Im ersten Teil der kleinen Beitragsreihe zum 400. Geburtstag Madame de Sévignés wurden Orte in Paris dargestellt, die in ihrem Leben bedeutsam waren:
- Die Place Royale/Place des Vosges, wo sie geboren wurde
- Die ehemalige Klosterkirche der Filles de la Visitation Sainte-Marie
- Die Kirche Saint-Gervais, wo sie heiratete
- Das hôtel Carnavalet, in dem sie viele Jahre wohnte
Im zweiten Teil wurden Orte in Frankreich vorgestellt, die im Leben der Madame de Sévigné eine besondere Rolle spielten.
- Das Schloss Rochers der Sévignés bei Vitré in der Bretagne, wo sie viele ihrer Briefe schrieb mit einem Exkurs über die Haltung von Mme de Sévigné zum Aufstand der bonnets rouges
- Das Schloss ihres Vetters Bussy-Rabutin in Burgund
- Die Kurorte Vichy und Bourbon l’Archambault.
In dem nachfolgenden und abschließenden dritten Teil der kleinen Reihe steht das Schloss von Grignan in der Provence im Mittelpunkt, in dem nach ihrer Heirat die geliebte Tochter residierte, der sie die Mehrzahl ihrer Briefe schrieb. Dort ist Mme de Sévigné auch begraben. Ein abschließender zweiter Exkurs thematisiert ihre bedingungslose Akzeptanz der Hugenottenverfolgungen, bei denen ihr Schwiegersohn in der Provence eine bedeutende Rolle spielte. Dabei hatte Mme de Sévigné enge Beziehungen zu dem hugenottischen bretonischen Adel, vor allem zu ihrer Freundin Emilie von Hessen-Kassel, die nach dem Ende der Religionsfreiheit in Frankreich das Land verließ und sich in Frankfurt für ihre Glaubensbrüder einsetzte. [1]
Grignan

Das auf einem Felsplateau östlich von Montélimar in der Provence gelegene Grignan verdankt seine Prominenz Mme de Sévigné. Ihr begegnet man dort auf Schritt und Tritt.



Statue der Mme de Sévigné auf der place Sévigné in Grignan

In ihrer Hand natürlich die Schreibfeder

Souvenir-Tasche mit Schreibfeder, Portrait der Tochter und Schlossansicht von Grignan

Nach Grignan gingen nämlich die meisten erhaltenen Briefe der Mme de Sévigné, weil dort seit 1671 ihre Tochter Françoise-Marguerite lebte. Es sind vor allem die zwei oder drei wöchentlich geschriebenen Brief an ihre Tochter, die den Ruhm der Mme de Sévigné als Briefschreiberin begründen.

Pierre Mignard zugeschrieben: Portrait von Françoise-Margueritte de Sévigné, comtesse de Grignan (1646-1705), um 1969. Musée Carnavalet Paris
Françoise-Marguerite war eine schöne junge Frau, für ihre sie abgöttisch liebende Mutter sogar „das hübscheste Mädchen Frankreichs“. 1663, damals 16 Jahre alt, wurde sie in die Hofgesellschaft von Versailles eingeführt und tanzte mit dem jungen Ludwig XIV. in dem „Ballet des Arts“ und ebenso in den beiden Ballettaufführungen der folgenden Jahre. Gerüchten zufolge machte ihr der junge Souverän Avancen, auf die sie aber nicht einging.
1668 heiratete sie standesgemäß, was Mme de Sévigné stolz ihrem Vetter Bussy-Rabutin mitteilte: : „Heute muss ich Ihnen eine Neuigkeit melden, die Sie bestimmt freuen wird, nämlich, dass endlich das hübscheste Mädchen von Frankreich heiratet, nicht den hübschesten jungen Mann (Grignanist 15 Jahre älter als Françoise-Marguerite. W.J.), wohl aber einen der besten Edelleute des Königreichs, Herrn von Grignan, den Sie längst kennen. Alle seine Gattinnen sind gestorben, um Ihrer Cousine den Platz zu überlassen und sogar, durch außergewöhnlich günstiges Geschicke, auch noch sein Vater und sein Sohn, so dass er reicher ist denn je zuvor und überdies durch Geburt, Stellung und gute Eigenschaften ganz so, wie wir es wünschen…“ [2]

François Adhémar de Moonteil, comte de Grignan. Grafik aus dem 17. Jahrhundert
Die Freude von Mme de Sévigné schlug aber um in allergrößte Traurigkeit, als ihre geliebte Tochter 1671 in die Provence übersiedelte, zu deren königlichem Gouverneur ihr Schwiegersohn ernannt worden war. Und so residierte er nun mit seiner Frau auf dem Familienschloss von Grignan. Für Mme de Sévigné war die Trennung ein Schock. Am 5. Februar 1674 schrieb sie ihrer Tochter: „Gestern waren es drei Jahre, daß ich eine der schmerzlichsten Erfahrungen meines Lebens machte: Du zogst nach der Provence und bist noch dort. Mein Brief würde lang werden, wenn ich Dir alle Bitternis, die ich empfand, schildern wollte und allen Kummer, der darauf folgte.“[3]
Und 15 Jahre später, am 9. Oktober 1689, als sie ihre Tochter schon in der Provence besucht hatte: „Ich denke ständig an Grignan, an euch alle, an eure Terrassen, an eure wunderschöne, atemberaubende Aussicht.“ [4]

Die obere Schlossterrasse

Blick von der oberen Schlossterrasse

Blick auf die untere Schlossterrasse, an der auch der Eingang zur Schlosskirche liegt.
Mme de Sévigné ließ es sich also nicht nehmen, mehrfach die beschwerliche Reise von Paris nach Grignan auf sich zu nehmen, um ihrer Tochter nahe zu sein und die „atemberaubende Aussicht“ zu genießen. Die gab es ja weder in Paris noch in Les Rochers. Allerdings war man damals 17 Tage unterwegs, teilweise auf der noch ungebändigten Rhône, die Mme de Sévigné besonders fürchtete, die aber dennoch sicherer war als der Landweg auf holprigen Wegen durch Wälder, „in denen es von Banditen und Wölfen wimmelte.“ [5]
Von dem Schloss war sie sehr beeindruckt. Ihrem Onkel, dem Abbé de Coulanges, der einen Brief „an das königliche Schloss Grignan“ adressiert hatte, schrieb sie am 9. September 1694:
„Eine solche Anschrift erweckt zum mindesten den Eindruck, dass unter allen Schönheiten, die Ihre Phantasie erfüllen, die Schönheit dieses Schlosses seinen Platz behauptet, und das gereicht ihm zur Ehre. Ich muss Ihnen ein wenig davon erzählen, da Sie es lieben.
Die hässlichen Stufen, über die man, zur Schande der d’Adhémars, zum zweiten Hof steigen musste, sind jetzt der angenehmsten Treppe, die man sich vorstellen kann, gewichen. …. da ist nun ein Meisterwerk entstanden. Die Eingangshalle ist schön, und es lässt sich dort sehr angenehm essen. Man gelangt über eine große Freitreppe hin, über der Türe ist das Wappen der Grignans. Die Gemächer der Prälaten, von denen Sie nur den Salon kennen, sind sehr befriedigend eingerichtet, und wir bewohnen sie sehr angenehm.“[6]
In der Tat unternahm der Schwiegersohn von Mme des Sévigné erhebliche Anstrengungen, das Schloss den repräsentativen Anforderungen seines Amtes entsprechend umzubauen. Vorbild war dabei das Schlosss von Versailles.

Ihrem adligen Freundeskreis in Paris berichtete sie begeistert: „Es ist ein wunderschönes Haus, eine wunderschöne Aussicht, eine herrliche Atmosphäre voller Erhabenheit und Pracht, von der ich ganz verzaubert bin.“ [7]

Die südliche Schlossfassade
Verzaubert war sie auch von den Speisen auf Schloss Grignan. Ihrem Vetter berichtet sie:
„Aber da wir beim häuslichen Thema sind, wollen wir auch davon reden, wie grausam man hier isst, besonders in dieser Jahreszeit. Es gibt zwar dieselben Speisen wie in überall: Rebhühner, das ist gewöhnlich, jedoch ungewöhnlich ist es, dass alle so sind wie in Paris jene, die man mit ganz besonderer Miene unter die Nase zu halten pflegt und ausruft: ‚Oh, dieser Duft! Riechen Sie ein wenig!‘ Solches Erstaunen lassen wir hier weg; unsere Rebhühner nähren sich mit Thymian und Majoran, mit allen duftenden Kräutern, die wir in Säckchen eingenäht in unsere Wäsche legen. Er gibt hier keine besseren und schlechteren. Und dasselbe sage ich von unseren fetten Wachteln, deren Schenkel sich bei der ersten Aufforderung vom Körper lösen müssen (sie gehorchen unfehlbar), und Turteltauben, auch sie vollendet gut. Und was die Melonen, Feigen und Muskatellertrauben betrifft, so ist es eigenartig: wenn wir den schlechten Einfall hätten, eine solche Melone finden zu wollen, müssten wir sie aus Paris kommen lassen, hier gibt es keine. Die weißen Feigen sind zuckersüß, die Trauben wie essbare Bernsteinkugeln. Man könnte sich leicht an ihnen berauschen, falls man zu viel davon essen würde, denn es ist, als trinke man in kleinen Schlücken Wein von Saint-Laurent. Das ist ein Leben, lieber Vetter!“[8]
Aber dann gießt sie dem beeindruckten Vetter doch etwas Wasser in den süßen provencalischen Wein: „Sie glauben, alle unsere Tage seien aus Gold und Seide gemacht. Mein Vetter, leider ist es hier hundert mal kälter als in Paris. Es ist der Südwind, es ist der Nordwind, es sind die Teufel, die darin wetteifern, uns zu verhöhnen; sie streiten sich um die Ehre, uns in unseren Zimmern einzusperren.“ [9]
Und auch ihrer Tochter gegenüber betont sie die Nachteile von Grignan – wohl um sie zu motivieren, öfters einmal die Mutter in Paris oder Les Rochers zu besuchen:
„Grignan sehe ich auch, aber Du hast keine Bäume, das tut mir leid; ich sehe nicht recht, wo Du spazieren gehen kannst, auch hast Du keine Grotten mit Wasserkünsten, und ich fürchte, daß der Sturm Dich eines Tages von Deiner Terrasse fortträgt: ja, wenn ich glauben könnte, der Wirbel brächte Dich einst hierher, ich hielte immer mein Fenster offen – und auffangen wollt‘ ich Dich, Gott weiß es!“[10]
Wenn Mme de Sévigné in Grignan zu Besuch war, vermisste sie natürlich ihren geliebten Park von Les Rochers und ihre Bäume, aber immerhin gab es die Grotte von Rochecourbière, einen Felsüberhang, wohin sie sich gerne zurückzog, „um ihren bleichen Teint vor der sengenden Sonne zu schützen und fernab des Trubels auf dem Schloss ihre Briefe zu schreiben.“ [11]

Zugang zur Grotte

Ein Platz zum Ausruhen und Briefe-Schreiben…
Insgesamt war Mme de Sévigné dreimal in Grignan und verbrachte dort insgesamt fast vier Jahre. In Grignan starb sie am 17. April 1696 und sie ist auch dort begraben.

Grabstätte der Mme de Sévigné in der am Fuß des Schlosses gelegenen Stiftskirche Saint-Sauveur aus dem 16./17. Jahrhundert. 1793 hatten Revolutionäre auch die Gräber geöffnet – allerdings nicht wie in Saint Denis aus politischen, sondern aus militärischen Gründen: Sie suchten nämlich nach Blei für die Herstellung von Munition. Sie trennten auch den Kopf der inzwischen berühmten Mme de Sévigné ab, der auf Umwegen zu Franz Joseph Gall, dem in Paris niedergelassenen Begründer der Phrenollogie (Schädellehre) gelangte. Diese Pseudowissenschaft unterstellte einen Zusammenhang zwischen Schädel- und Gehirnform einerseits und Charakter und Geistesgaben andererseits. Galls leitete aus seinen Untersuchungen ab, dass dieser Schädel tatsächlich einer Frau gehörte, die eine bemerkenswerte Besonderheit aufwies: nämlich eine völlige Unfähigkeit zur mütterlichen Liebe… [12]

Im 18. Jahrhundert wurde Grignan aufgrund seiner Lage und seines literarischen Renommees Zwischenstation vor allem englischer Kunstfreunde und Aristokraten auf dem Weg nach Italien.[13]

Das konnte aber nicht verhindern, dass 1793 das Schloss als Symbol feudaler Unterdrückung weitgehend zerstört wurde. Das Mobiliar und die Kunstwerke wurden geplündert und verkauft. Prosper Mérimée, Inspektor der monuments historiques schrieb 1844, das Schloss sei nur noch ein -allerdings von romantisch angehauchten Reisen geschätzter Trümmerhaufen (une masse de décombres).

Schlossruine im 19. Jahrhundert (zeitgenössische Darstellung, Schloss von Grignan)
1911 kaufte Marie Fontaine, eine steinreiche Bankierswitwe und Mäzenin, das noch weitgehend ruinierte Schloss und ließ es weitgehend originalgetreu wieder aufbauen. Es wurde auch wieder prachtvoll eingerichtet und dabei natürlich Mme de Sévigné nicht vergessen:

Das rekonstruierte Schlafzimmer der Mme de Sévigné

Der Schreibtisch mit der obligatorischen Feder
2026 feiert Grignan Mme de Sévigné, der es so viel verdankt, ausgiebig mit einem Sévigné-Jahr.

Exkurs: Mme de Sévigné, die Hugenottenverfolgungen und Emilie von Hessen-Kassel
Zum Schluss der Mme de Sévigné gewidmeten kleinen Beitragsreihe möchte ich auf ihre Haltung zu den Hugenottenverfolgungen in der Provence eingehen – ein Thema, das, soweit ich das sehe, in den Würdigungen zum 400. Geburtstag der Mme de Sévigné eher freundlich umgangen wird – vielleicht um die allgemeine gute Festlaune nicht zu trüben.
Denn Mme de Sévigné gehörte immerhin zu den entschiedensten, ja begeistertsten Befürwortern des Edikts von Fontainebleau, mit dem Ludwig XIV. das Edikt seines Großvaters aufhob und dass dabei auch Gewalt angewendet wurde, hielt sie für durchaus gerechtfertigt, ja notwendig.
In dem Brief an ihren Vetter vom 28. Oktober 1685 schrieb sie: „Sie haben sicherlich von dem Edikt gehört, mit dem der König das Edikt von Nantes aufhebt. Es gibt nichts Großartigeres als all das, was darin steht, und noch nie hat ein König etwas Denkwürdigeres getan und wird es auch nie tun.“ [14]
Dabei wusste Mme de Sévigné, dass die von ihr gepriesene Wiederherstellung der religiösen Einheit Frankreichs mit durchaus rabiaten Mitteln durchgesetzt wurde. In dem schon zitierten Brief an ihren Vetter rühmt sie den Pater Bordaloue „der einen charmanten Geist besitzt und eine sehr liebenswürdige Art hat. Auf Befehl des Königs bricht er nun auf, um in Montpellier und in jenen Provinzen zu predigen, in denen sich so viele Menschen bekehrt haben, ohne zu wissen, warum. Pater Bourdaloue wird es ihnen beibringen und sie zu guten Katholiken machen. Die Dragoner waren bisher sehr gute Missionare: Die Prediger, die man nun entsendet, werden das Werk vollenden.“

Kopie einer Zeichnung aus dem Jahr 1686. Links ein Dragoner/Missionar – in seinem Gewehr statt einer Kugel ein Kreuz. Rechts ein Häretiker/Hugenotte, der seinen Übertritt zum Katholizismus vollzieht.
Offenkundig schwingt in diesen Worten auch etwas Ironie mit – so wie ja auch in ihren in Worten zu den Galeerensträflingen, die ich im ersten Teil des Blog-Beitrags über Mme de Sévigné zitiert habe. Aber es ist doch befremdlich, wie sie die staatliche Brutalität, die bei der zwangsweisen „Bekehrung“ von Hugenotten angewandt wurde, darstellt. Die Soldaten, die bei den berüchtigten Dragonnaden in protestantischen Häusern einquartiert wurden, waren ja nun wirklich keine „sehr guten Missionare“. Und die Hugenotten, die unter diesen Bedingungen zum Katholizismus übertraten, wussten durchaus warum: wegen des massiven Zwangs, der auf sie ausgeübt wurde. Aber die Abfolge von militärischer Zwangskonversion und anschließender Missionierung nimmt Mme de Sévigné ironisch-billigend in Kauf. Der heilige Zweck heiligt eben die Mittel, selbst die schlimmsten. Das gilt auch für ihren Vetter, der in seinem Antwortbrief vom 14. November 1685 schreibt, er bewundere „das Vorgehen des Königs, die Hugenotten zugrunde zu richten.“ Das neue Edikt Ludwigs XIV. sei ihr „coup de grâce“, ihr Gnadenstoß – eine sehr „feinsinnige“ Formulierung: Selbst wenn es darum geht, eine ganze Bevölkerungsgruppe „zugrunde zu richten“, wird das in der Art der „Rabutinage,“ dem geistreich plänkelnden Austausch zwischen Mme de Sévigné und ihrem Bruder behandelt. Die als Grundton ihrer Briefe vom FAZ-Feuilletonisten Mark Zitzmann gerühmte „Zartheit“ bzw. das „Zartgefühl“, das Mme de Sévigné auch für sich selbst beanspruchte, sucht man vergeblich, wenn es um den Kampf gegen die Hugenotten geht. Und ihre diesbezügliche Militanz geht über ein „gutkatholisches Überlegenheitsgefühl über die verfolgten Protestanten“ doch weit hinaus.[15]
Die Zustimmung von Mme de Sévigné zur Gewaltanwendung bei der Durchsetzung des Edikts von Fontainebleau beruht wohl auch darauf, dass ihr Schwiegersohn, der Gouverneur der Provence, dabei eine wichtige Rolle spielte. Am 16. März 1689 schreibt Mme de Sévigné, die gerade bei ihrer Tochter zu Besuch ist, ihrem Vetter Bussy-Rabutin [16]: „Herr und Frau von Grignan sind auf ihrem Posten. Herr von Grignan hat eine entsetzlich ermüdende Reise in die Berge der Dauphiné hinter sich. Er musste Hugenotten aufstöbern und bestrafen. Sie kommen aus ihren Löchern hervor, um gemeinsam zu Gott zu beten, und verflüchtigen sich wie Geister, sobald sie merken, dass man ihnen auf der Spur ist und sie ausrotten will. Diese Art von fliegenden, unsichtbaren Feinden verursacht endlose Mühe, ja, wörtlich, sie nimmt kein Ende. Diese Leute verschwinden im Nu, und sobald man ihnen den Rücken kehrt, kommen sie wieder aus ihren Höhlen hervor. Ich glaube, in Burgund gibt es nichts dergleichen.“
Das Mitleid, das Mme de Sévigné noch mit den Opfern des blutig niedergeschlagenen bretonischen Aufstandes hatte, fehlt gegenüber den Hugenotten völlig: Anstatt sich, wie es sich anscheinend ihrer Meinung nach gehörte, willig ausrotten zu lassen, verschwinden sie einfach und verflüchtigen sich wie Geister. Und nota bene: Es geht hier für sie nicht um Bekehrung oder Vertreibung, sondern um Ausrottung. Die Vokabel, die sie verwendet, exterminer, also vernichten/ausrotten, wird, das muss ich doch anmerken, im Französischen auch für den Holocaust verwendet.
Aber das Mitleid geht Mme de Sévigné auch hier nicht völlig ab. Ihr armer Schwiegersohn hat „eine entsetzlich ermüdende Reise“ hinter sich. Es verursacht „endlose Mühe“, die Hugenotten „aufzustöbern und zu bestrafen“, also auszurotten. Es macht ihr große Sorgen, dass die Jagd auf die Hugenotten zu beschwerlich oder gar gefährlich sein könnte: „Der Brief von Monsieur de Grignan hat mich erschauern lassen, mich, meine Liebe, Gute, die ich weder den Anblick noch die Vorstellung eines Abgrunds ertragen kann. Wie schrecklich, … immer nur einen Hauch vom schrecklichen Tod entfernt zu sein! … Ich befürchte, dass diese Dämonen verschwinden, sobald sie Angst haben und Monsieur de Grignan sehen, aber mit derselben Leichtigkeit wieder auftauchen, sobald er nicht mehr da ist.“ [17] Aber sie ist doch stolz auf ihn, denn die Vernichtung der Hugenotten ist für sie ein ehrenvolles Werk: „Sie können froh sein, dass niemand kommt, um Ihnen bei Ihrer Arbeit zu helfen. Monsieur de Grignan wird diese Dämonen vertreiben, die aus den Bergen kommen und sich dort wieder verstecken. Im Languedoc gibt es viele davon; Monsieur de Broglio und Monsieur de Bâville jagen sie. Sie sind wie Geister, sie verschwinden einfach.“ [18] Damit stellt Mme de Sévigné ihren Schwiegersohn auf eine Ebene mit Männern, die für ihre Härte, ja Grausamkeit bei der Jagd nach Hugenotten im Languedoc bekannt und berüchtigt waren. [19] In einem ihrer Briefe nennt sie selbst Bâville ohne jeden kritischen Unterton den Schrecken des Languedoc („la terreur du Languedoc“): offenbar sieht sie ihn als Vorbild für ihren Schwiegersohn bei seinem Kampf gegen die „Dämonen“.[20]
Bei der Lektüre dieser Briefe musste ich ganz unwillkürlich und gegen jede political bzw historical correctness an die Posener Rede des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler vom Oktober 1943 denken. Da redete er von der notwendigen „Ausrottung“ des jüdischen Volks, an der teilgenommen zu haben „ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte“ sei. Natürlich ist es völlig abwegig, Mme de Sévigné und Himmler auf eine Stufe zu stellen, es sind Welten, die beide trennen.[21] Aber irritierend ist die Haltung von Mme de Sévigné zu der Gewaltanwendung gegen die Hugenotten doch. So fühlt sich denn auch Ferdinand Lotheißen, Übersetzer der Briefsammlung des Projekts Gutenberg, genötigt, den Brief vom 28. Oktober 1685 mit einer ansonsten völlig unüblichen Anmerkung zu versehen:
„Von einer Frau wie Mme. de Sévigné einen solchen Brief zu lesen, erstaunt uns. Doch vergessen wir nicht, daß uns mehr als zwei Jahrhunderte von jener Zeit trennen, und daß erst nach langen Kämpfen Toleranz und Gewissensfreiheit errungen wurden. Mme. de Sévigné sprach hier, wie fast alle ihre Standesgenossen, welche die Aufhebung des Edikts von Nantes als eine große Tat priesen. Auch La Fontaine pries in einem Brief an den Herzog von Vendôme den König, daß er die »ketzerische dumme Hugenottenbrut« vertrieben hätte.“ [22]
Allerdings hatte es unter dem ursprünglich hugenottischen und nur aus Staatsraison zum Katholizismus konvertierten Heinrich IV. mit dem Edikt von Nantes durchaus schon ein gewisses Maß an Toleranz in Frankreich gegeben. Und es gab in Frankreich auch vereinzelte kritische Stimmen. So von dem Festungsbauer Vauban, der aus sachlichen Gründen vor einer Aufhebung des Edikts von Nantes gewarnt und dabei vor allem auf die möglichen -und dann ja auch durchaus eingetretenen – negativen Konsequenzen für Frankreich hingewiesen hatte. Andere, wie der Jansenist Antoine Arnault, rieten immerhin dazu, nicht allzu laut und triumphal die Aufhebung des Edikts von Nantes zu bejubeln, weil bei der Konversion so vieler „Ketzer“ doch auch einige Gewalt angewandt worden sei. [23] Diese Zurückhaltung gibt es bei Mme de Sévigné nicht.
Dass es Mme de Sévigné nur allzu richtig fand, „die elenden Hugenotten auszurotten“ (exterminer), ist für mich schon befremdlich genug. Umso mehr allerdings, wenn man bedenkt, wie engen Kontakt sie vor dem Edikt von Fontainebleau mit Hugenotten hatte. Vitré, in dessen Nähe Les Rochers, das Schloss der Sévignés, lag und wo sie auch direkt ein stattliches hôtel particulier besaß, war nämlich eine Hochburg der Hugenotten. 1583 fand dort die 12. Synode der reformierten Kirchen Frankreichs statt, 1617 die 22. Synode. 1598 gab sogar Henri Quatre der Stadt die Ehre und habe dabei ausgerufen, er wäre gerne Bürger von Vitré, wenn er nicht französischer König wäre. Zu dem bretonischen Freundeskreis von Mme de Sévigné gehörte auch Emilie von Hessen- Kassel, Prinzessin von Tarent, zu dieser Zeit sicherlich die prominenteste Bewohnerin von Vitré. [24] Emilie war die älteste Tochter des Landgrafen Wilhelm V. von Hessen-Kassel. 1648 heiratete sie den in hessischen Diensten stehenden Hugenotten Henri Charles de La Trémoille, Fürst von Tarent und Talmont. Nach dem Tod ihres Mannes 1672 lebte Emilie im Sommer auf ihrem Landsitz, dem Château Marie in Vitré, und wurde eine enge Freundin der genau gleichaltrigen Mme de Sévigné. Die rechnete es, wie wir schon gesehen hatten, ihrer Freundin und deren Nähe zum Versailler Hof zu und hoch an, dass Vitré beim bretonischen Aufstand der bonnets rouges von der Einquartierung königlicher Truppen verschont wurde. Der „bonne Tarente“ las sie Ausschnitte aus den Briefen ihrer Tochter vor und umgekehrt las Emilie Mme de Sévigné auf deutsch geschriebene lange Briefe ihrer Nichte Liselotte von der Pfalz, der Schwägerin Ludwigs XIV., vor und übersetzte sie ihr. [25] Die verschiedenen Konfessionen waren dabei kein Hinderungsgrund, sondern wurden akzeptiert. Am Weihnachtstag 1675 berichtet Mme de Sévigné, habe sie an der Messe teilgenommen und dabei große Freude empfunden, katholisch zu sein. Gleichzeitig sei Emilie, „la bonne princesse“, zu ihrem Gottestdienst gegangen. Und anschließend habe sie mit dem ministre, dem Pfarrer, diniert: eine wunderbare Momentaufnahme des Miteinanders über konfessionelle Grenzen hinweg.
Dass trotz dieser engen Beziehungen zu Hugenotten Mme de Sévigné derart eindeutig deren Ausrottung befürwortet, ist schon bemerkenswert. Immerhin pflegte sie, wie ihre Briefe zeigen, Freundschaften und hielt, wie sie gegenüber dem von Ludwig XIV. geächteten Nicolas Fouquet eindrucksvoll bewies, auch dann noch daran fest, als es politisch inopportun war, ja sogar gefährlich werden konnte. Aber bei den Hugenotten war es wohl die unbedingte Treue zur katholischen Kirche, die die Enkelin einer Ordensgründerin und späteren Heiligen veranlasste, sich so radikal zu positionieren. Obwohl sie doch aus eigener Erfahrung wusste/wissen musste, dass die Hugenotten durchaus nicht so „elend“ und „dämonisch“ waren, wie sie sie dann in ihren Briefen darstellte. Aber dass bei Verfolgung ganzer Bevölkerungsgruppen immer auch einzelne Ausnahmen gemacht werden, liegt nahe.
Emilie von Hessen-Kassel, die auch nach der Konversion ihres Mannes zum Katholizismus an ihrem Glauben festhielt, entschied sich übrigens nach dem Erlass des Edikts von Fontainebleau zur Rückkehr nach Deutschland, obwohl ihr Ludwig XIV. “nicht unbeträchtliche Pensionszahlungen anbot, falls sie konvertierte.“ Sie erhielt die außerordentliche, „einfachen“ Hugenotten verwehrte Erlaubnis, mit 5 bis 6 französischen Bediensteten in ihre deutschen Besitzungen zurückzukehren.[26] Allerdings kehrte sie nicht in das elterliche Hessen-Kassel zurück, obwohl das zu den deutschen Territorien gehörte, die den aus Frankreich geflohenen Hugenotten Zuflucht boten. Sondern sie ließ sich in Frankfurt nieder, das eine wichtige Zwischenstation von aus Frankreich geflohenen Menschen war.[27] Aufgrund ihrer herausgehobenen Stellung wurden ihr dort sogar Privilegien zugebilligt, die Reformierte in der streng lutherischen Stadt nicht hatten. Mit ihren geringen verbliebenen Mitteln unterstützte sie vor allem Waldenser, die auf Hilfe wesentlich mehr angewiesen waren als die wegen ihrer vielfältigen Kompetenzen und großen Arbeitsmoral von reformierten Territorialherren gerne aufgenommenen Hugenotten. In Frankfurt starb sie 1693, drei Jahre vor ihrer ehemaligen Freundin. Bestattet wurde sie in Kassel, aber ein Denkmal wurde ihr nicht gesetzt.
Literatur
Madame de Sévigné, Briefe. Herausgegeben und übersetzt von Theodora von der Mühl. Insel TB 1979
Marquise de Sévigné, Ausgewählte Briefe. Übersetzt von Ferdinand Lotheißen. München: Albert Langen 1925 https://www.projekt-gutenberg.org/sevigne/sevigbrf/chap001.html
Madame de Sévigné, Briefe an die Tochter. Ausgewählt und aus dem Französischen übersetzt von Susanne Schürmann. Mülheim 2020
Marie de Rabutin-Chantal, marquise de Sévigné, Lettres de Madame de Sévigné, de sa famille et de ses amis Texte établi par Louis Monmerqué, Hachette, 1862 https://fr.wikisource.org/w/index.php?title=Lettres_de_Madame_de_S%C3%A9vign%C3%A9/%C3%89dition_Monmerqu%C3%A9/Volume_1/Notice&utm_source=chatgpt.com
Les Classiques de Lire, Themenheft Madame de Sévigné. 2/3/4 2026
Paul Deschanel, membre de l’Académie Française, Rede zur Einweihung der Statue von Madame de Sévigné. Vitré, 8. Oktober 1911 https://www.academie-francaise.fr/inauguration-de-la-statue-de-mme-de-sevigne-vitre
Duchêne, Roger (Hrsg), Autour de Mme de Sévigné, deux colloques pour un tricentenaire. Biblio 17 Hrsg vom Romanischen Seminar der Uni Tübingen 1997
Rob Kieffer, Göttliche Trüffel, hinterhältige Teufel. Die Drôme provencale war für Madame de Sévigné, die plauderfreudige, scharfsinnige Briefeschreiberin und Chronistin des königlichen Hoflebens, Zufluchtsort und Inspirationsquelle. In diesem Jahr feiert man dort ihren 400. Geburtstag. In: FAZ 23.5.2026
Gerlinde Kraus, Madame de Sévigné. In: Bedeutende Französinnen. Mühlheim/Main 2006
Jean-Jacques Lévêque, Madame de Sévigné ou la saveur des mots 1626-1696. Paris ACR Editions 1996
Claude Lefebvre, Portrait von Madame de Sévigné. https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/899704
Stéphane Maltère, Madame de Sévigné. Paris: Gallimard 2013
Genès Pradel, Madame de Sévigné en Bourbonnais : ses séjours à Vichy et à Bourbon-l’Archambault. Conférence faite aux « Amis de Montluçon », le 2 mai 1914. Madame de Sévigné en Bourbonnais : ses séjours à Vichy et à Bourbon-l’Archambault / par Genès Pradel | Gallica
Anmerkungen
[1] Alle Fotos dieses Beitrags, soweit nicht anders angegeben, von Wolf Jöckel
Lesezeit 24 Minuten
[2] Brief an den Grafen Bussy-Rabutin vom 4. Dezember 1668. Aus: Briefe a.a.O., S. 26/27
[3] Von Mme. de Sévigné an Mme de Grignan Brief 37 Paris, 5. Februar 1674 Marquise de Sévigné: Ausgewählte Briefe – Marie de Rabutin-Chantal, Marquise de Sévigné Kapitel 5
[4] Info-Tafel im Schloss von Grignan. Übersetzung in: FAZ 23.5.2026
[5] FAZ 23.5.2026
[6] Brief aus Grignan vom 9. September 1694. Zit. Briefe, S. 380
[7] Zit. von Kieffer, FAZ, 23.5.2026
[8] Brief aus Grignan vom 9. September 1694. Zit. Briefe, S. 380/381
[9] Zit. Kieffer, FAZ, 23.5.2026
[10] https://www.projekt-gutenberg.org/sevigne/sevigbrf/chap003.html Brief 21
[11] Kieffer, FAZ, 23.5.2026
[12] Les Classique de Lire, S. 11
[13] Die nachfolgende Abbildung aus der im Schloss präsentierten Geschichte von Grignan
[14] Lettres de Mme de Sévigné (Bibliothèque de la Pleiade), t. III, p. 114 Zitiert auch bei https://de.frwiki.wiki/wiki/%C3%89dit_de_Fontainebleau_%281685%29 als Beispiel für die begeisterte Zustimmung der Marquise de Sévigné zu dem Edikt von Fontainebleau: „Kein König hat jemals etwas Denkwürdigeres getan oder wird es tun.“ Auch das musée protestant zitiert in dem Beitrag über die französischen und ausländischen Reaktionen auf das Edikt von Fontainebleau an hervorgehobener Stelle diese Briefpassage der Mme de Sévigné. https://museeprotestant.org/notice/les-reactions-en-france-et-a-letranger/
[15] Mark Zitzmann, Was sie schrieb, war einfach unerhört. 400 Jahre Madame de Sévigné. In: FAZ vom 5.2.2026 Zitzmann spricht zwar immerhin das heikle Thema an, aber die Haltung von Mme de Sévigné derart zu bagatellisieren, finde ich eher peinlich.
[16] Brief S. 345 vom 16. März 1689
[17] Ibid., p. 377
[18] Lettres de Mme de Sévigné (Bibliothèque de la Pleiade), t. III S. 363 Brief vom 25. Februar 1689
[19] Zur Rolle des Grafen von Grignan bei der Bekämpfung der Hugenotten siehe: R. Duchêne, Monsieur de Grignan et les protestants de Provence https://cinumedpub.mmsh.fr/Provence-historique/Pdf/PH-1970-20-079_07.pdf S. 64/65 Duchêne geht von einem Artikel in der in der Enzyklopädie Grand Larousse (Ausgabe 1962), die er zitiert:
« Grignan (François-Adhémar de Monteil, comte puis marquis de) [Grignan 1629, id. 1714). Colonel du régiment d’infanterie de Champagne en 1654, il fut nommé lieutenant général de Provence (1669) et fut rigoureux avec les protestants.“
In seinem Beitrag versucht Duchêne, dieses Urteil zu korrigieren. Grignan habe nur die königllichen Instruktionen ausgeführt und dabei sogar besondere Zurückhaltung walten lassen: es sei ihm nämlich darauf angekommen, die Grenzen zu schließen und möglichst viele Hugenotten im Land zu halten. Grund für das negative Urteil des Larousse seien die Briefe von Mme de Sévigné, die das Bild ihres Schwiegersohns geprägt hätten.
» L’approbation de Mm. de Sévigné à son gendre ne peut, dès lors, que le rendre suspect: La réputation de dureté du comte de Grignan lui vient de ces quelques passages, les seuls qui attestent sa présence dans une expédition contre les protestants, sans doute en service commandé, puisqu’il est hors de son propre gouvernement. Parce que l’imagination de l’épistolière était effrayée de la difficulté des chemins ct de l’aptitude des protestants à se cacher, elle a fixé ses impressions dans une image qui s’imposait à son esprit et qui s’est imposée à celle de ses lecteurs, celle d’une sorte de chasse contre les ‚démons‘. L’horreur du cadre s’est associée dans les esprits à l’horreur de cette poursuite, où il s’agit d‘ « exterminer“. Et M. de Grignan, solidaire de Broglio et de Bâville, a été rendu responsable d’une expédition dont on ignore s’il la commandait et s’il l’approuvait.“
[20] Brief an Mme de Grignan vom 2. Oktober 1689. https://fr.wikisource.org/wiki/Lettres_choisies_%28S%C3%A9vign%C3%A9%29%2C_%C3%A9d._1846/Lettre_295?utm Brief 295
[21] Mme de Sévigné ist außerdem Kommentatorin, Himmler dagegen verantwortlicher Täter.
[22] .Marquise de Sévigné: Ausgewählte Briefe – Marie de Rabutin-Chantal, Marquise de Sévigné Kapitel 16, 148
[23] Siehe: https://museeprotestant.org/notice/les-reactions-en-france-et-a-letranger/ , wo die wesentlichen Bedenken Vaubans aufgeführt sind. Siehe auch: Charles Alfred de Janzé, Les Huguenots. Cent ans de persécution 1685 — 1789 (1886 https://www.gutenberg.org/cache/epub/16849/pg16849.html
[24] https://de.wikipedia.org/wiki/Emilie_von_Hessen-Kassel
[25] Brief vom 23. Oktober 1675 an ihre Tochter
„Madame écrit en allemand de grandes lettres à Mme de Tarente : je me les fais expliquer. Elle lui parle avec beaucoup de familiarité et de tendresse, et la souhaite fort.“
[26] Archives nationales, La Trémoille, Marie-Amélie de Hesse-Cassel (1626-1693 ; duchesse de)
https://rdf.archives-nationales.culture.gouv.fr/garance/entities/agent/052904/?utm
[27] Dazu im Einzelnen: Michelle Magdelaine, Francfort-sur-le-Main et les réfugiés huguenots. Pariser Historische Studien Bd. 82 2007 https://perspectivia.net/servlets/MCRFileNodeServlet/ploneimport_derivate_00010832/magdelaine_huguenots.pdf?utm























































































































































































