Reims, der Champagner und die Deutschen: „Die ungekrönte Königin von Reims“. Ein Gastbeitrag von Pierre Sommet


Vorwort

Der nachfolgende Beitrag ist ein Gastbeitrag, auf diesem Blog eine Novität.  Es handelt sich um eine Geschichte aus dem Buch von Pierre Sommet: Der Präsident hat keine Zeit. Erschienen 2018 im Magenta-Verlag.[1] 

Ich freue mich sehr, dass Pierre Sommet der Aufnahme des Textes in diesen Blog zugestimmt hat:

  • Nach dem letzten Blog-Beitrag über die Kathedrale von Reims als Symbol deutsch-französischer Feindschaft, Versöhnung und Freundschaft (https://paris-blog.org/2021/02/01/reims-die-konigin-der-kathedralen-als-ort-deutsch-franzosischer-feindschaft-versohnung-und-freundschaft/ ) geht es hier um eine andere Facette der Stadt; und zwar um Reims als Hauptstadt der Champagne (zusammen mit Épernay) und Sitz namhafter Sekt-Produzenten; vor allem natürlich des Hauses Veuve Clicquot. Die „ungekrönte Königin von Reims“ ist ja niemand anderes als die „Witwe Klicko“ (Wilhelm Busch), die Ahnherrin und Namensgeberin des Hauses.
  • Pierre Sommet spricht in seinem Beitrag die besondere Rolle an, die Deutsche bei der Entwicklung und  Verbreitung des Champagners gespielt haben. Dafür stehen Namen wie Mumm, Bollinger, Heidsieck, Deutz, Krug, Taittinger, Roederer und natürlich Georg Christian Kessler, der immerhin Teilhaber der Witwe Clicquot war und dann die erste deutsche Sektkellerei gründete…  Insofern erzählt Pierre Sommet auch eine deutsch-französische Geschichte, und das passt natürlich besonders gut zu diesem Blog.
  • Die Leser des nachfolgenden Beitrags werden schnell bemerken, dass Pierre Sommet nicht nur  ein außerordentlich unterhaltsamer Erzähler ist, sondern auch ein hervorragender Kenner Frankreichs und Deutschlands. Die Beziehung und die Freundschaft zwischen beiden Ländern liegt ihm besonders am Herzen: Immerhin war er –ausgestattet mit der doppelten Staatsangehörigkeit- viele Jahre Leiter des Fachbereichs Fremdsprachen an der VHS- Krefeld [2] und er ist Autor zahlreicher Bücher und Artikel zu deutsch-französischen Themen. Gerade zu den Beziehungen zwischen den beiden Sprachen hat Pierre Sommet viele höchst interessante und anregende Beiträge geliefert. Ich kann nur empfehlen, sich auf seinem Blog https://madamebaguette.tumblr.com/ umzusehen!  

Aber zunächst zum Champagner und zur „ungekrönten Königin von Reims“. [3] Viel Freude bei der Lektüre! Wolf Jöckel

Die ungekrönte Königin von Reims

„Je ne peux vivre sans champagne. En cas de victoire,
je le mérite; en cas de défaite, j’en ai besoin.“

„Ohne Champagner kann ich nicht leben. Bei einem Sieg
habe ich ihn verdient; bei einer Niederlage brauche ich ihn.“
Napoléon Bonaparte


„Wie lieb und luftig perlt die Blase
Der Witwe Klicko in dem Glase.“

Wilhelm Busch, Die fromme Helene, Kapitel 33

Im Schloss Brissac südlich von Angers hängt das Porträt einer älteren, korpulenten Dame. Sie sitzt in einem Sessel wie auf einem Thron, wirkt resolut und etwas streng. Es ist ein Porträt von Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin, la Veuve Clicquot, die Witwe Clicquot. In ihrer Geburtsstadt wird sie „die ungekrönte Königin von Reims“ genannt. [4] 

Als Madame Clicquot sich von Léon Coigniet porträtieren ließ, hatte sie sich längst aus ihrem bewegten Geschäftsleben zurückgezogen und bewohnte ihr eigenes Neo-Renaissance-Schloss in Boursault nahe der zweiten Hochburg des Champagners, Épernay. Nicht immer frei von Sorgen, aber letztendlich erfolgreich und reich, hatte sie, was ihr früher fehlte: Zeit und Muße. Zeit für die Jagd, den Tanz und feucht-fröhliche opulente Feste in Versailles hatte Ludwig XV.. Er wurde nicht in Reims geboren, dort aber, wie alle französischen Könige, 1722 in der Kathedrale gekrönt. Der Bien-Aimé/Vielgeliebte, wie er anfänglich genannt wurde, führte meistens im Ausland sinnlose, teure Kriege, traf nur wenige kluge Entscheidungen. Eine davon war sein arrêté royal /königlicher Erlass vom 25. Mai 1728. Dieser ermöglichte den Transport von Wein nicht nur wie bisher in Fässern, sondern auch in Körben von 50-100 handlichen Flaschen. Auf Straßen in erbärmlichem Zustand gingen zwar etliche Flaschen zu Bruch, aber mit dem Erlass wurde der Grundstein für das künftige Aufblühen der großen Champagner-Häuser gelegt.

Deren Erfolg stellte sich indessen nicht sofort ein. Als die Winzerbetriebe im Anbaugebiet zwischen Reims und Épernay noch recht klein waren, führte die geringe Produktion dazu, dass der Champagner damals schon sehr teuer war. Das Luxusgetränk konnten sich nur Aristokraten gönnen. Diese pflegten die Kunst der Selbstdarstellung, frönten ungeniert ihrer Vergnügungssucht, u. a. mit Austern und Champagner. Im Auftrag des bereits erwähnten Königs malte Jean-François de Troy 1735 „Le Déjeuner d’Huîtres“/„Die Austernmahlzeit“. In einem prunkvollen Esszimmer sitzen nach der Jagd zwölf Adlige an einem mit feinem Leinen bedeckten ovalen Tisch, schlürfen eine üppige Menge von bekanntlich potenzsteigernden Austern und trinken Champagner. [5] 

Datei:Troy, Jean-François de - Die Austernmahlzeit - 1734.jpg

Erstmalig wurde hier Champagner auf einem Gemälde verewigt. Belustigt beobachten drei Anwesende den Korken einer Champagnerflasche, der an die Decke springt.

Vor dem Tisch stehen zwei ungeöffnete Champagnerflaschen in einem sog. rafraîchissoir/Behälter mit Eis. Bauchige Flaschen liegen neben Austernschalen auf dem Boden. Es wäre für die vornehmen Herren nicht standesgemäß gewesen, sich zu bücken und sie aufzuheben. Diese Aufgabe war Sache der knienden Dienstmagd, die die Austern öffnen durfte und sich zuhause mit Grütze zufriedengeben musste. Ganz offensichtlich war diesen Adligen der Champagner zu Kopf gestiegen. Wegen dieses dekadenten und volksverachtenden Lebensstils wird während der Französischen Revolution auch manch gepuderter Kopf im Sägemehl unter der Guillotine landen.
1735 herrschte in den Kellereien von Reims keine Champagnerlaune. Es gab keine Austern, dafür den gefährlich gärenden Schaumwein. In der Zeit der frühen Abfüllung verhielt sich der Wein noch „sehr ruhig“, „arbeitete“ aber im Frühjahr, um im Sommer in den Flaschen regelrecht zu brodeln. Durch den Kohlendioxidüberdruck sprangen die Korken heraus, ein Großteil der Flaschen explodierte.
Das Getränk war prickelnd, die Arbeitsbedingungen im dämmrigen Licht waren es nicht. Wegen der Explosionsgefahr trugen die Arbeiter eiserne Schutzmasken, sahen wie mittelalterliche Folterknechte aus. Trotz Masken passierten Unfälle, mancher Arbeiter erblindete. Deshalb wurde der Champagner eine Zeitlang „Teufelswein“ genannt. Als Glücksfall erwies sich die Erfindung des verschnörkelten Drahtgeflechtes zur Bändigung des Korken, le muselet/der kleine Maulkorb, durch den Mönch und Kellermeister der Benediktinerabtei Hautvillers, Dom Pérignon. Diablement bon/ teuflisch gut mundet heutzutage die
Prestige Cuvée „La Grande Dame“, 1,5 Liter (Magnum), Jahrgang 1995, des renommierten Champagner-Hauses Veuve Clicquot-Ponsardin.

Das orangefarbene Etikett, „La Grande Dame“, eine Hommage an Madame Clicquot, verspricht viel, und hält, was es verspricht: Qualität. Bei einem stolzen Preis von 355 Euro darf der finanzkräftige Kunde diese auch erwarten. Diesen hohen Anspruch stellte die Witwe Clicquot, deren Devise lautete: „Une seule qualité, la toute première“/„eine einzige Qualität, die allererste.“ [6] 

Rapport de Stage. Veuve Clicquot Ponsardin. Jobart Thibaut - Monsieur Haouy  Monsieur Aka - PDF Free Download


Zu Beginn des 19. Jahrhunderts durften Frauen in Frankreich weder Geschäfte betreiben noch ein Bankkonto führen. Eine Ausnahme galt nur für Witwen. In eigener Regie oder mit einem Teihaber durften sie den Betrieb ihres verstorbenen Gatten weiterführen. Als 1805 François Clicquot, der Sohn des Unternehmengründers Philippe Clicquot verstarb, übernahm seine 27-jährige Witwe und alleinerziehende Mutter, Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin, den bereits florierenden, doch kleinen Familienbetrieb. Für die in einer Männerdomäne unerfahrene Tochter des wohlhabenden Bürgermeisters von Reims, Nicolas Ponsardin, bedeutete dies einen zwölfstündigen Arbeitstag. Sie musste intensiv mit ihren Handelsreisenden korrespondieren, inspizierte selbst nachts ihre Weinkeller in Reims, um über die Entwicklung der Cuvée zu wachen.

Die energische, innovative neue Inhaberin kreierte angeblich den ersten Rosé Champagner. Oder war es ihr begnadeter Kellermeister, der Schwabe Anton von Müller? Dieser erfand 1813 das zeit- und kostenintensive Rüttelverfahren/le remuage. Es handelt sich bei der Herstellung des Champagners um die so wichtige Méthode champenoise. Das Rütteln, heute überwiegend maschinell, damals per Hand, dient dem Klären des Schaumweins bei der Flaschengärung. In der Firma der Witwe Clicquot konnte ein erfahrener Rüttler bis zu 80.000 Flaschen täglich rütteln. Im schwierigen Geschäft mit dem prickelnden Wein musste die von einer jungen Frau geführte Firma eine Vielzahl von Problemen bewältigen. Der Wein liebt keine Extreme. In der Champagne lauert Frostgefahr im Frühling, im September werden viele Helfer bei der gesetzlich
vorgeschriebenen Weinlese von Hand benötigt. Eine Knochenarbeit und hohe Personalkosten. Dafür ist le terroir/ der Boden, gut. Kreide, ein sehr poröser Stein, fungiert bei heftigen Regenfällen als Reservoir, die Reben überstehen die trockensten Sommer. Die Rebstöcke, an Südhängen stehend, genießen maximale Sonneneinstrahlung. Barbe-Nicole stand allerdings im Schatten ihres schärfsten Konkurrenten, Jean-Rémy Moët in Épernay. Das heute größte Champagner-Haus, 30 Jahre vor Veuve Clicquot gegründet, war längst etabliert, die Weine von Moët bei Pariser Aristokraten sehr beliebt. Madame de Pompadour, die einflussreiche und trinkfeste Mätresse von Ludwig XV., fand den Champagner berauschend, „das einzige Getränk, das
Frauen schöner macht, je mehr sie davon trinken.“ Es war nicht einfach für eine patente Geschäftsfrau wie die Witwe Clicquot, einem Mann wie Moët, der mit Napoleon befreundet war, die Stirn zu bieten. Als der Kaiser am 21. November 1806 in Berlin den blocus continental/ die Kontinentalsperre, über die britischen Inseln verhängte, sank die Nachfrage jenseits des Ärmelkanals dramatisch. Zum Glück für die Witwe Clicquot sorgte 1807 der Frieden von Tilsit zwischen Alexander I. und Napoleon für die Stabilität des russischen Absatzmarktes. Die Geschäfte von Madame Clicquot glichen einer Achterbahn. Schon im Frühjahr 1809 lag der Handel in Europa fast völlig brach, jede Reise ins Ausland stellte für die Reimser Handelsvertreter
eine Gefahr dar. Nach dem Debakel des Russlandfeldzuges von 1812 und der Völkerschlacht bei Leipzig im darauffolgenden Jahr befand sich das Maison Veuve Clicquot-Ponsardin am Rande der Pleite. Diesmal war es eine russische Handelsblockade, die den Seeweg nach Sankt Petersburg verriegelte. Und es kam noch schlimmer, als Napoleon im eigenen Land gegen eine übermächtige Koalition auf verlorenem Posten stand. Nach schweren Gefechten nahmen im März 1814 preussisch-russische Truppen Reims ein, plünderten die Kellereien. Nach der Abdankung des Kaisers im April 1814 feierten in der Krönungsstadt russische
Offiziere und Soldaten ausgelassen das Ende des Krieges. Die Witwe Clicquot hatte Glück im Unglück: „Die Stunde ist gekommen, da wir endlich nach all dem Leid, das unserer Stadt widerfahren ist, wieder frei atmen… Gott sei Dank bin ich verschont geblieben. Mein Besitz und meine Kellerei sind unversehrt, und ich bin bereit, die Geschäfte wieder aufzunehmen…“. [7] 
Der Frieden bedeutete zugleich einen Neuanfang für die Expansion des Champagnermarktes in Europa. Neues Spiel, neues Glück. Und die Clicquots hatten immer eine glückliche Hand bei der Auswahl ihrer engsten Mitarbeiter. Es waren Deutsche. Zu Lebzeiten von François Clicquot war der beste Handelsvertreter der gebürtige Mannheimer Ludwig Bohne. Nach Reisen quer durch Europa kehrte er mit prall gefüllten
Auftragsbüchern nach Reims zurück. Bohne war mehrsprachig. Deutsch und vor allem Englisch waren für das stark vom Export abhängige Champagnergeschäft oftmals wichtiger als Französisch, und von den Franzosen kann man ohnehin nicht behaupten, dass sie sehr sprachbegabt sind. Zudem galt das Metier eines Handelvertreters in den Augen der Besitzer der Weingüter, in der Regel Adlige, als ehrenrührig. Die aus dem Bürgertum stammende Veuve Clicquot war klüger. In ihrem Unternehmen waren der Fleiß, die Gründlichkeit und der Geschäftssinn von sprachbeflissenen Deutschen sehr geschätzt. Über solche Eigenschaften verfügte auch der Heilbronner Georg Christian Kessler. Als Lehrling bei der Witwe angestellt, arbeitete er sich hoch, übernahm alsbald die Leitung des Büros und die Buchhaltung, und wurde sogar aufgrund seiner Verdienste Teilhaber des Champagner- Hauses. Nach dem Unfalltod Bohnes 1821, bekam Kessler einen ehrgeizigen Konkurrenten im eigenen Haus. Wieder ein Deutscher, Eduard Werle aus Wetzlar. Werle begann
seine Karriere als Kellermeister. Während der Wirtschaftskrise 1827 rettete er mit seinem eigenen Vermögen das Maison Clicquot vor dem Ruin. Vier Jahre später machte ihn die Witwe zum neuen Teilhaber. Schließlich bekleidete der eingebürgerte Édouard Werlé, durch die Protektion der Witwe, das Amt des Bürgermeisters von Reims und wurde sogar 1862 zum Abgeordneten der Nationalversammlung gewählt. Und Kessler? Er trat 1826 aus der Firma aus und brachte die Kunst der Champagner-Herstellung nach Esslingen am Neckar, wo er die älteste Sektkellerei Deutschlands gründete. Anton von Müller, Bohne, Kessler, Werle. Ach, diese geschäftstüchtigen Deutschen! [8] 

Das älteste Etikett der Sektmanufaktur Kessler aus der Zeit um 1826/1830 . Kessler verweist auf seine frühere Teilhaberschaft bei Veuve Clicquot-Ponsardin

Alle trugen maßgeblich zum Erfolg des Champagner-Imperiums der Witwe Clicquot bei. Vor ihnen war schon
1797 der 28-jährige Westfale Florenz-Ludwig Heidsieck nach Reims gekommen, hatte dort eine vermögende Französin geheiratet und die französische Staatsangehörigkeit angenommen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Champagne zum Magnet für ambitionierte, sprachgewandte deutsche Jungunternehmer. Alle, Bollinger aus Ellwangen, die Gebrüder Gottlieb, Jacobus und Philipp Mumm aus Solingen, der Mainzer Johann-Joseph Krug, der Aachener William Deutz, gründeten eigene Firmen, wurden schnell konkurrenzfähig und erfolgreich. 1867 stellte Robert Tomes, amerikanischer Konsul in
Reims, fest: „Es gibt tatsächlich keinen Weinbetrieb in der Champagne, der nicht mehr oder weniger von einem gebürtigen Deutschen kontrolliert wird… Es gibt jedoch ein Champagner-Haus, das ausschließlich von Franzosen geleitet wurde. Während meiner Zeit in Reims ging es bankrott, und es wurde allgemein festgestellt, dass es zugrunde ging, weil ein Deutscher fehlte.“ [9]  In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts profitierten die Witwe Clicquot und ihre Konkurrenten vom Ausbau des Eisenbahnnetzes. Sie expandierten schnell und eroberten internationale Märkte. Ein Champagner kommt ausschließlich aus der Champagne. Das AOP-Gütesiegel, Appellation d’Origine Protégée, schützt das Edelgetränk markenrechtlich. Im Versailler Vertrag von 1919 wurde bekanntlich das besiegte Deutschland gezwungen, Gebiete abzutreten und enorme Reparationszahlungen zu leisten. Weniger bekannt ist ein anderer Passus, der bis heute gültige sog. Champagnerparagraph. Dieser untersagt ausdrücklich jeglichen unlauteren Wettbewerb seitens anderer Schaumwein (frz. vin effervescent) erstellender Länder. Somit kann ein deutscher Sekt, völlig unabhängig von seiner Qualität, nur Sekt heißen. [1o] 

Wie überall auf der Welt wird in Deutschland bei festlichen Anlässen gerne Champagner getrunken und ist auch mit bescheidenem Geldbeutel zu bekommen. Das demokratisierte flüssige Gold wird dann mit dem Etikett Veuve Monsigny, was zweifellos sehr edel klingt bzw. Veuve Durand, was wiederum und komischerweise, zumindest für Franzosen, genauso platt wie der sehr geläufige französische Familienname
klingt, geschmückt. Die deutschen „Veuves“, gute Einstiegschampagner, verdanken der Veuve Clicquot ihre positive Konnotation. Auf dem Etikett der „Veuves“ steht Premier Cru. Aber ist ein Premier Cru, wortwörtlich „Erstes Gewächs“, wie die vielversprechende Bezeichnung sprachlich suggeriert, erstklassig? Ein solcher Champagner belegt in der Champagne, wo die Klassifizierung nach den Weinbaugemeinden erfolgt, den zweiten Platz. Ein Premier Cru ist qualitativ mit einem hochpreisigen edlen Grand Cru mit langen Lagerzeiten von Krug in Reims in keiner Weise vergleichbar. Ein millésime/Jahrgangschampagner für Connaisseurs, ist auch die 9-Liter-Flasche Veuve Clicquot-Brut Carte Jaune-Salmanazar in der Holzkiste. Eine überaus exquisite Komposition aus Pinot noir, Pinot Meunier und Chardonnay, die ihren Preis für luxuriöses geselliges Beisammensein hat: knapp 1.000 Euro. Oder hätten Sie lieber eine kleinere 6-Liter-MethusalemFlasche Dom Pérignon Champagner Rosé 2002 zum Preis eines Kleinwagens Renault Clio, also 10.000 Euro? Haben
oder nicht Haben. Früher explodierten die Flaschen, heute sind es die Preise im Luxussegment.

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Ein weiteres Porträt, ein Werk des Reimser Malers Périn-Salbreux, hängt im Musée Saint-Rémi in Reims zur Ehre eines gut aussehenden hochrangigen russischen Offiziers in Uniform, Fürst Sergei Alexandrowitsch Wolkonsky. Nach der Einnahme von Reims durch preußische und russische Truppen im Frühjahr 1814 wurde er zum Gouverneur der Stadt ernannt. [11]  Ein besonnener Mann, stets bemüht, Exzesse seiner Soldaten zu zügeln. Auch ein kultivierter Mensch. Wie es sich für russische Aristokraten gehörte, beherrschte er die französische Sprache. Durch und durch frankophil, war er in der Bevölkerung geschätzt, verkehrte in den höchsten Kreisen und wurde sogar Mitglied der Reimser Freimaurerloge. Als ihn nach dem Ende des Krieges und dem Abzug der russischen Garnison die französischen Behörden aufforderten, die Stadt zu verlassen, war er untröstlich und weigerte sich. Welche Beweggründe hatte der Fürst? Eine Liebesbeziehung zu einer hübschen Reimserin? Wollte er unbedingt wegen des französischen Savoir-Vivre und des Genusses des noblen Champagners der Veuve Cliquot bleiben? Reims zählte damals nur 30.000 Einwohner. Vielleicht hatte er die tüchtige Geschäftsfrau persönlich kennengelernt. Letztendlich, nolens volens, musste der charmante Russe im Sommer 1814 doch gehen.

Wie hätten wir an der Stelle von Fürst Wolkonsky reagiert? Seien wir ehrlich, wer von uns möchte nicht ein Leben wie Gott in Frankreich führen?

Le muselet: von frz, museau (Schnauze). La muselière= Der Maulkorb. Von daher ist ein muselet „ein kleiner Maulkorb“. Übrigens stammt das deutsche Adjektiv amüsant von museau.

Die Prestige Cuvée: In Deutschland der Verchnitt aus verschiedenen Rebsorten, Jahrgängen oder Lagen. In Frankreich ist eine Cuvée jeder separat abgefüllte Wein eines Weingutes. Beim Champagner wird der zuerst aus der Kelter ablaufende Most mit der höchsten Qualität als Cuvée bezeichnet.

Dom Pérignon: Genauso berühmt wie der legendäre Mönch (1638-1715) ist die hochpreisige Champagnermarke von Moët&Chandon. 1839 gründete Moët mit seinem Schwiegersohn Pierre-Gabriel Chandon Moët&Chandon und wurde später k.u.k. Hof- und Kammerlieferant sowie Königlicher Englischer Hoflieferant. Heute der weltweit meistverkaufte Champagner. Veuve Clicquot rangiert an 2. Stelle. Moët&Chandon und Veuve Clicquot gehören heute dem Luxuskonzern LVMH (Moët Hennessy LouisVuitton). LVMH ist der weltweite Branchenführer der Luxusgüterindustrie. Umsatz 2017: 42,6 Milliarden Euro. (2019: 53,7 Mrd. Euro. W,J.)

Sekt: Von lat. siccus (trocken). Früher »Sect« geschrieben.

Cru: Von frz . croître (wachsen). Bezeichnet einen Ort/Boden (frz.terroir), wo die Reben wachsen. In der Champagne sind weder Güter noch Weinberge klassifiziert, sondern die Weinbaugemeinden. Die Gemeinden, deren Trauben den maximalen Preis von 100% erzielen, dürfen die Bezeichnung Grand Cru führen. Dasselbe gilt für einen Champagner, der ausschließlich aus Trauben von Grand Cru Gemeinden gekeltert wurde.

Rebsorten: le pinot noir = Spätburgunder. Eine Edelrebe. Von frz. pin (Fichtenzapfen) aufgrund der Form der Traube. Le pinot meunier = Schwarzriesling. Chardonnay = Ein erlesener Champagner Blanc de Blancs, der also ausschließlich aus der weißen Rebsorte Chardonnay besteht.

Flaschengrößen: 14 insgesamt. Eine fillette (junges Mädchen) ist eine halbe Flasche. Ein Magnum (lat. für „das Große“) = 1,5 Liter. Sind Sie bibel- und trinkfest, geht es mit dem Jeroboam, 3 Liter, und weiter steil aufwärts (Nebukadnezar = 15 Liter) bis zum Melchesedech, 30 Liter, für die erfolgreiche Lottogemeinschaft.

Stefan George: DIE SEELE DES WEINES
Umdichtung (1901) von L’âme du vin
von Charles Baudelaire, Les Fleurs du Mal 1857

Des weines geist begann im fass zu singen:
Mensch · teurer Ausgestossener · dir soll
Durch meinen engen kerker durch erklingen
Ein lied von licht und bruderliebe voll.

Ich weiss: am sengendheissen bergeshange
Bei schweiss und mühe nur gedeih ich recht ·
Da meine seele ich nur so empfange ·
Doch bin ich niemals undankbar und schlecht.

Und dies bereitet mir die grösste labe
Wenn eines arbeit-matten mund mich hält ·
Sein heisser schlund wird mir zum süssen grabe
Das mehr als kalte keller mir gefällt.

Du hörst den sonntagsang aus frohem schwarme?
Nun kehrt die hoffnung prickelnd in mich ein:
Du stülpst die ärmel · stützest beide arme ·
Du wirst mich preisen und zufrieden sein.

Ich mache deines weibes augen heiter
Und deinem sohne leih ich frische kraft ·
Ich bin für diesen zarten lebensstreiter
Das öl das fechtern die gewandtheit schafft.

Und du erhältst von diesem pflanzenseime
Das Gott · der ewige sämann · niedergiesst
Damit in deiner brust die dichtung keime
Die wie ein seltner baum zum himmel spriesst.

Anmerkungen

[1] Pierre Sommet, Der Präsident hat keine Zeit! Kurzgeschichten illustriert von Cornelius Rinne. Krefeld: Magenta-Verlag 2018   ISBN: 978-3-944299-17-4 Preis: 18 Euro

[2] Siehe das Selbstportrait von Pierre Sommet in dem schönen Frankreich-Blog von Hilke Maunders: https://meinfrankreich.com/pierre-sommet/

[3] Die in dem Beitrag enthaltenen Abbildungen stammen nicht aus dem Buch Sommets, sondern sind von mir (W.J.) ergänzt. Dafür fehlt in diesem Beitrag das gezeichnete Portrait der Veuve Cliquot von Cornelius Rinne.

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Barbe-Nicole_Clicquot-Ponsardin#/media/Datei:Veuve_clicquot.jpg

[5] Bild aus:  https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Troy,_Jean-Fran%C3%A7ois_de_-_Die_Austernmahlzeit_-_1734.jpg 

[6] Bild aus: https://docplayer.fr/30997328-Rapport-de-stage-veuve-clicquot-ponsardin-jobart-thibaut-monsieur-haouy-monsieur-aka.html

7]Die Stunde ist gekommen…“: Zitat aus Veuve Clicquot, Die Geschichte eines Champagner-Imperiums und der Frau, die es regierte, Tilar J. Mazzeo, Hoffmann und Campe, 2008, S. 162.

[8] Bild aus: https://www.wikiwand.com/de/Georg_Christian_Kessler

9] Robert Tomes, The Champagne Country, 1867

[10] Wortlaut des Champagnerparagrafen bei: https://www.ihr-champagner.de/2017/09/20/champagnerparagraph/ 

[11] Bild aus:  https://artcorusse.org/serge-wolkonsky-prince-de-reims-par-martine-bertho/  

Zum Thema siehe auch das Buch von Volker Hildisch: Als Rotkäppchen Frankreich verlassen mußte: Champagner und Sekt- eine deutsch-französische Geschichte. Seumes Tornister 2019

Weitere geplante Beiträge:

  • Die Bäderstadt Vichy: Der Schatten „Vichys“ über der „Königin der Kurbäder“
  • Pierre Soulages in Rodez und Conques
  • 5 Jahre Paris- und Frankreich-Blog

Reims: Die „Königin der Kathedralen“ als Ort deutsch-französischer Feindschaft, Versöhnung und Freundschaft

Die Kathedrale von Reims war dreimal in ihrer Geschichte ein Ort, an dem die Spannweite der deutsch-französischen Beziehungen zwischen „Erbfeindschaft“, Versöhnung  und Freundschaft in ganz besonderer Weise zum Ausdruck kam:

  • 1914 wurde die Kathedrale von der deutschen Artillerie beschossen und in Brand gesetzt: Für die Franzosen ein Akt der Barbarei der deutschen „Hunnen“ und „Vandalen“, Ausdruck der tief verwurzelten Feindschaft zwischen beiden Völkern.
  • 1962 feierten Staatspräsident  de Gaulle und Adenauer gemeinsam eine Messe in der Kathedrale: Besiegelung der Aussöhnung zwischen beiden Ländern
  • 2011 wurden anlässlich der 800-Jahrfeier der Kathedrale  in deren Apsis  Glasfenster des deutschen Künstlers Imi Knoebel geweiht,  2015 folgte die Jeanne d’Arc Kapelle: Symbolischer Ausdruck deutsch-französischer Freundschaft.

Dass es gerade die Kathedrale von Reims war, durch deren Beschuss und Brand die deutsch-französische Feindschaft noch besonders angefacht wurde, ist mit der besonderen Geschichte und Bedeutung der Kirche zu erklären. Diese besondere Stellung der Kathedrale von Reims soll im ersten Teil dieses Beitrags erläutert werden.

Im zweiten Teil geht es um den Brand der Kirche von 1914 und ihre Konsequenzen für die französische Wahrnehmung des „Erbfeindes“.

Im dritten Teil wird dann die Kathedrale von Reims als Ort und Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung und Freundschaft behandelt – ein wie kein anderer dafür prädestinierter Ort.

Notre-Dame de  Reims: Die „Königin unter den Kathedralen Frankreichs“

Die überragende Bedeutung der Kathedrale Notre-Dame de Reims hat zwei Gründe:  ihre geschichtliche Bedeutung als Krönungskirche der französischen Könige und  ihre kunstgeschichtliche Bedeutung als eines Höhepunktes der Gotik.

Der Status als Krönungskirche  beruht auf  der  „mythisch verklärten Taufe des Merowingerkönigs  Clodwig“.  Dieser Mythos geht zurück auf den Erzbischof Hinkmar (gestorben 882). Der schilderte  die Taufe Clodwigs durch den heiligen Remigius  als einen wunderbaren Akt, zu dem ein Engel in Gestalt einer Taube himmlisches Öl zur Salbung des Königs in Reims  herbeibrachte.   „Mit dem Mythos vom göttlichen Salböl räumte Hinkmar nicht nur langfristig alle Einwendungen gegen den Primatsanspruch der Reimser Kirche aus, sondern legte dadurch auch den Grundsein für die Sakralisierung des französischen Königtums.“ [1]

Bis 1825 sind nahezu alle französischen Herrscher  in der Reimser Kathedrale gekrönt worden. Es gab nur zwei Ausnahmen, nämlich Heinrich IV., der sich für Chartres entschied, und Napoleon, der sich in Notre-Dame de Paris zum Kaiser krönen ließ.  Zentraler Bestandteil der Reimser Krönungszeremonie war die Salbung  mit dem in der sogenannten heiligen Ampulle verwahrten und, wie man glaubte, sich nie erschöpfenden Himmelsöl.   Das überstand sogar die Französische Revolution, während der ein Kommissar der Convention die Sainte Ampoule öffentlich zerschlug. Aber ein geistesgegenwärtiger Geistlicher hatte einen Teil des Himmelsöls retten können…. Bewahrt wurde es am Grab  des heiligen Remigius in der vorstädtischen Abtei gleichen Namens…. „Dank dieses einzigartigen Privilegs war die Kathedrale von Reims …. die Königin unter den Kathedralen Frankreichs.“ [2]

Die Taufe  Chlodwigs  gilt  als Akt der Bekehrung der Franzosen zum Christentum.[3]  Ein weithin sichtbares Zeichen der Bedeutung der Kathedrale als Krönungskirche ist die Königsgalerie der Westfassade. Anders als bei der Königsgalerie von Notre-Dame in Paris, wo biblische Könige dargestellt sind[4], sind es hier französische Herrscher. Und in deren Mitte stehen König Chlodwigs Taufe und Salbung  mit der heiligen Ampulle. Damit  wird „der Ursprungsmythos ausgestellt, auf den sich der Anspruch von Reims und die jeweilige aktuelle Krönungszeremonie in der Kathedrale bezieht.“ [5] Es ist dies das „Siegel der Allianz zwischen Kirche und Krone, deren Erinnerungsort über ein Jahrtausend hinweg Notre-Dame de Reims gewesen ist.“ [6]

Besonders im  Hundertjährigen Krieg spielte die Kathedrale von Reims als Legitimation gottgewollter Herrschaft eine zentrale Rolle.  Auf Betreiben von Jeanne d’Arc wurde der Dauphin am 17. Juli 1429 als Karl VII. in Reims  inthronisiert.

Statue Jeanne d’Arcs auf dem Vorplatz der Kathedrale[7]

 Jeanne nahm, mit der Siegesfahne neben dem Altar  stehend, an der Feier teil: Der Höhepunkt ihres Ruhms.  Mit der Krönungszeremonie von Karl X. endet  1825 der Zyklus der Reimser Krönungen.

Ebenso bedeutend wie die geschichtliche ist auch die kunsthistorische Bedeutung der Kathedrale: „Was der Parthenon den Archäologen, ist vielen Kunsthistorikern die Kathedrale von Reims.“[8]

Ähnlich wie bei dem Parthenon tragen zu dem überwältigenden Gesamteindruck  feine Differenzierungen bei. So sind beispielsweise die Wände des Mittelschiffs über den Säulenkapitellen 25 cm nach außen geneigt, um den in der Perspektive entstehenden Eindruck einer Krümmung der vertikalen Wandflächen nach innen zu kompensieren.[9]

Der wahrscheinlich vom ehrgeizigen Erzbischof Aubry de Humbert  mutwillig am Tag einer Sonnenfinsternis  gelegte verheerende Brand von 1211 ermöglichte die Errichtung eines prunkvollen Neubaus. Sicherlich hätte man die Schäden des Brandes auch durch eine Renovierung beheben können. Aber Aubry de Humbert ergriff die Gelegenheit, für die  Krönungsfeierlichkeiten einen wirkungsvolleren Rahmen zu schaffen und eine Kirche im neuen Stil der Gotik zu bauen.  Mit ihr  „avancierte die Gotik zu einer Bauform für ganz Europa (…). Das Maßwerkfenster, in Reims inauguriert, wurde zum bestimmenden Motiv gotischer Architektur, und die Skulptur der Reimser Kathedrale blieb für lange Zeit das Vorbild gotischer Bildhauerkunst.“[10]  Ihre schönste Vollendung fand in Reims auch die Kirchenfassade mit den doppelten Türmen, „eine der strahlendsten Erfindungen der französischen Kunst. (…)  Diese Fassade war die majestätische Schauseite, vor der das Zeremoniell des Sacre  mit der Ankunft des aus der Hauptstadt und der engeren Krondomäne heranziehenden neuen Herrschers begann.“[11]

Einzug Ludwigs XV in die Stadt Reims am 22 Oktober 1722 aus Anlass seiner Krönung

Wie bedeutsam die Kathedrale von Reims für Frankreich ist, veranschaulicht auch das Logo der unter Denkmalschutz  stehenden französischen Bauwerke[12]:

Dieses Logo geht nämlich  zurück auf das Labyrinth in der Kathedrale von Reims, das allerdings nicht mehr existiert.

Es wurde –wie auch die Labyrinthe anderer Kathedralen-  im Zeitalter der Aufklärung  (1778/9)  auf Veranlassung des Domkapitels zerstört –im Falle von Reims auch mit der Begründung, dass es Kinder als Spielplatz genutzt und damit  die Messe gestört hätten. [13]

Dass das zerstörte Labyrinth von Reims als Vorlage für das moderne Denkmalschutz-Logo ausgewählt wurde  und nicht etwa die erhaltenen von Chartres oder Amiens[14], unterstreicht die Bedeutung der Kathedrale.  Sicherlich ist es aber auch eine Mahnung zum Schutz historisch wertvoller Bauten, an dem es –was Reims (und die Gotik überhaupt) angeht- im 18. Jahrhundert  und dann wieder auf besonders tragische Weise im Ersten Weltkrieg gefehlt hat.

Die Beschießung von Reims und seiner Kathedrale

Im Zuge der deutschen Offensive an der Westfront rückten sächsische  Truppen am 3. September 1914 in das vom französischen Militär geräumte Reims ein. Einen Tag danach bombardierte die preußische Artillerie, die davon keine Kenntnis hatte, zum ersten Mal die Stadt, wobei auch die Kathedrale, allerdings noch nicht sehr erheblich und sicher unbeabsichtigt,  beschädigt wurde.  Einige Tage später, nach der entscheidenden Kriegswende an der Marne, zogen sich die deutschen Truppen aus Reims zurück und am 13. September rückten französische Truppen wieder in die Stadt ein.  Die deutschen Truppen hielten aber  Forts auf den umliegenden Höhen besetzt, von denen aus sie die Stadt unter Feuer nehmen konnten. Das geschah dann auch mit  zunehmender Heftigkeit. Am 19. September wurde die Kathedrale von 25 Geschossen getroffen.  Das für Renovierungsarbeiten am Nordturm aufgestellte hölzerne Gerüst, das eigentlich im Juli 1914 hätte abgebaut werden sollen,  geriet in Brand, stürzte zusammen und verursachte vielfältige Zerstörungen am Skulpturenschmuck der Fassade.

19. September 1914. Das Gerüst brennt[15]

Die Flammen breiteten sich aus,  angefacht auch durch das in der Kathedrale ausgelegte Stroh,  das als Lagerstätte für die in der Kirche untergebrachten deutschen Kriegsgefangenen diente. Der Dachstuhl fing Feuer und brannte  völlig aus.  Das Blei der Bedachung schmolz, ergoss sich über die Wasserspeier, tropfte aber auch ins Innere der Kathedrale. Der größte Teil der mittelalterlichen Glasfenster ging zugrunde: Eine Katastrophe, schlimmer noch als die von Notre-Dame de Paris 2019, bei der ja die Fassade nicht betroffen war und auch die Glasfenster erhalten blieben.[16]

Reims, das auch danach noch weiteren Beschießungen ausgesetzt war, ist am Ende des Krieges eine Ruinenlandschaft, aus der das Gerippe der Kathedrale herausragte.

Vor dem Ersten Weltkrieg  zählte  Reims 100.000 Einwohner, am Ende des Krieges leben noch 8.000 Menschen in den Trümmern der Stadt, die  zu 80% zerstört war.  Frankreich erklärte 1919 Reims zur ville martyre (Märtyrerstadt). Der Wiederaufbau der Kathedrale dauerte 20  Jahre. [18]

Max Sainsaulieu, Karte der Bombeneinschläge in Reims 1914-1918[17]

Thomas W. Gaehtgens,   Professor für Kunstgeschichte in Berlin, Gründungsdirektor des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris und langjähriger Leiter des Getty Research Institutes in Los Angeles hat auf einer äußerst breiten Quellengrundlage die Geschichte und Rezeption der „brennenden Kathedrale“ von Reims untersucht.[19] Er kommt zu dem Ergebnis, dass es nach allen verfügbaren Quellen  keine Hinweise darauf gibt, dass die Kathedrale aus böswilliger Zerstörungsabsicht bombardiert wurde. Die Angriffe  galten in erster Linie den in der Stadt postierten französischen Geschützen. Ganz gezielt wurde allerdings der Nordturm der Kathedrale mit den schon skizzierten  verheerenden Auswirkungen beschossen. Dieser direkte Beschuss wurde von deutscher Seite damit begründet, dass der Turm –entgegen den Haager Konventionen- als Beobachtungsturm, also für militärische Zwecke,  genutzt worden sei. Trotz französischer Dementis überwiege heute die Meinung, „dass diese Beobachtungen in der Tat stattgefunden haben.“ (S.39)  Dass ein für die französische Identität und das europäische Kulturerbe so überaus bedeutsamer Ort wegen eines solchen Beobachtungspostens beschossen wurde, erscheint allerdings völlig unverhältnismäßig und bestätigt  die rein militärische Logik, die vor und während des Krieges im wilhelminischen Deutschland vorherrschte. Dafür nur einige schlimme Beispiele: Eine größenwahnsinnige, Großbritannien herausfordernde Flottenpolitik, eine Kriegsplanung, die Deutschland unweigerlich zu dem das Völkerrecht verletzenden Aggressor machte,  der rücksichtslose Vormarsch durch das sich unerwartet heftig wehrende Belgien und der das Eingreifen der USA provozierende uneingeschränkte U-Boot-Krieg. Auch bei der Bombardierung der Kathedrale von Reims wurden die desaströsen Konsequenzen nicht bedacht, obwohl es von fachkundiger deutscher Seite entsprechende Warnungen gab. Dabei war, wie  Gaethgens bilanziert, der militärische Sinn der  Bombardierung von Reims „höchst zweifelhaft und letztlich auch für den Kriegsablauf völlig ergebnislos“. (S.48)

Reims und die Folgen: Die Deutschen als Barbaren, Hunnen und Vandalen

Umso heftige und folgenreicher war allerdings die  Bombardierung der Kathedrale von Reims für das Bild Deutschlands in Frankreich, das von nun an von unversöhnlichem Hass bestimmt war.  Der Brand der Kathedrale löste einen Sturm der Entrüstung aus, von  Stellungnahmen, Bildern, Karikaturen und Veranstaltungen: ein Medienereignis ersten Ranges.

Aus französischer Sicht war die Beschießung der Kathedrale ein Verbrechen (le crime de Reims), ein vorsätzlicher, wenn nicht  gar vorbereiteter Akt:   Marcel Proust sah in der Beschießung der Kathedrale einen Racheakt für die Niederlage an der Marne [20];  der Akademiker  Gabriel Hanotaux interpretierte sie als Ausdruck des Neides: Die Kathedrale von Reims sei eine in der Welt einzigartige, unvergleichliche Ruhmestat, auf die die Deutschen neidisch seien. Sie seien glücklich bei dem Gedanken, dass der Dom von Köln „cette choucroute“,  erhalten sei, während Reims, „diese Blume“ untergehe. In die gleiche Kerbe haute Émile Mâle,  der damals bedeutendste französische Spezialist mittelalterlicher Kunst. Er verglich die Marienfiguren der Verkündigung von Bamberg und des Vorbildes Reims: Die noble Figur von Reims, in der noch die Heiterkeit der Antike lebe, habe sich in Bamberg in eine „matrone herculéenne au sourire de négresse“ verwandelt. Die Zerstörung der Kathedrale sei eine gute Gelegenheit für die deutschen Barbaren gewesen, das Meisterwerk zu zerstören und dann zu behaupten, man selbst habe die Gotik erfunden.[21]

In diesem Kontext ist auch die nachfolgend abgebildete Postkarte aus dem Jahr 1914 zu sehen. Vor dem Hintergrund der brennenden Kathedrale bezeichnet  Jeanne d’Arc  Wilhelm II.  als König der Banditen und Vandalen. Er sei nicht nur für die Ermordung von Kindern verantwortlich, sondern zerstöre  unsere schönen Kathedralen, da er gegenüber den Alliierten machtlos sei. Hier ein Ausschnitt: [22]

Ein weiterer Punkt der Anklage: Nicht allein das Militär, sondern die Deutschen insgesamt stünden hinter diesem Akt der Zerstörung. Dies ist insofern nicht ganz von der Hand zu weisen, als eine breite Mehrheit der Deutschen nicht zu einer kritischen Distanz in der Lage war. Die heftigen ausländischen  Vorwürfe lösten vielmehr Sympathieerklärungen für das Vorgehen der Heeresleitung aus.  In einem am 4. Oktober 1914 veröffentlichten Aufruf „An die Kulturwelt“ bedauerten 93 Wissenschaftler,  Künstler und Intellektuelle zwar kriegsbedingte Zerstörungen von Werken der Kunst und Kultur. Man lehne es aber ab „die Erhaltung eines Kunstwerks mit einer deutschen Niederlage zu erkaufen“ – als sei das die Alternative! [23]  Unter den Unterzeichnern finden sich  so prominente und international bekannte Namen wie Rudolf Eucken, Max Planck, Wilhelm Röntgen, Gerhard Hauptmann, Max Liebermann, Max Reinhardt, Peter Behrens….     Übertroffen wurde das Manifest von der Erklärung der Hochschullehrer des Deutschen Reiches  vom 16. Oktober 1914 mit mehr als 3000 Unterzeichnern, die sich vorbehaltlos hinter das deutsche Heer stellten, das nicht nur für „Deutschlands Freiheit“, sondern auch „für alle Güter des Friedens“ und „für die ganze Kultur Europas“ kämpfe.  Nur wenige  Persönlichkeiten  wie Albert Einstein, Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Max Pechstein und  Stefan Zweig verweigerten ihre Unterschrift. [23a]

Drittens schließlich, und das war der am weitesten verbreitete Komplex der Anklagen, sei die Zerstörung der Kathedrale von Reims- wie auch schon der vorhergegangene Brand der Bibliothek von Löwen mit ihren unschätzbaren mittelalterlichen Handschriften- „ein Beleg für die Unkultur der Deutschen, die sich im Grunde über den Urzustand der germanischen Stämme nicht hinausentwickelt hätten. Die diesen Völkern zugeschriebene Brutalität und Kulturlosigkeit sei bis heute nicht überwunden und leite ihre Aktionen.“[24]

Ein Beispiel dafür ist diese Postkarte mit dem Titel „Die Wilden“.[25] Abgebildet ist ein vierschrötiger, halbnackter Riese, der in der rechten Hand eine Keule hält.  „Mit der Linken wirbelt er einen Soldaten in die Luft, der allerdings miniaturhaft klein, dem Ungeheuer völlig hilflos ausgeliefert ist.  Blutflecken überziehen den Körper des Wilden und Blutlachen bedecken den Boden. Im Hintergrund ist die brennende Kathedrale von Reims deutlich sichtbar. Der Wilde trägt eine Kette mit Zähnen erlegter Opfer um den Hals und sein Gesicht und Bart erinnern an den deutschen Kaiser Wilhelm II.“  Die Unterschrift der Darstellung fügt noch ein weiteres Element der Deutung hinzu: „On ne pourra pas dire que notre –KULTURRE – n’est pas la plus belle de l’humanité.“  (Es ist unbestreitbar, dass unsere KULTUR die schönste der ganzen Menschheit ist).  „Mit diesem Hinweis spielt der Autor der Postkarte auf die in dieser Epoche intensiv geführte Diskussion über den Gegensatz von Kultur und Zivilisation an. Kultur, geschrieben mit einem zusätzlichen r, um auf die deutsche Aussprache anzuspielen, wird als der Urzustand der wilden germanischen Stämme bezeichnet. Und diese sogenannte Kultur versuche die Zivilisation des Nachbarlandes zu unterwerfen.“[26]

Wie verheerend die Beschießung der Kathedrale von Reims auch auf internationaler Ebene das Bild Deutschland prägte, zeigt das nachfolgende amerikanische Plakat  von Harry R. Hopps aus dem Jahr 1917. [27]

Abgebildet ist ein wilder, frauenschänderischer Gorilla, der eine  preußische Pickelhaube mit der Aufschrift Militarism trägt und mit einer blutigen Kultur- Keule bewaffnet ist. Im Hintergrund das zerstörte Europa mit den Ruinen der Kathedrale von Reims und ganz groß die Aufforderung, sich in der amerikanischen Armee zu engagieren, um diesen wahnsinnigen Wilden  daran zu hindern, auch noch Amerika mit Krieg zu überziehen.

Das „massacre de Reims“ (Rodin), das sollen diese Beispiele zeigen, wurde zu einem zentralen Leitmotiv, das die Verbrechen der deutschen Hunnen, Vandalen und Barbaren  sinnbildhaft, allgemein verständlich und bloßstellend vergegenwärtigen konnte.[28]  Reims wurde  zum  „Symbol der Gegnerschaft  gegenüber Deutschland. Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht fand am 7. Mai 1945 nicht ohne Symbolkraft an diesem Ort statt.“[29]

Der lächelnde Engel

Von den über 2000 Skulpturen der Kathedrale von Reims ist die wohl  bekannteste  der lächelnde Engel vom nördlichen Seitenportal der Westfassade.

Er rahmt zusammen mit einem anderen Engel einen Heiligen ohne Schädeldecke  ein, bei dem es sich vermutlich um den heiligen Nicasius von Reims handelt. Die Kathedrale steht nämlich an der Stelle, wo Nicasius (Saint Nicaise) einst von den Vandalen enthauptet worden war.[30]  Die beiden Engel geleiten den Märtyrer auf dem Weg in das Reich Gottes. Das erklärt das Lächeln der beiden. Besonders der rechts abgebildete Engel, vermutlich zwischen 1255 und 1260 in einer Reimser Werkstatt entstanden,  zeichnet sich durch seine weichen  Formen und  sein feines Gesicht mit dem  graziösen  Lächeln aus.  Dieser berühmte lächelnde Engel war allerdings eine bis 1914 völlig anonyme Figur, die höchstens einmal von Kunsthistorikern als der Engel des heiligen Nicasius bezeichnet wurde.[31]

Das änderte sich allerdings gewissermaßen schlagartig mit dem 19. September 1914, als der Engel von einem Balken des durch den deutschen Beschuss in Brand geratenen Gerüsts beschädigt wurde. Der Kopf wurde abgeschlagen,  fiel aus einer Höhe von 4,5 Metern zu Boden und zerbrach in mehr als 20 Stücke.

Jetzt aber wurde die Statue zu einer mythischen Figur, dem  „lächelnden Engel von Reims“, Ausdruck des Lächelns von Reims (le sourire de Reims), dessen sich auch die Kriegspropaganda bemächtigte: So wie der Heilige von Barbaren enthauptet worden war,  so war nun auch der ihn begleitende Engel von den neuen Barbaren enthauptet worden.  Ein Abguss des beschädigten Engelskopfes  wurde während des Krieges in einer Wanderausstellung zerstörter französischer Kunstwerke präsentiert, die in den USA, Kanada und anderen Ländern Station machte. „Le sourire de Reims  est mobilisé“.[32]

In diesem Sinne wurden auch Postkarten mit Bildern des Engels vor der Zerstörung und mit der „gueule cassée“  verbreitet.[33]  Gerade die Methode des Bildvergleichs trug dazu bei,  Entsetzen über die Bombardierung der Kathedrale als ein Verbrechen gegen die Zivilisation hervorzurufen.

Der heruntergefallene Kopf und die abgebrochenen Teilstücke wurden im Keller des erzbischöflichen Palais aufbewahrt. Mit Hilfe eines im musée du Tracadéro in Paris aufbewahrten Abgusses wurde schließlich  der Kopf wiederhergestellt und nimmt seit dem  13. Februar 1926 wieder seinen Platz am Portal der Kathedrale ein. So wurde der lächelnden Engel von Reims zum  populären Symbol der Kathedrale.[34]

Briefmarke von 1930

Am 20.  Oktober 2011 hielt anlässlich der 800-  Jahrfeier der Kathedrale  der deutsche Kunsthistoriker Willibald Sauerländer die Festrede.  Es war eine besondere Ehre und Auszeichnung, dass ein Deutscher – einer der besten Kenner gotischer Kunst  und Professor am Collège de France-  diese Festrede halten durfte.

 Sauerländer erinnerte dabei auch an die Zerstörung der Kathedrale: „Schließlich ist es noch nicht hundert Jahre her, dass deutsche Granaten, abgefeuert von unseren Großvätern und Vätern, Notre-Dame de Reims in Brand gesetzt und verwüstet haben. (…) Im Augenblick der Trauer kam wie eine schmerzliche Tröstung die Redensart ‚Sourire de Reims‘ (‚Lächeln von Reims‘) auf. … Wenn wir hundert Jahre später, nachdem die Wunden der Kathedrale verheilt sind, auf das erschütternde Bild des lächelnden und verwundeten Engels blicken, erscheint es uns wie ein Glücksversprechen…. Dieses Glücksversprechen hat Zerstörung und Schmerz überdauert, ja hat schließlich auch über Empörung und Hass triumphiert…“ (S. 66)

Die Kathedrale von Reims als Ort der Versöhnung und der Freundschaft

Zu dieser Überwindung von Empörung und Hass haben nach dem Zweiten Weltkrieg de Gaulle und Adenauer erheblich beigetragen. Bei dem  legendären Treffen auf dem Landsitz de Gaulles in Colombey-les-Deux Églises am 14,/15. September 1958  wurden bestehende gegenseitige Vorurteile abgebaut und die Grundlagen einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich gelegt. In einer Abschlusserklärung bekräftigen der Bundeskanzler und der Staatspräsident ihren Willen, die Erbfeindschaft der Vergangenheit endgültig zu beenden, und sprachen sich für eine enge Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik aus, die sie als Fundament für das europäische Einigungswerk betrachteten. Diese Gespräche bildeten den Ausgangspunkt für eine persönliche Freundschaft, die einen wichtigen Anteil an der Annäherung zwischen den beiden Ländern haben sollte. Seit diesem Tag sind Adenauer und de Gaulle in den Jahren 1958 bis 1963 insgesamt 15-mal zu Gesprächen zusammengekommen und haben sich etwa vierzig Briefe geschrieben.[35] Im Januar  1963 wurde der Elysée-Vertrag abgeschlossen,  der – inzwischen mit dem  Aachener Vertrag erneuert und fortgeführt- bis heute  die Grundlage der deutsch-französischen  Zusammenarbeit bildet. [36]

Dem Elysée-Vertrag voraus ging der gemeinsame Gottesdienst de Gaulles und Adenauers in der Kathedrale von Reims am 8. Juli 1962, die „théâtralisation de la réconciliation franco-allemande“. Es war dies der  End- und Höhepunkt einer von de Gaulle minutiös geplanten Frankreich-Reise Adenauers. [37] De Gaulle hatte dafür ganz bewusst  Reims ausgewählt. In seinen Memoiren weist er darauf hin, Reims sei der Schauplatz zahlreicher Auseinandersetzungen zwischen den Erbfeinden (ennemis héréditaires) Deutschland und Frankreich gewesen, bis hin zu den Schlachten an der Marne. In der Kathedrale, deren Verletzungen immer noch nicht vollständig verheilt seien, würden die Repräsentanten beider Länder ihre Gebete vereinen, damit auf beiden Seiten des Rheins die Freundschaft für immer die Leiden des Krieges ersetze.[38]  Vor der Kirche in den Boden eingelassene Tafeln in deutscher und französischer Sprache erinnern noch an diesen historischen Moment.

Dieses Versöhnungs-Treffen war ein durchaus mutiger Akt, der auch keineswegs unumstritten war.[39] Und die Fahrt Adenauers durch Frankreich war  –anders als die Fahrt de Gaulles durch Deutschland ein Jahr später- keineswegs ein Triumphzug, auch wenn de Gaulle und Adenauer das etwas verklärend darstellten.[40]

In der Kathedrale wurden sie vom Erzbischof von Reims, Monseigneur Marty, empfangen.  Die Kathedrale sei glücklich, beide gemeinsam „mit dem Lächeln seines Engels“ (avec le sourire de son ange) zu empfangen. Die Messe zelebrierten der Weihbischof von Reims mit zwei weitere Geistlichen,  einem ehemaligen Kriegsgefangenen und einem ehemaligen Deportierten.

Hier das „offiziöse“ Bild des Fotografen Egon Steiner vom Versöhnungsgottesdienst in der Kathedrale von Reims. Der Dualismus Frankreich-Deutschland wird durch die solitären Säulen-Staatsmänner inszeniert, repliziert durch das Paar der kräftigen Pfeiler. Im rechten Pfeiler sind noch deutlich Einschüsse zu erkennen. Das politische Ereignis ist damit, wie Ulrike Brummert  schreibt, „bildsprachlich adäquat transponiert. Diese Aufnahme besitzt alle Ingredienzen für eine Ikonisierung.“[41]

Schautafel zur deutsch-französischen Versöhnung in der Kathedrale

Am 8. Juli 2012 fand noch einmal ein deutsch-französischer Gottesdienst  in der Kathedrale von Reims statt. Diesmal waren es  Angela Merkel und François Hollande, die  damit an die genau 50 Jahre vorher  von de Gaulle und Adenauer in Reims  vollzogene deutsch-französische Aussöhnung erinnerten.[42]   

Das von Steffen Kugler aufgenommene offizielle Bild des Treffens veranschaulicht auf eindrucksvolle Weise die Normalität der deutsch-französischen Beziehungen 50 Jahre nach dem Treffen von de Gaulle und Adenauer. Sollte damals der Segen Gottes für die deutsch-französische Aussöhnung  erbeten und ihr so eine sakrale Weihe verliehen werden, so ist es nun das Volk, dem sich Merkel und Hollande vor der Fassade der Kathedrale zuwenden und es mit erhobenen offenen Handflächen, Wohlgesinntheit demonstrierend, grüßen.[43] Die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich waren  inzwischen zum Alltag geworden, aus dem historischen Akt der Versöhnung ist die Normalität einer Freundschaft geworden, die in den beiden Völkern so fest verankert ist, dass ihr auch wechselnde Regierungen und politische Dissonanzen nichts mehr anhaben können.

Die Kirchenfenster Imi Knoebels in der Apsis der Kathedrale

Ein wunderbarer Ausdruck der nach so vielen Kriegen und gegenseitigem Hass gewonnenen deutsch-französischen Freundschaft sind die wunderbaren Fenster Imi Knoebels in der Kathedrale von Reims.  Bunte Glasfenster sind ja ein zentrales Element mittelalterlicher Kirchen und sie waren und sind es auch in der Kathedrale von Reims. Die Bedeutung der Fenster lag darin, dass „durch ihr farblich gebrochenes Licht ein Außenbezug hergestellt wurde, der durch seine Diffusität einen metaphysisch aufgewerteten Innenraum entstehen ließ.“ Der Aufklärung – die sich als das Zeitalter des Lichts verstand (le Siècle des Lumières)- war diese Raumbestimmung unerträglich. So wurde  in Reims –wie auch in Notre-Dame de Paris- eine Fülle von bunten Glasfenstern verkauft und durch durchsichtige Glasscheiben ersetzt. Dazu kamen dann die Zerstörungen im Ersten Weltkrieg. „Seit Jahrzehnten wird diese Entschärfung des Kirchenraumes dadurch kompensiert, dass zeitgenössische Künstler die Helle des 18. Jahrhunderts zurücknehmen; so konnte Marc Chagall im Jahr 1972 die drei Fenster der Hauptapsis des Chores mit einem dunklen narrativen Zyklus ersetzen, in dem die Kreuzigung hervorsticht“. [44]

Zu Beginn dieses Jahrhunderts entstand der Plan, die nördlichen und südlichen Nebenapsiden durch Gerhard Richter neu gestalten zu lassen, aber unter anderem wegen der Realisierung derselben Idee im Kölner Dom sagte dieser ab.  Daraufhin war es Imi Knoebel, der 2008  vom regionalen französischen Kulturamt und dem französischen Kultusministerium den Auftrag erhielt, sechs Fenster mit den Maßen von jeweils 10,30 mal 2,50 m für die Herz-Jesu Kapelle und die Sankt Josefs Kapelle in der  Apsis der Kathedrale zu gestalten. Imi Knoebel ist ein renommierter Künstler: Schüler von Joeph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie und  bekannt durch zahlreiche internationale Ausstellungen.

Dass nach der Absage von Gerhard Richter ein anderer deutscher Künstler diesen Auftrag erhielt, ist auch als ein Bekenntnis zur deutsch-französischen Freundschaft zu verstehen: Lange Zeit wäre es „unvorstellbar gewesen, dass an diesem Ort ein deutscher Künstler Hand anlegt.“[45]

Foto: Ivo Faber/Kunststiftung NRW/DPA

Imi Knoebel 2015 beim Einbau seiner neuen Fenster in der Kathedrale von Reims[46]

Nach der feierlichen Versöhnungs-Messe von de Gaulle und Adenauer ist die Verständigung  und Freundschaft zwischen beiden Ländern nun auch in der Kathedrale sichtbar zum Ausdruck gebracht. Und es blieb  nicht bei den 2011 fertig gestellten Fenstern, die am 25. Juni im Rahmen der 800-Jahrfeier der Kathedrale von Reims geweiht wurden. 2015 kamen  noch drei weitere Fenster  dazu. Sie sind eine Schenkung des Künstlers, der Bundesrepublik Deutschland und der Kunststiftung NRW. „Sie stehen“, wie es in dem Begleittext heißt, „als ein Zeichen der Versöhnung und der Wiedergutmachung für die Zerstörung der Kathedrale im Ersten Weltkrieg, ein Zeichen des Friedens und einer gemeinsamen Zukunft für Europa, für Kunst und Kultur zwischen den beiden Völkern.“  Und diese Fenster schmücken nun einen hochsymbolischen Ort, nämlich die Kapelle der Jeanne d’Arc.

Statue der Jeanne d’Arc von Prosper d’Epinay (19. Jhdt) in der ihr gewidmeten Kapelle

Knoebel entwickelte seine „kraftvolle, kaleidoskopische Komposition aus hunderten von Papierschnitten, einer Technik, die in der Kunstgeschichte untrennbar mit Henri Matisser verbunden ist. In einer der wenigen Aussagen, die Knoebel zu seinem Werk gegeben hat, verweist er zudem auf seine eigenen Erinnerungen an den Beschuss Dresdens mit Brandbomben im Zweiten Weltkrieg, den er 1945, als Fünfjähriger, miterlebte und der sich ihm nachdrücklich ins Gedächtnis eingebrannt hat.“[47]

Mit seinem „Strudel zersplitterter Farbformen“  ist es  Imi Knoebel nach dem Urteil Bredekamps gelungen,  die Glasmalerei,  eine der kostbarsten und auch technisch schwierigsten künstlerischen Gattungen,  mit dem Anspruch der zeitgenössischen Moderne zu verquicken.[48]  In ihrer Würdigung zum 80. Geburtstag Imi Knoebels bezeichnete die FAZ die Kirchenfenster von Reims als Hauptwerk des Künstlers, der dort die  Durchdringung von Farbe und Licht zur Vollendung gebracht habe.[49]

Es gab wohl Bedenken, Marc Chagalls Fenster, die jetzt von denen Knoebels eingerahmt werden,  könnten „zu Opfern dieses unerhörten Eingriffs“, also gewissermaßen erdrückt  werden. Aber dazu gibt es nach Bredekamps Einschätzung keinen Anlass. Ganz im Gegenteil:  Die Fenster Chagalls kämen durch die Konfrontation mit denen Knoebels „aus dem Dunkel ihrer Zurücksetzung wieder hervor. Damit gewinnen beide: das komplexe Farbtheater von Knoebels Neuschöpfung und die düstere Tiefe von Chagalls Passionsfenster.“[50]  Dieser Einschätzung kann ich mich nur anschließen.

Dass die Fenster Knoebels –zusammen mit denen Chagalls- jetzt die Apsis der Kathedrale von Reims schmücken und zum Leuchten bringen, ist ein wunderbarer Ausdruck der deutsch-französischen Freundschaft, deren Symbol die Kathedrale von Reims schließlich auch geworden ist.

Literatur

Jean-François Boulanger, Hervé Chabaud, Jean-Pierre Husson, De la capitulation à la réconciliation. La rencontre de Gaulle –Adenauer à Reims en 1962.  http://www.cndp.fr/crdp-reims/memoire/enseigner/memoire_2gm/degaulle_adenauer.htm

Paolo Cangioli, Die Kathedrale von Reims. Frankreich Klassische Reiseziele. Herrsching 1989

Patrick Demouy, Le sourire de Reims. Comptes rendus des séances de l’Académie des inscriptions et Belles-Lettres. 2009, S. 1609-1627  https://www.persee.fr/doc/crai_0065-0536_2009_num_153_4_92741
Thomas W. Gaehtgens,  Die brennende Kathedrale. Eine Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg.   München 2018
Yann Harlaut , L’ange au sourire de Reims: naissance d’un mythe.   Mit einem Vorwort von Patrick Demouy. Langres:  Éditions Dominique Guéniot 2008

Wolf Jöckel, Der Elysée-Vertrag, Mythos und Symbol wird 50: Ein Anlass zum Feiern. In: Europäische Erziehung, Halbjahreszeitschrift des EBB-AEDE   (Europäischer Bund für Bildung und Wissenschaft) 2012, 2 ; S. 5 – 17   Der Beitrag wurde auch  in diesen Blog aufgenommen:   https://paris-blog.org/2016/04/13/der-elysee-vertrag-mythos-und-symbol-wird-50-ein-anlass-zum-feiern/ 

Maurice Landrieux, La cathédrale de Reims: Un crime allemand. Originalausgabe: Paris  1919.  https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k6350551b/f7.item.r=La%20cathedrale%20de%20Reims  Neue Ausgabe: Paris: Hachette/BNF  2018 (Éd 199).

Ingrid Mössinger und/et Anja Richter (Hrsg),  Imi Knoebel, Fenster für die Kathedrale von Reims/Vitraux pour la Cathédrale de Reims.  Köln: Wienand-Verlag 2013

Willibald Sauerländer, Reims. Die Königin der Kathedralen. Himmelsstadt und Erinnerungsort. Berlin/München: Deutscher Kunstverlag  2013  (Festvortrag zur 800-Jahrfeier der Kathedrale von Reims)

Willibald Sauerländer, Reims, La reine des cathédrales.  Cité céleste et lieu de mémoire.  Paris 2019 https://books.openedition.org/editionsmsh/11195  (Erweiterte Ausgabe des Festvortrags zur 800-Jahrfeier der Kathedrale)


Anmerkungen

[1] Schenkhuhn, S. 21 und Anja Richter, Chronologie zur Geschichte der Kathedrale von Notre-Dame von Reims. In: Knoebel, S. 130

[2] Sauerländer, S. 12

[3] Schenkluhn, in: Imi Knoebel a.a.O., S. 16

[4] Siehe:  https://paris-blog.org/?s=Notre+Dame+Geschichte  Die französischen Revolutionäre, die den Königen der Pariser Galerie die Köpfe abschlugen, hielten diese für Abbildungen französischer Herrscher.

[5] Ulrike Brummert, Die Kathedrale Notre-Dame von Reims. Gedächtnisort europäischer Visionen. In: Imi Knoebel, S. 138

[6] Sauerländer 64/65

[7] https://www.reims-tourism.com/statue-de-jeanne-d-arc/reims/pcucha051v508y4p

[8] Dieter Kimpel/Robert Suckale, Die gotische Architektur in Frankreich 1130-1270. Hirmer 1985  Die Bezeichnung  französisches Parthenon findet sich zum  Beispiel bei Etienne Moreau-Nélaton, La Cathédrale de Reims (Mai-juin 1915): https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k9784101q/f12.item.r=La%20cathedrale%20de%20Reims  Siehe auchCangioli, S. 14: Völlig zu Recht werde die Kirche „Königin der französischen Kathedralen“ und „Parthenon Frankreichs“ genannt.

[9] Siehe Cangioli, S. 48

[10]  Anja Richter, Chronologie zur Geschichte der Kathedrale Notre-Dame von Reims. In: Imi Knoebel, S. 130 und Schenkluhn, a.a.O., S. 16

(11) Sauerländer, S.  60;   Bild:  Le Magnifique portail de l’église cathédrale Notre-Dame de Reims. Entrée de Louis XV Roy de France et de Navarre dans la Ville de Reims, pour y être sacré, le 22 octobre 1722.  Reims, bibliothèque municipale, cote BM, FIC, X II B26    In: Willibald Sauerländer, Reims, La reine des cathédrales.  Cité céleste et lieu de mémoire.  Paris 2019 https://books.openedition.org/editionsmsh/11195

[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Monument_historique

[13] Siehe: https://www.luc.edu/medieval/labyrinths/reims.shtml  und Louis Paris, Le Jubé et le Labyrinthe dans la cathédrale de Reims (Éd.1885)  Paris: Hachette/BNF.   Auch unter: https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k380450g.r=La%20cathedrale%20de%20Reims%20le%20labyrinthe?rk=171674;4  Abgebildet waren auf dem Labyrinth die vier Baumeister der Kathedrale, Jean d’Orbais, Jean de Loup, Bernard de Soissons und Robert de Coucy.  Was die Person in der Mitte angeht, gibt es unterschiedliche Theorien:  Nach Cangioli (S. 18) handelt es sich um Robert de Coucy, der die Westfront vollendete,  http://catreims.free.fr/art012.html  vermutet, dass es eine Abbildung von  Aubry de Humbert  war,  dem Reimser Erzbischof, der nach dem Brand der alten Kirche den Bau der Kathedrale auf den Weg brachte.

[14] Siehe den Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2016/04/08/das-labyrinth-von-chartres/  

[15] Adrien Sénéchal, Notre Dame de Reims, 19. September 1914. Wiedergegeben bei Gaehtgens, Bild 34a, S. 104

[16] Siehe dazu die zeitgenössische Reportage von Albert Londres, anlässlich des Brandes von Notre-Dame de Paris 2019 wieder abgedruckt auf der Website von l’Union. Im Begleittext von Hervé Chabaud wird ausdrücklich eine Verbindung zwischen beiden Katastrophen hergestellt. https://www.lunion.fr/id58407/article/2019-04-16/quand-albert-londres-racontait-lincendie-de-la-cathedrale-de-reims  Siehe auch: Albert Londres,  Was sind neun Tage Schlacht? Frontdepeschen 1914. Zürich:  Diaphanes Verlag 2014

[17] Aus: Maurice Landrieux, La cathedrale de Reims: Un crime allemand. Abgedruckt bei Gaethgens, Farbtafel 16   Bild aus: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Plan_du_bombardement_de_Reims_Premi%C3%A8re_Guerre_mondiale.JPG

[18]  Ulrike Brummert.  In:  Imi Knoebel, S. 139 Bild der zerstörten Stadt aus: https://www.larousse.fr/encyclopedie/images/Bombardement_de_Reims_durant_la_Premi%c3%a8re_Guerre_mondiale/1313354

[19] Thomas W. Gaehtgens,  Die brennende Kathedrale. Eine Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg.   München: C.H.Beck  2018 . Gaehtgens hat kürzlich auch eine sehr lesenswerte Geschichte von Notre-Dame de Paris veröffentlicht: „Notre-Dame“. Geschichte einer Kathedrale. München: C.H.Beck 2000. Siehe die Rezension von Stefan Trinks in der FAZ vom 30.12.2020

[20] Siehe Gaethgens, S. 85

[21]  Zitiert von Damouy, Le sourire de Reims, S. 1615

Die nachfolgende Karikatur aus John Grand-Carteret. La Kultur et ses hauts faits. Caricatures et images de guerre. Paris 1916. Wiedergegeben in: Le bombardement de la cathédrale de Reims et son traitement médiatique. Herausgegeben von der Mission Centenaire 14/18 Originalunterschrift: Comment ils traitent les cathédrales. Quand un symbole ne leur convient pas, ils le détruisent barbarement. https://www.centenaire.org/fr/espace-scientifique/societe/le-bombardement-de-la-cathedrale-de-reims-et-son-traitement-mediatique  

[22] Gaethgens, Farbtafel 21. Wiedergegeben  bei: https://www.amazon.de/Die-brennende-Kathedrale-Geschichte-Weltkrieg/ (Blick ins Buch) und bei https://www.centenaire.org/fr/espace-scientifique/societe/le-bombardement-de-la-cathedrale-de-reims-et-son-traitement-mediatique  

[23] Text und Unterzeichner bei: https://de.wikipedia.org/wiki/Manifest_der_93  Siehe auch: Gaethgens, S. 87 f  Das Manifest der 93 bezog sich zwar nicht auf den Brand der Kathedrale von Reims, sondern auf die Verantwortung für den Krieg im Allgemeinen und den deutschen Vormarsch durch Belgien, vor allem den Brand der Bibliothek von Löwen im Besonderen, aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war der Bezug zum Brand der Kathedrale von Reims natürlich geradezu zwingen.

[23a] Wortlaut der Erklärung in deutscher und französischer Sprache und Liste der Unterzeichner: urn:nbn:de:bvb:29-opus4-3499

[24] Gaethgens, S. 75

[25] Bild aus Gaethgens, Farbtafel 35  (wiedergegeben in der Amazon-Vorschau).

[26] Gaethgens, S. 106/107

[27] Gaethgens Tafel 37. Abbildung auch bei: https://de.wikipedia.org/wiki/Manifest_der_93

[28] Gaethgens, S. 93. Zitat von Rodin aus einem Brief an Romain Rolland: S. 157

[29] Horst Bredekamp, Die Wiederkehr des Lichts. In: Imi Knoebel, S. 35

[30] Siehe Sauerländer, S 28/29. Entsprechend auch auf der Schautafel an der Fassade.  Teilweise wird auch für möglich gehalten, es könne sich um eine Abbildung des heiligen Dionysius (Saint Denis) handeln.  Nachfolgendes Bild aus:  https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4chelnder_Engel_von_Reims#/media/Datei:Cath%C3%A9drale_ND_de_Reims_-_fa%C3%A7ade_ouest,_portail_nord_(05).JPG

[31] http://frederic-destremau.weebly.com/lrsquoange-de-la-catheacutedrale-de-reims-ou-le-sourire-retrouveacute.html# 

[32] Demouy, Le sourire de Reims, S. 1617

[33] Bild aus: https://picclick.fr/P1394-LAnge-au-sourire-Cathedrale-de-Reims-Carte-362812113105.html  Die Postkarte ist auch abgebildet bei Gaethgens S. 118 (Abbildung 45). Siehe dazu auch: Gaethgens, S. 115 Nachfolgendes Bild von 1918 aus: http://www.ecribouille.net/une-histoire-dange-au-sourire/ 

[34] Bild aus:  https://www.catawiki.de/l/22158849-frankreich-1930-caisse-d-amortissement-sourire-de-reims-lachelnder-engel-von-reims-yvert-256

[35]  Siehe:  Vom Treffen in Colombey-les-deux-Églises bis zum Elysée-Vertrag (1958-1963): https://www.cvce.eu/de/education/unit-content/-/unit/c3c5e6c5-1241-471d-9e3a-dc6e7202ca16/9ace7108-2cc8-4152-a035-f6a3ab91cdfe

[36] Siehe dazu: https://paris-blog.org/2016/04/13/der-elysee-vertrag-mythos-und-symbol-wird-50-ein-anlass-zum-feiern/ und  https://paris-blog.org/2019/02/13/fake-news-nostalgischer-nationalismus-und-antideutsche-ressentiments-der-deutsch-franzoesische-freundschaftsvertrag-von-aachen-schlaegt-in-frankreich-wellen/ 

[37] Boulanger u.a.,  a.a.O.

[38] Siehe: https://www.revuedesdeuxmondes.fr/8-juillet-1962-adenauer-et-de-gaulle-a-reims

[39] Bei Boulanger u.a. wird  ausführlich dargestellt, dass es erhebliche Widerstände gegen den Besuch Adenauers in Reims gab. Vor allem auf Seiten der Kommunisten, aber auch ehemaliger Mitglieder des Widerstands.

[40] Siehe zu Adenauer: https://www.konrad-adenauer.de/quellen/reden/1962-07-08-rede-reims  Zu de Gaulle: Boulanger u.a., a.a.O.

[41] Ulrike Brummert. In: Imi Knoebel, S. 142/143  Gaethgens hat dieses Bild Steiners auch in sein Buch (Kapitel VII: Erinnerungsort der deutsch-französischen Freundschaft aufgenommen (Abbildung 81, S. 274):  Allerdings im Querformat, sodass die Pfeiler zur Hälfte abgeschnitten sind, was die Qualität und Aussagekraft des Bildes erheblich beeinträchtigt.

[42] https://archiv.bundesregierung.de/archiv-de/50-jahrestag-der-deutsch-franzoesischen-aussoehnung-430562!mediathek 

[43] Ulrike Brummert verweist auf die Bedeutung der erhobenen Hände Merkels und Hollandes mit den offenen Handflächen: „Die weißen Handflächen, Wohlgesinntheit demonstrierend, lassen in der Frankophonie die Redewendung montrer patte blanche (die weiße Pfote zeigen) aufscheinen, was sich ausweisen, vertrauenserweckend sein oder freundschaftlicher Absicht sein bedeuten kann.  Der metaphorische Ausdruck geht auf die Fabel ‚Der Wolf, die Ziege und das Zicklein‘ von Jean de la Fontaine zurück.“  Ulrike Brummert, In: Imi Knoebel,  S. 146 und 148

[44] Bredekamp, S. 36

[45] https://www.goethe.de/de/kul/ges/20463725.html

[46]  Foto:  IVO FABER/KUNSTSTIFTUNG NRW/DPA   Aus:Tagesspiegel vom  9.5.2015  https://www.tagesspiegel.de/kultur/imi-knoebels-glasfenster-in-reims-zeichen-der-versoehnung/

[47] Gaethgens, S. 281

[48] Bredekamp, Die Wiederkehr der Farben. In: Imi Knoebel, S. 36 und 37

[49] Stefan Trinks, Ohne Aussage, mit Licht. In Abgrenzung zu den Überzeugungen seines Lehrers und Übervaters Beuys: Zum achtzigsten Geburtstag des Malers Imi Knoebel. FAZ 30.12.2020,  S. 12

[50] Bredekamp, S. 38

Weitere geplante Beiträge:

  • Reims, der Champagner und die Deutschen: „Die ungekrönte Königin von Reims“. Ein Gastbeitrag von Pierre Sommet
  • Die Bäderstadt Vichy: Der Schatten „Vichys“ über der „Königin der Kurbäder“
  • Pierre Soulages in Rodez und Conques