Der Hartmannswillerkopf, das französische Nationaldenkmal und das deutsch-französische Historial zum Ersten Weltkrieg

Rund um den 956 Meter hohen, im südlichen Elsass gelegenen Hartmannswillerkopf starben im Ersten Weltkrieg etwa 30 000 deutsche und französische Soldaten.[1] Er wurde deshalb auch der „Menschenfresserberg“ genannt.  Im Vergleich mit den großen Schlachtfeldern der Westfront um Verdun, in der Champagne und an der Somme mögen diese Opferzahlen zwar  gering erscheinen und der Hartmannswillerkopf war ja auch nur ein sogenannter Nebenkriegsschauplatz.  Aber die Kämpfe um diesen Berg waren aufgrund seiner symbolischen und zum Teil auch strategischen Bedeutung, der extrem schwierigen topographischen Gegebenheiten und dem  ganz außergewöhnlichen Einsatz beider Seiten besonders intensiv und spektakulär. Zwischen Dezember 1914 und Januar 1916 gab es eine Welle von Angriffen und Gegenangriffen. Acht Mal wechselte der Gipfel den Besitzer. Auch die Bombardierungen durch die französische und die deutsche Artillerie  waren  heftig: An einem einzigen Tag, dem 21. Dezember 1915, wurden beispielsweise von der französischen Artillerie 250 000 Granaten abgefeuert. So wurde der  umliegende Wald nach und nach in eine Mondlandschaft verwandelt. Keine Seite war aber bereit, dem Gegner den Berg zu überlassen.  General Joffre, bekannt als Vertreter eine bedingungslosen  Offensive „coute que coute“, gab  die Losung aus: „Der Hartmann muss zurückerobert werden“, während der deutsche General Gaede verkündete: „Ich halte Wache über den Rhein“.[2]

Über 100 Jahre nach den Kämpfen ist ein Besuch des ehemaligen Schlachtfeldes äußerst eindrucksvoll. Immerhin sind dort noch etwa die Hälfte der ursprünglich 6000 Unterstände und 90 Kilometer Schützengräben erhalten, die man zum Teil auf einem ausgeschilderten Geschichtsparcours besichtigen kann. Weiterhin gibt es das  französische Nationaldenkmal aus dem Jahr 1932, den französischen Soldatenfriedhof und schließlich das neue deutsch-französische „Historial“, das 2017 von den Präsidenten Macron und Steinmeier eingeweiht wurde. Insofern  ist der Hartmannswillerkopf nicht nur „ein weltweit einzigartiger Zeuge eines Schlachtfelds aus dem Ersten Weltkrieg im Mittelgebirge[3], sondern auch ein eindrucksvolles Zeugnis der deutsch-französischen Beziehungen von der „Erbfeindschaft“ zur Freundschaft.

In einem Faltblatt der Gedenkstätte heißt es dazu (in der deutschen Version):

Die 2008 begonnene und 2012 abgeschlossene Restaurierung des nationalen Denkmals am Hartmannsweilerkopf, die Umsetzung bis 2014 eines inszenierten Parcours durch das einstige Schlachtfeld sowie die Konstruktion bis 2015 eines französisch-deutschen Museums verfolgen ein und dasselbe Ziel: Das Fortbestehen der Erinnerungspflicht gegenüber den Soldaten beider Länder, die ihr Leben im Ersten Weltkrieg geopfert und so das Fundament und ein bedeutendes Symbol für die französisch-deutsche Versöhnung gelegt haben- eine französisch-deutsche Freundschaft, die heute Realität ist.“

Diese Formulierung ist ehrenwert, für mich aber ein Versuch der „Sinngebung des Sinnlosen“. Ich weiß nicht, ob die vielen Toten des Hartmannswillerkopfs tatsächlich alle „ihr Leben geopfert“ haben, was ja impliziert, dass es sich um einen bewussten, freiwilligen Akt für ein höheres Gut handelte- so wie es der nachher vorgestellte heroische  Altar des Nationaldenkmals nahe legt.  Und dass die hier getöteten Soldaten  „ein bedeutendes Symbol für die französisch-deutsche Verständigung gelegt haben“ ist, wie ich finde, nicht  nur grammatisch schief. Das grauenhafte gegenseitige Gemetzel am „Menschenfesserberg“ war sinnlos,  und die beteiligten Soldaten hatten sicherlich alles andere im Kopf als „die französisch-deutsche Versöhnung“. Richtig ist allerdings, und das macht die Gedenkstätte am Hartmannswillerkopf so bedeutsam, dass die grauenhaften Kriege des 20. Jahrhunderts eine wesentliche Grundlage nicht nur für die deutsch-französische Aussöhnung, sondern auch für den europäischen Einigungsprozess waren. Für die Generationen, die den Krieg und die unmittelbare Nachkriegszeit noch erlebt  haben, war das „nie wieder“ eine entscheidende Motivation. Für die nachfolgenden Generationen ist das anders. Das gibt einer Gedenkstätte wie dem Hartmannswillerkopf eine besondere Bedeutung und einen pädagogischen Auftrag.

 

1. Das französische Nationaldenkmal  und der französische Soldatenfriedhof

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Das „Monument national du Hartmannswillerkopf“ ist – neben Douaumont/Verdun, Dormans an der Marne und Notre-Dame-de-Lorette in Flandern eines der vier nationalen französischen Denkmäler, die an den Ersten Weltkrieg erinnern.  Es besteht aus drei Teilen: Einer Krypta, darüber einem weiten Platz mit einem republikanischen Altar und dahinter einem  Friedhof für etwa 12000 am Hartmannswillerkopf gefallene französische Soldaten.

Von der Straße, der route des crêtes,  aus führt ein Weg zu dem Nationaldenkmal, der an einen Schützengraben erinnern soll.

Den Eingang zur Krypta flankieren zwei von Antoine Bourdelle gestaltete „geflügelte Siegesgöttinnen“.[4]

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Über dem Eingang wurde die nationale Inschrift „Ici reposent des soldats morts pour la France“ mittlerweile durch die neutrale Gravur „1914 Hartmannswillerkopf 1918“ ersetzt. Diese Namensgebung ist bemerkenswert: Der französische Name für den Ort ist „Vieil Armand“, der deutsche „Hartmannsweilerkopf“. „Hartmannswillerkopf“ ist der elsässische Name,  dessen Auswahl  dem neuen Geist dieses Erinnerungsortes entspricht.

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Im Eingangsbereich zur Krypta werden an den Wänden die verschiedenen französischen Einheiten genannt, die an den Kämpfen um den Hartmannswillerkopf teilgenommen haben. Hier sind es unter anderem eine Skifahrerkompanie und Versorgungseinheiten mit Maultieren, die bei der Heranführung von Nachschub für die auf dem Berg stationierten Truppen eine wichtige Rolle spielten. Heute sind darunter auch Tafeln mit den Namen der deutschen Einheiten aufgestellt.

 

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In der Mitte der Krypta befindet sich ein riesiger Grabdeckel mit einer ewigen Flamme und der Aufschrift Patrie/Vaterland. Darunter ruhen mehrere tausend unbekannte Soldaten.  

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Darum sind drei Altäre gruppiert, der mittlere für Katholiken, der auf der linken Seite für Protestanten und der rechte für Juden. Als im zweiten Weltkrieg deutsche Soldaten die Anlage sprengen wollten –die dafür notwendigen Löcher für die Sprengsätze waren schon gebohrt- wurden sie darauf hingewiesen, dass unter den hier bestattetem Überresten unbekannter Soldaten es sicherlich auch deutsche Soldaten gäbe. Dem verdankt das Nationaldenkmal seine Erhaltung.

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Über der Krypta befindet sich ein riesiger republikanischer Altar mit den Wappen großer französischer Städte- ein repräsentativer Ort für heroische Gedenkfeiern im Angesicht der Nekropole am Berghang und dem umkämpften Berggipfel.[5]

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Auf dem zwischen 1921 und 1926 geschaffenen Friedhof sind etwa 12 000 französische Soldaten bestattet- zum Teil, wenn sie nicht mehr identifizierbar waren,  in  Gemeinschaftsgräbern, sonst in  mit Kreuzen bezeichneten Einzelgräbern mit Angabe des Namens, der Einheit und des Todesdatums des Gefallenen. Manchmal  fehlen auch die Angabe von Einheit und Todesdatum, wenn die nicht mehr festzustellen waren.

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Immer allerdings sind die Kreuze mit der  Aufschrift „Mort pour la France“ versehen.

Die deutschen Opfer des „Todesberges“ hatten natürlich nicht die Ehre, in dieser nationalen Nekropole bestattet zu werden. Die gefallenen „Boches“, deren Überreste nicht in ihre Heimat zurückgebracht wurden,  bestatteten die Franzosen am Rand/außerhalb des in der Nähe gelegenen Ortes Cernay. Insgesamt ruhen dort 7085 deutsche Gefallene des Ersten Weltkriegs.[6] Der Platz für den Friedhof –früher wohl auf freiem Feld, heute in einem hässlichen Industriegebiet- deutet wohl darauf hin, wie tief die Wunden waren, die der Krieg gerissen hatte und wie lebendig die „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschland und Frankreich damals noch war.

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Heute wird der schlichte und würdige Friedhof, wie alle anderen deutschen Gefallenenfriedhöfe, vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge verwaltet.

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Eine Besonderheit stellen, das sei hier  am Rande erwähnt, die im Weltkrieg gefallenen elsässischen Soldaten dar. Denn die kämpften ja -mit wenigen Ausnahmen-  nicht „pour la France“, sondern für das Deutsche Reich, zu dem Elsass-Lothringen damals seit über 40 Jahren gehörte und in dem sie aufgewachsen waren. Allerdings wurden die Elässer eher nicht an der Westfront eingesetzt, sondern vornehmlich bei den Kämpfen an der Ost- oder Südostfront. Die Gefallenen ehrte man –wie auch sonst in Frankreich üblich- nach dem Krieg mit einem Gefallenendenkmal in der Mitte ihrer Heimatorte. Allerdings war da die sonst übliche Bezeichnung „mort pour la France“ nicht möglich. Also wählte man, wie hier auf dem Denkmal in Uffholtz am Fuß des Berges,  neutrale Bezeichnungen wie „Kriegsopfer“[7]

9390bd Kriegerdenkmal Uffholtz

Bemerkenswert ist hier übrigens auch das Verhältnis von Opfern des Ersten und des Zweiten Weltkrieges. Auf den üblichen französischen Denkmälern ist das Verhältnis ja eindeutig: Da sind viele Opfer des Ersten Weltkrieges verzeichnet, der in Frankreich deshalb auch als „la grande guerre“ bezeichnet wird, und relativ wenige Opfer des Zweiten Weltkrieges. In Uffholtz ist es anders: Unter den hier aufgeführten Kriegsopfern werden zwar vielleicht auch einige Elsässer sein, die 1940 für Frankreich kämpften und starben, die meisten aber werden zu denen gehören, die in die deutsche Wehrmacht einzogen wurden und sich damit -oft gegen ihren Willen (malgré nous)-  am nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg beteiligen mussten – Kriegsopfer also in ganz besonderem Maße.

 

  1. Das deutsch-französische Historial

Bei diesem Geschichtsmuseum handelt es sich um die erste gemeinsame deutsch-französische Einrichtung dieser Art- gemeinsam finanziert,  von einem deutsch-französischen Team ausgewiesener Wissenschaftler (Gerd Krumeich, Nicolas Offenstadt) gemeinsam konzipiert und von den Präsidenten Macron und Steinmeier am 10. November 2017 gemeinsam eingeweiht.

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In der Mite des Gebäudes befindet sich ein Raum, in dem eine multimediale Show über „Leben und Sterben auf dem Hartmannswillerkopf“ präsentiert wird.

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Das ist sehr anschaulich und intensiv, zumal hier deutsche und französische Soldaten zu Wort kommen, die über das berichten, was sie am Hartmannswillerkopf erlebt haben.

Um diesen Raum herum ist eine Art Schützengraben geführt, in dem zum Beispiel einige Waffen ausgestellt und Ergebnisse der Kriegsarchäologie präsentiert werden.

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Und es gibt Vitrinen mit weiteren Ausstellungstücken wie französischen und deutschen Uniformen….

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…. Karten zum Frontverlauf, die deutlich machen, wie nah deutsche und französische Einheiten beieinander lagen….

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… und es gibt  zum Beispiel dieses beeindruckende Foto aus einem deutschen Unterstand…  „Hier ruht ein französischer Krieger“ – da war die Verbundenheit der Schicksalsgenossen auf beiden Seiten der Frontlinien stärker als die sogenannte Erbfeindschaft…

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Alles ist überschaubar,  anschaulich,  klar strukturiert, von der Menge her nicht erdrückend und mit knappen Erläuterungen versehen. Und –im Gegensatz zu manchen anderen Präsentationen zum Ersten oder Zweiten Weltkrieg wie vor allem an den Landungsstränden der Normandie: Hier wird nicht durch die Präsentation blankgeputzter und imposanter Waffen einer Faszination für das Militär Vorschub geleistet.  Im deutsch-französischen Historial wird der pädagogische Auftrag  Ernst genommen und offensichtlich auch angenommen.

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Das Prunkstück des Historials ist zweifellos der 20 m² große Wandteppich Pietà for the Word War I  an der rückseitigen Wand der Ausstellungshalle.[8]

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Entworfen wurde er von Thomas Bayrle, lange Jahre Lehrer an der  Frankfurter Städelschule und ausgebildeter Weber,  und hergestellt in der Cité internationale de la tapisserie Aubusson, einem „Ableger“ der Manufacture des Gobelins in Paris, also eine deutsch- französisches Gemeinschaftsarbeit.

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Es ist die meistreproduzierte Pietà der Welt, die Bayrle zitiert: Michelangelos marmorne Skulptur aus dem Petersdom in Rom.  Hier aber bestehen Maria und Christus aus Hunderten von Totenschädeln, die auch den Teppichfond bilden: ein wunderbares Alterswerk Bayrles, der auch hier das für ihn  typische  ästhetische Element des Seriellen verwendet. Und wie passend ist das: Die  gereihten Schädel erwecken den Eindruck von Massenproduktion und erinnern so  an die Serialität des Todes in der Maschinerie moderner Vernichtungsschlachten. Aber  jeder dieser Totenschädel ist doch auch wieder ganz individuell gestaltet und keiner ist wie der andere.

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Jeder einzelne der vielen Menschen, die hier starben, war ein Individuum mit seiner eigenen Identität, seiner eigenen Geschichte, seinen eigenen Hoffnungen und Träumen. Und alle zusammen bilden ein grandioses deutsch-französisches Leichentuch, das aber –wie  Heines  Leichentuch der schlesischen Weber-  auch die Hoffnung auf eine neue bessere Zukunft symbolisiert.

3. Der Gescbichtsparcours durch das Scblachtfeld

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Unbedingt empfehlenswert ist der am Parkplatz vor dem Historial beginnende Rundweg über das ehemalige Schlachtfeld. Er ist insgesamt 4,5 Kilometer lang, kann aber auch verkürzt werden. Man sollte mindestens zwei Stunden für den verkürzten Weg, für den ganzen Rundweg 3 – 5 Stunden einkalkulieren, je nachdem, wie viel Zeit man sich für die Lektüre der zahlreichen Informationstafeln oder auch eine Rast am Gipfelkreuz oder auf dem Aussichtsfelsen am nördlichen Wendepunkt des Rundwegs nimmt.[9] Der Weg ist gut beschildert. Es geht zwar auf und ab, aber besondere Schwierigkeiten gibt es nicht.

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Über weite Strecken verläuft der Weg durch ehemalige Schützengräben und Verbindungswege, von denen es  90 Kilometer gibt! Und von den ursprünglich 6000 Stellungen, Bunkern und Schutzräumen für Mannschaften und Munition sind noch die Hälfte erhalten.

 

 

 

Dass so viele militärische Anlagen noch existieren, hat seinen Grund darin, dass die  Zone des Hartmannswillerkopfs aus Sicherheitsgründen lange Zeit gesperrt war.

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Im Allgemeinen ist der Zutritt zu den Stellungen aber versperrt, in jedem Fall ist er verboten- auch wegen der vielen Fledermäuse, die dort inzwischen zu Hause sind.

Überall auf dem Weg stößt man auf ehemalige militärische Anlagen…

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Stacheldrahtverhaue, inzwischen versteinerte Sperren aus Betonsäcken, die an der vordersten Frontlinie verwendet wurden, um dahinter, von feindlichem Beschuss geschützt, massivere Befestigungen zu errichten…

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… Reste von Waffen wie hier einem deutschen Minenwerfer….

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… oder einen gepanzerten französischen Beobachtungsposten auf dem Gipfel. Es handelt sich um den Typ „taupinière/Mauwurfshügel“ in Form einer Halbkugel mit drehbarem Visier. Nach dem Krieg wurden die meisten verschrottet oder in der Maginot-Linie wiederverwertet.

 

 

 

Manche der Bauwerke aus der Zeit des Krieges sind besonders auffällig.

Zum Beispiel die Reste einer Seilbahn, mit der die Versorgung der deutschen Truppen an Material, Waffen, Munition und Verpflegung –incl. Wasser!-  erleichtert werden sollte. Auch Soldaten wurden mit diesen Seilbahnen nach oben oder unten verfrachtet.

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Auffällig auch  diese von Mineuren/Bergleuten mit einigem Stolz erbaute Stellung.

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Es ist der sogenannte Gewerkschaftsstollen, der den Zugang zu zahlreichen in den Berg gehauenen Unterständen erlaubte.

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Ab 2016 verwandelten vor allem aus den Kohlegruben des Ruhrgebiets rekrutierte Mineure den Berg in einen „Ameisenbau“. Dadurch konnten Truppen durch den Berg von West nach Ost und umgekehrt verlegt werden. Vor einem geplanten Angriff waren sie während der Artillerievorbereitung geschützt, und die Verteidiger des Gipfelplateaus konnten selbst einen stundenlangen großkalibrigen Artilleriebeschuss überstehen.

Es gibt auch Bauten, die an das Alltagsleben der Soldaten erinnern, wie eine befestigte Küche mit Kantine oder diese Latrinen.

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Vieles ist  inzwischen  von der Natur überwuchert.

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Jetzt ist sie es, die die Mondlandschaft der Kriegszeit zurückerobert hat.

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Das macht den Rundgang durch diese Mittelgebirgslandschaft zusätzlich lohnend. Dazu kommen wunderbare Ausblicke in die Vogesentäler im Westen und in die Rheinebene im Osten bis hin zum –hier wolkenverhangenen-  Schwarzwald. Die sind besonders eindrucksvoll von dem Aussichtsfelsen im Norden des Rundwegs.

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Dieser Felsen war strategisch wichtig und dementsprechend besonders umkämpft.

Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet unterhöhlten den Tunnel, wobei auch Stellungen für Maschinengewehre und Minenwerfer geschaffen wurden. Der Durchgang ist heute noch passierbar.

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An der Nordseite des Felsens  erinnert  ein imposantes bronzenes Denkmal an das 152. französische Infanterieregiment, das in den Kämpfen um den Hartmannswillerkopf besonders viele Opfer zu beklagen hatte. Das Denkmal wurde 1921 eingeweiht, 1940 bei der Einnahme des Elsass durch die Wehrmacht gesprengt,   nach dem Krieg rekonstruiert und 1954 in Anwesenheit einer Abordnung deutscher und französischer Veteranen erneut eingeweiht.

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Schön sind auch die Ausblicke vom Gipfel des Hartmannswillerkopfs, da wo der im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Markstein steht.

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Es ist einer von 118 Marksteinen, die in den 1920- er Jahren von dem Bildhauer Moreau-Vauthier gesetzt wurden, um den Verlauf der französisch-deutschen Frontlinie vom Juli 1918 zu markieren.

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Und auf dem Rückweg zum Parkplatz hat man einen freien Blick auf das Nationaldenkmal und das Gräberfeld.

Zum Schluss:

Am 11. November 1918 war der Krieg endlich zu Ende, auch am „Mernschenfresserberg“.

Der deutsche Hauptmann Gustav Goes berichtet:

„Freund und Feind stehen auf den Deckungen, winken einander zu, bewirten sich, doch vielen, vielen blutet das Herz. (. ..) Abend wird es. Noch einmal steigt das Feuerwerk der Raketen hoch, in allen Farben schimmern die Höhen, zittert die Ebene. In der Dunkelheit versinken sie. Wie ein Stern schwebt noch eine einsame Leuchtkugel über das zerschossene Haupt des Hartmannsweiler Kopfes, dann zerstiebt auch sie.“

Der französische Leutnant Jean Marot:

„Waffenstillstand. Sofort stiegen die Fritz aus ihren Schützengräben und kamen um Tabak und Zigarren gegen Brotlaibe und Dosen mit Rindfleisch einzutauschen. Beobachtungsoffiziere auf dem Molkenrain bemerkten die Vorgänge und schleuderten strenge Befehle gegen die Verbrüderungen. Es half nichts.“

 

Weitere Blog-Beiträge mit Bezug zum Ersten Weltkrieg:

 

Anmerkungen

[1] Die Angaben zu den Opferzahlen am Hartmannswillerkopf sind  sehr unterschiedlich: Die Zahl 30000 wird zum Beispiel von Wikipedia genannt (https://de.wikipedia.org/wiki/Hartmannswillerkopf). Es ist aber auch  von „schätzungsweise 25000 Mann auf beiden Seiten“ die Rede (https://de.france.fr/de/elsass-lothringen/artikel/der-hartmannswillerkopf), von „rund 10000 Soldaten“, womit aber wohl nur die deutschen Gefallenen gemeint sind (https://www.volksbund.de/kriegsgraeberstaette/cernay.html), in der vom Comité du Monument National du Hartmannswillerkopf herausgegebenen Broschüre Hartmannswillerkopf 1914-1918 (2014) ist sogar von 60 000 französischen und deutschen Soldaten die Rede, die am Hartmannswillerkopf getötet wurden. (Vorwort)

[2]https://de.france.fr/de/elsass-lothringen/artikel/der-hartmannswillerkopf Zu Joffre siehe auch den Blog-Beitrag über die Mauer für den Frieden auf dem Marsfeld, wo sich auch eine Reiterstatue Joffres befindet: https://wordpress.com/post/paris-blog.org/2035

[3] Hartmannswillerkopf 1914-1918 a.a.O., Vorwort

[4]  Hartmannswillerkopf 1914-1918  Aus dem Vorwort von General Cochin,

[5] Manchmal kann man auch lesen, es handele sich hier um einen „riesigen Sarkophag“, was aber nicht zutrifft. https://www.zdf.de/nachrichten/heute/deutsch-franzoesisches-museum-berg-des-todes-100.html 

Das passende heroisierende Foto von Sébastien Muré stammt aus der Broschüre Hartmannswillerkopf 1914-1918

[6] https://www.volksbund.de/kriegsgraeberstaette/cernay.html Der Friedhof befindet sich am südlichen Stadtrand in der rue de la Ferme.

[7] Bild aus der sehr sehenswerten Bilderserie zu den Kämpfen um den Hartmannswillerkopf: https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/der-1-weltkrieg/der-hartmannsweilerkopf-ein-menschenfresser-im-1-weltkrieg

380 000 Elsässer kämpften in der kaiserlichen deutschen Armee, während sich zwischen 17 und 25 000 den französischen Truppen anschlossen. (s. Broschüre Hartmannswillerkopf 1914-1918 im Kapitel über den Aussichtsfelsen.

[8] Siehe dazu Stefan Trinks, Der Tod, der Webstuhl und die Geliebte. Thomas Bayrles Kriegsgräberteppich aus Totenschädelfalten für Frankreich. In: FAZ vom 10.11. 2017. Auf diesen Beitrag stütze ich mich teilweise im Folgenden.

[9] Soweit es im nachfolgenden Text nähere Erläuterungen zu den Bildern gibt, sind sie den Informationstafeln entnommen bzw. der Broschüre Hartmannswillerkopf 1914-1918, in der Text und Bilder aller Informationstafeln wiedergegeben sind. Dieser Broschüre sind auch die abschließenden Zitate zum Waffenstillstand vom 11. November 1918 entnommen.

 

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