Street-Art XXL entlang des Boulevard Vincent Auriol:  Eine Open-Air-Kunstgalerie im 13. Arrondissement von Paris (= Street-Art in Paris 6)

Man hat das 13. Arrondissement als das „Mauerblümchen der Pariser Stadtviertel“ bezeichnet.[1] Lange Zeit war es geprägt von kleinen Arbeitersiedlungen und Industriebetrieben und galt als eines der ärmsten Viertel von Paris. Dann kamen die Hochhäuser südlich der Place d’Italie, die dann -entgegen der ursprünglichen Konzeption- Ort des Chinesenviertels wurden. Und es kamen die Hochhäuser entlang des Boulevards Vincent Auriol, der sich von der Seine  bis zur Place d’Italie hinzieht: Ein breiter Boulevard, aber eher ernüchternd gemessen an romantischen Boulevard-Vorstellungen: Auf seinem breiten  Mittelstreifen ist die Stahlkonstruktion der Metro-Linie 6 errichtet, die das südliche Paris von der Place de la Nation bis zur Place de l’Étoile umrundet. In diesem Abschnitt verläuft sie nicht unterirdisch, sondern als Hochbahn.

Foto: Wolf Jöckel

Seit mehreren Jahren gibt es nun eine Initiative, in diesem Viertel eine Freiluftgalerie mit Werken  der Street-Art „im XXL-Format“ (Stéphanie Lombard) zu etablieren. Die Initiative geht zurück auf die im 13. Arrondissement ansässige Galerie Itinerrance, die von der Mairie des Arrondissements aufgegriffen und unterstützt wurde und wird.

Inzwischen haben renommierte Street-Art – Künstler aus aller Welt dazu beigetragen, das Viertel auf diese Weise mit Farbe und Leben zu erfüllen. Die Open-Air-Kunstgalerie ist damit zu einer viel beachteten und preisgekrönten Attraktion des 13. Arrondissements geworden.[2]

Kunst gibt es an (je)der Straßenecke. Foto: Wolf Jöckel

Einen ersten, wenn auch flüchtigen Eindruck erhält man, wenn man mit der Linie 6 von der Metrostation Quai de la Gare zur Place d’Italie fährt: Wo hat man schon sonst die  Möglichkeit, eine Kunstausstellung vom Metrofenster aus wenigstens flüchtig in Augenschein zu nehmen? Allerdings hat man zu manchen Zeiten nur geringe Chancen, einen Sitzplatz am Fenster zu ergattern; und selbst dann ist die Aussicht ja nur auf eine Seite des Boulevards beschränkt.

Einen geruhsameren und intensiveren Eindruck erhält man, wenn man die Strecke entlang des Boulevard Vincent Auriol mit dem Fahrrad oder -noch besser- zu Fuß zurücklegt. Dann kann man auch noch den einen oder anderen lohnenden Abstecher in eine der Seitenstraßen machen, in denen weitere große Wandgemälde zu sehen sind. Ein solcher Spaziergang wird nachfolgend vorgeschlagen. Allerdings erhebt er keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit. Angesichts der Vielzahl großer Formate im 13. Arrondissement bietet es sich an, den Spaziergang auf den Boulevard Vincent Auriol mit wenigen kleinen Abstechern in Seitenstraßen zu beschränken. Dort ist die „Street-Art-Dichte“ besonders groß und man erhält einen  intensiven Eindruck von der thematischen und ästhetischen Vielfalt der Open-air-Galerie des 13. Arrondissements. Da die ausgewählten Street-Art-Werke rechts und links des Boulevards liegen, habe ich jeweils die Straßenseite (von der Seine ausgehend wie die Hausnummern) angegeben.

  1. Invader: PA 1240 

46, boulevard Vincent Auriol (rechte Straßenseite)

Unser Spaziergang beginnt mit zwei großformatigen space-invader-Mosaiken, die ganz oben an der Fassade des Hauses Nummer 46 angebracht sind. Es gibt zwar schon vorher ein XXL-Format am Boulevard (Les Yeux/die Augen  von Tristan Eaton an einem Wasserturm des Krankenhauses Salpêtrière,  29, boulevard Vincent Auriol), aber die beiden space-invader erscheinen ein idealer Beginn des Spaziergangs.  

Der Invader ist nämlich einer der bekanntesten französischen Street-Art-Künstler und mit weit über 1000 Werken allein in Paris sicherlich der mit Abstand präsenteste Street-Artist der Stadt. Er nummeriert alle seine Arbeiten: Hier ist es das Pariser Mosaik Nummer 1240.  In Paris begann der Invader 1998, seine Mosaikbilder von Figuren des Videospiels Space Invaders nachts und heimlich anzubringen. Inzwischen ist er international bekannt und gefragt. Er stellt in Galerien aus, ist selbst im Museum of Modern Art in New York vertreten, und  wer als Hausbesitzer eine invader-Figur an seiner Hauswand vorweisen kann, wird nicht mehr die Polizei rufen, sondern sich glücklich schätzen.[3]

Foto: Wolf Jöckel

Hat der Invader ein Werk abgeschlossen, spricht er von Invasion. Hier sind space-Invaders gerade dabei, in der Stadt zu landen.  Und sie landen gewissermaßen als Vorhut der Street-Art, die dieses Viertel insgesamt „eingenommen“ hat. Was für einen besseren Beginn für unseren Spaziergang könnte es also  geben?

2. Inti: Madre secular II             

81, boulevard Vincent Auriol (linke Straßenseite)

Sonia Branca – Rosoff schreibt zu diesem Bild:  Wir nehmen zuerst die Harmonie der Farben Lila und Gelb wahr, die im Pop-Universum der Wandkunst selten sind. Es ist eine „Madonna“, eingehüllt in ihr großes Gewand, blass vor einem dunklen Rosenhimmel. Es ist ein Bild von beruhigender Weiblichkeit, die bescheiden ihren Blick abwendet. Ganz anders als Failes Sprung über die Dächer auf der anderen Seite des Boulevards (siehe Nummer 9 dieses Spaziergangs).

Fotos: Wolf Jöckel

Wenn man sich dem Bild nähert, wird seine Süße morbide. Warum hält diese Frau einen Apfel mit der Aufschrift G (wie Google?) –  oder ist der rote Apfel der Giftapfel des Märchens? Und warum ist die Halskette aus Totenköpfen? Was meinte der Chilene Inti (Sonne in Quechua) mit dem Namen Madre secular, der säkularisierten Jungfrau? [4]

3. Conor Harrington: Étreinte et lutte/Umarmung und Kampf

 85, boulevard Vincent Auriol (linke Straßenseite)

Foto: Sonia Branca-Rosoff

Doppeldeutig wie die Madre secular Intis ist auch das benachbarte große Wandbild des Iren Conor Harrington.[5]  Man könnte zunächst vermuten, dass hier zwei Freunde dargestellt sind, die sich umarmen. Aber -wie der Titel unterstreicht- es kann sich auch um einen Kampf handeln.

        Foto: Wolf Jöckel

Dafür spricht nicht nur die Fensterreihe, die die beiden trennt. Harrington hat das Werk ausdrücklich auf den französischen Präsidentschaftswahlkampf 2017 bezogen und auf die Zerrissenheit der französischen (und europäischen) Gesellschaft(en).[6]

4. Pantonio: Fragile agile  

91, boulevard Vincent Auriol  (linke Seitenstraße)

Der von den  Azoren stammende Pantonio ist mit seinen Vögeln und Fischen in Paris wohlbekannt. 2014 bemalte er die Seitenfassade eines 66 Meter hohen Hochhauses im Chinesenviertel (13. Arrondissement), das größte Wandbild Europas.[7]

Am Boulevard Vincent Auriol hat er, dem Ort entsprechend und als Kontrapunkt zu den umgebenden Hochhäusern, sein Bild horizontal angelegt, aber genau so leicht und farbig. 

Fische, Vögel und Lianen sind spielerisch miteinander verwoben. Pantonio ging es dabei nicht um eine Botschaft, sondern -angeregt von der Kinderkrippe, die in dem Gebäude ihren Platz hat-  allein „um die Liebe an der Zeichnung“.[8]

5.   David de la Mano: ohne Titel

  6, rue Jenner (rechte Seitenstraße)

Fotos: Wolf Jöckel

Dieses Werk wurde von den Bewohnern des Wohnblocks unter drei verschiedenen Entwürfen ausgewählt: Das Profil eines Gesichts, das aus vielen phantasievollen Gestalten gebildet ist.

6.  Seth: gamin de Paris/Kind von Paris

Ecke boulevard Vincent Auriol/ 110, rue Jeanne d’Arc (rechte  Straßenseite)

Auch Seth (Julien Malland) bereichert seit Jahren die Pariser Street-Art-Szene. Vor allem sind es Kinder, die er in poetischer Weise auf Hauswände malt, wie zum Beispiel dieses Mädchen in der Rue Émile Deslandres im 13. Arrondissement, in der Nähe der Manufacture des Gobelins.

        Foto: Wolf Jöckel

Am Boulevard Vincent Auriol ist es ein kleiner Junge, der für ihn die Kindheit in unseren großen Metropolen repräsentiert. Dazu Seth:

„Ich bin in der banlieue von Paris aufgewachsen, in einer grauen Stadt aus Beton und Asphalt. Die Farben, die mich geprägt haben, habe ich in meinen Büchern gesucht, in meinen Spielen und phantasierten Reisen. Dieser neugierige Junge, der auf die andere Seite der Mauer blickt, bestrahlt mit Licht und Farbe die umliegenden Häuser. Die Macht der Vorstellung verändert unsere Umgebung“[9]

Foto: Wolf Jöckel

7. Die Pandas von Nilko/Tignous

107, rue Jeanne d’Arc (rechte Seitenstraße)

Fotos: Wolf Jöckel, September 2022

Seit 2020 gibt es dieses Panda-Wandbild in der rue Jeanne – d’Arc. Es bezieht sich auf den Comic Panda dans la Brume (éd. Glénat, 2010). Der Zeichner und Karikaturist Tignous, der im Januar 2015 bei dem islamistischen Anschlag auf die Zeitschrift Charlie Hebdo ermordet worden war, hatte in diesem Comic am Beispiel der Pandas die Ursachen und Folgen der Umweltzerstörung satirisch veranschaulicht. [10]

Der Street-Artist Nilko hat das Wandbild im Stil der Zeichnungen von Tignous angefertigt.

Hier hat sich einer der letzten Pandas ganz oben auf einen Baum geflüchtet. Aber offensichtlich ist er sich dessen bewusst, dass seine Tage gezählt sind…

8.  Jana & JS: Photographes de la  rue Jeanne-d’Arc

110, rue Jeanne d’Arc (rechte Seitenstraße)

Gleich in der Nähe findet man die Selbstportraits des  französisch-österreichischen Duos Janna und JS: Links Jana knieend, rechts JS, der seine Kamera direkt auf den Betrachter richtet.

Fotos: Wolf Jöckel

Beide sind vor dem Hintergrund bienenwabenartiger Hochhauswohnungen platziert, die -wie bei ihnen üblich- in Schablonentechnik angefertigt sind und die man auch auf dem Quai 36 des Pariser gare  du Nord findet.[11]

Foto: Wolf Jöckel

9. FAILLE: Et j’ai retenu mon souffle/Und ich hielt den Atem an

  98, rue Jeanne d’Arc  (rechte Seitenstraße) )

Hinter dem Künstlernamen FAILE verbirgt sich das amerikanische Street-Art-Duo Patrick McNeil und Patrick Miller. Die beiden leben und arbeiten in Brooklyn. Das Bild stellt eine Tänzerin dar, die  sich über der Stadtlandschaft New Yorks in die Lüfte emporschwingt.

        Foto: Wolf Jöckel

          

10. Shepard Fairey: Rise above rebel   

93, rue Jeanne d’Arc  (linke Seitenstraße)

Shepard Fairey, alias Obey, ist einer  der Stars der internationalen Street-Art-Szene. Bekannt wurde er vor allem durch „Hope“, das legendäre Portrait von Barack Obama, das Obey für dessen Präsidentschaftskampagne entwarf, die er nach Kräften unterstützte. [12]

Das politische Engagement Obeys ist auch bei dieser Arbeit deutlich zu erkennen.

Foto: Wolf Jöckel

Gemalt ist eine Frau, ein Opfer von Unterdrückung, eingezwängt zwischen Hauskante und Fensterreihe. Als Farben hat Obey schwarz und rot verwendet, die für Gewalt, Angst und Tod stehen, aber auch für den Kampf gegen Unterdrückung: Der Blick der Frau ist nach oben gerichtet auf ein Mandala der Hoffnung und der göttlichen Harmonie.

11. Shepard Fairey: Delicate Balance

60, rue Jeanne d’Arc (linke Seitenstraße, allerdings in etwas größerem Abstand zum   Boulevard Vincent Auriol)

Fotos: Wolf Jöckel

Auch dies ist ein Mandala Shepard Faireys: Angelegt in blau-grüner Farbe weist es auf die unserer Welt drohenden Umweltgefahren und mögliche Abhilfen hin.[13]

Ausgehend von diesem Bild entwickelte Fairey seine Installation Earth Crisis unter dem Eiffelturm während der Pariser Uno-Klimakonferenz COP 21.[14]

Wenn man die rue Jeanne d’Arc noch weiter geht bis über die Place Jeanne d’Arc mit der Kirche Notre dame de la Gare hinaus, kann man das ukrainische Mädchen von C 215 sehen. (Siehe Spazierung Nummer 13)

12. Shepard Fairey: Marianne

 186 rue Nationale  (linke Seitenstraße) 

Auf diesem Foto sieht man gleich zwei große Wandbilder- ein Beispiel dafür, wie nah beieinander die „Ausstellungsstücke“ der open-air-Galerie des 13. Arrondissements manchmal liegen.

Foto: Wolf Jöckel (November 2019)

Links ein Katzenkopf von C 215, rechts eine Marianne des uns nun schon bekannten Shepard Fairey. Es handelt sich dabei um das größte existierende Marianne-Bild:   ein Geschenk des Künstlers an die Stadt Paris als Zeichen der Solidarität nach den islamistischen Anschlägen von 2015. Das Bild ist auch eine Hommage an die Ideale der Französischen Revolution, deren Devise  Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit die französische Symbolfigur einrahmt.  

Foto: Wolf Jöckel (November 2019)

Im Dezember 2020 ließ eine anonyme Gruppe in einer Aufsehen-erregenden nächtlichen Aktion die Marianne Shepard Faireys (alias Obey) blutige Tränen weinen. Gleichzeitig wurde die Devise der Französischen Revolution mit weißer Farbe übermalt. An der Seite die Worte: Marianne pleure und der Name einer Internetplattform, auf der die Aktion verbreitet und begründet wurde.[15]

Die Aktion verstand sich als Protest gegen die verschärften französischen Sicherheitsgesetze, die als Reaktion auf den islamistischen Terror unter der Präsidentschaft Macrons eingeführt wurden. In einem seiner Büros im Elysée-Palast hängt übrigens eine Kopie des originalen Bildes.[16]

Obey reagierte durchaus verständnisvoll auf diese spektakuläre Aktion: Er sei auf der Seite derer, die sich gegen Ungerechtigkeiten wehrten, vor allem wenn es sich um Menschenrechte handele. Als er seine Marianne wieder in den ursprünglichen Zustand versetzte, fügte er gleichwohl eine (dezente) blaue Träne hinzu.

Foto: Wolf Jöckel (September 2022)

Und den Erlös der Drucke, die er von dem neuen Bild anfertigen ließ, stellte er den Restos du cœur zur Verfügung. Eines dieser allen Bedürftigen offenstehenden Restaurants befindet sich ganz in der Nähe von Obeys Marianne…. [17]

Liberté Égalité with tear, 18 x 24, 2021/©Studio Obey/Galerie Itinerrance

13. C 215: untitled      

      141, boulevard Vincent Auriol

C 215, der mit bürgerlichem Namen Christian Guémy heißt, ist einer der bekanntesten  französischen Street-Art-Vertreter. Manchmal wird er sogar als französische Antwort auf Banksky beschrieben. Vor allem ist C 215 Portraitist: Seine Motive sind dabei oft Obdachlose, Straßenkinder und alte Menschen, womit er die Gesellschaft auf die Vergessenen unseres Lebens aufmerksam machen möchte. Kürzlich waren es aus Anlass des 80. Jahrestags der Vel d’Hiv-Razzia Kinder und Jugendliche, Opfer der Judenvernichtung, deren Portraits er in Zusammenarbeit mit dem Mémorial de la Shoah auf  Briefkästen des Marais malte bzw. in Schablonentechnik sprühte.

Foto: Wolf Jöckel

Aber auch bedeutende Persönlichkeiten werden von ihm portraitiert: Zum Beispiel berühmte Männer und Frauen des Marais oder des Pantheons, für die er in den Straßen aufgestellte Strom-Verteilerkästen  als Unterlage wählte.[18]

Foto: Wolf Jöckel

Am Boulevard Vincent Auriol hatte C 215 eine  ganze Hauswand zur Verfügung und als Motiv wählte er eine Katze – ausgewählt wegen ihrer Schönheit, aber auch wegen ihrer Symbolik: einerseits ist sie ein geselliges Haustier, andererseits aber auch auf ihre Unabhängigkeit und Freiheit bedacht…

Foto: Wolf Jöckel

Ebenfalls im 13. Arrondissement, in der rue Patay Nummer 131, hat Christian Guémy nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ein großes Wandbild gemalt. Er versteht es nicht nur als Zeichen der Solidarität mit dem ukranischen Volk, sondern auch als „message universel“ gegen den Krieg.

Es handelt sich um das Portrait eines kleinen Mädchens in den ukrainischen Nationalfarben und mit einem landestypischen Kranz aus Blumen. C 215 bezieht sich dabei auf einen Wunsch des ukrainischen Präsidenten, keine Präsidenten-Portraits in den Amtsstuben aufzuhängen, sondern Bilder von Kindern. [18a]

Fotos: F. Jöckel

14. Bomk:  Jeune graffeuse avec sa bombe de peinture

 126 boulevard Vincent Auriol (rechte  Straßenseite)

Fotos: Wolf Jöckel

                

15. Add Fuel: untitled

  120, boulevard Vincent Auriol 

Foto: Wolf Jöckel

Add Fuel ist ein portugiesischer Künstler. Wesentliche Anregungen für seine Arbeiten erhält er, wie auch hier zu beobachten ist,  von den azulejos, den traditionellen portugiesischen Keramikfliesen. Die gestalterische Herausforderung für den Künstler war hier die architektonische Tristesse des Wohnblocks aufgrund des strengen, gleichförmigen Aufbaus der Fassade. Add Fuel durchbrach die Aneinanderreihung horizontaler Fassadenbänder durch die dynamische Verwendung von „Kacheln“ unterschiedlicher Farben und Formen und macht die Fassade damit lebendig.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Boulevards (Nummer 135) gibt es eine weitere Arbeit Add Fuels mit dessen unverkennbarer „Handschrift“.

Auch hier hat sich der Künstler bei der Neugestaltung der Fassade von den traditionellen portugiesischen azulejos inspirieren lassen, mit denen er  gewissermaßen das Haus einhüllt. Darauf verweist auch der Titel: Envolvente/umhüllend.  Die zweifache Verwendung ähnlicher gestalterischer Mittel versteht Add Fuel als Hinweis auf die große portugiesische Gemeinde in Paris, eine der größten weltweit.

16.  Invader: PA 1205 Dr. House

 122, boulevard Vincent Auriol (rechte  Straßenseite)

Dies ist ein außergewöhnliches Werk des Invaders: außergewöhnlich wegen seiner Größe und außergewöhnlich auch, weil es sich um eine Auftragsarbeit handelt. Beides hängt insofern zusammen, als ein aus kleinen Kacheln zusammengesetztes Mosaik  dieser Größe nur mit einem erheblichen Aufwand – zum Beispiel einem Gerüst- hergestellt werden kann und eine längere Arbeitszeit erfordert: keine Voraussetzungen also für eine nächtliche illegale Aktion. Das Mosaik gehört damit nach den Worten des Invaders in die Kategorie seines „1% legal“, zu dem einen Prozent seiner Arbeiten also, die in aller Legalität entstanden sind.[19]

Foto: Wolf Jöckel

Es handelt sich um die Figur des Dr. House,  der einer populären  Fernsehserie seinen Namen  gegeben hat. Der etwas schräge, aber sehr kompetente Arzt ist mit all seinen Attributen ausgestattet: dem Dreitagebart, dem offenen Hemd und Jackett, den Turnschuhen und dem Stock; ein passendes Motiv also für das hôpital de la Pitié-Salpêtrière, zu dem der vom Invader geschmückte Bau gehört.  Das für den Diagnostiker Dr.  House unentbehrliche Stethoskop wird von dem gerade anfliegenden space invader gebracht. Diese Figur steht damit zwar nicht im Mittelpunkt wie bei den großen Mosaiken am Anfang dieses Spaziergangs- und bei den meisten  Arbeiten des Invaders- aber fehlen darf dieses Erkennungszeichen auch nicht.

Der Invader hat sich selbst zu dieser sehr medienwirksamen Arbeit geäußert:  Pourquoi le Dr House ? « J’avais envie de faire un grand portrait, ce qui est difficile à faire de manière non officielle, car cela prend du temps. Ce personnage, que j’aime bien, est un symbole de la culture populaire de notre époque, et le contexte s’y prêtait », s’amuse Invader. Pour l’artiste, il s’agit aussi d’un « exercice de style » : « Aujourd’hui, le carreau de mosaïque et l’esthétique 8 bits, très pixelisée, sont devenus ma­ signature, plus que les personnages Space Invader eux-mêmes. » [20] 

 17. MAYE: Étang de Thau/die Lagune von Thau

  131, boulevard Vincent Auriol  (linke Straßenseite)

Die Heimat von MAYE ist Südfrankreich, er stammt aus Montpellier. Sein großes Wandbild am Boulevard Vincent Auriol ist nach dem Étang de Thau benannt, einer großen Lagune bei Sète.

Die Anklänge an den Süden sind unübersehbar: Da ist vor allem der in der Farbe der Melonen gehaltene Untergrund und da ist der Flamingo, der hier einer phantastischen Figur als Reittier dient. Gekleidet ist der Ritter wie ein cavalier camarguais, ein berittener Rinderhirte der Camargue- hier dargestellt gewissermaßen als ein Don Quichotte der Camargue. So bringt MAYE einen Hauch des Südens in die Steinlandschaft des 13. Arrondissements.  

18.  D*Face:  Love won’t tear us apart

   10, place Pinel (Platz an der rechten Straßenseite)

Foto: Wolf Jöckel

Der Engländer Dean Stockton, alias D*Face hat ein etwas verstörendes Liebespaar an die Wand gemalt: Ein blondes pin-up-girl, das an Comic-Figuren (oder auch an Roy Lichtenstein) erinnert, umarmt einen jungen Mann mit einem Totenkopf-ähnlichen Gesicht. Die Botschaft, die  D*Face damit vermitteln will: Der Totenkopf-Liebhaber stehe für die Personen, die man geliebt habe, die zwar nicht mehr Teil unseres Lebens seien, dafür  aber unseres Gedächtnisses.[21] Ich kann das -ehrlich gesagt- nicht ganz nachvollziehen. Aber D*Face fordert ausdrücklich die Betrachter dazu auf, seine Werke auf eigene Weise zu interpretieren. Also: Ich sehe in dem Bild eher einen Todeskuss und würde ihm den Titel: Der Tod und das Mädchen geben… 

19. Jorge Rodriguez-Gerada:  Portrait Philippe Pinel

4-10, place Pinel

Die place Pinel ist benannt nach dem französischen Psychiater Philippe Pinel (1745-1826).  Pinel war von 1792 bis 1794 medicin chef de l’hospice de Bicêtre, eines Gefängnisses und Krankenhauses, danach war er auch in der Salpêtrière tätig. Sein großes Verdiebst war es, die „Irrsinnigen“ nicht mehr wie Zuchthäusler, sondern wie Kranke zu behandeln. Er arbeitete daran, Geisteskrankheiten empirisch zu erfassen und adäquate Behandlungsmethoden zu entwickeln. Damit schuf er die Grundlage für die Anerkennung der Psychiatrie als eines Zweiges der Medizin.

Pinel befreit die Kranken aus der Bicêtre in 1793. Gemälde von Charles Louis Lucien Müller in der Lobby des Académie Nationale de Médecine; Paris [22]

20.  ST 4: The project

   10, place Pinel

ST 4 ist ein aus Tunesien stammendes Street-Art-Duo. Sie haben ein Haus an der Place  Pinel mit einer graphischen Komposition versehen, die auf arabischen Schriftzeichen beruht, allerdings keine konkrete Botschaft enthält. Hier sind es abstrakte Formen, die rein ästhetischen Charakter haben.

Foto: Wolf Jöckel

21. BTOY: Evelyn Nesbit

  3, rue Esquirol  (rechte Seitenstraße)

Foto: Wolf Jöckel

Das Motiv für dieses Wandbild wurde von den Bewohnern des Hauses selbst ausgewählt. Es handelt sich um Evelyn Nesbit, ein amerikanisches Mannequin/eine Schauspielerin aus der Zeit um 1900. Sie war die schönste und berühmteste Revue-Tänzerin der Gibson Girls. Berühmt wurde sie allerdings vor allem wegen ihres turbulenten Lebens: Als junges Mädchen wurde sie von dem Stararchitekten Stanford White, dem Schöpfer des Madison Square Gardens, vergewaltigt. 1905 heiratete sie Harry Kendall Thaw, den Sohn eines Kohlen- und Straßenbaumagnaten, der nicht nur kokainabhängig und sadistisch war, sondern auch hochgradig eifersüchtig auf die frühere Beziehung Nesbits mit White. Thaw trug immer eine  Pistole bei sich, um „seinen Besitz“  zu verteidigen. 1906 erschoss Thaw während einer Theateraufführung im Madison Square Garden White. Thaw wurde  verurteilt, genoss aber nach seiner Entlassung  „das Ansehen eines Volkshelden, der die Entehrung eines unschuldigen Mädchens gerächt hatte“ – von dem er sich dann allerdings umgehend scheiden ließ…  Ist es dieses turbulente Leben, so kann man mit Sonia Branca-Rosoff fragen, das dem Portrait von Evelyn Nesbitt sein melancholisches Flair verleiht? [23]

22. « LA NUEVE DE LA 2E DB »

20, rue Esquirol

Ein paar Schritte weiter gibt es auf der rechten Seite der rue Esquirol ein großes 2020 entstandenes Wandbild zur Erinnerung an die spanischen republikanischen Soldaten, die 1944 bei der Befreiung von Paris eine wesentliche Rolle gespielt haben. „La Nueve“ war die 9. Kompanie der 2. Panzerdivision des Generals Leclerc, die am 24. August in Paris einrückte: Die Spitze bildete die „Colonne Dronne“ mit spanischen Soldaten, die nach der Niederlage der Republikaner im spanischen Bürgerkrieg in Frankreich Zuflucht gesucht hatten.

Für die Initiatoren des Wandbildes wird allerdings die Rolle der spanischen Truppen bei der Befreiung von Paris nicht hinreichend gewürdigt. Sie weisen in diesem Zusammenhang auf eine Umfrage unter der Pariser Bevölkerung mit entsprechenden Ergebnissen hin und auf die Wirkung der berühmten Rede de Gaulles, der die Befreiung von Paris allein als Werk von Franzosen dargestellt habe: „Paris martyrisé mais Paris libéré, par lui-même et par la France éternelle.[24]

Immerhin gibt es entlang des Einmarschwegs der Division Leclerc eine Reihe von Markierungen, die an die spanischen Soldaten an der Spitze der Befreiungstruppen erinnern.

Hier zum Beispiel eine auf dem Pont d’Austerlitz:

Und jetzt gibt es dieses neue Wandbild, das auch an das lange Exil der spanischen Republikaner erinnert.

Fotos: Wolf Jöckel (September 2022)

23.  D*Face: Turncoat

155, Boulevard Vincent Auriol  (linke Straßenseite)

Auf der anderen Seite des Boulevard Vincent Auriol befindet sich der jardin de la raffinerie Say, eine kleine Parkanlage auf dem Gelände einer früheren Zuckerraffinerie. Dort hat D*Face 2018 das 25  Meter hohe Bild einer Frau als Comic-Figur an die  Hauswand gemalt.

Foto: Wolf Jöckel

Dazu Sonia Branca-Rosoff: „Es gibt wenige Fresken, die ich verabscheue, aber dieses: ja! Große Comic-Köpfe zu produzieren macht für mich keinen Unterschied zur Werbung. Die  Zeichnung ist grob, die Farben sind aufdringlich.“

Foto: Wolf Jöckel

Man kann darin -wie Sonia Branca-Rosoff- einen Ausdruck der „américanisation triomphante“ sehen. Allerdings scheinen die beiden Frauen auf den Parkbänken davon unbeeindruckt und unbeeinflusst zu sein…

24. DALeast: The  confettier

 154, boulevard Vincent Auriol (rechte Straßenseite)

Daleast @Paris, France [25]

Dies ist ein beeindruckendes Werk des chinesischen Künstlers DALeast. Auf einem blauen Untergrund hat er zwei Leoparden in voller Bewegung dargestellt.  Mehdi Ben Cheik, der Direktor der Galerie Itinerrance und Initiator der Open-air-Galerie im 13. Arrondissement, sieht hier sogar einen Bezug zu Delacroix‘ berühmtem Bild La Chasse aux lions (Löwenjagd).

Foto: Wolf Jöckel

Kämpfen die beiden Tiere miteinander? Ist es das Spiel von -immerhin miteinander verbundenen- Jungtieren oder sogar ein Liebesspiel? Dem Betrachter bleibt die Deutung überlassen.

25.   Hush: untitled

         169, boulevard Vincent Auriol

Am Ende dieses Spaziergangs entlang des boulevard Vincent Auriol sind auf engstem Raum vier große und ganz unterschiedliche Wandbilder zu sehen. Hush, der das nachfolgend abgebildete Fresko gemalt hat, stammt aus England, hat aber viele Jahre in Asien  verbracht. Das ist an seinem Beitrag zur open-air-Galerie des 13. Arrondissements deutlich zu erkennen.

Abgebildet ist eine asiatische Frau, eine Geisha, allerdings, was den  Kontrast von Farben und Materialien angeht, „fast im Stil von Klimt“. [26]

26. Hownosm, Sun Daze

167, boulevard Vincent Auriol

Hinter dem Künstlernamen Hownosm verbirgt sich ein deutsches Street-Art- Zwillingspaar, das 2019 von der Galerie Itinerrance eingeladen wurde, eine monumentale Wand am boulevard Vincent Auriol zu bemalen: Hier ein Ausschnitt:

Foto: Wolf Jöckel

Der Titel „Sun Daze“ ist ein Wortspiel, weil es an „Sundays“ erinnert. Das soll nach Aussage der Künstler dazu anregen, sich ab und zu – zumindest jedenfalls am Sonntag- „auszustrecken, zu entspannen und wahrzunehmen, dass es mehr im Leben gibt als arbeiten, arbeiten, arbeiten.“ [27]

27. Pakone und Wen2: „Les Perdrix “

167, boulevard Vincent Auriol

Seit 2021 gibt es dieses Wandbild eines französischen Street-Art-Malers aus Brest. Der Titel bezieht sich auf einen Leuchtturm der Bretagne, und dass wir uns in der Nähe des Meeres befinden, ist unverkennbar.

28. Cryptik: Écriture latine calligraphiée, Poème W. Soroyan

   171, boulevard Vincent Auriol

Gleich um die Ecke des Wohnblocks ist der Eingang zur Librairie Nicole Maruani, die eine „Lecture Gourmande“ verheißt, also gewissermaßen eine „Feinschmecker-Lektüre“. Und eine ganz  besondere Lektüre erwartet hier den Street-Art- Passanten. Denn  Cryptik stammt aus Korea und seine bevorzugte künstlerische Ausdrucksform ist die Kalligraphie. Auf der Hauswand über der Buchhandlung hat er eine kalligraphische Botschaft angebracht mit dem Gedicht von William Soroyan  The time of your life (1939).

Für mich ist die Schrift zwar sehr schön, aber der Inhalt eher kryptisch. Ich kann das Gedicht auf der Fassade leider nicht entziffern – und anderen wird das vielleicht ja ähnlich ergehen. Ich gebe deshalb den Anfang und das Ende des Gedichts hier wieder:

In the time of your life, live — so that in that good time there shall be no ugliness or death for yourself or for any life your life touches. Seek goodness everywhere, and when it is found, bring it out of its hiding-place and let it be free and unashamed.  (…)   „In the time of your life, live — so that in the wondrous time you shall not add to the misery and sorrow of the world, but shall smile to the infinite delight and mystery of it.“[28]

Dies scheint mir ein schöner Abschluss dieses Spaziergangs zu sein.

Wer aber noch Energie, Zeit und Lust auf mehr hat, dem empfehle ich das kleinstädtische Idyll La Butte aux Cailles auf der anderen Seite der place d’Italie: auch ein Eldorado der Street-Art. Allerdings gibt es da nicht die Hochhäuser und passend dazu die großen Formate wie entlang des Boulevard Vincent Auriol, sondern hier gibt es eine kleinformatige Street-Art.  Da wird man Künstler wie Seth wiederfinden und dazu andere -wie Miss Tic-, für deren Arbeiten die großen, repräsentativen Formate nicht passen. Mehr dazu bei:

https://paris-blog.org/2019/07/01/la-butte-aux-cailles-ein-kleinstaedtisches-idyll-in-paris/

Verwendete Literatur:

Mehdi Ben Cheikh, Boulevard Paris 13. Paris: Albin Michel/Galerie Itinerance 2020. Vorworte von Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, und Jérôme Coumet, Bürgermeister des 13. Arrondissements

Stéphanie Lombard, Guide du street art à Paris. Paris  2020. Darin Kapitel über die „Formate XXL“ im 13. Arrondissement

Sonia Branca-Rosoff, https://passagedutemps.com/2019/04/19/les-fresques-du-boulevard-vincent-auriol/  (Bei einem Spaziergang mit Sonia Branca-Rosoff lernte ich 2019 die Street-Art entlang des Boulevard Vincent Auriol kennen. Damals sind viele meiner in diesen Beitrag aufgenommenen Fotos entstanden, andere danach bis September 2022. Einige Bilder und Texte habe ich auch dem schönen Blog von Sonia Branca-Rosoff  passage du temps entnommen. Merci, Sonia!)


Anmerkungen:

[1] https://help-tourists-in-paris.com/paris-entdecken/viertel/tipps-zum-13-arrondissement-in-paris/

[2] https://itinerrance.fr/hors-les-murs/le-parcours-street-art-boulevard-paris-13/ 

Marianne d’or pour le street art dans le 13e arrondissement (francetvinfo.fr) Siehe auch: https://www.lefigaro.fr/arts-expositions/boulevard-paris-xiii-visite-du-musee-du-street-art-qui-ne-dit-pas-son-nom-20190629

[3] Zum Invader siehe: https://paris-blog.org/2018/10/01/street-art-in-paris-3-der-invader/

[4] Text und Bild aus: https://passagedutemps.com/2019/04/19/les-fresques-du-boulevard-vincent-auriol/

[5] Bild aus: https://passagedutemps.com/2019/04/19/les-fresques-du-boulevard-vincent-auriol/

[6] Harrington: „Je pense que  la  fresque sera plutôt appropieée avec les élections présidentielles qui approchent. La manière dont j’ai peint les personnages (…)  est assez significative des changements de la  société  françaises (et européenne).“  Boulevard Paris 13, S. 60

[7] Bild aus: https://www.blocal-travel.com/world/france/paris/street-art-in-paris-13th-district/  Das Wandbild ist von der Place de Vénétie aus zu sehen, auf der Höhe der avenue de Choisy Nummer 20.

[8] Pantonio: „je me suis … inspiré de la crèche et des enfants se mouvant derrière  mes murs. Je  n’avais pas de message prédéfini à faire passer, mais  en voyant leurs dessins, j’ai réalisé qu’il n’etait question ici que d’amour du dessin.“ Boulevard Paris 13, S. 36

[9] Boulevard Paris 13, S. 40

[10] https://itinerrance.fr/la-nouvelle-fresque-du-boulevard-paris-13-en-hommage-a-tignous/

https://www.babelio.com/livres/Tignous-Pandas-dans-la-brume–Dans-les-forets-de-bambous/262101

[11] Siehe den Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2020/04/08/street-art-in-paris-5-gare-du-nord-quai-36/

[12] http://www.xgames.com/action/skateboarding/article/8349476/skater-artist-shepard-fairey-sentenced-probation-obama-hope-poster

[13] Bildausschnitt aus Boulevard Paris 13, S. 47

[14] Bild aus: https://modernevolution.com/post/134408030064/shepard-faireys-eiffel-tower-installation

[15] https://www.leparisien.fr/paris-75/paris-75013/paris-detournee-la-fresque-d-obey-representant-marianne-pleure-des-larmes-de-sang-14-12-2020-8414138.php

[16] Bild aus: Quelle est cette oeuvre de street art dans le bureau de Macron ? – Le Parisien (vom 27. Juli 2017) Über Frankreich im Ausnahmezustand siehe den Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2016/04/01/paris-ausnahmezustand/

[17]  https://www.20minutes.fr/paris/2978583-20210216-paris-marianne-artiste-obey-13e-retrouve-couleurs-continue-pleurer

Bild aus: https://www.connaissancedesarts.com/arts-expositions/street-art/street-art-obey-restaure-sa-marianne-a-paris-et-lui-ajoute-finalement-une-larme-bleue-11153203/

[18] Siehe die Blog-Beiträge: https://paris-blog.org/2020/05/10/grosse-maenner-und-frauen-des-marais-eine-ortsbesichtigung-anhand-der-portraits-des-street-art-kuenstlers-c-215-teil-2-grosse-frauen/  und https://paris-blog.org/2020/04/20/grosse-maenner-und-frauen-des-marais-eine-ortsbesichtigung-anhand-der-portraits-des-street-art-kuenstlers-c-215-teil-1-grosse-maenner/

[18a] Bild aus: https://www.francetvinfo.fr/culture/arts-expos/street-art/street-artist-engage-c215-realise-une-oeuvre-en-soutien-aux-populations-d-ukraine-sur-une-facade-du-13e-arrondissement_5014266.html

[19] Boulevard Paris 13, S. 52

[20] http://www.lemonde.fr/arts/article/2016/06/24/le-dr-house-fait-le-mur-a-l-hopital-de-la-pitie-salpetriere_4957092_1655012.html  

[21] Boulevard Paris 13, S. 62

[22] https://de.wikipedia.org/wiki/Philippe_Pinel

[23] https://de.wikipedia.org/wiki/Evelyn_Nesbit und https://passagedutemps.com/2019/04/19/les-fresques-du-boulevard-vincent-auriol/

[24] https://www.radiofrance.fr/franceculture/liberation-de-paris-la-nueve-et-ses-republicains-espagnols-enfin-pleinement-reconnus-9924544

[25] Bild aus: https://barbarapicci.com/2019/05/21/streetart-daleast-paris/

[26] Boulevard Paris 13, S. 76

[27] https://itinerrance.fr/nouvelle-fresque-de-hownosm/

[28] Quelle: https://en.wikiquote.org/wiki/William_Saroyan   

Weitere Blog-Texte zur Street-Art in Paris:

Max Ernst und seine „Windsbraut“ Leonora Carrington in Saint -Martin – d’Ardèche

Ein Zufall führte uns auf die Spur von Max Ernst und Leonora Carrington und ihr Haus in Saint-Martin d’Ardèche. Wir hatten auf dem Weg an die Côte d’Azur ein Zimmer in einer Pension des Ortes gebucht, in der rue Max Ernst. Das machte uns neugierig. Die Wirtin erklärte uns, Max Ernst habe sogar hier bei ihrer Großmutter übernachtet. Genaueres wusste sie allerdings nicht- und sie verwies uns an das am Anfang der Straße gelegene Tourismus-Büro.

Dort ist in einer Ecke ein kleiner „espace Max Ernst“ eingerichtet, wo man einige Informationen über den Aufenthalt des surrealistischen Malers Max Ernst und seiner damaligen Geliebten Leonora Carrington, ebenfalls Malerin und Schriftstellerin,  erhält, „zwei der ersten Europäer, die Saint-Martin- d’Ardèche liebten“, wie es in einem dort ausliegenden Faltblatt über „Max Ernst à Saint Martin d’Ardèche“ heißt.

Fotos: Wolf Jöckel

Auf einem kleinen Bildschirm kann man sich -von der Dame im Tourismus-Büro entsprechend vorgewarnt-  einen älteren Film in schlechter Qualität, aber in verschiedenen Sprachen -auch deutsch- mit Originalbildern aus den gemeinsamen Jahren an der Ardèche (1938-1940) ansehen.

Über dem Bildschirm ein Portrait von Max und Leonora, aufgenommen im Sommer 1939 von der amerikanischen Fotoreporterin Lee Miller.

„Max, schon weißhaarig, aufrecht, mit strahlenden Augen in die Linse blickend. Schützend, besitzend hat er für die Fotografin seinen Arm um das Mädchen gelegt, das sich klein macht in seiner Umarmung und dessen Lächeln sich im Unendlichen verliert.“[1]

Von der freundlichen Dame  im Tourist-Büro erhält man auch einen Plan, in den sie die Lage des Hauses einzeichnet, das Max Ernst und Leonora Carrington damals bewohnten – verbunden mit dem bedauernden Hinweis, viel sei da allerdings nicht mehr zu sehen. Es handele sich um Privatbesitz, „une résidence privée“, die man nicht besichtigen könne, „qui ne se visite pas.“

Natürlich lassen wir uns davon nicht entmutigen. In dem Viertel Les Alliberts, auf dem Höhenzug über Saint-Martin- d’Ardèche,  finden wir nach einigem  Suchen schließlich das Haus- die Dame vom Tourismus-Büro hatte es auf dem Plan nicht richtig markiert….  Aber es ist mit seinem großen Relief an der Außenwand nicht zu verfehlen:

Das Relief besteht aus zwei bzw. drei Figuren:  

Fotos: Wolf Jöckel

Die männliche links ist ein mächtiges Vogelwesen, das bedrohlich die Arme hebt und seinen scharfen Schnabel aufreißt. Das muss doch „der Vogelobre Loplop“ sein, den Max Ernst 1938 im „Dictionnaire abrégé du Surréalisme“ als „Maler, Dichter und Theoretiker des Surrealismus von den Anfängen bis zum heutigen Tag“ vorgestellt hatte. Max Ernst hat sich eindeutig mit diesem Vogelwesen identifiziert und so erscheint er immer wieder in dieser Gestalt in seinen Werken.  Loplop, sein „Privatphantom“, wie er es selbst einmal nannte, erlaubte es ihm, sich gleichzeitig von seinem Werk zu distanzieren als es auch zu präsentieren.[2]

Das  Vogelwesen besitzt einen doppelten Unterleib: Auf einer Wandstütze, aus der oben Hals, Kopf und Arme ragen, tanzt eine kleine, mit Schuppen und Federn geflügelte Froschmaul- Figur. Auch dieser wilde Geselle gehört zu Loplop.  

Fotos: Wolf Jöckel

Diese Figur besteht also gewissermaßen aus zwei Loplops: dem großen, mächtigen beschützenden, und dem kleinen, wilden Kobold, dem ganz offensichtlich nachträglich sein Geschlecht abhandengekommen ist.

Und wer oder was ist die andere Figur? Ein weibliches Wesen, offenbar, mit einem langen Hals und einem Kopf, der ebenfalls ein Vogelkopf sein könnte, einem Emu ähnlich oder einem Strauß. Bedeckt ist der Kopf mit einem Fisch.

Die eine Hand ist beschwichtigend-beschwörend abgespreizt, die andere trägt ein die Zähne bleckendes Monster.

Fotos: Wolf Jöckel

Es ist klein, aber es könnte vielleicht noch viel größer werden. Und hat sich vielleicht sogar der Daumen in ein Monster verwandelt? Max und Leonora haben sich zur Bedeutung dieser Mischwesen nicht geäußert- man darf sich also seinen eigenen Phantasien überlassen…. [3]

Die Bewohner waren abwesend, als wir da waren. So konnte man sich immerhin etwas in dem umliegenden Gelände umsehen – was kaum möglich gewesen wäre, wenn die sehr Besucher-abweisenden Hausbesitzer dagewesen wären.[4]  Wo also sind die – im Tourismus-Büro abgebildeten-  phantastischen Gestalten,  mit denen der Garten bevölkert war?

Die gibt es offensichtlich nicht mehr.

Zu gerne hätten wir natürlich einen Blick ins Haus geworfen, um zu sehen, was innen noch aus der Zeit geblieben ist, in der Max und Leonora hier wohnten.

Aus dieser Zeit stammen doch sicherlich die Plastiken, die man immerhin nach ein bisschen Kletterei in der offenen Loggia des Hauses erkennen kann.

Fotos: Wolf Jöckel

Da spätestens wird man neugierig, mehr zu erfahren über dieses Haus, das eigentlich „eine Kultstätte des Surrealismus sein müsste.“ [5]  

Die Begegnung

Beginnen wir mit Leonora. Eine Carrington: Also Tochter aus allerbestem Hause. Der Vater hatte seine Firma an das Chemiekonglomerat ICI verkauft und war damit zu einem Hauptaktionär der Firma geworden; mit der deutschen I.G. Farben und der amerikanischen DuPont eines der drei größten Chemieunternehmen der Welt. Die Tochter wurde -noblesse oblige/(Geld-) Adel verpflichtet- bei Hof vor- und in die bessere Gesellschaft eingeführt, und sie war dazu bestimmt, die ihr zugedachte Rolle als „gute Partie“ auszufüllen.  Dazu passte -wenn es denn in geordneten Bahnen und maßvoll bliebe- das große Interesse des jungen Mädchens an Kunst. Als Schülerin einer von einem französischen Maler geleiteten Kunstschule traf sie im Juni 1937 auf einer dinner party in London Max Ernst, der dort eine Ausstellung seiner Werke eröffnete.

Für beide war dies eine schicksalshafte Begegnung: ein coup de foudre, ein Blitzeinschlag, eine ganz elementare und gewaltige Liebe auf den ersten Blick. Für die gerade 20-jährige Leonora war Max der bewunderte Maler, dessen Bilder sie magisch anzogen, der erträumte Mann ihres Lebens:   „Max was at that moment the man that every woman waits for; there it was, the man that I had always imagined.“[6]

Für Max Ernst war Leonora eine junge Frau von überwältigender Schönheit. Ihm muss es wohl ähnlich ergangen sein wie seinem Sohn Jimmy, der über sein erstes Zusammentreffen mit Leonora in Paris schrieb: „Eine der schönsten Frauen, die ich je gesehen hatte…. Ihre dunkle, glutvolle Schönheit riss mich so hin, dass es mir schwerfiel, zusammenhängend mit ihr zu reden.“[7]  Leonora erschien  geradezu als Verkörperung des in surrealistischen Kreisen gepflegten Idealbilds einer femme enfant, einer kindhaften, erotisch anziehenden Frau und Muse.[8] 

Nach einigen Tagen kehrte Max nach Paris zurück;  Leonora Carrington an seiner Seite.

Mit Leonora in Paris

Für Leonora bedeutete dies den Bruch mit der Familie, bzw. vor allem mit dem Vater. Der hatte zunächst vergeblich versucht, einen Haftbefehl gegen Max Ernst wegen öffentlicher Präsentation pornographischer Bilder zu erwirken.[9] Auch die skandalöse Liaison seiner Tochter mit einem verheirateten älteren Mann und (für ihn) anrüchigen Maler konnte er nicht verhindern. Aber seine Reaktion war eindeutig: Keinen einzigen pence mehr für Leonora und Hausverbot: ‚Never will my door be darkened by your shadow‘[10] – was dann auch so geschah…

In Paris bezogen Leonora und Max zusammen eine kleine Wohnung und führten ein bewegtes Leben. Dazu Leonora:

In Paris, Max taught me a new way to live, of coming into my own; he made my ideas develop, the visions that had lived in me since childhood: he drew me to him, to surrealism. He gave me all his support, his love: in our home there were always friends, they arrived continually, Paul Eluard, André Breton, Louis Aragon, Marcel Duchamp, and Yves Tanguy who were from the group. We held formidable reunions, we wrote, we painted, we created poetry: we communicated ideas, feelings… [11]  Hier hat Leonora nur einige der damaligen Freude genannt:  Giacometti, Salvador Dalí, Man Ray und die Photographin Lee Miller sollten wenigstens noch zusätzlich genannt werden.

Leonora genoss dieses Leben einer avantgardistischen Bohème und sie passte gut dazu: So berichtet der Surrealismus-Papst André Breton, wie Leonora in einem feinen Pariser Restaurant die Abendgesellschaft schockierte, weil sie während des Diners ihre Schuhe auszog und zum Entzücken der surrealistischen Freunde die Füße seelenruhig mit Senf bestrich….[12]

Aber da gab es ja noch die Ehefrau, mit der Max Ernst immer noch offiziell eine Wohnung in der rue des Plantes teilte. Marie-Berthe war einiges gewohnt und hatte viele Eskapaden ihres Ehemanns erduldet und hingenommen. Aber derart abserviert und aufs Abstellgleis verbannt zu werden, war dann doch zu viel. Es kam zu öffentlichen Szenen, einmal wurde Marie-Berthe sogar auf offener Straße handgreiflich, aber Leonora schlug -im wahrsten Sinne des Wortes- die Ehefrau in die Flucht.  Auch die einflussreichen, tief katholischen und tief gekränkten Schwiegereltern blieben nicht untätig: Sie machten in Paris systematisch Stimmung gegen Max Ernst, so dass sich bald unverkaufte Bilder bei ihm stapelten. Da war es dann doch für das jungverliebte Paar besser, Paris zu verlassen.

Saint-Martin- d‘Ardèche als Rückzugsort

Warum ausgerechnet dorthin?  Die Ardèche hatte Max Ernst durch Marie-Berthe kennen- und lieben gelernt, die aus dieser Gegend stammte. Saint-Martin bot sich an: ein ruhiger, am Ausgang der Ardèche-Schlucht gelegener 300-Seelen-Ort mit einem typischen südfranzösischen kleinen Dorfplatz mit Platanen und Sankt Martins-Statue…

… einer alten Kirche….

… und einem Kieselstrand mit Blick auf das malerische Aiguèze hoch oben auf der anderen Seite des Flusses.  

Foto: F. Jöckel

Und es gab im Ort das Hotel und Café du Centre von Alphonsine Garrigou, genannt Fonfon, wo die beiden Liebenden in einem Dachzimmer unterkamen.

Allerdings währte dieses Glück nur kurze Zeit. Denn Marie-Berthe hatte noch nicht aufgegeben. Sie hatte die Adresse der beiden Liebenden herausbekommen, war hingefahren und hatte bei Fonfon ihren Gefühlen freien Lauf gelassen.  Max Ernst war hin- und hergerissen zwischen Ehefrau und Geliebter. „Er war ein schwacher Mann“, sagte Leonora später. Im Winter 1937/38 fuhr er nach Paris zurück, um, wie Leonora sarkastisch bemerkte, seinen „genitalen Verpflichtungen“ als Ehemann nachzukommen. Für Leonora war dies eine Zeit großer Verlassenheit und Angst. „Ich glaubte, Max würde niemals zurückkommen. Ich wusste nicht, was aus mir werden sollte“, erzählte sie 50 Jahre später ihrer Biographin.[13]

In dieser Zeit entstand wohl ihr Portrait Max Ernsts- mit schlohweißem Haar in einer Eiswüste. Auch das Pferd -Leonoras alter ego- ist zu Eis erstarrt.

Es gibt noch ein zweites Pferd auf dem Bild, und zwar in der Laterne, die Max Ernst in der Hand hält: Es könnte dort eingeschlossen, gefangen sein; es könnte aber auch dem Mann in der Eiswüste als Wegweiser dienen; oder die Laterne könnte Wärme spenden, um das zu Eis erstarrte Pferd wieder zum Leben zu erwecken….  So macht das Portrait etwas von der Ambivalenz deutlich, die damals die Beziehung zwischen Max Ernst und Leonora Carrington bestimmte. [14]

Doch im Frühjahr 1938 kehrte Max Ernst zurück, zurück nach Saint-Martin und zurück zu Leonora. Er hatte sich endgültig von seiner Frau getrennt. Er hatte sich auch dafür eingesetzt, dass noch 1938 Leonoras Text „La Maison de la peur“, „das Haus der Angst“ mit einem Vorwort von ihm und drei seiner Collagen in Paris erschien. Und er hatte die spektakuläre Pariser Surrealisten-Ausstellung mit eingerichtet, in der auch Leonora mit zwei Gemälden vertreten war. Er traf in dieser Zeit auch seinen Sohn Jimmy. Der war dabei, nach Amerika zu emigrieren- anders als seine Mutter, Luise Straus-Ernst, die „Notre Dame de Dada“ aus Kölner Tagen.  Max Ernsts erste Frau war als Jüdin vor den Nazis nach Paris geflüchtet, eine Emigration in die USA erschien ihr aber weder notwendig noch gar verheißungsvoll – ein tragischer Irrtum.[15]  Jimmy aber begann, wie später dann auch sein Vater-  ein neues Leben in den USA. Max Ernsts Traum war dagegen viel näher liegend und bescheidener, wie er seinem Sohn erklärte:

„Alles, was ich jetzt möchte, ist, Paris für lange Zeit hinter mir zu lassen und mit Leonora in Ardèche zu leben … und sie zu lieben… wenn die Welt uns nur lässt.“ [16]

Loplop und die Windsbraut im Zauberhaus

Der Wunsch nach einer gemeinsamen Zukunft materialisierte sich im Kauf eines Hauses in Saint- Martin. In den autobiografischen Notizen Max Ernsts, die er 1963 für einen Katalogtext erstellte, ist unter der Jahreszahl 1938 vermerkt:

„M.E. verlässt die Surrealistengruppe, zieht mit Eleonora Carrington nach Saint-Martin d’Ardèche bei Pont Saint-Esprit, etwa 50 km nördlich von Avignon. Kauft ein Haus und schmückt es mit Wandgemälden und Flachreliefs.“[17]

Bemerkenswert ist hier die ausführliche Ortsangabe. Erklärbar wohl auch damit, dass bei der Auswahl von Saint -Martin- d’Ardèche einerseits die Distanz von Paris, andererseits aber auch die relativ gute Erreichbarkeit wohl eine wesentliche Rolle gespielt hat. In den beiden Jahren, die Max und Leonora hier verbringen werden, sind auch immer wieder Pariser Freunde zu Gast bei ihnen. Gekauft hat das Haus allerdings nicht Max Ernst, sondern allein Leonora. Vielleicht weil Max Ernst ja verheiratet war, was die Sache möglicherweise komplizierter gemacht hätte, vielleicht auch, weil es Max noch nicht gelungen war, die französische Staatsbürgerschaft zu erhalten, er also formal immer noch (Nazi-)Deutscher war.  Angesichts der aufziehenden Kriegsgefahr war eine Engländerin wohl eine seriösere Käuferin, und die 2000 Franc für den Kauf hatte Leonora wohl von der Mutter zugesteckt bekommen. Merkwürdig, dass Max Ernst das anders darstellt und dass seine Version immer wieder übernommen wurde- selbst in dem grundlegenden Werk des Max Ernst-Spezialisten Werner Spies.[18]  

Das alte Winzerhaus war damals völlig heruntergekommen, im Grunde eine unbewohnbare Ruine.  Mehr als ein Jahr lang waren örtliche Handwerker, vor allem aber Max und Leonora selbst mit der Renovierung und dem Ausbau beschäftigt. Die Loggia beispielsweise mit dem Blick auf Saint Martin und die Ardèche entstand erst jetzt.  Vor allem aber: Max und Leonora schmückten Haus und Garten mit Skulpturen und Wandgemälden und formten es so zu einem „surrealistischen Zufluchtsort“ um.[19]

Max Ernst bei der Arbeit am Relief der Südseite[20]

Mit großer Freude arbeitete Max Ernst an den Reliefs und Skulpturen. Sie hatten hier ihren Platz wie die Liebe, für die das Haus ein Zufluchtsort war. Für Max Ernst gab es da deutliche Parallelen. Er verglich die Arbeit an Skulpturen gerne mit der Liebe: „Die Skulptur entsteht in einer Umarmung, zweihändig, wie die Liebe. Sie ist die einfachste, die ursprünglichste Kunst. Ich brauche mich nicht zu zwingen und mir keine wirkliche Leitlinie zu setzen“.[21]

Leonora  posiert neben dem fertigen (und unverstümmelten)  Loplop und legt den  Arm an seinen Schuppenflügel….[22]

Auch sie hat mit ihrer phantastischen Malerei viel zur Verschönerung des Hauses beigetragen. [23]

Zum Beispiel durch die „ wunderschöne weiße Chimäre -halb Pferd, halb Fisch – mit wallender Mähne und ihrem Gesicht“ auf der grünen Holztür zum Garten.“[24] 

2006 hat Leonora Carrington, inzwischen eine in Mexiko gefeierte Künstlerin, in einem Interview das Gleichgewicht in der Beziehung mit Max Ernst hervorgehoben: Die beiden arbeiteten gemeinsam am Haus, er illustrierte ihre Texte und kümmerte sich um ihre Publikation.  Für André Breton und die Surrealisten sei die Frau dagegen auf die Rolle als Schmuckstück und Muse reduziert worden. „Sie legten die Frau nackt und mit einem Lächeln auf einen Diwan und ließen sie dort zurück. Aber Max war anders.“ So sei die Zeit mit ihm in Saint-Martin- d’Ardèche eine der fruchtbarsten ihres Lebens gewesen.[25]  

„Loplop stellt die Windsbaut vor“ steht über Max Ernsts Vorbemerkung zu Eleonora Carringtons im schlimmen Winter 1937 verfasster Novelle „Das Haus der Angst“: Ein Text voller erotischer Glückseligkeit des Vogeloberen, der endlich „seine wahre Windsbraut gefunden hatte, nicht schwach und untertan wie zunehmend Marie-Berthe Aurenche, sondern verführerisch-wild, ihm ebenbürtig und unentbehrlich in der gegenseitigen Beflügelung der Phantasie“.[26]

Und so stellte Max Ernst die Windsbraut vor:

„Sie ist geschnitzt aus ihrem lichten Leben, aus ihrem Geheimnis, aus ihrer Poesie. Sie hat nichts gelesen, doch sie hat alles getrunken. Sie kann nicht lesen. Und doch hat die Nachtigall sie auf dem Stein des Frühlings sitzen und lesen sehen. Und obwohl sie nicht laut las, hörten ihr die Tiere des Waldes und die Pferde zu.“

Foto: Lee Miller 1938

Und über Loplop:

„Seht diesen Mann dort, wie er, bis zu den Knien im Wasser, stolz dasteht. Wilde Liebkosungen haben auf seinem herrlichen, perlmutternen Leib ihre leuchtenden Spuren hinterlassen. Was zum Teufel treibt dieser Mann mit dem türkisfarbenen Blick, mit Lippen, die purpurrot sind von edlen Begierden? Dieser Mann macht die Landschaft heiter“.[27]

Bei dem Mann, „bis zu den Knien im Wasser“, denkt man natürlich an Max Ernst beim Bad in der Ardèche. Denn die beiden Liebenden gingen gerne den steilen Weg durch die Weinberge hinunter zum Fluss. Im Dorf erzählte man sich: „Die Badeslips trugen sie dabei mit Vorliebe auf dem Kopf. Splitternackt gingen sie.“ Jedenfalls bis zum Dorfrand.  Und sie seien fast jeden Abend zu Fonfon gegangen und hätten sich mit Wein oder Marc vollaufen lassen. Ihn nannten sie im Dorf „Le Max“ oder „Monsieur Erneste“, sie war die „Anglaise.“ Einig war man sich: „Ausländer sind Spinner“.[28] Aber offenbar ließ man die exotischen Vögel in Ruhe und hatte manchmal sogar eine heimliche Freude dabei, sie beim Weg zum Fluss zu beobachten….

Lee Miller hat bei ihren Besuchen an der Ardèche das kurze Glück Loplops und der Windsbraut fotografisch festgehalten.[29]

In dieser Zeit entstand auch eines der bedeutendsten Werke Max Ernsts: Un peu de calme.   Etwas Ruhe für sich und die Windsbraut wünschte sich Max Ernst in den damaligen unruhigen, ja bedrohlichen Zeiten.[30]

Das Bild hängt in der National Art Gallery, Washington. Anlässlich einer Max Ernst-Ausstellung 2013 in der Fondation Beyeler, zu der auch Un peu de calme gehörte, wurde das Bild so beschrieben:     Das über drei Meter breite „Panorama einer undurchdringlichen Waldlandschaft spannt Max Ernst vor unseren Augen auf. Schemenhaft sind riesige Vögel, wilde Bestien und andere Tiergestalten zu erkennen.“

„Über der harten, scharfkantigen Waldkulisse steht leicht deformiert der Mond, der die gesamte Landschaft in ein fahles Licht taucht. Eine schildkrötenförmige Wolke scheint links aus dem Bild zu fliehen. Das riesenhafte Gemälde erzeugt eine eigenartige Stimmung; man spürt förmlich eine Katastrophe herannahen. Un peu de calme – Ein wenig Ruhe: Der Titel des Werks verharmlost diese schwelende Anspannung und beschwört gleichzeitig die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm herauf. Es ist das Bild einer Natur, die sich ins Bedrohliche und Unheimliche gewendet hat. Im Rückblick ist die Katastrophe, auf die Max Ernst anspielt, leicht auszumachen: Das Gemälde entstand am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, der dem Künstler Internierung, Flucht und Exil bringen sollte. Im Jahr 1939 stellt sich die Welt als undurchdringliches, auswegloses Dickicht dar.“[31]  Am rechten unteren Bildrand hat sich allerdings „ein winziges Vögelchen eingeschmuggelt, umhüllt und beschützt von einer weiblichen Silhouette- Loplop und seine Windsbraut“.[32]

Un peu de calme ist das einzige seiner in Saint-Martin zurückgelassenen Werke, das Max Ernst nach dem Krieg wieder in Besitz nehmen konnte.  Im Salon seines letzten Wohnortes, in Seillans in Südfrankreich, nahm es einen Ehrenplatz ein.

Erste Internierung in Les Milles

Doch die ersehnte Ruhe war nur von kurzer Dauer.  Am 1. September marschierte die Wehrmacht in Polen ein, Großbritannien und Frankreich erklärten Nazi-Deutschland den Krieg. Und dann standen Gendarmes vor der Tür in Saint-Martin, legten Max als „feindlichem Ausländer“ Handschellen an und führten ihn ab. Zunächst in das Gefängnis von Largentière bei Aubenas. Leonora mietete sich in der Nähe ein und versorgte Max mit Malutensilien und Essen. Doch im Oktober 1939 wurde Max Ernst in das große Internierungslager Les Milles bei Aix-en-Provence verlegt, eine ehemalige Ziegelei.

Foto: Wolf Jöckel

Lion Feuchtwanger hat die schlimmen Zustände in der Fabrik, die als Lager völlig ungeeignet war, eindrucksvoll in seinem Buch „Teufel in Frankreich“ beschrieben.  Es gibt auch in einem früheren Blog-Beitrag über die deutsche Emigration in Frankreich einen Abschnitt über Les Milles, in dem es auch um Max Ernst geht:

https://paris-blog.org/2016/04/18/exil-in-frankreich-sanary-les-milles-und-marseille/

Immerhin wurde Max Ernst am 23. Dezember 1939 wieder aus dem Lager entlassen. Sein Freund Paul Eluard hatte direkt an den Staatspräsidenten geschrieben, um die Freilassung von Max Ernst gebeten und sich persönlich für ihn verbürgt. So konnte Max Ernst nach Saint-Martin- d’Ardèche zurückkehren.

Letztes kurzes Glück

Zurück aus der Lagerhaft malte Max Ernst das Bild  Leonora in the Morning Light, ausdrücklich versehen mit dem Zusatz To Leonora.[33]

Leonora in the Morning Light, 1940 (Bildausschnitt)

Die schöne Leonoras taucht hier mit makellosen Zügen und wilder Löwenmähne aus dem Urwald auf. Titel und Gegenstand veranschaulichen die große Freude des aus dem Dunkel des Lagers befreiten Malers, seine auf ihn sehnsüchtig wartende Geliebte wiederzusehen.

Den beiden ist noch einmal eine kurze Zeit des Glücks in Saint-Martin-d’Ardèche vergönnt. Leonora  schreibt in ihr Tagebuch:

„I’m in my house with Max. For two years I have been desperately and madly in love with Max. I’m still painting but only to keep me from going crazy. Every second…. I want him to live only for and with me. I wish that he had no past…I want him forever. I want to be in the same body as him … I want absolute love….“[34]

Das Ende

Im Mai 1940 beginnt der „Blitzkrieg“ der Wehrmacht gegen Frankreich. Das Land gerät von einem Zustand illusionärer Selbstgewissheit in den einer absoluten Panik. Überall werden Verräter und Spione gewittert. Max Ernst wird denunziert, erneut verhaftet und wieder nach Les Milles gebracht. Leonora ist verzweifelt, bricht psychisch zusammen. Zwei Freunde, auf der Flucht aus Paris vor den vorrückenden deutschen Truppen, kommen nach Saint-Martin und fordern Leonora dringend auf, mit nach Spanien zu kommen. Die Wirtin des ortsansässigen Hotels, die schon lange ihr Auge auf das renovierte Haus und den umliegenden Weinberg geworfen hat, nutzt die Gunst der Stunde: Es sind noch Rechnungen offen, die vor der Abreise beglichen werden müssen. Sie schickt Leonora zu einem willigen Notar. Der werde sich nach ihrer Abreise um alles kümmern. Auf seinen Rat unterschreibt Leonora eine Vollmacht für die Hotelbesitzerin, in ihrem Namen und Auftrag das Haus mit seinem gesamten Inventar, einschließlich der Bilder, zu verkaufen. Schon eine Woche später geht die Transaktion über die Bühne.  Der Kellner und spätere Ehemann der Wirtin erwirbt Grundstück und Haus und vor allem die darin enthaltenen Kunstwerke eines international gehandelten Künstlers für lächerliche 20. 000 Francs. Ob Leonora wenigstens die jemals erhalten hat, ist auch nicht sicher: Skrupellose Kriegsgewinnler -kleine wie große- gab es damals und gibt es heute wieder….

Für Max Ernst und Leonora Carrington beginnen nun dramatische Monate der Flucht – vor den Nazis, dazu für Leonora vor den Nachstellungen der Eltern. Sie treffen sich noch einmal 1941 in Lissabon. Da ist Leonora wieder verheiratet mit einem mexikanischen Diplomaten, den sie noch aus Paris kennt  und der ihr den Weg in ihre neue Wahlheimat Mexiko eröffnet; und Max ist in Begleitung der Kunstsammlerin und Millionärin Peggy Guggenheim, die ihn nach New York begleitet und seine dritte Ehefrau wird.  

Max Ernst kommt nach dem Krieg noch einmal nach Saint-Martin-d’Ardèche zurück. Von den Bildern, die er zurückgelassen hat, ist nichts mehr da, außer Un peu de calme, das offenbar den gierigen Augen der neuen Besitzer entgangen ist: Die Leinwand klebte im Untergeschoss an der Wand, man hielt es für ein Fresko.  Gerne hätte Max Ernst das Haus zurückgekauft, aber das scheitert an zu hohen Preisvorstellungen. Empört und mit wilden Flüchen verlässt er Saint-Martin-d’Ardèche. „C’est un village pourri“, „ein verfaultes Dorf“, habe er damals geschimpft, wie sich Dorfbewohner erinnern. [35] 1957 verkauft das geschäftstüchtige Paar das Anwesen für den Gegenwert eines Deux-Chevaux an einen Industriellen aus Lyon. Die Übernahme des Hauses von Leonora zum Schnäppchen-Preis hat sich für sie ja schon reichlich ausgezahlt. [36] Und auch der neue Besitzer will Kasse machen: Nach und nach werden die noch erhaltenen fragilen, oft aus Fundstücken zusammengesetzten Skulpturen aus dem Zusammenhang gelöst und -auch als Bronzeabgüsse- auf dem Kunstmarkt feilgeboten. Die Skrupelllosigkeit, mit der dabei vorgegangen wurde, ist erschreckend. Es lohnt sich sehr, dazu den Bericht von Silvana Schmid zu lesen: ein beeindruckendes Werk eines investigativen Journalismus. 1991, im Jahr des 100. Geburtstages von Max Ernst, organisiert das Centre Pompidou eine große Retrospektive des Künstlers. Stücke aus Saint-Martin-d’Ardèche sind nicht dabei. Im gleichen Jahr werden im Hotel Président in Genf „trois sculptures originales majeures“ von Max Ernst aus Saint-Martin öffentlich versteigert.

Die Plünderung des wunderbaren, einzigartigen Künstlerhauses in Saint-Martin: Eine Mischung aus Gier, Desinteresse, Banausentum, Wegschauen… Und kein Ruhmesblatt für die französischen Kulturbehörden und den Denkmalschutz….

Die wunderbaren Reliefs an der Südwand immerhin bleiben. Die sind „classé“, stehen also unter Denkmalschutz. Aber auch für sie allein lohnt sich der Weg…

Literatur: 

Julotte Roche, Max et Leonora. Récit d’investigation. Cognac: Le temps qu’il fait 1997

Silvana Schmid, Loplops Geheimnis. Max Ernst und Leonora Carrington in Südfrankreich. Frankfurt/Main: Anabas 2003

Jimmy Ernst, Nicht gerade ein Stilleben. Erinnerungen an meinen Vater Max Ernst. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1991

Karoline Hille, Gefährliche Musen. Frauen um Max Ernst. Berlin 2007

Ulrich Bischof, Max Ernst 1891-1976. Jenseits der Malerei. Herausgegeben  von Ingo F. Walter. Köln: Benedikt Taschen Verlag 1987

Werner Spies (Hrsg), Max Ernst. Leben und Werk. Köln: Dumont 2005

Max Ernst. Skulpturen, Häuser, Landschaften; hrsg. von Werner Spies (Ausstellungskatalog Paris, Musée national d’art moderne/Centre Georges Pompidou, 5.5.-27.7.1998; Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 5.9.- 29.11.1998); Köln: DuMont 1998 (DB

Facebook-Seite von Leonora-Carrington: https://www.facebook.com/leonoracarringtonweisz/photos


Anmerkungen

[1] Schmid, Loplops Geheimnis, S. 10

[2] Siehe Ulrich Bischoff, Max Ernst 1891-1976. Jenseits der Malerei. Herausgegeben von Ingo F. Walther. Köln: Benedikt Taschen Verlag 1987

[3] Zur Beschreibung der Figurengruppe siehe: http://www.cdgeissler.com/blog/tag/saint-martin-dardeche/ und Tobias Gohlis, Traumtrümmer aus der Ardèche. Silvana Schmid hat die Geschichte des Hauses rekonstruiert, in dem Max Ernst und Leonora Carrington wohnten. https://www.zeit.de/2003/18/SM-Max_Ernst

[4]  In einer Master-Arbeit des deutsch-französischen Studiengangs der Universitäten  Aix-Marseille und Tübingen über Max Ernst-Erinnerungsorte in Deutschland und Frankreich aus dem Jahr 2019 wird Saint -Martin -d’Ardèche zu den „Lebensorten mit geringerer Erinnerungskultur“ gezählt und es wird berichtet, wie unwirsch die Besitzer des Hauses auf die Studentin reagierten, die lediglich das Haus fotografieren wollte. (S. 63)

[5] Schmid, Loplops Geheimnis,  S. 12

[6] Zit. auf der facebook-Seite von Leonora Carrington, die auch nach ihrem Tod weitergeführt wird:  Leonora Carrington Facebook Page Administrated, Edited & Moderated by JOAQUÍN HERNÁNDEZ HINOJOSA. Text zu:  ‚Leonora in the Morning Light,‘ by Max Ernst. https://www.facebook.com/photo/?fbid=1839777676052020&set=a.222057264490744

Der selbe Text findet sich als Begleittext zur  Versteigerung von „Leonora in the Morning Light“ bei Sotheby’s: https://www.sothebys.com/en/auctions/ecatalogue/2012/impressionist-modern-art-evening-sale-n08850/lot.48.html  Leonora gibt da ihr Alter zur Zeit der ersten Begegnung mit Max mit 19 an. Allerdings war sie im April 1937 20 Jahre alt geworden.

[7] Jimmy Ernst, Nicht gerade ein Stilleben, S. 159

[8] Portrait aus der facebook-Seite von Leonora Carrington

[9] Siehe Jimmy Ernst, Nicht gerade ein Stilleben,  S. 193

[10] Wie Anmerkung 6

[11] Wie Anmerkung 6. Ähnlich hat sich Leonora Carrington noch als 88-Jährige in einem Interview aus dem Jahr 2006 geäußert: Su vida con Max Ernst sólo duró dos años, pero ¿fue él su gran amor?
– L.C.: Fue amor a primera vista. Me fui con él y mi compañero, Serge Chermayeff, me llamó puta. Yo le contesté: «Así son las cosas, ¿qué quieres que haga?». Fue maravilloso. No puedo decir que fuera la relación más importante; fue un gran amor y un gran mentor. Pero no creo en superlativos ni en categorizaciones. Sin embargo, Max me mostró otro universo y me llevó por caminos a los que en mi pequeña vida ordinaria de burguesa jamás habría tenido acceso. Lo adoraba como artista y como intelectual.  Facebook-Seite von EC vom 11. August 2017)

[12] siehe  Hille, Gefährliche Musen,  S. 103/104 

[13] Schmid, Loplops Geheimnis,  S. 46

[14] Bilder aus:  https://www.countrylife.co.uk/luxury/art-and-antiques/focus-extraordinary-portrayal-max-ernst-surrealist-pioneer-inspired-dali-lover-fled-paris-191577 Erläuterung zum Bild

https://www.nationalgalleries.org/art-and-artists/164061/bird-superior-portrait-max-ernst

[15] Zu Louise Straus-Ernst siehe den Blog-Beitrag: Von der ‚Notre-Dame-de-Dada‘ im Köln der 1920-er Jahre über das Exil im ‚Zauberkreis Paris‘ nach Auschwitz: Das dramatische Leben von Luise Straus-Ernst. https://paris-blog.org/2022/04/01/von-der-notre-dame-de-dada-im-koln-der-1920-er-jahre-uber-das-exil-im-zauberkreis-paris-nach-auschwitz-das-dramatische-leben-von-luise-straus-ernst/

[16] Jimmy Ernst, Nicht gerade ein Stilleben, S. 193

[17] Zitiert bei Hille, Gefährliche Musen,  S. 104/105

[18] Auf S. 140  des von Werner Spies herausgegebenen Buches Max Ernst, Leben und Werk ist unkommentiert der entsprechende Tagebucheintrag von Max Ernst übernommen, ohne ihn als solchen zu kennzeichnen.

[19] Wie Anmerkung 6

[20] https://m.facebook.com/222054157824388/photos/a.519787921384342/519789854717482/

[21] Zitiert von Valérie-Anne Sircoulomb in: Journal für Kunstgeschichte 3, 1999, Heft 3 file:///C:/Users/wolfj/Downloads/31921-Artikeltext-96895-1-10-20160706%20(4).pdf

[22] Bild https://www.facebook.com/photo/?fbid=2128819153814536&set=a.222057264490744

(Ausschnitt)

[23] https://twitter.com/studiomuseums/status/955413540113960963/photo/1 und https://en.leonoracarringtonmuseo.org/el-taller-de-leonora

[24]  Text und Bild bei Hille, Gefährliche Musen,  S. 111 und 114

[25] Aus einem Interview mit der 88-jährigen Leonora Carringten aus dem Jahr 2006. Facebook-Seite von LC vom 11. August 2017

[26] Hille, Gefährliche Musen, S. 111 Nachfolgendes Bild  by Lee Miller, 1939 aus:

https://www.facebook.com/photo/?fbid=2147072528655865&set=a.222057264490744 Bild auch bei: https://www.wikiart.org/de/leonora-carrington

[27] Zitiert bei Hille Gefährliche Musen, S. 111 und 114. Vorausgehendes Bild  aus: https://www.faz.net/aktuell/stil/mode-design/die-frau-in-hitlers-badewanne-lee-miller-fotografierte-mode-und-krieg-17886281/die-surrealisten-max-ernst-und-17887248.html

[28] Schmid, Loplops Geheimnis, S. 40

[29] Bild aus: http://i-art-rachel.blogspot.com/2011/06/leonora-carrington.html

[30]  Bild aus: https://mitue.de/?p=936

[31]https://www.fondationbeyeler.ch/fileadmin/user_upload/Ausstellungen/Vergangene_Ausstellungen/Max_Ernst/saalheft_d_ernst.pdf

[32] Hille, Gefährliche Musen, S. 114/115

[33] Bild aus: https://www.facebook.com/photo/?fbid=1839777676052020&set=a.222057264490744

[34] Wie  Anmerkung 6

[35] Schmid, Loplops Geheimnis, S. 24

[36] Siehe Roche, Max et Leonora,  S. 165