Der Elysée-Vertrag, Mythos und Symbol, wird 50:  ein Anlass zum Feiern (2012)

Der Text ist auch erschienen in:  Europäische Erziehung, Halbjahreszeitschrift des EBB-AEDE     ISSN: 0423-6238
42 (2012) 2 (Oktober) ; S./ p.: 5 – 17.

http://ebb-aede.eu/zeitschrift-europaeische-erziehung.html

 

 

  1. Von der „Erbfeindschaft“……

Maurice Barrès, einer der lautstärksten Verkünder eines übersteigerten französischen Nationalismus, berichtet in seinem Tagebuch, „dass er mit seinem kleinen Sohn an der Grenze stand. ‚Dort wohnen die Deutschen‘, sagte er. ‚Haben die auch eine Seele?‘ fragte der Kleine zurück. ‚Nein‘, antwortete der Vater und notiert dazu in seinem Tagebuch: ‚Ich wusste wohl, dass es eine Idiotie war, aber solche Idiotien erzeugen Energien…‘ [1]. Das war zwischen 1871 und 1914, als die angebliche deutsch-französische „Erbfeindschaft“ als fester Bestandteil des kollektiven Bewusstseins beiderseits des Rheins Hochkonjunktur hatte. Wäre es nach dem Willen von Friedrich Ludwig Jahn, dem frisch-fromm-fröhlichen „Turnvater“ gegangen, hätte es die Grenzerfahrung des kleinen Barrès nicht geben können. Denn Jahn plädierte dafür, eine undurchdringliche Wildnis zwischen Deutschland und Frankreich anzulegen, damit zum Wohle des Vaterlandes auch nicht die geringste Verbindung zwischen beiden Völkern stattfinden könne. So schlägt denn Jahn vor, Sümpfe anzulegen, Täler durch Wall und Mauern zu Seen zu stauen und die Natur ungehindert ihr Werk tun zu  lassen:  „Aus alten Klöstern entstehen dann Eulenschläge, Adlerhorste aus ausgebrannten Turmzinnen… unterirdisch aufgebaute Irrgebäude dienen gleich Schneckenbergen zu Werken für Giftschlangen. Die mit einer Doppelreihe von Verwallungen und Dornhecken eingezäunte Wüste ist wenigstens ein Grad breit, kein Leichtfuß kann sie ohne Rast durchhüpfen. Hungrige Wölfe, Bären und dergleichen passen Einschleichern, Kundschaftern und Landstreichern auf den Dienst… und der beständige Kampf, den die in der Wüste wohnenden Leute mit ihnen zu führen genötigt, ist die beste Vorschule zur Landwehr.“[2]  Dies alles erschien Jahn erforderlich, weil die Franzosen –neben Polen, Juden und Junkern- für ihn „Deutschlands Unglück“ bedeuteten. Und so war es auch nur konsequent, dass er jeden kulturellen Kontakt mit den Nachbarn im Westen unterbinden wollte: „ Wer seinen Kindern die französische Sprache lehren lässt, ist ein Irrender, wer darin beharrt, sündigt gegen den heiligen Geist. Wenn er aber seinen Töchtern französisch lehren lässt, ist das ebenso gut, als wenn er ihnen Hurerei lehren lässt.“ Damit ist die moralische Verkommenheit Frankreichs als Stereotyp des deutschen nationalistischen Diskurses angesprochen, während umgekehrt Deutschland für rohe Gewalt und Barbarei steht.[3]

 

  1. …zur „Erbfreundschaft“ : Der Elysée-Vertrag als Symbol der deutsch-französischen Versöhnung

Betrachtet man aus dieser Perspektive den Elysée-Vertrag, kann man die deutsch-französische Versöhnung nur als ein „bien inestimable“[4] bezeichnen, als „eine der herausragenden Leistungen der Nachkriegszeit“[5], und den Vertrag als „Winter- und Wundermärchen“, das das Ende einer jahrzehntelangen sog. Erbfeindschaft und den Beginn einer „Erbfreundschaft“ (Ritzehofen) besiegelte.[6] Die historische Dimension des Vertrags wird zusätzlich deutlich vor dem Hintergrund der französischen Deutschlandpolitik nach dem 2. Weltkrieg, deren Ziel zunächst „die völlige Zerstückelung Deutschlands“ war.[7] Für den legendären Ernst Reuter der Berliner Luftbrücke, einen ausgewiesenen Antikommunisten, stand jedenfalls die französische Deutschlandpolitik der Nachkriegszeit der sowjetischen in nichts nach und auch die deutsche Bevölkerung insgesamt stufte in der Rangfolge der Besatzungsmächte die Franzosen an dritter Stelle ein, nur knapp vor der Sowjetunion.[8] De Gaulles Haltung gegenüber Deutschland war in dieser Zeit von großer Ambivalenz geprägt: Einerseits schwebte ihm eine „entente réelle“ zwischen dem deutschen und dem französischen Volk vor[9], andererseits begleitete er die Gründung der Bundesrepublik mit großem Misstrauen: Er befürchtete, ein westdeutscher Staat werde zu einer „Wiederauferstehung des deutschen Imperialismus“ führen und noch 1953 bezeichnete er Adenauer wenig schmeichelhaft als „Reichskanzler“.[10] Eine „abrupt einsetzende Eiszeit“ war denn auch die Folge der Regierungsübernahme de Gaulles am 1. Juni  1958, denn Adenauer brachte ihm –verständlicherweise- „abgrundtiefes Misstrauen“ entgegen. Das erste Treffen der beiden im September 1958 in Colombey-les-deux-Eglises wurde dann aber für beide Staatsmänner zum „Damaskus-Erlebnis“[11] und es war der entscheidende erste Schritt auf dem Weg zur deutsch- französischen Verständigung, wie sie in den Jahren 1962 und 1963 besiegelt wurde. Zuerst am 8. Juli 1962, als de Gaulle und Adenauer in der geschichtsmächtigen Kathedrale von Reims eine gemeinsame Messe feierten. Vor dem Hauptportal der Kathedrale sind –auf Deutsch und Französisch- die Worte eingemeißelt, die de Gaulle an den Bischof von Reims richtete, der die beiden Politiker empfing: „Eure Exzellenz, der Kanzler Adenauer und ich suchen Ihre Kathedrale auf, um die Versöhnung von Deutschland und Frankreich zu besiegeln.“ Und in den Seitenschiffen wird auf großen Schautafeln die Geschichte der Kathedrale dargestellt: Im Ersten Weltkrieg von deutschen Granaten schwer beschädigt und 1962 Ort der gemeinsamen Messe, ist sie auch ein Erinnerungsort deutsch-französischer Beziehungen von der „Erbfeindschaft“ zur „Erbfreundschaft“.

 

 

 

Der zweite Schritt war de Gaulles historische Rede an die deutsche Jugend am 9. September 1962 in Ludwigsburg, dem „umjubelte(n) Höhepunkt einer sechstägigen Reise durch Deutschland“[12].  Höhepunkt dieser auf deutsch gehaltenen Rede war de Gaulles kühner Glückwunsch an die im Schlosshof versammelten Jugendlichen: „Ich beglückwünsche Sie… junge Deutsche zu sein, das heißt Kinder eines großen Volkes. Jawohl! Eines großen Volkes! das manchmal im Laufe seiner Geschichte große Fehler begangen hat. Ein Volk, das aber auch der Welt fruchtbare geistige, wissenschaftliche, künstlerische und philosophische Wellen beschert hat, das die Welt um zahlreiche Erzeugnisse seiner Erfindungskraft, seiner Technik und seiner Arbeit bereichert hat; ein Volk, das in seinem friedlichen Werk, wie auch in den Leiden des Krieges, wahre Schätze an Mut, Disziplin und Organisation entfaltet hat. Das französische Volk weiß das voll zu würdigen…“[13]

Der dritte entscheidende Schritt war dann der Elysée-Vertrag, der allmählich zum  Symbol der deutsch-französischen Versöhnung wurde.  Und deshalb ist es nur allzu berechtigt, ihn mit einem « Année franco-allemande : cinquantenaire du traité de l’Élysée » vom September 2012 bis zum Juli  2013 gebührend herauszustellen und  zu feiern. Im Zentrum der Feierlichkeiten, deren roter Faden die Jugend ist, stehen bzw. standen z.T. schon drei große Veranstaltungen: Am 22. September 2012 in Ludwigsburg, aus Anlass von de Gaulles Rede, am 22. Januar, dem Tag der Unterzeichnung des Vertrags, in Berlin, und am 5. Juli 2013, dem 50. Jahrestag der Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks, in Paris.[14]

 

  1. Die Rose eines Sommers: Der Elysée-Vertrag als Mythos

Allerdings besteht keinerlei Anlass zur Idealisierung dieses Vertrags, auch wenn er, so Lappenküper, immer wieder Anlass zur Legendenbildung war und ist. Der Vertrag ist also nicht nur zum Symbol, sondern auch zum Mythos geworden.  Aus europäischer Sicht war der Vertrag nämlich durchaus problematisch, so dass Jean Monet noch am Vorabend des Vertragsabschlusses versuchte, Adenauer von der Unterzeichnung abzubringen.[15] Denn eine vertiefte europäische Einheit „hätte einen solchen zweiseitigen Vertrag eigentlich überflüssig machen müssen; jetzt aber erhielt er den Anflug einer etwas hochmütigen Ausschließlichkeit, die bei den anderen Ländern leicht als ‚Sonderbündelei‘ missverstanden werden konnte.“[16] Aber selbst auf die deutsch-französische Perspektive beschränkt, bot der Vertrag Anlass zur Skepsis und Kritik.  So stellte Alfred Grosser in einem Artikel im Express vom 2.1.2003 fest, der Elysée-Vertrag  sei keineswegs als Geburtsstunde einer neuen deutsch-französischen Geisteshaltung zu verstehen. Er habe nichts geschaffen und nichts geregelt.  Und Gilbert Ziebura bezeichnete schon 1970 den Vertrag  schlicht als überflüssig.[17]  Aus gutem Grund: Hatte doch der Vertrag selbst in den Augen de Gaulles durch die ihm vom Bundestag vorangestellte Präambel schon mit der Ratifizierung seine Substanz verloren. In dieser Präambel werden in schematischer Weise alle Ziele der deutschen Außenpolitik aufgezählt, womit das angestrebte Sonderverhältnis zwischen beiden Ländern eingeebnet wurde.[18] Vor allem diente die Präambel aber der Klarstellung, dass  „die transatlantischen Beziehungen der Bundesrepublik sowie ihre Integrationsbestrebungen auf europäischer Ebene“ durch den Vertrag nicht beeinträchtigt werden sollten.[19] Hier wird das große Missverständnis deutlich, das dem Elysée-Vertrag zugrunde lag: de Gaulles Ziel war es, Europa „unter französischer Führung zu einem eigenständigen Akteur in der Weltpolitik“ zu machen.[20] Der Vertrag mit der Bundesrepublik hatte damit für ihn die doppelte Funktion, den deutschen „Nachbarn einzubinden und zu kontrollieren“ und gemeinsam mit Deutschland „die von den USA dominierte NATO auszubalancieren.“[21] Entsprechend hatte schon der erste französische Nachkriegspräsident, Vincent Auriol, am 26.9.51 festgestellt, das entstehende Europa könne zugleich eine Kontrolle über Deutschland ausüben und Schiedsrichter zwischen Russland und Amerika sein.[22] Nicht von ungefähr werden in dem Vertrag ja –vor der Jugend und der Erziehung- die Außen- und Verteidigungspolitik als Felder der Zusammenarbeit angesprochen. De Gaulles Vision war ein eigenständiges Europa der Nationen unter Führung Frankreichs als europäischer Großmacht, eine Rolle, die in der ständigen Mitgliedschaft Frankreichs und ihrem Vetorecht im Sicherheitsrat der UNO und in der nach allen Richtungen („tous azimuts“) einsatzbereiten Force de frappe zum Ausdruck kam. In dieser europäischen Vision hatte Großbritannien keinen Platz, dem de Gaulle vorwarf, „amerikanische Interessen eher zu fördern als europäische“[23], weshalb er Großbritannien wenige Tage vor Unterzeichnung des Elysée-Vertrags die Tür zur beantragten Mitgliedschaft in der EWG zugeschlagen hatte. Deutschland sollte in diesem Konzept der Juniorpartner sein und die französisch-deutsche Allianz Kern eines unabhängigen Europas. Adenauer dagegen ging es 1962 vor allem um seine Lebensaufgabe der Integration Westdeutschlands in die westliche Gemeinschaft zur Sicherung der Freiheit der Bundesrepublik im Kalten Krieg. Ihm war die Verständigung mit Frankreich so existentiell, dass er den französischen Affront gegen England  hinnahm und froh war, dass  – anders als zunächst vorgesehen- die deutsch-französische Verständigung als sein politisches Vermächtnis den Rang eines Staatsvertrages erhielt.

 

 

Vereinbart wurde dies übrigens erst ganz kurzfristig am Tag der Vertragsunterzeichnung zwischen de Gaulle und Adenauer, so dass man bei der Ausfertigung der deutschen Version improvisieren musste: Da kein amtlicher dunkelblauer Lederdeckel mit Bundeswappen in Paris verfügbar war, wurde der Text „in einer am Vormittag schnell in der rue du Faubourg-St-Honoré bei Hermès erstandenen Ledermappe“  -immerhin!- eingeheftet.[24] (Die französische Ausfertigung entspricht immerhin allen protokollarischen Anforderungen).

 

Da es sich nun aber um einen offiziellen Vertrag handelte, musste ihm der Bundestag zustimmen. Und der versah den Text –gegen den Willen Adenauers- mit der Präambel, die  de Gaulle  tief enttäuschte und die den Vertrag für ihn zu einer verpassten Gelegenheit und einer „aimable virtualité“ (zitiert von Bled) machte. Sollte die deutsch-französische Freundschaft nach der Vorstellung de Gaulles und des Rosenzüchters Adenauer ein „Rosengarten“ sein, der lange blüht und gedeiht, wenn man es nur will[25], so schien die Rose des deutsch-französischen Vertrags –kaum aufgeblüht- auch schon wieder zu verwelken.

Zu dieser Einschätzung trug auch die Politik Ludwig Erhards bei, dem Nachfolger Konrad Adenauers.  Erhard, ein bekennender Atlantiker, hielt wenig von einem deutsch-französischen Sonderverhältnis, was er durch seine Abwesenheit bei der Verabschiedung des Vertragsentwurfs durch das Bundeskabinett zum Ausdruck brachte. Bei den ersten Konsultationen nach dem Kanzlerwechsel wiederholte de Gaulle zwar noch einmal sehr nachdrücklich sein Angebot einer engen Zweierbeziehung zwischen Frankreich und Deutschland. Ohne darauf auch nur im Geringsten einzugehen, rief, wie einer der Anwesenden berichtet, der neue Bundeskanzler „nach einer endlos erscheinenden Sekunde des Schweigens“  einfach den nächsten Tagesordnungspunkt auf.  Das war –ein halbes Jahr nach seiner Unterzeichnung- aus dem sogenannten „Jahrhundertvertrag“,  geworden, der deshalb auch „zunächst als gescheitert galt.“[26]„Je suis resté vierge“, beklagte sich de Gaulle bei Adenauer.[27] Drei Jahre nach seiner Unterzeichnung hatte der Elysée-Vertrag Geist und Substanz verloren, und lediglich die Pflicht zur Konsultation war von ihm noch übrig geblieben, was immerhin den völligen Bruch verhinderte.[28] Vor diesem Hintergrund muss man die Stilisierung des Elysée-Vertrages zum „Jahrhundertvertrag“ als Teil der Mythenbildung bezeichnen, die von Akteuren und Interpreten der deutsch-französischen Beziehungen der Nachkriegszeit gepflegt wurde.[29] Zu dieser Überhöhung des Elysée-Vertrags gehört dann übrigens auch, dass –wenn von deutsch-französischer Aussöhnung die Rede ist- oft etwas in den Hintergrund gerät, dass es immerhin schon einmal zwei Friedensnobelpreisträger gab, die die deutsch-französische Aussöhnung zu ihrem Lebenswerk gemacht hatten, nämlich der französische Außenminister Aristide Briand und der deutsche Außenminister Gustav Stresemann 1926, und dass am 9. Mai 1950, also gerade einmal 5 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs,  der damalige französische Außenminister Robert Schumann eine wegweisende Rede hielt, in der er die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) vorschlug und in der er gleich zu Beginn feststellte: „La paix mondiale ne saurait être sauvegardée sans des efforts créateurs à la mesure des dangers qui la menacent. … Le rassemblement des nations européennes exige que l’opposition séculaire de la France et de l’Allemagne soit éliminée.“[30]

13 Jahre später wurde im Elysée-Vertrag diese Jahrhunderte alte Gegnerschaft Deutschlands und Frankreichs dann endgültig und offiziell beendet und überwunden. Den blühenden Rosengarten deutsch-französischer Freundschaft, von dem Adenauer und de Gaulle träumten, schuf der Vertrag allerdings zunächst nicht. Dass er dann trotz aller anfänglicher Probleme schließlich doch noch gedieh und blühte, ist auch – um im Bild zu bleiben- engagierten Gärtnern auf beiden Seiten zu verdanken: Brandt und Pompidou, Schmidt und Giscard, Kohl und Mitterand und zuletzt Merkel und Sarkozy.  Aber bezeichnet das Duo Merkozy einerseits die Enge der gegenseitigen Beziehungen und Kooperation gerade in Krisenzeiten, so andererseits auch die Schwierigkeiten der Partnerschaft 50 Jahre nach Abschluss des Elysée-Vertrags.

 

  1. Der Elysée-Vertrag heute: Der stotternde deutsch-französische Motor

Schon Ende 2011 hat der französische Deutschlandexperte und deutschlandpolitische Berater François Hollandes, Jacques-Pierre Gougeon, konstatiert, der deutsch-französische Motor sei ins Stottern geraten und es bestehe eine beunruhigende und wachsende „Malaise“ zwischen den beiden Ländern.[31] Und diese Malaise hat sich unter der Präsidentschaft Francois Hollandes eher noch verstärkt. Le Monde spricht am 22.6.2012 in diesem Sinne davon, Deutsche und Franzosen redeten aneinander vorbei[32] oder der Express stellt fest, man müsse Deutschland und Frankreich wieder versöhnen.[33] Gougeon hat seinem neuesten Buch den Titel gegeben: „France-Allemagne: une union menacée?“ Ob die deutsch-französische Partnerschaft bedroht ist, wird hier als Frage formuliert. In seinem Fazit spricht dann Gougeon allerdings durchaus von der Gefahr eines Bruches.[34]  Belege dafür finden sich problemlos auf verschiedenen Politikfeldern, in denen es fundamentale Dissonanzen zwischen beiden Ländern gibt:

Dies gilt vor allem für die Position beider Länder in der Euro-Schuldenkrise. Die Kritik an der deutschen Haltung in der Schuldenkrise ist auch in Frankreich heftig. Darüber hinaus gibt es massive Tendenzen, Deutschland zum Sündenbock der europäischen Finanz- und Schuldenkrise zu machen.  Da ist es schon eine Ausnahme, wenn die konservative Zeitschrift Le Point Verständnis dafür hat, dass sich Deutschland sträube, für die „hemmungslose Schuldenpolitik“ seiner Partner aufzukommen. Unter der Überschrift „Justice pour Angela Merkel“ schreibt die Zeitschrift: „Mais Clemenceau est mort depuis longtemps et, avec lui, le traité de Versailles et le mythe de ‚L’Allemagne paiera‘“.[35] Dieser Verweis auf den Versailler Vertag, der nach inzwischen immerhin gängiger französischer Überzeugung einen wesentlichen Beitrag zum Aufstieg Hitlers geleistet hat, lässt sich auch als Replik auf den ebenso gängigen Vorwurf verstehen, Deutschland wiederhole mit seiner rigiden Sparpolitik die desaströse Deflationspolitik in der Weltwirtschaftskrise mit ihren bekannten Konsequenzen. Hier wird deutlich, mit welch harten geschichtspolitischen Bandagen die französische Auseinandersetzung um die Rolle Deutschlands in Europa geführt wird und wie groß hier der Graben zwischen beiden Ländern ist.

Die Euro-Krise hat eine weitere entscheidende Dissonanz in der europapolitischen Konzeption beider Länder deutlich gemacht. Im Kern geht es ja darum, dass (in welchem Ausmaß und auf welche Weise auch immer) die Schulden der Euro-Länder vergemeinschaftet werden sollen,  was aber aus (nicht nur) deutscher Sicht nur möglich ist gegen einen (weiteren) Souveränitätsverzicht. Denn man kann deutschen (und anderen) Steuerzahlern kaum zumuten, dass sie den Staaten, die über ihre Verhältnisse lebten und leben, großzügig einen Blankoscheck ausstellen – auch wenn die entsprechende Position, die der Bundesbankpräsident so griffig formuliert hat, in Frankreich teilweise als Zeichen des Egoismus und der fehlenden Solidarität verstanden wird. Wobei bemerkenswert und erstaunlich ist, dass in der französischen Diskussion der Schuldenkrise – trotz extrem angespannter Haushaltslage-  nur ganz ausnahmsweise darauf hingewiesen wird, dass -und welche- Kosten bzw. Risiken auch für den französischen Steuerzahler mit den bisherigen und möglichen künftigen Stützungsmaßnahmen verbunden sind. Und was die Abgabe von Souveränität an die Gemeinschaft angeht, tut sich Frankreich schwer. Dies gilt sowohl für große Teile der Rechten wie der Linken – ein für Frankreich seltener Bereich parteiübergreifender Einigkeit- und es hat eine lange Tradition, die weit über de Gaulle hinausreicht. Einem geflügelten Wort Cardin Le Brets aus der Zeit Ludwigs XIV.  entsprechend ist die Souveränität genauso wenig teilbar wie der Punkt in der Geometrie.[36]  Das ist Absolutismus pur, aber nicht von vorgestern: Der von deutscher Seite als europäische Perspektive ins Spiel gebrachte europäische Föderalismus ist für die französische politische Klasse eher ein Tabu bzw. gehört zu den sogenannten „f-words“, die tunlichst vermieden werden. François Hollande spricht also lieber von einer „intégration solidaire“, womit dann wohl eher das gemeint ist, was in Deutschland –oder zumindest der FAZ- gerne als „Haftungs- und Transferunion“ bezeichnet wird.[37]  Nach der Ablehnung der europäischen Verfassung durch die Franzosen im Referendum von 2005 und den erbitterten Auseinandersetzungen um diese Verfassung in der Sozialistischen Partei fürchten die Sozialisten den europäischen Föderalismus wie der Teufel das Weihwasser.[38] Hier befindet sich Frankreich ganz in der Tradition  Charles de Gaulles. Dessen erklärtes Ziel war ja,  wie Klaus Schwabe am 13.7.12 in der FAZ schrieb, ein Europa der in jeder Hinsicht souveränen Nationen, also etwas ganz anderes als das, was europäischen Visionären wie Schuman, Monnet und de Gasperi vorschwebte. Was dagegen de Gaulle wollte, „war genau das Europa, das heute an der Aufgabe einer gemeinsamen Finanz-, Wirtschafts- und Innenpolitik zu scheitern droht. De Gaulles Verdienste um ein enges Bündnis mit der Bundesrepublik passten in seine nationalstaatliche Orientierung und sollen in keiner Weise geschmälert werden. Trotzdem ist er an erster Stelle für die Fehlentwicklung verantwortlich, welche die europäische Einigung unter seinem Einfluss eingeschlagen hat.“ Für de Gaulle war ein föderales Europa unvorstellbar. Man könne kein föderales Omelette mit  harten Eiern machen, also den alten europäischen Nationen.[39]  Völlig entgegengesetzte Wege haben Deutschland und Frankreich auch in der Energiepolitik eingeschlagen:  In Deutschland wurde beschlossen, die Atommeiler abzuschalten, was in Frankreich mit Unverständnis, z.T. auch mit Häme kommentiert wurde- frei nach Asterix: „Die spinnen, die Deutschen“.  In Frankreich hat der neue Präsident zwar als längerfristiges Ziel vorgegeben, den Anteil des Atomstroms mittelfristig von 75% auf 50% zu reduzieren. Aber auch die Grünen als Koalitionspartner  konnten nicht ein Regierungsprogramm verhindern, nach dem die nukleare Kapazität Frankreichs am Ende der fünfjährigen Amtszeit Hollandes noch höher sein wird als am Anfang!  Die Atomenergie ist- auch dies ein Erbe de Gaulles- in ihrer Verflechtung von militärischem und zivilem Bereich ein nationaler Mythos, wie die Zeitung Libération schrieb, über den man nicht diskutiert, sondern vor dem man sich verneigt.[40] Und damit es auch allen klar ist, hat der (linkssozialistische) Minister Montebourg – in vollster Übereinstimmung mit der entsprechenden Politik Sarkozys- gerade wieder bestätigt, dass es sich bei der Atomindustrie um eine Zukunftstechnologie handele, auf die  Frankreich unter keinen Umständen verzichten könne und wolle.[41]

Le Monde spricht im  Leitartikel zum Jubiläumstreffen Hollandes und Merkels in Reims am 8. Juli  auch die außenpolitische und militärische Zusammenarbeit an, die im Elysée-Vertrag ja eine zentrale Rolle spielt und fragt – unter anderem- kritisch, warum 50 Jahre nach Abschluss des Vertrags die militärische Zusammenarbeit nicht vorankomme; warum es keine gemeinsame Botschaft gäbe; warum die beiden Länder unfähig seien,  in der UNO und der G20 mit einer Stimme zu sprechen…[42] Die unterschiedlichen Positionen zu einer militärischen Intervention in Libyen haben die Dissonanzen in diesem Bereich wieder sehr deutlich gemacht.

  1. Der Verlust der französischen Dominanz

Diese Dissonanzen-Liste soll –was problemlos möglich wäre- hier nicht noch verlängert werden. Stattdessen soll eine Antwort auf die Frage versucht werden, was letztendlich die Beziehungen beider Länder zunehmend schwierig macht. Nach Auffassung Gougeons, die mir sehr plausibel erscheint,  ist es die völlige Umkehr des Gewichts beider Länder seit Abschluss des Elysée-Vertrags. Damals waren die Verhältnisse ganz eindeutig und unbestritten.[43]  Und Deutschland machte bis hin zur Wiedervereinigung Frankreich den ersten Rang auch nicht streitig. Bezeichnend dafür die Mahnung Helmut Schmidts aus dem Jahr 1990: „Jedermann in Bonn muss wissen: Wir dürfen keinen Schritt ohne Frankreich tun, immer Paris den Vortritt lassen, der den Franzosen gebührt.“[44] Inzwischen hat sich das Machtgefüge zwischen Frankreich und Deutschland verschoben, vor allem, wie Gougeon schreibt, durch die zunehmenden ökonomischen Unterschiede und dadurch, dass Deutschland seine Rolle als Machtfaktor inzwischen wahr- und in Anspruch nehme.[45] Dieses Ungleichgewicht zuungunsten Frankreichs drücke sich auch in dem größeren Stimmengewicht im europäischen Ministerrat aus, das Deutschland im Vertrag von Lissabon erhalten habe. Als eine Konsequenz dieses verschobenen Machtgefüges diagnostizieren Beobachter einen französischen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Deutschland.[46] Und wenn auch der neue Präsident am Anfang Selbstbewusstsein gegenüber Deutschland demonstriert habe (Eurobonds, Fiskalpakt), so habe er sich dann schließlich doch kleinlaut den Vorgaben Merkels angepasst. Und dass Hollande (zunächst) den Schulterschluss mit Italien und Spanien suchte  und gegenüber Griechenland eher zu Konzessionen bereit ist bzw. war als die Bundesregierung, wurde zumindest von konservativer Seite nicht als Ausdruck von neuem Selbstbewusstsein gesehen: Frankreich stelle sich damit schon darauf ein, selbst einmal zu den Rettungskandidaten der Eurozone zu gehören.  Allerdings sei, so die linke „Marianne“,  die Anlehnung an den „Club Med diplomatique“ keine Alternative zur deutsch-französischen Allianz. Das wäre ja so, als würde ein Fußballklub darum bitten, in die zweite Liga absteigen zu dürfen.[47]

Die französische Schwäche, die der fast schon obsessive Vergleich mit Deutschland immer wieder vor Augen führt,  wird dann zwar zeitweise durch markige Worte oder durch Großmacht-Interventionen wie in Libyen überspielt, die aber im Grunde über die eigenen Kräfte gehen. Denn die sind begrenzt und eher noch am Schwinden: Die Arbeitslosigkeit steigt -besonders bei Jugendlichen- in besorgniserregende Höhen, ebenso das Außenhandelsdefizit und die Staatsverschuldung, Frankreich verliert an industrieller Substanz und an internationaler Konkurrenzfähigkeit –im aktuellen Ranking des Weltwirtschaftsforums Davos wird Frankreich zum ersten Mal nicht mehr unter den top-20 geführt,[48] das triple A (das AAA) verlor Frankreich schon am Ende der Ära Sarkozy, und wie 2013 die immer wieder versprochene 3% – Grenze der Staatsverschuldung eingehalten werden soll, steht trotz angekündigter einschneidender Maßnahmen in den Sternen:   Harter Tobak für die Grande Nation.[49]

Dagegen vergeht  fast kein Tag, an dem nicht in den Medien die entsprechenden deutschen Zahlen zum Vergleich herangezogen werden.  Deutschland dient hier als Maßstab und wird als Modell den eigenen Landsleuten vorgehalten.[50] Wer aber die Rolle eines Klassenprimus einnimmt und lautstark, wie Herr Kauder,  beansprucht, dass am deutschen Wesen Europa genesen soll, muss damit rechnen, neben Bewunderung auch negative Emotionen auf sich zu ziehen.

Besonders hervorgetan hat sich in dieser Hinsicht  Arnaud Montebourg, ein führender Sozialist, der inzwischen zum ministre du redressement productif, also zum Minister für „produktiven Wiederaufbau“(!), also die Reindustrialisierung Frankreichs,  avanciert ist. Deutschland, so verkündete er 2011 lautstark,  mache sein Glück  „sur notre ruine“[51], die alte deutsche Politik der territorialen Expansion kehre nun wieder als Politik der „domination économique“.[52]

Und was bleibt da für Frankreich angesichts solcher tatsächlicher oder zugeschriebener deutscher Dominanz?  Natalie Kosciusko-Morizet, die frühere Sprecherin Sarkozys und jetzige Kandidatin für den Vorsitz der UMP, sieht vor allem zwei französische Trumpfkarten, die den deutschen in vielerlei Hinsicht überlegen seien: Und zwar vor allem die demographische Dynamik, durch die Frankreich in der Mitte des Jahrhunderts Deutschland an Bevölkerungszahl überholen werde. Das sei eindeutig ein Schlüssel der Zukunft. Und zweitens die Kreativität der französischen Ingenieure, die vor allem in der Atom- und der Luft- und Raumfahrtindustrie sichtbar werde.[53]

Hier wird der historische deutsche Topos vom demographischen Niedergang Frankreichs  von französischer Seite gegen Deutschland gewendet, eine in Frankreich derzeit sehr verbreitete, trostreiche Verheißung auf bessere Zeiten.[54]  Und wenn als eine der weiteren Trumpfkarten Frankreichs die Luft- und Raumfahrtindustrie genannt wird, dann gehören dazu auch die deutsch-französischen Projekte Ariane und Airbus, also  -trotz mancher nationaler Personalquerelen- Erfolgsgeschichten deutsch-französischer Zusammenarbeit, die vom Elysée-Vertrag beflügelt wurden.

 

  1. Und dennoch: Der Elysée-Vertrag, eine Erfolgsgeschichte!

Und in der Tat: Bei allen aktuellen Problemen und historischer Relativierung ist der Elysée-Vertrag  doch eine ganz außerordentliche Erfolgsgeschichte.

Dabei wird an erster Stelle oft die Intensität der politischen Zusammenarbeit genannt:  „Auf der Basis des Elysée-Vertrags ist 1963 ein Netz von Kontakten entstanden, das unter souveränen Staaten einmalig sein dürfte.“[55] Die damals vereinbarten Konsultationsverpflichtungen halfen dabei, schwierige Phasen der deutsch-französischen Beziehungen zu überbrücken, vor allem aber waren sie eine wichtige Voraussetzung für den deutsch-französischen Motor auf europäischer Ebene. Ein weiterer unbestreitbarer Pluspunkt des Vertrags war die Vereinbarung über die Gründung des deutsch-französischen Jugendwerks, das gerne als „das schönste Kind des Elysée-Vertrags“ bezeichnet wird, und waren und sind die zahlreichen Initiativen im Bereich von Schulen und Universitäten (Erasmus, Comenius, bilinguale Angebote, Schüleraustausch, universitäre Kooperationen etc).  Mit dem Elysée-Vertrag setzte auch ein großer Aufschwung deutsch-französischer Städtepartnerschaften ein, von denen es inzwischen etwa 2200 gibt. Die Kultur ist in dem Vertrag zwar aufgrund damaliger innerfranzösischer Querelen nicht berücksichtigt, aber das wurde später etwas ausgeglichen durch die Gründung des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte, ebenfalls eine international einmalige Einrichtung. All das bewirkte, dass die deutsch-französische Versöhnung und Zusammenarbeit nicht auf die politischen Eliten beschränkt blieb, sondern weit in die Zivilgesellschaft hineinwirkte.

Der Prozess der deutsch-französischen Versöhnung und die Etablierung einer „strukturierten Zusammenarbeit“, die im Elysée-Vertrag besiegelt wurden, ist –gerade wenn man sie in ihrer historischen Dimension sieht- so einzigartig, dass sie inzwischen sogar als mögliches Modell für andere Staaten ins Auge gefasst wird, ja geradezu zum „Exportschlager“ stilisiert wurde.[56] Erleichtert wurde das „Wunder“ aber dadurch, dass Deutschland und Frankreich immerhin gemeinsame Wurzeln im fränkischen Reichs Karls des Großen haben, dessen Statue eben nicht nur vor Notre Dame in Paris steht, sondern auch an der „Furt der Franken“, also  in Frankfurt vor dem Historischen Museum.[57] Und neben der sogenannten Erbfeindschaft gab es ja auch eine intensive kulturelle Verschränkung: Man denke nur –im Jubiläumsjahr- an Friedrich den Großen, der besser französisch als deutsch sprach, oder an Goethe, dessen Werther gerade auch in Frankreich zum Bestseller wurde und der ein glühender Verehrer Napoleons war. So leicht wird es für andere also nicht immer sein, die Erfolgsgeschichte der deutsch-französischen Versöhnung auf sich zu übertragen.

 

  1. Und vor uns die Mühen der Ebene

Wenn heute die deutsch-französischen Beziehungen statt mit dem Begriff der Erbfeindschaft mit dem der „Erbfreundschaft“ (Ritzenhofen) charakterisiert werden können, dann wird damit  die einzigartige Entwicklung der letzten 50 Jahre auf den Begriff gebracht. Gleichzeitig  aber ist in diesem Begriff auch eine Schwierigkeit der aktuellen Beziehungen impliziert. Was die Gründungsväter der europäischen Einigung und des Elysée-Vertrags beseelte, waren die Erfahrungen zweier grauenhafter Weltkriege und das entschlossene „Nie wieder!“.  In der gemeinsamen Messe de Gaulle und Adenauers von 1962 und in der Verneigung Kohls und Mitterands –Hand in Hand- vor den Opfern von Verdun 1984[58]– wurde dies in unnachahmlicher Weise zum Ausdruck gebracht.

 

 

Das ist heute nicht mehr wiederholbar. Das unprätentiöse Treffen Merkels und Hollandes in Reims 50 Jahre später hat dies deutlich gezeigt, und auch die historische Dimension der Rede de Gaulles an die deutsche Jugend in Ludwigsburg lässt sich nicht wieder erreichen.

Dass Deutschland und Frankreich Freunde sind, gehört heute zu den Selbstverständlichkeiten des öffentlichen Bewusstseins beiderseits des Rheins. 2011 waren immerhin 55% der befragten Deutschen der Meinung, dass Frankreich das Land sei, mit dem man am engsten zusammenarbeiten müsse.[59] 82% der befragten Franzosen haben nach einer Untersuchung vom Januar 2012  ein positives Bild von Deutschland.[60] Und in dem  aktuellen Barometer der deutsch-französischen Beziehungen, bei dem im Sommer 2012  junge Menschen zwischen 15 und 34 Jahren befragt wurden, bezeichneten 68,5 der Franzosen und 78% der Deutschen die beiderseitigen Beziehungen als gut.  Und das trotz akuter Eurokrise und „stotterndem deutsch-französischem Motor“![61] Hier wird in der Tat deutlich, dass die deutsch-französische Freundschaft nicht einfach eine politische Konstruktion, sondern tief in den beiden Gesellschaften verankert ist.

Allerdings müssen diese Befunde durch die Tatsache relativiert werden, „dass die deutsch-französischen Beziehungen vielen jungen Menschen weder als ausschließlich noch als bevorzugt erscheinen“ – und zwar mit steigender Tendenz.[62] Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch das altersspezifisch aufgeschlüsselte Ergebnis der ifop-Frage nach dem bevorzugten Partner: Während 64% der befragten Franzosen ab 65 Jahre Deutschland in dieser Rolle sehen, sind es bei der Altersgruppe bis 35 Jahre nur 38%.[63]

Die Einzigartigkeit der deutsch- französischen Beziehungen war für die Kriegs- und die Nachkriegsgeneration eine Selbstverständlichkeit, für heutige Jugendliche ist die Normalität dieser Beziehungen selbstverständlich und der Bezugspunkt ist eher Europa insgesamt. Deshalb fehlt auch vielen deutsch-französischen Initiativen der Nachwuchs[64] und das Erlernen der Sprache des jeweiligen Nachbarlandes hat heute bei weitem nicht den Stellenwert, der ihm vor 50 Jahren zugeschrieben wurde. Französische Deutschlehrer/innen, die teilweise von Schule zu Schule hetzen müssen, um auf das erforderliche Stundendeputat in ihrem dahindümpelnden Fach zu kommen, können davon ein (trauriges) Lied singen.[65]

Man muss deshalb aber nicht gleich, wie der Le Monde-Journalist Arnaud Leparmentier am 12.9.2012 in Versailles, von einer „Katastrophe“ sprechen und den Elysée-Vertrag als überlebt abtun. Es erscheint mir auch zweifelhaft, ob man, wie im Leitartikel von Le Monde zum Treffen Hollandes und Merkels in Reims gefordert, einen neuen Elysée-Vertrag braucht.[66] Eher geht es darum, wie  Berechtigung und Notwendigkeit spezifischer deutsch-französischer Beziehungen auch unter den –vor allem seit 1990- grundlegend veränderten Bedingungen erklärt werden können  und wie der Vertrag gerade im Blick auf die Jugend mit ständig neuem Leben erfüllt werden kann.

Überlegungen und Vorschläge gibt es dafür mehr als genug: Beispielsweise die „99 Ideen für die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen“ vom Herausgeber des Magazins ParisBerlin, Oliver Breton.  Anlässlich des 40. Jahrestags des Elysée-Vertrags haben Chirac und Schröder beispielsweise die im Vertrag vorgesehenen Konsultationen noch einmal wesentlich intensiviert und haben damit die Grenze des Sinnvollen und Machbaren erreicht. Angesichts der leeren Haushaltskassen ist allerdings Bescheidenheit angesagt. Sinnvolles,  Mach- und Bezahlbares gibt es aber noch in vielen Bereichen.  Mal seh‘n, was sich Merkel und Hollande anlässlich des 50. Jubiläums einfallen lassen! Am wichtigsten ist jedenfalls ein gesellschaftliches Klima, das Frankreich, seiner Kultur und Sprache förderlich ist, und sind  Eltern und Lehrer, die Jugendlichen dabei helfen, unser Nachbarland kennen- und vielleicht sogar lieben zu lernen.

September 2012

 

  1. 15. Literatur:

Bled, Jean-Paul, Aux origines du traité franco-allemand du 22 janvier 1963, Espoir n°116, 1998. Auch in: http://www.charles-de-gaulle.org/pages/l-homme/dossiers-thematiques/de-gaulle-et-le-monde/de-gaulle-et-l-allemagne/analyses/aux-origines-du-traite-franco-allemand.php

Defrance, Corine und Pfeil, Ulrich: Der Elysée-Vertrag und die deutsch-französischen Beziehungen. Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2005 – in Frankreich erschienen unter dem Titel Le traité de l’Élysée et les relations franco-allemandes (CNRS)

Fischer, Per: Ein Start mit Hindernissen. Wie der „Jahrhundertvertrag“ entstand und aufgenommen wurde. 1992, DFI online-Bibliothek  https://fiv.sydneyplus.com/FIVDB1/Portal/dfi_de.aspx?lang=de-DE&g_AAAAAP_AAAD=FIVDB1+%7CCatalog+%7CaggBasic+%3D+%27Per+Fischer+Ein+Start+mit+Hindernissen%27&p_AAAX=AAAACV&query=Per+Fischer+Ein+Start+mit+Hindernissen&submit=Suche

Gougeon, Jacques: France-Allemagne: une union menacée? Paris 2012

Grosser, Alfred, Deux siècles de haine et de passion. L’Express 2.1.2003

Linsel, Knut, Charles de Gaulle und Deutschland 1914 – 1919. Beihefte der Francia, Bd 44 1998

Jeismann, Michael: Das Vaterland der Feinde. Studien zum nationalen Feindbegriff und Selbstverständnis in Deutschland und Frankreich 1792-1918. Stuttgart 1992

Lappenküper, Ulrich: Die deutsch-französischen Beziehungen von 1949 – 1963. Von der „Erbfeindschaft“ zur „Entente élémentaire“ (2 Bde) München 2001

Lappenküper, Ulrich: Les cinquante ans du traité de l’Élysée. Vortrag im DHI Paris vom 24.5.2012. Französisches Redemanuskript

Lappenküper, Ulrich: Das „Wunder“ von Colombey. Konrad Adenauer bei Charles de Gaulle im September 1958. In: Dokumente/Documents. Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog. 3/2012

Leenhardt, Jacques und Picht, Robert:  Esprit/Geist. 100 Schlüsselbegriffe für Deutsche und Franzosen.  München 1989

Linsel, Knut: Charles de Gaulle und Deutschland 1914-1969. Beihefte der Francia Bd 44. Sigmaringen 1998

Lipping, Alexander und  Grabendorff,Björn: 1848- Der Deutsche macht in Güte Revolution. FFM 1982

Martens, Stefan, Zwischen Demokratisierung und Ausbeutung. Aspekte und Motive der französischen Deutschlandpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. Beihefte der Francia Bd. 27, 1993

Martens, Stephan, De l’Erbfeindschaft à la Reconciliation. Le Traité de l’Elysée. Portée et limites.  In: Allemagne d´aujourd´hui hors série, mai 2006, S. 36-50. (Sonderheft  8 mai 1945 – 8 mai 2005 France et Allemagne : de la guerre au partenariat européen. )

Miard-Delacroix, Hélène und Hudemann, Rainer (Herausgeber): Wandel und Integration: Deutsch-französische Annäherungen der fünfziger Jahre/ Mutations et intégration. Les rapprochements franco-allemands dans les années cinquante. München 2005

Montferrand, Bernard de und Thiériot, Jean-Louis: France-Allemagne. L’Heure de vérité. Paris 2011

Ritzenhofen, Medard:  Deutschland – Frankreich. Die Erbfreundschaft.  Ein Winter-, ein Wundermärchen. In: Dokumente / Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit (Bielefeld), 58 (Dezember 2002) 6, S. 6-43

Seidendorf, Stefan (Hrsg): Deutsch-Französische Beziehungen als Modellbaukasten? Zur Übertragbarkeit von Aussöhnung und strukturierter Zusammenarbeit. Nomos 2012

Vogel, Wolfram, Die deutsch-französischen Beziehungen. In: Kimmel, Adolf/Uterwedde, Henrik: Länderbericht Frankreich. Band 462 der Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung. 2005

Zibura, Gilbert: Die deutsch-französischen Beziehungen seit 1945. Mythen und Realitäten. 1997

http://www.lefigaro.fr/international/2012/05/15/01003-20120515ARTFIG00718-le-couple-franco-allemand-60-ans-d-histoires.php  (Retour sur les grandes dates de la relation franco-allemande.)

[1] Picht in Leenhardt/Picht, 127

[2] zit. bei Lipping/Grabendorff, 18/19

[3] Siehe dazu: Ennemi/ami héréditaire. Les relations franco-allemandes entre 1870 et 1945 à travers la littérature contemporaine. Dfi 2008 und das Buch von  Jeismann.

 

[4] Martens, 2006, 50

[5] Vogel, 419

[6] de Gaulle bezeichnete selbst die deutsch-französische Verständigung als „miracle historique“. Zit. bei Lappenküper 3/2012, 49. Der Vertrag selbst ist allerdings eine eher geschäftsmäßig-spröde Vereinbarung „über die Organisation und die Grundsätze der Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten“ (Vertragstext). Dem Vertrag ist aber eine gemeinsame Erklärung vorangestellt, in der Adenauer und de Gaulle auf die historische Dimension der „Versöhnung zwischen dem deutschen und dem französischen Volk“ verweisen, „die eine Jahrhunderte alte Rivalität beendet“ und „das Verhältnis der beiden Völker zueinander von Grund auf neu gestaltet.“ (Text der gemeinsamen Erklärung).

[7] Vogel, 419

[8] Martens,1993, 10

[9] Linsel, 135

[10] Pressekonferenz 29.3.1949: „résurrection de l’imperialisme germanique“; Pressekonferenz 25.2.1953: „Chancelier du Reich“. Zit. bei Linsel, S. 135 und 140

[11] Lappenküper 3/2012, 45 und 49

[12] http://www.tagesspiegel.de/politik/de-gaulle-rede-in-deutschland-vor-50-jahren-grosse-worte-grosse-gesten/7166590.html

[13] Wortlaut der Rede auf: http://www.ludwigsburg.de/site/Ludwigsburg-Internet/get/1105080/REDE-de_gaulle.pdf.  Zu hören und zu sehen ist die Rede auf:  http://www.europa-nur-mit-uns.eu/charles-de-gaulle-die-rede.html. Dort auch Links zu zeitgenössischen Reaktionen.

[14] Nähere Informationen zu dem deutsch-französischen Jahr 2012-2013 bei: www.deutschland-frankreich.diplo.dewww.elysee50.de bzw.  www.elysee50.fr Zusätzlich gibt es auch ein année franco-allemande en milieu scolaire, das am 9. September in Saarbrücken von George Pau-Langevin, ministre déléguée à la réussite éducative, und der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer eingeläutet wurde.  Kramp-Karrenbauer ist  auch Bevollmächtigte für die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich.

[15] Bled: „La veille au soir, Jean Monnet, inspiré par d’autres intérêts, a tenté de dissuader le Chancelier de conclure“

[16] Curt Gasteyger, Europa zwischen Spaltung und Einigung 1945 bis 1993. Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Band 321, 1994, S. 225

[17] Diese und weitere Belege für die Relativierung der Bedeutung des Vertrags  bei Martens, 2006,45/46

[18] Fischer, 467

[19] Vogel, 423

[20] Vogel, 419; entsprechend stellt Insel, 155, fest, de Gaulle habe den Großmachtanspruch Frankreichs „zum ausschließlichen Bezugspunkt der französischen Politik“ gemacht. In diesem Zusammenhang sei auch seine Deutschlandpolitik zu sehen.

[21] Vogel, 419, 420.

[22] Siehe Gougeon, France-Allemagne, 184

[23] Fischer, 465

[24] Fischer, 466

[25] zit. bei Martens, 2006, 45

[26] Fischer, 467 und Vogel, 424; Fischer a.a.O.  spricht etwas zurückhaltender von einem „Start mit Hindernissen“ und einer von Erhard verursachten „Sackgasse“.

[27] „Ich bin Jungfrau geblieben“. Zit. Lappenküper 2012, 4

[28] Lappenküper 2012,4

[29] s. Corinne Defrance in einem vom Arbeitskreis Deutschland-Frankreich der Uni Kassel organisierten Vortrag vom 24.1.2012 über „Le mythe de la réconciliation franco-allemande“:  „Die Konstruktion des Mythos anhand verschiedener offizieller Inszenierungen setzte spätestens zu Beginn der 1960er Jahre ein: noch vor der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages durch Charles de Gaulle und Konrad Adenauer am 22. Januar 1963. Stets standen die Bundesrepublik und Frankreich unter dem Druck der Vergangenheit, stets ging es darum, sich vom gescheiterten Versuch einer Aussöhnung in der Zwischenkriegszeit abzugrenzen, der doch immerhin einen Friedensnobelpreis für Aristide Briand und Gustav Stresemann mit sich gebracht hatte.“  S.a. Defrance: Construction et déconstruction du mythe de la reconciliation franco-allemande au XXe siècle. In: Mythes et tabous des relations franco-allemandes au XXe siècle. Bern 2012

[30] Zit. in einem Leserbrief von Jacques-René Rabier in La Croix vom 1.10.12, der bedauert, dass in der Ausgabe der Zeitung vom 21. Sept. 2012, deren Schwerpunkt die deutsch-französischen Beziehungen waren, die Initiative Schumans und ihre Bedeutung nicht gewürdigt wurden.

[31] (Revue d’analyses (financières) Publié le 8 novembre 2011,  s. auch den Artikel Gougeons in Le Monde vom 1.11.2011).

[32] „les débats franco-allemands tournent au dialogue de sourds“. (http://www.lemonde.fr/idees/article/2012/06/22/paris-berlin-le-dialogue-de-sourds_1723264_3232.html)

[33] (“ il faudra d’abord réconcilier la France et l’Allemagne” (http://lexpansion.lexpress.fr/economie/cinq-choses-a-retenir-sur-le-sommet-europeen_308747.html Par Sébastien Julian – publié le 29/06/2012 à 18:48).

[34] Gougeon, 2012,188: „risque de fracture“

[35] Le Point 21.6.2012, S. 8; diese Verbindungslinie zieht auch Le Monde am 22.6.: „Les Allemands entendent les propositions françaises comme une nouvelle édition du slogan ‘L’Allemagne paiera’, qui avait rythmé la vie politique française après la première guerre mondiale.“

[36] „La souveraineté n’est non plus divisible que le point en géométrie“. Kardinal Le Bret zit.in: Lous XIV Figaro hors-série 2009, S.96

[37] FAZ, 22.9.12. Bezeichnend dazu die Position des französischen Wirtschaftsministers Moscovici, vor einer Abgabe von Souveränität müssten konkrete Maßnahmen der Solidarität erfolgen, beispielsweise eine europäische Arbeitslosenversicherung. : « Les Français ne sont pas prêts à concéder des abandons de souveraineté sans avancées concrètes de solidarité. C’est pour cela que j’ai évoqué l’idée d’une assurance chômage européenne. » Le Monde  1.10.12. Zur franz. Diskussion um den europäischen Föderalismus s. z.B. Figaro vom 13.9.12: L’Europe face au tabou du fédéralisme“ und Libération 12.9.12

[38] siehe Marianne, 16.-22. Juni 2012, S. 28; entsprechend http://lexpansion.lexpress.fr/economie/cinq-choses-a-retenir-sur-le-sommet-europeen_308747.html  Par Sébastien Julian – publié le 29/06/2012 à 18:48: Die Deutschen widersetzten sich der Vergemeinschaftung von Schulden, „car ils veulent au préalable une garantie budgétaire suffisante. Or celle-ci pose la question des transferts de souveraineté, un point sur lequel la France freine des quatre fers.”. s.a. Libération: “ Paris n’a plus aucune raison, vu les gestes allemands, de bloquer la route vers le fédéralisme, même si  Hollande préfère encore parler «d’intégration solidaire»… http://www.liberation.fr/economie/2012/06/29/la-nuit-ou-le-sud-a-fait-flancher-merkel_830240

[39] „On ne peut pas faire une omelette fédérale avec des oeufs durs que sont les vieilles nations d’Europe.” Zit. In Le Monde 15.9.12, S. 11

[40] Libération, 25.3.2011

[41] http://www.lemonde.fr/politique/article/2012/08/27/pourquoi-montebourg-defend-la-filiere-nucleaire_1751629_823448.html

[42] „Pourquoi, cinquante ans après le traité de l’Elysée, la coopération militaire entre les deux pays reste-t-elle balbutiante ? Pourquoi n’y a-t-il aucune ambassade commune ? Pourquoi, à l’ONU et au G20, les deux pays sont-ils incapables de parler d’une seule voix ? Pourquoi se font-ils concurrence au Maghreb et au Proche-Orient?…“ Editorial, 8.7.12

[43] siehe Bled: „Bien entendu, il ne s’agissait pas de laisser l’Allemagne s’y assurer une influence dominante.“

[44] Die Deutschen und ihre Nachbarn. Berlin 1990, 332

[45] „par le creusement des différences économiques et par une réapprobation par l’Allemagne de son statut de puissance“. Gougeon, 2012, 188; Nach der ifop-Untersuchung vom Januar 2012 über das Bild Deutschlands in Frankreich stimmen 81% der Befragten der Feststellung zu, dass sich mit der Eurokrise die Rolle Deutschlands als „le pays dominant“ weiter gefestigt habe. Zur unterschiedlichen Tendenz der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands und Frankreichs siehe auch: Bermard de Montferrand und Jean-Louis Thiériot: France-Allemagne. L’heure de vérité. Paris 2011)

[46] Le Figaro 24.8.12: „De toute évidence La  France souffre d’un complexe d’infériorité vis-à-vis de l’Allemagne.” Das wird zwar aus dem Spiegel übernommen, aber vom Figaro groß herausgestellt.  Siehe auch DIE ZEIT vom 19.4.2012 Nr. 17: „Seit dem Blitzsieg der Wehrmacht 1940 leidet Frankreich mit Blick auf den Nachbarn unter einem technischen Minderwertigkeitskomplex, der sich mit dem deutschen Stolz auf die Wertarbeit von Mercedes, BMW und Porsche kongenial ergänzt. »Made in Germany« versus »Merde in France« ….,  wie Jacques Dutronc 1984 in einem Chanson dichtete.“

[47] Marianne 802, 1.-7. Sept.2012, S. 28

[48] Le Monde 7.9.2012

[49] siehe Le Monde, 12.9.2012 S. 1 und 8. Ein Trost ist immerhin, dass es die Finanzmärke derzeit gut mit Frankreich meinen, obwohl ihnen Hollande im Wahlkampf den Krieg erklärt hatte. Aber, so Pierre-Antoine Deshommais in Le Point vom 30.8.2012, S. 30: „Leur irrationalité atteint même parfois la hauteur des bonus des opérateurs qui y travaillent.“ Und eine Sommerliebe könne auch schnell wieder enden.

[50] siehe dazu z.B. Patrick Artus: L’Allemagne, un modèle pour la France. Paris 2009 und das Kapitel 3 in Gougeon 2012. Entsprechende aktuelle Pressebelege  beispielsweise in  Le Monde vom 6.9.12, wo als Aufmacher S. 1 im Großformat die altersbezogenen taux d’emploi-Zahlen Frankreichs mit den –wesentlich günstigeren- deutschen verglichen werden. Oder Les Echos 7./8.9.12: La France doit-elle copier l’Allemagne?

[51] Le Monde, 2.12.11

[52] Libération 1.12.11 Dazu passt auch, dass Montebourg ruhig zusah, wie einer seiner Mitarbeiter dem Chef des  französischen Pharmazie-Konzerns Sanofi  vorwarf, kein Franzose zu sein (sondern Deutsch-Kanadier) und (deshalb) die Forschungskapazitäten seiner Firma in Frankreich unpatriotisch abwürgen zu wollen.  Le Monde, 4.10.12, S. 16 (Die Pharmazie-Sparte der verblichenen « Farbwerke Hoechst » ist übrigens in diesem Konzern aufgegangen).

[53] „Pourtant les atouts de la France sont, à maints égards, supérieurs à ceux de nos partenaires allemands –notamment deux: notre dynamisme  démographique, qui fera passer la population française devant la populataion allemande avant le milieu du siècle: c’est évidemment une clé de l’avenir; notre créativité, ce génie hérité de nos ingénieurs, si visible dans l’aéronautique ou l’énergie. Il a conduit au succès d’entreprises de rang mondial“. Le Point 2085 vom 30.8.2012, S. 42

[54] siehe z.B. auch Editorial le Monde 8.7.12: “Pour des raisons démographiques, l’Allemagne se prépare à des lendemains difficiles.“

[55] Lappenküper 3/2012, 50; entsprechend Fischer, 464

[56] siehe dazu den von Seidendorf herausgegebenen Sammelband .  s.a. Corinne Defrance am 24.1.2012 an der Uni Kassel:  „Dabei hegt und pflegt das deutsch-französische Tandem diesen Mythos im Rahmen seines bilateralen Verhältnisses und dokumentiert diesen derart bereitwillig nach außen, dass das Modell der Versöhnung zu einem „Exportschlager“ werden konnte.“

[57] Gougeon beginnt sein Buch über die bedrohte deutsch-französische Union denn auch mit einem Hinweis darauf, „combien les deux espaces des deux côtés du Rhin ont très longtemps constitué une seule sphère culturelle et politique“ S. 9

[58] Zur Genese dieser symbolischen Geste s. Ulrich Wickert in der FAZ vom 25.9.2009. Ihr allerdings die gleiche außerordentliche Bedeutung  zuzuerkennen wie dem Kniefall Willy Brandts in Warschau, erscheint mir doch arg übertrieben. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/kohl-und-mitterrand-in-verdun-warum-reichten-sie-sich-die-hand-1857470.html

[59] Gougeon, 10

[60] ifop: L’image de l’Allemagne en France. Hrsg. von der deutschen Botschaft in Paris/Cidal

[61] ParisBerlin. Magazine pour l’Europe. September 2012, S.21

[62] a.a.O.,S.18

[63] ifop, S. 25

[64] s. Sarah Hasse in der Veranstaltungsinfo zur ersten dt-franz.Begegnung in Versailles am 12.9.2012, S.10

[65] Immerhin geben im aktuellen Baromètre 54,5% der befragten jungen Deutschen an, Französisch zu sprechen –„und sei es auch nur ein wenig“; in Frankreich sind das allerdings nur 27,3%- und damit liegt das Deutsche dort weit abgeschlagen hinter dem Spanischen auf Platz 3. In beiden Ländern steht natürlich das Englische unangefochten an der Spitze. In: ParisBerlin, Sept.2012, S. 20

[66] « Célébrer le passé ne suffit pas pour entrer dans l’Histoire. Il faut un nouveau traité de l’Elysée » (Editorial, 8.7.12 http://www.lemonde.fr/a-la-une/article/2012/07/08/pour-un-nouveau-traite-franco-allemand_1730654_3208.html  )

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