Von Lyon nach Dornholzhausen: Die Waldenser, eine französisch-italienisch- deutsche Flüchtlingsgeschichte. Teil 2: Die Waldenser in Hessen-Homburg

Im ersten Teil des Blog-Beitrags über die Waldenser   (  https://wordpress.com/post/paris-blog.org/10790  ) ging es um ihre  Ursprünge im Lyon des Mittelalters, um ihre wechselhafte Geschichte von Duldungen und Verfolgungen, vor allem im Luberon, und schließlich um ihre Vertreibung aus dem Piemont Ende des 17. Jahrhunderts. Dieser Beitrag behandelt die Aufnahme von Waldensern in Deutschland, vor allem die Ansiedlung einer zunächst aus Frankreich und schließlich auch aus dem Piemont vertriebenen  Flüchtlingsgruppe im hessischen Dornholzhausen, heute ein Ortsteil Bad Homburgs.

 

Die Aufnahme von Waldensern  in Deutschland

Die Aufnahme von Waldensern in Deutschland wurde begünstigt durch die positiven Erfahrungen, die Landesherren einige Jahre vorher mit der Aufnahme von Hugenotten gemacht hatten. Diese waren zum Teil schon im 16. Jahrhundert vor der Repression des Herzogs von Alba aus den spanisch besetzten Niederlanden geflohen, zum Teil Ende des 17. Jahrhunderts aus Frankreich nach der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes durch Ludwig XIV.   Die Hugenotten hatten sich als außerordentlich arbeitsam und geschäftstüchtig erwiesen, sie hatten neue Manufaktur- Techniken aus ihrer Heimat mitgebracht und waren damit eine große Bereicherung für die lokale  Wirtschaft ihrer Aufnahmeländer. Und der hugenottische Adel leistete seinen neuen Landesherren als hochqualifizierte Beamte treue Dienste. Der Berliner Gendarmenmarkt mit seinen zwei Kirchen, dem deutschen und dem französischen Dom, ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die bedeutende Rolle, die die eingewanderten Hugenotten in Deutschland spielten. Und dass das lutherisch geprägte Frankfurt, ja selbst das katholische Köln wallonische Hugenotten aufnahmen, zeigt, dass der erhoffte und dann ja auch tatsächlich eingetretene wirtschaftliche Nutzen sogar strenge konfessionelle Grenzen überwinden konnte.

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Wie verbreitet die Aufnahme von Glaubensflüchtlingen  in Hessen war, zeigt diese Karte (1), wobei  trotz der Bezeichnung „Waldenserweg“ auch die Ansiedlung von Hugenotten berücksichtigt ist.  Zu dem kleinen Hessen-Homburg gehören die drei nördlich von Frankfurt gelegenen Orte Bad Homburg, Friedrichsdorf und Dornholzhausen.  Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg, der legendäre Prinz von Homburg, dem Heinrich von Kleist ein literarisches Denkmal gesetzt hat, war  von der Ansiedlungs- und Wirtschaftspolitik des Berliner Großen Kurfürsten beeindruckt. „Angesichts der Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs und entsprechender Einwohnerverluste war es also nicht nur Mitleid mit den Glaubensbrüdern, sondern bei der Aufnahme verfolgte der Landgraf durchaus wirtschaftliche Interessen“, wie die Friedrichsdorfer Stadtarchivarin Erika Dittrich schrieb.

Also erließ Landgraf Friedrich II. schon im August 1684 einen offenen Brief, in dem er „Teutsche von allen im römischen Reich geduldeten Religionen vor allem aber Hugenotten“ zur Ansiedlung einlud. Ein Jahr später verfasste Friedrich ein zweites Schreiben, in dem er ausdrücklich „französische Flüchtlinge“ ansprach. Dittrich: „Mit Steuerprivilegien und der Aufhebung des Zunftzwangs sah der Landesvater die Chance, seinem Minisprengel neue Impulse zu geben.“ Er hoffte auf höheres Steueraufkommen, denn schließlich erwartete er den Zuzug von Handwerkern und Kaufleuten. Die ersten Ankömmlinge siedelte Friedrich in der Homburger Neustadt an.

1687 verfasste er erneut eine Schrift, in der er Flüchtlingen, die sich in Homburg und dem Umland ansiedeln wollten, zehnjährige Steuerfreiheit, kostenlosen Baugrund und Material gewährte. „Sogar der Schultheiß sollte aus ihren Kreisen stammen, auch ein eigener Gerichtsschreiber wurde ihnen versprochen“, so Dittrich. Als Gegenleistung forderte Landgraf Friedrich den Treueeid der Neubürger.

Die von Hugenotten gegründete „colonie francaise“ in Friedrichsdorf prosperierte, die  Hugenotten verbesserten durch die Einführung eines speziellen Strumpfstrickstuhls die Strumpfwirkerei und  erwiesen sich besonders durch die Einführung und Herstellung von Zwieback als höchst innovativ. Dazu blieben die Kolonisten  dem Herrscherhaus eng verbunden. Sie benannten den Ort nach ihm und setzten ihm 200 Jahre später aus Dankbarkeit die Landgrafensäule, die heute auf dem Landgrafenplatz an den Namensgeber der Stadt erinnert.[1]

Es gab also geradezu einen internationalen Wettbewerb, in dem europäische Landesherren mit Privilegien um die Ansiedlung der vertriebenen Hugenotten warben. Die blieben zum Teil in der Schweiz, zum Teil wanderten sie nach England oder in die  Niederlande weiter, andere folgten der Werbung des Großen Kurfürsten und einige eben auch der des Homburger Landgrafen.

Die Aufnahme der aus dem Piemont vertriebenen waldensischen Bergbauern erwies sich dagegen als etwas schwieriger.  Zunächst zogen sie in die Schweiz, wo sie allerdings nur vorübergehend aufgenommen wurden; und zwar mit der Auflage, sich nach anderen Wohnplätzen umzusehen, weil sie, wie es in einer zeitgenössischen Quelle heißt, „fast sämtlich mittellos und sehr übel bekleidet waren, und der größte Teil in Witwen, Weib und Kindern, auch vielen Kranken bestand“.[1a]

Aufgenommen wurden sie schließlich von protestantischen deutschen Landesherren, und zwar in Württemberg und vor allem im damals territorial zersplitterten Hessen, nämlich Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt, Hessen-Homburg und Nassau-Dillenburg.

Der erste aufnahmebereite deutsche Landesherr war übrigens der Landgraf Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt, der am 2. Mai 1699 ein Aufnahmeedikt erließ, das in seinem – später auch von anderen Landesherrn übernommenen- ersten Artikel den Waldensern ein hohes Maß an Freizügigkeit garantierte:

libre exercice de leur religion (…) en la langue françoise, italienne et allemande (…) se servant de leur liturgie (…) et suivans les règles de leur discipline.“ (2a)

Diese Großzügigkeit war insofern bemerkenswert, als Hessen-Darmstadt und Württemberg, wo die meisten Waldenser aufgenommen wurden,  lutherische Territorien waren und das Verhältnis von Lutheranern und Reformierten ja -vorsichtig ausgedrückt- sehr distanziert war. Aber den Waldenser-Pfarrern Jacques Papon und Henri Arnaud, die die Ansiedlung der Flüchtlinge  mit den jeweiligen Landesherren verhandelten und organisierten, gelang es, die Waldenser-Bewegung  gewissermaßen als Vorläufer der Reformation, als „Mater Reformationis“, zu präsentieren. Von daher konnten die lutherischen Landesherren hoffen, dass sich die Waldenser bald in die lutherischen Landeskirchen  integrieren würden.

Zum Teil wurden die Waldenser in schon bestehenden  Orten aufgenommen, zum Teil gründen sie neue Orte, sogenannte französische Kolonien. Manchmal sind diese Kolonien schon an  ihren Namen erkennbar: In Württemberg sind das zum Beispiel die Orte Pinache, Perouse und Serres, in Hessen-Kassel  Gottstreu und Gewissensruh, in Südhessen Walldorf.

Natürlich spielten auch bei der Aufnahme der Waldenser demographische und ökonomische Gründe eine Rolle. Oft wurden sie in regional abgelegenen oder unterentwickelten Gegenden angesiedelt wie in Nordhessen oder im Odenwald (Wembach, Rohrbach, Hahn).  Aber gerade bei diesen armen Bergbauern aus den Alpen, bei denen die Hoffnung auf ökonomischen  Nutzen nicht allzu groß sein konnte, wird die „christliche Compassion“ durchaus auch eine Rolle gespielt haben. .[3]

Wenn es um die Aufnahme der Flüchtlinge in Hessen-Homburg geht, wird  gerne das Wort des Landgrafen zitiert- gerichtet an Kritiker der Aufnahme von Flüchtlingen und der ihnen zugebilligten Privilegien: „Lieber will ich mein Silbergeräte verkaufen, als diesen armen Leuten die Aufnahme zu versagen.“

Der legendäre Ausspruch des Prinzen von Homburg und die von ihm aufgenommenen Glaubensflüchtlinge vom Landgrafendenkmal im Bad Homburger Kurpark

Gemeint ist damit die Beinprothese des Prinzen von Homburg, die bis heute im Bad Homburger Schlossmuseum besichtigt werden kann. Sie ist zwar nicht aus Silber, ist aber immerhin mit silbernen  Scharnieren versehen. Gerichtet war dieser Satz an einheimische Kritiker, die es in Hessen-Homburg offenbar ebenso gab wie in anderen Territorien, die Glaubensflüchtlinge aufnahmen: Immerhin erhielten sie ja – anders als die alteingesessenen Untertanen- erhebliche Unterstützungen und Privilegien, die Neid und Konkurrenzängste durchaus wecken konnten.  Aber gerade vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert,  dass auf dem Landgrafendenkmal im Bad Homburger Kurpark die Aufnahme von Flüchtlingen durch den Landgrafen auf der dem Park zugewandten Schauseite platziert ist – ein Hinweis auf die Rolle dieser Aktion im dynastischen Selbstverständnis.

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Allerdings bestand für den Verkauf des „Silbergeräts“ kein Anlass: Die Aufnahme der Hugenotten erwies sich, wie zu erwarten,  als eindeutiger Gewinn für die kleine Landgrafschaft, und die Bereitschaft des Landgrafen zur Aufnahme von 40 Waldenserfamilien war an die Bedingung geknüpft, dass die protestantischen Mächte, also England und die Niederlande, für sie garantieren würden. Unter diesen Umständen konnte sich der Landgraf ohne allzu großes Risiko als großmütig gegenüber den Glaubensflüchtlingen aus Frankreich und Italien erweisen. Die „christliche Compassion“ hatte also -zumindest anfänglich- eine sichere Grundlage. [4]

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Die Waldenser in Dornholzhausen (Hessen-Homburg)

Die Koordination der Ansiedlung waldensischer Flüchtlinge wurde von einem Niederländer übernommen, dem Generalbevollmächtigten Pierre Valkenier. Er verhandelte ab Oktober 1689 zusammen mit den Waldenserpfarrern Papon und Arnaud mit dem Landgrafen. „Mit großer Sorgfalt bemühten sich die Pfarrer darum, dass die Flüchtlinge eine ausreichende Existenzgrundlage erhielten. So verließen sich weder die Pfarrer noch der Generalbevollmächtigte auf die landgräfliche Beschreibung der Siedlungsplätze, sondern sahen sich selbst die in Aussicht gestellten Örtlichkeiten genau an, um bei dem Angebot des Landgrafen, in der Stadt oder auf dem Land zu siedeln, das für diese Flüchtlingsgruppe geeignetste herauszusuchen und zu entscheiden, wie viele Siedler dort eine neue Lebensgrundlage finden könnten. So zog man der Stadt, wo die Siedler einen Platz für einen Garten, einen Hühnerstall und ein mittelgroßes Haus bekommen sollten, das sie auf eigene Kosten bauen mussten, den sogenannten „Reisberg“ vor,  wo dreißig bis vierzig Familien je 10 Morgen Land erhalten konnten.“[5]

Schließlich ließen sich zunächst 40 waldensische Familien aus Méan (Meano) am Oberlauf der Chisone  in der Gemarkung des ehemaligen wüst gefallenen Dorfes „Dürreholzhausen“ nieder, aus  dem dann der Name des neuen waldensischen Dorfs, Dornholzhausen, abgeleitet wurde.

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Mit  einem solchen Kahn kamen die  Dornholzhäuser Waldenser aus der Schweiz ins Hessische

Von den am 28. Juli 1699 eingetroffenen Familien blieben allerdings nur 30, „da das Gelände deutlich kleiner als zugesagt war und nicht für alle eine ausreichende Lebensgrundlage bot.“[6]

Die neuen  Siedler erhielten vom Landgrafen eine Gründungsurkunde: Die „Déclaration en Faveur des Vaudois“, die  in 35 Artikeln das Leben der Gemeinde und ihr Verhältnis zur Landesherrschaft festlegte.  Im Vergleich zu den anderen Untertanen erhielten die neuen Siedler wesentliche Privilegien, die eine spezifische Entwicklung des Waldenserortes zuließen. Den Waldensern wurde die freie Ausübung ihrer Religion garantiert einschließlich der Pfarrerwahl. Sie durften aus ihren Reihen mit Stimmenmehrheit ein eigenes „Gericht“  wählen, bestehend aus Bürgermeister, Schöffen und  „telles autres personnes, qu’ils jugeront le plus capables[7] Der Landgraf behielt sich nur die Bestätigung der Gewählten vor. Die Kompetenzen des „Gerichtes“ bedeuteten ein großes Maß an Selbständigkeit: Es war Verwaltungsorgan, hatte die öffentliche Ordnung mit Hilfe einer Polizei zu garantieren, Notare zu bestellen und war erste und alleinige Instanz in zivilrechtlichen Fällen mit einem Streitwertobjekt bis zu 50 Gulden. Bei Fällen mit höherem Streitwert war das Gericht erste Instanz, aber es konnte Berufung beim fürstlichen Rat eingelegt werden. Die Siedler hatten also das verbriefte Recht, vor ihr eigenes Gericht gestellt zu werden. Damit waren sie  vor einer durch Sprachschwierigkeiten bedingten ungünstigeren Verhandlungsposition geschützt.

Als Gegenleistung musste jeder Siedler dem Landgrafen „bei dem Platz, den ich im Paradies erstrebe“, geloben und versprechen, ein guter und treuer Untertan zu sein – eine eleganter Kompromiss zwischen dem Anspruch des Souveräns auf Gefolgschaft seiner Untertanen und dem waldensischen Verbot, einen Eid im Namen Gottes zu schwören.

Die Siedler legten in Dornholzhausen –wie auch in anderen waldensischen Niederlassungen- eine regelmäßige Siedlung an entlang einer geraden Straße, der heutigen Dornholzhäuser Straße.

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             Auszug aus dem Dornholzhäuser Lageplan von 1825

Die Häuser waren giebelständig und bestanden aus Erd- und Dachgeschoss. Im Erdgeschoss befanden sich die Küche und zwei Zimmer, im Dachgeschoss eine Kammer. Hinter den Häusern gab es  lange  Grundstücke, wo die Siedler Stallungen anlegen und Obst und Gemüse für den Eigenbedarf anbauen  konnten. (8)

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In der Dorfstraße (Dornholzhäuser Straße 28) ist noch ein Haus im ursprünglichen Zustand erhalten. Es steht unter Denkmalschutz  und wäre  ein idealer Ort für ein kleines Waldenser-Museum….

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Neben den  Grundstücken erhielten die Waldenser auch Baumaterial für öffentliche und private Bauten und Holz zum Heizen.  Für die ersten sechs Jahre wurden sie von jeglichen Abgaben und Fronden freigestellt und es gab Erleichterungen für Gewerbetreibende. Ausdrücklich wurde der Ort vom Zunftzwang ausgenommen. Diese Privilegien wurden bis 1866, also bis zum Aussterben der herrschenden Fürstenlinie, von jedem neuen Landgrafen bestätigt.

Trotz dieser Privilegien, die großzügig erscheinen mögen, herrschte bei den Waldensern große Armut. Das wird aus den Nachlass-Inventaren deutlich, die die landgräfliche Verwaltung mit großer Genauigkeit erstellte. Im Nachlassinventar der Witwe Louise Berthalot, verheiratet mit dem 1697/1698 in Méan/Pragelas geborenen Jean Berthalot, also einem Mitglied der ersten Siedler-Generation, finden sich unter anderem folgende Posten:

Als erstes wird das Haus mit Scheune, Stall und Ländereien, „sowie 2 1/4 Tagewerke Wiesen“ im Wert von 600 Gulden genannt. Die Ländereien bestanden lediglich aus insgesamt 5 1/4 Morgen Getreidefeldern, auf denen Weizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln angebaut wurden. An Tieren werden eine alte Kuh und ein Kalb aufgeführt, dazu eine Ziege, 5 Hennen und ein Hahn. Die Haushaltsgegenstände zeugen von großer Bescheidenheit, so zum Beispiel „eine kleine Bettstelle mit einer Federdecke, eine Schlummerrolle aus Leinen und ein Strohsack“. Aufgeführt werden sogar „1 Omlettwender“, „1 kleiner (Lenden-)Schurz“ und „1 alter zerbrochener (Koch-)Topf“. Und was bei Waldensern nicht fehlen darf: „1 alte Bibel“ und „2 Lobgesänge“. (9)

Trotz ihrer kärglichen Lebensumstände errichteten die Dornholzhäuser Waldenser Anfang des 18. Jahrhunderts in der Ortsmitte eine Kirche. Die Grundsteinlegung erfolgte 1702  in Anwesenheit des Landgrafen.

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Es ist ein schlichtes Kirchengebäude, in dessen Zentrum sich, wie in reformierten Kirchenbauten üblich, die Kanzel  befindet, hier mit der französischen Aufschrift „Je trouve ici mon asile“ (Hier finde ich meine Zuflucht) [10]

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Die französischen Liedtafeln rechts und links der Kanzel

Einziger Schmuck der Kirche sind die aus den 1970-er Jahren stammenden bunten Kirchenfenster.

Eines zeigt das Wappen der Waldenser, den auf der Bibel stehenden Leuchter (allerdings ohne die Umschrift: lux lucet in tenebris), das andere das Wappen der Waldensergemeinde Dornholzhausen: eine kräftige Palme mit breiter Krone. Dieses Motiv hat auch das alte Siegel der Kirchengemeinde, versehen mit der Umschrift (übersetzt):  „Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum. Waldenser-Kirche von Dornholzhausen“. [11]

bisheriges-siegel Dornholzhausen

Die ersten Pfarrer wurden, wie auch in anderen waldensischen Kolonien, mit sogenannten „englischen Pensionen“ und Kollektengeldern unterstützt.  Erster Pfarrer der Gemeinde war David Jordan, der auf der Flucht Furchtbares erlebt hatte. „Zeitweise war er als Sklave in Algier festgehalten worden. Weil er gut Englisch sprach, schickte ihn die Synode wiederholt nach England, um die Weiterzahlung der Pension zu erreichen. Seine Gemeinde musste oft ohne ihn auskommen. In seiner Abwesenheit fasste sie den Entschluss, sich der französisch-reformierten Kirche in Homburg anzuschließen.“ So verließ Jordan 1717  aus Verärgerung Dornholzhausen und ging nach Offenbach.[12]

Die Genfer Bibel von 1563

Die Evangelische Waldenser-Kirchengemeinde hat einen besonderen Schatz, eine französische Bibel, welche François Perrin 1563 in Genf gedruckt hat.

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Ob die Waldenser diese Bibel auf ihrer Flucht nach Dornholzhausen mitbrachten, bleibt offen. Sie wiegt immerhin 6,5 kg. Andererseits trägt die Bibel die typischen Merkmale der Flucht: zur „Tarnung“ fehlt das Titelblatt, während im Innern das Titelblatt des Neuen Testaments erhalten  ist.

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Trotz der erheblichen Privilegien, die die Dornholzhäuser Waldenser erhalten hatten, war ihre wirtschaftliche Situation zeitweise alles andere als zufriedenstellend. Von 1717, als Pfarrer Jordan Dornholzhausen verließ,  bis 1754 war die Gemeinde nicht einmal mehr fähig, einen eigenen Pfarrer zu unterhalten.  (Die Gottesdienste wurden damals von Homburger und Friedrichsdorfer Pfarrern gehalten).  Die Siedler betrieben zwar etwas Landwirtschaft auf dem kargen Boden des alten „Dürreholzhausen“, aber das reichte offenbar nicht für ihren  Lebensunterhalt. Zusätzlich hatten sie fast alle auch handwerkliche Berufe, hauptsächlich Strumpfwirker und damit im Zusammenhang stehende Berufe. Das war Heimarbeit,  vor allem im Dienste hugenottischer Fabrikanten aus Friedrichsdorf, die dann aber auch eigene Manufakturen in Dornholzhausen errichteten. [13]

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Blütezeit der Dornholzhäuser Strumpfwirkerei war die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stammt folgender Bericht:

„In Folge des Wiederaufblühens von Handel und Gewerbe in ganz Europa konnte auch die Dornholzhäuser Strumpfwaren-Fabrikanten ihre alten Geschäftsverbindungen wieder anknüpfen und bezogen die Frankfurter Messen wieder mit Nutzen. Dem ganzen Dörfchen konnte man auch äußerlich den Wechsel ansehen. Überall in den Höfen und an den Straßen waren in langen Reihen auf den Mauersimsen die nach dem Färben über Formen gespannten Strümpfe zum Trocknen aufgestellt: ein wohltuendes Bild menschlichen Gewerbefleißes. Der Wohlstand nahm in rapider Weise zu, was namentlich dadurch in Erscheinung trat, dass bald das eine, bald das andere Haus ein Stockwerk aufsetzte und eine Anzahl ehemaliger Wohnhäuschen in Färbereien umgewandelt wurden.“[14]

Von Dauer war dieser Aufschwung allerdings bedingt durch die Umwälzungen der industriellen Revolution nicht.  Für etwas Beschäftigung  sorgte ab 1841 die Errichtung der Spielbank in Bad Homburg, „weil man hier wegen der vielen französischen Gäste gerne französisch-sprechende  Dienstmädchen und Portiers einstellte.“[15]

Französisch wurde nämlich in Dornholzhausen lange gesprochen: Unter sich redeten die Siedler wahrscheinlich Patois, eine vom Französischen und Italienischen beeinflusste provencalische Mundart. „In der Schule, der Kirche und im öffentlichen Gebrauch wurde Französisch gesprochen. Die  französische Sprache gehörte so sehr zur Identität der Dornholzhäuser Siedler, dass man noch an ihr festhielt und für den Erhalt kämpfte, als immer mehr Deutsche im Ort lebten. So reichte man Gesuche an den Landgrafen auch noch dann französisch ein, als dieser sie ausdrücklich auf Deutsch forderte.“ Die Sprache des  Gottesdienstes war bis Mitte des 19. Jahrhunderts ausschließlich das Französische. Erst am 8. Februar 1857 fand zum ersten Mal ein deutscher Gottesdienst in der Kirche statt. „Vorsichtshalber schickte der Bürgermeister zwei Gendarmen, weil er Störungen befürchtete, zu Unrecht, wie sich herausstellte.“[16]

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Konfirmationsurkunde von 1868 in französischer Sprache

Ende des 19. Jahrhunderts wurden dann aber alle kirchlichen Amtshandlungen in Deutsch vorgenommen. Dazu trug auch bei, dass die Gemeinde keinen zweisprachigen Lehrer mehr bezahlen konnte. Der „französische“ Pfarrer, der noch einige Zeit etwas Französisch-Unterricht erteilte, wurde schließlich abgefunden und ging zurück zu seinen Schwiegereltern nach Genf. Im Jahr 1899 war das Französische dann fast ganz erloschen und man konnte die 200-Jahrfeier der Gründung des Ortes „nicht mehr als französische Kolonie“ feiern, wie es in der Chronik heißt.[17] Immerhin hatten die waldensischen Flüchtlinge aber fast 200 Jahre lang ihren sprachlichen Eigencharakter bewahren können!

Betrachtet man die Namen der Schultheißen und Bürgermeister Dornholzhausens von der Gründung 1699 bis zur Eingemeindung als Ortsteil Bad Homburgs 1971, dann ist schon an den Namen der langjährige französische Charakter des Ortes erkennbar: Bis 1879 gibt es nur französische Namen: David Jordan, Pierre Conrad Médrat, Pierre Héritier, Jacques Chérigaut, mehrere Angehörige der Familie Bertalot, Jean Gallet, Jacob Vallon, Jaques Désor,  Jean Georges Deisel, Louis  Achard etc. Und auch danach gibt es noch Bürgermeister französischer Herkunft wie Fritz Deisel (1919-1923), allerdings jetzt mit einem gerade aus damaliger französischer Perspektive nicht sehr sympathischen deutschem Vornamen-  und Charles Désor (1945-46).[18]

Alte hugenottische und waldensische Familiennamen und französische Inschriften findet man noch auf dem Friedhof von Dornholzhausen. Dort gibt es  Grabmäler mit französischen Inschriften und alten hugenottischen und waldensischen Familiennamen.

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Ursprünglich lag der Friedhof hinter der Kirche und hieß damals mit Recht „Kirchhof“. In den Kirchenbüchern trug der jeweilige Pfarrer den Geburtstag und auf die Minute genau den Zeitpunkt des Todes ein, sowie das Alter und die Namen der Eltern. Bei den Hugenotten gab es anfangs überhaupt keine Grabmale, und in späterer Zeit waren sie relativ einfach und schlicht. Ähnliche Anschauungen mögen auch die Waldenser gehabt haben. Und für aufwändige Grabmale fehlte sicherlich sowieso  das erforderliche Geld.

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Im Laufe der Zeit wurde der Friedhof hinter der Kirche voll belegt. Pfarrer August Humbert, der 1848 von Neuchâtel nach Dornholzhausen gekommen war, schenkte nach seiner Pensionierung der Kirche einen Acker in der Flur „Im Langenfeld“ für einen neuen Friedhof. Die Kirche übernahm die Kosten für die Mauer, ein eisernes Tor und die Anpflanzung einer Tannenhecke. Aus dem vorherigen „Kirchhof“ wurde ein Gemüsegarten, den der Schullehrer bepflanzte.[19]

Einer der waldensischen Namen Dornholzhausens war der Familienname „Bertalot“. Mitglieder der Familie siedelten sich nicht nur in Dornholzhausen an, sondern auch in anderen waldensischen Gemeinden Hessens wie Gewissensruh, Gottstreu oder Hahn.[20]

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An dem Grab der Familie in Dornholzhausen kann man übrigens ablesen, wie sich allmählich auch im Bereich der Totenehrung bei den Nachfahren der Waldenser die deutsche Sprache durchsetzte.

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Und auf der Grabplatte für das Ehepaar Desor ist nicht nur der Text deutsch, sondern auch der ursprüngliche Akzent auf dem französischen Familiennamen (Désor) ist weggefallen.[21]

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Heute  gibt es in Dornholzhausen außer dem Namen „Bertalot“ keinen waldensischen Familiennamen mehr:  Aufgrund der schwierigen Lebensumstände gab es eine hohe Kindersterblichkeit, die jungen Männer starben früh, zogen weg oder heirateten nie, weil sie zu arm waren, um eine Familie ernähren zu können.[22] Aber die waldensische Tradition wird in dem Ort immer noch hochgehalten, wofür unter anderem der rege lokale Geschichtsverein sorgt. Und natürlich und vor allem die Kirchengemeinde, die ihr waldensisches Wappen nicht nur als historisches Zeugnis, sondern auch als Auftrag versteht und die versucht –zum Beispiel durch die jährlichen Konfirmandenfahrten in die Waldensertäler des Piemont- das waldensische Erbe der jüngeren Generation zu vermitteln.

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      Plakat (Ausschnitt) zu einer Dornholzhausen-Ausstellung 2009 im Gotischen Haus in Bad Homburg

 

Anmerkungen

(1) aus: Les Vaudois entre migration et integration, La Valmasque 94,  S. 26

[1a] Anton J. Seib, Der Prinz von Homburg. Vor 325 Jahren gründeten Hugenotten und Waldenser Friedrichsdorf.

In: Frankfurter Rundschau 17.4.2012  http://www.fr.de/rhein-main/alle-gemeinden/hochtaunus/der-prinz-vom-homburg-a-852650

[2] Zit. von Daniele Tron, Die Waldenser im Chisonetal vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. In: 300 Jahre Waldenser in Deutschland, S. 50

(2a) s. Theo Kiefner, Die Privilegien der nach Deutschland gekommenen Waldenser. Stuttgart 1990, Bd 1, S. 670 ff

[3] Jörg Desel, „Aus christlicher Compassion aufgenommen“.Waldenser in Hessen-Kassel. In: Dreihundert Jahre Waldenser in Deutschland, S. 53f

[4]https://www.geschichtskreis-dornholzhausen.de/geschichte-1/die-flucht-der-glaubensfl%C3%BCchtlinge-nach-dornholzhausen/  siehe auch: Walter Mittmann, Die Glaubensflüchtlinge von Dornholzhausen: Vom Piemont in die Landgrafschaft Hessen-Homburg. In: Heft des Geschichtskreises Dornholzhausen 13 (2016), S. 47ff

[5] Birgitta Duvenbeck, Geschichte Dornholzhausens. In: 300 Jahre Dornholzhausen, S. 18 . Siehe auch: Birgitta Duvenbeck, Die Waldensersiedlung Dornholzhausen. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde zu Bad Homburg vor der Höhe Heft 32, 1974, S. 25ff

[6] Walter Mittmann, Die  Glaubensflüchtlinge von Dornholzhausen. Heft des Geschichtskreises Dornholzhausen 13 (2016), S. 54

Bild des Kahns (Foto Marcus Kaufhold) aus FAZ vom 6.5. 2010. „Dornholzhausens Wurzeln im Piemont“

[7] In Artikel 9 der Privilegien heißt es: „Pour l’exercice de la justice, il sera permis à eux et à leurs descendants, de prendre entr’eux et d’établir à  la pluralité des voix, une justice particulière“, die   u.a. aus „solchen anderen Personen“ bestehen sollte, „die sie für sehr fähig halten.“ Zit. bei Duvenbeck, Die Waldensersiedlung Dornholzhausen. a.a.O., S. 37

(8) Bild des Lageplan aus: Geschichtskreis Dornholzhausen, Dornholzhausen Heft 15/2018, S. 13

(9) Walter Mittmann und Wolfgang Bühnemann, Dornholzhäuser Namen und Schicksale. Sonderband der Vorträge zur Bad Homburger Geschichte. Bad Homburg 2009, S. 43/44

[10] Zur Geschichte der Waldenser im Allgemeinen und der Dornholzhäuser Waldenser siehe: http://www.waldenser.evangelisch-hochtaunus.de/waldenser/r7.html

[11] Bild aus: http://www.waldenser.evangelisch-hocht(Foto Maraunus.de/dornholzhausen/geschichte-dornholzhausen/siegel/v91.html

Mit der Eingemeindung Dornholzhausen nach Bad Homburg wurde der Zusatz „Eglise vaudoise de Dornholzhausen“ ersetzt durch durch die Worte:  „Waldenser-Kirchengemeinde Bad Homburg- Dornholzhausen“.

[12]  Brigitte Köhler, Die Waldenserkolonien in Südhessen. In: Dreihundert Jahre Waldenser in Deutschland, S. 88

[13] Bild aus dem Tafelband der Enzyklopädie von Denis Diderot

[14] Zitiert von Brigitte Köhler, Die Waldenserkolonien in Südhessen. In: Dreihundert Jahre Waldenser in Deutschland, S. 88

[15] Duvenbeck, a.a.O., S. 28

http://www.fr.de/rhein-main/alle-gemeinden/hochtaunus/arme-strumpffabrikanten-flucht-nach-dornholzhausen-a-1098750

[16] Duvenbeck, S. 32

[17] Duvenbeck, S. 33

[18] 300 Jahre Dornholzhausen, S. 72

(19]http://www.waldenser.ehof/v90.html

[20] http://de.geneanet.org/abstammung/de/bertalot.html

[21] In den Dornholzhäuser Kirchenbüchern sind noch bis Ende des 19. Jahrhunderts Désor-Familiennamen mit Akzent verzeichnet.  Siehe:  Geschichtskreis Dornholzhausen/Dr. Walter Mittmann  herausgegebenen „Familientafeln von Nachkommen der Dornholzhäuser Waldenser und Hugenotten“ (Bad Homburg 2010), S. 236

[22] Siehe: Walter Mittmann, Warum gibt es keine Waldensernamen mehr in Dornholzhausen? In: Geschichtskreis Dornholzhausen, Dornholzhausen… aus unserer Geschichte, Heft 2 (2005)

 

 

 

Zum Weiterlesen:

1699-1999. 300 Jahre Dornholzhausen. 300 Jahre Waldenser-Kirchengemeinde

Albert de Lange (Hrsg), 1699-1999. Dreihundert Jahre Waldenser in Deutschland. Herkunft und Geschichte. Karlsruhe 1998

Albert de Lange, Die Waldenser.  Geschichte einer europäischen Glaubensbewegung in Bildern. (viersprachige Ausgabe in Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch). Karlsruhe 2000

Albert de Lange, Reformierte Konfessionsmigration: Die Waldenser in Südwestdeutschland (1699–1823) http://ieg-ego.eu/de/threads/europa-unterwegs/christliche-konfessionsmigration/albert-de-lange-reformierte-konfessionsmigration-die-waldenser-in-suedwestdeutschland-1699-1823

Molnár, Amadeo, Die Waldenser. Geschichte und europäisches Ausmaß einer Ketzerbewegnung. Göttingen 1980

von Thadden, R./Magdelaine, M.: Die Hugenotten 1685-1985, München 1985

Michael Lausberg, Die Einwanderung der Hugenotten nach Deutschland. http://www.migazin.de/2014/07/30/die-einwanderung-der-hugenotten-nach-deutschland/

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Lyon nach Dornholzhausen: Die Waldenser, eine französisch-italienisch- deutsche Flüchtlingsgeschichte. Teil 1: Lyon, Luberon, Piemont

Dieser Text fällt  ein wenig aus dem Rahmen dieses Blogs heraus, schon allein geographisch:  Es geht zwar zunächst um Frankreich, dann aber auch (ein wenig)  um Italien  und  vor allem um Deutschland:  und dort auch nur um den Ortsteil Dornholzhausen der hessischen Klein- und Kurstadt Bad Homburg nördlich von Frankfurt. Ende des 17. Jahrhunderts wurden in Dornholzhausen waldensische Flüchtlingsfamilien angesiedelt, später kamen hugenottische Einwanderer dazu.

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Aus dem Geburts-/Taufregister  der Waldensergemeinde Dornholzhausen des Jahres 1782.  Bailly ist ein hugenottischer, Bertalot ein waldensischer Familienname. 

Es wird hier also keine allgemeine Geschichte der Waldenser erzählt, dazu gibt es schon andere ausführliche und fundierte Darstellungen; sondern es werden nur einige Stationen der waldensischen Flüchtlingsgeschichte vorgestellt: Lyon, der Luberon in der Provence, die Waldensertäler in  den cottischen Alpen zwischen Frankreich und Italien und dann vor allem die französische/waldensische Kolonie in Dornholzhausen.

Natürlich klingt bei diesem Thema auch die aktuelle Migrationsbewegung mit. Da ist es ja durchaus üblich, historische Bezüge herzustellen – so zum Beispiel durch den Kölner Bürgermeister Andreas Wolter auf einer Veranstaltung des deutschen Hauses der Cité Universitaire in Paris (MHH) am 5. Dezember 2017 zum Thema  „Réfugiés en Allemagne et en France“  (Flüchtlinge in Deutschland und in Frankreich). Er verwies dabei auf die Erfolgsgeschichte der Einbürgerung wallonischer Hugenotten in Köln, die die Schokoladenproduktion in der Stadt heimisch gemacht und so zu deren Wohlstand beigetragen hätten.  Von da aus schlug er einen Bogen zur heutigen Aufnahme von  Flüchtlingen und benutzte die historische Parallele dazu, seinen diesbezüglichen Optimismus zu begründen.

In der Tat legt es das Schicksal der Waldenser nahe, über die Aufnahme und Integration von Menschen anderer Sprachen, Kulturen und Religionen nachzudenken. Wie der Waldenser-Forscher Gabriel Audisio in einem Vortrag über die Aufnahme der Waldenser im Luberon ausführte:  Die Integration von Fremden habe immer und zu allen Zeiten zu „réactions de défense et de rejet“ geführt. Es sei also eine „question cruciale de tous les temps“, wie weit die Aufnahmebereitschaft und -fähigkeit der Menschen gehe. (1)

Allerdings mag jeder Leser/jede Leserin selbst entscheiden, inwiefern  die Geschichte der Waldenser und ihre Aufnahme in Deutschland sich –in welcher Weise auch immer- als Argumentationsmaterial für die heutige Migrationsdebatte eignen. Zum Nachdenken regen sie auf jeden Fall an.

Im ersten Teil dieses Beitrags geht es um die Ursprünge der Waldenser und ihre Ansiedlungen und Verfolgungen im Luberon und im Piemont. Eindeutiger Schwerpunkt ist dabei der Luberon, den wir im Spätsommer 2018 auf den Spuren der Waldenser besucht haben. Der zweite Teil beschäftigt sich dann mit der Aufnahme von Waldensern in Deutschland, vor allem mit der  in Hessen-Homburg gelegenen französischen Kolonie Dornholzhausen.

 

Petrus Waldes/Pierre Valdo und die Armen von Lyon

Um das Jahr 1176 begann  der wohlhabende Textilkaufmann Petrus Waldes in Lyon öffentlich in der Volkssprache zu predigen.  Durch den Tod eines Freundes betroffen, änderte er sein  Leben und wurde zum Begründer der waldensischen Reformbewegung. Zeitgenössische Quellen zu seinem Leben gibt es nur aus amtskirchlicher Sicht.  Ein Dominikaner und Inquisitor namens Stephan von Bourbon, der einige Augenzeugen noch persönlich kannte, fasste die Geschehnisse so zusammen:

„Ein reicher Mann (in Lyon), genannt Valdensis, hörte die Evangelien, und da er nicht sehr gebildet war und trotzdem unbedingt wissen wollte, was sie sagten, machte er einen Vertrag mit (zwei) Priestern, mit dem einen dass er sie in die Volkssprache übersetzen, und mit dem anderen, dass er aufschreiben sollte, was jener diktierte. Das taten sie auch; ebenso machten sie es mit vielen Büchern der Bibel und vielen Worten  der Heiligen…. Als diese jener reiche Bürger oft gelesen und sich eingeprägt hatte, beschloss er die evangelische Vollkommenheit zu leben, wie die Apostel sie gelebt hatten. Nachdem er all seinen Besitz verkauft hatte, warf  er aus Weltverachtung sein Geld wie Dreck den Armen hin und hat sich das Amt der Apostel angemaßt und angeeignet. Er predigte das Evangelium und das, was er auswendig gelernt hatte, auf den Straßen und Plätzen und scharte viele Männer und Frauen um sich, die er aufforderte, das Gleiche zu tun, und denen er das Evangelium einprägte. Die schickte er in die umliegenden Dörfer zum Predigen; Leute mit den niedrigsten Berufen. Diese Männer und Frauen, dumm und ungebildet, wie sie waren, rannten durch die Dörfer, drangen in die Häuser ein, predigten auf den Plätzen und auch in Kirchen und veranlassten andere, dasselbe zu tun.“[2]

Auch wenn diese Darstellung sehr tendenziös ist, erfährt man doch daraus Wesentliches über die  Waldenser: Am Anfang steht die Begegnung mit der Bibel, vor allem mit dem Neuen Testament und den Berichten über das Leben Jesu und die Berufung der Jünger. Diese Begegnung bewog Waldes, sein bisheriges Leben völlig zu ändern und Beruf und Besitz aufzugeben. Auch wenn Waldes damit  einer asketischen Tradition folgte, wie sie damals auch in Teilen des Mönchstums lebendig war –man denke nur an Franz von Assisi-  betrachtete der dominikanische Inquisitor schon das allein als eine  Provokation. Denn natürlich waren aus seiner Sicht Askese und Weltabkehr von Laien eine Anmaßung und sie implizierten ja auch eine Kritik an der ganz und gar nicht asketischen  Lebensweise vieler Repräsentanten der kirchlichen Hierarchie. Völlig außerhalb der kirchlichen Ordnung stellten sich für ihn aber die Waldenser durch ihr missionarisches Engagement, also durch die sogenannte Laienpredigt: Für ihn waren es ja dumme und ungebildete Menschen, die aus seiner Sicht durch die Dörfer rannten und in die Häuser eindrangen, um das Evangelium zu predigen, und es waren, wie er berichtet, nicht nur Männer,  sondern –für die damalige Zeit unerhört und revolutionär- auch noch Frauen!

Voraussetzung für die Laienpredigt war natürlich die Übersetzung der Bibel in die Volkssprache. Und deshalb verwendete Waldes einen Teil seines Vermögens, die Bibel in die provençalische Landessprache zu übersetzen. Damit war  das Monopol der Kirche auf Verkündigung des Evangeliums und seine Auslegung gebrochen, so dass es unweigerlich zum Konflikt mit der Amtskirche kommen musste. Waldes bemüht sich allerdings sehr intensiv, den Bischof von Lyon und sogar den damaligen Papst Alexander III. von seiner „Rechtgläubigkeit“ zu überzeugen, die von ihm veranlasste Bibelübersetzung zu autorisieren und  die Anerkennung seiner Bewegung zu erreichen. Das  gelang ihm aber nicht. 1184 wurden die „Armen von Lyon“ auf dem Konzil von Verona in der Bulle „Ad Abolendam“ verurteilt.  Neben der Laienpredigt und der Armut waren es vor allem zwei weitere Grundüberzeugungen der Waldenser, die sie für die damalige religiöse und feudale Ordnung verdächtig und sogar gefährlich machten: Sie glaubten nicht an das (unbiblische) Fegefeuer, lehnten also Messen für die Verstorbenen ab, die eine wesentliche Einnahmequelle des Klerus waren. Und sie lehnten den Eid ab,  ein grundlegendes Element der feudalen Ordnung. 1215 wurden die Waldenser erneut und ausdrücklich als Ketzer verurteilt und in eine Rolle gezwungen, die sie nie spielen wollten. Und damit begann eine wechselvolle Geschichte von Verfolgungen und zeitweisen Duldungen– bis hin zu ihrem „Exil“  in Dornholzhausen und anderen Orten,  in denen ihnen endlich Freiräume für ihren Glauben und ihren Lebensstil gewährt wurden.

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Für die Protestanten des 19. Jahrhunderts  galt  Waldes  als ein früher Vorläufer der kirchlichen Reformbewegung.  Er hat deshalb  seinen Platz unter den Vorläufern Luthers auf dem großen Reformationsdenkmal in Worms.[2]

In Lyon erinnert dagegen wenig an Waldes. Immerhin gibt es eine nach ihm benannte Straße und  ein ebenfalls nach ihm benanntes Zentrum für die vorübergehende Aufnahme von Wohnsitzlosen und Flüchtlingen, das von der Fédération Entraide Protestante betrieben wird.[3] Das ist eine Einrichtung, die sicherlich ganz im Geiste der Waldenser tätig ist und insofern die Erinnerung an Pierre Valdo mit Leben erfüllt.

Ob auch  im historischen Museum von Lyon an Waldes und die Armen  von Lyon erinnert wird, konnte ich nicht feststellen. Eine entsprechende Anfrage an das Museum blieb leider ohne Antwort.[4]

 

Erste Verfolgungen der Waldenser/Das Massaker von Mérindol

Nachdem die Waldenser aus Lyon vertrieben worden waren und das Leben und Predigen auch in anderen Städten zu gefährlich wurde, zogen sie sich  in die Alpentäler im  Grenzgebiet zwischen  Frankreich und Italien zurück. (Dauphiné und Piemont). Allerdings gab es dort aufgrund eines Übergangs zur Viehwirtschaft ein Potential an Arbeitskräften, das im Luberon dringend gesucht wurde.  Dort war nämlich die Bevölkerung aufgrund des  100-jährigen Krieges um 60% zurückgegangen, manche Ortschaften waren völlig entvölkert.  Die Herren der  Provence nahmen also gern Einwanderer auf, die ihr Land bewirtschaften sollten, ja luden sie, wie die mächtige Familie d’Agoult, ausdrücklich zum Kommen ein.  Bemerkenswert ist dabei auch, dass sogar die Bischöfe von Apt und Marseille waldensische Siedler anwarben, obwohl die Waldenser ja als Ketzer galten. Möglich wurde das, weil die Waldenser sich nach außen hin als „normale“ Katholiken ausgaben und höchstens dadurch auffielen, dass ihre Nachfrage nach Totenmessen eher gering, aber ihre Kollekten für die Armen außerordentlich hoch waren. Ihren wahren Glauben lebten sie im Untergrund bzw nachts, wenn sie sich mit ihren Predigern, den Barben,  zum Gottesdienst versammelten. Die Barben waren als herumziehende Händler getarnt, die immer zu zweit unterwegs waren: Ein älterer erfahrener Prediger und ein junger Begleiter, der einmal die Rolle des Älteren übernehmen sollte.

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Manche Herren der Provence, ob  weltlich oder geistlich, sahen aber offenbar aufgrund ihrer grundherrlichen Interessenlage nicht so genau hin, was die Besonderheiten der Waldenser anging. So wurden mehrere « contrats d’habitations » abgeschlossen, die zwischen 1490 und 1520 etwa 6000 Waldensern die Ansiedlung in 13 Ortschaften des Luberon ermöglichten, u.a. in  Lourmarin, wo sie  das „vieux château“ errichteten, Lacoste, Cabrières d‘Avignon, Cabrières d’Aigues und in Mérindol.  Der Luberon galt damals als Kerngebiet der Waldenser, und wenn man damals „waldensisch“ sagte, dachte man an die Provence.  (5)

Im Zentrum der waldensischen  Gemeinden des Luberon lag das  nördlich der Durance gelegene Mérindol.

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Die hier wiedergegebene Zeichnung stammt zwar aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, gibt aber eher den Zustand des Ortes vor seiner Zerstörung wieder: Oben die Burg, darunter die alte Siedlung und unten im Tal einzelne Gehöfte (Bastides). In Mérindol  trat 1530 eine waldensische Synode zusammen. Es  wurde beschlossen, Abgesandte zu Vertretern der Reformation nach Basel (Bucer) und Straßburg zu schicken. Der Bericht über diese Begegnungen war die Grundlage für den Anschluss der Waldenser an die protestantische Reformation, der 1532 auf der Synode von Chanforan  (Piemont) vollzogen wurde. Damit konnten die Waldenser ihr Dasein als „Untergrundbewegung“ mit heimlichen Gottesdiensten und getarnten Wanderpredigern aufgeben. Sie konnten sich offiziell zu ihrem Glauben bekennen, Gemeinden bilden, Pfarrer wählen und Kirchengebäude errichten.  Außerdem wurde eine offizielle Übersetzung der Bibel  ins Französische finanziert, die berühmte Bible d’Olivétan. [6]

Auch wenn die Waldenser nun Teil einer  größeren, international bedeutsamen Gemeinschaft waren, währte  die  durch die Inquisition immer wieder beeinträchtigte relative Ruhe  allerdings nicht lange.  1540  verurteilte ein Richter aus Apt einen waldensischen Müller  aus Mérindol wegen Ketzerei zum Tode auf dem Scheiterhaufen und eignete sich seinen Besitz an. Das provozierte den Widerstand von Glaubensgenossen.  Das Parlament von Aix reagierte darauf im gleichen Jahr mit dem „Erlass von Mérindol“, in dem 22 Waldenser, die man des Aufruhrs bezichtigte,  zum Tode verurteilt wurden und in dem dekretiert wurde, dass alle, die der Ketzerei für schuldig befunden würden, lebendig verbrannt werden sollten. (7)  Melanchton  setzte sich nun für seine Glaubensbrüder ein und verfasste eine Denkschrift, die an den Hof des französischen Königs Franz I. gelangte. Der befahl zunächst die Aufhebung des Edikts, zumal er für seinen Kampf gegen den  Habsburger Karl V. auf die Unterstützung der Protestanten angewiesen  war.   1545 allerdings setzte der schwankende König seine Unterschrift unter den Befehl zur Inkraftsetzung des Edikts, auch wenn eine von ihm angeordnete Untersuchung zugunsten  der Waldenser ausgefallen war. Daraufhin wurde Mérindol, die „heilige Stadt“ der Waldenser (8),  am 18. April 1545 mit Unterstützung päpstlicher Truppen von angeworbenen  Söldnerbanden unter dem Befehl des Barons Meynier d’Oppède, dem Präsidenten des Parlaments von Aix,  geplündert und zerstört, und bei dieser Gelegenheit auch noch weitere Orte vor allem im südlichen Lubéron. Der (Land-)Besitz der Waldenser wurde verkauft und von dem Erlös wurden die Söldner bezahlt. (9)

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Dieser Kupferstich von Gustave Doré (1832-1886)  zeigt eine besonders schlimme Episode des Massakers von Mérindol, die von Jacques Aubéry  so beschrieben wurde:

Mehrere Soldaten hatten in der Kirche von Mérindol Frauen und Mädchen im heiratsfähigen Alter ergriffen. Sie schleppten sie auf  Karren und brachten sie damit in das benachbarte Lauris. Und auf dem Weg dahin hatte jeder seinen Spaß mit diesen Frauen und Mädchen. Die wurden dann in Lauris nackt durch den Ort und um das Schloss herum  getrieben und schließlich von dem Felsen neben dem Schloss in die Tiefe gestürzt. (9a)

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Der Schlossfelsen von Lauris

Zwar konnte die Mehrheit der Bevölkerung vor diesem sogenannten „massacre des Vaudois du Luberon“ in den Piemont,  die Schweiz oder andere Gegenden  entkommen, wo sie (zunächst) sicher waren, aber 2000- 3000 Waldenser wurden getötet, Frauen –wie die von Mérindol- vergewaltigt, 700 Männer auf die  Galeeren verbannt: ein grauenhaftes Vorspiel der kommenden Religionskriege. Für den Luberon war das Massaker ein schwerer Rückschlag, auch für Grundherren, die ihre fleißigen Arbeitskräfte verloren hatten und die sich deshalb beim König beschwerten. Aber Franz I. billigte ausdrücklich „alles, was gegen die Waldenser“ unternommen worden sei, und forderte, auch weiterhin alles zu tun, um diese „verdammte Sekte zu vernichten“. (10) 1551 kam es unter dem neuen König, Henri II, zu einem erneuten Prozess, in dem schwere Vorwürfe gegen Meynier d’Oppède erhoben wurden. Der verteidigte sich damit, dass vorgekommene Übergriffe nicht in seine Verantwortung fielen, sondern eigenmächtig handelnden Truppen zuzurechnen seien.  Im Übrigen habe er mit der Vernichtung der Waldenser nur die königlichen Wünsche exekutiert. d’Oppède wurde also freigesprochen. [11]

 

Auf den Spuren der Waldenser im Luberon

Im kollektiven Gedächtnis der Region bleibt das Massaker  bis heute tief verankert. Einige waldensische Erinnerungsorte im Luberon werden in diesem Abschnitt vorgestellt. Sie sind verbunden durch die Historische Route der Waldenser des Luberon. An den entsprechenden Erinnerungsorten sind zum Teil Tafeln mit Informationen zur Geschichte der Waldenser und des entsprechenden Ortes aufgestellt.

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Karte des Luberon mit Bezügen zu den Waldensern (blau= Orte mit waldensischer Besiedlung; rot= 1545 zerstörte Orte; grün=  historische Monumente mit Bezug zu den Waldensern)

Mérindol

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In Mérindol gibt es  das kleine Waldenser- Museum „La Muse“, das „Centre d’évocation de l’histoire vaudoise.“[13]  Es soll möglichst bald in eine alte Bastide umziehen, eine ehemalige Poststation am Ortseingang.  Die ist schon von ihren ehemaligen Besitzern dem rührigen waldensischen Geschichtsverein des Luberon geschenkt worden, jetzt fehlt „nur noch“ das Geld für Umbau und Einrichtung. Man kann nur wünschen, dass es bald mit dem Projekt vorangeht, denn in der Tat:

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„Die Waldenser und der Luberon, eine lange Geschichte“

Neben dem Museum beginnt auch der Aufstieg zu den Ruinen des alten Dorfes und des Schlosses.

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Ruinen der Burg und der Altstadt von Mérindol

In den Ruinen erinnert noch eine Gedenktafel an das „Massacre de Mérindol“.

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Zur Erinnerung an die Waldenser der Provence, die für ihren  Glauben gestorben sind

Es gibt auch eine 1978 von italienischen,  französischen deutschen  Nachkommen von Waldensern angebrachte Tafel mit dem Wappen der Waldenser:  Der leuchtenden, auf einer Bibel stehenden Kerze, umrahmt von 7 Sternen und der aus dem Johannes-Evangelium übernommenen Umschrift „Lux lucet in tenebris“ (Licht leuchtet in der Finsternis).  Die sieben Sterne beziehen sich auf die Offenbarung des Johannes und bezeichnen die Gemeinden, die seit der Zeit der Apostel dem Evangelium trotz aller Verfolgungen treu geblieben sind: Durch die Treue der waldensischen Gemeinden leuchtet das Licht des Evangeliums in der Finsternis.[12] 

Die großmütige Aufforderung an die Vorbeikommenden: Verzeihe und vergesse nicht!

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Praktische Information: Öffnungszeiten des Museums La Muse: Donnerstags 9.45 bis 12 Uhr, samstags 9.30 bis 12 h, im Winter 14.30-17.30 Uhr

Lourmarin

Auch an anderen Orten des Luberon wird an die Waldenser und das Massaker von 1545 erinnert: So an den in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder errichteten  temples vaudois, den Waldenser-Kirchen — wie beispielsweise in Lourmarin.

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Hier ein Bild des teilweise von waldensischen Arbeitskräften errichteten Schlosses und des im 19. Jahrhundert wieder neu errichteten temple protestant. (14)

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Auf einer Informationstafel am Eingang der Kirche werden wesentliche Etappen der Waldenser von Lourmarin skizziert.

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Cabrières d’Aigues. 

Auch in Cabrières d’Aigues gibt es einen temple protestant.

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Dort ist an der Seitenwand der Kirche zusätzlich eine Tafel angebracht mit dem Wappen der Waldenser, der Aufschrift „Nach der Finsternis das Licht“ und drei Daten: Der 10. März steht für die Ansiedlung von Waldensern aus den cottischen Alpen in dem Ort und der 16. April 1545 für das Massacre de Mérindol, von dem auch Cabrières d’Aigues betroffen war. Am 29. April 1995, 500 Jahre nach der Ansiedlung der ersten Waldenser, wurde die Tafel angebracht.

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Der Steinblock daneben besteht aus zwei Teilen: einem Sockel aus einem Felsblock des Luberon, auf dem ein Basaltblock aus den cottischen Alpen ruht: So ist doppelte Heimat der Waldenser des Ortes bezeichnet.

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Bewegt man sich im Luberon auf den Spuren der Waldenser, ist das Weingut Domaine des Vaudois in Cabrières d’Aigues ein besonderer Anziehungspunkt.

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Es gehört der Familie Aurouze. Claude Aurouze ist sehr engagiert in der Association d’études vaudoises et historique du Luberon und gehört zum Redaktionskomittee der von der Gesellschaft herausgegebenen Zeitschrift La Valmasque.  Er hat ein phänomenales Wissen über die Waldenser -nicht nur des Luberon- und es ist ein Genuss, ihm zuzuhören und seinen schönen Wein zu trinken.

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Praktische Information:

Domaine des Vaudois,  Rue du Temple (unterhalb der Kirche) , 84240 Cabrières-d’Aigues. Telefon 0033 (0)4 90 77 60 87

 

Öffnungszeiten unter: http://www.vinchaisnous.fr/producteurs/domaine-des-vaudois/luberon/provence-4713238-1.html
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Das Fort de Buoux

An die Verfolgung der Waldenser erinnert auch die Festung von Buoux mitten im Luberon: Dorthin flüchteten nämlich Waldenser, die dem Massaker von 1545 entkommen konnten. Es  ist -im wörtlichen Sinne- der Höhepunkt einer Rundfahrt durch den Luberon auf den Spuren der Waldenser. (14a)

853592_1 Luftbild Buoux

Das Fort liegt auf einem Bergrücken nahe der wichtigen Nord-Süd-Verbindung durch den Luberon, die so aus sicherer Höhe kontrolliert werden konnte. Das Fort auch nur zu erreichen ist schon ein kleines Abenteuer: eine kurvige enge Seitenstraße zum kleinen Parkplatz,  ein Fußweg zum Kassenhäuschen und dann der Aufstieg.

Das Fort erstreckt sich über einen langen Bergrücken und besteht aus insgesamt drei Befestigungsanlagen, die auch einem ganzen Dorf mit Kirche Schutz boten.
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Überall sieht man die Spuren von Zisternen: Es war also dafür gesorgt, dass das Fort und seine Bewohner auch einer längeren Belagerung standhalten konnten.

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In den Fels gehauene Hohlräume dienten für die Aufbewahrung von Getreide.

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Von höchsten Punkt des Forts hat man einen wunderbaren Rundblick – bis hin zum schneebedeckten Mont Ventoux.

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Abenteuerlich ist dann der sehr empfehlenswerte Abstieg durch eine steile, etwas abgelegene und in den Fels gehauene „versteckte“ Treppe. Da versteht man gut, dass die Waldenser, die hier Zuflucht suchten, in Sicherheit waren.

Ludwig XIV. gab dann den Befehl, das Fort zu zerstören. Die Forts, die das Frankreich dieser Zeit jetzt für notwendig hielt, baute Vauban an den Grenzen des Reichs. Das Fort de Buoux  dagegen hatte seine militärische Bedeutung verloren. Als Sitz einer mächtigen Adelsfamilie passte es außerdem nicht mehr in das zentralistisch-absolutistische Frankreich des „Sonnenkönigs“. Und für religiöse Freiheit oder gar Schutzorte für Glaubensflüchtlinge war da sowieso kein Platz.

Praktische Information:    Öffnungszeiten 10 – 17 h. Dienstags geschlossen, ebenso bei Regen, Schnee oder starkem Wind. Sicherheitshalber Anruf unter 00 33 (0)4.90.74.25.75

Lit. : Pierre Pressemesse: Le Fort de Buoux.  Hrsg. von der Association des Amis du Fort de Buoux. 1997.  Die Broschüre ist am Eingang des Forts erhältlich.

 

Cabrières d’Avignon

Ein besonders geschichtsträchtiger und für die Waldenser im Luberon bedeutsamer Ort ist auch Cabrières d’Avignon.

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Abbildung von Cabrières d’Avignon Ende des 16. Jahrhunderts 

Dort lebte Eustache Marron, ein Held des waldensischen Widerstands. (15) 1532 erregte er schon Aufsehen:  Damals waren waldensische Mädchen von päpstlichen Truppen entführt worden, um sie dem Einfluss ihrer „häretischen“ Gemeinschaft zu entziehen.  Als  die Väter einen Befreiungsversuch unternahmen, wurden auch sie gefangen genommen. Die Befreiung  gelang dann Eustache Marron, der -anders als die Mehrheit der Waldenser- auch vor der Anwendung von Gewalt nicht zurückschreckte, wenn es um den Schutz seiner Glaubensgenossen ging. 1545  verschanzte er sich mit 300 anderen Waldensern im burgähnlich befestigten Schloss von Cabrières.

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Das wird von den königlichen und päpstlichen  Truppen belagert und beschossen. Nach heftigen Kämpfen und großen Verlusten auf beiden Seiten gewährt man den Eingeschlossenen freien Abzug, um nach Deutschland zu gelangen. Der Bischof von Cavaillon verbürgt sich dafür. Dessen  ungeachtet werden aber alle beim Verlassen des Schlosses umgebracht, mit Ausnahme von Eustache Marron und dem Pfarrer Guillaume Serre, die in Avignon als Strafe und  zur Abschreckung auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Die Frauen werden in einer Scheune zusammengetrieben und dort verbrannt. Die, die sich in die  Kirche geflüchtet hatten, werden von Glockenturm gestürzt. Eine wenige überlebende Frauen und Kinder verkaufen die „rechtgläubigen“ Sieger in L’Isle-sur-la-Sorgue als Sklaven. (16)

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An die Zerstörung von Cabrières erinnert vor dem Eingang zum Schloss dieses Relief mit dem Waldenser- Wappen. (17). Auf der Tafel darunter kann man lesen, dass sich am 19. und 20. April 1545 hier königliche Truppen und Söldner des Papstes unter dem Befehl von Meynier d’Oppède versammelten, um die unter  Führung des Eustache Marron in der Burg verschanzten Waldenser zu vernichten.

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An den aus Cabrières stammenden Eustache Marron erinnert auch ein nach ihm benannter Weg. Die Ausbuchtung neben dem Schild war übrigens nicht, wie wir dachten, als Sitzbank gedacht, um in Ruhe an das Schicksal der Waldenser zu denken. Es war, wie uns der Besitzer des Hauses nebenan erklärte, vielmehr eine Hilfe für die dort früher wohnenden Bediensteten der Burgherren, ihre Pferde zu besteigen.

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Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes mussten die noch im Luberon verbliebenen oder dorthin zwischenzeitlich zurückgekehrten Waldenser/Hugenotten erneut fliehen. Viele von ihnen fanden in Südafrika eine neue Heimat und machten sich dort verdient in der Entwicklung des Weinbaus. 90% des heute in Südafrika produzierten Weins stammt aus den ehemaligen hugenottischen Ansiedlungen! [18]

Aber auch diejenigen, die in Württemberg aufgenommen wurden,  konnten dort den im Luberon praktizierten Anbau von Wein fortzusetzen.

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Rückzug in die Cottischen Alpen, weitere Verfolgungen und Vertreibungen

Trotz der Verfolgungen verbreitete sich die Bewegung der Waldenser während des gesamten Mittelalters.  Im 13. Jahrhundert war ihr Schwerpunkt die Lombardei, aber es gab waldensische Gemeinden auch in Österreich, in der Schweiz, in Deutschland und in Spanien. Größere Waldenser-Gemeinschaften entwickelten sich in den zwischen Frankreich und Italien gelegenen unzugänglichen Gebirgstälern der Cottischen Alpen, wo die Waldenser vor allem nach ihrem Anschluss an die calvinistische Reform relativ ungestört als einfache Bergbauern ihr Leben fristen und  ihrem Glauben leben konnten. (19)

image Karte Waldenser Savoyen Piemont

Der Siedlungsraum der Waldenser im damals französischen Pragelas und in den piemontesischen Waldensertälern. Die in Dornholzhausen angesidelten Waldenser stammten aus Meano im Chisonetal. 

Die Cottischen Alpen sind „bis heute das Hauptsiedlungsgebiet der Waldenser“.  Gut jeder zweite Einwohner der piemontesischen Waldensertäler gehört der evangelischen Kirche Italiens an, fast ein Drittel aller italienischer Waldenser leben hier. Spiritueller Mittelpunkt ist Torre Pellice mit einer mittelalterlichen Altstadt und dem Waldensermuseum. In der „Casa Valdese“ gibt es die „Aula Sinodale“, in der einmal im Jahr die Synode der waldensischen Kirche stattfindet. [20]

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Doch auch in den entlegenen Seitentälern der Cottischen Alpen waren die Waldenser nicht vor Verfolgung sicher, denn der lange Arm des französischen  Absolutismus reichte auch nach Piemont. Seit den 1640-er Jahren nahm der Druck auf die Waldenser zu. 1655 wurden Truppen in ihre Täler verlegt, die 1655 ein Blutbad unter der  Bevölkerung anrichteten. Dieses Massaker wurde bekannt unter dem Namen „Pâques piémontaises“. Zeuge des Massakers war der  Wanderprediger Jean Leger, der in die Niederlande fliehen konnte. Er schrieb eine Geschichte der evangelischen Kirchen von Piemont, deren Kernstück eine auf eigener Anschauung und Augenzeugenberichten beruhende drastische Darstellung schlimmster Exzesse ist. Die jeweiligen Berichte sind mit kleinformatigen Radierungen illustriert.

So liest man beispielsweise unter dem zehnten Bild:

Jean André Michelin de la Tour entkam auf wundersame Weise den Händen der Henker, nachdem er mit eigenen Augen gesehen hatte, wie in seiner Gegenwart drei seiner kleinen Kinder auf die Weise zerstückelt wurden, wie diese Darstellung es zeigt.‘“

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Die zugehörige Illustration zeigt die Hinrichtung dreier Kinder auf je  unterschiedliche Weise und jeweils im Moment unmittelbar vor der Gewalteinwirkung: Links  halten zwei Soldaten ein Kind gemeinsam kopfüber, jeder an einem Fuß, während beide mit der freien  rechten Hand zum Schlag mit dem Schwert ansetzen, um das Kind in zwei Stücke zu teilen. Dasselbe Resultat versuchen zwei Soldaten in der Mitte ganz ohne Schwert, nur durch den Einsatz ihrer Körperkraft, zu erreichen. Ein einzelner Soldat schwingt schließlich rechts ein Kind an den Füßen, um es im nächsten Augenblick vor den Augen seiner Mutter zu zerschmettern.“[21] 

Die Empörung vor allem in den reformierten Niederlanden und im England Cromwells schlug hohe Wellen. Der Dichter John Milton schrieb ein Sonett „On the Late Massacre in Piedmont, dessen erste Strophe so lautet:

Avenge, O Lord, thy slaughtered saints, whose bones
Lie scattered on the Alpine mountains cold,
Even them who kept thy truth so pure of old,
When all our fathers worshiped stocks and stones
….[22]

Das Gedicht  wurde weit verbreitet und sehr berühmt, und es hat sicherlich dazu beigetragen, dass England später die aus den Cottischen Alpen vertriebenen Waldenser mit finanziellen Zuwendungen (Pensionen und Kollekten) unterstützte. Nach dem Widerruf des Toleranzedikts von Nantes durch das Revokationsedikt Ludwigs XIV. von Fontainebleau 1685 kam es zu einer ersten Auswanderungswelle von Waldensern aus den französischen Besitzungen in Piemont. Im Sinne der absolutistischen Maxime des „Sonnenkönigs“ „un roi, une foi, une loi“ (ein König, ein Glaube, ein Gesetz) war für Hugenotten wie Waldenser kein Raum mehr in seinem Königreich. Der damalige Herzog von Savoyen, ein Neffe Ludwigs XIV., folgte der Politik seines Onkels, verbannte die waldensischen Pfarrer, verbot die Gottesdienste und ordnete die katholische Zwangstaufe für Kinder an. Der Widerstand der Waldenser wurde blutig niedergeschlagen, viele konnten aber in die Schweiz emigrieren. 1689 nutzten aber die Waldenser eine für sie günstige militärische Schwäche des Herzogs von Savoyen zur sogenannten  „Glorreichen Rückkehr“ aus der Schweiz in ihre angestammten Täler,   eine Episode, die in der waldensischen Historiographie eine wichtige Rolle spielt: Hier sind sie eben nicht die ewigen Opfer und Leidenden, sondern sie nehmen ihr Schicksal erfolgreich – und zwar auch mit  eigentlich verabscheuten militärischen Mitteln-  in die Hand.  Allerdings wendete sich das Blatt nach dem Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges und dem Frieden von Rijswijk 1697 erneut: Dort konnte Ludwig XIV. durchsetzen, dass alle in Frankreich geborenen, in den Cottischen Alpen ansässigen Waldenser  das Land verlassen mussten, wenn sie nicht ihrem Glauben abschwörten.  So wurde fast ein  Drittel der zu dieser Zeit in den Waldensertälern lebenden Menschen ausgewiesen.[23]

Einige von ihnen fanden schließlich in dem zu Hessen-Homburg gehörenden Dornholzhausen Zuflucht. Dazu mehr im zweiten Teil dieses Beitrags.

Fortsetzung: 

Von Lyon nach Dornholzhausen: Die Waldenser, eine französisch-italienisch-deutsche Flüchtlingsgeschichte. Teil 2: Die Waldenser in Hessen-Homburg

 

Anmerkungen

(1) siehe: L’installation des Vaudois dans le Luberon, une empreinte durable. In: Les Vaudois entre Migration et intégration, S. 19

[2] Martin Schneider, Deutsche Waldenser im Mittelalter. In: Dreihundert Jahre Waldenser in Deutschland, S. 21

[2] Bild aus https://www.heiligenlexikon.de/BiographienP/Petrus_Waldus_Valdes.html  Es handelt sich um einen Gipsabguss der Sitzfigur von Ernst Rietschel 1868 vom Wormser Reformationsdenkmal aus der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Der Vorname Petrus beruht übrigens auf einer Legende des 14. Jahrhunderts zurück, die versuchte, die Anfänge der Waldenser auf die Zeit der Apostel zu verlegen. (a.a.O.)

[3] http://www.fep.asso.fr/membre/entraide-pierre-valdo-centre-provisoire-d-hebergement/ http://www.fep.asso.fr

http://www.fep.asso.fr/vie-federative/vie-de-la-federation/la-plateforme-protestante-pour-laccueil-de-refugies/

[4] http://www.gadagne.musees.lyon.fr/index.php/histoire_fr/Histoire/Pied-de-page/Contact

(5) Eine Übersicht über die Aufnahme von Waldensern in Ortschaften des Luberon siehe:  http://www.tertian.info/vaudois/index.htm

Die nachfolgende Abbildung aus: Audisio, Procès-Verbal d’un Massacre, S. 29

[6]  Molnar, S. 337/338

[7] Giorgio Tourn, Geschichte der Waldenser-Kirche. Die einzigartige Geschichte einer Volkskirche von 1170 bis zur Gegenwart. Erlangen 1983, S. 102/103

(8) Mérindol, „la ville sainte“ der Waldenser: siehe Miquel, Guerres de réligion, S. 121

(9) Die nachfolgende Abbildung von Gustave Doré aus wikimedia

(9a) Text aus einer Informationstafel des Waldensermuseums La Muse in Méridol. (freie Übersetzung von W.J.)

(10) zit. bei Miquel, Guerres de réligion, S. 134

[11) https://www.provenceweb.fr/f/vaucluse/merindol/merindol.htm

http://www.lepoint.fr/voyages/le-massacre-des-vaudois-de-merindol-12-08-2010-1224523_44.php

https://www.museeprotestant.org/notice/histoire-des-vaudois/

https://fr.wikipedia.org/wiki/Massacre_de_M%C3%A9rindol

https://fr.wikipedia.org/wiki/Vaudois_du_Luberon

Luftbild der Ruine der Burg/des Mahnmals:

http://www.luberoncoeurdeprovence.com/decouvrir/circuits-thematiques/la-route-des-vaudois-en-luberon

[12] http://ieg-ego.eu/de/mediainfo/das-wappen-der-waldenser

[13]  https://www.provence-tourismus.de/kulturerbe/luberon/musee-de–la-muse—centre-devocation-de-lhistoire-vaudoise-/provence-2998208-1.html

Öffnungszeiten Donnerstag ganztägig, Samstag vormittags. Kontakt. Telefon:  04 90 72 91 64

[14]  siehe: https://www.luberoncotesud.com/les-temples-du-luberon-adhesion-des-vaudois-a-la-reforme.html
https://www.luberoncotesud.com/les-sites-vaudois-a-proximite-du-luberon.html

(14a) Luftbild aus: https://www.provence-tourismus.de/kulturerbe/luberon/le-fort-de-buoux/provence-853592-1.html

(15) https://fr.wikipedia.org/wiki/Eustache_Marron

siehe dazu auch den Roman von Christrose Rilk, Die Gerechten des Luberon

Die Abbildung von Cabrières aus: Gabriel Audisio, Procès-verbal d’un massacre, S. 31

(16) Miquel, S. 130/131

(17)  Zum Wappen der Waldenser siehe auch den zweiten Teil dieses Beitrags.

[18]  https://fr.wikipedia.org/wiki/Huguenots_d%27Afrique_du_Sud

https://www.museeprotestant.org/de/notice/die-hugenotten-in-sudafrika/  

[19] https://www.museeprotestant.org/notice/histoire-des-vaudois/

Karte aus: https://www.geschichtskreis-dornholzhausen.de/geschichte-1/die-flucht-der-glaubensfl%C3%BCchtlinge-nach-dornholzhausen/

[20] https://protestinfo.ch/20011017877/877-les-vaudois-du-piemont-des-protestants-italiens-entre-histoire-et-foi.htm

Hudry-Menos, L’Israël des Alpes ou les Vaudois du Piemont. In: Revue des Deux Mondes, 72, 1967. Zugänglich durch:

https://fr.wikisource.org/wiki/L%E2%80%99Isra%C3%ABl_des_Alpes_ou_les_Vaudois_du_Pi%C3%A9mont/01

Bei den Waldensern im Piemont. In: Heft 8 (2011) des Geschichtskreises Dornholzhausen, S. 13

Siehe auch: Daniele Tron, Die Waldenser im Chisonetal vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. In: Dreihundert Jahre Waldenser in Deutschland, S. 33ff

Waldensermuseum im Centro Culturale: http://www.fondazionevaldese.org/museo-fondazione-valdese.php

Zimmer im waldensischen Gästehaus:  http://www.foresteriatorre.org/de/zimmer-inmitten-der-natur-torre-pellice/#/

Bild der Casa Valdese aus: http://www.gedenkorte-europa.eu/content/list/482/

[21] Zit. von Christine Vogel, „Piemontesische Ostern“. Mediale Inszenierungen des Waldenser-Massakers von 1655. Aus: Dies.:  (Hrsg), Bilder des Schreckens: Die mediale Inszenierung des Schreckens seit dem 16. Jahrhundert. Campus-Verlag 2006, S. 81/82

Dort auch Abdruck des Bildes (Anonyme titellose Radierung)

[22]  https://en.wikipedia.org/wiki/On_the_Late_Massacre_in_Piedmont

„Räche, o Gott, deine erschlagenen Heiligen! Ihre Gebeine liegen in der Einsamkeit der eisigen Alpen, Nur weil sie Wächter deiner Wahrheit waren, Als unsere Vorväter noch die Steine anbeteten.“ Zit. von Tourn, S.142

[23]  Zur „Glorreichen Rückkehr“ siehe: http://www.lestradedeivaldesi.it/de/der-glorreichen-r%C3%BCckkehr.html   Der Begriff „glorreiche Rückkehr“ spielt an auf die englische „Glorreiche Revolution“.

Zur Vertreibung der Waldenser aus dem Piemont siehe:  Christopher Storrs, Der politische Kontext der Vertreibung der französischen Protestanten aus dem Piemont (1698). In: Albert de Lange und Gerhard Schwinge (Hrsg): Pieter Valkenier und das Schicksal der Waldenser um 1700. Waldenserstudien Bd 2  2009, S. 13ff

 

Verwendete/weiterführende Literatur:

Gabriel Audisio,   Guide historique du Luberon vaudois, Éditions du Parc naturel régional du Luberon. 2002 

Gabriel Audisio, Les Vaudois du Luberon. Une minorité en Provence (1460-1560). Mérindol 1984. Rezension: https://www.persee.fr/doc/rhr_0035-1423_1986_num_203_3_2626

Gabriel Audisio, Procès-Verbal d’un Massacre. Les vaudois du Luberon (April 1545). Aix-en-Provence 1992

Gabriel Audisio, Les ‚vaudois‘. Naissance, vie et mort d’une dissidence (XIIe-XVIe siècles). Turin 1989

Le Goff, Jacques (éd.), Hérésies et sociétés dans l’Europe préindustrielle, XIe – XVIIIe siècle, Mouton, Paris-La Haye 1968

Albert de Lange, Die Waldenser.  Geschichte einer europäischen Glaubensbewegung in Bildern. (viersprachige Ausgabe in Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch). Karlsruhe 2000

Pierre Miquel, Les Guerres de Réligion. Paris 1980. Darin vor allem das Kapitel: Le massacre de Mérindol, S. 119-135

Molnár, Amadeo, Die Waldenser. Geschichte und europäisches Ausmaß einer Ketzerbewegnung. Göttingen 1980

Christrose Rilk, Die Gerechten des Luberon. Historischer Roman. Gießen 2005

Christopher Storrs, Der politische Kontext der Vertreibung der französischen Protestanten aus dem Piemont (1698). In: Albert de Lange und Gerhard Schwinge (Hrsg): Pieter Valkenier und das Schicksal der Waldenser um 1700. Waldenserstudien Bd 2 2009, S. 13ff

Les Vaudois entre Migration et intégration. La Valmasque No 94. Mars-Avril 2014. (= Bulletin de l’Association d’études vaudoises & historiques du Luberon)