ihm war ein vierzehnter Juli, an dem das französische Nationalfest ist. An diesem Tag hatte, wie immer, ganz Paris geflaggt. Aber man sah natürlich nur die französische Fahne. Ich besuchte Rousseau in seinem Atelier, wo außer mir noch französische Bürger waren, alte Rentner aus demselben Stadtviertel. … Bevor wir tranken, nahm mich der alte Rousseau bei der Hand und zeigte mir die deutsche Fahne, die er am Fenster neben der französischen angebracht hatte. Dann erhob er sein Glas und forderte uns alle auf, mit ihm auf den Frieden anzustoßen.“[23]

Es war auch Uhde, der die erste Ausstellung von Bildern der Marie Laurencin organisierte, die damals völlig unbekannt war und noch kein einziges Werk verkauft hatte.

Uhde war also ein hervorragender Kenner der zeitgenössischen Kunst, „ein Geburtshelfer der Avantgarde“ (Bernd Roeck). Er hatte ein Auge für noch unbekannte, aber  vielversprechende Maler und Malerinnen, auch für sogenannte „naive“ – und so war die Begegnung mit Séraphine in Senlis zwar ein Zufall, aber es war dann keinesfalls ein Zufall, dass Uhde ihren  außerordentlichen künstlerischen Wert  erkannte.

Allerdings blieb dies zunächst ohne Folgen. Denn durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste Uhde als „feindlicher Ausländer“  Frankreich verlassen und nach Deutschland zurückkehren.  Die Folgen waren gravierend: Die Einrichtung von Uhdes Wohnung in Senlis wurde verkauft, und damit auch die Bilder Séraphines. „Ich habe niemals erfahren können“, schreibt Uhde 1947, „wer sie erworben hat.“[24] Vielleicht wurden die Bilder Séraphines wie andere aus dieser Zeit bei „Entrümpelungen“ entsorgt…. Uhdes Pariser Kunstsammlung  wurde -wie auch die ebenso bedeutende  seines Freundes Henri Kahnweiler- vom französischen Staat als Kriegsentschädigung beschlagnahmt und 1921 im Auktionshaus Hôtel Druot  versteigert. Der Katalog umfasste  73 Gemälde und Zeichnungen: neben Arbeiten von Matisse, Rousseau,  Laurencin u.a. auch  18  Werke von Braque und 16 von Picasso, darunter das oben abgebildete Portrait Uhdes. Als Sachverständiger fungierte der Pariser Kunsthändler Léonce Rosenberg, der die von Uhde und Kahnweiler gesammelten Werke „lächerlich niedrig taxierte. …. Er nutzte die Chance, seine deutschen Konkurrenten auf dem Pariser Markt ausschalten zu können.“ Was diese „boches“ gesammelt hatten, konnte ja nur minderwertig sein. Als der im Krieg hochdekorierte und schwer verwundete Braque sah, wie Kahnweilers Sammlung verschleudert wurde, stürzte er sich auf Rosenberg und konnte nur mühsam gebändigt werden. Der ebenfalls anwesende Henri Matisse unterstützte Braque dabei lautstark und protestierte gegen diesen –im Grunde gegen die Interessen Frankreichs verstoßenden-„Akt nationalistischer, kulturpolitischer Aggression“.[25]

Uhdes Rückkehr nach Frankreich und Séraphines „Jahre des Ruhms“

1924 kehrte Uhde –trotz alledem- in seine Wahlheimat Frankreich zurück, nachdem er die dafür erforderlichen Bürgschaften erhalten hatte.  Er  begann nun, eine neue Sammlung aufzubauen.  Die Maler seiner  verlorenen Vorkriegssammlung waren inzwischen berühmt und ihre Werke für ihn unerschwinglich. Zufällig entdeckt er bei einem Ausstellungsbesuch ein Werk von Rousseau, das er besonders geliebt hatte: Es wird ihm zum Preis von 300 000 Francs zum Rückkauf angeboten. Er selbst hatte es vor dem Krieg für 40 Francs von einer Wäscherin gekauft….    Uhde konzentrierte sich also auf noch unbekannte naive Maler wie Bombois und Vivin,  die er – auch weil die Kirche Sacré Cœur zu ihren bevorzugten Motiven gehörte-  die Maler vom Heiligen Herzen nennt.

                               Louis Vivin,  Basilique du Sacré-Cœur de Montmartre. 1930

Mit Séraphine nahm Uhde  allerdings –merkwürdiger Weise- zunächst keinen Kontakt auf. Über die Gründe kann nur spekuliert werden.  Möglicherweise hatte er sie schlicht aus den Augen verloren. Erst 1927, als er mit Helmut Kolle und seiner Schwester Anne-Marie-Uhde im benachbarten Chantilly wohnte, kam es zu einem Wiedersehen.  Anlass war eine Ausstellung heimischer Künstler (Exposition de la Société des Amis des Arts de Senlis) im Rathaus von Senlis:

„Jetzt ging ich die hohe steinerne Treppe des Rathauses hinan, betrat den Saal, an dessen Wänden Bilder, Aquarelle, Zeichnungen hingen. Die übliche Provinzkunst, angefertigt in ihren Mußestunden von Schlossbesitzern und adeligen Fräulein, eine enge Welt, klein gesehen und klein gemalt, beliebig, dünn und bunt. Und indem mein Blick dieses alles suchend schnell abtastete und wieder verließ, entdeckte er plötzlich in einem Winkel drei große Bilder von packender Gewalt, die ihn hielten, einen Fliederstrauß in schwarzer Vase, einen Kirschbaum, zwei Weinstöcke, einen roten und einen weißen. Und als ich diesen Bildern Séraphines ruhig und fest ins Gesicht sah, da war es, als fingen draußen längst verstummte Glocken an zu läuten.“[26]

 „Alles suchend“ abgetastet: Das gilt natürlich den Bildern Séraphines. Denn als Uhde nach Senlis zur Ausstellung fuhr, war die  Pariser Kunstöffentlichkeit schon auf die Ausstellung in Senlis und auf Séraphine aufmerksam geworden. Und zwar durch einen Aufsatz des renommierten Kunsthistorikers Louis Gillet, der Séraphine rühmte:

„Seit drei Tagen gibt es in Senlis, das nicht gerade ruhmverwöhnt ist, Genialität. Senlis hat zur Avantgarde gefunden. (…) Senlis hat seine Legende. Senlis hat Séraphine.“[27]

Ist es unter diesen Bedingungen so wahrscheinlich, dass –wie Uhde berichtet- die für die Ausstellung Verantwortlichen es mit „Mitleid und Spott“ quittierten, als er drei Bilder Séraphines aufkaufte? Und es waren dem Katalog der Ausstellung zufolge auch gar nicht die einzigen, die sie dort ausgestellt und –kaum erstaunlich nach der Eloge Gillets- verkauft hatte.[28] Da hat Uhde wohl seine Rolle etwas überhöht, so wie er ja auch die Legende der Séraphine von Senlis nach Kräften befördert hat.

Eines der drei von Uhde gekauften Bilder der Ausstellung war wohl das mit Ripolin gemalte Bild Les Grappes (1927, heute in Privatbesitz), das auf der anfangs erwähnten Ausstellung im Musée Maillol zu sehen war.

 Uhde erneuerte nun den Kontakt mit Séraphine, die inzwischen nur noch für die Malerei lebte: „Ich diene nicht mehr bei Leuten“, sagte sie Uhde, „aber es ist furchtbar schwer, denn ich bin alt und ein Anfänger, der nicht viel kann.“[29] Da war Uhde aber völlig anderer Meinung. Er  kaufte alle ihre Bilder auf, vermittelte ihr Kontakte zu anderen Interessenten und ließ ihr die gewünschten zwei Meter hohen Leinwände bringen.

Und Uhde unterhielt sich auch intensiv mit Séraphine über ihre Kunst und ermutigte sie wohl dazu, mit dem Anspruch auf exakte Gegenständlichkeit in ihren Bildern souveräner umzugehen. So eröffneten sich für sie gestalterische Möglichkeiten, das „Bild einer anderen – paradiesischen- Vegetation überzeugender zu realisieren“[30] -– so wie auf dem nachfolgend gezeigten um 1929 entstandenen Bild Grappes et feuilles roses.      

 „Unter starker Anspannung, in schlaflosen Nächten malte sie nun ein Meisterinnenwerk nach dem anderen. …. Gallot vermutet, dass in diesen produktivsten Jahren drei bis vier Bilder pro Monat entstanden. Regelmäßig kam ein von Uhde geschickter Lastwagen, der ihr neues Material brachte und die fertigen Werke abholte.“[31] 

Ohne Uhde und seine Schwester, die einen engen persönlichen Kontakt mit Séraphine Louis pflegte, hätte sich ihr künstlerische Werk nicht in dieser Weise entfalten können. Die Förderung  durch die Uhdes bedeutete für sie das Versprechen, eine große Künstlerin zu sein. So entstand in einem kurzen Zeitraum von drei, höchstens vier Jahren ein „in der Tat einzigartiges und großartiges künstlerisches Werk“.[32]

Es waren Jahre eines kurzfristigen Ruhms,  zu dem auch Geld gehörte, das  Séraphine mit (mehr als) vollen Händen wieder ausgab. Ihre  frühere, fast unterwürfige Demut legte sie, überzeugt von der Größe ihres Werkes, ab. Ihre Briefe unterschrieb sie nun mit Séraphine Louis Maillard –sans rivale (ohne Rivalin): Louis war der Name ihre Vaters, Maillard der ihrer Mutter. Uhde adelte sie mit dem Künstlernamen Séraphine de Senlis.  

Séraphine Louis, fotografiert von Anne-Marie Uhde in den 1920-er Jahren.[33] Margeriten waren eine Lieblingsblume von Séraphine Louis. Es gibt viele Gemälde mit diesen Blumen, so „Die großen Margeriten“ von 1929/1930 im Museum Senlis. [34]

Séraphine Louis hat ihren Bildern nie Namen gegeben- sie stammen von Wilhelm Uhde oder seiner Schwester.  Wie die floralen Motive spielt auch der Baum eine wichtige Rolle in ihrem Werk.  Dabei scheint die christliche Ikonographie des Mittelalters auf: Der Paradiesgarten, das himmlische Jerusalem, Getreide und Trauben, Brot und Wein, der Baum des Wissens und der Baum des Jesse, der Himmel und Erde verbindet. 

L’arbre de vie, Der Baum des Lebens (1928/1930) Museum Senlis.

Dass sie sich dabei auch von faszinierenden Schilderungen der exotischen Fauna und Flora in den französischen Kolonien inspirieren ließ, legen Wilkens und Körner in ihrem Buch dar. Als Quelle können dafür die in Senlis ansässigen und auch in der Missionsarbeit tätigen Schwestern von Saint-Joseph de Cluny gedient haben, mit denen Séraphine in Kontakt stand. In dem Buch einer in Martinique tätigen Ordens- und Namensschwester findet sich jedenfalls ein Satz über die Vegetation in Martinique, der auch zum Werk der Séraphine Louis passt: „Die Vegetation kennt keine Erholung; die Bäume erneuern ständig ihre Blüten und ihre Früchte und übersetzen die Erinnerung an das irdische Paradies in lebende Bilder.[35]

Hier zwei Ausschnitte aus dem in diesen Jahren entstandenen Paradiesbaum  (L’arbre de paradis, 1929/1930), einem der in jeder Hinsicht größten Werke der Künstlerin.[36] 

Dies ist in Stück des Blätterwaldes, „dessen einzelne Formen an  Muscheln, Vulven, Pfauenfedern erinnern…

….  Und genau in der Bildmitte ‚thront‘ ein Blatt in der Form eines Auges, das natürlich als das Auge Gottes erscheint.“[37]

Wilhelm Uhde in seinen Erinnerungen:  „In den Bildern der Séraphine erwachte in neuen Formen die Inbrunst des Mittelalters, da in den Klöstern die ekstatischen Gebete von Gott besessener Nonnen gen Himmel stiegen. Sie lebte wie Rousseau auf einer anderen Ebene, wie bei diesem lag der Ursprung des Werkes im Mystischen, in einem unbeschreiblichen Zustand der Seele, der schöpferisch ist. … Diese Herkunft aus einer Welt, zu der wir keine Beziehungen haben, gibt den Bildern Séraphines ihre geheimnisvoll mittelalterliche Wirkung. Sie war fähig, dem großen Erlebnis die große Form zu geben, auf der begrenzten Fläche der Leinwand das unbegrenzte Erlebnis zu gestalten. Ihr Werk gleicht dem Hohenlied Salomonis“. [38]

Zunehmende Verwirrung, Krankheit und Tod der Séraphine Louis

Séraphine Louis galt in Senlis schon seit den 1920-er Jahren als wunderliche Person. Sie malte vor allem nachts, und der ganze Stadtteil hörte, wie sie dabei, schrill und falsch, Choräle sang. Man machte sich lustig über ihre Kleidung, ihren Weinverbrauch (sie liebte den ‚natürlichen Wein‘ und hatte immer eine Flasche ‚Roten‘ bei sich‘), ihre Visionen und natürlich über ihre Malerei. Séraphine war – gemildert in den Jahren ihres Ruhms, der von Paris ausstrahlte- dem „Hohn der kleinen Stadt“ ausgesetzt.[39] Das verstärkte sich 1931, als die Zeichen ihrer geistigen Verwirrung immer deutlicher wurden. Dazu beigetragen hat wohl nicht zuletzt der Rückzug Uhdes[40]: Der hatte in der Weltwirtschaftskrise zunehmend Schwierigkeiten, Ausstellungen zu organisieren und Bilder zu verkaufen. Er forderte Séraphine auf, sparsamer zu sein und keine weiteren Schulden zu machen, für die er bisher immer aufgekommen war. Schließlich stellte er die Zahlungen vollständig ein und brach –wohl auch bedingt durch den qualvollen Tod Helmut Kolles- die Beziehung zu Séraphine ganz ab.  Séraphine war nun allein mit ihren Phantasien von Weltruhm und Reichtum, mit ihren Ängsten und ihrem Verfolgungswahn, mit ihren wahnhaften Anschuldigungen.  Als Haushaltshilfe hatte sie eine klar definierte soziale Stellung gehabt, danach als erfolgreiche Malerin. Als  das endet, verliert sie ihren sozialen Ort, alles löst sich auf. Séraphines Malerei, ihr Spiel mit den Farben waren Mittel, „die Bruchstücke ihrer Persönlichkeit zusammenzufügen“. Jetzt hört sie auf zu malen und der Wahnsinn nimmt von ihr Besitz.[41] 

Unter der Überschrift „Débilité mentale“ berichtet der Courrier de l’Oise am 7. Februar 1932:  Am 31.Januar 1932 sei das geistig verwirrte Fräulein Séraphine Louis, die sich als Malerin bezeichne (se disant artiste-peintre), in das Krankenhaus von Senlis eingeliefert worden. Se disant artiste-peintre: Dem Journalisten des Courrier de l’Oise, der dies schrieb, konnte nicht unbekannt sein, dass Séraphine Louis, damals die wohl prominenteste Einwohnerin der Stadt, eine erfolgreiche Malerin war. Durch diese Formulierung wird aber die Malerei als Ausdruck ihres Wahnsinns denunziert. Und so kündigt denn auch der Courrier de l’Oise im weiteren Verlauf des Artikels an,  dass diese stadtbekannte Senliser Erscheinung  sicherlich in ein Asyl überführt würde, „wo ihr alle Fürsorge zuteil werden wird, die sie benötigt“.[42] Eingeliefert wurde Séraphine Louis dann in der Tat  am 25. Februar 1932 in die psychiatrische Anstalt von Clerment-de l’Oise, wo sie bis zu ihrem Tod im Dezember 1942 blieb.

Von der hier angekündigten Pflege und Behandlung konnte allerdings kaum die Rede sein. Die Anstalt war völlig überfüllt: Der Pavillon, in dem Séraphine untergebracht war, war nach einem Bericht aus dem Jahr 1938 für 160 Kranke gedacht, allerdings mit der doppelten Anzahl Patienten belegt. Der Krieg verschlimmerte die Situation noch erheblich: Die Mehrheit der Ärzte und Krankenpfleger wurde eingezogen, viele flohen vor der anrückenden Wehrmacht. Die Insassen waren sich weitgehend selbst überlassen. Die Wäscherei funktionierte nicht mehr, die Toiletten auch nicht, viele Kranke schliefen im eiskalten Winter nackt auf dem Boden, es gab nicht genug zu essen, worüber sich Séraphine immer wieder beklagte. Im Sommer 1942 riss sie Kräuter aus, um sie nachts zu essen: Die psychiatrischen Kliniken des Landes wurden während des Krieges zunehmend mangelhaft versorgt, so dass viele Insassen an Hunger und Verwahrlosung  starben, wahrscheinlich auch Séraphine Louis.[43] Man hat in diesem Zusammenhang von einer „extermination douce“ gesprochen, einer „sanften“ bzw. eher einer grausam sich hinziehenden, allmählichen Vernichtung, der etwa 45 000 Insassen psychiatrischer Anstalten in Frankreich zum Opfer fielen: Unter dem von Krieg und der deutschen Besatzung verursachten allgemeinen Nahrungsmittelmangel litten besonders die Menschen am Rand der Gesellschaft, deren Leben als unwert oder als am ehesten entbehrlich angesehen wurde und die keine eigenen Mittel hatten oder erhielten, ihr Überleben zu ermöglichen. [44] Zu diesen Menschen gehörte auch die Bildhauerin Camille Claudel, deren Leben erstaunliche Parallelen zu dem von Séraphine Louis aufweist. Auch sie verbrachte –ohne weiter künstlerisch tätig zu sein-  die letzten Jahre ihres Lebens in einer psychiatrischen Anstalt  und starb  ein Jahr nach Séraphine Louis.[45]

Séraphine Louis  hatte es sich gewünscht, dass nach ihrem Tod eine großartige Prozession in Senlis und eine Totenmesse mit Chor und Solisten für sie in der Kathedrale gefeiert würde und dass auf dem Grabstein in ihrem Geburtsort Arsy, wo sie bestattet werden wollte, folgende Inschrift mit goldenen Lettern eingemeißelt wäre:

„Ici repose Séraphine Louis Maillard,   sans

rivale, en attendant la résurrection bienheureuse“.

Hier ruht Séraphine Louis Maillar, ohne Rivalin, in Erwartung der glücklichen Auferstehung.

Tatsächlich gab es aber für sie weder eine Totenmesse, noch ein Grab mit Grabstein in Arsy. Sondern bestattet wurde sie  wie andere mittellose Insassen des Asyls in einem anonymen Gemeinschaftsgrab (fosse commune) in Clermont. Niemand war bei der Beerdigung anwesend.

Erst am 5. April 2005 wurde auf dem Friedhof eine schlichte Tafel eingeweiht mit dem von Séraphine gewünschten Text: [46]

Wilhelm Uehde: Überleben in Frankreich während des Dritten Reichs und der deutschen Besatzung

Und Wilhelm Uhde? Natürlich hatte er erfahren, dass Séraphine Louis in das Asyl von Clermont eingeliefert worden war. Er habe  deshalb -so wird berichtet- bei den Ärzten angefragt  und sich nach ihr erkundigt, aber die  Auskunft erhalten, sie nicht zu besuchen, weil dies Krisen auslösen könne. Uhde habe aber Geld nach Clermont geschickt, um die Unterbringung Séraphines in einem Einzelzimmer zu ermöglichen und ihre Situation insgesamt zu verbessern. 1934 habe er, wie und von wem auch immer, die Nachricht vom Tod Séraphines erhalten.[47] In seinen Erinnerungen und in den „Fünf primitiven Meistern“ stirbt Séraphine Louis in der Tat 1934, und dieses Todesdatum verbreitete sich auch in Paris und hielt sich lange in der Literatur. Uhdes Vordatierung des Todes von Séraphine Louis  ist nach Körner/Wilkens „eine Konstruktion“: Für ihn war Séraphine als Künstlerin 1934 gestorben und nicht mehr „von Belang“. [48]

Im gleichen Jahr kehrte Uhde nach Paris zurück. Das freiwillige Leben im geliebten Frankreich wurde nun unter den Bedingungen des Dritten Reichs zum auferlegten politischen Exil. Seiner Arbeit für die Kunst und für die Popularisierung der von ihm geförderten Maler  tat dies aber zunächst keinen Abbruch:  1937 präsentierte eine große Pariser Ausstellung seine „maïtres populaires“ , wozu auch zahlreiche Exponate von Séraphine Louis aus seiner Sammlung  gehörten. Anschließend wurde die Ausstellung im Kunsthaus Zürich und im Museum of Modern Art in New York gezeigt.[49]

Daneben suchte Uhde  den Kontakt mit der deutschen Emigration und schrieb für Willi Münzenbergs Zeitschrift Die Zukunft. Die Nazis entzogen ihm die deutsche Staatsangehörigkeit, was ihm aber von den französischen Behörden nicht bescheinigt wurde. So galt er in Frankreich auch weiterhin als Deutscher.[50] Immerhin blieb ihm, aufgrund seiner guten Kontakte, nach Ausbruch des Krieges die Einweisung in eines der Internierungslager für „feindliche Ausländer“ erspart- anders als seiner Schwester.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht floh er – immer in Angst, den Nazis in die Hände zu fallen – aus Paris. Während mehrerer Monate beherbergte und schützte ihn Jean Cassou, der Chefkonservator des Musée du Luxembourg und spätere Direktor des Pariser Museums der modernen Kunst.  Und immerhin wurden er und seine Schwester, anders als der Maler Otto Freundlich, der ebenfalls in der zone libre Zuflucht gesucht hatte, nicht verraten…[51]

Uhdes Wohnung  in der rue de l’Université wurde von der Gestapo allerdings verwüstet und geplündert.  Teile seiner Sammlung, die nicht vorher in Sicherheit gebracht werden konnten,  gingen wieder verloren. 1944 kehrte Uhde in das befreite Paris zurück, wo er noch zwei Ausstellungen für Séraphine Louis und für Helmut Kolle organisieren und deren Anerkennung erleben konnte. Eines der geretteten Bilder, Séraphines Stillleben mit Kirschen (ca 1925),  schenkte Uhde 1945 Jean Cassou.[52]

Im  Musée National d’Art Moderne , ehemals im Palais de Tokyo in Paris –heute im Centre Pompidou- richtete Cassou einen den Namen Uhdes tragenden Saal mit Bildern  der „Fünf primitiven Meister“ Henri Rousseau, André Bauchant, Camille Bombois, Louis Vivin und Séraphine Louis ein.[53] Dazu gehörte auch der arbre rouge  (Der rote Baum, 1928/1930), der Teil von Uhdes Nachkriegsausstellung war und den Cassou für das Museum aufgekauft hatte.[54]

Auffällig ist hier die asymmetrische Komposition und die Spannung zwischen dem zur Seite geneigten Baumstamm und den Blättern, die den größten Teil des Bildes einnehmen: Ein Bruch mit der für diie Bilder Séraphines sonst meist üblichen Ordnung und Harmonie, den das Centre Pompidou in seinem Begleittext schon in den Zusammenhang mit ihrer psychischen Erkrankung rückt.

                             Detail des ‚arbre rouge‘

Im Centre Pompidou gibt es heute keine salle Uhde mehr und die nach dem Krieg dort versammelten Bilder sind heute im Museum von Senlis ausgestellt, das dazu auch noch weitere Bilder Séraphines präsentiert.[55]

Die verbliebene Sammlung des  1947 verstorbenen Uhde wurde von Dina Vierny, dem Modell und der „Muse“ Aristide Maillols,  erworben. Die Ausstellung im Musée Maillol Vom Zöllner Rousseau bis Séraphine, auf die am Beginn dieses Beitrags hingewiesen wurde, konnte aus diesem Fundus schöpfen.

Bestattet wurde Uhde auf dem Friedhof Montparnasse, in der Stadt und dem Viertel, das er so sehr liebte. (Chemin Circulaire, 1./2. Division).

Im gleichen Grab sind auch seine Schwester Anne – Marie und Helen Hessel beigesetzt, die ihre letzten Lebensjahre gemeinsam verbrachten.

Helen Hessel:  Das ist die in den 1930-er Jahren in Sanary-sur-mer,  der damaligen „Hauptstadt der deutschen Literatur“ im Exil lebende Frau Franz Hessels, die Mutter des (ebenfalls auf dem Friedhof Montparnasse bestatteten) französischen Diplomaten Stéphane Hessel und die im Film von François Truffaut von Jules und Jim umworbene junge Frau… Aber das ist eine andere Geschichte…[56]

Der Wahlspruch auf dem Grabstein: vivens flagro (Lebend brenne ich) passt für die drei hier bestatteten Personen, genauso aber auch für Séraphine Louis.

Zum Ansehen:

Sehr sehenswert ist der mehrfach ausgezeichnete deutsch-französische Film „Séraphine“ von Martin Provost aus dem Jahr 2008. In den Hauptrollen Yolande Moreau und Ulrich Tukur.[57]

Neues aus Uhdes Jugend- und Studienzeit?

Im Vorstand der Uelzener Familienstiftung Johannislehn bin ich, Walter Bellingrodt, für genealogische Fragen zuständig. Aus den Einnahmen von Erbpachtgrundstücken werden an Nachfahren der Stifterfamilien auf Antrag Studienstipendien verteilt, auch heute noch. Die Stiftung wird im Jahr 2026  650 Jahre alt. Nach intensiver Einarbeitung, Aufstellen von alphabetischen und chronologischen Listen zu den über Tausend in den letzten 250 Jahren Geförderten und dem Vergleich mit Biographien der Namen unter Wikipedia ist mir erst im letzten Jahr aufgefallen, dass Wilhelm Uhde auch zu den Geförderten gehörte:

Investition Meltzingsche Commende 1896, Jahre der Auszahlung 1896, 1897, 1898
Johannislehn: Investiert am 21. Mai 1896., Jahre der Auszahlung: 1898, 1899, 1900.

Er erhielt Geld aus den beiden Stiftungen, er musste sich bewerben, vielleicht hat er sich auch bedankt und etwas zu seinem Werdegang geschrieben. Das Archiv des Johannislehn wurde vor wenigen Jahren dem Archiv der Stadt Uelzen übergeben, und weil die Dokumente erst jetzt chronologisch und nach Sachgebieten geordnet wurden, stehen sie erst jetzt für Forschungszwecke zur Verfügung. Ich nehme, dass dies als Information für an dem Leben von Uhde besonders Interessierte von Bedeutung ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: www.stiftungjohannislehn.org und walter.bellingrodt@ewe.net

Postscriptum

Im Internet habe ich zufällig folgenden schönen Hinweis auf diesen Blog-Beitrag gefunden:

 In seinem Paris-Blog schreibt der Historiker Wolf Jöckel gern erfreulich lange Beiträge zu seinem jeweiligen Thema – sehr differenziert und detailreich, selbstverständlich unter Angabe der Quellen und großzügig bebildert. Eine schätzenswerte Ausnahme im Internet!

Im Dezember 2020 widmete er einen Artikel der »wunderbaren und tragischen Geschichte einer französischen Malerin und ihres deutschen ‚Entdeckers’«. Dabei handelt es sich um Séraphine Louis (1864–1942), die der Kunsthändler und Sammler Wilhelm Uhde in Senlis 1912 als seine Haushaltshilfe kennenlernte und mit Erstaunen ihr außergewöhnliches Talent als naive Malerin entdeckte. Als Kenner der zeitgenössischen Kunst (und als Förderer von Pablo Picasso, Georges Braque, dem »Zöllner« Rousseau und Marie Laurencin ) hatte Uhde ein Auge für unbekannte, aber vielversprechende Maler und Malerinnen… Was sich so märchenhaft anließ, endete traurig und tragisch.

Dieser Text, über den ich mich natürlich sehr gefreut habe, stammt aus dem schönen Blog „Zwischenstopp“ von Gabriele Kalmbach: https://gabrielekalmbach.de/ueber-gk/  Merci!

Benutzte Literatur/Zum Weiterlesen:

Françoise Cloarec, Séraphine. La vie rêvée de Séraphine de Senlis. Paris 2008 (Cloarec ist Psychoanalytikerin und hat mit einer Arbeit über Séraphine Louis promoviert)

Manfred Flügge, ‚Was unser Dasein in die Ferne trägt…‘  Ein deutscher Kunsthändler in Paris: Wilhelm Uhde. In: Manfred Flügge, Paris ist schwer. Deutsche Lebensläufe in Frankreich. Berlin 1992, S.41-57

Hans Körner/Manja Wilkens, Séraphine Louis 1864 – 1942. Biographie/Werkverzeichnis. Biographie/Catalogue raisonné. Traduit par Annette Gautherie-Kampka.   Berlin: Reimer-Verlag  2. erweiterte Auflage 2015. Das Kapitel: Erste Bilder ist im Internet einsehbar unter:  https://www.reimer-mann-verlag.de/pdfs/101547_2.pdf

Musées de Senlis (Hrsg), Séraphine 1864-2014. 150e anniversaire. Broschüre zur Ausstellung in Senlis 2014/2015

Bernd Roeck, Über die Kunst, das Schöne zu sehen- Wilhelm Uhde, ein Geburtshelfer der Avantgarde. In: Wilhelm Uhde, Von Bismarck bis Picasso. Zürich 2010, S. 353 – 375

Andrea Schweers, Séraphine Louis (genannt Séraphine de Senlis) 1864-1942. Malerin von Maris Gnaden. In: Sibylle Dua und Luise F. Pusch, Wahnsinnsfrauen.  Suhrkamp taschenbuch 2439  FFM 1996, S. 39 -70

Wilhelm Uhde, Aufzeichnungen aus den Kriegsjahren. Mit einem Nachwort von Anne-Marie Uhde. In: Manfred Flügge, Paris ist schwer. Deutsche Lebensläufe in Frankreich. Berlin 1992, S. 59 – 108 (auch enthalten in: Wilhelm Uhde, Von Bismarck bis Picasso, S. 305f)

Wilhelm Uhde, Von Bismarck bis Picasso. Erinnerungen und Bekenntnisse.  Zürich 2010

Wilhelm Uhde, Fünf primitive Meister. Rousseau/Vivin/Bombois/Bauchant/Seraphine. Zürich: Atlantis Verlag 1947

Alain Vircondolet, L’art jusqu’à la folie. Camille Claudel, Séraphine de Senlis, Aloïse Corbaz. Monaco: Éditions du Rocher 2016

Praktische Hinweise:

Das Musée d’Art et d’Archéologie: Place Notre-Dame 60300 Senlis

Tel. +33 (0)3 44 24 86 72

Öffnungszeiten (außer zu Covid-19-Zeiten):

Mittwochs bis sonntags 10-13 Uhr und 14-18 Uhr

Zufahrt Senlis:

Von Paris aus: Autobahn A 1, Ausfahrt 8 Senlis  (45 km)

oder

SNCF: vom Gare du Nord nach Chantilly, von dort aus Bus Linie 15

Ein Ausflug nach Senlis kann gut kombiniert werden mit einem Besuch von


Anmerkungen:

[1] Wilhelm Uhde, Von Bismarck bis Picasso, S. 170/171 Foto aus: https://www.flickr.com/photos/jrthibault/8380847336/lightbox/ 

[2] A.a.O., S. 171

[3] Die meisten der  in diesem Beitrag wiedergegebenen Bilder Séraphines befinden sich in dem Museum von Senlis und sind dort aufgenommen.  Bei dem hier abgebildeten Bild handelt es sich nicht um das Stilleben, durch das Uhde auf Séraphine Louis aufmerksam wurde. Das ist verschollen. Aber es ist eines ihrer Bilder „bei denen am ehesten noch (wie bei Uhde. W.J.) die Erinnerung an Cézanne-Stilleben wach werden könnte“. (Körner/Wilkens, S. 53)

[4] Uhde, Von Bismarck bis Picasso, S. 172/3

[5] Uhde, Fünf primitive Meister, S. 123

[6] Uhde, von Bismarck bis Picasso, S. 173  Allerdings gibt es verschiedene andere Versionen über den ersten Kauf eines Werkes von Séraphine durch Uhde: Vielleicht entdeckte er ein Bild von ihr auch bei dem lokalen Photographen, Schneider, Schuster oder Antiquitätenhändler. Aber die Uhde’sche Version von 1947 ist natürlich eindrucksvoller. Siehe Körner/Wilkens, S. 47

[7] Zitiert im Vorwort von Françoise Cloarec, Séraphine. La vie rêvée de Séraphine de Senlis.

[8] Im Tourismus-Büro der Stadt (place du Parvis Notre-Dame) ist ein Faltblatt Séraphine erhältlich mit einem kleinen Stadtrundgang, auf dem Drehorte des Films (s.u.) angegeben sind und natürlich auch das Haus in der rue du Puits Tiphaine Nummer 1.

[9] Siehe den sehr empfehlenswerten Beitrag von Andrea Schwer, Séraphine Louis, 1864-1942. Malerin von Maria Gnaden. In: Wahnsinns-Frauen. Hrsg. von Sibylle Duda und Luise F. Pusch. Suhrkamp taschenbuch 2493. Ffm 1996, S. 39 – 70.   Diesem Aufsatz habe ich auch den biographischen Dreiklang „beten, putzen, malen“  entnommen (S.43) und ich stütze mich auch im Weiteren auf ihn, ebenso wie auf das grundlegende Werk von Körner und Wilkens.

[10] Körner/Wilkens, S. 55

[11] Plakat von Eugène Charles Paul Vavasseur https://www.moma.org/collection/works/7829

Siehe dazu das Kapitel aus Körner/Wilkens: Ripolin aus der Drogerie Duval, S. 41ff

[12] Zitat Uhde aus: Fünf primitive Meister, S. 125 Körner/Wilkens, S. 113

[13] s.o. und Uhde, Von Bismarck zu Picasso, S. 259 Im Begleittext zur Ausstellung der Bilder Séraphines im Museum von Senlis ist die Rede von einer „luminosité particulière, qu’elle affectionne peut-être parce qu’elle rappelle les vitraux de la cathédrale de Senlis“

Siehe auch: Nathalia Brodskaya in L’Art naïf (2014): „Les vitraux de l’église de Senlis eurent également une influence diffuse tout en long de son Œuvre“.

[14] Der Vogel mit Früchten ist im Museum Senlis ausgestellt. Die beiden anderen Bilder wurden 2019/2020  in der Ausstellung Du Douanier Rousseau à Séraphine. Les grands maîtres naïfs gezeigt.

[15]https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Uhde_(Kunsth%C3%A4ndler)#/media/Datei:Robert_Delaunay,_1907,_Portrait_of_Wilhelm_Uhde..jpg

[16] https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Uhde_(Kunsth%C3%A4ndler)  Im Museum von Senlis sind auch Werke Kolles ausgestellt. Ein Selbstportrait Kolles befindet sich auch in der Sammlung des Städel-Museums Frankfurt. https://sammlung.staedelmuseum.de/de/person/kolle-helmut

[17] Bild aus https://www.nordbayern.de/kultur/laufer-kunstsammler-fand-wieder-eine-raritat-1.5630063  24.11.2016 https://www.schwulesmuseum.de/ausstellung/portraets-aus-wilhelm-uhdes-kunstsammlung-in-tapetenwechsel-2-04/  In Wilhelm Uhdes Erinnerungsbuch „Von Bismarck bis Picasso“ sind die Portraits von Delauney, Kolle und Picasso abgebildet (S.350-352), das von Lanskoy aber nicht.  

[18] https://www.phaidon.com/agenda/art/articles/2015/march/17/the-amazing-life-story-of-wilhelm-uhde/  

[19] Uhde, Von Bismarck bis Picasso, S. 146/7

[20] Zitat und zum Nachfolgenden: Roeck, Über die Kunst, das Schöne zu sehen. S. 361

[21] Roeck, Über die Kunst, das Schöne zu sehen, S. 362

[22] Uhde, Von Bismarck bis Picasso, S. 158

[23] Uhde, Von Bismarck bis Picasso, S. 162

[24] Uhde, Fünf primitive Meister, S. 119f

[25]   https://www.deutsche-biographie.de/pnd117267716.html und Roeck, Über die Kunst, das Schöne zu sehen, S. 367/8. Um Missverständnisse zu vermeiden: Das abschließende Zitat stammt nicht von Matisse, sondern von Roeck. Zum Hintergrund siehe die Darstellung Roecks über die damals in Frankreich gängige Abwertung des Kubismus. Die Preise für diese „scheußlichen Werke“ würden durch „unerwünschte Ausländer““, vor allem Deutsche, in die Höhe getrieben.

[26] Uhde, Von Bismarck bis Picasso, S. 258

[27] Zit. Körner/Wilkens, S. 65

[28] Körner/Wilkens, S. 69/71

[29] A.a.O., S. 259

[30] Körner/Wilkens, S. 75

[31] Schweers, Séraphine Louis, S. 49/50

[32] Körner/Wilkens, S. 71

[33] Bild aus: https://www.wikiart.org/de/seraphine-louis

[34] Katalog von Körner/Wilkens Nr. 65. https://musees.ville-senlis.fr/Collections/Explorer-les-collections/Rechercher-une-oeuvre/Musee-d-Art-et-d-Archeologie/Les-grandes-marguerites

[35]  Hans Körner/Manja Wilkens, Séraphine Louis 1864 – 1942. Biographie/Werkverzeichnis.  Berlin: Reimer-Verlag  2. Auflage 2015, S. 31

[36] Schweers, S. 52; Körner/Wilkens, S. 19

[37] Schweers, S. 61; Körner/Wilkens, S. 19

[38] Uhde, Von Bismarck bis Picasso, S. 259

[39] Schweers, S. 48 und 51

[40] Siehe dazu: Cloarec, S. 140ff

[41] „sa place n’est plus assurée dans le circuit sociale. Tout se défait.“ Cloarec, S. 32 und S. 31 siehe auch Vircondelet, S. 146ff

[42]  Körner/Wilkens, S. 12/13

[43]https://www.lefigaro.fr/cinema/2008/10/01/03002-20081001ARTFIG00411-seraphine-de-senlis-enfin-rehabilitee-.php  (morte probab­lement de faim)

[44]  Der Begriff der Extermination douce geht zurück auf ein Buch des Psychiaters Paul Lafont aus dem Jahr 1987: L’extermination douce. La mort de 40000 malades mentaux dans les hôpitaux psychiatriques en France sous le régime de Vichy. Siehe dazu: Pierre Broussolle, L’Extermination douce. La Cause des fous 40000 malades mentaux morts de faim dans les hôpitaux sous Vichy. https://www.cairn.info/revue-vie-sociale-et-traitements-2001-1-page-45.htm# Neuer und auf einem breiteren Forschungsstand:   Isabelle von Bueltzhingsloewen (Hrsg), « Morts d’inanition ». Famine et exclusions en France sous l’Occupation, Rennes, Presses universitaires de Rennes, 2005 und dies., L’Hécatombe des fous. La famine dans les hôpitaux psychiatriques français sous l’Occupation, Paris: Aubier 2007. Siehe dazu: Danièle Voldman in:https://www.cairn.info/revue-d-histoire-moderne-et-contemporaine-2008-4-page-234.htm

siehe auch Vircondolet, S. 167: er zitiert aus einem Rundschreiben der Regierung von Vichy vom 3. März 1942, wo von menschlichem Abfall (déchets) gesprochen wird, dessen Ernährung nicht zu rechtfertigen sei.

[45] Siehe dazu: Séraphine Louis und Camille Claudel- zwei parallele Leben. In: Schweers, Séraphine Louis, S. 62f. Zu Camille Claudel siehe auch den Beitrag auf diesem Blog: https://paris-blog.org/2019/12/22/camille-claudel-orte-der-erinnerung-an-eine-grosse-bildhauerin/ 

[46] Bild des Epitaphs aus: https://docplayer.fr/9911326-Seraphine-louis-1864-1942-artiste-peintre.html  Wie schwer sich die Gemeinde auch heute noch mit Seraphine tut, die dort ja viele Jahres ihres Lebens verbracht hat, wird aus dem entsprechenden Text der lokalen homepage deutlich: Elle meurt en 1942, et sera inhumée dans la fosse commune du cimetière de Clermont, et recevra comme épitaphe:  « Ici repose Séraphine Louis Maillard sans rivale, en attendant la résurrection bienheureuse ». https://www.clermont-oise.fr/ville/monuments-clermont  Da werden weder die (schlimmen) Umstände ihres Todes angegeben noch der (späte) Zeitpunkt,  wann die Tafel  installiert wurde.

[47] Siehe Cloarec, S. 159; Vircondolet, S. 159

[48] Körner/Wilkens, S. 115/116

[49] Siehe Körner/Wilkens, S. 271/272

[50] Das wird aus seinen Aufzeichnungen aus den Kriegsjahren deutlich. Siehe auch Cloarec, S. 170: „Il n’a jamais pu obtenir la nationalité française.“  Manfred Flügge schreibt allerdings in seinem Buch über Stéphane Hessel (Portrait d’un rebelle heureux) über Uhde: Il avait été naturalisé français dans les années 1930.

[51] Siehe den Blog-Beitrag über Otto Freundlich: https://paris-blog.org/2020/04/01/der-maler-und-bildhauer-otto-freundlich-ein-deutsch-franzoesisches-kuenstlerschicksal-eine-ausstellung-im-museum-montmartre/ 

[52] Siehe Cloarec, S. 169. Bild aus: https://www.artcurial.com/en/lot-seraphine-louis-dite-seraphine-de-senlis-1864-1942-nature-morte-aux-cerises-circa-1925-huile Es wurde 2012 für 25,741 Dollar verkauft.

[53]  „Fünf primitive Meister“ ist der Titel eines 1947 erschienenen Buches von Walter Uhde über Rousseau, Vivin, Beauchamp, Bombois und Séraphine Louis.

[54] Bilder  aus:  https://www.centrepompidou.fr/fr/ressources/oeuvre/cn74brg und   http://espacetrevisse.e-monsite.com/pages/mes-travaux-personnels-notes-etudes/l-arbre-rouge-de-seraphine.html

[55] Im Juni 2020, als wir das Centre Pompidou zuletzt besuchten, war dort leider kein einziges Werk von Séraphine Louis zu sehen.

[56] Siehe dazu den Blog-Beitrag  https://paris-blog.org/2016/04/18/exil-in-frankreich-sanary-les-milles-und-marseille/

[57] Bild aus: https://www1.wdr.de/fernsehen/kinozeit/sendungen/seraphine100.html

Merci, Gabriele Kalmbach!

In ihrem Blog „Zwischenstopp“ hat Gabriele Kalmbach einen sehr sympathischen Hinweis auf meinen Artikel über Seraphine Louis und Wilhelm Uhde veröffentlicht, den ich nachfolgend wiedergebe.

https://gabrielekalmbach.de/zweimal-frankreich-im-netz-2021_kw03/

Mit meinem Dank verbinde ich die Empfehlung, sich auch einmal auf dem schönen, professionellen Blog von Gabriele Kalmbach umzusehen. Neben kulinarischen Empfehlungen lädt die Reisejournalistin auch zu Entdeckungsreisen in La Belle France ein.

Paris-Blog: In seinem Paris-Blog schreibt der Historiker Wolf Jöckel gern erfreulich lange Beiträge zu seinem jeweiligen Thema – sehr differenziert und detailreich, selbstverständlich unter Angabe der Quellen und großzügig bebildert. Eine schätzenswerte Ausnahme im Internet! Im Dezember 2020 widmete er einen Artikel der »wunderbaren und tragischen Geschichte einer französischen Malerin und ihres deutschen ‚Entdeckers’«. Dabei handelt es sich um Séraphine Louis (1864–1942), die der Kunsthändler und Sammler Wilhelm Uhde in Senlis 1912 als seine Haushaltshilfe kennenlernte und mit Erstaunen ihr außergewöhnliches Talent als naive Malerin entdeckte. Als Kenner der zeitgenössischen Kunst (und als Förderer von Pablo Picasso, Georges Braque, dem »Zöllner« Rousseau und Marie Laurencin ) hatte Uhde ein Auge für unbekannte, aber vielversprechende Maler und Malerinnen… Was sich so märchenhaft anließ, endete traurig und tragisch.

Séraphine Louis und Wilhelm Uhde: Die wunderbare und tragische Geschichte einer französischen Malerin und ihres deutschen „Entdeckers“

Die Rousseau-Sammlung des Museums Jacquemard-André im ehemaligen königlichen Kloster Chaalis

Eine schöne und im wahrsten Sinne des Wortes nahe liegende Ergänzung zu einem Besuch des jardin Jean-Jacques Rousseau in Ermenonville ist die Rousseau-Sammlung im Museum Jacquemard-André in Chaalis.

Zu Ermenonville siehe  den Blog-Beitrag:   https://paris-blog.org/2020/09/01/der-park-jean-jacques-rousseau-in-ermenonville-der-erste-landschaftspark-auf-dem-europaeischen-kontinent-und-die-erste-begraebnisstaette-rousseaus/

Die heruntergekommene ehemalige Klosteranlage in Chaalis war im 19. Jahrhundert von der reichen Familie de Vatry gekauft worden, die daraus „einen der schönsten Adelssitze der romantischen Generation“ machte.[1]

1534856483_842_978941126

Links das Schloss/Museum, vorne rechts und in der Mitte die Reste der mittelalterlichen Klosteranlage mit der chapelle Sainte-Marie  und hinten rechts der Rosengarten

Mme Vatry hatte auch 1874 von den verschuldeten Erben des Marquis de Girardin, auf dessen Einladung hin Rousseau die letzten Tage seines Lebens in Ermenonville verbrachte, den nördlichen Teil des Schlossparks gekauft. Sie war eine Verehrerin Rousseaus, wie wohl auch Nélie Jacquemart,  die Witwe des Bankiers Édouard André, die 1902 Chaalis  kaufte, wo sie  eine Zweigstelle   ihres Pariser Museums  einrichtete.  Zu der dort präsentierten Sammlung von Kunstwerken gehörte auch eine Büste Rousseaus, die der bedeutende Bildhauer Houdon  nach der Todesmaske Rousseaus  1778 angefertigt und dem Marquis de Girardin geschenkt hatte.

DSC08674 Chaalis (11)

Auch eine ebenfalls Houdon zugeschriebene Büste Voltaires gehörte zu den Sammlerstücken Nélie Jacquemarts und ist heute in Chaalis ausgestellt.

DSC08674 Chaalis (22)

1924 kaufte dann das Institut de France,  inzwischen Eigentümerin des Museums, die Rousseau-Sammlung von Fernand de Girardin, dem letzten Nachkommen der Schlossherren von Ermenonville.  Und seit 2012, dem Jahr des 300. Geburtstages von Rousseau,  gibt es  eine eigene, neu konzipierte Abteilung des Museums, die Rousseau gewidmet ist.

DSC08674 Chaalis (5)

Hier ein Portrait von Rousseau, die Büste Houdons und ein Jean-Baptiste Greuze zugeschriebenes Gemälde, das  René de Girardin neben einer Büste Rousseaus zeigt.

DSC08674 Chaalis (69)

Die Ausstellung versucht einen Überblick über das ganze Leben Rousseaus und die immense Spannweite seines Schaffens zu geben, wobei seine Beschäftigung mit der Musik einen Schwerpunkt bildet. Und immerhin war es ja die Musik, die René de Girardin und Rousseau zuerst zusammenführte. Aber natürlich ist die Sammlung vor allem auf die letzten Tage Rousseaus in Ermenonville konzentriert.

DSC08674 Chaalis (45)

Georges- Frédéric Meyer, Die Familie Girardin und Jean-Jacques Rousseau. Aquarell 1778/1779

DSC08674 Chaalis (40)

Der Marquis René de Girardin, der Gastgeber Rousseaus (1735-1808). Ölgemälde 1778/1779, zugeschrieben Georges-Frédéric Meyer

DSC08674 Chaalis (20)Lithographie der Hütte von Rousseau am Lac du désert nach einer Zeichnung von Charles Guérard

DSC08674 Chaalis (39)Georges-Frédéric Meyer: Le Petit-Clarens. Aquarell 1778/1779. Es zeigt das Chalet, das der Marquis de Girardin für Rousseau bauen ließ, das dieser allerdings nicht mehr beziehen konnte. Der Name des Chalets bezieht sich auf den im Émile beschriebenen Garten, der Vorbild für die Anlage des Parks von Ermenonville wurde.

DSC08674 Chaalis (33)

Rousseau beschäftigte sich in Ermenonville vor allem mit dem Sammeln und Einordnen von Pflanzen. Georges-Frédéric Meyers Zeichnung des Pflanzen sammelnden Rousseau (Jean-Jacques Rousseau herborisant) hat denn auch wesentlich das Bild des letzten Lebensabschnitts Rousseaus bestimmt. Hier eine nach der Zeichnung Meyers angefertigte Lithografie. [2]

Johanniskraut (Le Millepertuis).  Von Rousseau getrocknete Pflanze mit der eigenhändigen botanischen Bezeichnung  hypericum humifusum (links)

Von Rousseau getrocknete Pflanze mit der Aufschrift: „Je ne connais pas cette plante à moins que ce ne soit Andromeda Paniculata“ (rechts)

DSC08674 Chaalis (78)

Hierbei handelt es sich ebenfalls um den  Teil  einer  von Rousseau gesammelten und  gepressten Pflanze, die der Enkel von René de Girardin 1844 einem Freund geschenkt hatte und das 2019 vom Institut de France für den Espace Rousseau erworben wurde. Es handelt sich um eine Goldrute (Verge d’or), deren heilsame Wirkung seit dem 15. Jahrhundert erkannt wurde.

Portrait von Rousseau an seinem Schreibtisch. Lithografie des 19. Jahrhunderts nach einer Zeichnung von Girardin. (linkes Bild)

Auf diesem Sessel wurde der sterbende Rousseau zu seinem Bett getragen und dort aufgebahrt. (rechtes Bild)

DSC08674 Chaalis (16)

Georges-Frédéric Meyer: Aquarell des Parks von Ermenonville mit der Pappelinsel. (Um 1778) Hier ist noch das provisorische Grabmal mit der Urne zu sehen. Das endgültige Grabmal von Lesueur wurde am 23. Mai 1780 errichtet.

DSC08674 Chaalis (55)

Jacques –Philippe Lesueur: Modell  des Grabmals von Jean-Jacques Rousseau. 1791

DSC08674 Chaalis (34)

Diese Lithographie des „Wasserfalls von Ermenonville“ veranschaulicht eindrucksvoll die  Überhöhung des Ortes, wo Rousseau gestorben ist und begraben wurde. Der gewaltige Wasserfall der Darstellung  hat mit  der Realität im Park von Ermenonville wenig zu tun – besonders wenig,  wenn man das traurige Rinnsal im Dürresommer 2020 vor Augen hat.

Entsprechend überhöht wird natürlich auch und vor allem Rousseau selbst. Gegenstand  dieser Lithografie (Ausschnitt) ist seine „Auferstehung“.  Rousseau, von einer freudigen Jugend und Engeln gefeiert und bekränzt,  entsteigt gerade dem Grab auf der Pappelinsel.

DSC08674 Chaalis (60)

Die stillende Mutter auf der banc des mères gehört natürlich auch zu den Feiernden.

DSC08674 Chaalis (59)

Sehr schön ist auch die Abteilung mit den Rousseau-Devotionalien.

DSC08674 Chaalis (64)

Teller mit dem Abbild Rousseaus: Porzellan von Nevers, 19. Jahrhundert

DSC08674 Chaalis (63)

Für alle Zwecke und Geldbeutel ist etwas dabei.

DSC08674 Chaalis (51)

Pendeluhr aus vergoldeter Bronze.

DSC08674 Chaalis (66)

Es gibt sogar das Firmenschild eines Schusters: Ein schönes Zeichen für die große Popularität Rousseaus.

Gar nicht zur Überhöhung Rousseaus passt das Verhältnis zu den fünf Kindern, die er mit seiner  Lebensgefährtin Thérèse Le Vasseur hatte, ein Thema,  das im Espace Rousseau immerhin nicht ausgespart wird.

DSC08674 Chaalis (71)

Thérèse Le Vasseur. Anonyme Tuschezeichnung (Ausschnitt). Ca 1778/1780

Thérèse kam aus einfachsten Verhältnissen, sie war Wäschefrau in einem Pariser Hotel  und konnte kaum lesen und schreiben. Rousseau schätzte sie aber sehr wegen ihres von ihm als „pur, excellent et sans malice“ beschriebenen Charakters. 1768 heirateten die beiden, und nach dem Tod Rousseaus bezog sie das Petit – Clarens, das sie aber nach einem Streit mit Girardin bald wieder verließ. Seine/ihre fünf Kinder  gab Rousseau sofort nach ihrer Geburt in eine Einrichtung für Findelkinder (Enfants – Trouvés) ab und  interessierte sich in keiner Weise für ihr weiteres Schicksal. In der Ausstellung wird in einem Begleittext verständnisvoll erläutert, der Adel und das Bürgertum hätten sich damals wenig für die Erziehung ihrer Kinder interessiert, und in Paris seien damals 40% aller Kinder der öffentlichen Fürsorge überlassen worden. Aber auch die von Rousseau, dem Autor des Erziehungsromans Émile?! Immerhin wird in dem Begleittext konzediert, dass (der von Rousseau sehr geschätzte) Diderot, der ebenfalls eine Frau aus sehr einfachen Verhältnissen geheiratet hatte, sich sehr wohl um die Erziehung seiner Kinder gekümmert habe.

Rousseaus Umgang mit seinen Kindern gehört offensichtlich zu den Widersprüchen zwischen Denken und Handeln, die es oft bei „großen Männern“ gibt….

Das Kloster Chaalis

Ein Besuch von Chaalis lohnt natürlich nicht nur wegen der Rousseau-Sammlung: Die Ruinen des königlichen Klosters lassen noch etwas von der großen Bedeutung und der Schönheit der im 12/13. Jahrhundert errichteten zisterziensischen Klosterkirche erkennen.

DSC08674 Chaalis (96)

DSC08674 Chaalis (115)

Hier eine Zeichnung der noch voll erhaltenen Anlage aus dem 18. Jahrhundert. Wie bei allen zisterziensischen Klosteranlagen gibt es nur einen kleinen Vierungsturm, aber keine großen Kirchtürme.

DSC08674 Chaalis (114)

Chaalis war auch aufgrund seiner Nähe zur Residenz der Kapetinger in Senlis ein sehr bedeutendes und reiches Kloster. Es hatte großen Landbesitz und Niederlassungen in mehreren Städten, wo landwirtschaftliche Produkte des Klosters gelagert und verkauft wurden – so auch in Paris  in der rue François Miron Nummer 68, dem heutigen  hôtel Beauvais  und Sitz des obersten französischen  Verwaltungsgerichtshofs, in dessen Keller noch die gotischen Gewölbe des früheren Klosterhofes erhalten sind. (3)

IMG_1510-224x170

Im 18. Jahrhundert lösten sich Verfall und Erneuerung des Klosters ab. 1793 wurde die Anlage an einen Privatmann verkauft, der alles, was von der alten Kirche noch erhalten war, zu Geld machte. Auch die Steine wurden als Baumaterial verkauft.

DSC08674 Chaalis (106)

Erhalten ist aber noch die gotische Kapelle Sainte Marie aus dem 13. Jahrhundert, auch chapelle du Roi genannt.

DSC08674 Chaalis (82)Ein origineller Wasserspeier in Form eines Elefantenkopfes

DSC08674 Chaalis (83)

Besonders bedeutend und schön sind die Deckengemälde des italienischen Malers Primatice aus dem 16. Jahrhundert, nach dem Urteil eines Fachmanns  die wohl schönsten italienischen Fresken dieser Zeit in Frankreich.

DSC08674 Chaalis (93)

Auf der Rückseite der Fassade, deren Fensterrose dadurch verdeckt wurde, malte Primatice die Verkündigungs-Szene: Der Erzengel Gabriel mit der Lilie in der Hand verkündet Maria, dass sie ein Kind gebären werde, den Sohn Gottes, dem sie den Namen Jesus geben solle. Dieses Motiv war gerade in der Renaissance besonders beliebt -man denke nur an Leonardo da Vinci und Boticelli- und damit ist wohl auch zu erklären, dass dafür in der Kapelle die Fensterrose über dem Portal innen verschlossen wurde. (Von außen ist sie mit ihrem schönen Maßwerk noch vorhanden, aber eben sozusagen blind.)

DSC08674 Chaalis (84)

Aus der Zeit der Renaissance stammt auch noch die Umfassungsmauer des Klostergartens, die von Sebastiano Serlio entworfen wurde, einem italienischen Architekten, der im Dienste des französischen Königs François Ier stand.

20200809_152925

Die Mauer schließt heute einen Rosengarten ein, einen jardin remarquable, der allerdings im Juli 2020, als wir dort waren, einen eher traurigen Eindruck machte- Hitze und Covid 19 hatten daran wohl einen erheblichen Anteil. Im Juni jeden Jahres gibt es dort allerdings die „journées de la rose“ – das wird es sicherlich ähnlich aussehen wie aus diesem dem Internet entnommenen Foto (4) ….

1583829202_3761_985974343

Anmerkungen

[1] Jean-Pierre Babelon und Jean-Marc Vasseur, L’abbaye royale de Chaalis et les collections Jacquemart-André. Éditions du patrimoine, S. 25. Auf dieses Büchlein beziehe ich mich auch im Folgenden.

Bild aus:  https://www.1001salles.com/mariage/ABBAYE-DE-CHAALIS. 

[2] Zu Meyer und sein Grab an der Pappelinsel siehe den Blog-Beitrag über den Park Jean-Jacques Rousseau.

(3)  https://www.musesetmusees.com/lhotel-de-beauvais-marais/5615

(4) https://www.1001salles.com/mariage/ABBAYE-DE-CHAALIS. 

Weitere geplante Beiträge:

Dessine-moi Notre – Dame/male mir Notre – Dame: Kinderzeichnungen am Bauzaun

Das Palais Royal (3): revolutionärer Freiraum und Sündenbabel in den „wilden Jahren“ zwischen 1780 und 1830

Erinnerungsorte an den Holocaust in Paris und Umgebung (1): Einführung

Der Garten der tropischen Landwirtschaft (jardin d’agronomie tropicale) im Bois de Vincennes: Ein „romantisches“ Überbleibsel der Kolonialausstellung von 1907

Der Park Jean-Jacques Rousseau in Ermenonville: der erste Landschaftspark auf dem europäischen Kontinent und die erste Begräbnisstätte Rousseaus

DSC08057 Parc Rousseau (1)

Der Landschaftspark von Ermenonville liegt etwa 50 km nordöstlich von Paris.  Von 1763 bis 1776 wurde er  durch den Marquis René Louis de Girardin geschaffen, der dort ein großes Anwesen und ein Schloss besaß. Es ist der erste und am besten erhaltene französische Landschaftspark, der erste sogar auf dem europäischen Kontinent.[1]  Benannt ist er  nach Jean-Jacques Rousseau: Nicht nur, weil seine Entstehung wesentlich dem Einfluss der Philosophie Rousseaus zu verdanken ist, sondern und vor allem auch deshalb, weil Rousseau die letzten Tage seines Lebens in Ermenonville verbrachte und dort auch bestattet wurde. Dies machte den Park zu einem „Wallfahrtsort“ von Verehrern Rousseaus, Anhängern der Aufklärung und Revolutionären zur Zeit der  Französischen Revolution.

In der Nähe des Eingangs zum Park befindet sich das Tourismus- Büro von Ermenonville. Dort sind mehrere Marmortafeln befestigt: Eine zur Erinnerung an den Besuch des schwedischen Königs Gustav III. von Schweden und eine andere darunter zur Erinnerung an den Besuch des österreichischen Kaisers  Joseph II.

DSC08571 Ermenonville August 2020 (31)

Daneben eine dritte Tafel mit folgender (hier ins Deutsche übertragenen) Inschrift:

Die Gaststätte zur goldenen Sonne war etwa 100 Jahre lang in diesem  bescheidenen, im 18. Jahrhundert gebauten Haus untergebracht.

Von 1765 bis 1800 hat der Wirt Antoine Maurice hier unzählige Persönlichkeiten empfangen.

  • 1777 Joseph II, den Kaiser von Österreich und Bruder von Marie Antoinette, der Königin von Frankreich
  • 1778 Jean-Jacques Rousseau, der hier gerne die Bewohner von Ermenonville traf
  • 1783 den König von Schweden Gustav III. sowie zahlreiche Liebhaber der Gärten, die hier von dem Marquis René de Girardin geschaffen worden waren
  • Vor und nach 1789 sind die meisten der großen Revolutionäre hier eingekehrt, nachdem sie sich über dem Grab von Jean-Jacques Rousseau verneigt hatten.[2]

Nicht erwähnt ist unter den prominenten Gästen übrigens Friedrich Schiller, der noch im Todesjahr Rousseaus 1778 Gast des Marquis de Girardin in Ermenonville war und ein Gedicht auf Rousseau und sein Grab auf der Pappelinsel schrieb:

Monument von unsrer Zeiten Schande   Ew’ge Schmachschrift deiner Mutterlande, Rousseaus Grab, gegrüßet seist du mir!   Fried‘ und Ruh‘ den Trümmern deines Lebens!      Fried‘ und Ruhe suchtest du vergebens   Fried‘ und Ruhe fandst du hier!

Und in der zweiten Strophe wird Rousseau zu den Weisen gerechnet, die Licht ins Dunkel der Welt brachten, und die dafür -wie Sokrates- mit dem Leben bezahlten.

Ein weiterer deutscher Besucher des Grabs war der Schriftsteller, Pädagoge, Verleger und  Publizist Joachim Heinrich Campe, der dann -wie auch Schiller- zu den achtzehn Ausländern gehörte, denen die französische Nationalversammlung 1792 das Bürgerrecht verlieh, weil sie in vorbildlicher Weise „der Sache der Freiheit gedient“ hätten.  Als Campe im Juli 1789  von den revolutionären Ereignissen in Paris erfuhr, machte er sich sofort -zusammen mit Wilhelm von Humboldt-  auf den Weg, „um dem Leichenbegräbnis des französischen Despotismus beizuwohnen.“   Zu seinem Besuchsprogramm gehörte dann natürlich auch das Grab Rousseaus in Ermenonville. (3)

1. Das Grab Rousseaus auf der Île des peupliers

big

Rousseau starb am 4. Juli 1778 als Gast des Marquis René Louis de Girardin in Ermenonville. Zu Mitternacht wurde er im Schein von Fackeln auf der Pappelinsel im See des Schlossparks begraben. Nach den Entwürfen des Landschafts- und Ruinenmalers Hubert Robert wurde in der Mitte der Insel ein großer Sarkophag errichtet.

DSC08057 Parc Rousseau (18)

Am Rand des Sees, da wo der Sarkophag besonders nah und gut sichtbar ist, steht im Gras eine steinerne Tafel mit folgender schon leicht verwitterter, aber noch lesbarer Aufschrift:

Là sous ces peupliers, dans ce simple tombeau

Qu’entourent les eaux paisibles

Sont les restes de Jean-Jacques Rousseau.

Mais c’est dans tous les cœurs sensibles

Que cet homme si bon, qui fut tout sentiment

De son âme a fondé l’éternel monument

DSC08057 Parc Rousseau (17)

Dort unter diesen Pappeln, in diesem einfachen Grab

Umgeben von friedlichen Gewässern

Liegen  die Überreste von Jean-Jacques Rousseau.

Aber  in allen sensiblen Herzen

Errichtete  dieser so  gute Mann, der ganz Gefühl war,

Aus seiner Seele heraus  ein ewiges  Denkmal.[4]

Dass der nach antiken Vorbildern gestaltete mächtige Sarkophag  hier als einfaches Grab bezeichnet wird, mag verwundern.

Hubert_Robert,_Le_parc_d'Ermenonville,_1780

Es lässt aber wohl damit erklären, dass es auch andere, wesentlich aufwändigere Entwürfe für ein Grabmal Rousseaus gab. Das zeigt ein Gemälde Hubert Roberts, der  bei der Anlage des Parks eine wichtige Rolle spielte.  Sein Gemälde  Der Park von Ermenonville von 1780 zeigt einen solchen  wohl von Robert selbst stammenden Entwurf, der aber nicht ausgeführt wurde. In der Bildmitte ist die Pappelinsel zu erkennen, auf der dann der ebenfalls von Hubert Robert entworfene bescheidenere Sarkophag  aufgestellt wurde.[5]

DSC08057 Parc Rousseau (14)

Rückseite des Sarkophags mit der Inschrift:

ICI REPOSE L’HOMME DE LA NATURE ET DE LA VERITE

(Hier ruht der Mann der Natur und der Wahrheit)

Im April 1794 beschloss allerdings der Nationalkonvent, dass die sterblichen Überreste Rousseaus nach Paris ins Pantheon überführt werden sollten. Im Antrag des zuständigen Komitees heißt es:

Beeilt Euch,  Bürger, diesen großen Mann aus seinem einsamen Grab zu reißen, ihm die Ehre des Pantheons zu erweisen und ihn mit Unsterblichkeit zu krönen. Ehrt  in ihm das wohltätige Genie der Menschheit; ehrt den Freund, den Verteidiger, den Apostel der Freiheit und der Moral, den Förderer der Menschenrechte, den beredten Vorläufer dieser Revolution, die ihr beenden sollt für das Glück der Völker… [6]

Am 9., 10. und 11.Oktober 1794 fand dann in einer aufwändigen und minutiös geplanten Zeremonie die Überführung der sterblichen Überreste von Ermenonville nach Paris und ihre Aufnahme  ins Pantheon statt.

Auch wenn das Grabmal auf der Pappelinsel von Ermenonville seitdem nur ein Cenotaph ist, diente die Insel als Vorbild für eine ganze Reihe von Rousseau-Inseln in anderen europäischen Landschaftsgärten: Vor allem für die Rousseau-Insel im Wörlitzer Park bei Dessau, dessen Fürstenpaar Rousseau verehrte und 1775 in Paris besucht hatte.[7]

450px-Wörlitz_Rousseau-Insel

Rousseau- Insel im zugefrorenen See des Wörlitzer Parks.  Die Urne ist „dem Andenken J.J. Rousseaus“ gewidmet.

800px-Berlin,_Tiergarten,_Rousseau-Insel

Eine Rousseau- Insel mit Gedenksäule  gibt es auch im Berliner Tiergarten[8]

2. René de Girardin: Verehrer, Freund und Gastgeber Rousseaus

René de Girardin gehörte zu der Schicht liberaler Adliger, die dem Ancien Régime kritisch gegenüberstanden und, beeinflusst von den Ideen der Aufklärung,  von der Notwendigkeit grundlegender Änderungen überzeugt waren.[9]  Dazu trug wohl auch bei, dass seine Bauern und damit auch er selbst von den  Auswüchsen der absoluten Monarchie betroffen waren: Die Prinzen von Condé aus dem benachbarten Chantilly hatten nämlich das Jagdrecht in den Besitzungen des Marquis und machten davon offenbar ausgiebig Gebrauch, ohne Rücksicht auf die von den Bauern des Marquis bestellten Felder zu nehmen. Dazu kam, als Bestandteil  des Jagdrechts der princes du sang,  das Verbot für die Bauern des Marquis, ihre Ernten gegen das allzu reichliche und gefräßige Wild zu schützen.  (Der heutige Besitzer des zu einem Hotel umgewandelten Schlosses von Ermenonville wirbt noch in aller Unschuld damit, dass die Domäne  au cœur des forêts princières liege.) [10]) Girardin sah also voller Hoffnung der zu erwartenden Revolution entgegen. In deren ersten Jahren engagierte er  sich als Kommandant der Nationalgarde von Ermenonville und –wenn er in Paris war- als Teilnehmer an den Sitzungen des Jacobiner-Clubs. 1791 hielt er dort zwei Reden, die anschließend gedruckt wurden: Die eine über „L’institution de la force publique“, in der er das stehende Heer des ancien régime verurteilte, die andere „Sur la nécessité de la ratification de la loi par la volonté générale“, in der er sich für die direkte Demokratie aussprach: Der Einfluss Rousseaus auf das politische Denken Girardins ist unverkennbar.

300px-Portrait_de_René-Louis_de_Girardin_-_Chaalis

Portrait von René-Louis de Girardin mit der Büste des von ihm verehrten  Jean-Jacques Rousseau.[11]

Rousseau beeinflusste Girardin aber nicht nur in seiner politischen Haltung, sondern auch im Bereich der Erziehung: Das von Rousseau im Émile  und schon vorher in der neuen Heloïse formulierte  Postulat, der Kindheit einen Eigenwert zuzuerkennen und  dem Kind in seiner Entwicklung einen eigenen Erfahrungsraum zu  gewähren, wird von Girardin beherzigt. Er ließ seinen Kindern jede Freiheit, mit den Kindern des Dorfes  zu spielen und mit ihnen die Felder und Wälder der Umgebung zu erkunden.  In ihrer frühen Jugend besuchten sie zusammen  mit den Bauernkindern die Dorfschule, wo sie vom Dorfpfarrer und dem Schulmeister unterrichtet wurden. Allerdings engagierte  Girardin dann zusätzlich vor allem deutsche Hauslehrer, die seine Kinder in den Naturwissenschaften und in Deutsch unterrichteten. Einer der Söhne Girardins, Stanislas, schreibt in seinen Memoiren, dass alle Bediensteten des Hauses deutsch sprachen und ihm selbst die Verwendung  jeder anderen Sprache verboten war, so dass er besser deutsch als französisch gesprochen habe. (Erklärungen für diese Vorliebe Girardins für die deutsche Sprache habe ich leider nicht gefunden).

3. Der Landschaftspark des Marquis de Girardin

Nicht zuletzt beeinflusste Rousseau den Herrn von Ermenonville bei der Gestaltung des Schlossparks. Als Girardin das Schloss erbte, war das Gelände des späteren Landschaftsparks versumpft und unwegsam. Aber es hatte auch seine Vorzüge: Durch das Flüsschen Launette war genug Wasser vorhanden, das die für einen Landschaftspark unverzichtbare Anlage von Teichen und Seen ermöglichte.

DSC08057 Parc Rousseau (47)

Dazu gab es ein breites und leicht ansteigendes Tal unterschiedlicher Breite mit einem abwechslungsreichen, die Landschaft akzentuierenden und  rhythmisierenden Relief.

Girardin hatte sich  schon seit langem  damit beschäftigt, wie ein Park anzulegen sei. Auf einer Reise nach England hatte er die revolutionäre englische Gartenkunst kennen- und schätzen gelernt. Als Verehrer Rousseaus orientierte er sich außerdem am Ideal eines Gartens, das sich Rousseau  in seinem Roman La Nouvelle Héloïse (zuerst erschienen 1761)  erträumt und als jardin d’Élysée von Clarens beschrieben hatte: Ein mit einfachen Mitteln gestalteter Garten, in dem die Natur zu ihrem Recht kommt –anders als in den französischen Gärten des Absolutismus. In seinem Roman lässt Rousseau Monsieur de Wolmar, der Saint-Preux gerade seinen berühmten Garten in Clarens zeigt, sagen: „Sie sehen nichts Begradigtes, nichts Eingeebnetes; niemals kam eine Meßschnur an diesen Ort; die Natur pflanzt nichts nach der Schnur.“ [12]  Auf diesen Grundlagen aufbauend hatte Girardin  während der Arbeiten an seinem Anwesen in einem 1777 erschienenen und damals weit verbreiteten Essay seine Vorstellungen von einem „die Natur verschönernden“ Landschaftsgarten entwickelt – référence majeure de la période en matière de réflexion paysagère.[13]  Girardin  übt darin massive Kritik an der klassischen Form des französischen Gartens:  Der berühmte Le Nôtre habe die Natur massakriert und sie dem Lineal der kalten Symmetrie unterworfen. Die Bäume seien in jeder Hinsicht verstümmelt worden. So seien traurige Orte entstanden, die man am liebsten so schnell wie möglich wieder verlasse.[14]

Mit der Aufgabe, die  tyrannie de la symétrie  zu beenden und einen Garten der Freiheit zu schaffen,[15]  beauftragte  Girardin den Gartenarchitekten Jean-Marie Morel, der später unter anderem auch den Park von Malmaison gestaltete und schließlich als patriarche des jardins anglais galt. Für die Ausführung der Arbeiten engagierte er 200 englische Gartenarbeiter.[16]

In Ermenonville ist es anders. Auch wenn alles sorgfältig bedacht und angelegt ist: Die Bäume können in den von Menschen gesetzten Grenzen frei wachsen….

DSC08057 Parc Rousseau (30)

…. das Wasser der Launette  natürlich fließen….

DSC08057 Parc Rousseau (7)

… und die freie Natur setzt noch zusätzliche eigene Akzente.

DSC08057 Parc Rousseau (42)

Der Besucher wird zu einer das Auge und die Sinne ansprechenden  Promenade durch den Park eingeladen, so wie es Girardin in seiner Abhandlung postuliert hatte:   Ce n’est donc ni en architecte, ni en jardinier, c’est en Poète et en Peintre qu’il faut composer les paysages, afin d’intéresser tout à la fois l’œil et l’esprit.

Eine Steintafel am früheren  Eingang  zum Park (borne Girardin, Plan Nummer 2)  verkündet das humanistische Anliegen:

Le jardin, le bon ton, l’usage

Peut être anglois, françois, chinois;

Mais les eaux, les prés & les bois,

La nature & le paysage

Sont de tout temps, de tout pays:

C’est pourquoi, dans ce lieu sauvage

Tous les hommes seront amis

Et tous les langages admis.

DSC08571 Ermenonville August 2020 (51)

Der Garten, der gute Ton, der Umgang

Können  englisch, französisch, chinesisch sein;

Aber das Wasser, die Wiesen und die Wälder,

Die Natur & die Landschaft

Sind aus jeder Zeit, aus jedem Land:

Deshalb werden an diesem wilden Ort

Alle Menschen Freunde sein

Und alle Sprachen zugelassen.[17]

Die am Ende dieses Gedichts proklamierte Offenheit war für Girardin ein wesentliches Element seiner Konzeption. Er ging sogar so weit, den Garten für alle Besucher zu öffnen und auf jede Grenzziehung durch Mauer oder Gräben zu verzichten. In seinem Traktat schreibt er über seine Besitzungen in Ermenonville:

Sie stehen den Menschen offen: Das Bild der Natur gehört allen und ich bin froh, dass jeder sich bei mir wie zu Hause fühlt.“[18]

Hier also war es, wo Rousseau die letzten Tage seines Lebens verbrachte. Eingeladen wurden er und seine Lebensgefährtin, Marie-Thérèse Le Vasseur, denen aus gesundheitlichen Gründen ein Aufenthalt auf dem Lande empfohlen worden waren,  von dem Marquis de Girardin, der Rousseau 1770 in Paris kennen gelernt hatte. Rousseau traf am 28. Mai 1779 in Ermenonville ein und war offensichtlich überwältigt von der ihn umgebenden Natur und den frischen Bäumen. Seit langer Zeit habe er nur mit Rauch und Staub bedeckte Bäume gesehen. Dann sei er, wie Girardin später berichtete, ihm um den Hals gefallen und habe ausgerufen:

Ah, Sir! Seit langem schon hat sich mein Herz danach gesehnt, hierher zu kommen, und meine Augen möchten, dass ich für immer hier bleibe.

Dann habe er sich an Girardins Frau gewandt:

Sie sehen meine Tränen, es  sind die einzigen der Freude, die ich seit langer Zeit vergossen habe, und ich fühle, dass sie mich wieder zum Leben erwecken.[19]

portrait-de-jean-jacques-rousseau-en-pied-tenant-c3a0-la-main-un-bouquet-de-fleurs-estampe-mayer-del-gallica1

Rousseau wohnte in einem eigenen, heute nicht mehr erhaltenen, Haus in der Nähe des Schlosses und verbrachte seine Tage weitgehend in der freien Natur und mit dem Sammeln von Pflanzen. So hat ihn George- Frédéric Meyer, der damals Hauslehrer bei Girardin war, dargestellt; eine Zeichnung die Vorbild wurde für viele ähnliche Darstellungen am Ende des 18. und im Verlauf des 19. Jahrhunderts. [20]

Gerne hielt sich Rousseau auch in der Gegend des Etang du Désert im nordwestlichen Teil des Anwesens von Girardin auf: Dort hatte er sogar eine kleine Hütte, in die er sich zurückziehen konnte.[21]

letang-du-dc3a9sert-c3a0-ermenonville-constant-bourgeois-del-guyot-et-perdoux-sculp-in

Um seine Dankbarkeit für die Gastfreundschaft der  Girardins zu bezeugen, gab Rousseau den Kindern Unterricht in Gesang und Botanik.  Mit den Dorfbewohnern traf er sich gerne in der kleinen Kneipe des Orts, der Auberge du soleil d’or.[22]

Diese  Idylle währte allerdings nicht lange: Am 4. Juli des gleichen Jahres starb Rousseau und wurde inmitten der geliebten Natur auf der Pappelinsel bestattet: Sicherlich ein ihm angemessenerer Platz als das kalte, dunkle Gewölbe des Pantheons, dazu auch noch im Angesicht der Grabstätte des  ungeliebten Voltaire.

4. Ein kleiner Rundgang durch den Park

Für Girardin war es wichtig, dass der Park Auge und Geist anspricht und durch seine Gestaltung ganz bewusst anregt. Dazu dienten sogenannte fabriques, also Staffagebauten, die so platziert waren, dass durch sie tableaux entstehen, die den Blick des Wanderers auf sich ziehen und die Kontemplation befördern.  Rousseau und Morel standen solchen fabriques eher skeptisch gegenüber, aber da setzte sich der Hausherr und Finanzier Girardin durch, der hier frühen Theoretikern des englischen Landschaftsgartens folgte.  Und er gewann in dem bedeutenden Landschafts-  und Ruinenmaler Hubert Robert einen Fachmann, der ihm für größere Bauten Entwürfe lieferte. Nachfolgend werden anhand  eines  kleinen Rundgangs um den See einige der noch erhaltenen fabriques vorgestellt.

DSC08057 Parc Rousseau (2)

Einen Führer durch den Park gibt es leider nicht, noch nicht einmal einen kleinen Flyer mit einem Plan und einigen  Erläuterungen. Die Dame im Tourismus-Büro schüttelt da bedauernd den Kopf.  Immerhin  hängt  am Eingang des Parks ein Plan aus. Den solle man fotografieren, wie der freundliche Parkwächter  empfiehlt…  Es gibt auch noch eine andere Version des inzwischen aus Finanzgründen aufgelösten Centre culturel de rencontre (CCR),  die als pdf-Datei bei http://parc-rousseau.fr/wp-content/uploads/plan_du_parc.pdf  heruntergeladen werden kann. Allerdings wird dort  ein anderer Rundweg vorgeschlagen und die Nummerierungen der fabriques sind dementsprechend völlig unterschiedlich.  Ich orientiere mich an dem vom CCR vorgeschlagenen Rundweg im Uhrzeigersinn und übernehme die entsprechenden Nummerierungen, gebe aber auch zusätzlich die Nummern des ausgehängten Plans (Parkplan) an. Auch im Park selbst gibt es leider keinerlei Orientierungshilfen. Wäre das nicht ein würdiges Objekt für Brüsseler Fördergelder?

La Borne Girardin (CCR-Plan 1 / Parkplan 2)

Auf diesem ersten „Meilenstein“ (borne milliaire) am ehemaligen Eingang zum Park hat Girardin das mit diesem Park verfolgte  und oben zitierte Programm festgehalten.

DSC08571 Ermenonville August 2020 (55)

Darunter wird der Besucher eingeladen, an jedem der im Park aufgestellten weiteren Meilensteinen au gré de son plaisir zu verweilen oder weiterzugehen.

DSC08571 Ermenonville August 2020 (54)

Die noch erhaltenen Meilensteine werden natürlich auch Anlaufpunkte dieses kleinen Rundgangs sein. 

Die Grotte der Najaden  (CCR- Plan 2 / Parkplan 3)

Die Najaden sind Nymphen in der griechischen Mythologie, die über Quellen, Bäche, Flüsse, Sümpfe, Teiche und Seen wachen.

DSC08057 Parc Rousseau (34)

Typisch für die von den Ideen der Aufklärung inspirierten Landschaftsgärten sind Grotten, die symbolisch vom Dunkel ins Licht führen.

DSC08057 Parc Rousseau (36) La grotte de Naiades

Hier gibt es am Ausgang der Grotte einen kleinen Wasserfall, der aber – im Gegensatz zur zeitgenössischen Abbildung-  im trockenen Sommer 2020 eher ein etwas trauriges Rinnsal ist.[23]

Promenade_ou_Itinéraire_des_jardins_[...]Girardin_Stanislas_bpt6k103053v

Die Bank der Königin (CCR-Plan 3/ Parkplan 19)

Als die Königin Marie-Antoinette  im Frühjahr 1780 Ermenonville besuchte, nahm sie auf dieser Bank Platz und empfing dort die Huldigungen der jungen Mädchen des Ortes.  Es handelt sich dabei um eine der von René de Girardin ursprünglich aufgestellten Bänke, die besonders schöne Perspektiven auf den Park eröffneten.  (24) 

Die Bootsanlegestelle (CCR-Plan 4 / Parkplan 18)

Die Insel wurde schon bald zu einem beliebten Ziel von Rousseau-Verehrern. Girardin ließ also  eine kleine Anlegestation (embarcadère) für die Boote bauen, mit denen man die Insel erreichen und Rousseau seine Referenz erweisen konnte.

DSC08057 L'embarcadère

Der unbekannte Autor der „Promenades“ berichtet allerdings, dass es bald zu Akten des Vandalismus gekommen sei: Das Grab sei immer wieder beschmiert und sogar der Skulpturenschmuck beschädigt worden. Der Marquis de Girardin habe sich deshalb gezwungen gesehen, den bis dahin freien Zugang zur Pappelinsel zu beschränken.

Die Säule der Brauerei (CCR-Plan 23 / Parkplan 17)

DSC08057 Parc Rousseau (32)

Neben der Anlegestelle befindet sich noch eine Säule, das letzte Überbleibsel einer auf dem Gelände des Parks gelegenen Brauerei.[25]

Im Gegensatz  zu den meisten auch in anderen Landschaftsgärten modischen Staffagebauten war dieses imposante  und offenbar sehr gut in die Landschaft integrierte Gebäude Bestandteil der  Produktion und Verwertung der landwirtschaftlichen Güter Girardins. Dass dieser die Brauerei direkt in den Schlosspark  platzierte, entspricht der von ihm entwickelten Programmatik. Ein ganzer Abschnitt seines Traktats über die composition des paysages beschäftigt sich mit den Mitteln, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.[26]  Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die Trockenlegung des versumpften Tals der Launette und seine Umwandlung zu Weideland zu sehen:  So wurde das Land genutzt und leistete damit einen Beitrag zu dem, was Girardin in seinem Traktat als einen zentralen Gesichtspunkt bei der composition des paysages formuliert hatte: Dass nämlich alle Menschen auf der Welt auch ernährt  werden müssten. Das letzte Kapitel seines Traktats  ist mit großen Lettern überschrieben:  LA NÉCESSITÉ QUE TOUT CE QUI RESPIRE SOIT NOURRI.[27]

Promenade_ou_Itinéraire_des_jardins_[...]Girardin_Stanislas_bpt6k103053v (2)

Auch damit und mit der Verbindung des Angenehmen und des Nützlichen in der Konzeption seines Landschaftsgartens  grenzt sich Girardin radikal von dem französischen Garten des Absolutismus ab, wie er in Versailles bis zur Vollendung verwirklicht wurde: Da waren das Angenehme, nämlich der der Erbauung und der Repräsentation dienende Schlosspark Le Nôtres, und das Nützliche, also der Obst- und Gemüsegarten La Quintinies, streng voneinander getrennt.[28]  Im später von Marie-Antoinette angelegten Hameau/Weiler, einem idealisierten Dorf, ist das scheinbar anders: Aber da waren die angeblich dem Nutzen dienenden Bauten eher kostspielige Theaterkulisse….

Das Grab von Mayer (CCR-Plan 24 / Parkplan 15)

George-Frédéric Meyer/George Friederich Meier war zwei Jahre lang bis zu seinem Tod Hauslehrer bei Girardin in Ermenonville. Er lebte im Schloss der Girardins, wo er mit der Familie an allen gemeinsamen Mahlzeigen teilnahm.

Le tombeau du peintre Meyer ( cliché Tezenas)Als er starb, wurde ihm ein Grabmal mit dieser Inschrift errichtet:

Hier liegt George Friederich Meier aus Strasburg gebürtigEin redlicher Mann und ein geschickter Mahler

Auffällig ist hier die Verwendung der deutschen Sprache: Das beruhte sicherlich auf der Hochschätzung dieser Sprache durch Girardin, aber es entspricht auch der am Eingang des Parks den Besuchern auf den Weg gegebenen und im Park befolgten Devise, dass hier „alle Sprachen zugelassen“ seien.

DSC08057 Parc Rousseau (26)

Meiers Grab liegt direkt gegenüber der Pappelinsel und dem Sarkophag Rousseaus, den auch Meier verehrte. Von ihm stammen auch die oben abgebildete Zeichnung des Pflanzen sammelnden Rousseau und weitere Bilder zum Aufenthalt Rousseaus in Ermenonville, die in der Rousseau-Sammlung des musée Jacquemard-André in Chaalis ausgestellt sind. Dazu mehr im nachfolgenden Bericht über diese Sammlung. 

Der arkadische Wiesengrund/La prairie Arcadienne (CCR- Plan 6)

Ganz im Süden des Parks liegt ein weiter Wiesengrund, dessen Name sich auf das Arkadien der griechischen Mythologie bezieht.[29] Da wurde Arkadien, ursprünglich eine Landschaft auf der griechischen   Halbinsel Peloponnes, verklärt zu einem Ort des Goldenen Zeitalters, wo die Menschen unbelastet von mühsamer Arbeit und gesellschaftlichem Anpassungsdruck in einer idyllischen Natur als zufriedene und glückliche Hirten lebten.

dsc02266

Der arkadische Wiesengrund war von Girardin in diesem Sinne nicht nur als Dekor gedacht, sondern es war Weideland für Schafe:  Teil des landwirtschaftlichen Reformprojekts, das Girardin, von Ideen der Physiokraten beeinflusst,  auf seinen Besitzungen verfolgte. So teilte er größere Höfe auf, um die Zahl der Tagelöhner zu  verringern und verteilte Ackerparzellen, die seine Bauern auf eigene Rechnung bewirtschaften konnten. Dass Girardin dem Weideland im Süden des Parks den Namen Arkadiens gab, lässt sich aber auch als Ausdruck des Wunsches verstehen, zumindest auf symbolischer Ebene seine Besitzungen den Eingriffen der königlichen Zentralmacht bzw. den Prinzen von Condé  aus Chantilly zu entziehen.

Die Bank der Mütter/Le Banc des mères de famille  (CCR-Plan 24 / Parkplan 14)

DSC08057 Parc Rousseau (22)

Diese Station auf dem Weg um den See ist den Müttern und Rousseau gewidmet. Rousseau habe, wie es auf dem beigefügten Steinblock zu lesen ist, „die Zärtlichkeit der Mutter zum Kind“ wiedererweckt. In der Tat spielen die Mütter in Rousseaus Erziehungsideal, wie er es  in seinem großen Erziehungsroman Émile entfaltet hat, eine entscheidende Rolle:  Die erste Erziehung ist am wichtigsten, und diese erste Erziehung gebührt unstreitig den Frauen. Wenn der Schöpfer der Natur gewollt hätte, dass sie den Männern zukäme, würde er ihnen Milch zur Ernährung der Kinder gegeben haben. Für die Beziehung zwischen Mutter und Kind und das kindliche Glück, das Rousseau am Herzen liegt, ist das Stillen besonders wichtig: Die Mütter mögen geruhen, ihre Kinder selbst zu stillen, so werden die Sitten von selber sich bessern und die Regungen der Natur werden in aller Herzen wieder erwachen.  (30) War es bei Großbürgertum und dem Adel bis dahin üblich gewesen, das Stillen der Kinder Ammen zu überlassen, so wurde nun in aufgeklärten Milieus das Stillen obligatorisch. Und den Müttern gebührte  ein Ehrenplatz im Angesicht der Pappelinsel.

De la Mère à l’Enfant il rendit les tendresses

De l’Enfant à la Mère il rendit les caresses;

De l’homme, à sa naissance, il fut le bienfaiteur,

Et le rendit plus libre, afin qu’il fût meilleur.

DSC08057 Parc Rousseau (21)

 Er weckte wieder die Zärtlichkeit  der Mutter zum Kind

Und er gab der Mutter die Liebkosungen des Kindes  zurück;

Er war der von dessen Geburt an,

Und machte ihn freier, damit er besser werde.[31]

Wenn hier Rousseau als Wohltäter des Menschen bezeichnet wird, galt das aber nicht für seine fünf eigenen Kinder, die er mit seiner Lebensgefährtin Thérèse Le Vasseur hatte. Denen war er nämlich kein guter Vater und Thérèse durfte ihnen keine liebende Mutter sein: Kurz nach ihrer Geburt gab Rousseau seine Kinder jeweils ins Findelhaus, um sich ungestört seiner Arbeit widmen zu können. Die natürliche glückliche Kindheit, die Rousseau als Theoretiker propagierte, versagte er seinen eigenen Kindern. Was aus ihnen geworden ist, weiß man nicht.  „Vielleicht starben sie wie so viele schon in jüngstem Alter an der Vernachlässigung, die in den Bewahranstalten üblich war, vielleicht gingen sie in der Masse der Armut unter…“[32]

Der Tempel der modernen Philosophie/Le Temple de la Philosophie moderne  (CCR-Plan 13 / Parkplan 9)

DSC08057 Parc Rousseau (12) Le temple de la Philosophie moderne

Der Tempel der modernen Philosophie ist ohne Zweifel der bedeutendste Staffagebau des Parks: Ein auf einem Hügel gelegener Blickfang und eine Anregung zur Kontemplation. Es handelt sich um eine von Hubert Robert entworfene und dann auch als Vorlage für ein Gemälde genutzte Tempelruine nach dem Vorbild des Tempels der Sibylle in Tivoli.[33]

Hubert_Robert,_Le_parc_d'Ermenonville,_1780Détail____des_Jardins____[...]_btv1b10026005k

Über dem Eingang zum Innenraum des Tempels sind die lateinischen Worte  Rerum cognoscere causas  eingraviert. Sie beziehen sich auf einen Vers Vergils: Felix qui potuit rerum cognoscere causas.  Während aber bei Vergil der als glücklich bezeichnet wird, der den Dingen auf den Grund gehen konnte, handelt es sich hier um eine Aufforderung. 

DSC08571 Ermenonville August 2020 (74)

Einige von denen, die nach Girardins Überzeugung Vorbilder bei der Umsetzung dieses Programms waren bzw. sind,  werden in dem Bauwerk besonders gewürdigt. Jede Säule des Tempels trägt nämlich  den Namen eines der großen Philosophen oder Wissenschaftler, die für Girardin gewissermaßen die Säulen aufklärerischen Denkens und Wissens sind: Rousseau natürlich, Descartes, Voltaire, Montesquieu, Penn und Newton: ein kleines persönliches Pantheon Girardins.

DSC08571 Ermenonville August 2020 (72)

Jedem dieser Namen ist ein lateinischer Ausdruck zugeordnet: Für Montesquieu iustitiam,  für Newton lucem … 

DSC08571 Ermenonville August 2020 (69)

… und für Rousseau, den Prediger eines „Evangeliums der Natur“ (34):   naturam

DSC08571 Ermenonville August 2020 (81)

Auffällig ist, dass ein der modernen Philosophie gewidmetes Gebäude eine Ruine zu sein scheint. Aber bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass es sich eher um ein unvollendetes Bauwerk handelt:

DSC08571 Ermenonville August 2020 (76)

Am Boden liegen nämlich Säulen, die noch nicht beschriftet sind: Sie warten gewissermaßen auf die kommenden „großen Männer“ des Geistes, um dann den Tempel der modernen Philosophie zu vervollständigen…

Der Altar der Träume/ L’autel de le rêverie ( CCR-Plan 14 / Parkplan 8)

DSC08571 Ermenonville August 2020 (87)

Als Rousseau diesen kleinen Altar sah, sagte er zu Girardin, er lade zum Träumen ein. Daraufhin  ließ Girardin die bis dahin eingravierten Worte Voltaires entfernen und durch  die Worte à la rêverie  ersetzen. Das war äußerst feinfühlig, denn das Verhältnis zwischen den beiden war äußerst angespannt: Voltaire hatte ja beispielsweise Rousseaus Aufruf „zurück zur Natur“ bewusst missverstanden und polemisch in einem Brief vom 30. August 1755 an Rousseaus  dessen Abhandlung über die Ungleichheit mit folgenden Worten kommentiert:

DSC08057 Parc Rousseau (11) l'autel de la rêverie

»Ich habe, mein Herr, Ihr neues Buch gegen die menschliche Gattung erhalten […] Niemand hat es mit mehr Geist unternommen, uns zu Tieren zu machen, als Sie; das Lesen ihres Buches erweckt in einem das Bedürfnis, auf allen Vieren herumzulaufen. Da ich jedoch diese Beschäftigung vor einigen sechzig Jahren aufgegeben habe, fühle ich mich unglücklicherweise nicht in der Lage, sie wieder aufzunehmen“. (35)

DSC08571 Ermenonville August 2020 (86)

Girardin hat es Rousseau also erspart, am Ende seines Lebens bei seinen Spaziergängen durch den Park am Altar der Träume von Voltaire’schen Alpträumen heimgesucht zu werden…

Das Naturtheater/ Le théâtre de verdure (CCR-Plan 15/Parkplan 7)

DSC08571 Ermenonville August 2020 (88)

DSC08571 Ermenonville August 2020 (90)

Am Zugang zum Naturtheater hat Girardin auch der  älteren Wanderer gedacht, die,  vom Spaziergang um den See ermüdet, sich auf der Bank der Greise niederlassen können (36) 

1280px-Banc_des_Vieillards

Bogenschießen/ Le jeu d’arc  (CCR-Plan 16 / Parkplan 5)

Dies ist eine in den letzten Jahren restaurierte landestypische Anlage für das Bogenschießen (beursaut).  Zwei etwa 50 Meter von einander entfernte  Ziel-Pavillons (buttes) stehen sich gegenüber, die beiden Mauern in der Mitte (gardes) dienen dem Schutz der Teilnehmer. Die Anlage in Ermenonville wurde zur Zeit René de Girardins von den Dorfbewohnern genutzt. (37)

DSC08571 Ermenonville August 2020 (94)

Daneben stand eine große Eiche, unter der sonntags Musik gemacht und getanzt wurde.

Der Wasserturm/Le Château d’eau  (CCR-Plan 17/ Parkplan 6)

DSC08571 Ermenonville August 2020 (92)

Ein rein auf seine Funktion reduzierter Wasserturm hätte natürlich nicht in das Ensemble des Parks gepasst – trotz seiner etwas abseitigen Lage.  So ist er als mittelalterlicher Turm mit Zinnen und Wasserspeiern ein passender Teil der Staffagebauten.

Die Dolmen  (CCR- Plan 18 / Parkplan 4)

DSC08057 Parc Rousseau (37)

Über eine gemauerte Brücke  führt der Weg zu den mächtigen Dolmen. Auch sie sind künstlich angelegt, wobei man aus der zeitgenössischen „promenade“, erfährt, wie es Girardin kostensparend gelungen sei, solche Steinbrocken zu bewegen: Er habe die an anderer Stelle gefundenen Blöcke zerlegen, an die gewünschte Stelle transportieren und dann wieder zusammenfügen lassen: Trotzdem ein erheblicher Aufwand, der aber seinen Sinn hat: Denn die Dolmen sind – wie der „mittelalterliche“Wasserturm- eindrucksvolle Belege für den Grundsatz Girardins, dass die Natur und die Landschaft des Parks „aus jeder Zeit“ sind, ja sogar, wie man hier sieht, aus vorgeschichtlichen Zeiten.

DSC08571 Ermenonville August 2020 (95)

Das Schloss  (CCR-Plan 22 / Parkplan 1)

DSC08057 Parc Rousseau (43)

Das Schloss Girardins gibt es auch noch , allerdings ist es nicht für die Öffentlichkeit zugänglich: on ne visite pas…

DSC08571 Ermenonville August 2020 (7)

Das ist bedauerlich, denn es liegt malerisch inmitten der hier aufgestauten Launette,  und von der Terrasse aus hat man einen schönen Blick auf den nördlichen Teil des Parks.

DSC08571 Ermenonville August 2020 (35)

Das Schloss gehört inzwischen einem kanadisch- libanesischen  Geschäftsmann und dient als Hotel. Allerdings ist es möglich, gegen eine Eintrittsgebühr den nördlichen Teil des Parks zu betreten, der zu einem „fôret magique“ umgestaltet und  durch die Aufstellung von Saurier-Modellen an Attraktivität gewinnen soll. (38) Gewissermaßen  eine neue Form von Staffagebauten, die sich Girardin sicherlich nicht hätte (alp)-träumen lassen.  …

DSC08571 Ermenonville August 2020 (10)

Der eigentliche, vom Département de l’Oise verwaltete Parc Jean-Jacques Rousseau, auf den der Geschäftsmann auch sein Auge geworfen hat,  soll immerhin Saurier-frei bleiben…

Praktische Informationen:

Weg: Von der A1 (Paris/Lille) Abfahrt 8 (Senlis) ca 10 km auf der N 330 Richtung Meaux nach Ermenonville

Öffnungszeiten:   Vom 1.7.2020 bis 30.10.2020 von 11- 18 Uhr geöffnet. Eintritt frei. Siehe: http://www.ermenonville.fr/

Plan: Als pdf-Datei herunterzuladen bei: http://www.ccr-parc-rousseau.fr/pratique/

Größerer Übersichtsplan: https://www.gralon.net/evenements/60/programme-parc-jean-jacques-rousseau-17050.htm

Pour en savoir plus :

Website der Abbaye de Chaalis, darin ein besonderer Abschnitt über den espace Rousseau. https://www.domainedechaalis.fr/decouvrir/

Website des 2019 geschlossenen Centre culturel de rencontre Jean-Jacques Rousseau   http://www.ccr-parc-rousseau.fr/

Website: https://fr.wikipedia.org/wiki/Parc_Jean-Jacques-Rousseau

Blanchard, Gérard,  Ermenonville, les lieux du texte d’un jardin. In: Communicacion & Langages 50, 1981  S. 71-87 https://www.persee.fr/doc/colan_0336-1500_1981_num_50_1_3485

Boucault, Fabrice und Vasseur,  Jean-Marc, Le Parc Jean-Jacques Rousseau à Ermenonville. Paris, Editions du patrimoine, 2012, Collection Itinéraires

Crusius, Reinhard,  Europäische Park- und Gartenanlagen in politischer, sozialer, ästhetischer und poetischer Anschauung Eine Literatur- und Zitatensammlung von Arkadien über den Renaissance-, Barock- und Landschaftsgarten bis zum Volks- bzw. Stadtpark. Zusammengestellt für das Loki-Schmidt-Haus. Hamburg 2010   Zu Ermenonville S. 126f

https://www.jenischparkverein.de/files/jpv/pdf/Zitate_Parkgesch.pdf

Curtil, Jean-Claude, Les Jardins d’Ermenonville racontés par Réné Louis marquis de Girardin. Saint-Rémy-en-l’Eau, Éditions Monelle Hayot, 2003.

Farrugia, Guilhelm, La dernière retraite de Jean-Jacques. In: Dix-huitième siècle 48/2016, 1 S. 275-291  In: https://www.cairn.info/revue-dix-huitieme-siecle-2016-1-page-275.htm#

Lefay, Sophie,  Girardin et la politique du jardin pittoresque. Aus: Presses universitaires de Rennes, 2011, Seite 57-68   https://books.openedition.org/pur/40634?lang=de

Niedermeier, Michael und Seiler, Michael (Redaktion), Die Gärten von Ermenonville. Pückler-Gesellschaft, Berlin 2007 (Mitteilungen der Pückler-Gesellschaft, Neue Folge; 22

Promenade ou itinéraire des jardins d’Ermenonville.  Paris/Ermenonville 1788   https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k103053v.image

Jean-Jacques Rousseau et les arts : Paris, Panthéon, 29 juin-30 septembre 2012. Ausstellungskatalog  Paris, Editions du patrimoine, 2012.

Anmerkungen:

[1] https://www.editions-monelle-hayot.com/livre/les-jardins-dermenonville-racontes-par-rene-louis-marquis-de-girardin-prosopopee/  und https://data.bnf.fr/fr/11905057/rene-louis_de_girardin/

[2] L’auberge du soleil d’or a occupé pendant une centaines d’années cette modeste maison bâtie au XVIIIe  siècle.

De 1765 a 1800 l’Aubergiste Antoine  Maurice y reçut d’innombrables personnalités

  • en 1777 Joseph II Empereur d’Autriche et frère de Marie Antoinette, reine de France
  • en 1778 Jean-Jacques Rousseau qui se plaisait à y rencontrer les Ermenonvillois
  • en 1783 le Roi de Suède Gustav III ainsi que de nombreux animateurs des jardins créés ici par le Marquis René de Girardin
  • avant et après 1789 la plupart des grands révolutionnaires s’y sont restaurés après s’être recueillis sur la tombe de Jean-Jacques Rousseau.

(3)  Joachim Heinrich Campe, Briefe aus Paris während der Französischen Revolution gechrieben. Herausgegeben von Helmut König. Berlin: Rütten und Loening 1961, S. 34/35 und 247.  Der Brief mit dem Bericht über den Besuch in Ermenonville ist  allerdings nicht abgedruckt.

Die nachfolgend abgebildete, 1778 entstandene  Zeichnung des Grabs von Jean-Jacques Rousseau aus: https://www.reseau-canope.fr/musee/collections/fr/museum/mne/tombeau-de-jean-jacques-rousseau-vue-de-l-isle-des-peupliers-dite-l-elisee-partie-des-jardins-d-ermenonville-dans-laquelle-j-j-rousseau-mort-a-l-age-d/efd031b6-73d9-4afa-8887-b9f834555b8d

[4] https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k103053v/f35.image

[5]https://fr.wikipedia.org/wiki/Fichier:Hubert_Robert,_Le_parc_d%27Ermenonville, 1780.jpg

[6] Übersetzung W.J. Originaltext: « Hâtez-vous donc, citoyens, d’arracher ce grand homme à sa tombe solitaire, pour lui décerner les honneurs du Panthéon, et le couronner de l’immortalité. Honorez en lui le génie bienfaiteur de l’humanité ; honorez l’ami, le défenseur, l’apôtre de la liberté et des mœurs, le promoteur des droits de l’homme, l’éloquent précurseur de cette révolution que vous êtes appelés à terminer pour le bonheur des peuples (…) »    

Aus: J. Lakanal, Rapport sur J.-J. Rousseau, fait au nom du Comité d’instruction publique, … suivi des détails sur la translation des cendres de J.-J . Rousseau au Panthéon français, P., Imprimerie nationale, an III, p.9 zit. in: https://jjrousseau.net/les-evenements/le-pantheon-comment-deshonorer-rousseau/

[7] Bild aus: https://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/1202454

Zur Rezeption der Insel siehe: Sibylle Hoiman,  Rousseau recycled : zur Rezeption der Pappelinsel von Ermenonville. Topiaria helvetica : Jahrbuch 2006 https://docplayer.org/75467874-Rousseau-recycled-zur-rezeption-der-pappelinsel-von-ermenonville.html

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Rousseau-Insel_(Gro%C3%9Fer_Tiergarten)

[9] Der folgende Abschnitt stützt sich vor allem auf den sehr ausführlichen und gut dokumentierten Text aus Wikipedia: https://fr.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9-Louis_de_Girardin

[10] https://www.domainechateauermenonville.com/

[11] Zugeschrieben wird das Gemälde Jean-Baptiste Greuze, ausgestellt ist es in der abbaye de Chaalis.  Bild aus: https://data.bnf.fr/fr/11905057/rene-louis_de_girardin/

[12] Siehe: https://gallica.bnf.fr/essentiels/rousseau/nouvelle-heloise/elysee-jardin-clarens  Bemerkenswert ist, dass als Illustration zum Abdruck des Textes ein Bild von Rousseau in Ermenonville verwendet wird. Siehe auch: Gérard Blanchard, Ermenonville, les lieux du text d’un jardin. In: Communication & Langages 50, 1981  S. 71-87 https://www.persee.fr/doc/colan_0336-1500_1981_num_50_1_3485

[13] Sophie Lefay, Girardin et la politique du jardin pittoresque. Presses universitaires de Rennes.  https://books.openedition.org/pur/40634

[14] « Le fameux Le Nôtre, qui fleurissoit au dernier siècle, acheva de massacrer la Nature en asujettisant tout au compas de l’Architecte; il ne fallut pas d’autre esprit que celui de tirer des lignes, & d’étendre le long d’une règle, celle des croisées du bâtiment; aussitôt la plantation suivit le cordeau de la froide simétrie (…), les arbres furent mutilés de toute manière (…), la vue fut emprisonnée par de tristes massifs (…), aussitôt la porte la plus voisine pour sortir de ce triste lieu, fut-elle bientôt le chemin le plus fréquenté» (p. IX-XI). Zit. bei: https://fr.wikipedia.org/wiki/Parc_Jean-Jacques-Rousseau

[15] Siehe Adrian von Buttlar, Englische Gärten. In: H. Sarkowicz (Hg.), Die Geschichte der Gärten und Parks, Frankfurt 2001, S. 176f

[16] https://musees-nationaux-malmaison.fr/chateau-malmaison/domaine-collections/c-le-parc-de-malmaison  Morel beschäftigte sich auch theoretisch mit der Gartenkunst. 1776 veröffentlichte er  eine Théorie des jardins

[17] https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k103053v/f16.image  und  https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k103053v/f19.image

[18] Ils sont ouverts aux hommes : le tableau de la nature appartient à tout le monde, et je suis bien aise que tout le monde se regarde chez moi comme s’il était chez lui»  zit. Lefay, 21, https://books.openedition.org/pur/40634 .  Dort auch mehr über die Beziehung des symbolischen Niederreißens der Mauern zu Rousseaus zweitem Diskurs  über die Ungleichheit, wo das Eigentum als die zentrale Ursache für Herrschaft, Ungleichheit, Unterdrückung und Kriege dargestellt wird:  „Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und dreist sagte: ›Das ist mein‹ und so einfältige Leute fand, die das glaubten, wurde zum wahren Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, Leiden und Schrecken würde einer dem Menschengeschlecht erspart haben, hätte er die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinesgleichen zugerufen: ›Hört nicht auf diesen Betrüger. Ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Früchte allen gehören und die Erde keinem“.  In der Praxis mag Girardin seine Rechte als Feudalherr zwar aufgeklärt-großzügig wahrgenommen haben, verzichtet hat er auf seine Eigentumsrechte allerdings nicht…

[19] https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k503806k/f85.image  und https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k503806k/f86.image

[20] http://rousseaustudies.free.fr/articlealchimie.html

Die Zeichnung von George Friederich Meier/George-Frédéric Meyer stellt Rousseau mit Stock und Dreispitz vor seinem Haus beim Sammeln von Pflanzen dar. Siehe den Abschnitt zu Meiers Grab im Park von Ermenonville.

[21] http://classes.bnf.fr/essentiels/images

Bild auch bei  https://henryetraymond.wordpress.com/2016/08/31/jean-jacques-rousseau-a-ermenonville/ Dort auch der nachfolgende Text:

L’Etang du Désert à Ermenonville (détail). Dessin Constant Bourgeois, eau-forte par Guyot et Peydoux, 1808, in Description des nouveaux jardins de la France et de ses anciens châteaux, Alexandre de Laborde, 1808. Source : INHA. Rousseau est représenté avec son tricorne, en admiration devant les paysages lui rappelant ceux de La Nouvelle Héloïse.

[22] Siehe oben die Mitteilung auf der Erinnerungsplakette der Gaststätte/des heutigen Fremdenverkehrsamts

[23] https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k103053v/f17.image

(24)  Bild aus: https://fr.wikipedia.org/wiki/Parc_Jean-Jacques-Rousseau  Par Parisette – travail personnel

[25] Zeitgenössische Abbildung aus:  https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k103053v/f25.image

[26] Titel des Abschnitts:  Des moyens de réunir l’agréable à l’utile, relativement à l’arrangement général des campagnes. Schon im Untertiel seines Traktats ist diese Verbindung des Angenehmen und des Nützlichen als ein zentrales Element seines Konzepts bezeichnet: De la composition des paysages, ou des moyens d’embellir la nature autour des habitations, en joignant l’agréable à l’utile. https://jjrousseau.net/etudes/lutile-et-lagreable-dans-les-jardins-de-rousseau/

Die aufwändige, klassizistische Bauweise erinnert mich an die von Ledoux entworfene Saline mit ihren ähnlich noblen Produktionsstätten. Auch Ledoux ging es ja um eine Verbindung des Nützlichen und des „Angenehmen“, des Schönen, wobei bei der Saline von Arc-et-Senans natürlich die Nützlichkeit eindeutig im Vordergrund steht. Siehe den Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2019/07/14/die-grosse-saline-von-salins-les-bains-und-die-koenigliche-saline-von-arc-et-senans-unesco-weltkulturerbe-im-jura/

[27] zit. von Lafay, 29, https://books.openedition.org/pur/40634

[28] Zu den Gärten von Versailles siehe die Blog-Beiträge:  https://paris-blog.org/2017/09/01/die-fontaenen-von-versailles-1-die-feier-des-sonnenkoenigs/ und https://paris-blog.org/2016/04/12/le-potager-du-roi-in-versailles-der-obst-und-gemuesegarten-ludwigs-xiv/

[29] Bild aus: https://henryetraymond.wordpress.com/2016/08/31/jean-jacques-rousseau-a-ermenonville/#jp-carousel-1863  Zum Folgenden siehe: https://www.jenischparkverein.de/files/jpv/pdf/Zitate_Parkgesch.pdf  S. 127 und 128 und https://de.wikipedia.org/wiki/Arkadien

(30) Jean-Jacques Rousseau, Emil oder Über die Erziehung. Berlin 2015, S. 6 

[31] https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k103053v/f34.image

https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k103053v/f35.image

[32] Ulrike Prokop, Die Konstruktion der idealen Frau. Zu einigen Szenen aus den »Bekenntnissen« des Jean-Jacques Rousseau. In: Feministische Studien  1989, S. 92

[33] Ölgemälde aus dem Jahr 1800. Privatsammlung. Bild aus: https://henryetraymond.wordpress.com/2016/08/31/jean-jacques-rousseau-a-ermenonville/

Plan des Tempels bei: https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b10026005k.r=Ren%C3%A9%20de%20Girardin?rk=321890;0

(34)  Josef Rattner, Gerhard Danzer, Irmgard Fuchs,   Glanz und Größe der französischen Kultur im 18. Jahrhundert. Würzburg 2001, S. 101

(35)  zit. bei Klaus Luttringer, Weit, weit…. Arkadien. Über die Sehnsucht nach dem anderen Leben. Würzburg 2000, S. 26

(36) Bild aus:   https://fr.wikipedia.org/wiki/Parc_Jean-Jacques-Rousseau  Par P.Poschadel — Travail personnel

(37) Siehe: https://fr.wikipedia.org/wiki/Parc_Jean-Jacques-Rousseau

(38)  Siehe: https://www.leparisien.fr/oise-60/a-ermenonville-reouverture-confidentielle-pour-le-parc-jean-jacques-rousseau-04-08-2019-8128572.php

Weitere geplante Beiträge:

Die Rousseau-Sammlung des Museums Jacquemard-André im ehemaligen königlichen Kloster Chaalis

Das Palais Royal (3): revolutionärer Freiraum und Sündenbabel in den „wilden Jahren“ zwischen 1780 und 1830

Erinnerungsorte an den Holocaust in Paris und Umgebung (1): Einführung

Der Garten der tropischen Landwirtschaft (jardin d’agronomie tropicale) im Bois de Vincennes: Ein „romantisches“ Überbleibsel der Kolonialausstellung von 1907

Der Canal Louis XIV und das Aquädukt von Maintenon (Die Fontänen von Versailles, Teil 3)

Zur Zeit des Sonnenkönigs sprudelten im Park von Versailles insgesamt etwa 1400 Fontänen!  Sie dienten dazu, durch ihre Menge und Größe und durch ihr bildhauerisches Programm die absolute Macht des Königs zu demonstrieren. Dies wurde im ersten Teil der kleinen Reihe über die Fontänen von Versailles erläutert:

https://paris-blog.org/2017/09/01/die-fontaenen-von-versailles-1-die-feier-des-sonnenkoenigs/

Allerdings waren die Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieses Vorhabens immens,  denn die Lage des Schlosses und des Parks hätten kaum ungünstiger sein können. Das Gelände war sumpfig und  es gab (und gibt) in der Region keine natürlichen Wasserläufe, die man für die Versorgung mit Wasser hätte nutzen können. Die Seine lag mehrere Kilometer entfernt und dazu auch noch 142 tiefer als das Schloss.  Es gab in der Nähe lediglich einen kleinen Teich,  der von einigen Bächlein gespeist wurde. Aber der reichte natürlich nicht im Geringsten für die Bedürfnisse der vielen Fontänen, geschweige denn für die von Schloss und Stadt.

Allein für die Versorgung der Fontänen mussten also immer neue Wasserquellen erschlossen werden- war es doch der Wunsch des Sonnenkönigs, dass die Springbrunnen Tag und Nacht ununterbrochen sprudeln sollten.  Eine der ersten Maßnahmen war die Umleitung des Wassers der Bièvre, eines kleinen Nebenflüsschens der Seine. Aber auch das reichte nicht, den Wasserbedarf der vom Sonnenkönig  gewünschten immer zahlreicheren Fontänen zu befriedigen. Neue Wasserquellen waren also erforderlich.

Dazu gehörte vor allem die Erschließung der gut 10 Kilometer südöstlich von Versailles gelegenen  Hochebene von Saclay für die Alimentierung der Springbrunnen. Es wurde ein System von Teichen und kleinen Wasserläufen (rigoles)  geschaffen, mit deren Hilfe das Regenwasser gesammelt wurde. Über das große Aquädukt von Buc konnte dann dieses Wasser nach Versailles transportiert werden.

Im Einzelnen wird das im zweiten Teil der Reihe über die Fontänen von Versailles erläutert: https://paris-blog.org/2019/04/01/die-fontaenen-von-versailles-2-ausdruck-absolutistischen-groessenwahns/

Allerdings reichte auch diese Maßnahme nicht aus.  Zumal es inzwischen noch weiteren Wasserbedarf gab: Denn nach dem Ende des Holländischen Krieges ließ sich Ludwig XIV. in dem wenige Kilometer von Versailles entfernten Marly abseits des „überzeremoniellen Hofes“  ein weiteres Schloss von Mansart bauen, um „sich zu erholen und seine Zeit ganz häuslich zu verbringen.“ (1) Aber ohne Fontänen ging das natürlich nicht. Woher aber jetzt noch das Wasser für die immer unersättlicheren Fontänen  nehmen?  Die vorhandenen Lösungsvorschläge mussten nun, angesichts der topografischen Voraussetzungen,  immer kühner und schwieriger in ihrer Umsetzung sein.

Warum also nicht das Wasser der Seine nutzen? Die floss immerhin in nur etwa 10 Kilometer Entfernung an Versailles vorbei und Wasser war da –anders als bei den Reservoiren auf der Hochebene von Saclay- immer reichlich vorhanden. Das Problem allerdings: Der Wasserspiegel der Seine lag an der nächst gelegenen möglichen Wasserentnahmestelle 144 Meter unterhalb des Parks! Aber für den Sonnenkönig, der sich als absoluter Herrscher auch über die Natur verstand, konnte das kein unüberwindliches Hindernis sein, sondern eher eine Herausforderung, deren Bewältigung ein weiterer Beweis seiner Größe sein würde. Dies war die Geburtsstunde der machine de Marly, einer gewaltigen Pumpanlage, die das Wasser der Seine auf die erforderliche Höhe pumpen sollte und zum Teil ja auch pumpte, In einem folgenden vierten Teil wird auf dieses Projekt genauer eingegangen werden. Aber auch die machine de Marly reichte nicht aus, zumal sie aufgrund technischer Probleme die an sie gesetzten Erwartungen immer weniger erfüllen konnte.

So entstand die Idee, die gut 150 Kilometer entfernte Loire zu nutzen.  Es war kein Geringerer als Pierre-Paul Riquet, der Schöpfer des Canal du Midi  (damals canal royal de Languedoc), der Ludwig XIV. diesen Vorschlag unterbreitete. Und der  war von einem solchen megalomanischen Projekt natürlich  sehr angetan und auch gleich bereit, die dafür erforderliche immense Geldsumme zur Verfügung zu stellen. Ludwigs Finanzminister Colbert hatte allerdings Zweifel an der Machbarkeit (und Finanzierbarkeit)  und beauftragte  den Abbé Picard, Mitglied der Akademie des Sciences, mit einem Gutachten. Die Überprüfung ergab, dass die Loire an der geplanten Wasserentnahmestelle tiefer lag als das Schloss von Versailles…. Das Projekt wurde also aufgegeben, ebenso wie die Überlegung, die Essonne umzuleiten, einen Nebenfluss der Seine.

Aber dann gab es ja noch die Eure. Die Eure ist ebenfalls ein kleiner Nebenfluss der Seine. Sie hat zwar einen wesentlich geringeren Wasserdurchfluss als die Loire, aber dafür hat sie zwei entscheidende Standortvorteile:  Sie liegt deutlich näher an Versailles und sie liegt –jedenfalls in den flussaufwärts gelegenen Abschnitten- so hoch, dass sie für den gedachten Zweck geeignet ist. Ludwig XIV. beauftragte also  Louvois,  seinen Kriegs- und Bauminister, das Unternehmen zu prüfen und  einen entsprechenden Plan zu entwerfen.  Louvois beauftragte seinerseits den Astronomen und Mathematiker de La Hire, einen Schüler des Abbé Picard, die topografischen Voraussetzungen zu untersuchen. Das Ergebnis war das Projekt eines etwa 80  Kilometer langen Kanals von Pontguin an der Eure bis zu einem Teich in der Nähe von Rambouillet, der schon an das System der Wasserversorgung von Versailles angeschlossen war.[1a]

DSC03259 Maintenon april 2018 (48)

Hier handelt es sich um die zentrale Partie eines  Stichs aus dem Jahr 1689 mit dem Titel: Les Ouvrages magnifiques du roy Louis le Gran en temps de paix (Die großartigen Werke Ludwigs des Großen in Friedenszeiten), der im Schloss von Maintenon ausgestellt ist. (1b) Abgebildet ist die Begutachtung eines Plans, der den Verlauf des Eure-Kanals zeigt, durch  Ludwig XIV. Bei den beiden hohen Herren, die ihm den Plan unterbreiten, dürfte es sich um  Louvois und Vauban handeln. Louvois war damals nicht nur Kriegsminister, sondern seit dem Tod Colberts 1683 auch Minister für öffentliche Bauten. Und der Festungsbaumeister Vauban erhielt von Ludwig XIV. den Auftrag, die Arbeiten an dem Kanal zu organisieren. Es ist das einzige zivile Projekt Vaubans: ein Hinweis darauf, für wie bedeutsam Ludwig XIV. diesen Kanal hielt, der ein für allemal die Versorgung seiner Springbrunnen mit Wasser sicherstellen sollte.

Geplant war ein Kanal mit einem gleichmäßigen Gefälle von 14 bis 17 cm pro Kilometer, der verschiedenen Quellen zufolge die Springbrunnen von Versailles mit täglich 50 000 Kubikmetern Wasser versorgen sollte- vergleicht man das mit den maximal 2000-2500 Kubikmetern, die die Maschine von Marly unter optimalen Bedingungen täglich lieferte, dann wird die Bedeutung dieses Kanalprojekts nur allzu deutlich.[2]  Um eine solche Wassermenge zu transportieren, reichte  natürlich kein „einfaches“ Aquädukt  aus, wie man es von den Römern kannte, sondern es sollte  ein schiffbarer Kanal nach dem Vorbild des schon existierenden canal royal, des Canal du Midi,  sein.

DSC07742

Aus der Vogelperspektive[3] lässt sich das an einem Teilstück des Kanals bei Théléville westlich von Maintenon noch recht gut erkennen. Dort ist ein Damm aufgeschüttet, heute Les Terrasses genannt, worauf auch noch der entsprechende Straßenname  (Rue des Terrasses) hinweist. Dieser Damm war auf seinem Scheitel 21 Meter breit. In der Mitte verlief der Kanal, 4,62 Meter breit und 1,95 Meter tief, der inzwischen zugewachsen ist,  rechts und links davon befanden sich noch deutlich zu erkennende  Wege. Einen solchen Kanal –aller topografischer Hindernisse zum Trotz- bauen zu wollen, war natürlich ein „pharaonisches“ Unterfangen oder wie es der Herzog von Saint – Simon in seinen Memoiren nannte: eine grausame Verrücktheit, eine „cruelle folie.“  Aber „die Natur zu tyrannisieren“ (Saint Simon), hier also „die Wasser der Eure gegen ihre eigentliche Bestimmung fließen zu lassen“, wie eine zeitgenössische Beobachterin schrieb, war für Ludwig XIV. doch nur eine weitere Möglichkeit, seine unumschränkte Macht zu demonstrieren. (3a)

Die unumschränkte Macht in Europa hatte Ludwig XIV. ja gerade errungen:  1678 war der „Holländische Krieg“ mit dem Frieden von Nijmwegen beendet worden, der Frankreich einen erheblichen Landzuwachs und die Vormachtstellung auf dem europäischen Kontinent  sicherte.[4]  1684 wurde der sogenannte „Regensburger Stillstand“ mit dem durch die Türkenkriege geschwächten Heiligen Römischen Reich geschlossen. Frankreich verleibte sich Luxemburg ein, und alle Territorien, die Ludwig XIV. im  Zuge der sogenannten Reunionspolitik  annektiert hatte, wurden  für 20 Jahre, faktisch damit allerdings dauerhaft, als französischer Besitz anerkannt.  So wurden Straßburg und das Elsass französisch….

Jetzt herrschte also –eher selten zu Zeiten des Sonnenkönigs-  Frieden und das stehende Heer Frankreichs war gewissermaßen arbeitslos. Was lag da näher, als Soldaten für den Bau des königlichen Kanals abzukommandieren? Insgesamt waren es 30 000 Soldaten, die für den Kanalbau eingesetzt wurden, die natürlich auch untergebracht und versorgt werden mussten.  Das war sicherlich nicht  einfach, zumal es in der Gegend nur ein paar kleine Dörfer gab und  die nächste Stadt, Chartres, zu weit entfernt war, um für den Kanalbau eine Rolle spielen zu können. Begonnen wurden die Arbeiten im westlichen Abschnitt des Projekts, also zwischen der Wasserentnahme an der Eure bei Pontguin und Maintenon.

Carte_particulière_du_canal_de_[...]Jaillot_Alexis-Hubert_btv1b7711363q

„Carte particulière du canal de la rivière d’Eure depuis Pontguin, jusques à Versailles“  von Hubert Jaillot[5] (westliches Teilstück des Kanals)

Pontguin, der Anfangspunkt des Aquädukts,  ist mit einem Punkt am mittleren linken Rand der Karte bezeichnet. Maintenon ist ebenfalls mit einem Punkt bezeichnet: Es befindet sich etwa auf gleicher Höhe wie Pontguin etwas rechts von der Mitte der Karte – bevor der geplante Kanal nach Südosten abknickt.

Die erste Baumaßnahme war die Errichtung eines Eure- Deichs bei Boizard, etwa 3 km westlich von Pontgouin (an der D 347.6 gelegen).  Seine Funktion war es, den Fluss so weit aufzustauen, dass eine kontinuierliche Wasserversorgung des Kanals gewährleistet war. Durchbrochen wurde der Deich von der sogenannten Schleuse von Boizard, mit deren Hilfe die Wasserzufuhr geregelt werden konnte.[6]

1280px-Écluses_de_Boizard_1 (1)

tn_04g_bateau_vauban

Außerdem ermöglichte sie den Schiffsverkehr zwischen der Eure und dem Kanal. Die Schleusenkammern waren zwar nur 2 Meter breit, aber das reichte für die Schiffe, die Vauban höchstpersönlich für den Kanal entworfen hatte: Schmale, aber sehr tragfähige Boote, die für den Transport von Baumaterial  geeignet waren.[7]

DSC03259 Maintenon april 2018 (75)

Die Bauarbeiten kamen offenbar gut voran. Es gab auch zunächst keine größeren Hindernisse und  der Verlauf des Kanals war  – anders als bei den römischen Aquädukten- den topografischen Gegebenheiten angepasst. So mussten nur das Kanalbett ausgehoben und die seitlichen Wege angelegt werden. Noch heute kann man entsprechende Reste sehen.

DSC03259 Maintenon april 2018 (13)

DSC03259 Maintenon april 2018 (74)

Schon etwa ein Jahr  nach Beginn der Arbeiten war der Kanal bis Berchères fertig gestellt. Das heißt, etwa zwei Drittel der Strecke zwischen Pontguin und Maintenon waren schon gebaut, so dass eine Abordnung der Akademie des Scienes, zu der La Hire und der bedeutende Astronom Cassini gehörten, am 25. August 1685 beobachten konnte, wie das Wasser der Eure in den Kanal einströmte und  Berchères erreichte.

Danach wurden die Bauarbeiten  komplizierter, und es musste unter anderem der schon genannte Damm, Les Terrasses, aufgeschüttet werden. Ihn kann man noch deutlich erkennen  wenn man von Bouglainval auf der D 26.1 nach Maintenon fährt. Da sieht man auf der rechten Seite ganz deutlich den Kanal- Damm,  und es gibt an einigen Stellen auch die Möglichkeit, abzubiegen und durch einen der Tunnel zu fahren, die den Kanal unterquerten, um eine Verbindung zwischen den Ortschaften auf beiden Seiten des Kanals zu gewährleisten.

DSC03259 Maintenon april 2018 (1)

Einer dieser Tunnel ist „das große Gewölbe“, „La Grande Voûte“, das früher die beiden Ortschaften  Boisricheux und Chartrainville (D 4)  verband. Geht man durch diesen Tunnel hindurch, wird eindrucksvoll erfahrbar, wie mächtig und breit dieser Kanal-Damm war; und aufgeschüttet ohne die modernen Hilfsmittel!   Die Straße ist inzwischen unterbrochen, so dass der aufgeschüttete Damm und das umgebende  Gelände der Natur überlassen sind. Das freute offensichtlich den prächtigen Fasan, der sich in keiner Weise von unserer Anwesenheit stören ließ.

DSCN3830

Anders aber die jungen Männer, die ihr Auto im Tunnel abgestellt hatten und die, als wir herankamen, uns sehr argwöhnisch beäugten und in hektische Betriebsamkeit verfielen. Offenbar hatten sie in dem Tunnel Schießübungen veranstaltet und versuchten, ihre Utensilien in den Kofferraum ihres Autos zu packen, bevor wir bei ihnen waren. Wir kamen dann aber ins Gespräch und sie beruhigten sich, als sie hörten, dass wir Ausländer sind und uns nicht für sie, sondern für den Kanal Ludwigs XIV. interessierten. Dass der einmal über ihren Köpfen  entlangführen sollte, war ihnen offenbar unbekannt, Auf jeden Fall waren sie – mit diesem Wissen bereichert-  sehr zufrieden, als wir wieder weiter fuhren, ohne sie behelligt zu haben.

DSC03259 Maintenon april 2018 (79)

Die größte Herausforderung für das Projekt war Maintenon. Denn dort musste die Eure, deren Verlauf zwischen Maintenon und Pontgouin ein großes U nach Süden beschreibt, überbrückt werden.  Das Wasser konnte man in Maintenon  nicht entnehmen, weil die dortige Höhe über dem Meeresspiegel bei weitem nicht für die Versorgung der Springbrunnen von Versailles ausreichte.

DSC03259 Maintenon april 2018 (40)

Zunächst war geplant, ab Berchères ein insgesamt 17 Kilometer langes Aquädukt aus Stein zu bauen, das bei Maintenon in drei Etagen und  in 73 Metern Höhe die Eure überqueren sollte. Das hätte noch deutlich den Pont du Gard mit seinen 49 Metern Höhe übertrumpft! Aber es hätte dann doch die staatlichen Finanzen überfordert, die durch die ständigen Kriege und die Repräsentations- und Verschwendungssucht des Hofes  arg klamm war. Also begnügte man sich mit einer deutlich bescheideneren Variante: Einem  Aquädukt von 955 Länge und einer Höhe von maximal 28,5 m Länge.

Von diesem Bauwerk sind noch eindrucksvolle Reste erhalten.

DSC03178 Maintenant April 2018

Den besten Blick darauf hat man vom  Schloss von Maintenon aus.

DSC03259 Maintenon april 2018 (20)

Das war auch bewusst so geplant.  Denn kurz vor Beginn des Kanalbaus (Oktober 1683 oder Januar 1684)  hatte Ludwig XIV. Françoise d’Aubigné, seit 1874 Schlossherrin von Maintenon und spätere Marquise de Maintenon, in einer geheim gehaltenen Zeremonie geheiratet.[8]

DSC03259 Maintenon april 2018 (71)

Portrait von Madame de Maintenon  (1635-1719)

(Françoise d’Aubigné, future Marquise de Maintenon. École française, XVIIe siècle)

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist chateaumaintenon07.jpg

Zwar nicht Versailles, aber…   Le château de Maintenon / © Rémi Belot pour Enlarge your Paris

102739140 Schlafzimmer von M de Maintenon

Ihr Schlafzimmer

DSCN3770 Ausflug Maintenon (34)

… und die schöne Tapete

DSCN3770 Ausflug Maintenon (35)

Der von dem Gartenarchitekten des Versailler Parks, Le Nôtre, gestaltete Park des Schlosses von Maintenon war  so angelegt, dass er in seiner zentralen Perspektive einen unverstellten Blick auf den zentralen Abschnitt des Aquädukts bot. Und durch das Aquädukt war die Verbindung zwischen dem Schloss des Sonnenkönigs und dem Schloss seiner heimlichen Ehefrau gewissermaßen in Stein gemeißelt.

DSC03259 Maintenon april 2018 (42)

Wenn man die als Grand Canal fungierende Eure entlang durch die Bögen des Aquädukts hindurchging, hatte man eine ebenso reizvolle Aussicht auf das Schloss – heute ist das etwas schwieriger, weil dort jetzt ein Golfplatz eingerichtet ist… Betreten natürlich offiziell verboten!

DSC03259 Maintenon april 2018 (32)

Als dieses im Schloss ausgestellte Gemälde entstand, gab es den Golfplatz noch nicht. (F.R. Ricois, 1795-1881, Le château de Maintenon, Vue à travers l’aquéduc. Ausschnitt)

DSC03259 Maintenon april 2018 (39)

Die deutliche Verkleinerung des Aquädukts gegenüber der ursprünglichen Planung bedeutete allerdings, dass damit eine durchgängige Schiffbarkeit des Kanals ausgeschlossen war. Die Absenkung des Aquädukts bei Maintenon war ja nur möglich, weil hier das Prinzip der kommunizierenden Röhren angewandt wurde: Vor und nach dem Aquädukt waren also Siphons erforderlich und das entsprechende Teilstück des Kanals musste als geschlossenes System gebaut werden, auch ein sehr aufwändiges Verfahren.

So weit kam es aber nicht. Denn 1688  zettelte Ludwig XIV. „unter dem wachsenden Einfluss seines ehrgeizigen und skrupellosen“ Kriegsministers Louvois schon wieder seinen nächsten Krieg an: Den Pfälzischen Erbfolgekrieg, in dem die französischen Truppen  nicht nur das Heidelberger Schloss in eine Ruine verwandelten, sondern in der Pfalz systematisch eine Strategie der verbrannten Erde verfolgten und selbst vor der Plünderung der Kaisergräber im Speyerer Dom nicht zurückschreckten. Nach der „unter Berufung auf fiktive oder an den Haaren herbeigezogene Rechtstitel“  erfolgten Annexion von -unter anderem-  Metz, Breisach, Besançon und Straßburg  rief das erneut im deutschen Reich „eine Welle patriotischer Entrüstung“  hervor (9): gewissermaßen die Geburtsstunde der sogenannten deutsch-französischen „Erbfeindschaft“. Was dieser Krieg für Frankreich bedeutete, schildert sehr eindrucksvoll der bis dahin von Ludwig XIV. mit Gnadenerweisen überhäufte Abbé de Fénelon in einem wahrscheinlich aus dem Jahr 1694 stammenden mutigen Brief an seinen an Lobreden gewohnten Monarchen.  Darin schreibt er:

„Man hat Ihre Einkünfte und Ihre Ausgaben bis ins Unendliche gesteigert. Man hat Sie bis in den Himmel gehoben, weil Sie, wie man sagte, die Größe aller Ihrer Vorgänger in den Schatten gestellt haben, das heißt, dass Sie ganz Frankreich ausgesogen haben, um am Hofe einen ungeheuerlichen und unheilvollen Luxus einzuführen. Ihre Minister haben Sie groß machen wollen auf den Ruinen aller Stände Ihres Reiches, als ob Sie groß sein könnten, wenn Sie alle Ihre Untertanen, auf denen Ihre Größe gegründet ist, zugrunde richten. 

Ihre Untertanen, die Sie lieben sollten wie Ihre Kinder, die bis jetzt so für Sie begeistert waren, sterben vor Hunger. Die Bebauung des Bodens ist fast aufgegeben worden, alle Industrien siechen dahin und ernähren ihre Arbeiter nicht mehr, jeglicher Handel ist lahmgelegt. Also haben Sie die Hälfte der wirklichen Kräfte im Innern Ihres Staates zerstört, um draußen eitle Eroberungen zu machen und aufrechtzuerhalten. Anstatt Geld aus diesem armen Volke zu ziehen, sollten Sie ihm Almosen geben und es ernähren. Ganz Frankreich ist nur mehr ein großes, trostloses Armenhaus ohne Vorräte.  (…)

Das ist nun dieses große und blühende Königreich unter einem König, den man uns täglich als das Entzücken seines Volkes schildert und der es in Wahrheit wäre, wenn die Ratschläge der Schmeichler ihn nicht vergiftet hätten. Das Volk selbst -man muss alles sagen- das Sie so geliebt hat, das soviel Vertrauen in Sie gehabt hat, beginnt die Liebe , das Vertrauen und sogar die Achtung zu verlieren. Ihre Siege und Ihre Eroberungen erfreuen es nicht mehr. Es ist voller Verbitterung und Verzweiflung.“ (10)

Unter diesen Umständen war nach dem Ende des neun Jahre andauernden Krieges  an einen Weiterbau des Eure-Kanals nicht mehr zu denken. Er blieb also unvollendet, diente danach als Steinbruch und ist heute, benannt nach seinem Initiator Ludwig XIV., ein teilweise pittoreskes, aber makabres Monument eines macht- und ruhmversessenen Monarchen, der schließlich an seiner Hybris scheiterte. (11)

Vorschlag für eine Wanderung entlang des Kanals:  16,5 Kilometer vom Bahnhof von Maintenon aus.  Nähere Informationen:  visorando.com.   Der Bahnhof von Maintenon liegt auf der Strecke des TER Paris – Chartres oder der Bahnstrecke  Paris – Le Mans. Abfahrt vom Bahnhof  Montparnasse.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist baladecanal01.jpg

Bild: https://www.enlargeyourparis.fr/balades/voyage-en-14-etapes-le-long-du-ter-paris-chartres?utm_source=Enlarge+your+Paris&utm_campaign=023612fc63-_weenbanlieue_99__COPY_01&utm_medium=email&utm_term=0_981d21007d-023612fc63-451391046

Anmerkungen:

(1) Jacques Revel, Der Hof. In: Pierre Nora (Hrsg), Erinnerungsorte Frankreichs. München: Beck 2005, S. 335

[1a] Die einzelnen Etappen der Wasserversorgung sind anschaulich präsentiert bei:  L’acheminement des eaux à Versailles   https://www.youtube.com/watch?v=u0VYY2iK3Lo

Siehe auch:  Association pour l’Etude et la Sauvegarde des Vestiges du Canal de Louis XIV et de ses Environs:  Histoire du Canal de l’Eure. Aqueduc royal de Pontguin à Versailles. Dort gibt es auch  eine genaue Beschreibung der vorhandenen Reste des Kanals. http://claude.millereux.free.fr/Canal/asso_canal.htm

(1b) Vollständig ist der Stich abgebildet bei: Jacques Revel, Der Hof. In: Pierre Nora (Hrsg), Erinnerungsorte Frankreichs. München: Beck 2005, S. 349

[2] Hier und im Weiteren beziehe ich mich auf die detaillierte Darstellung der Association pour l’Etude et la Sauvegarde des Vestiges du Canal de Louis XIV et de ses Environs: http://claude.millereux.free.fr/Canal/asso_canal.htm

[3] earthview-de.com/maps

(3a) s. Jacque Revel, Der Hof. a.a.O., S. 623

[4] Siehe dazu den Blog-Beitrag über die place des Victoires in Paris, der aus Anlass des Friedens von Nimwegen errichtet wurde und die Siege Ludwigs XIV. feiert: https://paris-blog.org/2020/03/12/la-place-des-victoires-der-platz-der-siege-ludwigs-xiv-in-paris-das-modell-eines-koeniglichen-platzes/

[5] https://gallica.bnf.fr/

Zur Geschichte des Kanals siehe: Gabriel Despots/Jacques Galland, Histoire du canal Louis XIV de Pontguin à Maintenon. CAEL 2006

[6] Bild aus: https://fr.wikipedia.org/wiki/

[7] Bild aus: http://projetbabel.org/fluvial/

[8] Zu Madame de Maintenon siehe auch den Blog-Beitrag:  https://paris-blog.org/2020/05/10/grosse-maenner-und-frauen-des-marais-eine-ortsbesichtigung-anhand-der-portraits-des-street-art-kuenstlers-c-215-teil-2-grosse-frauen/

(9) Aus dem Vorwort von Gilbert Ziebura zu:  Gilette Ziegler, Der Hof  Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten.  München: dtv 1981

(10) zitiert von Gilette Ziegler, Der Hof  Ludwigs XIV. in Augenzeugenberichten. Mit einer Einleitung von Gilbert Ziebura.  München: dtv 1981, S. 288/289 s.a. S. 287

(11) siehe Jacques Revel, Der Hof. a.a.O., S. 351 und Anmerkung 84, S. 623

Eingestellt am 19.5.2020 am und zum Geburtstag meines Schwagers Dr. H. D. 

Weitere Blog-Beiträge zu Ludwig XIV.:

  • Große Männer und Frauen des Marais: Eine Ortsbesichtigung anhand der Portraits des Street-Art-Künstlers C215 (Teil 1: Große Männer)