Das Hotel Lutetia (1): Ein Bauwerk zwischen Art Nouveau und Art Déco im neuen Glanz

In einem Bericht über das nach vierjähriger Renovierung 2018 wieder eröffnete Hotel Lutetia in Paris schreibt die Süddeutsche Zeitung:

„Könnte man alle Gäste des vergangenen Jahrhunderts hier versammeln, dann stünden nicht nur Charles de Gaulle, Pablo Picasso und Heinrich Mann gemeinsam an der Bar,“ dann träfen in der Lobby auch deutsche Offiziere des militärischen Geheimdienstes, der von 1940-1944 das Hotel requirierte, auf Überlebende deutscher Vernichtungslager, die dort 1945 aufgenommen wurden.[1]

Das Hotel Lutetia, das einzige Grand Hotel  auf der linken Seine-Seite, ist, das wird schon hier deutlich, nicht nur ein „Hotel der großen Namen“[2] – die drei von der Süddeutschen Zeitung Genannten sind nur eine sehr kleine Auswahl- sondern auch ein Hotel voller Geschichte – und Geschichten.

Und es ist ein herausragendes Bauwerk  zwischen  Art-Nouveau (Jugendstil) und Art Déco, das nach längerer Renovierung und Umgestaltung jetzt wieder in neuem/alten Glanz erstrahlt.[3]

Dementsprechend  gibt es auch zwei Beiträge zum Hotel Lutetia. Den nachfolgenden über das Bauwerk und einen weiteren über seine hundertjährige wechselhafte Geschichte, in dessen Zentrum der cercle Lutetia stehen wird. Damit ist der Versuch deutscher Hitler-Gegner  bezeichnet,  in den 1930-er Jahren eine deutsche Volksfront nach französischem Vorbild zu schaffen. Schauplatz dieses von Heinrich Mann präsidierten Versuchs  war das Hotel Lutetia – eines der vielen faszinierenden Kapitel der Geschichte dieses Hotels.

Zunächst also zum Bau:

Einen schönen Blick auf das Lutetia hat man von dem  Denkmal der Madame Boucicaut  aus, das sich in der kleinen gegenüber liegenden Grünanlage, dem Square Boucicaut,  befindet.

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Diese ist benannt nach Aristide Boucicaut, der im 19. Jahrhundert zusammen mit seiner Frau Marguerite das auf der anderen  Seite der Anlage gelegene Kaufhaus  Bon Marché zum ersten großen und damals weltweit führenden Warenhaus entwickelte.[4] Mit dem Bon Marché wollten sie ihre damals revolutionären Verkaufsideen in großem Stil verwirklichen: Auf 7 Etagen gab es, bei offenen Türen und fest ausgezeichneten Preisen,  rund um Einrichtung und Kleidung alles zu kaufen, was damals neu und modisch war. Es gab Rabattaktionen, Sammelbildchen und Bon-Marché-Luftballons für Kinder, die damit zu Werbeträgern wurden….  Und ein großer Fuhrpark mit Pferdegespannen stand bereit, die erworbenen Waren den Käufern nach Hause zu liefern: Eine „cathédrale de commerce pour un peuple de clients“, wie es Emile Zola in seinem Roman „Au bonheur des dames“ nannte. Zu diesem quasi sakralen Charakter des Kauf-Tempels trug natürlich auch seine Architektur bei, und die hatten die Boucicauts Louis-Charles Boileau, einem Schüler des großen Viollet-le-Duc anvertraut, und für die Metallkonstruktionen war niemand Geringeres als Gustav Eiffel verantwortlich!  Marguerite Boucicaut  setzte nach dem Tod  ihres Mannes dessen Arbeit  fort und  unterstützte eine Vielzahl karitativer Einrichtungen, vor allem aber  ihre Angestellten, deren soziale Fürsorge ihr in bestem paternalistischen Sinne sehr am Herzen lag, Dieses Engagement  wird durch das Denkmal gewürdigt.

Zwischen dem Kaufhaus Bon Marché und dem Hotel Lutetia gibt es aber nicht nur die räumliche Nähe und die Verbindung durch den Square Boucicaut:  Das  1910 eingeweihte Hotel verdankt nämlich seine Entstehung dem Kaufhaus: Es war vor allem für wichtige auswärtige Kunden und Lieferanten bestimmt, die in der Nähe des Kaufhauses  ihrem Lebensstil entsprechend logieren konnten: „Le MAXIMUM du confort et du bien-être pour le MINIMUM de dépense“, wie es 1919 in einer Werbung für das Hotel hieß. Es war deshalb auch nicht ganz so protzig ausgestaltet wie das Ritz, das Carlton, das Majestic oder das George V auf der anderen Seite der Seine.[5]

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Ducken oder gar verstecken brauchte und sollte sich das Lutetia aber durchaus nicht. Betrachtet man vom Square Boucicaut  aus die Fassade des Hotels,  bekommt man einen Eindruck von der Bedeutung und dem Selbstbewusstsein der Bauherren.  Außergewöhnlich ist allein schon die stark rhythmisierte Fassade, vor allem  aber die einem Schiffsbug nachempfundene Rundung an der Ecke von Boulevard Raspail und Rue de Sèvres. Von daher wurde der Bau ja auch gerne „célèbre paquebot parisien“ genannt.[6]

Mit dieser Architektur grenzt sich das Hotel  demonstrativ ab von der Gradlinigkeit und teilweisen Uniformität der Haussmann‘schen Fassaden.  Und die Assoziation mit dem Schiffsbug ist sicherlich gewollt: Das Hotel trägt immerhin den Namen Lutetia, der  in großen Lettern und unübersehbar auf die Fassade gemeißelt ist. Es ist der Name der römischen Siedlung auf der linken Seine-Seite, bevor die Stadt dann den Namen des keltischen Stamms der Parisii übernahm. Das Hotel hat dann auch gleich ziemlich auftrumpfend  das Wappen der Stadt als ihr Logo übernommen: Ein unsinkbares Schiff auf hoher See mit dem Leitspruch: Fluctuat nec mergitur. (Sie wird von den Wellen hin und her geworfen, aber sie sinkt nicht). Das gilt für Paris, aber es soll auch für das Hotel gelten.

017 Lutetia Schild mit Schiff

Dem Schiff auf hoher See begegnet man gleich  im Eingangsbereich des Hotels hinter dem Portal: Ein großes Mosaik, das noch aus der Entstehungszeit des Hotels stammt, aber dann lange verdeckt war.

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Dass das Hotel –wie schon das benachbarte Kaufhaus-  architektonisch auf der Höhe der Zeit war, dafür bürgten der Architekt Louis-Hippolyte Boileau, der Sohn des Architekten des Bon Marché, und der Bildhauer Paul Belmondo, der Vater des Schauspielers Jean-Paul Belmondo, der für die reichen Verzierungen der Fassade verantwortlich zeichnete.

Eine besondere Rolle spielen bei der Ausschmückung der Fassade Weinlaub und -trauben, Blumen und Vögel. Das erinnert an die Geschichte, als an den Hängen des Montparnasse noch Wein angebaut wurde und an die Gärten, die es einmal dort gab, wo jetzt das Hotel steht. Die Ornamente sind aber auch ein wichtiges Element des in Paris  ja sehr lebendigen Baustils des Art Nouveau, der hier gewissermaßen seinen Abschluss findet.[7]

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Seit 2018 erstrahlt die Fassade wieder in altem Glanz. In den Jahren davor war sie teilweise mit Netzen verhangen, um Passanten vor möglicherweise herabstürzenden Fassadenteilen zu schützen. Dann war sie vier Jahre lang mit einer Attrappe und einem Werbeplakat verdeckt.

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Foto der Fassade aus dem Jahr 2016

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Der Haupteingang des Hotels  Boulevard Raspail und sein mit Jugendstilelementen verziertes Vordach

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Vor allem aber wurde das Hotel innen grundlegend renoviert, saniert und –zum Beispiel durch den Einbau  eines Marmor-Schwimmbads- auf das Niveau eine 5-Sterne-Hotels gehievt. Allerdings betonen die Verantwortlichen des Hotels  seine Sonderstellung unter den Luxushotels der Stadt:  Immerhin ist es das einzige rive gauche, also des Universitäts- und Künstlerviertels. Und es ist –nach Einschätzung von Le Monde-  „l’hôtel le plus ‚intello‘ de Paris“.  Angesprochen werden sollen nicht Geschäftsreisende und russische oder nahöstliche Milliardäre,  sondern –sicherlich wohlhabende- Besucher aus aller Welt, die von dem Flair der Kulturmetropole Paris und der rive gauche angezogen werden.  Das Hotel soll nach den Worten seines Direktors ein Hotel bleiben, in dem nicht Unternehmen die Rechnung bezahlen, sondern die Kunden selbst, und das sollen Menschen sein, die nicht nur Luxus wollten, sondern Authentizität.[8]

Die Bewahrung der besonderen Authentizität des Lutetia war –wie auch schon bei der Renovierung des Hauses der Mutalité[9]– ein besonderes Anliegen des verantwortlichen Architekten, Jean- Michel   Wilmotte.[10] Allerdings war die Aufgabe beim Lutetia besonders delikat: Denn zunächst einmal wurde vor der Renovierung gewissermaßen tabula rasa gemacht: Das Hotel wurde leer geräumt, über 3000 Objekte wurden versteigert, darunter die noch erhaltenen Möbel der Erstausstattung – natürlich damals geliefert vom Bon Marché-  dazu Kunstgegenstände, die im Verlauf der 100-jährigen Geschichte zusammengekommen waren, oft von Künstlern wie César (César Baldaccini) oder Arman (Armand Pierre Fernandez) gestaltet, die dem Lutetia in besonderer Weise verbunden waren.  So beherbergte das Lutetia gewissermaßen eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Damit war es mit der vorläufigen Schließung des Hotels 2014 vorbei – ebenso mit der  der etwas verstaubt- altertümlichen,  aber anheimelnden Salon-Atmosphäre aus Plüsch und noblem Nippes.

Zwei Objekte aus der früheren Einrichtung des Lutetia

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Hier der Salon vor der Renovierung  mit der Skulptur „Clarté“  von Max le Verrier.[11] Für diese  Frauenfigur mit dem Licht in den ausgestreckten Händen standen gleich drei Frauen Modell: eine für den Kopf, eine für die Brust und eine dritte für die Beine.

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Sie wurde 1985 in der Ausstellung „Lumières“ im Centre Pompidou gezeigt. Der  Wikipedia-Artikel über Max le Verrier gibt noch an, zwei Exemplare der Skulptur seien im Hotel Lutetia zu sehen. Aber das war einmal….[12]

Authentizität hat das Hotel mit seiner neuen Sachlichkeit sicherlich verloren. Es hat aber Authentizität hinzugewonnen, indem bei der Neugestaltung durch Wilmotte ursprüngliche Elemente von Jugendstil und Art Déco besonders  zur Geltung gebracht wurden.

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so die originale Drehtür und Lampen im Foyer mit seinen schon von der Fassade bekannten Stuck aus Wein und Vögeln.

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… oder die zentrale Halle mit ihren Jugendstilornamenten und dem –noblesse oblige- Lutetia-Wappen ….

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und dem weiß verputzten Tonnengewölbe mit seinen Stuck- Olivenzweigen nachempfundenen Stuckelementen.

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Von der zentralen Halle aus erreicht man unter anderem die Bar. Sie ist nach Josephine Baker benannt, die früher zu den Stammgästen des Hauses gehörte. Vielleicht hat sie dort auch –nur mit Bananen bekleidet- einen ihrer legendären Tänze aufgeführt.[13]

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Es  steht auch schon –wie früher- das Klavier bereit – auch wenn es wohl nicht mehr das aus dem von Jacques Dutronc geschriebenen Song des französischen Sängers Eddy Mitchell Au bar du Lutetia ist.[14] Das  Lied erinnert an Serge Gainsbourg,  „der auf seinen nächtlichen Eskapaden durch Saint-Germain-des-Près immer irgendwann in der Bar des Hotel Lutetia landete.“ [15]

Er setzte sich dann, so singt es Mitchell, einfach ans Klavier, das seine Stimme schon kannte, sang  As time goes by oder spielte vierhändig mit den Musikern. Der Kellner brachte ihm, je nachdem, ob  er gut oder schlecht gelaunt aussah, einen „102“ (doppelter Pastis) oder einen Bloody Mary.

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Um ihn herum leicht bekleidete Top- Model- Frauen, die darauf warten, dass sich der Mann mit dem Wuschelkopf in einen Wolf verwandelt. Und  die schicken Gäste finden all das amüsant. Jetzt –das Lied ist 2003 nach dem Tod Gainsbourgs geschrieben-  spiele der Pianist des Lutetia  alleine, während der Freund mit den Engeln trinke.

Maintenant, ça n’est plus ça 
Au bar du Lutetia.

Donnerstags, freitags und samstags  gibt  es  im neuen Lutetia zwischen 19.30 und 22.30 kleine Jazzkonzerte in der Bar Joséphine (15a) – ein idealer Ort für einen Apéro…

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Das Ambiente ist nämlich einzigartig:  Bei der Renovierung wurden  Jugendstil-Fresken von Adrien Karbowsky aus der Entstehungszeit des Hotels entdeckt, freigelegt und sehr aufwändig restauriert.

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Sie sind inspiriert von den Klostergärten, auf deren  Boden das Hotel  1910 erbaut wurde.[16]

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Die großen Fenster zur Straße lassen viel Licht in den Raum und stellen nach dem Selbstverständnis des Hotels gewissermaßen ein demokratisches Element dar:  Sie ermöglichen den Blick der Gäste nach draußen und der Passanten nach innen- anders übrigens als in anderen Pariser Hotels dieser Kategorie.

Einziger Schönheitsflecken nach Ansicht der Zeitung Le Parisien, der ich mich nur anschließen kann: Der nicht gerade einladende Preis für ein Tässchen Kaffee:, nämlich 7 Euro[17], der dann vielleicht doch die Pariser des Viertels abschrecke …

Einen Blick zumindest sollte man auch in das Restaurant „Saint Germain“ werfen. Die ursprüngliche Glasdecke des Raums wurde übernommen, allerdings von dem Maler Patrice Hyber bunt bemalt, so dass  sich bei Sonne die Farben an den Wänden spiegeln.

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Und die Motive passen zu dem ursprünglichen Konzept des Hotels- es  könnten ja gewissermaßen die Puppen und Spielzeuge sein, die die Gäste 100 Jahre zuvor im Kaufhaus Bon Marché gekauft haben. Anders als in der Brasserie des Hotels, die im Januar 2019 in Betrieb geht und von dem 3-Sterne Koch Gérald Passédat geleitet wird, soll das Essen in dem Restaurant einigermaßen erschwinglich sein: Von Montag bis Freitag wird ein déjeuner für 28 Euro angeboten (Fleisch, Fisch und vegetarisch zur Auswahl). Und man hat, wie der Parisien in seiner Ausgabe vom 2. November 2018 mitteilt, dabei gute Aussichten, als Zugabe „têtes connues“  wie Isabelle Huppert, Claude Lelouche oder den früheren Ministerpräsidenten Lionel Jospin zu sehen….

Ein Gewinn für das neue Lutetia ist sicherlich auch der Innenhof.  Bei den Renovierungsarbeiten wurde die bisherige Decke entfernt, so dass jetzt gewissermaßen eine offene innere Terrasse entstanden ist.

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Und die schönen Verzierungen der Wände –und natürlich auch das Lutetia- Wappen- sind jetzt sichtbar.

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Und dann gibt es natürlich noch den wunderbaren Salon Cristal – früher Salon Président-  in dem sich in den 1930-Jahren deutsche Antifaschisten versammelten, um eine deutsche Volksfront zu bilden. Aber dazu mehr im zweiten Teil dieses Beitrags.

 

Versuch einer Bilanz

Das Hotel hat durch die Renovierung zwar einiges an sympathisch-verstaubtem  Charme eingebüßt, aber es hat auch einiges dazugewonnen. Die Absicht Wilmottes war es, diesem  „außergewöhnlichen und legendären Ort“ seinen alten Glanz zurückzugeben und es den Anforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen. Dazu seien die Architekturelemente von Art Nouveau und Art Déco eine Verbindung mit modernem Design eingegangen.[18]  Pierre Assouline, immerhin Autor eines schönen Romans über das Hotel Lutetia und Jury-Mitglied des Prix Goncourt, findet jedenfalls die Renovierung „wirklich gelungen. Es war höchste Zeit, dass man das Lutetia ein bisschen auffrischt. Natürlich gibt es immer die Nostalgiker, nur hatte das Hotel ja so, wie es zuletzt war, sowieso nichts mehr mit dem  Ursprung zu tun. Es war wahnsinnig dunkel, Fresken waren übermalt, Glasüberdachungen zugemauert. … Es wirkte langsam wirklich heruntergekommen.“[19]

Nach einem Rundgang durch die „Gemeinschaftsräume“ des Hotels im Erdgeschoss kann man sich diesem Urteil anschließen. Aber dann gibt es natürlich –wir befinden uns ja in einem Hotel- auf 7 Etagen  137 luxuriöse Zimmer und 47 Suiten, von denen einige über eine private Panorama-Terrasse verfügen und für die die Nacht bis zu 25 000 Euro kostet. Ein „normales“ Zimmer ist laut booking.com  „schon“ ab 750 Euro zu haben. Dazu neuerdings auch ein marmornes Schwimmbad mit Spa-Abteilung, was wohl notwendig ist, wenn man ein 5-Sterne-Hotel sein und sogar in die exquisite und exklusive Gruppe der „palace“-Hotels aufsteigen will.[20]  Die Zimmer verbreiten nach unserem Eindruck allerdings eher den  Eindruck eines etwas beliebigen aseptischen Luxus, aber wahrscheinlich gab es da –anders als im Erdgeschoss- keine verborgenen architektonischen Schätze aus Jugendstil und Art Déco zu heben. (Die Suiten mit grandiosem Blick auf Eiffelturm und Invalidendom konnten wir leider nicht sehen, da waren noch die Renovierungsarbeiten in vollem Gang).

Es wird sich zeigen, ob Assouline recht behält oder die Nostalgiker, ob Catherine Deneuve und Milan Kundera, die ein Gang von nur fünf Minuten vom „Lutetia“ trennt,  bereit sein werden,  sich mit dem  neuen Lutetia „in alter Treue zu verbinden“[21] und ob es noch einmal eine  solche Liebeserklärung an das neue  Lutetia geben wird wie die von Juliette Gréco[22]:

Je vais au Lutetia!

D’accord retrouvons-nous là.

Nous y sommes tous allés

Nous y retournons tous

Toujours avec au cœur

Ou au corps des raisons diverses

La plus importante étant la ‚Rencontre‘

Il y a toujours un visage, une voix, une musique

qui fait que nous sommes plus heureux, plus

riches, plus fous qu’ailleurs.

J’y ai retrouvé ma mère, ma sœur, survivantes.

J’y retrouve ceux que j’aime aujourd’hui

Autour d’un verre, d’un plat, d’un gâteau…

C’est bon et c’est vivant, chaleureux et élégant.

Merci

À tout de suite 

Juliette Gréco

 

 

Literatur:

Willy Jasper, Hotel Lutetia. Ein deutschen Exil in Paris. München/Wien 1994

Pierre Assouline, Lutetia. Roman. Paris: Gallimard 2005. Deutsche Ausgabe: Lutetias Geheimnisse. München 2006

Pascaline Balland d’Almeida, Hôtel Lutetia. L’esprit de la Rive Gauche. Paris 2009

 

 Anmerkungen

[1] https://www.sueddeutsche.de/reise/frankreich-pariser-chic-1.4058103

[2] http://www.faz.net/aktuell/stil/drinnen-draussen/lutetia-das-hotel-der-grossen-namen-feiert-wiedereroeffnung-15687572.html (FAZ vom 12.7.2018)

[3] Ein Dank an Mme Servat-Moscovici, die sich die Zeit genommen hat, uns das neue Lutetia zu zeigen. Merci!

[4] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/geschichte-der-warenhaeuser-kathedralen-des-handels/1797958.html

[5] http://www.leparisien.fr/paris-75/l-hotel-lutetia-ressuscite-les-traces-de-son-glorieux-passe-20-09-2016-6134055.php

Bild aus: http://foodandsens.com/made-by-f-and-s/chefs-on-parle-de-vous/le-nouvel-hotel-lutetia-paris-a-ouvert-ses-portes-cette-semaine/

[6] http://lartnouveau.com/belle_epoque/architectes_paris/lutecia.htm

[7] Siehe die beiden Beiträge über Hector Guimard auf diesem Blog: Hector Guimard, Jugendstil in Paris. https://wordpress.com/post/paris-blog.org/9873 und Hector Guimard in Paris (2): Die Synagoge in der rue Pavée und das Grabmal auf dem Père Lachaise. https://wordpress.com/post/paris-blog.org/10036

[8] https://www.lemonde.fr/economie/article/2014/04/12/lifting-cinq-etoiles-pour-le-lutetia_4400212_3234.html

[9] Siehe den entsprechenden Blog-Beitrag über das Haus der Mutualité: https://wordpress.com/post/paris-blog.org/10658

[10] http://www.wilmotte.com/fr/projet/388/Le-Lutetia-hotel-5

[11] Bild aus: Pascaline Balland d’Almeida, Hôtel Lutetia. L’esprit de la Rive Gauche. Paris 2009

[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Le_Verrier

[13] https://www.welt.de/kultur/article127401146/Hier-wohnten-Hitlers-Gegner-dann-seine-Spione.html

[14] https://www.paroles.net/eddy-mitchell/paroles-au-bar-du-lutetia

[15] Zitiert und nachfolgend zum Teil übernommen von: https://www.zeit.de/entdecken/2018-07/hotel-lutetia-saint-germain-des-pres-wiedereroeffnung

(15a) Das jeweils aktuelle Programm auf der homepage des Hotels unter der Rubrik „le Jazz auf Lutetia“:   https://www.hotellutetia.com/fr/bar-josephine

[16] http://www.leparisien.fr/paris-75/paris-au-bar-josephine-on-redecouvre-le-lutetia-27-08-2018-7866162.php

[17] http://www.leparisien.fr/paris-75/paris-au-bar-josephine-on-redecouvre-le-lutetia-27-08-2018-7866162.php

[18] https://inthemoodforhotelsdeluxe.com/2018/01/11/ouverture-de-lhotel-lutetia-au-printemps-2018-premieres-informations/

[19] Zitiert in: https://www.zeit.de/entdecken/2018-07/hotel-lutetia-saint-germain-des-pres-wiedereroeffnung

[20] https://www.france.fr/fr/paris/article/dans-les-coulisses-de-la-renovation-de-lhotel-lutetia-a-paris

[21] https://www.welt.de/kultur/article127401146/Hier-wohnten-Hitlers-Gegner-dann-seine-Spione.html

[22] Hôtel Lutetia Paris, S. 7

 

Geplante weitere Beiträge

  • Der Erste Internationale Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur 1935 im Haus der Mutualité in Paris
  • Street-Art in Paris (4): M Chat, Miss Tic und Fred le Chevalier
  • Das Hotel Lutetia (2): Geschichte und Geschichten
  • Die Petite Ceinture, die ehemalige Ringbahn um Paris: Kinder und Kohl statt Kohle und Kanonen

4 Gedanken zu “Das Hotel Lutetia (1): Ein Bauwerk zwischen Art Nouveau und Art Déco im neuen Glanz

  1. schneiderfrwanadoofr

    Lieber Wolf, nach unseren klimatisch trüben Tagen im Elsass (wir waren in Saverne, also zu weit entfernt von deinem Tipp) sind wir nun seit zwei Tagen wieder zurück in Montpellier. Heute nun bis ich auf deine Mail gestoßen bzgl. “Lutetia” und mir ist unser Gespräch über die Waldenser eingefallen. Gibt es denn eine Möglichkeit, die beiden Beiträge herunter zu laden, damit ich sie mir mal in Ruhe anschauen kann? Habt einen guten Start im neuen Jahr und auf bald im Süden Franz

    >

    Liken

  2. christiandoiwa

    Lieber Wolf, Am ersten Tag des neuen Jahres las ich – noch leicht verkatert – Deinen schoenen Beitrag ueber das Hotel Lutetia. Wie immer sehr interessant! Jetzt freuen Martina und ich uns schon auf den zweiten Teil! Vielen Dank und alles Gute im Neuen Jahr, Christian

    Von meinem iPhone gesendet

    >

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