Asterix, ein französischer Mythos. Zum Tod von Albert Uderzo

Zum Tod von Albert Uderzo ist schon viel geschrieben worden. Trotzdem  will ich dazu auf diesem Blog  auch einen kleinen Beitrag leisten. Was kann/soll man aber den vielen Würdigungen noch hinzufügen als bescheidener Blogger, zumal der auch in dieser Materie kein Spezialist ist?

Ich habe mir zweierlei vorgenommen:

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Zunächst möchte ich einen – natürlich keinen Falls umfassenden – Blick auf französische Würdigungen Uderzos werfen, die aus Anlass seines Todes veröffentlicht wurden. Die sind zum Teil auch auf die aktuelle kritische Lage bezogen, was ich besonders interessant finde.

Bild von der Titelseite der Tageszeitung Libération vom 25. März 2020

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Und dann möchte ich auf eine Ausstellung im Musée Cluny zurückblicken, die 2009 aus Anlass des 50. Geburtstages der Asterix-Serie stattfand. Es war eine der ersten Ausstellungen, die wir besucht haben, nachdem wir uns vor gut 10 Jahren in Paris niedergelassen haben. Glücklicherweise habe ich davon einige Fotos gespeichert, die ich sehr sehenswert finde und die –wie ich meine- ein schöner Beitrag zur Würdigung Uderzos sind.

Natürlich  haben viele Zeichner und Karikaturisten auf ihre Weise auf den Tod Uderzos reagiert. Dabei werden natürlich besonders gerne Uderzos Figuren von Asterix und Obelix verwendet. Hier eine Zeichnung des französischen Zeichners ZEP, der Uderzo als seinen Adoptivvater bezeichnet.[1]

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Manchmal werden auch bekannte Aussprüche aus der Serie einbezogen:

ET3ZO_AXgAA1EZpTod von Uderzo: Jetzt ist es soweit… Der Himmel ist uns auf den Kopf gefallen.[2]

Da Uderzos Tod genau in die Zeit der Coronavirus-Pandemie fällt, liegen entsprechende aktuelle Bezüge natürlich nahe.

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Hier tragen die am Grab Uderzos – natürlich einem Hinkelstein- trauernden Astrix und Obelix Atemschutzmasken; angesichts des katastrophalen Mangels an Schutzmasken in Frankreich übrigens ein besonderes Privileg…[3] Und über dem gallischen Dorf weht die französische Fahne auf Halbmast.

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Aber auf der Karikatur von Chanu aus der Zeitung Ouest France fordert Uderzo –auf der  Bleistiftleiter in den Himmel kletternd, wo schon Goscinny mit der Schreibmaschine auf ihn wartet- Asterix und Obelix auf, nicht in Trauer zu versinken. Und er deutet auf die Familie, die aufgrund der Ausgangsperre  im häuslichen confinement  zusammensitzt und Asterix-Heftchen betrachtet: Sie brauchen Euch.

Einen schönen Aktualitätsbezug hat auch die nachfolgende Hommage an Uderzo, von dem ganz offensichtlich die  Sequenz direkt übernommen ist. Es ist ja geradezu ein Asterix-Klassiker, der aber durch den Text in der Sprechblase des römischen Legionärs in einen neuen Kontext gestellt wird:

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Anhalten, Gallier! Auf Befehl von Coronavirus, dem Präfekten Galliens, müsst Ihr mir  Eure Attestation de Déplace…. 

Weiter kommt der Römer nicht. Was er zu sehen wünscht, ist die Attestation de déplacement dérogatoire. Das ist eine Bescheinigung, die jede/r, der in Frankreich derzeit seine Wohnung verlässt, bei einer Polizeikontrolle vorweisen muss. Die Attestation kann man sich von der homepage des französischen Innenministeriums herunterladen und ausdrucken, aber –so man über keinen Drucker verfügt- auch in handschriftlicher Form vorlegen.[4]  Eintragen muss man Name, Geburtsdatum und -ort,  Adresse, Datum und die genaue Uhrzeit, wann man seine Wohnung verlassen hat. Und dann gibt es sechs Kästchen zum Ankreuzen, die jeweils einen legitimen Grund angeben, warum man sich nicht zu Hause aufhält, wie es ja eigentlich unter der Bedingung der Ausgangssperre  verlangt wird. Das können unabdingbare berufliche oder krankheitsbedingte Gründe sein (die natürlich entsprechend dokumentiert sein müssen – könnte ja jeder kommen….), es kann sich um einen Weg zum Einkauf von Gütern „de première nécessité“ handeln (Supermarkt, Bäcker, Metzger und natürlich- man ist ja in Frankreich- Weinhandlungen), man darf aber auch –allerdings nur im Umkreis von 1000 Metern und für maximal eine Stunde- alleine  etwas Sport treiben (aber nicht mit dem Fahrrad!), einen Spaziergang machen, aber nur mit den Personen, mit denen man zusammenwohnt oder mit dem Hund, damit der wie gewohnt draußen an die Hauswände pinkeln kann (besoins des animaux de compagne) – Da die Pariser Straßenreinigung offenbar ihre Arbeit eingestellt hat, erhöht das nicht gerade die Attraktivität eines noch zulässigen Spaziergangs rund um den Häuserblock.

Die Reaktion von Obelix finde ich da jedenfalls nur allzu verständlich.[5]

In Zeiten der Coronavirus-Pandemie liegt ein Rückgriff auf die potion magique des Miraculix natürlich nahe.

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Hier weist Asterix auf den entsprechenden Anschlag an der Wand und die Dringlichkeit einer Abhilfe gegen den Virus hin,  und der Druide Panoramix versichert: Ich suche ihn doch, diesen Zaubertrank, Kinder, ich suche ihn… (Übrigens: Idefix mit Schutzmaske!).

ET59bm-WAAAzLk6Hier ist es ein moderner Druide, der am Kessel steht und seufzt:  Wenn er uns doch nur das Rezept hinterlassen hätte….

Der Name des Druiden ist Raoultix. Das bezieht sich auf den französischen Virologen Didier Raoult, den in Frankreich derzeit wohl bekanntesten  Vertreter seiner Zunft.  Raoult ist Leiter eines renommierten medizinischen Forschungszentrums  in Marseille (IHU Méditeranée infection) und ein  international anerkannter und  ausgezeichneter Wissenschaftler. Er gehört auch zu dem wissenschaftlichen Beirat, auf den Macron seine Maßnahmen zur Eindämmung des Virus stützt. Wegen seines unangepassten Aussehens liegt es natürlich  nahe, dass man Raoult mit einem „druide gaulois“ assoziiert. Le Monde  spricht von „son look de vieux druide blanc“. [6]

Allerdings ist Raoult auch sehr umstritten, weil er ein entschiedener Verfechter der Behandlung von Coronavirus-Patienten mit Cloroquine ist. Solange es nichts Besseres gäbe, sei das ein pragmatisches Vorgehen. Die nachfolgend abgebildete, ebenfalls zu Ehren von Albert Uderzo erschienene Karikatur bezieht sich darauf:

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Obelix bittend  (wie gewöhnlich in der Nähe des Kessels mit der potion magique): Ich fühle mich ein wenig schwach…  Panoramix weist ihn dann ja immer ab. So auch hier der mit den Zügen Raoults ausgestattete moderne Druide mit der entsprechend variierten Antwort: Nein! Kein Cloroquin für dich! Aber dann auch hier die klassische  Begründung: Du bist da reingefallen, als du klein warst!

Natürlich gibt es auch viele verbale Nachrufe auf Albert Uderzo. Ich beschränke mich darauf, den meines Erachtens besonders treffenden Text von Laurent Joffrin, dem Chefredakteur der Zeitung Libération,  vom 25.3. in freier Übersetzung wiederzugeben:[7]

Ultimatives Paradoxon: Uderzo stirbt zu einem Zeitpunkt, als jede französische Familie ihr Zuhause in ein gallisches Minidorf verwandelt sieht, das von einem der römischen Besatzung ebenbürtigen System der Kontrolle  umgeben ist.  Und er stirbt zu einem Zeitpunkt,  als sich die Vertreter des Staates über die „gallische“ Disziplinlosigkeit der Franzosen in der aktuellen Krise  beschweren. Hier wird  die symbolische Kraft der Figuren deutlich, die der von italienischen Vorfahren abstammende Albert Uderzo  mit seinem aus einer polnisch-jüdischen Familie stammenden  Freund René Goscinny geschaffen hat: Sie prägten ebenso wie Jeanne d’Arc oder Napoleon den französischen Mythos. Die Gallier waren nicht unbedingt so, wie die beiden sie dargestellt haben, und die Franzosen auch nicht. Wie dem auch sei: Beider Talent hat die historische Wahrheit verdunkelt. So bildete sich das Klischee heraus: ein Volk, das eifersüchtig auf seine Unabhängigkeit bedacht ist, hedonistisch und streitsüchtig, locker, gespalten und stolz. Sollen wir uns beschweren? Nicht unbedingt. Damit einher geht auch  eine unterschwellige politische Botschaft. Das Regierungssystem von Abraracourcix ist gutmütig und nachsichtig. Die  Dorfbewohner lieben nichts so sehr, als ihren Geschäften nachzugehen, weit entfernt von der römischen Autorität, die unaufhörlich verspottet wird, geschützt durch diesen Zaubertrank, der ein doppeltes Symbol ist für das  Gesetz  und die  Stärke. Sie stehen für den Widerstand gegen Unterdrückung,  den in der Geschichte des Landes viele geleistet haben:    die rebellischen Bauern, die sich der  königlichen Ordnung  widersetzenden Stadtbewohner,  die  der industriellen Ausbeutung ausgesetzten  Arbeiter, kurz die Dissidenten aller Epochen im Widerstand gegen  Willkür und Tyrannei. Eine Idee von Frankreich, die von einem italienischen Einwanderer verbreitet wurde und die auch eine Idee der Freiheit ist. (Libération, 24.3.2020, S.24)

Nun, wie angekündigt, ein kleiner Rückblick auf die Asterix-Jubiläumsausstellung des Jahres 2009 im Musée Cluny.

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Goscinny und Uderzo beim der Konzeption der Serie. Ein Exponat der Ausstellung

Dass dort die Ausstellung stattfand, war  natürlich eine ganz besondere Ehre, und es hatte offenbar, wie Le Monde berichtete, über dieses Projekt heftige Auseinandersetzungen zwischen den Verantwortlichen gegeben. Dass dann doch das Museum seine Räume für Asterix öffnete, beruhte vor allem darauf, dass auch die Reste der Thermen von Lutetia, dem gallo-römischen Paris, Teil dieses Museums sind. Von diesen Thermen ist das Frigidarium noch ziemlich gut erhalten, ein eindrucksvoller Raum mit 12 Meter hohen Gewölben, der einen grandiosen Eindruck vermittelt von der Monumentalität römischer Architektur selbst in dem für die Römer eher weniger bedeutenden Lutetia. Dort fand damals die Jubiläums-Ausstellung statt.[8]

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Zu diesem Ort passte natürlich eine ausgestellte Originalzeichnung Uderzos vom Besuch der beiden Comic-Helden in den römischen Thermen: Obelix sitzt verdutzt auf dem Beckenboden im Trockenen und  wundert sich, wo nach seinem Bauchplatscher das Wasser geblieben ist. Und während der eine Römer fluchend das Bad verlässt, bewundert der andere  -durchaus auch kein Hänfling-  die beeindruckenden Proportionen des Galliers.

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Ausgestellt war auch die kleine amerikanische Schreibmaschine Keystone Royal, mit der Goscinny für die ersten 24 Alben alles aufgeschrieben hat, was der Zeichner Uderzo dann in Bilder umgesetzt hat: den Handlungsablauf einzelner Szenen, die Dialoge, Regieanweisungen… Da gab es auch das Szenario vom Einmarsch der Römer in Gallien,  der ersten Asterix-Seite: Des soldats romains, marchant en rang. On peut ne voir que leurs jambes, comme dans les documentaires montrant les Allemands entrant en France. (Römische Soldaten, in Reihen marschierend. Man kann nichts sehen außer ihren Beinen, wie in den Dokumentationen, die die Deutschen beim Einmarsch in Frankreich zeigen.)

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Hier wird der zeitgeschichtliche Hintergrund des 1959 geschaffenen „Asterix“ mehr als deutlich: Es ist das Frankreich de Gaulles, das sein Selbstverständnis aus dem Widerstand gegen Nazi-Deutschland bezog. Aber für Uderzo und Goscinny gehörte –ganz anders als damals für das gaullistische Frankreich- dazu auch die Kritik an der Kollaboration, die für das damalige (offizielle) Frankreich kein Thema war: Da begrüßt der Gallier Aplusbegalix auf einer ebenfalls ausgestellten Originalseite die als „geliebte Eindringlinge“ titulierten römischen Offiziere mit zum römischen /Hitler-Gruß erhobener Hand und dem Ruf: „Ave César! Bienvenue à nos envahisseurs bien-aimés !… »

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Und er wird dann auch gleich noch lächerlicher gemacht:  Als er nämlich seine Gäste in sein Haus bittet, wird deutlich, dass es zwar im Stil einer römischen Villa gebaut ist, das Dach aber nicht mit Ziegeln gedeckt ist, sondern mit ziemlich ungehobelten Holzbalken… Und die Gegend, in der das römische Feldzeichen auf der ersten Seite eines Asterix-Heftes mit Gewalt in die gallische Erde gerammt ist, ist das Zentralmassiv mit  der Stadt Vichy, dem Sitz der Kollaborations-Regierung von Marschall Pétain.

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Der Eingang zum Cluny-Museum liegt ziemlich versteckt und das Museum gehört ja auch nicht zu denen, vor denen sich üblicherweise lange Schlangen bilden. Insofern war es  ein schöner Einfall, den Zaun des Museums, der an den belebten Boulevards St.Germain und St. Michel liegt, zu nutzen, um für die Ausstellung zu werben und auch noch einen Beitrag zur kunsthistorischen Bildung zu leisten. Da waren großformatige Bilder befestigt mit jeweils einem klassischen Meisterwerk auf der einen Seite und gleich daneben der entsprechenden  Asterix-Version.

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So  Breughels  Bauernhochzeit und daneben das große gallische Mahl, mit dem ja jedes Asterix-Abenteuer versöhnlich  endet.

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Es gibt auch eine gallische Version von Leonardos berühmter Proportionenstudie nach Vitruv : Statt des wohlproportionierten jungen Manns  ist es hier der dicke Obelix, der den um die ausgebreiteten Arme und Beine geschlagenen Kreis fast ganz ausfüllt. Goscinny hat dazu eine schöne Erläuterung beigetragen:

Proportionsstudie des menschlichen Körpers (nicht nach, sondern) vor Vitruv.  Überraschendes Zeugnis des gallischen Schönheitsideals“

Und natürlich darf auch eine Parodie auf Delacroixs Gemälde „La liberté guidant le peuple“  nicht fehlen. Zunächst die klassische Version, 1830 anlässlich der Juli-Revolution in Paris entstanden und heute im Louvre zu besichtigen.

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Dann die Asterix-Version, bei der Bonnemine mit Besen und Weljerholz (so hieß das bei uns in Darmstadt) die Gallier in den Kampf gegen die Römer führt.

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Das sind die freiheitsliebenden Gallier, die libres, von denen Laurent Joffret in seinem Nachruf auf Uderzo spricht – Teil des nationalen Mythos, zu dem er und Goscinny mit ihrem Asterix einen wunderbaren Beitrag geleistet haben.

Anmerkungen:

[1] https://www.glonaabot.fr/articles-associes/zep-uderzo-cetait-mon-papa-adoptif

[2] Dieses Bild  und die nachfolgenden Abbildungen aus: https://www.lefigaro.fr/bd/albert-uderzo-les-hommages-joyeux-des-dessinateurs-20200325

[3] Libération spricht in seiner Ausgabe vom 26. März von einem „désastre du manque de masques“.

[4] https://www.interieur.gouv.fr/fr/Actualites/L-actu-du-Ministere/Attestation-de-deplacement-derogatoire-et-justificatif-de-deplacement-professionnel

[5] Um Missverständnisse zu vermeiden, möchte ich darauf hinweisen, dass ich selbstverständlich entschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus befürworte. In Frankreich werden die Beschränkungen aber eher formalistisch und nicht inhaltlich-vernünftig exekutiert. Siehe dazu meine entsprechenden Anmerkungen in dem Bericht über Sainte Anne/Martinique im CV-19-Modus. https://paris-blog.org/2020/03/24/sainte-anne-martinique-im-cv-19-modus/

[6] Siehe: Antiviral, antirivaux. Didier Raoult. In: Liberation 25. März 2020 und Didier Raoult, le trublion du Covid-19. In: Le Monde 26.3.2020  und Le Monde, 29./30. März 2020

[7] Hier das Original:  Paradoxe ultime : Uderzo disparaît au moment où chaque famille française voit son logement transformé en mini-village gaulois, enserré par un appareil de contrôle digne de l’occupation romaine. Au moment, aussi, où les autorités se plaignent de l’indiscipline «gauloise» dont feraient preuve les Français. C’est la force symbolique des personnages créés par Albert Uderzo, d’ascendance italienne, avec son compère René Goscinny, né d’une famille juive polonaise : ils ont façonné, autant que Jeanne d’Arc ou Napoléon, le mythe français. Les Gaulois n’étaient pas forcément ce qu’ils en ont dit, pas plus que les Français. Peu importe : le talent a occulté la vérité historique. Ainsi s’est cristallisé le cliché : un peuple jaloux de son indépendance, hédoniste et querelleur, léger, divisé et orgueilleux. Faut-il s’en plaindre ? Pas forcément. Il y a là un message politique subliminal. Le système de gouvernement d’Abraracourcix est bonhomme et indulgent, ces villageois susceptibles n’aiment rien tant que vaquer à leurs affaires loin de l’autorité romaine sans cesse tournée en ridicule, protégés par cette potion magique qui est le double symbole du droit et de la force. Un exemple de résistance à l’oppression, celle que cherchaient, dans l’histoire du pays, les paysans révoltés, les citadins rebelles à l’ordre royal, les ouvriers en butte à l’exploitation industrielle, bref, les dissidents de toutes les époques, rétifs à l’arbitraire et à la tyrannie. Une idée de la France promue par un immigré italien, qui est aussi une idée de la liberté. https://www.liberation.fr/france/2020/03/24/libres_1782956

[8] Aus: https://commons.wikimedia.org/18./

Nachwort

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr als einen oder maximal zwei neue Beiträge pro Monat in diesen Blog einzustellen – um weder mich noch meine Leser/innen zu überfordern. Unter den Bedingungen der Corona-Virus-Ausgangsssperre weiche ich von dieser selbtverordneten Begrenzung ab. (Prominente Vorbilder dafür gibt es ja reichlich). Immerhin werden manche ja jetzt mehr Zeit zum Lesen haben, und was mich angeht: Ich nutze einen Teil der gewonnenen „Freizeit“ für die Beschäftigung mit dem Blog. Das hilft auch etwas über diese schwierigen Zeiten hinweg…  Und kleine Projekte dafür gibt es, wie man sieht, ja genug.

Weitere geplante Beiträge:

  • Die Mauer der Generalpächter, Ledoux und  Lavoisier 
  • Die Mauer der Generalpächter (2): Die vier erhaltenen Torhäuser von Ledoux
  • Pariser Erinnerunsorte an den Holocaust (Einleitung/Fortsetzung) 
  • Das Pantheon: 8. und 9. Mai 2020/ 18./19. September 2020
  • Große Männer und Frauen des Marais: Eine Ortsbesichtigung anhand der Portraits des Street-Art-Künstlers C215 (Teil 1)
  • Der Maler Otto Freundlich. Eine Ausstellung im Musée Montmartre

6 Gedanken zu “Asterix, ein französischer Mythos. Zum Tod von Albert Uderzo

  1. Giselher Hartung

    Zum formalistischen Umgang der französischer Polizei mit den Coronakontrollen habe ich Erheiterndes erlebt. Am 23.03.2020 stoppten mich auf einer Tour von Paris mit dem Velo entlang der Seine in der Höhe von Sèvres 4 Flics und begutachteten kritisch mit erhobenen Augenbrauen die Angaben meiner handgeschriebenen Attestation. In diesem Moment erscheint in der Flußmitte ein StandUp Paddler auf seinem Surfbrett, nur in Bermudas. Mich vergessend wurde er mit Trillerpfeife verwundert zum sofortigen Anlegen befohlen und nach seiner Attestation gefragt. Die Situation nutzend entfernte ich mich, ohne abzuwarten, ob im Paddler – die Sinnhaftigkeit des polizeilichen Handelns in Frage stellend – der gallische Widerstand aufbrechen würde. Nach dem Lesen des Blogs hätte ich sicher das weitere Geschehen mit anderen Augen verfolgt.

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  2. Pingback: Hinter Shutdown und social distancing wächst das Rettende doch! – Bloc notes eines lesenden Europeen

  3. Mathias Müller

    Hallo Wolf,
    vielen Dank für diesen sehr informativen und leider auch sehr aktuellen Beitrag. Wir haben uns trotz des Ernstes der Situation sehr amüsiert. Dabei helfen natürlich momentan diese Karikaturen.
    Deine Selbstbeschränkung solltest du tatsächlich in dieser Zeit aufheben, nachdem die äußeren Beschränkungen unseren Alltag bestimmen. Hoffentlich nicht zu lange!
    Mathias und Jutta
    P.S. Den Beitrag leiten wir gerne an andere Freunde und Freundinnen in Quarantäne weiter.

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