François Hollande: Abgesang auf einen allzu normalen Präsidenten

Am 1. Dezember hat der französische Präsident angekündigt, auf die  Kandidatur für eine erneute Amtszeit zu verzichten. Es ist dies ein einzigartiger Vorgang  in der Geschichte der 5. Republik Hollande zieht damit die wohl einzig richtige Konsequenz aus seiner aktuellen Situation: Seine Popularität ist –auch einzigartig in der 5. Republik- derart am Boden, dass schon seine Aussichten, auch nur die Vorwahlen der sozialistischen Partei zu gewinnen, gering waren: Eine größere Demütigung für einen Präsidenten wäre kaum vorstellbar gewesen. Und selbst wenn er diese Vorwahlen –allen Prognosen zum Trotz- doch noch gewonnen hätte: Ob er es dann bei den Präsidentschaftswahlen in den zweiten Wahlgang geschafft hätte, wäre wohl noch unwahrscheinlicher gewesen. Diesen Zweikampf werden wohl François Fillon und Marine Le Pen bestreiten…

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Bild aus: http://www.lexpress.fr/actualite/politique/elections/inconsciemment-hollande-avait-integre-qu-il-ne-se-representerait-pas_1856571.html

Über die Bilanz des Präsidenten Hollande ist in den letzten Tagen in Frankreich und sicherlich auch in Deutschland viel geschrieben worden. Darauf muss nicht noch einmal eingegangen werden. Es gibt aber einen zentralen und ausgesprochen französischen Aspekt der Beurteilung, auf den ich hier  hinweisen möchte: Die präsidiale Statur Hollandes. In Frankreich hat der Präsident der 5. Republik ja den Rang eines „republikanischen Königs“, sein Amtssitz wird gerne als „château“ bezeichnet, seine Machtbefugnisse sind aus deutscher Sicht äußerst weit gefasst,  seine Auftritte werden oft mit einem an vorrevolutionäre Zeiten erinnernden Pomp inszeniert.

Übersieht man die (vorläufigen) „Nachrufe“  französischer Medien auf die Präsidentschaft Hollandes, so sind durchaus deutliche Unterschiede erkennbar:  Da ist im Leitartikel des „Figaro“  vom 2.12. –nicht weiter überraschend-  von einem „quinquennat nul et non avenu“  (einer null- und nichtigen Amtszeit) und einem „président qui ne l’était pas“ (einem Präsident, der keiner war) die Rede, der Herausgeber von „Libération“ , Laurent Joffrin, (2.12., S.3) sieht durchaus Positives, was dann mit der Zeit auch anerkannt werde und Le Monde, auch wenn sie insgesamt von einem „échec“ (Scheitern) Hollandes spricht,  zieht eine abgewogene Bilanz der  Amtszeit Hollandes in wichtigen Bereichen von Politik und Wirtschaft.

In einem Punkt allerdings scheint weitgehende Einigkeit zu herrschen:

Der französische Präsident, der sich im Wahlkampf als „président normal“ präsentiert habe, habe es, abgesehen von seinen Auftritten als Kriegsherr im Kampf gegen den inneren und äußeren Terrorismus-  nicht verstanden, die Würde seines Amtes hinreichend zu verkörpern, wie der Leitartikler von Le Monde schreibt. „le président ‚normal‘ François Hollande n’est pas parvenu à incarner pleinement, aux yeux des Français, la gravité de la fonction“.  Entsprechend heißt es auch später in der Besprechung des Film von Jean-Michel Djian über François Hollande, le mail-aimé (2017): 

.“ce ‚président normal‘ que tout le monde trouves certes sympathique, empathique et chaleureux, mais que n’a pas su endosser le costume d’un chef d’Etat.“(0)

Ein umso bemerkenswerteres Urteil, als es gerade die Zeitung le Monde war, die –anschaulich vor allem in den Karikaturen ihres Zeichners Plantu – die angekündigte « Normalität » des Präsidenten  Hollande zunächst mit einiger Sympathie kommentiert hat.[1]

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Nach den Erfahrungen der Amtszeit Hollandes urteilt Le Monde aber kritisch über die « Normalität » des Präsidenten –  und ganz entsprechend auch  Libération: „le grand échec de Hollande a été cette fameuse incarnation présidentielle. Il s’était présenté ‚normal‘. Il a fini dans l’anormalité des tréfonds de l’impopularité.“ (2. Dez., S. 3) (Das große Scheitern Scheitern bestand in dieser berühmten Verkörperung der Präsidialität. Er stellte sich (im Gegensatz zu Sarkozy, W.J.) als „normal“ dar.          Und er endete in der Anormalität abgrundtiefer Unpopularität.)

Zuletzt war es in diesem Jahr die Veröffentlichung eines Buches von zwei Le Monde-Journalisten mit Gesprächen, die sie mit dem Präsidenten geführt hatten, das zu diesem Verdikt beitrug.  Der aufschlussreiche Titel des Buchs „Un président ne devrait pas dire ça“- Ein Präsident sollte so etwas nicht sagen.  Hollande äußert sich darin abschätzig über alle möglichen Institutionen und Personen: etwa über hohe Instanzen der Justiz, prominente Parteifreunde wie den Parlamentspräsidenten oder die Mitglieder der französischen Fußballnationalmannschaft. Was Hollande geritten hat, der Veröffentlichung eines solchen Buches zuzustimmen, ist ein Rätsel. Er präsentiert sich hier als  „Plaudertasche“, die ohne Rücksicht auf die zu erwartenden Konsequenzen aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. Die  Reaktionen waren denn auch von einer kaum zu überbietenden Heftigkeit, Ministerpräsident Valls etwa kündigte dem Präsidenten die Gefolgschaft auf.  Der Nouvel Observateur bezeichnete denn auch den Titel des Buchs als Grabinschrift auf dem Epitaph des Präsidenten Hollande.[2]

Für den Leitartikler des Figaro (2.12., S.1) ist  dieses Buch „accablant  de concentré de cynisme et d’autosatisfaction, reflet d’un Narzisse au miroir des journalistes“ (eine niederschmetternde Mischung aus Zynismus und Selbstzufriedenheit eines sich im Spiegel der Journalisten sonnenden Narzis‘). Damit habe das Buch zu dem „abaissement sans équivalent de la fonction pésidentielle“ (einer beispiellosen Abwertung der präsidentiellen Funktion) beigetragen. Die Präsidentschaft Hollandes sei „sans grandeur ni vision“ gewesen bis hin zur Lächerlichkeit.  

Und der Figaro verweist in diesem Zusammenhang auch auf Hollands nächtliche Scooter-  Eskapaden, die Anfang 2014 Furore machten. Ich habe damals dazu einen kleinen Text geschrieben, in dem es darum ging, was ein französischer Präsident tun darf oder vielleicht besser lassen  sollte. Dieser Text erhält angesichts des angekündigten Rückzugs von Hollande und der Kritik an seiner unzureichenden „Präsidiabilität“ eine gewisse erneute Aktualität. Ich füge ihn deshalb ohne weitere Kommentare und Anmerkungen hier an.

 

 

Was ein Präsident nicht tun darf: Vaudeville im Elysée-Palast  (Februar 2014)

Seit am 9. Januar 2014 das Magazin Closerdie heimliche Liebe des Präsidenten“ publik machte, schlägt das Thema große Wellen in Frankreich. Das gilt natürlich vor allem für die sogenannte People-Presse, die das Thema weidlich und genüsslich ausschlachtet und damit den sinkenden Auflagenzahlen einen ungeahnten Aufschwung verleiht.[3]

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In unseren Pariser Alltagsgesprächen spielt das Thema aber auch eine Rolle. Mein Bekannter im Schwimmbad beispielsweise, mit dem ich mich gerne in der Umkleidekabine etwas unterhalte, findet, der Präsident solle sich mal lieber mehr ums Regieren kümmern. Das sei dringend nötig. Eine Freundin findet das alles nur schlimm und abstoßend und ist tief enttäuscht von Hollande, während für einen anderen Freund das Privatleben eines Präsidenten überhaupt kein Thema ist und es auch für die Öffentlichkeit Tabu sein sollte.

Karikaturisten sehen das natürlich anders. Für sie sind die nächtlichen Roller-Ausflüge des Präsidenten ein gefundenes Fressen.

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Der von uns sehr geschätzte Karikaturist von Le Monde, Plantu, der den „président normal“ bisher gerne in einen deux chevaux, eine alte Ente von Citroën, setzte, ließ  ihn jetzt auf einem Roller und gleich zwei Damen auf dem Sozius –natürlich seine (ehemalige)  Partnerin Trierweiler und seine Geliebte Julie Gayet-  beim Papst vorfahren, um sich bei ihm Rat zu holen. (Le monde 24.1.)  Und ein anderer retouchierte in ein Bild François Hollandes bei seiner Pressekonferenz vom 14. Januar einen Helm.

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Das offizielle Thema der Veranstaltung war natürlich Hollandes ökonomisches „coming out“, wie es ein Kommentator von Le Monde nannte- also sein bemerkenswerter Wechsel von einem sozialistischen Wahlkämpfer, der der Welt der Finanz den Krieg erklärte und für Großverdiener einen Steuersatz von 75% einführen wollte, zu einer die Unternehmen begünstigenden Angebotspolitik.. Aber natürlich war –trotz der (nur) für ausländische Beobachter erstaunlichen Zurückhaltung der französischen Journalisten-  das Privatleben des Präsidenten ein unterschwelliges und mit dem Motorradhelm bezeichnetes Thema.

Ein Indiz für dessen große Resonanz sind auch die Internet-Foren: Zum Beispiel gab es  nach der offiziellen Bekanntgabe der Trennung Francois Hollandes von seiner Partnerin Valérie Trierweiler zu der entsprechenden Meldung in der Internet-Ausgabe der Tageszeitung Le Figaro innerhalb von knapp 24 Stunden insgesamt 1024 Kommentare, was absolut außergewöhnlich ist. Dass sie fast durchweg nicht sehr schmeichelhaft für den Präsidenten waren, ist –gerade bei einem konservativen Blatt wie dem Figaro- nicht weiter erstaunlich, aber neutrale oder positive Reaktionen nach dem Motto „Warum denn nicht?“ oder „Ist doch schön und kann für Frankreich nur von Vorteil sein, wenn’s ihm gut geht“ waren kaum oder gar nicht vertreten.[4]

Unterhaltsam ist die Geschichte auf jeden Fall. Es gibt sogar schon ein Computerspiel, ein „jeu du scooter“ mit dem Titel: „Aidez François à rejoindre Julie!“ (Helfen Sie Francois dabei, Julie zu treffen).

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Der Spieler hat die Aufgabe, das Zweirad des Präsidenten zu seiner Geliebten zu steuern. Der Weg dorthin ist allerdings mit Hindernissen gespickt, die überwunden werden müssen: Denn natürlich wollen ihm Valérie Trierweiler, Ségolène Royal und die Paparazzi den Weg versperren….[5]

Le „vaudeville elyséen“

Der hohe Unterhaltungswert des präsidialen Privat- und Liebeslebens wird gerne mit dem Begriff Vaudeville bezeichnet, der sich derzeit einer großen Beliebtheit in den französischen Medien erfreut und Chancen hat, Wort des Jahres in Frankreich zu werden.[6] Gemeint ist damit ein unterhaltsames Volkstheater, in dem bevorzugt die Beziehungsfetzen fliegen. Frankreich liebe den Vaudeville, schreibt Christoph Barbier in seinem Leitartikel im Express vom 22.1., seit ihn Georges Feydeau in der Belle Epoque populär gemacht habe. Und heute tröste sich Frankreich  über seinen Niedergang hinweg, indem es sich über die präsidialen Liebschaften amüsiere.[7] Wie stark Franzosen derzeit von dem Gefühl eines Niedergangs ihres Landes beherrscht sind, zeigen aktuelle Umfrageergebnisse: Es sind immerhin 85% der Franzosen, die dieses Gefühl haben.[8] Und 60% der Franzosen glauben, dass die Jüngeren im Vergleich zur Elterngeneration vom sozialen Abstieg betroffen seien – gegenüber (für mich etwas erstaunlich) nur 7% der Deutschen. Keine guten Aussichten also. Insgesamt ergibt die Befragung das Bild eines Landes, das mehrheitlich Furcht hat, das von seinem Abstieg überzeugt ist und von dem Rückzug auf sich selbst und – damit zusammenhängend- von einer Zurückweisung der Anderen, nicht dazu-Gehörenden, geprägt ist.[9] Der „vaudeville élyséen“[10] kommt also gerade recht.

Und das Liebesleben des Präsidenten hat ja nun auch alles von einem gelungenen Vaudeville: Da verlässt der Präsident heimlich nachts auf einem Scooter den Elysée-Palast. Gefahren wird er wohl von einem Sicherheitsbeamten, aber den für einen französischen Präsidenten geltenden Sicherheitsanforderungen entspricht das ganz und gar nicht. Als der Präsidentschaftskandidat und Zweirad-Fan Hollande jedenfalls im März 2012 bei der Polizei anfragte, ob er als Präsident weiter Motorrad fahren dürfe, wurde ihm geantwortet, das ginge durchaus. Allerdings mit einem Wagen davor, einem dahinter und Motorrädern auf beiden Seiten.[11] Das galt dann aber bei seinen nächtlichen Ausflügen nicht. Immerhin war er –der Sicherheit und der Tarnung willen- schwer behelmt, wenn er sich zu seiner Geliebten in die nicht allzu weit entfernte Rue du Cirque aufmachte. Ein Vaudeville-Autor hätte sich übrigens keinen passenderen Straßennamen ausdenken können! Und dann ist das auch noch eine Straße mit einschlägiger Vergangenheit: Dort wohnte nämlich im 19. Jahrhundert die schöne Engländerin Elizabeth-Ann Howard, wie Julie Gayet übrigens eine Schauspielerin, der der damalige französische Präsident und spätere Kaiser Louis Napoléon Bonaparte seine allabendliche Aufwartung machte.[12] Da ist doch Hollande in bester Gesellschaft!

Und bevor er morgens wieder Abschied nehmen musste, wurden dem Paar –wir sind in Frankreich!- vom präsidialen Sicherheitspersonal frische Croissants gebracht.

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Plantu macht daraus eine hübsche Karikatur, indem er den Croissant-Service des Präsidenten –den man durchaus sympathisch im Fenster turteln sieht- mit dem gleichzeitig bekannt gewordenen Prämiensystem der Polizei verbindet. Da teilt also der Polizist auf dem Motorrad mit, er habe eine Prämie beantragt, als er morgens auch noch die Croissants habe holen müssen.

Ganz und gar unfranzösisch ist allerdings, dass es sich bei dem von dem Präsidenten benutzten Zweirad um ein italienisches Modell (Piaggio) handelte und nicht um eines aus französischer Produktion von Peugeot![13] Und das, obwohl doch Arnaud Montebourg,  „der Minister der produktiven Wiederaufrichtung“ Frankreichs -so sein offizieller Titel!- landauf, landab das „made in France“ propagiert[14] und den staatlichen Beschaffungsbehörden schon mit Auflösung gedroht hat, wenn sie nicht –ungeachtet aller europäischer Regelungen- das „made in France“  zu ihrer  obersten und absoluten Leitlinie  machten. Aber jetzt ist ja der Staat dabei, den –kein Wunder!- angeschlagenen Konzern Peugeot/Citroen zu retten, so dass man davon ausgehen kann, dass der Präsident bei seinem nächsten Vaudeville- Stück auf einem französischen Fabrikat unterwegs sein wird.  Und wenn es denn nicht mehr ein  aus Sicherheitsgründen wenig empfehlenswerter Scooter sein soll, dann vielleicht ein –dann aber bitte garantiert französisches!- Auto mit getönten Scheiben der Autovermittlung Sixt.[15]

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Herr Präsident, das nächste Mal vermeiden Sie den Scooter. Sixt vermietet Wagen mit abgedunkelten Scheiben

Immerhin war der Helm „Dexter“, den Hollande bei seinen nächtlichen Ausflügen trug, ein französisches Fabrikat der Firma „ch’ti“ Motoblouz. Die taufte den Helm schnell pfiffig um in: „Dexter Président“

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– und schaltete auch gleich eine Anzeige in Libération:  „Vielen Dank, dass Sie unseren Helm zu Ihrer Sicherheit gewählt haben.“  Der  Verkaufserfolg war damit garantiert.[16] Hier der Wortlaut des launigen Briefs an Hollande (von Präsident zu Präsident):

Cher Président,

Depuis la publication récente de photos vous montrant à scooter coiffé d’un casque de notre marque Dexter, ce modèle est en rupture de stock, victime de son succès. Nous saluons le choix d’une marque française pour vos déplacements en deux-roues… Dexter est en effet une création exclusive de Motoblouz.

D’autres modèles de notre nouvelle collection vous attendent sur notre site pour vos prochaines escapades sécurisées.Vous y trouverez également une collection de blousons pour femmes… le cadeau idéal pour une Saint Valentin réussie.

Du  mal à faire votre choix, votre coeur balance ? N’hésitez pas à faire appel à nos motoconseillers pour vous guider.

Bien cordialement,
Thomas Thumerelle
Président Directeur Général de Motoblouz

Bestes Vaudeville war natürlich auch der in der „people-Presse“ und in internet-Foren kolportierte „Ehekrach“ zwischen dem Präsidenten und seiner Compagne, wonach die offenbar völlig von den Eskapaden ihres Partners überraschte Valérie Trierweiler durch den Elysée Palast gerauscht sei und mit der ihr nachgesagten Impulsivität und Unberechenbarkeit einiges wertvolle Sèvres- Porzellan habe zu Bruch gehen lassen. Kosten des Eifersuchts-Vandalismus für die Staatskasse: 3 Millionen Euro.[17] Nein, das treffe so nicht zu, beeilte sich der zuständige Mobilier national mitzuteilen. Dass es aber „ein wenig Bruch“ gegeben habe, sei schon richtig, verriet das Frau Trierweiler wohlgesonnene Magazin „Closer“, das durch seine Veröffentlichung der Paparazzi-Bilder von den nächtlichen Eskapaden Hollandes das präsidiale Vaudeville offiziell eröffnet hatte.[18]

Das hatte allerdings schon eine passende Vorgeschichte, an die jetzt gerne wieder erinnert wird. Dazu gehört die –lange aus wahltaktischen Gründen verheimlichte-  Beziehung zu Valérie Trierweiler und das Eifersuchtsdrama in mehreren Akten zwischen ihr und Ségolène Royal, mit der Hollande 25 Jahre zusammen lebte und 4 Kinder hat. Aber das ist ein anderes Vaudeville- Stück, das auch einen hohen Unterhaltungswert hat. Da wird getwittert und intrigiert, da werden Beziehungs-Tischtücher zerschnitten, öffentliche Liebesbeweise eingefordert und abgegeben – es fehlt an nichts.

Der von Hollande vor die Elysée-Tür gesetzten Valérie bleibt dann immerhin noch das Angebot der Partnerschaftsvermittlungs-Agentur be2, sich dort kostenlos einzuschreiben und damit –auf eine ganz spezifische Weise- dem Wahlslogan Hollandes „Le changement c’est maintenant“ –Jetzt ist die Zeit des Wechsels- zu folgen.

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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen…

Die zwei Körper des Präsidenten: vie privée versus vie politique

Mit all dem befindet sich Hollande in bester politischer und präsidialer Gesellschaft, an was jetzt natürlich auch gerne wieder erinnert wird. Da muss man gar nicht bis zu Louis Napoleon Bonaparte ins 19. Jahrhundert zurückgehen. Die 5. Republik bietet Stoff genug: Da gab es Mitterand, der heimlich auf Kosten des Staates eine Zweitfamilie unterhielt. Es  gab den Präsidenten Giscard d’Estaing, von dem sein Außenminister Couve de Murville etwas spitz sagte, er sei der einzige Staatsmann der Welt, von dem man ziemlich sicher sagen könne, wo er nachts nicht schlafe. (gemeint war damit das eheliche Schlafzimmer).[19] Giscard nährte auch durchaus Spekulationen über seine diversen Affären; die über eine Beziehung mit Lady Di allerdings dementierte er schließlich. Besonders hübsch und verbürgt ist die Geschichte von Giscard, der zu früher Morgenstunde am Steuer eines Ferraris den Lieferwagen eines Milchhändlers zerlegte- ein Husarenstück, das lange der Öffentlichkeit vorenthalten wurde. Vielleicht auch deshalb, weil sich Giscard in „galanter Begleitung“ befand –dem Vernehmen nach einer berühmten Schauspielerin.[20] Offenbar haben französische Staatspräsidenten ein besonderes Faible für Schauspielerinnen. Auch Präsident Chirac war alles andere als ein Frauenverächter. Er erhielt sogar den Spitznamen „dix minutes, douche comprise“ -10 Minuten, einschließlich Dusche  –  Derartiges sollte wohl seine Sekretärin in seinen Terminkalender eintragen, wenn er im Elysée Damenbesuch empfing. Seine Frau Bernadette, die immer zu ihm hielt, bemerkte dazu etwas süffisant, dass es bei ihm mit den Frauen immer im Galopp gegangen sei-  avec lui, „les femmes, ça galopait“. Und der Pferdefreund Chirac liebte es auch, in geselliger Runde einen Trinkspruch „auf die Pferde und Frauen“ auszubringen, „die wir besteigen“.  Immerhin blieben sein Affären anonym und schadeten nicht dem Ansehen des Präsidenten.[21]

Die Trennung zwischen Privatleben und der präsidialen –und generell politischen-  Funktion wurde hier noch in teilweise äußerst rigider –bis zur Selbstzensur gehender- Weise eingehalten. Das war zunächst auch noch so bei dem sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Strauß-Kahn, der sich gerne mit Prostituierten im Bois de Boulogne herumtrieb und in exquisiten Partnertausch-Clubs (clubs libertins) ein gern gesehener Gast war. Das alles wusste „tout Paris“- und ebenso natürlich, dass eine Mitarbeiterin des IWF sich ganz offiziell über Strauß-Kahn beschwert hatte, weil er ihr gegenüber seine Stellung als Chef des IWF missbraucht habe. Aber auch das galt als Privatsache und tat den Ambitionen Strauß-Kahns auf die französische Präsidentschaft keinen Abbruch. Das änderte sich erst mit der Affäre im New Yorker Hotel Sofitel- auch wenn die von nachsichtigen Kommentatoren zunächst eher heruntergespielt wurde: Immerhin sei doch kein Blut geflossen, oder: Strauß-Kahn habe doch nur von einem alten Recht des Adels bzw. des Großbürgertums Gebrauch gemacht, sich seiner Hausangestellten nach Belieben zu bedienen.[22] Aber jetzt kamen auch Strauß-Kahns „parties fines“ mit jungem hübschem „matériel“, wie er es nannte, im Hotel Carlton in Lille ans Tageslicht, wegen derer er inzwischen wegen schwerer Zuhälterei (proxénétisme aggravé) angeklagt ist.[23]

Aber gerade die Affären von Stauß-Kahn führten in Frankreich zu einer intensiven Diskussion über die Haltung der Medien gegenüber dem politischen Personal des Landes: Bis dahin  hatte man die Trennung des präsidialen Körpers in einen offiziellen, der das Gemeinwesen repräsentiert, und einen privaten noch allseits respektiert und strikt eingehalten. Damit knüpfte die republikanische Monarchie der 5. Republik nahtlos an die monarchistische Tradition an.[24] Angesichts des Doppellebens von Dominique Strauß-Kahn stellten sich die Medien aber die Frage, ob nicht die Zurückhaltung bezüglich des Privatlebens von Politikern schon fast den Charakter einer Omertá habe, der das Recht der Bürger auf Information zum Opfer falle.[25]

Hollande hat nach der Veröffentlichung von Closer im Sinne der traditionellen Lehre das Recht auf Schutz seines Privatlebens herausgestellt und –wohl etwas voreilig-  mit juristischen Schritten gegen die Zeitschrift gedroht. Von juristischen Schritten ist aber inzwischen nicht mehr die Rede. Denn die Rechtsprechung in Europa (EuGH), aber auch in Frankreich, hat sich inzwischen in eine Richtung entwickelt, die bei Personen öffentlichen Interesses eher die Informationsfreiheit begünstigt.[26] . Insofern geht auch die etwas naiv-treuherzige Argumentation von Libération in die Leere, die die Leser/innen auffordert, sich doch einmal vorzustellen, ihr Privatleben werde so in die Öffentlichkeit gezerrt wie das des Bürgers François: „Et si François, Julie et Valérie, c’était moi ? »[27]  Der Bürger François Hollande ist aber nun einmal Präsident, er hat sich aus freien Stücken für dieses Amt  beworben und konnte kaum so naiv sein, davon auszugehen, dass ein solches Amt nicht auch sein Privatleben in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt.

Hollande hat übrigens selbst der Vermischung der öffentlichen und der privaten Sphäre Vorschub geleistet und sein Privatleben gezielt zum Nutzen seiner politischen Ambitionen in die Öffentlichkeit gebracht. Zusammen mit Ségolène Royal verbreitete er das Bild einer Familienidylle. Und als es  damit zu Ende war, bezeichnete er  in einem Interview mit der Zeitschrift Gala Valérie Trierweiler als die Frau seines Lebens – was auf der Titelseite der Zeitschrift plakativ aller Welt verkündet wurde.[28] Ein solcher Satz nach 25 Jahren Ehe und gemeinsamer politischer Arbeit mit Ségolène Royal hatte natürlich etwas Peinliches, und Hollande bekannte später, er hätte „der Frau seines Lebens“ noch ein „aujourd’hui“- also: heute- hinzufügen müssen. Vielleicht hat Hollande bei diesem späten Eingeständnis ja  nicht nur an die Vergangenheit, sondern auch schon an die Zukunft gedacht- die da in Gestalt von Julie Gayet möglicherweise sogar schon Gegenwart war.[29]

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Confidences exclusives. François Hollande; „Valérie est la femme da ma vie“

Hollande ging mit diesem öffentlichen Bekenntnis zu Valérie Trierweiler im Grunde sogar noch weiter als sein Vorgänger Sarkozy, der auf einer Pressekonferenz verkündet hatte: „Avec Carla, c’est du sérieux“. (Mit Carla ist es ernst). Die von Sarkozy betriebene intensive Verknüpfung von Amt und Privatleben hat Hollande zwar heftig kritisiert – aber überzeugend war das nicht: Wer selbst im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen…

Bemerkenswert ist übrigens aus deutscher Sicht, dass in diesem Zusammenhang die deutsche Bundeskanzlerin in den Internet-Foren immer wieder als Gegenbild herausgestellt wird: Sie mache ernsthafte politische Arbeit, die nicht von ihrem Privatleben beeinträchtigt werde. Und bezogen auf die Cécilias, Carlas, Valéries und Julies ist den Franzosen die Rolle des geheimnisvollen „Herrn Sauer“, des Mannes von Frau Merkel, schon fast etwas unheimlich und er wird –als regelmäßiger Bayreuth-Gast zusammen mit seiner Frau- zum „Phantom der Oper“… [30] Ein bisschen weniger protestantische Strenge darf es dann doch sein in Frankreich.

François Hollande: ein allzu normaler Präsident

François Hollande wollte –im Gegensatz zu seinem Gegenspieler Sarkozy, aber auch in
Abgrenzung zu Dominique Strauß-Kahn- ein „normaler Präsident“ sein. Vielleicht gehört zu dieser Normalität für ihn vielleicht auch, dass die Beziehungen zwischen Mann und Frau heutzutage eher nicht mehr dem rigiden Modell katholischer Orthodoxie entsprechen. Dann wären die nächtlichen Exkursionen in die Rue du cirque schlichter Ausdruck der geltenden gesellschaftlichen Normalität.[31]

Aber vielleicht ist diese Normalität bei einem Präsidenten doch weniger angebracht. Von einem Präsidenten scheinen die von ihm repräsentierten Bürger doch etwas weniger gesellschaftliche Normalität und etwas mehr präsidiale Würde zu erwarten. Serguei hat das in der hier abgebildeten, „Herzensbrecher“ überschriebenen Karikatur (Le Monde 16.1.14) zum Ausdruck gebracht:

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Auch wenn Hollande da beteuert, er sei doch seiner Marianne immer treu geblieben, zeigt sie ihm die kalte Schulter: „Für mich bist du allzu normal!“ Und die negativen Umfragewerte – Hollande hält in dieser Hinsicht den Negativrekord unter den Präsidenten der 5. Republik- kann er damit sicherlich nicht umkehren.[32] Das brachte auch –wie immer sehr pointiert- die satirische Wochenzeitschrift Charlie Hebdo mit einem entsprechenden Titelbild zum Ausdruck:

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Es bezieht sich auf die die inzwischen berühmte Anapher Hollandes „Moi Président“ und seine feierliche Verpflichtung in einer Fernsehdebatte mit Sarkozy während des Präsidentschaftswahlkampfs, dass sein Verhalten als Präsident in jedem Moment vorbildlich sein werde. „Moi Président je ferai, à chaque instant, que mon comportement soit exemplaire“… [33]

Das Thema, um das es hier letztendlich geht, ist die Autorität des Präsidenten, des republikanischen Monarchen in all seiner Widersprüchlichkeit. Hier der allzu menschliche Francois, der im Stil eines Heranwachsenden sich aus dem Haus zu seiner Freundin stielt, den Helm tief übers Gesicht gezogen- falls er vielleicht im Hausflur einem verräterischen Nachbarn begegnet; und dort der Präsident, der im grandiosen Stil seiner Vorgänger seine Pressekonferenzen inszeniert, umgeben von dem gesamten als andächtige Statisten angetretenen Kabinett[34]; der scheinbar omnipotente „moi président“, der seine Verlautbarungen gerne mit „je“ einleitet, der hochheilig verspricht, das Haushaltsdefizit Frankreichs 2013 unter die Maastricht-Marke von 3% zu senken, was, wie sein Finanzminister hinzufügte, eine nicht verhandelbare Verpflichtung sei und noch daran festhält, als längst alles Spatzen von den Dächern es besser wissen.[35] Inzwischen wurde –mit nachsichtiger Brüsseler Billigung-  diese Verpflichtung auf 2015 verschoben. Man darf gespannt sein….

Im September 2012 kündigte Präsident Hollande außerdem verwegen an, er werde die seit Jahren ansteigende Kurve der Arbeitslosigkeit bis zum Jahresende 2013 umkehren. Auch dieses Versprechen wurde nicht eingehalten: Die Arbeitslosigkeit in Frankreich erreichte –obwohl Petrus dem Präsidenten gnädig war-  im Dezember 2013 einen neuen absoluten Rekord.

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Arbeitslosigkeit: Das Scheitern

Wenn er schon wesentliche politische Versprechungen nicht eingehalten hat- auf die privaten Verhältnisse bezogen haben sie durchaus –satirische- Realität – auch wieder eine Steilvorlage für Karikaturisten:

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Da wird dann – unter der Überschrift Hollande/Gayet- aus der Umkehrung des Anstiegs der Arbeitslosigkeit eine anzügliche „Veränderung der Kurven“, die er für das Ende des Jahres versprochen hatte…. [36]

Ein weiteres Autoritätsproblem Hollandes ist die ihm nachgesagte Entscheidungsschwäche. Der Präsident wird ja gerne als „mou“, als sanft und weich, beschrieben bzw. kritisiert.[37] Das mag falsch sein, denn Hollande hat durchaus –etwa bei der Entlassung seiner Umweltministerin Batho, vor allem aber bei der Durchsetzung seines Wahlversprechens der „mariage pour tous“ –der Ermöglichung der Heirat gleichgeschlechtlicher Partner- gezeigt, dass trotz  erheblicher gesellschaftlicher Widerstände hart und entschieden sein kann. Und  seine Absicht, gesellschaftliche Probleme im Dialog anzugehen, ist sehr anerkennenswert und für Frankreich eher ein –überfälliges- Novum. Aber es gibt doch auch genügend Beispiele, dass sogar sinnvolle Reformschritte im Dickicht widerstreitender Interessen hängen bleiben. Da soll endlich die schon zu Sarkozys Zeiten in Gang gebrachte Umweltabgabe für Lastwagen umgesetzt werden. In der Bretagne erhebt sich dagegen ein Widerstand der roten Mützen, also: Zurück, marsch, marsch.Da soll das korporatistisch organisierte Taxigewerbe einer gewissen Konkurrenz ausgesetzt werden. Die Taxifahrer drohen mit einer Verkehrsblockade von Paris, also: ….. (s.o.) Da sollen die Lehrer der sogenannten Cours préparatoires, in denen Abiturienten auf die Aufnahmeprüfungen der französischen Eliteschulen vorbereitet werden, etwas von ihren Privilegien zugunsten der Schulen und Lehrer in den Problemzonen abgeben. Es gibt Proteste von Lehrern, betroffenen derzeitigen und inzwischen einflussreichen ehemaligen Schülern, also…. (s.o.) Da sollen die niedrigen Steuern für Reitställe und Gestüte auf den normalen Satz von 20% angehoben werden; die rücken dann mit ihren Pferden in Paris ein, besetzen die Place de la Bastille und drohen mit Arbeitslosigkeit für die Mitarbeiter, Euthanasie (!) für die Pferde und – das immerhin ganz witzig- dem nächsten Pferdefleisch-Skandal, also…. (s.o.)

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Da sollen in einem neuen Familiengesetz u.a. längst überfällige und z.T. auch schon von konservativen Vorgängerregierungen beabsichtigte Veränderungen beim Scheidungsrecht beschlossen werden, die einen möglichst weitgehenden Ausgleich aller Betroffenen zum Ziel haben; Es gibt dagegen eine Massendemonstration in Paris, die sogenannte „Manif pour tous“, die die Mobilisierung gegen die mariage pour tous mit z.T. falschen Behauptungen und Unterstellungen fortführt – und was macht Präsident Hollande? Völlig unerwartet wird am Tag nach der Demonstration das Projekt auf Eis gelegt und die Regierung weicht auch in diesem Fall zurück.

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Frankreich bietet, wie ein Kommentator schreibt, das Bild eines tief gespaltenen Landes, das von extremistischen Auswüchsen bedroht sei, mit einer Staatsmacht, deren Autorität völlig infrage gestellt werde und die vor dem Druck der Straße zurückweiche.[38]

Nun hat allerdings François Hollande Ende Januar mit zwei Paukenschlägen seine (präsidiale) Autorität wieder dokumentieren wollen: In einer kurzen lakonischen Mitteilung hat er der Nachrichtenagentur AFP mitgeteilt, dass er das gemeinsame mit Valérie Trierweiler geteilte Leben beendet habe.[39] Das war „ein autokratisches und brutales Verstoßungs-Dekret“ und gleichzeitig eine trockene Mitteilung der Entlassung Trierweilers als „première dame“, die damit auch umgehend ihren Platz im Elysée mit allem, was dazugehörte, verlor.[40] Aber auf jeden Fall zeigte Hollande, dem 2007 von Ségolène Royale der Stuhl vor die Tür gesetzt wurde, dass er allein Herr im Haus ist – demonstrativ unterstrichen mit einem zweifachen „Ich“ –ich gebe bekannt, ich habe Schluss gemacht.

Und parallel dazu verkündete Hollande auf  seiner Pressekonferenz vom 14. Januar seine sozialdemokratische Wende: In  einem Pacte de responsabilité sollen die Sozialpartner gemeinsam Schritte zum Abbau der Arbeitslosigkeit vereinbaren. Die Arbeitgeber sollen, wie von ihnen gefordert, von Sozialabgaben entlastet werden, sich aber im Gegenzug zu Arbeitsmarkt-relevanten und genau bezifferbaren Gegenleistungen verpflichten. Auf dieses Projekt will Hollande in seiner verbleibenden Amtszeit alle Anstrengungen konzentrieren und damit auch das Vaudeville elyséen –allerdings offenbar nicht die Beziehung zu Julie Gayet- beenden.

Ob er mit beidem Erfolg hat, ist nicht ausgemacht: Es erscheint doch eher unwahrscheinlich, dass die gedemütigte Valérie Trierweiler sich still zurückzieht und der Versuchung widersteht,  publizistisch Rache zu nehmen… Von einem Buchprojekt über Untreue ist die Rede. Und was den Pacte de responsabilité angeht: Plantu sieht schon Hollande im Bett mit dem Arbeitgeberverband MEDEF. Der Zylinder als Unternehmer-Emblem- ist ein satirisches Danaer- Geschenk, das Hollande geschmeichelt annimmt. (MEDEF: „Der Hut ist ein Geschenk“, Hollande: „Oh, wäre doch nicht nötig gewesen…)[41]

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Der neue Vorsitzende der CGT, der mächtigsten französischen Gewerkschaft, bezeichnete sogar den Chef des Arbeitgeberverbandes als heimlichen Ministerpräsidenten und forderte Hollande auf, endlich unter dem Rock von Merkel –auch ein bekanntes Stück-  hervorzukommen…[42]

Die Aussichten auf einen unterhaltsamen, heißen Sommer in Frankreich sind also gut…

Abgeschlossen 6.2.14

Anmerkungen

(0) Sehr eindeutig auch das Urteil von Anne Sinclair über Holland: „il n’a  jamais été  considéré comme un premier rôle de la politique“… (Le Parisien, 27.2.2017)

Zitat aus  Le Monde, 12./13. März 2017

[1] Bild aus: http://images.google.fr/imgres?imgurl=http%3A%2F%2F1.bp.blogspot.com%2F-W4T0doxx0kg%2FUHfItdHrPuI%2FAAAAAAAABEg%2F9oCrH_ACu10%2Fs1600%2Fnormal.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Flouisdesaussure.blogspot.com%2F2012%2F08%2Fpresident-normal.

[2]Un président ne devrait pas dire ça.“ Ce titre a valeur d’épitaphe et le livre qui le porte ressemble à une pierre tombale.

http://tempsreel.nouvelobs.com/politique/election-presidentielle-2017/20161201.OBS2058/presidentielle-comment-francois-hollande-s-est-pris-a-son-propre-piege.html

[3] Mit der Nummer von der Amour sécret von Hollande hat Closer seine Auflage immerhin verdoppelt. (s. Le Monde, 16.1.14)

[4]  http://www.lefigaro.fr/politique/2014/01/25/01002-20140125ARTFIG00363-francois-hollande-et-valerie-trierweiler-se-separent.php

[5] Par LEXPRESS.fr, publié le 15/01/2014 à  18:55 En savoir plus sur http://www.lexpress.fr/actualite/politique/l-affaire-hollande-gayet-source-d-inspiration-pour-les-jeux-en-ligne_1314483.html#5PS6tyZRqIwfdGbr.99

[6] Das französische Wort des Jahres wird in Charité-sur-Loire gekürt, und zwar einmal von „Experten“ und dann auch öffentlich (Internet und die Bewohner des Ortes). 2013 haben sich die Experten für Transparence entschieden, während die öffentliche Wahl auf mensonge(s) fiel: zwei Seiten einer Medaille

[7] „en riant au feuilleton des amours présidentielles“ Express No 3265, S. 5).

[8] http://www.lemonde.fr/politique/article/2014/01/21/brice-teinturier-une-france-qui-se-fragmente_4351405_823448.html

[9] Le Monde 23.1.14: „L’extrème défiance de la société française”, S. 8

[10] Arnaud Leparmentier in Le Monde 23.1.14 In Paris gab es von 1792 bis 1927 das Théâtre de Vaudeville. Das letzte Gebäude auf dem Boulevard des Capoucines ist heute in Kino, das Opéra Gaumont.

[11] Zitiert von Cécile Amar, Jusqu’ici tout va mal”. Paris 2013. Siehe auch Les Echos, 24./25.1.14

[12] L’Express 22.1.14, S.31

[13] http://www.lefigaro.fr/conjoncture/2014/01/18/20002-20140118ARTFIG00343-un-concessionnaire-s-offusque-que-le-scooter-presidentiel8230-soit-italien.php

[14] Siehe Bericht aus Paris Nr 27 (Juni 2013)

[15] Diese Werbung gab es auch als ganzseitige Anzeige in Le Monde vom 17. Januar, S. 9

[16] http://www.lerepairedesmotards.com/actualites/2014/actu_140122-casque-dexter-motoblouz-lettre-president.php

Oui, mais le casque était… français …! In: http://forums.pelerin.info/viewtopic.php?f=5&t=6238 („Merci Monsieur  d’avoir choisi notre casque pour votre sécurité…“) s.a. Le Monde vom  2./3. Februar, S. 13

[17] „La première dame se serait livrée à du vandalisme, projetant à terre vases, pendules et objets d’art appartenant aux prestigieuses collections du Mobilier national. Coût de cette supposée scène: 3 millions d’euros.“

http://www.lefigaro.fr/culture/2014/01/22/03004-20140122ARTFIG00216-trierweiler-le-mobilier-national-dement-tout-vandalisme-du-bureau-presidentiel.php

[18] “Le palais de l’Ellysée bruit encore de leur scène de ménage au matin du 10 janvier, lorsque Valérie Trierweiler a parcouru au pa de course qui mène au bureau du Président avant d’y débarquer avec fracas. ‘Tout ce qu’a écrit Closer est vrai’, reconnaît-il. Valérie est alors entrée dans une colère noire, ces fameuses colères qui, à l’Elysée, lui valent sa reputation. Il y a eu un peu de casse, c’est vrai, mais elle n‘a pas … détruit pour … 3 millions d’euros de mobilier national!“ (Closer, 23.-30. Januar, S.6)

[19] Christophe Duboi et Christophe Deloire, Sexus politicus. Paris 2006, Kapitel 5: Quand les femmes menaient Giscard par le bout du nez…

[20] http://www.20min.ch/ro/news/monde/story/12505905  Bekannt gemacht wurde die sogenannte Affaire „du camion du laitier“ übrigens von der satirischen Wochenzeitung Canard enchaîné, die immer wieder für –auch politisch höchst brisante- Enthüllungen gut ist.

[21] http://news.fr.msn.com/m6-actualite/politique/liaisons-au-sommet-sexe-rumeur-et-secret-detat?page=5  Allerdings wird die Präsidentschaft Chiracs in Frankreich eher kritisch gesehen als Zeit des Stillstands. Aber immerhin widersetzte er  sich dem amerikanischen Irak-Abenteuer und wagte es, zum ersten Mal die Mitwirkung und Mitverantwortung des französischen Staates an der Ermordung der französischen Juden durch die Nazis offiziell anzuerkennen.

[22] Es war der Herausgeber der Wochenzeitschrift Marianne, François Kahn, der von einer „ troussage de domestique“ sprach. Allerdings rief diese Äußerung dann doch so viel Empörung hervor, dass Kahn seinen Posten räumen musste. Um den Prozess gegen Strauß-Kahn wegen gewerbsmäßiger Zuhälterei  (Die Carlton-Lille-Affäre) ist es inzwischen –warum auch immer- ziemlich ruhig geworden.

[23] http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2013/12/18/01016-20131218ARTFIG00421-carlton-le-renvoi-en-correctionnelle-confirme.php

[24] Siehe Ernst Kantorowicz,  Die zwei Körper des Königs. Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters. Klett-Cotta 1992 . Der Begriff wurde dann auch auf Frankreich  übertragen und polemisch auf François Hollande angewendet, um dessen angebliche Unfähigkeit zum Präsidentenamt aufzuzeigen: Thierrry Saussez, Les deux corps du Président. Paris 2013

[25] Zum Beispiel:  http://www.lemonde.fr/idees/article/2011/05/16/l-etrange-omerta-des-medias-sur-le-cas-dsk_1522552_3232.html und  http://www.contrepoints.org/2011/05/23/25837-dsk-lomerta-des-medias-sur-ce-que-tous-savaient

[26] http://www.liberation.fr/societe/2014/01/14/la-maitresse-d-un-homme-politique-contribue-t-elle-au-debat-d-interet-general_972743. s.a. Vie privée: l’Europe met à nu les politiques. In: http://bruxelles.blogs.liberation.fr/coulisses/2014/02/vie-priv%C3%A9e.html

Außerdem hat auch Valérie Trierweiler als « première dame » – der französischen Variante der amerikanischen « first lady » einen offiziellen Status mit Wohnung, Mitarbeiterstab und Bediensteten im Elysée-Palast.

[27] http://www.liberation.fr/politiques/2014/01/17/politiques-et-medias-l-intime-entame_973757

[28] „C’est une chance exceptionnelle de pouvoir réussir sa vie personnelle et de rencontrer la femme de sa vie. Cette chance, elle peut passer, moi je l’ai saisie.“  (Gala Oktober 2010)  http://www.lexpress.fr/actualite/politique/hollande-gayet-l-histoire-d-un-president-qui-veut-vivre-sa-vie_1314338.html#aUHOkTHD66JBPHAG.99

[29] „La phrase était maladroite. J’aurais dû dire : „C’est la femme de ma vie d’aujourd’hui““, convient le futur candidat socialiste quelques mois plus tard, en février 2011, interrogé von zwei Journalistinnen, die danach ein Buch über die „amours hollandaises“ schrieben. Entre deux feux (Grasset)

[30] http://www.liberation.fr/politiques/2014/01/13/monsieur-sauer-le-fantome-de-l-opera_972596

[31] Siehe: Compréhension adultère pour l’homme casqué 20 janvier 2014 à 17:06

http://www.liberation.fr/societe/2014/01/20/comprehension-adultere-pour-l-homme-casque_974206 Das würde übrigens auch zu der Begründung für die Pantheonisierung von Sophie Berthelot, einer der beiden im Pantheon bestatteten Frauen, passen – sie hat ja –siehe Bericht Nr. 29- diese Ehre der Ehe mit ihrem Mann und ihren –offenbar ganz außergewöhnlichen- ehelichen Tugenden zu verdanken.

[32] Siehe Les Echos vom 9.1.14:  La cote de popularité de Hollande reste au plus bas. (sie pendelt um die 25%)

[33] http://www.midilibre.fr/2014/01/17/quand-hollande-disait-moi-president-je-ferai-que-mon-comportement-soit-exemplaire,809339.php   Und schon zu Beginn des Wahlkampfs hatte Hollande sich zu einer Ethik bekannt, die dem ausgeübten Amt entspreche: Avoir une éthique qui correspond au métier excercé et en être respecteux.“ http://www.purepeople.com/article/francois-hollande-parle-enfin-de-sa-compagne-la-femme-de-ma-vie_a65714/1

[34] Eigentlich hatte Hollande im Wahlkampf versprochen, diese Inszenierung der Pressekonferenzen im Elysée nicht fortzusetzen, aber ….

[35] Siehe Le Figaro  31.1., S. 15

[36] Dazu passt auch eine Äußerung in einem Internet-Forum von Liberation: „Pourquoi voulez vous que notre 1er socialiste se préoccupe des affaires sérieuses ?? Il est occupé à d’autres courbes , et celles ci sont bien plus attractives et plus fascinantes…” http://www.liberation.fr/politiques/2014/02/01/peu-importe-que-francois-hollande-soit-social-democrate-ou-socialiste_977134

[37] http://www.lepoint.fr/invites-du-point/daniel-salvatore-schiffer/hollande-le-grand-mechant-mou-09-07-2013-1702206_1446.php

[38] Thierry Borsa in Le Parisien, 4.2.14, S.2. Libération vom 5.2. titelt: Gouverner, c’est reculer. Und erklärt: „Pourquoi Hollande s’est couché“ (S.1)

[39] „Je fais savoir que j’ai mis fin à la vie commune que je partageais avec Valérie Trierweiler. Übrigens eine sehr eigentümliche und  bemerkenswerte Wortwahl –  Siehe:

http://www.lepoint.fr/invites-du-point/nathalie-rheims/rheims-hollande-trierweiler-jeux-de-mots-26-01-2014-1784546_1452.php

[40] Renaud Machard in Le Monde, 29.1.14, S. 16: „un décret de répudiation autocratique et brutal“; „un avis de licenciement sec”. s.a. Valérie Trierweiler. Vingt mois à l’Elysée. Portrait. Le Monde 28.1.14, S. 17

[41] L’Express 22.1.14, S.13

[42] http://www.liberation.fr/politiques/2014/01/28/lepaon-cgt-hollande-doit-sortir-de-sous-les-jupons-de-merkel_976028 siehe auch:  Le Monde 2./3.2.14

2 Gedanken zu “François Hollande: Abgesang auf einen allzu normalen Präsidenten

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