Die Seineufer in Paris: Der schwere Abschied vom (Alp-) Traum einer autogerechten Stadt

Am 21. Februar 2018 hat ein Pariser Verwaltungsgericht geurteilt, dass die Sperrung der voie Pompidou, der Autoschnellstraße auf dem rechten Seineufer, unrechtmäßig sei.  Die Umwandlung dieser Autostraße in eine Fußgängerzone gehörte zu den wesentlichen Projekten der 2014 gewählten Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Schon im Sommer 2016 war die Schnellstraße für Paris plages und eine Ausstellung über die Pariser Klimakonferenz provisorisch stillgelegt worden. Am 26. September 2016 beschloss dann  die  Pariser Stadtverordnetenversammlung  (Conseil de Paris) mit den Stimmen der linken Parteien und der Grünen und gegen den erbitterten Widerstand der rechten Parteien die dauerhafte Umwandlung eines zentralen 3,3 km langen Teilstücks der voie Pompidou zwischen dem tunnel des Tuileries (1er) bis zum bassin de l’Arsenal“ (4e) in eine Fußgängerzone (piétonnisation).  Am 2. April 2017 fand die von den Befürwortern als Meilenstein der Stadtentwicklung gefeierte offizielle Einweihung statt. Die Fußgängerzonen auf beiden Seiten der Seine wurden jetzt offiziell in „Parc rives de Seine“ umgetauft und die Stadtverwaltung rührte dafür kräftig die Werbetrommel. [1]

IMG_9318

Allerdings ging der Beschluss der Stadtverordneten, wie das Verwaltungsgericht feststellte, von unzureichenden und ungenauen Prämissen aus und war nicht hinreichend fundiert, so dass die Schließung nicht rechtens sei.  Die Straße müsse deshalb wieder für den Autoverkehr geöffnet werden.[2]  Für einen deutschen Beobachter ist es schon bemerkenswert, dass in einer Zeit, in der  in Deutschland die Sperrung von Straßen jedenfalls für besonders umweltbelastende Autos auf der Tagesordnung steht und Gerichte entsprechenden Druck machen, es hier in Paris genau umgekehrt ist. Jetzt haben die Gegner des Projekts wieder Oberwasser, aber die Befürworter, allen voran die Pariser Bürgermeisterin Hidalgo, wollen keinen Falls aufgeben.

Das Bündnis „Sauvons les berges“ sammelte in kurzer Zeit 32 500 Unterschriften für die Beibehaltung der Fußgängerzone und rief für den 10. März 2018 zu einer Demonstration auf dem noch gesperrten Seineufer auf.

DSC02735 Manif berges de Seine 10.3 (4)

Anne Hidalgo, hier am Mikrophon, versprach, nicht locker zu lassen und das Projekt der piétonnisation, der Umwandlung der Autostraße in eine Fußgängerzone, auch nach diesem Gerichtsbeschluss dauerhaft zu etablieren. Die Gesundheit der Menschen lasse sich nicht verhandeln, rief sie im Blick auf die hohe Umweltbelastung der Stadt, an der der Autoverkehr einen erheblichen Anteil hat, aus.

Am Rand der Demonstration kamen wir mit einer Passantin ins Gespräch, die von den Auslagen der Bouquinistes an der oberen Kaimauer das Geschehen beobachtete und geradezu hasserfüllt kommentierte. Man sehe doch, was für ein kümmerliches Häuflein von Demonstranten da zusammengekommen sei – nach Angaben der Organisatoren waren es 2000, was aber auch nach unserer Schätzung wohl deutlich übertrieben war. Und die, die da demonstrierten, seien doch nur Pariser BoBos[3] , die sich das Leben in der Stadt leisten könnten.  Die Sperrung der voie Pompidou sei vielleicht gut für die Touristen, aber eine Katastrophe für Pendler; ein Argument, das ich auch schon von meinem im Umland wohnenden Pariser Friseur gehört hatte.  Der Verkehr würde nur nach oben  verlagert, was zu mehr Staus und einer höheren Umweltbelastung führe. Und es waren ja auch Anwohner der am oberen Seineufer gelegenen „Ausweichstraßen“, die gegen die Schließung der voie Pompidou geklagt hatten.

Für mich war diese Demonstration der Anlass, mich etwas näher mit der Geschichte der Pariser Stadtautobahnen entlang der Seine und ihrer Umwandlung in Fußgängerzonen zu beschäftigen. Ich bin allerdings weder Stadtplaner noch Umweltfachmann noch Jurist, sondern ein interessierter Beobachter, dessen Informationen Ergebnis  eines regelmäßigen, wenn auch nicht umfassenden Medienkonsums sind. Und ich bin auch, das soll nicht verschwiegen werden, ein durchaus betroffener, also nicht ganz unparteiischer Beobachter: Ich wohne in Paris, habe als Rentner Zeit und bewege mich in der Stadt vor allem mit dem Fahrrad. Gerade von der Sperrung der nördlich der Seine verlaufenden voie Pompidou  haben wir aufgrund unseres Wohnorts im Nordosten von Paris sehr profitiert. Ich gehöre also zu denen, die hoffen, dass diese Fußgängerzone dauerhaft beibehalten werden kann.

 

  1. Die Voie Pompidou und das Konzept der autogerechten Stadt

Die voie Pompidou ist wesentlicher Bestandteil eines Konzepts, Paris zu einer autogerechten Stadt zu machen. Dieses Konzept hat eine lange Tradition. Der berühmte Architekt Le Corbusier stellte 1925 auf der Exposition internationale des Exposition internationale des Arts Décoratifs seinen „Plan Voisin“ vor, benannt nach und finanziert von dem französischen  Luftfahrtpionier und Autobauer Voisin und entwickelt in engem Kontakt mit den Größen der französischen Automobilindustrie Peugeot und Renault. Dieser Plan sah nicht nur den flächendeckenden Abriss des Marais-Viertels vor, das durch 18 gleichförmige sechzigstöckige Hochhaus-Blöcke „saniert“ werden sollte. Dazu gehörten auch breite Paris zerschneidende und mit der Peripherie verbindende Autoschnellstraßen in nord-südlicher und west-östlicher Richtung und zunächst sogar die Errichtung eines Flughafens mitten in Paris. Das Auto habe die Stadt zerstört, erklärte Le Corbusier, jetzt sei es an der Zeit, dass das Auto die Stadt auch wieder retten müsse. Die verstopften Arterien der Stadt müssten gewissermaßen geöffnet werden. Natürlich sei sein Vorschlag brutal, aber der Städtebau sei eben eine brutale Angelegenheit, weil auch das Leben brutal sei. Albert Speer und dessen aus den Ruinen von Berlin aufzubauendes Germania lassen grüßen.[4]

Le Corbusiers Plan Voisin wurde glücklicherweise nie umgesetzt. Die  Idee,  Paris autogerecht umzugestalten, war  damit aber nicht aufgegeben. Nach dem Krieg wurden (erneut) Pläne entwickelt, Autoschnellstraßen quer und längs durch Paris zu bauen. „Nous voulons faciliter la circulation“, stellte der damalige Präfekt Raymond Haas-Picard im Juli 1964 fest. Das war die Zeit der sogenannten Trente Glorieuses, des französischen Pendants des deutschen „Wirtschaftswunders“. Paris sollte den Anforderungen einer modernen Metropole gerecht werden. Dazu gehörten die Verlängerung von Metro-Linien ins Umland, der Bau von Schnellbahnstrecken (RER), die Paris mit der Peripherie verbinden sollten und der Bau eines neuen Flughafens im nördlichen Umland von Paris. Und dazu gehörten auch neue Autostraßen. Immerhin hatte sich in den Nachkriegsjahren des wirtschaftlichen Wachstums der Autoverkehr in Paris verdoppelt. Also wurde auf dem Gelände der früheren Festungsanlagen die Ringautobahn um Paris gebaut (der sog. Péripherique)[5] und es wurden Pläne zum Bau von Schnellstraßen durch Paris  entwickelt: Dazu gehörte die Idee einer Nord-Süd-Schnellstraße längs durch Paris von der porte d’Aubervilliers zur porte d’Italie. Der Kanal Saint Martin hätte zu diesem Zweck durchgängig zubetoniert werden müssen – der südliche Teil des Kanals war ja schon zu Zeiten des Barons Haussmann zugedeckelt worden, um den in Versailles stationierten Truppen einen ungehinderten Vormarsch zu den potentiell aufrührerischen Stadtteilen im Osten der Stadt zu ermöglichen… [6] Zur Idee, die Stadt autogerecht zu erschließen, gehörten vor allem Schnellstraßen entlang der Seine, um Paris  in wenigen Minuten mit dem Auto  ungehindert durchqueren zu können. Ein erstes 2,3 km langes Teilstück der südlichen Autoschnellstraße wurde in den 1960-er Jahren zwischen dem Institut de France und dem port de Grenelle verwirklicht. Die 1971 eigentlich geplante Weiterführung bis zum pont d’Austerlitz, also vorbei an Notre Dame, scheiterte am erbitterten Widerstand von Anwohnern und wurde 1974 vom damaligen Präsidenten Valérie Giscard d’Estaing (VGE) aufgegeben, ebenso wie das ebenso abenteuerliche Nord-Süd-Projekt.

Aber immerhin: Die 13 Kilometer lange Schnellstraße („voie express“) auf der rechten Seine-Seite zwischen der porte de Saint-Cloud und dem Pont National, wurde am 22. Dezember 1967 von Georges Pompidou, dem damaligen Premierminister, eingeweiht. Pompidou war ein begeisterter Autofahrer und brachte am Steuer seines Porsche 356 manchmal seine Leibwächter zur Verzweiflung, die Mühe hatten, ihm zu folgen. Jetzt hatte er die Genugtuung, diese Schnellstraße entlang der Seine einzuweihen, die denn auch folgerichtig 1975 zu seinen Ehren nach ihm benannt wurde. (Allerdings wohnte Pompidou sehr nobel und verkehrsberuhigt auf der Südseite der Île Saint-Louis, wurde also nicht vom Lärm seiner vielgeliebten voie  express belästigt.)

DSC02899 Parc rive de Seine März 2018 (2)

Auf der Höhe des Hôtel de Ville“ angebrachte Tafel zur Erinnerung an die Umbenennung der „voie expresse rive droite“ in „Voie Georges Pompidou“

Die  Presse überschlug sich geradezu in der Begeisterung über die neue „autoberge“. Ein Reporter des „Parisien libéré“ schrieb einen Tag nach der Einweihung: „Für die Pariser, Opfer der ständigen Verkehrsstaus, ist das zweifellos das schönste Weihnachtsgeschenk.“ Und  der Kollege vom „Figaro“ sprach korrekt laizistisch von einem „cadeau de fin d’année“ der Stadt Paris an die Einwohner der Hauptstadt.  Die neue Ost-West-Achse erlaube, das Zentrum der Hauptstadt mit Hilfe von 7 Unterführungen „ohne eine einzige rote Ampel“ in 6 Minuten zu erreichen.[7] Für uns heute klingt das eher befremdlich:  Das Konzept der autogerechten Stadt, „l’idéal du tout-auto“  der 1960-er Jahre, ist, wie der Figaro 2016 anerkannte, schlicht und einfach überholt.[8]  In Paris geht es jetzt nicht mehr um den Bau von Autoschnellstraßen,  sondern um ein Netz von durchgängigen Fahrradwegen (Réseau express vélo – REVe), auf dem Fahrradfahrer ungehindert und sicher die Stadt von Nord nach Süd und von Ost nach West durchqueren können.[9] Damals aber gehörten die städtischen Autoschnellstraßen zu dem von Pompidou repräsentierten Aufbruch Frankreichs in die Zukunft, so wie  andererseits auch –da hat die Geschichte Pompidou Recht gegeben-  das nach ihm benannte Kunstzentrum, dessen Architekt Renzo Piano damals verhöhnt und verlacht wurde, das heute aber ein fester architektonischer Bestandteil der Stadt ist.

 

  1. Die Verbindung zum Fluss: ein erster Schritt rive gauche

Es war der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë, der die stadtplanerische Umkehr einläutete und im Wahlprogramm für seine zweite Amtszeit (ab 2008) versprach, die Flussufer “zurückzuerobern” (“requonquerir les voies sur berge”). Es sei eine Verirrung, dass “einer der schönsten Orte der Welt” als städtische Autobahn fungiere. Man werde also das Seineufer den Parisern und den “amoureux de Paris” zurückgeben. Damit werde die Umweltbelastung verringert und die Lebensqualität in der Stadt erhöht.[10] Konkret vorgesehen war die Verbannung des Autoverkehrs aus einem 2,3 km langen Teilstück des Seineufers zwischen dem pont de l’Alma und dem pont Royal – vorbei am grandiosen pont Alexandre III, der Assemblée nationale, dem hôtel Salm[11] und dem  musée d’Orsay.

Allerdings stießen diese Pläne auf den erbitterten Widerstand der damaligen Regierung François Fillons, gegen deren  Willen das Projekt nicht durchgesetzt werden konnte: Die Tiefkais der Seine sind im Besitz des Staates. Delanoë sprach deshalb Anfang 2012 von einem “Diktat der Regierung”, die die für dieses Jahr geplante Öffnung des Tiefkais für Fußgänger verhindere.[12] Allerdings gab es dann doch noch 2012 grünes Licht für das Projekt: Im Mai 2012 wurde Präsident Sarkozy abgewählt und François Hollande wurde Präsident, einen Monat später gewannen die Sozialisten auch die Wahlen zur Assemblée nationale und der Sozialist Jean-Marc Ayrault wurde Ministerpräsident.

Jetzt stand der Umsetzung des Projekts nichts mehr im Wege, auch wenn die Opposition dagegen weiter heftig war. Es handele sich, wie die Stadtverordneten der UMP (der bisherigen rechten Mehrheitsgruppierung) kritisierten, um ein Projekt, das im Gegensatz zu den aktuellen ökonomischen und sozialen Realitäten stehe. “Gewaltige Staus, Lärm und Umweltverschmutzung warden bald das Vergnügen einiger Fußgänger verderben und noch etwas mehr die Attraktivität der Hauptstadt beeinträchtigen.” Die Bürgermeisterin des von der Straßensperrung besonders betroffenen 7. Arrondissements, Rachida Dati, beklagte –wohl nicht ganz zu Unrecht- dass keine effektiven alternativen Verkehrmittel vorgesehen seien.  Die Stadtverwaltung wies demgegenüber darauf hin, dass der städtische Autoverkehr zwischen 2001 und 2010 um 25% zurückgegangen sei und dass immerhin ein Raum von 4,5 Hektar für Sport, Kultur und Natur geschaffen werde.[13]

Ein Spaziergang oder eine Fahrradfahrt durch diese aufofreie Zone an einem sonnigen Frühlings-, Sommer- oder Herbsttag zeigt, wie intensiv dieser Raum genutzt wird. Unter anderem, wie man hier sieht, von Kindern, für die viele Spielmöglichkeiten geschaffen wurden.

005

011

…. auch für Erwachsene, die sich hier sportlich betätigen oder erholen können…

012

…etwa  auf den neu angelegten Pontons, den „ jardins flottants“ , auf denen man allerdings nur mit viel Glück einen der begehrten Plätze auf den hölzernen Liegestühlen ergattern kann.

IMG_9877 Berges rive gauche Pontons (1)

Auch Flora und Fauna kehren wieder an das Seine-Ufer zurück.

083

Vor allem ist diese neue autofreie Zone aber bei schönem Wetter und  an Wochenenden eine einzige Feiermeile. Am pont d’Alexandre ist da kaum ein Durchkommen und selbst ein kleines freies Plätzchen am Rand des Flusses zu finden, ist da schwierig. Glücklich kann sich schätzen, wer einen der begehrten Liegestühle am südlichen Brückenkopf ergattern kann. Die „Rückeroberung“ des Flussufers ist also ganz offensichtlich ein großer Erfolg.

 

  1. Die voie Pompidou wird „boulevard urbain

Ein weiteres Projekt des früheren Bürgermeisters Delanoë war die Umwandlung eines 3 Kilometerlangen, auf der Karte gelb markierten  Teilstücks der voie Pompidou auf der rechten Seine-Seite in einen „boulevard urbain“.

carteberges-4d7a6

Hier sollte der Autoverkehr also nicht, wie auf der anderen Seite, völlig verbannt werden. Der Verkehr hier sei hier wesentlich größer mit der Folge möglicher Engpässe und Staus auf den Ausweichstrecken, was nach Einschätzung Delanoës den Erfolg der Bemühungen um Verkehrsberuhigung insgesamt beeinträchtigen könnte.

Paris Plages August 2012 und Baustelle Voie Pompidou 004

Ziel Delanoës war es  also, auf den Tiefkais der rechten Seine-Seite einen Kompromiss zwischen Autoverkehr und nichtmotorisierten Straßennutzern zu schaffen. Dazu dienten die Reduzierung der Straßenbreite zugunsten der Gehwege entlang des Flusses und die Einrichtung von Fußgängerüberwegen und Ampeln zur Geschwindigkeitsreduzierung.[14] Die Messgeräte, die man auf diesem 2012 während der Bauarbeiten gemachten Foto noch sieht, wurden dadurch überflüssig.

Rcelestin-8e10b

Auf dieser Simulation ist die « Koexistenz » von Autos und Passanten veranschaulicht, wie sie seit 2012 auf diesem Teilstück der voie Pompidou herrschte.  Gezeigt ist die zu einer Kneipe umgestaltete Maison des Célestins, wo der Tiefkai besonders breit ist : also eine aus Sicht der Fußgänger besonders schmeichelhafte Perspektive.[15]

 

  1. Die Umwandlung der voie Pompidou in eine Fußgängerzone: eine politische, stadtplanerische, ökologische und juristische Auseinandersetzung

Die Umwandlung des zentralen Abschnitts der voie Pompidou in eine reine Fußgängerzone war von Bertrand Delanoë als zu riskant und problematisch erachtet worden, so dass er sich mit einem „boulevard urbain“ begnügt hatte. Der Hauptgrund für diese Zurückhaltung war wohl das unterschiedliche Verkehrsaufkommen auf beiden Seiten der Seine: Während die Autoschnellstraße rive gauche von etwa 2000 Autos täglich befahren wurde, waren es auf der gegenüberliegenden Seite über 40 000. Damit war die voie Pompidou „eine der meistbefahrenen Strecken der Stadt“.[16] Für Anne Hidalgo, Delanoës vormalige Stellvertreterin und Nachfolgerin, war aber gerade diese Verkehrsdichte eine Aufforderung zum Handeln. Nach dem großen Erfolg der Fußgängerzone auf der südlichen Seine-Seite machte sie die völlige Schließung des bisherigen boulevard urbain zu einem Hauptpunkt ihres Wahlprogramms.[17] Immerhin hatte man ja auch schon positive Erfahrungen mit zeitlich begrenzten Schließungen gemacht: In den Sommermonaten bei Paris plages, an Sonntagen und –unfreiwillig- bei Hochwasser.[18]  Durch die dauerhafte Verbannung der Autos aus der voie Pompidou könnten die Fußgänger von der place de la Bastille bis zum  Eiffelturm entlang der Seine promenieren.[19] Die Lebensqualität in der Stadt erhöhe sich damit beträchtlich, es werde ein wichtiger Beitrag zum Klima- und Umweltschutz geleistet –ein gerade für Paris als  Gastgeberin der Weltklimakonferenz besonders wichtiger Punkt. Und die Bürgermeisterin verwies auch auf die gesundheitlichen Folgen der Pariser  Umweltbelastung:

Rund 2500 Menschen sterben jährlich in Paris an den Folgen derLuftverschmutzung. Der Verkehr generiert 56% der Belastungen durch Feinstaub. Warum also warten?“ (19a)

Allerdings gab es schon im August 2016, also kurz vor dem Umwandlungsbeschluss des Conseil de Paris, ein offizielles Gutachten, in dem die umweltpolitischen Folgen des Vorhabens skeptisch beurteilt wurden. Die Stadtverordneten  konnten sich zwar über dieses Gutachten  hinweg setzen, allerdings war damit klar, dass der Rechtsweg beschritten würde, was dann ja auch geschah. Und deshalb wurde die voie Pompidou zwar für den Autoverkehr geschlossen, die Straße aber nicht –wie auf der anderen Seite- völlig beseitigt. Ein Widerruf der pietonnisation blieb also rechtlich und faktisch eine Option.[20].

DSC03328 An der Seine (2)

Auch auf der nördlichen Seine-Seite war und ist die Umwandlung der Stadtautobahn in eine Fußgängerzone ein großer Publikumserfolg. Seit ihrer Einführung wurde sie nach Erhebungen der Stadt von über 1,5 Millionen Menschen bevölkert[21],  und ähnlich wie am pont Alexandre findet man bei schönem Wetter auch an der maison des Célestins nur schwer ein freies Plätzchen.  Trotzdem war die Sperrung dieses Teilabschnitts der voie Pompidou von Anfang an heftig umstritten und ist es bis zum heutigen Tage. Die Auseinandersetzung darüber hat mehrere Dimensionen, stadtplanerische, ökologische, politische und juristische. Ich möchte das im Folgenden kurz erläutern. (Dazwischen sind einige Bilder vom parc berges de Seine rive droite eingestreut)

DSC02899 Parc rive de Seine März 2018 (9)

DSC03141 Berges de Seine (2)

Der Kern der Auseinandersetzung betrifft, wenn ich das richtig sehe und soweit ich das beurteilen kann, die Stadt- und Regionalplanung. Und dazu gehört auch die Beziehung zwischen der extrem verdichteten Stadt Paris und ihrem weit ausladenden Umland.  Wie also soll die Stadt Paris den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen gewachsen sein, wie soll sie im Blick auf die Zukunft gestaltet werden, gerade auch im Zusammenhang mit der Region, der Métropole?  Welchen Stellenwert haben die in der Stadt arbeitenden Menschen und hat die Arbeit –und zwar welche Arbeit?-  in der Stadt. Wenn unsere oben zitierte Gesprächspartnerin am Rande der Demonstration von 10. März die Sperrung der voie Pompidou als eine Maßnahme bezeichnete, die nur den einheimischen BoBos und den Touristen nütze, aber den in Paris arbeitenden Pendlern aus dem Umland massiv schade, dann ist diese Dimension angesprochen. Paris wird ja manchmal als eine „ville-musée“ bezeichnet[22], in der aufgrund der horrenden Immobilienpreise „Normalverdiener“ keine Wohnperspektive haben: Der durchschnittliche Preis für einen Quadratmeter Wohnraum in Paris nähert sich derzeit den 10 000 Euro an. Das ist auch ein wesentlicher Grund dafür, dass der Anteil von (kleinen) Angestellten und Arbeitern an der Pariser Bevölkerung zwischen 1982 und 2013 von 18,2% auf 6,9% zurückgegangen ist, während der von Akademikern und Führungskräften (cadres) sich in der gleichen Zeit von 24,7% auf 46,4% erhöht hat[23] – eine Fortsetzung des Prozesses der Gentrifizierung, der mit dem großen Stadtumbau des Barons Haussmann im 19. Jahrhundert begonnen hat. Eine Konsequenz ist, dass die Bevölkerung von Paris in den letzten Jahren eher zurückgeht, während die Bedeutung der Stadt als politisches, administratives, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Frankreichs ungebrochen ist. Soll gleichzeitig aber die Rolle des Autos im Stadtverkehr eingeschränkt werden, gewinnt der öffentliche Nahverkehr in der Region Paris immer mehr an Bedeutung. Dass da einiges im Argen  liegt, wird jedem Paris-Besucher schnell bewusst; erst recht erfährt es jeder, der in der Stadt wohnt, am eigenen Leib,  und am meisten diejenigen,  die im Umland wohnen, aber in Paris arbeiten. Le Monde hat sogar einmal von der „tiers-mondisation“ des Pariser öffentlichen Nahverkehrs gesprochen. (9.12.2016, S.23). Das ist ein Aspekt, der bei der aktuellen  Auseinandersetzung ja auch eine zentrale Rolle spielt. Wer den Autoverkehr in der Stadt reduzieren will, muss natürlich auch für umweltverträgliche Alternativen sorgen. Da gibt es derzeit –im Rahmen des Gemeindeverbundes „Grand Paris“ und auch im Blick auf die Olympischen Spiele 2024-  ehrgeizige Pläne und Projekte, wobei der Ehrgeiz  teilweise größer ist als die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel. Als ich jeden Falls meinen Friseur gefragt habe, ob er nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt gelangen könne, lächelte er mich nur nachsichtig an. Immerhin soll es ja Orte im Umland geben, von denen aus man mit öffentlichen Verkehrsmitteln wesentlich längere Zeit in die Innenstadt braucht als von dort mit dem TGV nach Lyon oder Straßburg.

IMG_9708

Insofern ist es nachvollziehbar, dass die politische Auseinandersetzung um die piétonnisation nicht nur zwischen den klassischen Fronten  rechts und links verläuft, die in Frankreich ja sowieso sehr ins Wanken geraten sind, sondern vor allem zwischen Stadt und Umland. Die Gruppe der Liberalen (UDI-Modem) im Pariser Stadtparlament zum Beispiel kritisierte die Schließung der voie Pompidou für den Autoverkehr als eine der üblichen „initiatives unilatérales“ der Pariser Stadtverwaltung und Ausdruck einer Missachtung des Umlands (mépris sur nos concitoyens de la banlieue).[24] Hauptwidersacherin von Anne Hidalgo ist nicht von ungefähr die Präsidentin der Region Ile de France, Valérie Pécresse.   Auch sie beklagt einen Pariser „Egoismus“ und die Rücksichtslosigkeit gegenüber den Bewohnern der Region[25]. In einer Rundfunksendung kritisierte sie, die Schließung der Autostraßen an den Seine-Ufern habe wesentlich weitgehendere Auswirkungen als das von der Marie de Paris behauptet werde. „Vor allem sind von dieser Schließung die Vororte betroffen und Bevölkerungsgruppen, an die niemand gedacht hat.“[26]

Damit spricht Pécresse eine in Frankreich weit verbreitete Stimmungslage an, nämlich das Ressentiment gegen den Moloch Paris, dessen Politiker keine Ahnung von dem hätten, was „draußen im Lande“, in „la France profonde“ passiert bzw. die sich dafür noch nicht einmal interessierten.

  Berges de Seine Okt 2016 IMG_7843

Die hauptsächliche Argumentationslinie der Pariser Stadtverwaltung bei der Schaffung der autofreien Zonen an beiden Seine-Ufern war die Betonung des ökologischen  Nutzens, der Verringerung der Umweltbelastung und damit der Beitrag  für die Lebensqualität und die Gesundheit der Bevölkerung. Da diese Folgen aber nicht unumstritten sind, entwickelte sich daraus eine mit großem Aufwand geführte ökologische Auseinandersetzung, die immer noch im Gange ist.

DSC02928 Le Marquounet Blandine Marz 2018 (7)

Auf dem am pont Marie festgemachten Hausboot le Marquonnet gibt es auf Deck ein Café und unten eine Bar, in der öfters auch Musikgruppen auftreten, hier eine mit unserer Freundin Blandine Dumas

DSC02928 Le Marquounet Blandine Marz 2018 (15)

DSC03038 Konzert Blandine Dumas Nov 2018 (8)

Die große Bedeutung der Ökologie in dieser Auseinandersetzung hat ihren Grund in der massiven    Umweltverschmutzung, unter der Paris leidet.  Dazu nur einige Fundstücke aus der entsprechenden Berichterstattung: 2014 hatte die Wirtschaftszeitung Les Echos Alarm geschlagen:  Unter der Überschrift „Pollution: l’urgence“ wies sie auf die Gefahren der Umweltverschmutzung für die Gesundheit der Menschen hin und warf der Regierung Untätigkeit vor.[27] 2015 berichtete die Zeitung, Paris sei  an einem Tag im März die Stadt mit der größten Luftverschmutzung der Welt gewesen.[28] Le Monde widmete am 8.12.2016 der „pollution à Paris“  seinen Leitartikel und bezeichnete die Stadt als „Pékin-sur-Seine.“ Einer der Hauptverursacher sei das Auto, dessen Gebrauch drastisch reduziert werden müsse.[29]

Die besondere Rolle des Autoverkehrs bei der Pariser Umweltbelastung ist auch darauf   zurückzuführen,  dass in Frankreich der Anteil der Diesel-Autos besonders hoch ist und französische Diesel-_Modelle zum Teil ganz oben in der Verschmutzungs-Skala angesiedelt sind. Frankreich ist deshalb, wie Le Monde im September 2016 schrieb,  « das Paradies der  dreckigen  Autos ».[30]

DSC03146 Berges de Seine

Spalierobst an den Kaimauern

DSC03130 Berges de Seine April 2018 (6)

Der Autoverkehr spielt dabei eine wesentliche Rolle, zumal in Frankreich der Anteil der Diesel-Autos besonders hoch ist und französische Diesel-Modelle zum Teil ganz oben in der Verschmutzungs-Skala angesiedelt sind. Frankreich ist deshalb, wie Le Monde schrieb,  « das Paradies der dreckigen  Autos ».

Dass unter solchen Umständen eine Stadt, die 2015 auch noch Gastgeberin der UN-Klimakonferenz war, nicht untätig bleiben kann, liegt auf der Hand.

004

Zur Reduzierung der Umweltbelastung durch den Autoverkehr hat die Stadt Paris in den letzten Jahren ein ganzes Bündel von Maßnahmen und Programmen beschlossen.

  •   An Tagen mit besonderer Schadstoffbelastung kann eine sogenannte „circulation alternée“   angeordnet werden, das heißt, es dürfen jeweils nur Autos mit entweder gerader oder unge  rader Endnummer auf ihrem  Nummernschild in Paris fahren.[31]
  • An solchen Tagen sind dann auch die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und das Parken von Autos auf sonst kostenpflichtigen städtischen Parkplätzen kostenlos.
  • Die städtischen Busse sollen rasch umweltfreundlich umgerüstet bzw. durch Busse mit Elektroantrieb ersetzt werden. [32]
  • Das Fahrradfahren in Paris soll durch die verstärkte Einrichtung eigener Fahrradspuren auf Kosten des Autoverkehrs gefördert werden- wie derzeit z.B. in der rue de Rivoli oder -für uns besonders interessant- auf den Boulevard Voltaire.  Paris soll –eine etwas großmäulige Ankündigung- sogar  „capitale mondiale de la bicyclette“ werden. [33]
  • Die den Autos vorbehaltenen Verkehrsflächen sollen an zentralen Orten der Stadt reduziert werden, z.B. durch den Umbau öffentlicher Plätze. So wird derzeit gerade auf der place de la Nation die Verkehrsinsel mit Dalous Statue  Der Triumph der Repubblik  deutlich vergrößert und dafür werden die Fahrspuren für den Autoverkehr entsprechend reduziert. Auf der place de la Bastille soll der Platz für den Autoverkehr sogar um 40% verringert werden. [34]

Schon ab 2024 sollen in Paris keine Diesel-Autos, ab 2030  dann überhaupt keine Autos mit Verbrennungsmotoren in Paris fahren dürfen, auch dies vielleicht –gerade in Anbetracht der oben angesprochenen Dominanz der Diesel-Fahrzeuge in Frankreich- eine etwas vollmundige Ankündigung, aber ein deutliches Signal. (35)

DSC03141 Berges de Seine (1)

In diesen Zusammenhang ist auch die von Anne Hidalge vorangetriebene Umwandlung eines Teils der voie Pompidou in eine Fußgängerzone zu sehen. Allerdings sind deren Auswirkungen auf die Umwelt sehr umstritten. Le Monde spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem „Krieg der Zahlen.“[36]

DSC03144 Berges de Seine Reifen

Eine Australierin, die  eiserne Ringe an den Kaimauern umhäkelt- ein privater Beitrag zur Stadtverschönerung, hier -worauf sie ausdrücklich hinwies-in den französischen Nationalfarben.

DSC03130 Berges de Seine April 2018 (7) Reifen

Es gibt nämlich mehrere Gutachten, die die Auswirkungen der pietonnisation untersuchen und beurteilen: Gutachten, die von der Stadt in Auftrag gegeben wurden, andere von der Region Ile-de-France, Und diese Gutachten kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, die jeweils eher im Sinne der Auftraggeber ausfallen. Zu erklären ist das damit, dass die erhobenen Daten sich auf unterschiedliche Zeiten, Wochentage und Bereiche beziehen und bei unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen erhoben wurden. Mit den bisher vorliegenden Studien über die Auswirkungen der Schließung lässt sich nach Darstellung von Le Monde „fast alles bzw. sein Gegenteil beweisen (37). Da kann nun jede Seite sich auf das stützen, was den eigenen Interessen/Intentionen am besten entspricht. Unbestritten, wenn auch wenig überraschend ist immerhin, dass auf dem für den Autoverkehr gesperrten Abschnitt der früheren Autoschnellstraße die Schadstoffbelastung zurückgegangen ist, und das ist ja immerhin ein deutlicher Erfolg. Airparif, die offizielle Instanz zur Messung der Luftqualität in Paris, hat jedenfalls „eine Verbesserung der -Qualität der Luft auf den für den Autoverkehr gesperrten Tiefkais“ festgestellt und dazu auch ein entsprechendes Schaubild veröffentlicht.

voiesurberge-coupe-bati-rue-quai

Folgt man einer Arbeitsgruppe von Studenten der Eliteschule Mines-Paritech, die die Auseinandersetzung als Musterbeispiel eines vielschichtigen städteplanerischen Konflikts untersucht haben, dann ergaben die ersten Untersuchungen, dass der Verkehr durch die Sperrung der voie Pompidou nur verlagert wurde. Durch die dadurch verursachten  Staus sei die Umweltbelastung (einschließlich des Verkehrslärms) sogar noch gestiegen, anders als von der Stadt Paris beabsichtigt.[38] Neuere Untersuchungen deuteten allerdings auf eine kontinuierliche Senkung der Schadstoffbelastung hin (une baisse progressive du niveau  de pollution“). Es gäbe also Anlass zur Hoffnung, dass mit der Anpassung der Autofahrer an die neuen Gegebenheiten die Schadstoffbelastung nachhaltig sinke.[39]

Wie geht es nun nach dem Öffnungsbeschluss des Verwaltungsgerichts weiter? Wie man der Presse entnehmen konnte, ist ein solcher Gerichtsbeschluss unmittelbar wirksam und muss innerhalb von zwei Monaten exekutiert werden. Daran ändert  auch ein  Revisionsantrag  bei der nächsthöheren Instanz nichts, den die  Stadt Paris  angekündigt hat.[40]  Ein solcher Revisionsantrag ist aber durchaus aussichtsreich. Immerhin hat das Verwaltungsgericht nicht grundsätzlich eine pietonnisation für rechtswidrig erklärt. Es hat lediglich festgestellt, dass die gesetzliche Grundlage, auf die sich die Stadt bei ihrem Umwandlungsbeschluss gestützt hat, nicht hinreichend sei. Sie ermögliche zwar eine Schließung zu bestimmten Zeiten, aber keine dauerhafte. Das kann aber nach Auffassung von Verwaltungsjuristen durchaus korrigiert werden. Le Monde zitiert dazu einen entsprechenden Fachmann:

„Diese Angelegenheit ist juristisch einfach. Sie schiebt die Verwirklichung des Projekts auf, aber wenn der politische Wille vorhanden ist, wird die pietonnisation umgesetzt werden können.“[41]

DSC02899 Parc rive de Seine März 2018 (7)

Blick auf die Conciergerie auf der Île de la Cité

Voraussetzung dafür könnte eine neue umfassende Studie über die Auswirkungen des Projekts sein, was aber sicherlich mehrere Monate  dauern  würde.

Allerdings gibt es noch eine einfachere Möglichkeit, die Sperrung beizubehálten, von der die Stadt Gebrauch gemacht hat: Anfang März hat sie erneut in Abstimmung mit dem Staat und dem für Verkehr zuständigen Polizeipräfekten und mit einer „nachgebesserten“ Begründung die Schließung  verfügt. Darin ist von einer Verringerung der Umweltbelastung und der Gesundheitsbeeinträchtigung nicht mehr die Rede.

Stattdessen wird die Bedeutung der Maßnahme für die Attraktivität der Stadt, vor allem auch für Touristen, herausgestellt. Das Seineufer werde durch die pietonnisation geschützt und ästhetisch und touristisch aufgewertet.[42]

DSC02899 Parc rive de Seine März 2018 (25)

Blick vom Seine-Ufer auf die Westspitze der Île Saint – Louis, auf die Kuppel des Seniantheons und auf den Kirchturm von Saint Etienne du Mont

Schließlich gehören die Ufer der Seine seit 1991 zur UNESCO-Liste des Weltkulturerbes und in der aktuellen offiziellen UNESCO-Bewertung wird die endgültige Verbannung des Autoverkehrs aus dem zum Welterbe gehörenden Uferbereich ausdrücklich positiv herausgestellt. Die endgültige Schließung der unter dem UNESCO-Schutz stehenden Ufer auf beiden Seiten des Flusses trage dazu bei, deren Authentizität und Integrität zu bewahren- was in der neuen Begründung der Stadt für die Schließung zwar nicht zitiert, aber wörtlich übernommen wird.[43]

DSC02899 Parc rive de Seine März 2018 (10)

Von den  berges aus kann man am besten die phantastischen Köpfe  (mascarons[44])  des Pont neuf, der ältesten Brücke von Paris,  bewundern.

Allerdings gibt es auch gegen diese neue Verordnung wieder zahlreiche Einsprüche von Anwohnern und Assoziationen. (44a)  Der Rechtsstreit geht also in eine neue Runde, und auch die politisches Auseinandersetzung ist noch im vollen Gange: Ende März hat eine Mehrheit der Pariser Stadtverordneten einen Antrag abgelehnt, mit dem die Pariser Stadtverwaltung aufgefordert werden sollte, alles zu tun, um eine Rückkehr das Autoverkehrs auf dem parc de Seine rive droite zu verhindern. Es gibt zwar eine deutliche Mehrheit für die Schließung, die inzwischen auch von Abgeordneten der Rechten befürwortet wird, aber auch erhebliche Kritik am Vorgehen der Bürgermeisterin, der unzureichende Abstimmung mit den Bürgern der Stadt und des Umlands vorgeworfen wird.[45]

Für die Dauer des Rechtsstreits wird die unwiderrufliche Umwandlung des rechten Seine-Ufers in eine Fußgängerzone entsprechend dem Vorbild auf der gegenüberliegenden Seite sicherlich nicht weiter vorangetrieben werden können, aber eine Rückkehr zum früheren  Zustand  ist, soweit ich das den Medien entnehmen kann, nicht vorstellbar. Hier gilt also offenbar das Sprichwort: „Aufgeschoben ist nicht Aufgehoben“. Wenn also auch die Straße immer noch vorhanden und theoretisch von Autos befahrbar ist, wird sie wohl  auch in Zukunft nur Fahrradfahrern, Joggern  und Skatern zur Verfügung stehen. „Und das ist auch gut so“, um ein geflügeltes Wort von Klaus Wowereit zu zitieren, dem ehemaligen Bürgermeister von Berlin, der Partnerstadt von Paris…

Abgeschlossen am 24.3.2018    W.J.

Ergänzung Oktober/November 2018: 

Das als Berufungsinstanz angerufene Verwaltungsgericht  annulierte am 22. Oktober die ursprüngliche, auf Umweltgesichtspunkte gestützte Schließungsverfügung der Voie Pompidou und bestätigte damit das Urteil der ersten Instanz. (siehe Le Monde, 24. Oktober 2018: La Cour administrative d’appel a annulé le premier arrêté de piétonnisation).

Am 25. Oktober bestätigte dann allerdings der cour administratif die zweite auf touristische und architektonische Aspekte gestützte Schließungsverfügung der Stadt Paris. Die voie sur  berges werden also für den  Autoverkehr gesperrt bleiben. (siehe Le Monde, 25.10. 2018: „Les Parisiens (et les touristes)  vont pouvoir déambuler à pied, à vélo, à rollers, à trotinette ou en poussette sur les berges  de la rive droite de la Seine“)

Zwar kann auch gegen dieses Urteil Berufung eingelegt werden, aber die Erfolgschancen scheinen wohl gering zu sein, zumal inzwischen die Schließung der voie Pompidou für den Autoverkehr von einer Mehrheit der Pariser Bevölkerung unterstützt wird. „Nous avons gagné la bataille culturelle sur ce sujet essentiel“, wie ein Pariser Stadtrat feststellt. Selbst die Vertreter der Opposition im Pariser Stadtparlament forderten inzwischen  nicht mehr die Öffnung der berges für den Autoverkehr.  (Le Monde, 24.10.18)

Wie sehr und selbstverständlich  die ehemalige voie Pompidou inzwischen zum Leben der Pariser Bevölkerung gehört, zeigte sich übrigens im November 2018, als die über 90 000 Blumen, die am 11. November zur Erinnerung an die im ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Stadt den Platz vor dem Hôtel de Ville bedeckt hatten, auf der jetzigen Fußgängerzone an der Seine verschenkt wurden – ein wunderbares  Volksfest.

DSC03031 Végétalisons Paris

DSC03032 Blumenverkauf 11. nov

DSC03030

Anmerkungen:

[1] https://www.latribune.fr/entreprises-finance/services/transport-logistique/le-conseil-de-paris-valide-la-pietonisation-des-voies-sur-berges-hidalgo-jubile-602152.html

https://www.evous.fr/berges-de-seine-Paris-pietons-acces-activites-pratique-1177710.html#ab067GGzhRfcHR4M.99

https://www.paris.fr/rivesdeseine/arnaud-seite

[2] https://www.lesechos.fr/politique-societe/regions/0301330628952-paris-la-justice-annule-la-fermeture-des-voies-sur-berge-rive-droite

http://www.leparisien.fr/paris-75/pietonnisation-des-berges-a-paris-le-tribunal-annule-l-arrete-21-02-2018-7571961.php

[3] Das sind die sogenannten Bourgeois-Bohémiens, zu denen z.B. wohlhabende Kreative und die junge Elite des Informationszeitalters gehören. Von ihnen war  in diesem Blog schon mehrfach die Rede war, weil sie sich gerne in pittoresken Nischen alter populärer Viertel wie Belleville (https://wordpress.com/post/paris-blog.org/2092), dem Goutte d’Or (https://wordpress.com/post/paris-blog.org/1077 )oder dem Faubourg Saint-Antoine (https://wordpress.com/post/paris-blog.org/32 )niederlassen.

[4] http://immobilier.lefigaro.fr/article/quand-le-corbusier-voulait-detruire-paris_2ebe1af0-215f-11e5-ab3a-648d85cc7f54/  und  Ces projets fous auxquels Paris a  échappé In: Le Parisien 11.3.2018, S. 28

https://fr.wikipedia.org/wiki/Plan_Voisin

Zu den Affinitäten le Corbusiers zum Faschismus siehe: https://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article141096303/Le-Corbusier-war-der-Faschist-des-rechten-Winkels.html

https://www.franceculture.fr/emissions/les-idees-claires/le-corbusier-et-l-architecture-totalitaire

[5]  Siehe den Blog-Beitrag zur Cité Universitaire https://wordpress.com/post/paris-blog.org/3848

[6] Siehe den Blog-Beitrag über den Faubourg Saint-Antoine, das Viertel der Revolutionäre: https://wordpress.com/post/paris-blog.org/102

[7] La traversée de Paris en treize minutes.  In: Le Parisien 11.3.2018, S. 28

Wiederabdruck des Figaro-Artikels vom 22.12. 1967: http://www.lefigaro.fr/histoire/archives/2016/09/23/26010-20160923ARTFIG00337-voies-sur-berges-le-22-decembre-1967-pompidou-traverse-paris-en-13-minutes.php

[8] Le Figaro vom 23.9. 2016 a.a.O.

[9] Ein erstes Teilstück auf der rue de Rivoli wurde im März 2018 eingeweiht.

[10]  „Permettre à Paris de retrouver sa relation au fleuve“.  „Il ne s’agit pas de punir mais de diminuer la circulation et de donner une occasion de bonheur“. Zitate aus: http://www.paris.fr/politiques/berges-de-la-seine/l-amenagement-de-la-rive-droite-vote-au-conseil-de-paris/rub_9766_actu_115250_port_24314

https://www.lexpress.fr/actualite/societe/paris-delanoe-ferme-a-la-circulation-les-quais-rive-gauche_1214090.html

[11] Zum hôtel de Salm siehe den Blog-Beitrag über den cimetière de Picpus: https://wordpress.com/post/paris-blog.org/1828

[12]http://www.evous.fr/spip.php?page=article&id_article=1176640?utm_source=MailHebdo&utm_medium=Arrd  vom 30. Mai 2012

[13] https://www.lexpress.fr/actualite/societe/paris-delanoe-ferme-a-la-circulation-les-quais-rive-gauche_1214090.html  vom 28. Januar 2013

[14] https://www.evous.fr/Voies-sur-berges-pietonnes-a-Paris-la-mairie-de-Paris-vous-repond,1176640.html#xl2oDIxST0JuADRu.99

https://www.lexpress.fr/actualite/societe/paris-delanoe-ferme-a-la-circulation-les-quais-rive-gauche_1214090.html  vom 28. Januar 2013

[15] https://www.evous.fr/berges-de-seine-Paris-pietons-acces-activites-pratique-1177710.html#Dy0D6GaYuZmfPMVS.99 (dieser Quelle ist auch die oben abgebildete Karte entnommen)

[16] https://www.lexpress.fr/region/ile-de-france/pietonnisation-a-paris-des-voies-sur-berges-de-seine-rive-droite_1834895.html

Zitat aus Der Spiegel,  Nr. 10 vin 3.3.2018, S.16

[17] http://www.lemonde.fr/municipales/article/2013/12/08/municipales-a-paris-les-grands-axes-du-programme-d-anne-hidalgo_3527502_1828682.html

[18] Siehe den Blog-Beitrag: Hochwasser in Paris.  https://wordpress.com/post/paris-blog.org/1481

[19] https://www.parisinfo.com/decouvrir-paris/tourisme-durable-a-paris/le-nouveau-parc-rives-de-seine

(19a) Zitiert in Der Spiegel, a.a.O. (s. Anm. 16)

[20] http://www.lemonde.fr/planete/article/2018/02/22/fermeture-des-voies-sur-berge-a-paris-trois-questions-pour-comprendre-la-decision-de-justice_5261075_3244.html#Lwmij0moXt3klWFO.99

[21] C News 23. März 2018, L’info en plus, S. 6

[22] https://www.lexpress.fr/actualite/societe/paris-ville-musee_483410.html

[23] La ‚sécession‘ des citoyens les plus aisés. L’érosion de la mixité sociale menace le modèle républicain, selon und étude de la Fondation Jean-Jaures. In: Le Monde 22.2.2018, S. 7

Dazu kommt, dass  erhebliche Anteile des innerstädtischen Wohnraums dem Wohnungsmarkt überhaupt nicht zur Verfügung stehen: Durch kurzfristige Vermietung an Touristen kann man noch höhere Gewinne erzielen und manche Wohnungseigentümer erlauben sich einen völligen Leerstand, weil sie auf noch höhere Preise spekulieren.

[24] Tribune der Gruppe UDI-Modem  im Conseil de Paris. In: À Paris. Le magazine de la ville de Paris. Printemps 2018, S. 32

[25] https://www.ouest-france.fr/ile-de-france/paris-75000/pietonnisation-des-voies-sur-berges-paris-valerie-pecresse-en-appelle-l-etat-5612202

[26]http://www.lemonde.fr/planete/article/2016/11/18/circulation-a-paris-la-guerre-des-chiffres_5033430_3244.html

[27] http://www.lesechos.fr/economie-france/dossiers/0203377439395-pollution-lurgence-1043714.php

[28] https://www.lesechos.fr/19/03/2015/lesechos.fr/0204237490595_paris–ville-la-plus-polluee-au-monde-mercredi.htm

[29] http://www.lemonde.fr/idees/article/2016/12/08/pollution-a-paris-des-faux-airs-de-pekin-sur-seine_5045612_3232.html

[30]http://www.lemonde.fr/economie/article/2016/09/19/quelles-sont-les-marques-diesel-les-plus-polluantes-en-europe_5000171_3234.html

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/09/23/ausstieg-nicht-moeglich-frankreich-wird-fuer-den-diesel-kaempfen/ :

„In Deutschland, einem Land mit niedrigen Dieselanteil bei den PKW, beträgt der Dieselanteil an der gesamten Jahresfahrleistung des Straßenverkehrs rund 54 Prozent, in Frankreich, dem Land mit dem wohl höchsten Anteil von 81 Prozent.“

[31] http://www.lefigaro.fr/automobile/2014/03/16/30002-20140316ARTFIG00191-la-circulation-alternee-une-mesure-a-l-efficacite-controversee.php Allerdings kann diese Maßnahme nur mit Zustimmug der Regierung und des Polizeitpräfekten angeordnet werden, was durchaus konfliktträchtig ist. Siehe : http://www.lepoint.fr/politique/circulation-alternee-royal-ne-veut-pas-confondre-vitesse-et-precipitation-21-03-2015-1914744_20.php

[32]http://www.leparisien.fr/economie/les-bus-electriques-s-imposent-en-ville-12-03-2018-7603257.php 

[33] http://www.france24.com/fr/20170904-reportage-paris-revolution-velo-reseau-express-pollution-hidalgo-cycliste-piste-cyclable

[34] https://www.paris.fr/actualites/reinventons-la-nation-4701

s.a. Bientôt une presqu’île pietonne à la Bastille. In: À Paris. Le magazine de la ville de Paris. Printemps 2018, S. 8

https://www.paris.fr/services-et-infos-pratiques/urbanisme-et-architecture/projets-urbains-et-architecturaux/reinventons-nos-places-2540

[35]https://www.lexpress.fr/actualite/societe/environnement/fin-des-voitures-essence-a-paris-en-2030-un-objectif-realiste_1951663.html

Siehe auch: Paris vise la neutralité carbone en 2050. In: Le Monde, 23.3.2018, S. 6

[36] http://www.lemonde.fr/planete/article/2016/11/18/circulation-a-paris-la-guerre-des-chiffres_5033430_3244.html

[37] http://www.lemonde.fr/planete/article/2018/02/22/fermeture-des-voies-sur-berge-a-paris-trois-questions-pour-comprendre-la-decision-de-justice_5261075_3244.html#Lwmij0moXt3klWFO.99

[38] Siehe: http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2016/11/16/01016-20161116ARTFIG00382-voies-sur-berge-le-rapport-qui-denonce-l-explosion-des-embouteillages-a-paris.php

https://www.lexpress.fr/region/voies-sur-berges-a-paris-un-an-apres-les-embouteillages-se-sont-aggraves_1962465.html  (21.11.2017)

[39] http://controverses.minesparistech.fr/public/promo16/promo16_G26/www.controverses-minesparistech-6.fr/_groupe26/indexec34.html?page_id=165  Zusammenfassende Beurteilung:

„Les premiers impacts de la piétonnisation des berges rive droite allaient donc à l’opposé des souhaits de la ville. Les derniers résultats montrent toutefois que les comportements commencent à changer

Nach Angaben der Stadt hat der Automobilverkehr in Paris 2017 gegenüber dem Vorjahr um 4,8% abgenommen. (À Paris. Magazine de la ville de Paris. Printemps 2018, S. 4)

[40] https://www.lexpress.fr/actualite/societe/les-voies-sur-berges-vont-elles-rouvrir-malgre-l-annulation-de-la-pietonnisation_1987084.html

[41] Zit. http://www.lemonde.fr/planete/article/2018/02/22/fermeture-des-voies-sur-berge-a-paris-trois-questions-pour-comprendre-la-decision-de justice_5261075_3244.html#Lwmij0moXt3klWFO.99

[42) Pour la mairie, „l’accès des véhicules à moteur compromet la protection du site“, ainsi que „la valorisation du site à des fins esthétiques et touristiques“, alors que „la tranquillité de l’espace public et le caractère apaisé de la circulation“ sont désormais des „facteurs déterminants dans le choix d’une destination par les touristes“. https://www.francetvinfo.fr/meteo/particules-fines/pietonnisation-des-voies-sur-berges-a-paris-anne-hidalgo-a-signe-un-nouvel-arrete_2646238.html

Siehe auch: Voies sur berge: Hidalgo persiste et signe un nouvel arrêté. In: Le Figaro, 9.3.2018

[43]  „ La suppression définitive de la circulation automobile sur les quais bas dans la quasi-totalité des limites du bien, depuis 2014 sur la rive gauche et 2016 sur la rive droite, dans le cadre de l’aménagement des berges de la Seine, contribue à préserver son authenticité et son intégrité.“     http://whc.unesco.org/fr/list/600/

[44] http://www.carnavalet.paris.fr/fr/collections/mascaron-du-pont-neuf

(44a) http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2018/05/06/01016-20180506ARTFIG00161-voies-sur-berge-a-paris-pluie-de-recours-contre-anne-hidalgo.php

[45] Les berges de Seine enflamment le débat. In: C News. 23.3.2018, S.6

 

Geplante Beiträge:

  • Street-Art in Paris (2):  Mosko, Jef Aérosol und Jerôme Mesnager
  • 50 Jahre 1968: Plakate der Revolte. Eine Ausstellung in der École  des Beaux- Arts in Paris
  • Auf dem Weg nach Paris: Die Mühle von Valmy, ein Fanal der Französischen Revolution
  • Street-Art in Paris (3):  Der Invader
  • Street-Art in Paris (4): M Chat, Miss Tic und Fred le Chevalier

Das Pantheon der großen (und der weniger großen) Männer und der wenigen großen Frauen (1): Das Pantheon der Frauen

Der Blog-Beitrag über das Pantheon besteht aus zwei Teilen: in dem einem geht es um die wechselhafte Geschichte des Baus und die großen und weniger großen Männer, die dort von dem dankbaren Vaterland geehrt werden; in dem anderen um die wenigen Frauen, denen die Ehre zu Teil wurde, ins Pantheon aufgenommen zu werden,, und um die möglichen weiteren, die für eine solche Ehrung infrage kommen könnten. Was die Reihenfolge betrifft: Wenn man es schon beklagt, dass Frauen im Pantheon sträflich zu kurz kommen, dann sollen sie auf diesem Blog wenigstens den Vortritt haben. Beginnen wir also mit den Frauen im Pantheon!

Dass das Pantheon ein Frauenproblem hat, zeigt schon ein flüchtiger Blick auf die Statistik: In der aktuellen Liste (Stand Anfang 2018) der im Pantheon von Paris bestatteten Personen findet sich folgende Angabe:

 Il y a à ce jour 76 Grands Hommes (72 hommes et 4 femmes) panthéonisés.[1]

Diese Angabe ist nicht nur in geschlechtsspezifischer Hinsicht bezeichnend, sondern auch sprachlich bemerkenswert. Mit den „Grands Hommes“ sind hier nicht nur Männer gemeint, sondern geschlechtsneutral Personen, wie die anschließende Differenzierung zeigt. Das ist politisch korrekt, historisch weniger. Denn als die Nationalversammlung 1791 beschloss, die der heiligen Genovefa geweihte Kirche zu einer Ehrenhalle für die „grands hommes“ umzuwandeln, hatte man dabei an Frauen  keineswegs gedacht.[2]

IMG_3442

Dass einmal Frauen ins Pantheon einziehen könnten, lag auch noch außerhalb der damals vorherrschenden Vorstellungen, als David d’Angers von 1830 – 1837 das Relief im Giebeldreieck des Pantheons schuf. Es gibt dort zwar drei Frauengestalten: In der Mitte stehend die Allegorie Frankreichs, die Lorbeerkränze verteilt, und rechts und links von ihr die Personifizierungen der Freiheit (la Liberté) und der Geschichte, die auf ihrer Tafel die Namen der „grands hommes“  einschreibt, von denen einige auf dem Relief  zu sehen sind– eine Frau ist allerdings nicht dabei.[3]

Fronton_du_Pantheon

Gipsmodell aus dem Museum Angers

Immerhin hat es nach dem Gründungsbeschluss von 1891 noch 116 Jahre, also bis 1907,  gedauert, bis die sterblichen Überreste einer Frau ins Pantheon überführt wurden. Die erste Frau, der diese Ehre zu Teil wurde, war Sophie Berthelot. Als ich vor einigen Jahren das Pantheon besuchte, wurde sie noch auf einer neben dem Grabmal beigefügten Informationstafel als Scientifique bezeichnet. Allerdings war sie keineswegs Wissenschaftlerin, sondern sie hat die  Pantheonisierung ihrem Mann, dem Chemiker Marcellin Berthelot, zu verdanken, der nun in der Tat ein bedeutender Wissenschaftler war. Die beiden Ehegatten hatten aber darum gebeten, nicht im Tode voneinander getrennt zu werden und diesem Wunsch wurde stattgegeben[4]. Verständlich ist das, wenn man bedenkt,  dass Marcellin Berthelot verstorben ist, kurz nachdem er vom Tod seiner Frau  erfuhr.

DSC02483 Pantheon Marie Curie Februar 2018 (19)

Inzwischen wurden die Tafeln an den Grabmälern durch Bildschirme ersetzt und da wird der wahre Grund für die Pantheonisierung von Sophie Berthelot genannt. (Auf der Wikipedia-Liste der im Pantheon bestatteten Menschen wird sie allerdings weiterhin als „scientifique“ geführt.[5])

 

Marie Curie im Pantheon

Dass allerdings Sophie Berthelot nicht wirklich „zählte“, wurde aus dem ebenfalls inzwischen geänderten Begleittext zum Grabmal von Marie Curie deutlich. Dort stand noch Anfang der 1990-er Jahre,  sie sei auf Antrag des Präsidenten François Mitterrand am 20. April 1995 als erste Frau unter die „grands hommes du Panthéon“ aufgenommen worden.[6] Das stimmte und stimmt so natürlich nicht, so dass das auf dem modernen Bildschirm nicht mehr zu lesen ist. Aber es  stimmt, dass es sage und schreibe 204 Jahre gedauert hat,  bis eine Frau aufgrund ihrer eigenen Verdienste ins Pantheon aufgenommen wurde: Und dafür musste man dann offenbar schon doppelte Nobelpreisträgerin sein![7]

Marie Curie braucht man hier nicht vorzustellen. Sie ist bekannt und wird –wie auch Chopin- von Frankreich und auch von Polen geehrt, wie das Blumengesteck auf ihrem Sarkophag im Pantheon zeigt.

Pantheon Curie Juli 2010 034

Durch eine von November 2017 bis März 2018 im Pantheon gezeigte Ausstellung über Marie Curie –Anlass war ihr 150. Geburtstag- habe ich allerdings Interessantes und für mich Neues über ihre Persönlichkeit, ihre Arbeit und ihr Engagement erfahren.

DSC01804 Marie Curie Ausst. pantheon (1)

So meldete sie trotz vieler wegweisender Entdeckungen kein einziges Patent an. Sie war nämlich davon überzeugt, dass die Fortschritte der Wissenschaft ungehindert der ganzen Menschheit zu Gute kommen sollten. Und in den 1920-er Jahren engagierte sie sich im Rahmen des Völkerbunds für den internationalen wissenschaftlichen Austausch.  Auch ihr Engagement für die Menschen bestimmte zeitlebens ihre Arbeit: Die Möglichkeiten einer medizinischen Nutzung ihrer Forschungen interessierten und motivierten sie sehr. Im Ersten Weltkrieg entwickelte sie  einen Röntgenwagen und erwarb den Führerschein, um ihn zu den Verwundeten hinter die Front zu bringen. Und in ihrem Radium-Institut förderte sie in den 1920-er Jahren ganz bewusst Frauen und ausländische Studierende und Forscher. Die Widerstände, die sie zu überwinden hatte, waren  aber auch beträchtlich: Sie kam ja nur deshalb nach Frankreich, weil  sie als Frau nicht zum Studium an der Warschauer Universität zugelassen wurde.

DSC02483 Pantheon Marie Curie Februar 2018 (30)

Zwar durfte sie als „Madame Pierre Curie“  am 12. Februar 1910 das Titelblatt der Zeitschrift „Les Hommes du Jour“ (No 180) zieren, aber ein Jahr später wurde ihr nach einer heftigen „bataille académique“ die Aufnahme in die französische Akademie der Wissenschaften verweigert, weil dort –nach Auffassung der Mehrheit der Akademiker- eine Frau keinen Platz  hatte, wie in der Ausstellung dokumentiert wird.[8] Insofern konnte es kaum eine geeignetere Wahl für eine große Frau unter den großen Männern geben als sie.

Das Musée Curie

Wenn die Ausstellung m Pantheon auch schon beendet ist: Ein Besuch im dem kleinen Musée Curie lohnt auf jeden Fall. Es ist im ehemaligen Laboratorium der Curies untergebracht und liegt nur wenige Gehminuten vom Pantheon entfernt in der rue Pierre et Marie Curie.[9]  Man kann dort  das (einem Außenstehenden wie mir äußerst bescheiden erscheinende) Labor und den Schreibtisch sehen, an dem Marie Curie von 1914- 1934 arbeitete.

DSC02612 Musee Curie (7)

Es gibt auch eine Reihe von interessanten  Ausstellungsstücken. Zum  Beispiel den Behälter aus Blei und Akazienholz und die 10 Glasröhrchen (en verre de Thuringe de 0,27 mm d’épaisseur), die das 1 Gramm Radium enthielten, das Marie Curie 1921 von dem amerikanischen Präsidenten Warren G. Harding  überreicht wurde.

DSC02612 Musee Curie (9)

Ziemlich bizarr sind einige Ausstellungsstücke aus den „années folles du radium“ (aus dem Begleittext), als das  Radium in zahlreichen Gebrauchsgegenständen verwendet wurde, zum Beispiel von der Uhrenindustrie als Leuchtmittel für Uhrzeiger (bis in die 1950-er Jahre) oder von der pharmazeutischen Industrie für Salben gegen Sonnenbrand und als Schönheitsmittel. Besonders verbreitet war offenbar die Kosmetik-Marke „Tho-Radia“, deren Salben und Seifen „auf der Basis von Thorium und Radium“ (Eigenwerbung) hergestellt wurden, und zwar „nach den Rezepten des Dr. Alfred Curie“. Dieser Name war sicherlich ein höchst wirksames, gleichzeitig aber auch unverschämtes Marketing-Instrument:  Dieser Arzt hatte nämlich mit Marie und Pierre Curie nicht das Geringste zu tun, es gab also keinerlei verwandtschaftliche, geschweige denn professionelle Beziehungen. Das wurde in der Werbung natürlich verschwiegen.

DSC02612 Musee Curie (4)

Zu dem Museum gehört auch der kleine Garten, den Marie Curie  selbst als  Ort der Erholung und des Austauschs hinter ihrem Institut eingerichtet hat. Der Garten wurde aus Anlass des 150. Geburtstages  im November 2017 als „Jardin Marie Curie“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dazu gehört auch ein Denkmal mit den Büsten von Marie und Pierre Curie.

DSC02612 Musee Curie (2)

Gewohnt hat übrigens Marie Curie auf der Südseite der Île  Saint Louis (Quai de Béthune 36) im Blick auf das Pantheon. Später hat dort auch der (Mit-)Initiator und (Mit-)Autor der UN-Menschenrechtserklärung von 1948 und Friedensnobelpreisträger René Cassin gewohnt, dessen sterbliche Überreste ebenfalls im Pantheon ruhen. Wie wunderbar das zusammenpasst!

DSC01230 Atelier Camille Claudel (6)

Des femmes au Panthéon!/Frauen ins Pantheon!

Dass es bei Marie Curie als einziger ihrer Verdienste wegen pantheonisierten Frau nicht bleiben kann, war allerdings schon 1995 klar. Und es bedurfte ja auch nicht erst der Frauenbewegung, um die einseitig männliche Ausrichtung des Pantheons zu kritisieren.  Karl Gutzkow, ein prominenter Vertreter der vorrevolutionären jungdeutschen Bewegung, veröffentlichte 1842 seine Briefe aus Paris. Darin bezieht er sich auch auf das Pantheon. Er schreibt:

 „Ich wollte … heute das Pantheon sehen, das die Franzosen der Unsterblichkeit gewidmet haben. Aux grandes hommes la patrie reconnaissante. Man muss bergaufsteigen, um in die Nähe der Unsterblichkeit zu kommen. … Auch aux grandes femmes hätte man es der Genoveva zu Liebe widmen sollen. Die heilige Dulderin würde Charlotte Corday mit ihrem Geisterkuss begrüßt haben.[10]

Gutzkow macht also  gleich einen Vorschlag, welche Frau er des Pantheons würdig erachtet, nämlich Charlotte Corday, die mit der Ermordung Marats der jacobinischen Schreckensherrschaft ein Ende zu machen versuchte, die aber unter der Guillotine endete.

Es dauerte allerdings noch sehr lange, bis eine breite und lautstarke Bewegung für eine Aufnahme von Frauen ins Pantheon entstand. Eine wichtige Stimme in diesem Sinne war die von Simone Veil, einer Frau des Widerstands und der ersten Präsidentin den Europarlaments. 1992 – damals war sie französische Ministerin- sagte sie in einer Rundfunksendung:

kxtWP Simone Veil

Dass es keine Frau im Pantheon gibt, heißt zu leugnen, was Frauen in der Vergangenheit zum Vaterland beigetragen haben.

Die drei Jahre später erfolgte  und längst überfällige Pantheonisierung  einer Frau (aufgrund eigener Verdienste), nämlich von Marie Curie, durch Präsident Mitterand war dann gewissermaßen ein Meilenstein, weil sie  zeigte, dass tatsächlich zu den „grands hommes“ auch Frauen gehören könnten. Und es entwickelte sich nun auch eine Debatte, welche weiteren Frauen ins Pantheon aufgenommen werden sollten.

Es waren vor allem feministische Gruppen, die entsprechende Vorschläge unterbreiteten.  Unter der Überschrift Aux grandes femmes la patrie reconnaissante schlug zum Beispiel  das  Collectif femmes au Panthéon insgesamt 16 Frauen für eine Pantheonisierung vor.[11] Darunter waren die Schriftstellerinnen Simone de Beauvoir, Colette und George Sand, die Bildhauerin Camille Claudel, die Pilotin Hélène Boucher, die 1934 zur „schnellsten Frau der Welt“ wurde, und mehrere Widerstandskämpferinnen gegen den Faschismus, u.a.  die Ethnologin Germaine Tillon.  Bemerkenswert waren in dieser Liste auch –und vor allem-  drei Namen von Frauen, deren politisches Engagement besonders umstritten war und die dafür einen hohen Preis bezahlen mussten:

  • Louise Michel, die Heldin der Pariser Commune, die nach deren Niederschlagung nach Neu-Caledonien verbannt wurde.

450px-Square_Louise-Michel,_Paris_2006

  • die Mulattin Solitude, eine Streiterin gegen die Sklaverei in Guadeloupe. Sie wurde 1802 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ihr Vergehen: Sie hatte sich gegen die von Napoleon verfügte Wiedereinführung der Sklaverei in den karibischen Kolonien Frankreichs zur Wehr gesetzt.[12]

IMG_6804

  • Olympe de Gouges, die es gewagt hatte, 1791 eine „Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne“, also eine Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin, zu verfassen und – auch deswegen- 1793, im Jahr des jacobinischen Terrors,  guillotiniert wurde.[13]

crqps6qumaa2_vw Olympe de Gouges

Die Frau hat das Recht,  das Schafott zu besteigen; sie muss ebenso das Recht erhalten,

auf die Rednertribüne steigen.

Ein entscheidender Schritt zu einer weiteren Öffnung des Pantheons erfolgte unter der Präsidentschaft François Hollandes. Hollande beauftragte nämlich 2013 das Centre des monuments nationaux (CMN), zu dessen Zuständigkeiten auch das Pantheon gehört, Vorschläge zur Pantheonisierung zu machen und  den Franzosen die Möglichkeit zu geben, sich an entsprechenden Überlegungen zu beteiligen.[14] Im Oktober 2013 legte der Präsident des CMN, Belaval,  dem Staatspräsidenten den angeforderten Bericht mit dem anspruchsvollen Titel „Pour faire entrer le peuple au Panthéon“ vor.

IMG_3462

Das Volk im Pantheon. Installation während der Bauarbeiten an der Kuppel

IMG_1054

Es sollte, wie der Titel anzeigt, darum gehen, das Pantheon zu einem Ort zu machen,  mit  dem „das Volk“ sich identifizieren kann, den es also –trotz aller Sterilität und Monumentalität des Baus- auch gerne betritt. Und natürlich sollten die anstehenden Pantheonisierungen solche Identifikationen ermöglichen und fördern. Allerdings verzichtete Bélaval darauf, eine „top-10-Liste“ oder dergleichen zu erstellen.  Aber er gab doch eine deutliche Richtung vor: Als nächstes sollten „Frauen des 20. Jahrhunderts“ ins Pantheon aufgenommen werden, die sich durch ihren Mut und ihr republikanisches Engagement ausgezeichnet hätten. Bélaval schlug also  ausdrücklich vor, dass Hollande aufgrund des starken Ungleichgewichts von Männern und Frauen während seiner Amtszeit nur Frauen pantheonisieren sollte. Und es sollte sich um Frauen des 20. Jahrhunderts handeln: Man brauche für das Pantheon Frauen, die sich vorbildlich verhalten hätten in schwierigen, nicht zu weit zurückliegenden Zeiten wie dem Krieg 1914-1918 und dem Zweiten Weltkrieg mit der Résistance und der Deportation der Juden. Und schließlich solle es sich nicht um Opfer handeln. Er fände es gut,  wenn es bei den Ausgewählten auch ein Leben nach diesen Prüfungen gegeben habe. Diese Frauen sollten daraus gestärkt in ihren republikanischen Überzeugungen herausgekommen sein, „um danach die Welt mit ihrer politischen, sozialen, erzieherischen und humanitären Arbeit zu verändern.”[15]

Außerdem schlug Bélaval vor, im Innenraum des Pantheons ein gemeinschaftliches Monument für alle Heldinnen der Frauenemanzipation („un monument collectif à toutes les héroïnes de l’émancipation féminine„) zu errichten. Dort könne dann auch die  „Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne“ von Olympe de Gouges gewürdigt werden.

Es war nun interessant zu sehen, wie François Hollande sich gegenüber all diesen Forderungen und Vorschlägen positionieren würde. Ein wichtiges Auswahlkriterium war für ihn sicherlich das Bestreben, dabei möglichst wenig Angriffsflächen zu bieten, so wie es in einer Karikatur von Le Monde zum Ausdruck kam.

Karikatur Le Monde DSC02380

Le Monde 20.4.2013:  Diderot, Pierre Brossolette, Marc Bloch, Stephane Hessel, Olympe de Gouges….    Pfff, die Aufgabe ist knifflig…. Es geht darum, niemanden zu verärgern

 

Der Einzug von zwei Widerstandskämpferinnen ins Pantheon 2015

Hollandes Wahl fiel schließlich auf vier Persönlichkeiten des Widerstands, und zwar geschlechtsparitätisch auf zwei Männer,  Pierre Brossolette und Jean Zay, und zwei Frauen, Geneviève de Gaulle-Anthonioz und Germaine Tillon.

IMG_3420

Die Entscheidung für Widerstandskämpfer/innen zielte auf einen möglichst breiten Konsens, denn der Widerstand gegen die deutsche Besatzung ist ja gewissermaßen der kleinste gemeinsame Nenner des französischen historischen Selbstverständnisses. Da konnte man einer breiten Zustimmung sicher sein, auch wenn es dann doch ein paar kritische Stimmen gab, die meinten, durch die Wahl von Brossolette würde das Licht von Jean Moulin in den Schatten gestellt, oder die unter Hinweis  auf ein pazifistisches und angeblich unpatriotisches Gedicht des jungen Jean Zay aus dem Jahr 1924 ihn für Pantheon-inkompatibel hielten.[16] Dass zwei Frauen dabei waren, entsprach zwar nicht dem weitergehenden Vorschlag des CMN- Präsidenten und den Forderungen der Frauenbewegung, aber immerhin erhöhte Hollande damit die Zahl der im Pantheon vertretenen Frauen um glatte 100%.

Am 27. Mai 2015 wurden die vier Auserwählten in einem Festakt ins Pantheon überführt. Hier der Sarg mit den sterblichen Überresten von Germaine Tillon.

IMG_3436

Für den eher umstrittenen und wenig populären Präsidenten[17] eine gute Gelegenheit, die Einheit der Nation zu beschwören und sich ein „Bad in der (handverlesenen) Menge“ zu gönnen.[18]  Ist doch eine Pantheonisierung, wie le Monde damals schrieb, „l’une des rares gloires que peut encore s’offrir un président de la République.“[19] 

IMG_3460

Ich war zunächst von der Entscheidung François Hollandes etwas enttäuscht. Dass der Präsident weder Olympe de Gouges noch Louise Michel und (natürlich) schon gar nicht Solitude berücksichtigt hatte, fand ich wenig mutig.  Nachdem ich mich aber etwas mit Germaine Tillon und Geneviève de Gaulle Anthonioz beschäftigt habe, denke ich, dass es sich um eine gute Entscheidung gehandelt hat. Der CMN- Präsident Bélaval hatte ja in seiner Eingabe angeregt, es sollten Frauen ins Pantheon aufgenommen werden, die sich in schwierigen Zeiten wie der Résistance oder der Déportation bewährt hätten, danach aber, gestärkt in ihren republikanischen Überzeugungen, bestrebt gewesen seien, die Welt mit ihrer politischen, sozialen, erzieherischen und humanitären Arbeit zu verändern. Germaine Tillon und Geneviève de Gaulle- Anthonioz entsprechen, wie in der parallel zur Pantheonisierung gezeigten Ausstellung belegt wurde[20], dem genau und machen damit dem  Pantheon alle Ehre. Das soll im Folgenden etwas erläutert werden.

 

Germaine Tillon (1907-2008) und Geneviève de Gaulle Anthonioz (1920-2002)

Als junge Ethnologin beschäftigte sich Germaine Tillon vornehmlich mit Berberstämmen im Süden Algeriens: Sie lernte deren Sprache und erforschte ihre Sitten, ihre familiären und sozialen Beziehungen, ihre religiösen Vorstellungen. Der „Bezugspunkt“ Tillons in Frankreich war das Musée de l’Homme in Paris, das während der deutschen Besatzung zu einem Zentrum des Widerstands wurde. Germaine Tiillon schloss sich diesem Kreis von résistants an. Ihre Aufgabe bestand vor allem darin, Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen des Widerstands und mit der Leitung von France libre in London herzustellen. 1942 wurde sie denunziert und 1943 ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert.

Die Zustände im Konzentrationslager beobachtete Germaine Tillon mit den Augen einer Ethnologin: Konfrontiert mit der erbärmlichen Lage ihrer Mithäftlinge und der Unerbittlichkeit der Aufseherinnen, sammelte sie alle ihr zugänglichen Informationen, versuchte ihre Beobachtungen zu ordnen und  das Geschehen im Lager zu verstehen.[21]

Um ihre Informationen festzuhalten, wendete sie raffinierte Mittel an: Dass Häftlinge angesichts ihrer Entbehrungen sich in Traumwelten -beispielsweise der haute cuisine-  flüchten, werden wohl auch die Aufseherinnen verstanden und akzeptiert haben. Dass das Rezept Tillons für die Zubereitung von escrevisses basquaises allerdings ein Akrostichon aufweist, die Anfangsbuchstaben jeder Zeile also eine Botschaft vermitteln, nämlich den Namen des SS-Arztes Dr. Helinger, werden sie kaum durchschaut haben.  Tillon wird ihre  Erfahrungen und Beobachtungen später in einem Buch über Ravensbrück zusammenfassen.

Ganz außergewöhnlich und auf den ersten Blick vielleicht befremdlich ist, dass Germaine Tillon im KZ das Libretto einer Operette über das Lager schrieb: „Le Verfügbar aux Enfers“, (Der ‚Verfügbar‘ in der Unterwelt). Der Begriff „Verfügbar“ im Titel bezieht sich auf die Häftlingskategorie derjenigen Gefangenen, die von der SS keinem bestimmten Arbeitskommando zugeordnet waren und in den Augen der SS als frei disponibel, eben verfügbar,  galten. In dem Stück geht es um einen Wissenschaftler, der sich für die neue Spezies der „Verfügbaren“ interessiert und dem diese in Liedern, deren Melodien u.a. aus bekannten Operetten übernommen waren, ihre Situation schildern: Ein Versuch, etwas Abwechslung, ja Lachen in das Lagerdasein der Häftlinge zu bringen, aber auch wichtige Informationen zu vermitteln.  Tillon übte das Stück 1944/1945 mit ihren Mitgefangenen ein – eine Aufführung fand 2007 zum 100. Geburtstag von Tillon im Théâtre du Châtelet in Paris statt. [22]

IMG_3464

Choeur des jeunes.

On m’a d’abord pris mes bijoux,
Ma valise et mon sac en cuir roux,
Mes petites provisions,
mon bout de saucisson,
Ma chemise et mon pantalon…
Je croyais qu’on m’avait tout pris,
Et j’espérais que c’était fini…
Comme un bébé naissant j’étais nue
Et c’est alors qu’ils m’ont tondue!

 

Choeur des vieux.

On t’a pris tes cheveux,
Pour serrer des moyeux,
Mais ça ne suffit pas!
Tu travailleras,
Tu ne mangeras pas…
Quand tu succomberas,
On t’achèvera,
On te brûlera,
Et ta graisse encore servira…

 

 

Auch Geneviève de Gaulle-Anthonioz war ein Jahr lang, vom Februar 1944 bis Februar 1945,  Häftling  im Konzentrationslager Ravensbrück. Aus Empörung über das Waffenstillstandsgesuch des Marschalls Pétain und ermutigt von dem Appell ihres Onkels, des Generals und späteren Staatspräsidenten de Gaulle, zur Fortführung des Kampfes schloss sie sich schon im Juni 1940 dem Widerstand an.  Zunächst waren es nur isolierte Widerstandshandlungen in Rennes, wo sie studierte, wie beispielsweise das Abreißen von Propagandaplakaten der Vichy-Regierung, die sie durch das lothringische Kreuz, das Zeichen des gaullistischen Widerstands, ersetzte.  Die Arbeit im Widerstand intensivierte sie seit ihrer Übersiedlung nach Paris im Herbst 1941. Am 14. Juli 1943 verteilte sie auf offener Straße das Widerstandsblatt Défense de la France, dessen Redaktionssekretärin sie war und in dem sie auch, als einzige Frau, Artikel veröffentlicht hatte. Von einem in die Zeitung eingeschleusten Agenten Vichys verraten, wurde sie wenige Tage später von französischen Milizionären verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert. In Ravensbrück lernte sie Germaine Tillon kennen und schloss Freundschaft mit ihr. Die letzten Monate in Ravensbrück verbrachte sie, die auch „le petit de Gaulle“ genannt wurde, auf Befehl Himmlers in Einzelhaft, um sie  ggf. als „Zahlungsmittel“ für einen Gefangenenaustausch verwenden zu können.

 

Die Kontinuität des Widerstands von Tillon und de  Gaulle-Anthonioz nach dem Krieg

Nach der Befreiung sah es  Germaine Tillon als ihre erste Aufgabe an, die in Ravensbrrück begonnene analytische Arbeit fortzusetzen und Grundlagen für eine Geschichte des Widerstands und des KZ-Systems zu schaffen. Zusammen mit de Gaulle-Anthonioz wurde sie beauftragt, als Beobachterin und Zeugin an einem Prozess gegen Mitglieder des KZ-Personals von Ravensbrück teilzunehmen. Als dort eine Aufseherin fälschlich beschuldigt wurde, entschieden sich die beiden –trotz allem, was  sie im KZ erlitten hatten-  für die Wahrheit: Bei ihr müsse man auch dann bleiben,  wenn es etwas koste. So protestierte Tillon auch –anders als viele Stalin-treue ehemalige Widerstandskämpfer- gegen die Weiterverwendung nationalsozialistischer Konzentrationslager durch die Sowjets und gegen das Gulag-System.[23]

Eine entscheidende neue Wende erfuhr ihr Leben durch die „Ereignisse in Algerien“, wie der Algerien-Krieg in der offiziellen französischen Sprachregelung genannt wurde. Dort hatte sie ja  als junge Ethnologin gearbeitet und so verfolgte sie die Zuspitzung des Konflikts zwischen den algerischen Aktivisten und Kämpfern  der Unabhängigkeitsbewegung und der französischen Verwaltung, Polizei und Armee mit großer Aufmerksamkeit. 1957, auf dem Höhepunkt der „Schlacht um Algier“ reiste sie nach Algerien. Sie verurteilte die Angriffe der Unabhängigkeitskämpfer auf Zivilisten, gleichzeitig aber auch die von der Armee völlig außerhalb jeden gesetzlichen Rahmens angewandten Foltermethoden und willkürlichen summarischen Erschießungen.  Dabei wurde sie an  ihre  eigenen Erfahrungen im Widerstand  erinnert:

Aus einer Tafel  der Pantheon-Ausstellung:

„Sie hat die Taschen voll von kleinen Zetteln mit  Hilferufen von Gefangenen. Sie schreibt Brief auf Brief an diejenigen, die die Macht haben, gegen die Hinrichtung von Unschuldigen vorzugehen. Erschrocken denkt sie: ‚Man tötet sie, wie die Nazis meine Kameraden getötet haben.‘ Jedes Mal wenn ein algerischer Widerstandskämpfer hingerichtet wird,  kommt wieder das Leid in ihr hoch, das sie verspürte, wenn einer ihrer Freunde auf dem Mont Valérien erschossen  wurde.“[24]

Heimlich und verkleidet trifft sie sich mit dem in der Kasbah untergetauchten für Algier zuständigen Chef des Widerstands, Yacef Saâdi. Sie kann ihn davon überzeugen, Angriffe auf Zivilpersonen zu unterlassen. Im Gegenzug verspricht Germaine Tillon, im Bewusstsein ihrer Aura als Widerstandskämpferin und ihrer engen Kontakte zur französischen Administration, auf ein Ende der Exekutionen durch die Armee hinzuwirken. Während  Saâdi Wort hält und die Angriffe auf französische Zivilisten aufhören, wird von der Armee weiter guillotiniert. Saâdi  wird verhaftet und in drei Prozessen, in denen Germaine Tillon für ihn aussagt, mehrfach zum Tode verurteilt. Als kurz danach de Gaulle an die Regierung kommt und dem Algerienkrieg ein Ende macht, wird Saâdi wie alle anderen zum Tode verurteilten Algerier begnadigt. Und bei der Beerdigung von Germaine Tillon und ihrer Pantheonisierung erweist Yacef Saâdi, der algerische Widerstandskämpfer, Germaine Tillon, der französischen Kämpferin gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, die letzte Ehre. Was für eine Geschichte! Quelle histoire![25]

Auch im Leben der  Geneviève de Gaulle-Anthonioz gibt es nach Widerstand und Gefangenschaft ein neues Engagement. Wendepunkt ist bei ihr 1958 die Begegnung mit dem Priester Joseph Wresinski. Dieser hatte 1957 für und mit Familien, die in dem Barackenlager Noisy-le-Grand in der Pariser banlieue lebten, die Bewegung ATD Quart Monde gegründet. Das Lager aus Wellblech-Iglus war 1954 von Abbé Pierre eingerichtet worden, um Obdachlosen wenigstens ein Dach über dem Kopf zu geben.

IMG_3494

Über ihren ersten Besuch in dem Lager schreibt  Geneviève de Gaulle Anthonioz:

„Kein Zweifel. Was ich auf den Gesichtern dieser Männer und Frauen las, entsprach dem, was ich vor langer Zeit auf den Gesichtern meiner deportierten Kameraden im Lager von Ravensbrück gelesen hatte: Die Erniedrigung und die Verzweiflung eines menschlichen Wesens, das um die Erhaltung seiner Würde kämpft. (…) Ich war erschüttert von dem, was ich entdeckte, weil ich es selbst erlitten hatte. (…) Ich wusste was Erniedrigung heißt … Ich wusste was es heißt, keine Hoffnung mehr zu haben. In den Lagern war es ähnlich.[26]

Und weiter:

„Ich hatte nicht gewusst, dass es eine solche Marginalisierung eines Teils der Bevölkerung gab. (…) Diese Marginalisierung und die Zurückweisung, die die Familien erlitten, erschienen mir sehr ungerecht. Das war genau das Gegenteil dessen, wofür ich in der Résistance und während der Deportation gekämpft hatte. Wir hatten für die Würde jedes einzelnen Menschen gekämpft, damit sein Wert und seine Rechte anerkannt würden. Ich entdeckte nun eine Welt im Abseits, die nichts mit meinem täglichen Leben zu tun hatte.[27]

Geneviève de Gaulle- Anthonioz zog daraus die Konsequenz, sich in ATD Vierte Welt zu engagieren.  Von 1964 bis 2001 war sie Präsidentin dieser Organisation.

IMG_3467

Hier sieht man sie bei einer Rede 17. Oktober 1989 auf dem Trodadéro-Platz gegenüber dem Eiffel-Turm.  Dort waren zwei Jahre vorher über 100 000 Menschen einem Aufruf von Joseph Wresinski gefolgt, um für die Einhaltung der Menschenrechte auch gegenüber den Ärmsten der Gesellschaft einzutreten. Der Ort war bewusst gewählt worden, weil im Palais de Chaillot, zwischen dessen Flügeln er liegt,  die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948  die Allgemeine Erklärung  der Menschenrechte verabschiedet hatte.  1985 hatte der Platz auf Initiative François Mitterands  den Namen parvis des droits de l’homme  erhalten. Seit 1987 ist dort das Emblem von ATD Quart Monde eingraviert und an  jedem 17. Oktober wird dort der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut begangen.

DSC01874 Trocadéro 10. Dez 2017 (29)

Dazu der Aufruf Wresinskis:

« Là où des hommes sont condamnés à vivre dans la misère, les droits de l’homme sont violés. S’unir pour les faire respecter est un devoir sacré ».[28]

Tillon wie de Gaulle-Anthonioz engagieren sich also nach dem Krieg erneut, leisten weiter Widerstand, weil sie erschrocken und entsetzt Parallelen zwischen erlebter Vegangenheit und neu entdeckter Gegenwart erkennen:   Bei Tillon war es der Algerien-Krieg und das Erschrecken über Untaten der französischen Armee,  bei de Gaulle-Anthonioz die Entdeckung der Vierten Welt im eigenen Land.[29] Eine beeindruckende Kontinuität des Widerstands im Leben dieser des Pantheons würdigen Frauen!

Aus Anlass der Pantheonisierung von de Gaulle-Anthoniaz und Tillon wurden die Rollgitter der Buchhandlung in der rue de Taillandier in Belleville mit den Portraits der beiden Frauen geschmückt.

 

Ausblick

Am 1. Juli 2018 wird eine weitere Frau ins Pantheon aufgenommen werden, und zwar Simone Veil. Sie war Auschwitz-Überlebende, als zweite Frau Ministerin in einem französischen Kabinett und als erste Frau Präsidentin des Europäischen Parlaments.  Simone Veil starb am 30. Juni 2017 in Paris. Zu ihrer Ehre wurde in den Invalides ein Staatsakt veranstaltet, bei dem Staatspräsident Emmanuel Macron ihren Einzug und den ihres Mannes, Antoine Veil, ins Pantheon ankündigte.  Termin der feierlichen Pantheonisierung ist der 1. Juli 2018.[30]

Macron wird sich wohl kaum mit dieser Pantheonisierung begnügen, und dabei  wird er sicherlich auch auf die  „Frauenquote“ bedacht sein. Man darf also gespannt sein.

 

Zum Weiterlesen:

Geneviève de Gaulle Anthonioz, La Traversée de la Nuit. Paris: Seuil 1998

Germaine Tillon, Ravensbrück. Paris: Seuil 1988

Germaine Tillon, La Traversée du Mal. Paris 2000

http://www.resistances-morbihan.fr/temoignage-de-germaine-tillion-sur-ravensbruck/

Caroline Glorion, Geneviève de Gaulle Anthonioz, une résistante au Panthéon.  Paris: Plon 2015

Armelle Mabon (ed), L’engagement à travers la vie de Germaine Tillon. 2013

Germaine Tillon, Geneviève de Gaulle Anthonioz. Play Film  (DVD mit Gesprächen zwischen beiden Frauen aus dem Jahr 2000)  http://www.film-documentaire.fr/4DACTION/w_fiche_film/10507_1

Jeanne-Marie Martin, Portraits de Résistants. 10 vies de courage. Paris 2015

Claire Lemonnier, Elles, ces Parisiennes. Promenades à la rencontre des femmes d’exeption. Paris: Parigramme

 

Anmerkungen:

[1] https://fr.wikipedia.org/wiki/Liste_des_personnes_inhum%C3%A9es_au_Panth%C3%A9on_de_Paris

[2] Entsprechend war es ja auch mit den Menschenrechten, den „droits de l’homme“, die zunächst ja eher Männerrechte waren. Immerhin hat es –beispielsweise- bis nach dem 2. Weltkrieg gedauert, bis Frauen in Frankreich das Wahlrecht erhielten.

[3] http://musees.angers.fr/collections/uvres-choisies/galerie-david-d-angers/david-d-angers-fronton-du-pantheon-detail/index.html

[4] Jacqueline Lalouette,   Amour et chimie au Panthéon. In: mensuel 326, Dezember 2007

http://www.lhistoire.fr/amour-et-chimie-au-panth%C3%A9on

[5] siehe Anmerkung 1. Zugriff 20. Januar 2018

[6] zit. in: http://www.lhistoire.fr/amour-et-chimie-au-panth%C3%A9on

[7]  In der offiziellen Ankündigung der nachfolgend kurz  angesprochenen Ausstellung zu Marie Curie im Pantheon heißt es richtig:  „Marie Curie devient la première femme à entrer au Panthéon pour ses propres mérites.http://www.paris-pantheon.fr/Actualites/Marie-Curie-une-femme-au-Pantheon

[8] http://www.lhistoire.fr/exposition/marie-curie-la-passionn%C3%A9e

[9] http://musee.curie.fr/

[10] Karl Gutzkow, Im Pantheon. Aus: Briefe aus Paris, Leipzig 1842. Zit. In: Karsten Witte (Hrsg.): Paris. Deutsche Republikaner reisen. FFM 1980, S.138f.  Das Pantheon war ursprünglich eine nach  der heiligen  Geneviève (Genofeva) benannte Kirche.

[11] https://collectiffemmespantheon.wordpress.com/galerie-de-femmes-a-pantheoniser/

[12] Siehe dazu den Blog-Bericht: Die Erinnerung an Sklavenhandel und Sklaverei (1. November 2017)

https://wordpress.com/post/paris-blog.org/9077

[13] Bild aus:  https://sanscompromisfeministeprogressiste.wordpress.com/2016/11/04/le-3-novembre-1793-olympe-de-gouges-1748-1793-etait-guillotinee/

[14]le chef d’état m’a demandé d’associer les Françaises et les Français à la réflexion qui pourrait conduire à de nouveaux hommages.“

[15] „Il faut des femmes qui ont eu un comportement exemplaire dans des périodes d’épreuves encore proches comme la Guerre de 1914-1918, la Deuxième guerre mondiale avec la Résistance et la déportation„. „J’aime l’idée qu’il y a eu une vie après cette épreuve. Ces femmes ont été renforcées par l’épreuve dans leurs convictions républicaines pour transformer le monde via l’action politique, sociale, éducative, humanitaire

http://www.huffingtonpost.fr/2013/10/10/pantheon-femmes-xx-siecle-rapport-hollande_n_4076249.html

(10/10/2013 | Actualisé 05/10/2016- Zugriff Februar 2018)

[16]  http://www.telerama.fr/television/pierre-brosselette-un-resistant-au-pantheon-et-sur-les-ecrans,126765.php In dem Artikel ist von einer absurden „concurrence mémorielle“ zwischen Jean Moulin und Jean Zay die Rede.

http://www.bfmtv.com/politique/l-entree-de-jean-zay-au-pantheon-fait-grincer-des-dents-a-droite-889261.html

[17] Siehe Blog-Beitrag: François Hollande, Abgesang auf einen allzu normalen Präsidenten (Dezember 2016)

https://wordpress.com/post/paris-blog.org/4220

[18] Über eine Pariser Freundin erhielt ich auch eine Einladung und damit die Erlaubnis, als Zaungast an der Ze2remonie teilzunehmen.

[19] Le Monde, 20.4.2013

[20] http://www.quatreviesenresistance.fr/

[21] Tzvetan Todorov, Les valeurs de la Résistance. In: Le Monde 21.2.2014. http://www.lemonde.fr/idees/article/2014/02/21/les-valeurs-de-la-resistance_4371071_3232.html?xtmc=pantheon&xtcr=2

[22] https://de.wikipedia.org/wiki/Le_Verf%C3%BCgbar_aux_Enfers

http://www.resistances-morbihan.fr/temoignage-de-germaine-tillion-sur-ravensbruck/

und Tzvetan Todorov a.a.O.

[23] Tzvetan Todorov, Les valeurs de la Résistance. In: Le Monde 21.2.2014.

[24]  Der Mont  Valérien im Westen von Paris war eine Hinrichtungsstätte der deutschen Besatzungsmacht im  Zweiten Weltkrieg. Über 1000 Menschen wurden dort zwischen 1941 und 1944 erschossen.

[25] https://www.franceculture.fr/histoire/germaine-tillion-mediatrice-de-la-guerre-dalgerie Dort wird auch aus einem offenen Brief von Germaine Tillon an Simone de Beauvoir aus dem Jahr 1964 zitiert:

« Il se trouve » que j’ai connu le peuple algérien et que je l’aime ; « il se trouve » que ses souffrances, je les ai vues, avec mes propres yeux, et « il se trouve » qu’elles correspondaient en moi à des blessures ; « il se trouve », enfin, que mon attachement à notre pays a été, lui aussi, renforcé par des années de passion. C’est parce que toutes ces cordes tiraient en même temps, et qu’aucune n’a cassé, que je n’ai ni rompu avec la justice pour l’amour de la France, ni rompu avec la France pour l’amour de la justice.“

[26] Zit. in: Caroline Glorion, Geneviève de Gaulle Anthonioz. Paris: Plon 2015, S. 78 und 80 (Übersetzung von W.J.)

[27] Zit. in: Caroline Glorion, S. 79

[28] http://www.atd-quartmonde.org/pere-joseph-wresinski-1917-1988/

[29]  Tillon engagierte sich übrigens auch in diesem Bereich: Zum Beispiel unterstützte sie die  sans-papiers, die sich 1986 in der Kirche Saint-Bernard in Belleville versammelt hatten, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen und die von der Polizei gewaltsam vertrieben wurden. (Siehe Blog-Bericht über das Goutte d’Or)

In dem Buch von Martin (siehe Lit.Angabe) wird übrigens das Engagement von de Gaulle-Anthonioz nach dem Krieg kurz angesprochen, das von Tillon überhaupt nicht. Über die Gründe kann man nur spekulieren.

[30]  http://www.lemonde.fr/mort-de-simone-veil/article/2018/02/19/simone-veil-entrera-au-pantheon-le-1er-juillet_5259379_5153643.html#2ZUhrlg4ex4puiy0.99

 

Geplante Beiträge:

  • Die Seineufer in Paris: Der schwere Abschied vom (Alp-)traum einer autogerechten Stadt
  • Street-Art in Paris (2):  Mosko, Jef Aérosol und Jerôme Mesnager
  • 50 Jahre Mai 1968: Plakate der Revolte. Eine Ausstellung in der École  des Beaux- Arts in Paris
  • Street-Art in Paris (3):  Der Invader
  • Auf dem Weg nach Paris: Die Mühle von Valmy, ein Fanal der Französischen Revolution
  • Street-Art in Paris (4): M Chat, Miss Tic und Fred le Chevalier