50 Jahre Mai 1968: Plakate der Revolte: Eine Ausstellung in der École des beaux- arts in Paris

 

Der 50. Jahrestag des „Mai 1968“ ist in Frankreich ein kaum zu übersehendes mediales Ereignis. In den Zeitungskiosken sieht man die entsprechenden Titelseiten von Zeitschriften, in den Buchhandlungen sind ganze Büchertische für die zahlreichen Neuerscheinungen reserviert.[1]

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                    DSC02953 Medien Titel 1968 (1)   DSC02765 50 Jahre 1968

Präsident Macron hatte Ende 2017 sogar eine offizielle „commemoration“ erwogen, denn ganz unbestritten ist der Mai 1968 ein zentrales Ereignis der französischen Nachkriegsgeschichte. Anders  aber als etwa der 11. November 1918, dessen 100. Jahrestag ebenfalls in diesem  Jahr begangen wird, eignet sich der Mai 1968 wenig für einen offiziellen Akt der Erinnerung, wenn man ihn gewissermaßen als eine „zivile Liturgie“ versteht, durch die sich eine nationale Gemeinschaft des sie prägenden Erbes versichert.[2] Zwar hat das Elysée  umgehend erklärt, die Erinnerung an den Mai 68 nicht instrumentalisieren zu wollen; man wolle Daniel Cohn-Bendit, der inzwischen zu einem medienwirksamen Anhänger Macrons geworden ist,  keinen goldenen Pflasterstein überreichen.[3] Aber auch wenn nach einer neueren Umfrage des Nouveau Magazine littéraire vom März 2018 79% der Franzosen das Erbe des Mai 68 positiv beurteilen, wird er vom rechten Spektrum als “ verfluchte Erbschaft“ (Titel der oben abgebildeten Zeitschrift Valeurs actuelles) gesehen,  die entsprechend einer Forderung Sarkozys aus dem Jahre 2007 „ein für alle Mal liquidiert“ werden müsse.[4] Der Mai 68 ist also  im kollektiven Gedächtnis der Franzosen derart gegensätzlich repräsentiert, dass der Präsident mit einem offiziellen Akt der Erinnerung wohl  nur zwischen die Fronten geraten wäre, die zu überwinden er angetreten war. Und Daniel Cohn-Bendid, ohne den eine offizielle Erinnerungsveranstaltung kaum denkbar wäre, hatte ausdrücklich und frühzeitig angekündigt, nicht als nostalgischer „ancien combattant“ des Mai 68 fungieren zu wollen.[5]

So bleibt die Erinnerung daran also den Medien und zahlreichen Institutionen überlassen: In Paris sind es allein neun Einrichtungen, die unter der Federführung des Centre Pompidou  an den Mai 68 erinnern.[6] Und das ist ja nur –gewissermaßen- die Spitze des Eisbergs. Beispielsweise –und selbstverständlich- ist auch la Maison Heinrich Heine, das deutsche Haus in der Cité universitaire, beteiligt: Dort gibt es am 24. Mai eine Filmvorführung und eine  Debatte mit Zeitzeugen, u.a. Alain Geismar, einem der Repräsentanten der Studentenbewegung, und am 13. Juni eine Debatte über die internationale Dimension der Revolte.[7]

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Haupteingang der École des Beaux-Arts in der rue Bonaparte (6. Arrondissement) In der Mitte das Portal des ehemaligen Klosters der „petits-Augustins“ vom Anfang des 17. Jahrhunderts

Die École des Beaux-Arts im Pariser Quartier Latin, ein Zentrum der französischen Studentenbewegung, präsentiert(e) vom 21. Februar bis zum 20. Mai 2018 die Ausstellung „Images en lutte“ (Bilder im Kampf“), die im Mittelpunkt dieses Blog-Beitrags steht. Es ist gewissermaßen das Gegenstück zu einer weiteren Ausstellung in den Archives nationales im Pariser Marais, die den Mai 68 aus der Sicht der „Macht“darstellt, des Präsidenten, der Regierung, der Polizei: „68- Les archives du pouvoir“ (3. Mai bis 17. September).

Die École des Beaux -Arts  ist ein ganz wunderbarer Ort, dessen Besuch sich auch abseits und jenseits des 50. Jahrestags von 1968 lohnt.

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Im Mai 68 spielte sie eine ganz wichtige Rolle. Die dort entworfenen und vervielfältigten Plakate sind ein Spiegel der sozialen Auseinandersetzungen der damaligen Zeit; manche sind geradezu zu „Ikonen“ geworden, die die Erinnerung an die Ereignisse von 1968 bis heute bestimmen und ihre Wahrnehmung prägen.

Es ist deshalb auch kein Zufall, dass die Aktivisten von „Nuit debout“ 2016 – im Mai-  die Kunsthochschule besetzten. Sie sei, wie ein Sprecher der Bewegung damals erklärte, „ein höchst symbolischer Ort, der im Mai 68 besetzt wurde.“ Man werde wie damals das Material der Hochschule nutzen, um Plakate herzustellen. An die große Vergangenheit von 1968 konnte man da allerdings nicht anknüpfen…[8]

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Das Atelier populaire in der École des beaux-arts

Am 8. Mai 1968 schloss sich die École des Beaux-Arts, die renommierte Kunsthochschule von Paris, der studentischen Streikbewegung an. In der nunmehr als Ex-École des Beaux-Arts bezeichneten Hochschule wurde ein Atelier populaire eingerichtet.

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Die Umbenennung der Hochschule und das Atelier populaire stehen für ein neues Verständnis von Kunst. Bisher sei sie nur der Luxus von wenigen und auf einen geschlossenen Kreis traditioneller Institutionen (Kunsthochschule, Künstlerateliers, Salons, Galerien, Museen) beschränkt. Die Kunst sei aber in Wirklichkeit ein vitales Bedürfnis aller und es müssten Möglichkeiten eröffnet werden, dieses Bedürfnis auch auszudrücken.

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Als Mittel, das Korsett der traditionellen Kunst zu sprengen, bot sich das Plakat an. Es kann und soll vervielfältigt und in die Öffentlichkeit gebracht werden. Es ist reaktiv, kann sich also unmittelbar auf das aktuelle Geschehen beziehen. Das Atelier populaire wollte Teil der Protestbewegung sein. Es verstand sich gewissermaßen als deren public-relations- Agentur: Gruppen, die ihre Anliegen gestalten und verbreiten wollten, fanden hier Ansprechpartner. Entwürfe wurden diskutiert und einer Vollversammlung zur Entscheidung vorgelegt. Prinzip war dabei, dass die Künstler sich dieser Entscheidung zu fügen hatten, selbst wenn sie –vielleicht sogar zu Recht- der Meinung waren, ihr nicht berücksichtigter Entwurf sei der bessere gewesen. Nur so könne man, so war damals die Überzeugung, aus dem engen Rahmen der bürgerlichen Kunstauffassung ausbrechen. Dabei wurde und wird bis heute die Anonymität gewahrt: Auf keinem einzigen der in der École des Beaux-Arts ausgestellten Plakate ist angeben, wer es entworfen hat.  Die ausgewählten Arbeiten wurden dann über Nacht hergestellt und vervielfältigt. Die Auflage erreichte zunächst bis zu 2000 Exemplare, im Juni 1968 konnte sie bis auf 1 Million gesteigert werden.[9]

In einem Bericht über den Mai 68 im Quartier Latin beschreibt Simone de Beauvoir das Leben in der von Studenten besetzten Sorbonne und erwähnt dabei auch die Omnipräsenz der Plakate:

„Jamais , ni dans ma studieuse jeunesse ni même au début de cette année 68 je n’aurais pu imaginer pareille fête. Le drapeau rouge flottait sur la chapelle et sur les statues des grands hommes. Sur les murs fleurissaient les merveilleux slogans inventés quelques semaines plus tôt à Nanterre. Chaque jour apparaissaient dans les couloirs de nouvelles inscriptions, des tracts, des affiches, debout au mileu de la cour des groupes discutaient avec acharnement.“[10]

Wie wirkungsvoll das Atelier populaire in der Pariser Kunsthochschule war, zeigt sich auch daran, dass es Vorbild wurde für andere entsprechende Einrichtungen, wie das atelier populaire de Marseille oder das Atelier de l’École des Beaux-Arts de Lyon.[11] Und vor allem war es die Polizei, die den Erfolg des Pariser atelier populaire bestätigte: Im Juni 1968 –um 4 Uhr morgens- drang sie in die Kunsthochschule ein, um das  „atelier populaire“ zu schließen, weil es  zur Gewalt aufrufe.[12] Eine dauerhafte Schließung des Ateliers erreichte die Polizei aber nicht. Und das Atelier kommentierte auf seine Weise  die Polizeiaktion:  Wenn sich die Polizei in den Beaux-Arts verbreite, dann verbreite beaux-arts seine Plakate an den Wänden der ganzen Stadt.

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Einige der Plakate, die dort entstanden sind, gehören inzwischen zu den Ikonen der 68-er Bewegung, in den Worten von Le Monde: „Les affiches de l’atelier populaire des Beaux-Arts demeurent les éléments les plus identifiables de l’iconographie insurrectionelle.“[13] Im konservativen Figaro wird allerdings bemängelt, von der revolutionären künstlerischen Avantgarde hätte man  mehr Kreativität erwarten können, sie habe eine „mine de plomb“.[14] Das kann man  so sehen, denn in der Tat gibt es teilweise ja  in der Tat sehr schematisierte Darstellungen:  so die in die Höhe gereckte Faust, den Schlot der Fabrik und ihr gezacktes Sägezahndach. Aber diese Reduktion auf einige feststehende Elemente ist sicherlich nicht fehlender Kreativität geschuldet –für die es in der Ausstellung genügend Belege gibt- sondern dem Medium des Plakats, zu dem eben gerade auch das Plakative gehört.

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Ein schönes, gleich am Anfang ausgestelltes Plakat zeigt fünf Portraits kommunistischer Größen, dazu eine Aufschrift, die Worte der Internationale zitiert:  „Il n’est pas de sauveur suprême“,  in der deutschen Übersetzung: „Es rettet uns kein höh‘res  Wesen“. Worauf  in der deutschen Version folgt: „kein Gott, kein Kaiser noch Tribun“ – auf dem Plakat entsprechend „ni Dieu, ni Castro, ni Mao“.  Abgebildet sind dazu in der klassischen Aneinanderreihung die Portraits von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao. In der Ausstellungsbesprechung von Le Monde wird pikanterweise das Portrait von Marx als das Gottes bezeichnet[15]– was aber dann doch wieder einen höheren Sinn ergibt- wurde doch Marx damals von vielen gewissermaßen wie ein Gott verehrt….

Ein Portrait, das man in Frankreich kaum verwechseln kann, ist das von Daniel Cohn-Bendid. Das von Gilles Caron aufgenommene Bild, auf dem er in der Sorbonne einen behelmten und Schlagstock-bewaffneten Polizisten herausfordernd und entwaffnend anlacht, zierte damals und ziert heute wieder anlässlich des 68-er Jubiläums die Titelseiten von Zeitungen und Magazinen. Es veranschaulichte die Konfrontation des „ci jolie mois“, einer beschwingten antiautoritären Revolte, die Daniel Cohn-Bendit verkörperte, und einer unbeweglichen, ihre Macht demonstrierenden und exekutierenden Staatsgewalt.[16]    

Cohn Bendit wurde als Repräsentant der sogenannten Bewegung des 22. März in Frankreich bekannt. Dies war zunächst ein lockerer Zusammenschluss von Studenten unterschiedlicher politischer Tendenzen, der sich an der neu gegründeten Reform-Universität von Nanterre gebildet hatte. Der Auslöser war ein Jahr vorher die Forderung nach uneingeschränkter Bewegungsfreiheit von Studentinnen und Studenten in den nach Geschlechtern getrennten Wohnheimen der Universität. Der Konflikt eskalierte. Es kam zu einem bis dahin undenkbaren Einsatz von Polizei auf dem Universitätsgelände, Studenten wurden der Universität verwiesen, eine Maßnahme, von der auch Daniel Cohn-Bendit bedroht war. (Inzwischen hat die Universität ihren Frieden mit ihm geschlossen und ihn 2014 sogar zum Ehrendoktor gemacht….[17])

Im Januar 1968 kam es an der Universität zu einem Zwischenfall, der gewissermaßen zum Grundstein der Medienprominenz von Daniel Cohn-Bendit wurde. Der Minister für Jugend und Sport, François Missoffe, kam nach Nanterre, um im Sportzentrum der Universität ein Schwimmbad zu eröffnen. Dabei wurde er von Daniel Cohn-Bendit, damals Student der Soziologie, auf das kurz davor erschienene, vom Ministerium herausgegebene Weißbuch über die Jugend angesprochen: Er habe das Weißbuch gelesen und auf den 300 Seiten kein einziges Wort über die sexuellen Probleme der Jugend gefunden. Der Minister ging zunächst nicht darauf ein, als aber Cohn-Bendit insistierte, empfahl der Minister dem frechen Studenten, er solle doch, wenn er solche Probleme habe, einfach ins Wasser springen. Darauf Cohn-Bendit:  „Voilà une réponse digne des Jeunesses hitlériennes.“  Das  sei eine Antwort im Stil der Hitlerjugend.[18]

Am 22. März besetzten Studenten den Turm der Universität von Nanterre, Sitz der Verwaltung, von der die Studenten ausgeschlossen waren. Grund dieser spontaneistischen Aktion war unter anderem die Forderung nach Freilassung von  Demonstranten, die zwei Tage vorher bei einer militanten Aktion anlässlich des Vietnam-Kriegs  festgenommen worden waren. Der 22. März gilt in Frankreich als Geburtsstunde der mouvement du 22 mars genannten Studentenbewegung[19]  und Daniel Cohn-Bendit als deren Repräsentant, der am 20. Mai bei einem Treffen mit Jean-Paul Sartre gewissermaßen seinen Ritterschlag erhielt. Die Studentenbewegung bringe, so Sartre, die „imagination au pouvoir“ und erweitere das Feld dessen, was möglich sei („l’extension du champ des possibles“).[20]

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Auf einem der berühmtesten im atelier populaire entstandenen Plakate ist denn auch das Caron’sche Portrait Cohn-Bendits verarbeitet und   mit der Aufschrift: „Nous sommes tous indésirables“ versehen.

Dieser Satz –wir sind alle unerwünscht– bezieht sich auf das Aufenthaltsverbot, das die französische Regierung während der Mai-Unruhen gegen Cohn-Bendit als Störenfried der öffentlichen Ordnung verhängte („trouble à l’ordre public“). Nach einem Deutschland-Aufenthalt durfte er als unerwünschte Person nicht mehr nach Frankreich einreisen  – ein Verbot, das erst  10 Jahre später aufgehoben wurde. In dieser Zeit war dann Dany Cohn-Bendit auch in Deutschland zu dem Mann geworden, „der 1968 verkörpert.“[21]

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Es gab auch Plakate mit der Aufschrift „Nous sommes tous des juifs et des allemands“ („Wir sind alle Juden und Deutsche“) oder „Nous sommes tous des juifs allemands“ („Wir sind alle deutsche Juden“).    Damit reagierte das atelier populaire  auf die Denunzierung Cohn-Bendits als Jude und Deutscher seitens der politischen Rechten und der KPF. Der KPF-Chef Georges Marchais sprach zum Beispiel Anfang Mai von Splittergruppen, die von dem deutschen Anarchisten Cohn-Bendit angeführt würden.[22]

Die rechtsextreme Wochenzeitung Minute schrieb in ihrer Ausgabe vom 2.-8. Mai 1968, „dieser Cohn-Bendit“ halte sich für einen neuen Karl Marx, „weil er Jude und Deutscher ist.“ Und auf ihrer Titelseite fragte  sie, warum der  „Deutsche Cohn-Bendid, der Chef der Vandalen-Commandos“, immer noch nicht ausgewiesen sei. („Qu’attend-on pour expulser l’Allemand Cohn-Bendit, chef des commandos de vandales?“[23]

Die Plakate mit den Aufschriften Nous sommes tous des Juifs et des Allemands“ und nous sommes tous de juifs allemands“ wurden allerdings von der Vollversammlung der Beaux-arts abgelehnt, weil die Verwendung des Wortes „Jude“ eine rassistische Komponente habe.[24] Dafür entschied man sich für die Version mit der Aufschrift „Wir sind alle unerwünscht.“ Nach dem Einreiseverbot für Cohn-Bendit wurden  dann  aber auch die zunächst abgelehnten Versionen verbreitet.

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Auf diesem Plakat  fungiert Staatspräsidenten de Gaulle als Zöllner, der -allerdings vergeblich- Daniel Cohn—Bendit die Einreise nach Frankreich verwehren will.  Die Aufschrift auf diesem Plakat  ist natürlich eine Anspielung auf das „no pasaran“ aus dem Spanischen Bürgerkrieg – 1968  wurden immer wieder gerne historische Bezüge hergestellt und die eigene Bewegung in die Tradition früherer Kämpfe gestellt: Für entsprechende Assoziationen gab es in Frankreich genügend Stoff – von der Französischen Revolution über die Revolutionen von 1830 und 1848 bis hin zu der Pariser Commune von 1871.[25]

Das links abgebildete Plakat  verkündet in diesem Sinne, dass die Commune nicht gestorben sei. Und die Frau mit der roten Fahne in der Mitte der Communarden kann wohl als Anspielung auf Louise Michel, die Ikone der Commune, und als Bildzitat von Delacroix‘ berühmtem Bild der Freiheit verstanden werden, die das Volk führt.

Das ebenfalls in der École des beaux-arts ausgestellte Titelbild  von Charlie Hebdo bezieht sich auf die semaine sanglante, die Niederschlagung der Pariser Commune im Mai 1871. Die hier  genannte Zahl von 90 000 Erschossenen ist weit übertrieben, auch wenn die „blutige Woche“  ihren Namen zu Recht trägt.  Die Zeichnung des Karikaturisten Jean-Marc Reiser zeigt den damaligen Ministerpräsidenten Georges Pompidou mit den Worten: Faut ce qu’il faut, was vielleicht am besten dem norddeutschen wat mutt dat mutt entspricht. Der Staat, so die Botschaft, geht auch über Leichen, um den Aufruhr niederzuschlagen und die staatliche und wirtschaftliche Ordnung wiederherzustellen.

Die dafür zuständigen Institutionen sind aus damaliger Sicht, wie die Exponate zeigen und wie Le Monde in ihrer Ausstellungskritik schreibt, die Polizei und die Medien:

„Der Held der Ausstellung ist in gewisser Weise die Polizei… Die CRS (SS) natürlich, mit Helm, den Schild erhoben und den Schlagstock geschwungen, aber auch die Gedankenpolizei: das mundtot gemachte Fernsehen (es durfte keine Filmaufnahmen von Demonstrationen machen, um die Zuschauer nicht auf ‚dumme Gedanken‘ zu bringen), und die Presse, die als Befehlsempfänger des Staates wahrgenommen wurde.“[26] Deshalb die Aufschrift auf der mit Tinte gefüllten Presse-Flasche: nicht schlucken und der durch Radio und Fernsehen zum folgsamen Schaf transformierte Bürger, der die Welt aus der (durch das lothringische Kreuz bezeichneten) gaullistischen Perspektive wahrnimmt.   Und deshalb auch die Forderung nach einem regierungsunabhängigen Fernsehen.

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Bei der CRS (Compagnies Républicaines de Sécurité) handelt es sich um eine kasernierte Bereitschaftspolizei, die damals an vorderster Front stand, wenn es um Einsätze gegen Demonstranten und Streikende ging. Durch ihr teilweise rücksichtsloses Vorgehen gegen die Studenten im Quartier Latin trug die CRS wesentlich zur Verbreiterung der Protestbewegung bei.[27]

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Allerdings war der damalige Polizeipräfekt von Paris, Maurice Grimaud, kein einschlägig ausgewiesener faschistoider Scharfmacher wie einer seiner Nachfolger, Maurice Papon, sondern  „un grand résistant républicain“, der  versucht habe, die Polizei auch bei den Demonstrationen in Paris im republikanischen Geist zu führen. So jedenfalls die Einschätzung Cohn- Bendits,  der deshalb auch den Slogan „CRS=SS“ für völlig verrückt („complètement débile“) hält.[28]  Die SS steht in Frankreich ja  immerhin für das Massaker von Oradour…

Der Slogan  CRS=SS  scheint in Frankreich aber immer noch seine Befürworter zu haben, wie die Aufschrift auf einem Plakat zeigt, das für eine Ausstellung über den Mai 68 aus Sicht derjenigen wirbt, die „hinter den Schilden“ standen – manchmal allerdings auch Schlagstock – schwingend und -schlagend  durch das Quartier Latin stürmten.

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Allerdings waren die Einsätze der CRS gegen streikende Arbeiter, die ihre Fabriken besetzt hatten, besonders hart,  und dabei kamen  –anders als bei den Studenten-Demonstrationen in Paris-  sogar mehrere Menschen ums Leben.

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Bei diesem Plakatentwurf aus dem Atelier populaire der Pariser Kunsthochschule erhält man übrigens einen kleinen Einblick in die Arbeitsweise:

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Hier wurde zunächst eine Blleistifskizze angefertigt, die dann mit schwarzer Tusche ausgeführt wurde – allerdings offenbar nicht das Plenum überzeugen konnte.

Ein bevorzugtes Objekt der Plakate war natürlich Staatspräsident de Gaulle, zumal dieser in der 5. Republik eine erhebliche Machtfülle auf sich vereinigte. Hier  wird er, wohl um dies zu veranschaulichen, mit der erhobenen Hand des Hitlergrußes dargestellt- wobei man allerdings de Gaulle als einem Résistant der ersten Stunde keinenfalls eine Nähe zum  Faschismus oder eine Willfährigkeit  gegenüber den deutschen Besatzern unterstellen kann.

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Es gab aber auch  Plakate, die sich auf ganz andere Weise mit der Staatsmacht auseinandersetzten. So das de Gaulle-Plakat „La chienlit c’est lui!“

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Dieses Plakat, das zu den bekanntesten aus der Produktion des atelier populaire gehört, bezieht sich auf einen Ausspruch von Staatspräsident de Gaulle am 19. Mai: „La réforme, oui, la chienlit, non!“ Le chienlit war eine Person des Karnevals von Paris, später wurde es (eher selten)  auch in der weiblichen Form verwendet als Ausdruck  für Unordnung, Aufregung- so von de Gaulle auf den Champs-Elysées im August 1944 anlässlich der Befreiung von Paris – und dann eben wieder 1968.[29]

Wie populär übrigens dieser Ausspruch de Gaulles noch heute ist und ein wie allgemein gültiger Bezugspunkt der Mai 68 und die Plakate des atelier populaire noch heute sind, zeigt die nachfolgende Werbung eines Privatunternehmens auf der ersten Seite von Le Monde vom 30. Mai 2018.

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Da wird im Stil der Plakate von 68 die Steuerflucht von Unternehmen angeprangert – während der in Frankreich ansässige werbende Betrieb (den Namen am unteren Rand der Anzeige habe ich entfernt)  dort brav seine Steuern entrichte…

Dass auf dem originären Chienlit-Plakat von 1968, das den Ausspruch de Gaulles aufgreift und umformt,  der Präsident wie  eine Marionettenfigur dargestellt wird, kann als Ausdruck einer politischen Theorie gesehen werden, für die der Staat lediglich die Marionette des Großkapitals ist.  Es passt aber auch zu dem karnevalistischen Ursprung des Wortes und zu dem Anspruch der Volkstümlichkeit, der auch in den beiden nachfolgenden Plakaten/Entwürfen des atelier populaire zum Ausdruck kommt.

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Die klassische Marionetten-Figur des Räubers ist hier, wie die gereckte Faust zeigt, der Arbeiter, der anscheinend auch zum bewaffneten Kampf bereit ist….

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Viele der ausgestellten Plakate beziehen sich auf soziale Bewegungen und Streiks. Und das ist kein Zufall: Immerhin gab es 1968 die größte Streikbewegung, die Frankreich jemals erlebt hat. Die Zahlen der Streikenden, die in den Medien angegeben werden, schwanken, oft wird die Zahl von 7 Millionen genannt, die Angaben reichen aber bis 10 Millionen. Es dürfte also zwischen einem Drittel und der Hälfte aller französischen Arbeitnehmer gewesen sein, die damals die Arbeit einstellten und für höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, aber zum Teil auch für die Beseitigung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung eintraten. Und immerhin ist der französische Mai 68 von allen studentischen Protestbewegungen, die es damals in vielen Ländern der Welt gab, die einzige, die auch Schüler, einen großen Teil der Künstler und Intellektuellen und auch „les masses ouvrières“ mobilisiert hat.[30] Es ist ja in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass der Generalstreik vom 13. Mai von allen Gewerkschaften auch ausgerufen wurde, um  gegen das harte Vorgehen der Polizei während der „Nacht der Barrikaden“ im Quartier Latin[31] zu protestieren.

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Das Besondere dieser Streikbewegung war, dass sie nicht auf die traditionell streikerprobten Großbetriebe der Automobil- und Flugzeugindustrie (Renault, Citroën, Sud-Aviation) beschränkt war und auch nicht auf die traditionellen industriellen Regionen des Pas de Calais und des Großraums Paris. Auch in keinen Unternehmen und in bis dahin eher wenig arbeitskämpferischen Regionen wurde nun gestreikt, was in diesem Plakentsprechend gefeiert wird.

 

 

Die Einheit von Arbeitern, Studenten und Bevölkerung wird in dem nachfolgend links wiedergegebenen Plakat proklamiert.

Die beiden Plakate beziehen sich auf die Renault-Fabrik von Flins, wo im Anschluss an den Generalstreik vom 13. Mai seit dem 14. Mai gestreikt wurde. Am 16. Mai besetzen Arbeiter die Fabrik. Das Mittel der Fabrikbesetzungen spielte 1968 eine große Rolle: Sie hatten die Funktion, den Forderungen Nachdruck zu verleihen sowie Aussperrungen und die Fortsetzung der Arbeit mit Streikbrechern zu verhindern. Darüber hinaus wird auf einem Plakat des Atelier populaire auch für die Einheit von Arbeitern und Bauern geworben – und in der Tat war ja auch die französische Landwirtschaft Teil von der Mobilisation des Mai 68 betroffen, auch wenn sie weniger im Rampenlicht stand.

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Die in dem obigen Plakat proklamierte Einheit von „Arbeitern, Studenten, Bevölkerung“ gab es stellenweise im Mai 68 – aber insgesamt handelte es sich doch, nach dem Urteil des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, um eine „Synchronisierung“ verschiedener Kämpfe, nicht aber um ihren Zusammenschluss. Als am 17. Mai ein Zug von Studenten den Arbeitern  von Renault-Billancourt, die ihre Fabrik besetzt hatten, ihre Solidarität bekunden wollte, wurden auf Anweisung der Gewerkschaft CGT die Werkstore geschlossen…..[32]

Die Streikbewegung legte einen großen Teil des öffentlichen Lebens lahm, Benzin wurde zu einem kostbaren Gut, der Eisenbahnverkehr kam durch den Streik der cheminots zum Erliegen. Der Aufruf zur Unterstützung der Bahnbediensteten hat 50 Jahre später wieder eine besondere Aktualität angesichts der Streikwelle bei  der Staatsbahn, durch die vor allem die für Neueinstellungen geplante Abschaffung des äußerst komfortablen Statuts der cheminots verhindert werden soll.   Gleichzeitig gibt es in Frankreich derzeit auch eine Protestbewegung bei Air France und in den Hochschulen. Den Anlass dort liefern Pläne der Regierung, den Zugang zu den Universitäten neu zu gestalten. Während die prestige- und karriereträchtigen Grands Écoles ein äußerst selektives Aufnahmeverfahren praktizieren, ist der Zugang zu den Universitäten weitgehend unbeschränkt, was allerdings dazu führt, dass etwa 60% der Studenten schon im ersten Universitätsjahr scheitern und nur 28,7% nach den dafür vorgesehen drei Studienjahren den Bachelor (licence) erreichen.[33] Gegen das von der Regierung geplante Bewerbungs- und damit natürlich auch Selektionsverfahren  gibt es –bisher allerdings nicht von den eigentlich betroffenen Schüler/innen-  Widerstand, was Hoffnungen auf eine „convergence des luttes„, also eine breite Aktionsfront von Studenten, Schülern und Arbeitern wie im Mai 68 aufkeimen lässt.  Vergleiche mit dem Mai 68 haben da Konjunktur. In einem Interview mit Le Monde wurde beispielsweise der Generalsekretär der CGT, Philippe Martinez, gefragt, ob er „einen neuen Mai 68“ anstrebe. Martinez wollte zwar keine direkte Parallele ziehen, aber der Mai 68 bleibe ein Bezugspunkt für die aktuellen Arbeitskämpfe, vor allem auch, was die gewerkschaftliche Einheit angehe. „La demarche est similaire“. Allerdings  ist es den Gewerkschaften noch nicht einmal gelungen, 2018 eine gemeinsame Maikundgebung zu organisieren. Von einem Generalstreik aller Gewerkschaften wie 1968 ist man da weit entfernt.  [34]  Und ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen 1968 und 2018 ist doch wohl, dass der Mai 68 im Verständnis seiner Akteure ein Aufbruch zu einer besseren Zukunft war, während es bei den aktuellen Auseinandersetzungen in Frankreich eher um die Konservierung von Zuständen geht, die kaum überlebensfähig sind.[35]

Insofern ist auch nicht zu erwarten, dass es 2018 zu einer ähnlichen politischen Krise kommen wird wie die, die 1968 von der Studenten- Schüler- und Streikbewegung nangestoßen, aber nicht verursacht wurde. Am 30. Mai 1968 löste Staatspräsident de Gaulle die Nationalversammlung auf und kündigte Neuwahlen für den 23. Juni an, mit denen sich mehrere Plakate des Atelier populaire kritisch auseinander setzte.Während die Eltern im Sinne des durch das Lothringerkreuz symbolisierten Staatspräsidenten wählten, würden die Kinder von der Polizei zusammengeschlagen.

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Gleichzeitig versuchte aber die Regierung Pompidou, der Streikbewegung, die am 24. Mai mit 9-10 Millionen Beteiligten ihren Höhepunkt erreichte[36], Wind aus den Segeln zu nehmen. Am 27. Mai wurde von Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften das sogenannte Protokoll von Grenelle unterzeichnet. Es sah u.a. eine Erhöhung des Mindestlohns um 35 %, allgemeine Lohnerhöhungen von 7% -was allerdings im Rahmen des davor  Üblichen blieb- das Ziel einer Reduzierung der Arbeitszeit auf 40 Stunden und das Recht gewerkschaftlicher Betätigung in den Betrieben (allerdings keine Mitbestimmung) vor.  Von vielen, die sich  in der Streikbewegung engagiert hatten,  wurden diese Vereinbarungen als unzureichend angesehen.

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Das hier abgebildete Plakat aus dem atelier populaire fordert zu einer Fortsetzung der Arbeitskämpfe auf. Die politische Wahl ändere nichts. In der Tat: Die Parlamentswahlen vom 30. Juni, die auch als  „Angstwahlen“ bezeichnet wurden, führten zu einem überwältigenden Wahlsieg der gaullistischen UDR, die 293 von 378 Sitzen gewann.[37]

Die Streikbewegung ebbte nun –auch unter dem Druck der Gewerkschaftsführungen- allmählich ab, auch wenn noch im Juni 68 auf Plakaten des atelier populaire der Anfang eines fortdauernden Kampfes verkündet wurde.

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Der fand dann zwar nicht statt, aber  die sozialen Auseinandersetzungen des  Mai 68  haben doch die Arbeiterbewegung der nachfolgenden Jahre stark beeinflusst. Das gilt vor allem für das „symbolische Thema der Selbstverwaltung“, das von der damals zweitgrößten (und heute größten) französischen Gewerkschaft, der CFDT, propagiert wurde.[38]

Das wohl bekannteste Modell eines selbstverwalteten Betriebs war die traditionsreiche Uhrenfabrik LIP in Besançon. 1973 ging die Fabrik in Konkurs  und stellte die Produktion ein. In einem Akt der Selbstverteidigung („autodéfense“) , führten die Arbeiter die Produktion fort und vermarkteten selbst die von ihnen hergestellten Uhren.[39]

Das Beispiel von LIP fand ein großes mediales Echo weit über Frankreich hinaus. In der Ausstellung sind auch Plakate zu sehen, die dazu beigetragen haben, das Modell der Selbstverwaltung bekannt, ja populär zu machen. Eine LIP-Uhr zu tragen gehörte damals auch in Deutschland zum guten links-alternativen Ton. Und im Raum Frankfurt zum Beispiel entstanden in den 1970-er Jahren, angeregt von LIP. eine ganze Reihe von alternativen selbstverwalteten Projekten, die teilweise noch bis heute erfolgreich arbeiten. Das selbstverwaltete LIP-Projekt war zwar 1976 gescheitert –u.a. auch am Ausbleiben von Aufträgen des Staates, der verhindern wollte,  dass das Projekt Schule machte, aber immerhin „trugen die Auseinandersetzungen der LIP-Arbeiterinnen und -Arbeiter zur vorerst letzten Ausbauphase des französischen Wohlfahrtsstaats bei.“[40]

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Ein besonderes Kennzeichen des französischen Mai 68 war die große Beteiligung von Schüler/innen an den Protestaktionen. Das wird für manche  Beobachter, auch professionelle, eine Überraschung gewesen sein. Wurde doch in dem schon erwähnten Jugendweißbuch, über das sich Daniel Cohn-Bendit empörte, ein geradezu idyllisch-antiquiertes Bild der Jugend gezeichnet: Der junge Franzose, so heißt es da, wolle zwar früh heiraten, aber erst dann Kinder auf die Welt setzen, wenn er über genügend Mittel verfüge, sie auch korrekt aufzuziehen. Bis dahin sparten die jungen Männer für ein Auto und die jungen Mädchen für ihre Aussteuer.[41]

Allerdings gab es schon vor dem Mai 68 in den Schulen Anzeichen einer Politisierung und Mobilisierung, die sich unter anderem in der Kritik an einer autoritären Schulorganisation und einer vorherrschenden autoritären Gestaltung des Unterrichts äußerte. Es bildeten sich an verschiedenen Schulen sogenannte Comités d’action lycéen (CAL), um gegen  « les lycées-casernes » bzw. Gefängnisschulen zu protestieren. Im Mai/Juni 1968 waren etwa 400 Schulen besetzt.

Die  beiden Plakate aus dem Pariser atelier populaire sind Ausdruck eines damals verbreiteten Lebensgefühls bei Jugendlichen, nämlich nicht ernst genommen und nicht gehört zu werden. Im gaullistischen Frankreich gab es weder an Schulen noch an Hochschulen institutionelle Räume, die Jugendlichen die Möglichkeit zur Artikulation ihrer Positionen,  geschweige denn zur Mitbestimmung gegeben hätten. Und im Bereich der Politik war es ähnlich: Das Wahlrecht gab es erst ab 21 Jahren.

 

Frauen

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Überblickt man die in der École des beaux-arts ausgestellten  Plakate fällt auf, dass die Frauenbewegung  fast nicht repräsentiert ist. Die  Bewegung von 1968 wurde ja in der Tat auch in erster Linie von Männern getragen, sie war –wie Le Monde schreibt, eher „eine Revolution von Männern und für Männer.“[42]  Gerne wird in diesem Zusammenhang in der Literatur über den Mai 68 darauf hingewiesen, dass in der Delegation der Gewerkschaften, die die Protokolle von Grenelle verhandelten, keine einzige Frau vertreten war – geschweige denn bei den Vertretern von Arbeitgebern  und Regierung. Ganz abwesend sind die Frauen auf den Plakaten der Ausstellung aber nicht:  Auf diesem Plakat der „Femmes en Lutte“ des 13. Arrondissements von Paris geht es um die Forderung nach kostenloser Scheidung-  die Heirat sei  ja auch kostenlos. Und das Thema Scheidung war in den 1950-er und 1960-er Jahren auch deshalb für Frauen besonders virulent, weil in Scheidungsprozessen das Verhalten von Mann und Frau üblicherweise mit völlig unterschiedlichen Maßstäben gemessen wurde. Erfolgreich war dieses Anliegen allerdings nicht.  Immerhin durften Frauen in der Folge des Mai 68 aber erstmals ohne Zustimmung des Mannes ein Konto eröffnen…. Und es entwickelten sich doch  trotz –oder aufgrund- der männlichen Dominanz im Mai 68 Strukturen einer feministischen Bewegung, die  dann in den Auseinandersetzungen zum Beispiel um die Straffreiheit von Abtreibungen die zentrale Rolle spielte.[43]

Noch weniger oder überhaupt nicht präsent ist –auch nach dem Befund der in der École des Beaux-arts ausgestellten Plakate- im Mai 1968 die politische Ökologie. „Le mot ‚écologie‘ est absent de Mai 68“.  Klimaveränderung, Umweltzerstörung, Bevölkerungswachstum, Ressourcenrückgang spielen hier noch keine Rolle.[44] Erst die 1972 vorgestellte Studie des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ wurde zur „Chiffre einer Zeitenwende“,  was die Entwicklung ökologischen Bewusstseins angeht.

Eine wesentliche Rolle bei der Politisierung und Mobilisierung von Schülern und Studenten spielte in Frankreich –wie ja auch in Deutschland-  der Protest gegen den Vietnam-Krieg der USA. In diesem Protest hat sich gewissermaßen „die Generation 68“ geformt.[45] Auch zu diesem internationalen Aspekt des Mai 68 gibt es in der Ausstellung der École des Beaux-Arts Anschauungsmaterial, wie beispielsweise das Dart-Spiel mit dem  Yankee als Volltreffer. Aber dieser Bericht wäre völlig überfrachtet, wenn ich auch darauf  noch genauer einginge…

Aber etwas darf dann doch nicht fehlen in diesem Bericht: Geht man –wie wir- durch die rue Bonaparte zur École des Beaux-Arts,  kommt man an dem Haus vorbei, in dem der Zeichner und Cartoonist Georges Wolinski von 1976 bis 2015 gelebt hat –also bis zu seinem gewaltsamen Tod  in den Redaktionsräumen von Charly Hebdo.

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Und dann  berührt es schon ganz besonders, wenn man ein paar Schritte weiter in der Ausstellung auf dem dort aufgebauten 68-er Zeitschriftenwühltisch eine Ausgabe von Chrarly Hebdo mit einem Titelbild von Wolinski findet, das die militante Fabrik- und Streik-Ikonographe des atelier poplulaire  aufgreift, aber in sehr freundlich-humorvoller Weise. Und dann ist auch noch das  Plakat  von Wolinskis Theaterstück  „Je ne veux pas mourir, idiot“ zu sehen. Mit diesem Stück brachte Wolinski die  „Ideen von 68“ auf die Bühne – und auch damit –und als Jude-  hatten ihn die islamistischen Terroristen, die ihn am 7.Januar 2015 ermordeten, ganz  besonders im Visier.

Abschließen möchte ich diesen Beitrag aber mit zwei berühmten Plakaten aus dem atelier populaire, die für sich sprechen: „Rückkehr zur Normalität“ und „Die Ordnung regiert“.

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Diese Plakate laden natürlich dazu ein, über den Mai 68 und seine Folgen nachzudenken. Darüber wird in Frankreich seit 50 Jahren sehr intensiv und heftig diskutiert. Eines allerdings scheint alle Kontrahenten zu einigen: Die Überzeugung nämlich, dass der Mai 68 unbestreitbar zum nationalen Erbe gehört, wie es in der Ankündigung der Ausstellung in den Archives nationales heißt: „Le ‚moment 68‘  (…) appartient incontestablement au patrimoine national.“[46]

Eine besondere  Pointe/Fußnote lieferte dazu  übrigens ein Werbeplakat, das, blickte man aus den Ausstellungsräumen auf die andere Seite der Seine im Pariser Smog zu erkennen war:

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Augmenter la réalité. Révolutionner les idées. La 5 G arrive….

Abgeschlossen am 28.4.2018

 

Anmerkungen

[1] Einen kleinen Überblick über die entsprechenden Neuerscheinungen bietet Le Monde des Livres: „Mai 68 hors les murs“ vom 9. März 2018

[2] Louis Manaranche, Commémorer Mai 1968? In: Figaro 25.10.2017

http://www.lefigaro.fr/vox/societe/2017/10/25/31003-20171025ARTFIG00128-commemorer-mai-1968.php

[3] http://www.liberation.fr/politiques/2017/11/08/commemorer-mai-68-il-n-est-pas-prevu-de-remettre-le-pave-d-or-a-dany-cohn-bendit-pour-l-elysee_1608574

[4] https://www.lexpress.fr/actualite/politique/a-bercy-sarkozy-attaque-les-heritiers-de-mai-68_464258.html

https://www.nouvelobs.com/politique/elections-2007/20070430.OBS4781/nicolas-sarkozy-veut-liquider-l-heritage-de-mai-68.html

[5] Interview mit Raphaël Glucksmann „Pourquoi j’en ai marre de 68“ in:Le  Nouveau Magazine Littéraire, Mars 2018, p. 28f

[6] http://www.lefigaro.fr/arts-expositions/2018/01/18/03015-20180118ARTFIG00167-le-centre-pompidou-lance-les-commemorations-de-mai-68.php

[7] https://maison-heinrich-heine.org/

[8] Bild aus: http://www.leparisien.fr/paris-75/paris-75006/nuit-debout-l-ecole-des-beaux-arts-de-paris-occupee-13-05-2016-5793175.php

Zur Nuit-debout-Bewegung siehe den entsprechenden Blog-Bericht: https://wordpress.com/post/paris-blog.org/361

[9] Vincent Brocvielle, soixante-huit’arts. In: 88, le grand tournant, S. 60f

[10] Aus: Simone de Beauvoir, Tout compte fait.  (1972). Zitiert in: Le Quartier latin des écrivains. Éditions pimientos 2003, S. 111/112

[11] Siehe: Marseille Années 68, sous la direction d’Olivier Filiieule et Isabelle Sommer. Les Presse de Science-Po. 2018 und Lyon en lutte dans les années 68. Collectif de la Grand Côte. 2018

[12] Einen erneuten  Polizeieinsatz gibt es  übrigens im Februar 1974. Damals ging es der Polizei darum, regelmäßige Versammlungen und Feministinnen und Homosexuellen zu unterbinden, die dort seit 1971 stattfanden. http://www.lemonde.fr/arts/article/2018/02/28/l-iconographie-de-mai-68-s-affiche-aux-beaux-arts_5263427_1655012.html#bPxwpFwPPPfQ0bEZ.99

[13] Le Monde des livres, 13.4.2018, S. 9:  Dessiner sans entrave.

Am 16. Mai wurden im Hôtel Druot (9. Arrondissement) mehrere hundert Plakate des Mai 68 versteigert, „pour la plupart issues de l’Atelier polpulaire (ex-Ècole des Beaux-Arts)“. Aus: A Nous Paris, 30.April- 6. Mai 2018, S. 9

[14] Bertrand de Saint Vincent, Ça l’affiche mal. ‚Images en lutte- La culture visuelle de l’extrême gauche en France‘ au Palais des beaux-arts. In: Le Figaro, 27.3.2918, cahier No 3

[15] http://www.lemonde.fr/arts/article/2018/02/28/l-iconographie-de-mai-68-s-affiche-aux-beaux-arts_5263427_1655012.html#bPxwpFwPPPfQ0bEZ.99

[16] https://artblart.com/tag/daniel-cohn-bendit-facing-a-crs-in-front-of-the-sorbonne/  Das untere Bild  rechts ist ein Ausschnitt aus der Titelseite von Le Nouveau Magazine Littéraire, März 2018. In einer Sendung von France Culture wird Daniel Cohn-Bendid als derjenige bezeichnet, „qui incarne à lui seul Mai 68“:

https://www.franceculture.fr/emissions/le-choix-de-la-redaction/le-choix-de-la-redaction-1-er-janvier-2018

In der Bibliothèque nationale de France findet vom 17. April bis zum 26. August 1968 eine Ausstellung statt mit dem Titel:  „Icônes de Mai 68, Les images ont une histoire“. Neben der „Marianne de Mai 68“ , dem Foto einer inmitten einer Demonstration auf den Schultern ihres Freundes sitzenden und fahnenschwingenden jungen Frau, die Le Monde zum Titelbild ihrer Mai 68-Sonderausgabe gemacht hat, steht dort Gilles Carons Cohn-Bendid-Foto im Mittelpunkt. Von April bis Juli präsentiert das Hôtel de Ville de Paris die erste Retrospektive von Gilles Caron, dem photojournaliste mythique des années 1960. https://presse.paris.fr/wp-content/uploads/2017/11/Premi%C3%A8re-r%C3%A9trospective-du-photographe-Gilles-Caron-%C3%A0-l%E2%80%99H%C3%B4tel-de-Ville.pdf

Der „ci jolie mois“ Mai 68 ist ein Zitat aus der Ankündigung  des Sonderhefts von  Le Monde („68. Les jours qui ebranlèrent la France“) in Le Monde  vom 24.4.2018,  S. 21

[17] https: www.parisnanterre.fr/honoris-causa-daniel-cohn-bendit-572853.kjsp

[18] https://blogs.mediapart.fr/patrice-louis/blog/220308/22-mars-1968-l-enregistrement

[19] Siehe im Einzelnen: https://blogs.mediapart.fr/patrice-louis/blog/220308/22-mars-1968-l-enregistrement

Zur Bewegung 22. März siehe auch das Interview mit Daniel Cohn-Bendid: In: Matériaux pour l’histoire de notre temps. Jahrgang 1988, S. 124ff

https://www.persee.fr/doc/mat_0769-3206_1988_num_11_1_403840

[20] https://bibliobs.nouvelobs.com/idees/20180315.OBS3685/quand-sartre-interviewait-cohn-bendit-dans-l-obs-du-20-mai-1968-un-dialogue-historique.html

[21]  http://www.fr.de/politik/zeitgeschichte/die68er/daniel-cohn-bendit-der-mann-der-1968-verkoerpert-a-1344389

http://www.deutschlandfunk.de/daniel-cohn-bendit-in-deutschland-bin-ich-bekannt-in.1295.de.html?dram:article_id=379579

[22] https://fr.wikipedia.org/wiki/Nous_sommes_tous_%C2%AB_ind%C3%A9sirables_%C2%BB

[23]Am 4. Mai 2008 widmete der Fernsehsender Arte „der Geschichte des in Frankreich sehr  berühmten Plakats“ eine Ausgabe der Sendereihe Carambolag: https://sites.arte.tv/karambolage/fr/le-slogan-nous-sommes-tous-des-juifs-allemands-karambolage

[24] http://www.integrersciencespo.fr/index.php?article535/resume-de-mai-68-pourquoi-mai-68-et-chronologie

[25] Siehe zum Beispiel den Bericht eines Augenzeugen und Teilnehmers der Demonstrationen im Quartier latin:

„J‘ai surtout conservé la mémoire de manifestations d’étudiants prenant le tournant d’une rue avec ses maisons anciennes, un souvenir qui s’impose à moi dans une association intime aux Révolutions françaises, et 1848 tout particulièrement.“ https://www.cairn.info/revue-le-mouvement-social-2010-4-page-165.htm

Zur Pariser Commune siehe den Blog-Beitrag: https://wordpress.com/post/paris-blog.org/2912

[26] http://www.lemonde.fr/arts/article/2018/02/28/l-iconographie-de-mai-68-s-affiche-aux-beaux-arts_5263427_1655012.html#bPxwpFwPPPfQ0bEZ.99

[27] Über den „Mai 68, printemps des violences policières“ wurde 1969 in Cannes ein eindrucksvoller Dokumentarfilm präsentiert (Mai 68, La belle ouvrage von Jean-Luc Magneron), der zum 50. Jahrestag wieder in Pariser Kinos gezeigt wird. (siehe Le Monde 25. April 2018)

[28] Daniel Cohn-Bendit (avec Patrick Lemoine): Sous les crampons… la plage. Paris 2018, S. 10/11

[29] http://www.lefigaro.fr/histoire/archives/2015/10/06/26010-20151006ARTFIG00283-de-gaulle-en-mai-68-la-reforme-oui-la-chienlit-non.php

https://fr.wikipedia.org/wiki/Chienlit

[30] Entretien avec Edgar Morin. In: 68, le grand tournant, S. 8: „C’est la seule qui ait débordé l’université pour investir tous les champs de la société et provoquer une crise politique majeure.“  Entsprechend Le Monde, 24.4.2018, S. 3:  „Mais il n’y a qu’en France qu’elle (une effervescence généralisée W.J.) dépassa la seule jeunesse révoltée pour atteindre profondément toutes les strates de la société.“

Allgemein dazu: Xavier Vigna, l’insubordination ouvrière dans les année 68. Essai d’histoire politique des usines. Presses Universitaires Rennes 2007

[31] http://www.liberation.fr/cahier-special/1998/05/11/special-mai-68-cette-nuit-la-10-au-11-mai-de-gaulle-dort-des-21-heures-le-quartier-latin-occupe-se-h_238427

[32] Siehe Geoffroy de Lagasnerie, Il faut renvoyer mai 68 aus passé. In: Politis, No 67, Febr/März 2018, S.5 und Ludivine Bantigny, a.a.O., S. 10

[33] Angaben des ehemaligen Rektors der Sorbonne, Jean—Robert Pitte, in: Le Figaro, 6.4.2018, S.14 und aus einem Debattenbeitrag von 63 Universitätspräsidenten in Le Monde vom 20.4.2018: La loi orientation favorise la réussite de tous les étudiants.

Da, wo die Nachfrage nach Studienplätzen und das vorhandene Angebot besonders weit auseinanderklaffen, gibt es allerdings bisher schon (notwendiger Weise) ein „Auswahlverfahren“, nämlich das Los, ein eklatanter Widerspruch zu der sog. „meritokratie“,  die in Frankreich zu den republikanischen Grundpfeilern gehört. Da erscheint es mir jedenfalls schon sinnvoller, fachbezogene Auswahlkriterien zu verwenden. In dem mir aus familiären Gründen vertrauten Fach Sport zum Beispiel- wie es die Regierung vorsieht-  u.a.  Mindestanforderungen für sportliche Leistungen und der Nachweis über Erfahrungen im assoziativen sportlichen Bereich.

[34] Interview mit Philippe Martinez in Le Monde, 12. April 2018,, S. 7

[35] Es ist in diesem Zusammenhang ja bezeichnend, dass keine französische Gewerkschaft fordert, den cheminot-Status mit seinen vielfachen Vorzügen auf alle Arbeitnehmer zu übertragen.

[36] http://www.bpb.de/internationales/europa/frankreich/152656/der-franzoesische-mai-68

[37] http://www.lemonde.fr/societe/article/2006/03/30/en-mai-68-les-accords-de-grenelle_756462_3224.html#MEkZPIOZe8LeL6Du.99

[38]https://www.ladepeche.fr/article/2008/04/18/449592-mai-1968-mouvement-social-plus-massif-ait-connu-france.html

[39] http://www.lemonde.fr/economie/article/2013/06/18/cooperatives-et-syndicats-un-mariage-de-raison-pour-lutter-contre-les-restructurations_3432214_3234.html

[40] https://zzf-potsdam.de/de/news/jens-beckmann-schliesst-promotion-thema-selbstverwaltung-im-industriebetrieb-ab

[41] Zit. in: Youenn Michel, Mai 68 et l’enseignement: mise en place historique. In: Les Sciences de l’éducation 2008,3 (Vol 41)

« Le jeune Français songe à se marier de bonne heure, mais a le souci de ne pas mettre d’enfants au monde avant d’avoir les moyens de les élever correctement. Aussi son objectif n° 1 est-il la réussite professionnelle. En attendant, sur ses gains modiques, il fait des économies, le jeune homme pour s’acheter une voiture, la jeune fille pour constituer son trousseau (…)“

https://www.cairn.info/revue-les-sciences-de-l-education-pour-l-ere-nouvelle-2008-3-page-13.htm

[42] Anne Both, Le printemps contrarié des femmes. In: Le Monde des livres, 9. März 2018, S.3

[43] „Le mouvement des femes toujours à contretemps“. In: 68, Le grand tournant. Les hors-série de l’Obs No 98, S. 74ff

Christine Delphy, La deuxième ‚vague féministe‘ est née en 1968. In: Politis, hors-série No 67, Febr/März 2018, S.25/27

Unsere Freundin Monique Bauer hat ein schönes Buch über die „filles de mai“ herausgegeben. (Filles de Mái,, 68 mon mai à moi. mémoires des femmes:  Le bord de l’eau 2018). Dabei geht es gerade darum, bezogen auf den Mai 68 die „silence des femmes dans l’histoire“ aufzubrechen.

[44] Claude Marie Vadrot, In: Politis, hors-série 67, Febr/März 2018, S. 68

Siehe: Vorwort von Daniel Cohn-Bendid zu Mai 68. Paris: Denoël 2008, S. 8

[45] Laurent Jalabert, Aux origines de la génération 1968 : les étudiants français et la guerre du Vietnam.  In: Revue d’histoire No 55,  1997, S.  69-81  https://www.persee.fr/doc/xxs_0294-1759_1997_num_55_1_3664

[46] Mémoire d’avenir. Le journal des archives nationales 30, April/Juni 2018, S.8

 

Literatur

Volkhard Brandes, Paris, Mai ’68: Plakate, Karikaturen und Fotos der Revolte. Taschenbuch – 2008

Michel Wlassikoff, Mai 68. L’affiche en héritage, Gallimard

Vincent Chambarlhac et al, Le Trait68. Insubordination graphique et contestations politiques (1966-1977)

Ausstellungskatalog „Images en lutte. La culture visuelle de l’extrême gauche en France (1967-1974) Editions ENSA

Xavier de Jaarcy, Les affiches de Mai 68 sont sorties d’une espèce d’usine heureuse. In: Télérama, 26.4.2018

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