Hector Guimard: Jugendstil in Paris/Art Nouveau à Paris (1)

Jeder auch nur flüchtige Besucher von Paris hat schon einmal Bekanntschaft mit den Werken des Architekten Hector Guimard gemacht: Er war es nämlich, der die berühmten Pariser Metroeingänge mit den elegant- geschwungenen Linien und Formen entworfen hat.

Die Metroeingänge Guimards

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Station St Michel mit der Fontaine Saint – Michel im Hintergrund

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Das für Guimard charakteristische Seepferdchenmotiv:

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Guimard erhielt 1899 von der Compagnie du chemin de fer métropolitain de Paris (CMP) den Auftrag, Entwürfe für die Eingänge der Pariser Metro zu gestalten, die einladend und eher verspielt sein sollten. Die Eingänge sollten einerseits standardisiert sein, um den Kunden die Orientierung zu erleichtern und um die Produktion zu vereinfachen, andererseits sollte es aber auch keine völlige Einförmigkeit geben. Guimard entwarf deshalb zwei Eingangstypen mit unterschiedlicher Überdachung und mit jeweils einer seitlich offenen und geschlossenen Variante.

 

Am schönsten erhalten ist der überdachte Eingang an der Station Porte Dauphine. Es handelt sich um den einzigen noch existierenden überdachten Eingang  vom Typus B mit geschlossenen Seiten. Diese überdachten Eingänge erinnerten einen zeitgenössischen Kritiker an eine Libelle, die gerade ihre leichten Flügel ausbreitet, aber auch an Monster, deren Augen die Kandelaber seien. [1]

Bis ins kleinste technische Detail hat Guimard alle Teile entworfen und zu einem freundlichen Ganzen zusammengefügt.

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Ein Exemplar des etwas kleineren überdachten Typs A ist noch an der Metro-Station Abesses erhalten. Dieser Eingang befand sich ursprünglich an der Metro-Station Hôtel de Ville, wurde aber später verlegt. Auch hier handelt es sich um das letzte Exemplar seiner Art.

Ab 1901 wurden die Zugänge zur Metro nicht mehr überdacht. Insgesamt sind von ursprünglich 380 von Guimard entworfenen Metro-Stationen nur  noch 88 erhalten.

DSC01863 Metro guimard (1)

Solche Informationstafeln wurden 2000 zum 100-jährigen Jubiläum der Metroeingänge Guimards angebracht.

Allerdings gab es von Anfang an auch erhebliche Kritik an Guimards Metro-Eingängen: Beispielsweise wurde die von Guimard entwickelte Schrift gerügt: Es handele sich um „ein bizarres und phantastisches Alphabet von unförmigen Buchstaben“, die vor allem für Fremde die Lektüre massiv erschwerte. An offiziellen Bauwerken sollten aber klare und für jedermann lesbare Inschriften verwendet werden. Schon ab 1902 wurden auch andere Architekten  mit dem Entwurf von Metro-Eingängen betraut, und 1912 wurde der letzte Eingang im Guimard-Stil gebaut.

Spätestens mit dem Beginn des ersten Weltkriegs, als Frankreich, wie Georg Stefan Troller schreibt, „in eine Phase patriotischer Hysterie eintrat… war es dann mit dem Art Nouveau schlagartig zu Ende.“ Die Typographie der Métrostationen galt als „unfranzösisch“, ihr Grün als „typisch deutsch“.[2]  Und die Abwertung des Art nouveau hielt noch lange an. Sogar das große Eingangsbauwerk zum Bahnhof Bastille, das Guimard entworfen hatte, wurde 1962 abgerissen.[3]

1metbast2 Metro Bastille Guimard

Der damalige  Kultusminister Malraux, der entscheidend dazu beigetragen hat, die historische Substanz von Paris zu erhalten und in Szene zu setzen, hat zwar, wie ein Guimard-Freund bitter konstatierte, viel für die  Arbeiten Le Corbusiers getan, aber nichts für die von Guimard… Erst 1987 wurden seine noch erhaltenen Metro-Eingänge unter Denkmalschutz gestellt.[4]

Insofern hat  Georg Stefan Troller nicht ganz recht, wenn er über Hector Guimard schreibt, er hätte zehn Jahre, nachdem er 1942 vergessen in New York gestorben sei, „eine triumphale Auferstehung erlebt“.[5]

Seit 1967 gibt es übrigens auch in Montreal einen Metro -Eingang von Hector Guimard.  Es handelt sich um ein Geschenk der französischen Metro-Betreibergesellschaft RATP, um an die Beteiligung französischer Ingenieure am Bau der Untergrundbahn von Montreal zu erinnern.[6]

Metro Montreal Gerd Turk IMG_3148

 

Das hôtel Mezzara (60, rue Jean-de-La-Fontaine, 75016 Paris. Métro: Michel Ange/Auteil)

Obwohl Paris dank Guimard als Zentrum des Jugendstils gelten kann, gibt es dort kein Guimard-Museum und die Stadt tut sich immer noch schwer, ihn angemessen zu würdigen. Es gibt aber jetzt eine Gelegenheit, diesem Mangel abzuhelfen, und es gibt den Cercle Guimard,  eine entsprechende engagierte Initiative von Hektorologen/„hectorologues“. Seit einiger Zeit  ist  nämlich eines der bedeutendsten noch erhaltenen Bauwerke Guimards, das hôtel Mezzara verfügbar. Es gehört dem französischen Staat und diente lange als Dependance eines benachbarten privaten Gymnasiums. Jetzt könnte es zu einem Guimard-Museum werden. Immerhin war es im November/Dezember wenigstens möglich, die Räume zu sehen: In der Tat ein eindrucksvoller Bau des art nouveau und ein würdiger Ort für ein künftiges Museum…

 

Guimard verstand sich nicht nur als Architekt, sondern auch und  zu zuallererst als Künstler.  Sein Ziel war es, gewissermaßen Gesamtkunstwerke zu gestalten. Also entwarf er auch die Fenster, die Gitter des Zauns und die Treppengeländer, die Tapeten, die Türgriffe und Wasserhähne, die Lampen, das Schild mit der Hausnummer, für deren Zahlen er –wie ja auch schon für die Buchstaben- ein eigenes charakteristisches Design schuf.

 

 

Und natürlich entwarf er auch die Möbel und andere Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, wie z.B. die Bestecke.

 

Insofern war Guimard tatsächlich ein Vorläufer des modernen Designs, als der er in der Ausstellung im hôtel Mezzara präsentiert wurde. Und er war ein „architecte de l’art total“, wie auch aus seinem „Glaubensbekenntnis“ deutlich wird, das am Eingang der Ausstellung den Besuchern präsentiert wurde:

Hotel Mezzara Hector guimard (59)

Ich liebe die Architektur, und wenn ich sie liebe, dann deshalb, weil sie in ihrem Wesen, ihrer Methode, ihrer Funktion und allen ihren Erscheinungsformen „alle anderen Künste“ ohne Ausnahme umfasst.

 

Guimard und der Darmstädter Jugendstil

Guimard stand mit einem solchen Kunstverständnis damals keineswegs allein. Auf einer Reise nach Brüssel hatte Guimard 1895 den belgischen Jugendstil-Architekten Victor Horta kennengelernt und war von dessen Bauten, besonders dem hôtel Tassel tief beeindruckt. Er erkannte sofort, dass es eine enge Beziehung zwischen seinen künstlerischen Intentionen und denen Hortas gab und der Einfluss Hortas auf die Bauten Guimards ist unverkennbar.[7] Guimards ganzheitliches Kunstverständnis entsprach auch dem der Künstlergruppe, die sich um 1900 in Darmstadt zusammenfand und auf der Mathildenhöhe in Darmstadt mehrere Villen mitsamt aller Einrichtungsgegenstände entwarf.[8] Die stilistische Nähe von Guimard und der Darmstädter Künstlerkolonie ist dabei offenkundig: Der Jugendstil, der art nouveau, war ja kein nationaler Stil, sondern eine Stilrichtung mit internationalen Dimensionen.

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Guimard und die Künstler der Darmstädter Mathildenhöhe verbindet auch das Interesse, ihre Kreationen über den  begrenzten Kreis der jeweiligen Auftraggeber bekannt zu machen. Hector Guimard gehörte´1901 zu den Gründungsmitgliedern der Société des artistes décorateurs, die in dem in einem Seitenflügel des Louvre beheimateten musée des arts décoratifs ihre Werke ausstellten. Ein von Guimard entworfenes Plakat für einen entsprechenden Salon war jetzt in der Ausstellung im hôtel Mezzara zu sehen. 1901 fand auch die erste große Werkschau auf der Darmstädter Künstlerkolonie statt- in dem dafür extra errichteten Ernst-Ludwig-Bau.[9] Das Plakat für diese Ausstellung war übrigens 2016/2017 in einer Ausstellung des musée des arts décoratifs über das Bauhaus zu sehen, in der auch eine Verbindungslinie vom Jugendstil zum Bauhaus gezogen wurde.

 

Während die Darmstädter Künstlerkolonie  also  bedeutende Nachwirkungen hatte, im Selbstverständnis der Stadt eine wichtige Rolle spielt und für das Jahr 2019 zur Liste der deutschen Kandidaten  für das UNESCO-Kulturerbe gehört, müssen die „Hectorologen“ immer noch für einem Nischenplatz  Guimards in der Pariser Kunstszene kämpfen. Angebot und Konkurrenz sind allerdings auch in Paris etwas größer als in Darmstadt…

 

Das Castel Béranger

Das erste und bedeutendste Bauwerk Guimards ist das 1897/98 errichtete  Castel Béranger im Pariser 16. Arrondissement (14, rue Jean-de-la- Fontaine; métro Michel Ange/Auteil).

Castel Beranger Hector guimard (78)

Guimard erhielt als junger Architekt von gerade einmal 28 Jahren den Auftrag, diesen großen Wohnblock mit Sozialwohnungen zu entwerfen.

Hotel Mezzara Hector guimard (65)

Aus dem Skizzenbuch von Hector Guimard

Deshalb verwendete Guimard –anders als es bei den repräsentativen Gebäuden der Haussman’schen Boulevards üblich war- nur sehr sparsam die noblen und teuren behauenen Steinblöcke  (pierres de taille), sondern überwiegend Backsteine und, zum Beispiel für die Balkone,  serienmäßig hergestellte eiserne Gussteile.

Castel Beranger Hector guimard (69)

Castel Beranger Hector guimard (75)

Gimard nutzte den Freiraum, den er als Architekt erhalten hatte, um das „œuvre fondatrice de l’Art Nouveau“ zu bauen.[10] Es ist das erste Mal, wie Gilles Plum in seinem Buch über die Architektur der „Belle Epoque“ schreibt, dass ein Architekt ein großes Wohnhaus als ein wichtiges und künstlerisch anspruchsvolles Bauwerk gestaltet. Es handele sich damit um eine für die Moderne charakteristische und revolutionäre Umkehr der bisherigen Hierarchien: Ein schlichtes Mehrfamilienhaus könne jetzt bedeutender werden als ein repräsentatives öffentliches Gebäude.[11]

Die Einschätzungen des Baus waren extrem unterschiedlich, „von der Parteien Gunst und Hass verzerrt“, wie man mit Schiller sagen könnte. Die floralen und tierischen Schmuckelemente und die grüne Farbe der eisernen Teile erregten, wie Troller schreibt, heftigen Widerspruch.  „Kein  Wunder,  dass die Zeitgenossen für das unnatürlich-naturhafte Bauwerk den Spottnamen ‚Castel dérangé‘ fanden, also etwa Beklopptenburg.“ Ein zeitgenössischer Kritiker nannte das Bauwerk „la Maison des Diables“, weil es von oben bis von Dämonen übersät sei. Ältere Damen des Arrondissements würden sich bekreuzigen, wenn sie sich auf zwanzig Schritte dem Bauwerk näherten. Und der Kritiker fügte ironisch an, wenn auch Frankreich einmal nicht mehr von Gott beschützt werde, dann werde Auteuil, der Stadtteil in dem das Castel Béranger gebaut wurde, immerhin vom Teufel beschützt. „Parisiens, dormez en paix!“.[12]

Aber es war gerade die unkonventionelle künstlerische Gestaltung des Baus, die den Ruhm Guimards begründete. Er erhielt dafür den ersten Preis eines Fassadenwettbewerbs der Stadt Paris, eine Auszeichnung, die er nutzte, um für seine neue Kunstauffassung zu werben.

Castel Beranger Hector guimard (77)

Immerhin war das Castel Béranger auch ein wirtschaftlicher Erfolg: Die Investorin des Gebäudes hatte Guimard freie Hand („carte blanche“) bei dem Entwurf gelassen, allerdings im Gegenzug eine Garantie über die zu erzielenden Einnahmen verlangt. Guimard war offenbar so von seinem Werk überzeugt, dass er sich auf diesen Handel einließ. Und in der Tat: Schon vor Fertigstellung des Gebäudes waren 25 von 36 Wohnungen  vermietet, u.a. an den Maler Paul Signac, der im sechsten Stock eine Wohnung bezog und sein Atelier einrichtete und sich über die die vorbeikommenden Gaffer amüsierte: „Die Passanten bleiben mit offenen Mündern stehen…, die Fahrradfahrer steigen  aus ihrem Sattel, die Autofahrer halten an, und wenn das Regiment vorbeimarschiert, dreht sich der Oberst abrupt um und läuft rot an.“[13]

Aber der größte und nachhaltigste Erfolg des Bauwerks:  Es war das Castel Béranger, das die Pariser Metro-Gesellschaft veranlasste, Guimard mit der Gestaltung der Metro-Eingänge zu beauftragen.

17-19-21, Rue Jean-de-La-Fontaine

In unmittelbarer Nähe des Castel Béranger, an der Ecke zu der nach einer Schauspielerin benannten rue Agar, gibt gibt es einen ebenfalls von Guimard entworfenen und 1911 errichteten größeren Gebäudekomplex.

 

Rue Delafontaine Hector guimard (58)

Er  umfasst insgesamt 6 Gebäude von jeweils sechs Etagen  (7, 19 et 21 rue Jean de La Fontaine, 8, 10 rue Agar, 43 rue Gros), das größte von Guimard entworfene Bauvorhaben, das zeigt, wie erfolgreich Guimard inzwischen war. Auch die durchgängige Verwendung von teuren und prestigeträchtigen Kalksteinquadern (pierre de taille) als Baumaterial zeigt, dass Guimard nun sehr finanzkräftige Auftraggeber hatte.   Der Entwurf ist zwar nicht mehr so kühn und verspielt wie der des Castel  Béranger, es fehlt die von Signac am Castel Béranger gerühmte Farbigkeit, aber die Gebäude haben doch ihren eigenen Charme, vor allem durch die vielen ornamentalen Details an den Fassaden und den eisernen Balkon- und Fenster- Gittern.

rue Delafontaine Hector guimard (68)

 

 

Hôtel Guimard, 122 avenue Mozart 75016 Paris

 Im Februar 1909 heiratete Hector Guimard Adeline Oppenheim, eine Malerin und Tochter eines reichen amerikanischen Bankiers. Gleichzeitig beschloss er, ein großes Wohnhaus zu bauen, ein „hôtel particulier“, um dort mit seiner Frau zu wohnen und zu arbeiten.

 

Im Erdgeschoss befanden sich ein Empfangsraum und das Architekturbüro, in den mittleren Geschossen die Wohnräume und in der obersten Etage das Atelier von Frau Guimard. Das Paar lebte dort von 1913 bis 1930.

DSC01692hotel Hector guimard (12)

Da Guimard sein eigener Auftraggeber war und er sich der finanziellen Unterstützung durch seine Frau sicher sein konnte, gestaltete er hier ein einzigartiges und einheitliches Ensemble seiner künstlerischen Ambitionen, des sogenannten „style Guimard“, wie er damals auch genannt und von dem Architekten selbst gewissermaßen als Marketing-Label benutzt wurde. Zu dem Bau als stilistisch  einheitliches Gesamtkunstwerk im Sinne des Art Nouveau gehörte, dass Guimard auch die gesamte Inneneinrichtung bis ins kleinste Detail konzipierte: Stuckelemente, Fenster, Möbel, Wandverkleidungen, Lampen und andere Einrichtungsgegenstände, Metallteile wie Türgriffe oder Wasserhähne,  Stoffe…

 

1848, sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes, beschloss Frau Guimard, das Haus in der avenue Mozart, mitsamt seinem Mobiliar und den Archiven ihres Mannes dem französischen Staat zu schenken, damit dort ein Museum eingerichtet werden sollte. Das Angebot wurde abgelehnt. Drei französische Museen waren immerhin bereit, einen Teil des Mobiliars zu akzeptieren und auszustellen. Der Rest wurde versteigert und vor allem von amerikanischen Sammlern erworben. Das Haus  wurde in Wohnungen aufgeteilt und an Privatleute verkauft- eine einzigartige Chance damit verpasst.[14]

 

Das  Esszimmer des Hôtel Guimard im Petit Palais

Während nach der Zerschneidung und Zerfledderung des hôtel Guimard und seiner Einrichtung das musée des Beaux-Art in Lyon das Mobiliar des Schlafzimmers  übernahm und das musée de l’Ecole de Nancy das Arbeitszimmer, gehört das Esszimmer der Stadt Paris.

DSC01808 Hector Guimard Petit Palais (12)

Es  ist im Petit Palais, immerhin einem passenden Rahmen,  ausgestellt. Die Möbel  und Wandverkleidungen sind aus Birnbaumholz gefertigt, das mit seiner feinen Maserung sehr gut zu den weichen und eleganten Linien des „style Guimard“ passt.

 

 

 

Es gibt übrigens  noch einen „anderen Guimard“ jenseits des von ihm entwickelten typischen Stils: Guimard erkannte offenbar selbst die Zeichen der Zeit, dass also spätestens mit dem Ersten Weltkrieg die Zeit des art nouveau vorbei war. Und er war flexibel und offen genug, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Das kann man an dem von ihm entworfenen Wohngebäude in der rue de Bretagne Nummer 10 im 3. Arrondissement sehen. Es ist von außen nicht mehr als ein Werk des „roi de l’art nouveau“ erkennbar. Die Fassade ist zwar durchaus rhythmisiert, verzichtet allerdings auf jede Ornamentik. Sie ist klar  gegliedert und nimmt damit den Geschmck des die 1920-er Jahre prägenden Art déco vorweg. Avantgardistisch ist auch die Bautechnik, die auf dem Prinzip vorgefertigter Teile und eines tragenden Gerüsts beruht, wie es dann auch bei den Wolkenkratzern jenseits des Atlantiks üblich wurde.  Guimard war also in doppelter Hinsicht Vorreiter eines neuen Bauens. Aber er verlor damit zugleich „sa marque de  fabrique“, die ihn in seinen früheren Bauten ausgezeichnet und einzigartig gemacht hatte.  Fast völlig vergessen starb er 1942  in den USA, in die er mit seiner Frau vor den Nazis geflohen war. (15)

 

Ausblick:

In einem nachfolgenden Blog-Beitrag sollen zwei Pariser Arbeiten  Guimards vorgestellt werden, die nicht im 16. Arrondissement angesiedelt sind: Die Synagoge in der Rue Pavé im Marais (4. Arrondissement) und ein von Guimard entworfenes Grab auf dem Friedhof Père Lachaise.

Darüber hinaus gibt es natürlich viele weitere typische Bauten des Art Nouveau in Paris wie etwa die Brasserie Julien in der rue du Faubourg Saint-Denis, der erste Bauabschnitt des Kaufhauses Samaritaine oder das Wohnhaus  in der avenue  Rapp Nr. 29, um nur drei Beispiele zu nennen. Vielleicht auch dazu ein anderes Mal mehr….

 

Literatur:

Fréderic Descouturelle und André Mignard, L’Art nouveau du métro. 2012

Philippe Thiébaut, Guimard, l’Art nouveau. 1992

Philippe Thiébaut (Hrsg.): Guimard. Paris 1992

Georges Vignes, Hector Guimard – Le geste magnifique de l‘art nouveau. 2016

Jannine Casevecchie und Gilles Targat, Paris Art nouveau. 2015

Le Cercle Guimard, Hector Guimard, précurseur du design. September 2017

Der Cercle  Guimard bietet an Wochenenden auch Spaziergänge im 16. Arrondissement rund um Guimard an:  www.cercleguimard.fr

 

Anmerkungen:

[1] Zitiert bei Thiébaut, S. 58

[2] Georg Stefan Troller,  Paris geheim. Düsseldorf 2008, S. 263

[3] http://lartnouveau.com/artistes/guimard/documents/cpa_paris/bastille.HTM  Dieser Seite ist auch das nachfolgende Bild entnommen.

[4] „André Malraux a „sauvé Le Corbusier mais pas Guimard“. Ein Zitat von Bruno Dupont, einem führenden Mitglied des Cercle Guimard. In: Le monde 23.11.2017, S. 18. Artikel: „Hector Guimard attend son musée. Les ‚hectorologues‘ on obtenu l’ouverture temporaire au public de l’hôtel Mezzara, chef, d’œvre de l’architecte représentant de l’Art nouveau“

Zu den Metro-Eingängen: https://de.wikipedia.org/wiki/Hector_Guimard

[5] Georg Stefan Troller,  Paris geheim. Düsseldorf 2008, S. 263

[6] http://www.stm.info/en/about/discover_the_stm_its_history/art-metro/list-artworks/square-victoria-oaci-hector-guimard  Das Bild stammt von unserem Freund Gerd Turk

[7] Thiébaud, S. 34f

[8]Da ich in Darmstadt aufgewachsen bin, darf der Verweis auf die dortige Künstlerkolonie natürlich nicht fehlen. Darmstadt gehört natürlich auch zu der route européenne de l’art nouveau. Siehe:  http://www.artnouveau.eu/fr/city.php?id=17

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Darmst%C3%A4dter_K%C3%BCnstlerkolonie

[10] http://www.unjourdeplusaparis.com/paris-insolite/le-castel-beranger-art-nouveau-paris

[11] Gilles Plum, Paris. Architectures de la Belle Epoque. Paris: Éditions Parigramme 2014, S. 38

[12]  Troller, S. 262; Thiébaut, S. 114

[13] Zit. bei Thiébaut, S. 31 (Übersetzung von mir)

[14] https://fr.wikipedia.org/wiki/H%C3%B4tel_Guimard

(15) Nicolas Jacquet, „Sic transit….“ Immeuble d’Hector Guimard  10, rue de Bretagne. In: Le Marais secret et insolite. Paris: Parigramme 2012, S. 101

 

 

Geplante Beiträge:

  • Hector Guimard in Paris (2): Die Synagoge in der rue Pavée (4. Arrondissement) und das Grab auf dem Père Lachaise (20. Arrondissement)
  • Street-Art in Paris (2):  Mosko, Jef Aérosol und Jerôme Mesnager
  • Auf dem Weg nach Paris: Die Mühle von Valmy, ein Fanal der Französischen Revolution
  • Street-Art in Paris (3):  Der Invader
  • Street-Art in Paris (4): M Chat, Miss Tic und Fred le Chevalier
  • Das Pantheon der großen (und weniger großen) Männer und der wenigen großen Frauen

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