Das multikulturelle, aufsässige und kreative Belleville: Modell oder Mythos?

Gegenstand dieses Beitrags ist das Stadtviertel Belleville im 20. Arrondissement von Paris. Belleville weist –ähnlich wie der Faubourg Saint Antoine- keine Sehenswürdigkeiten im traditionellen Sinne auf und wird deshalb von den üblichen Reiseführern eher nicht beachtet. Es ist aber ein außerordentlich lebendiges, facettenreiches Viertel, dessen Besuch unbedingt zu empfehlen ist. Es ist ein  Ort der Kunst, vor allem auch der Street-Art, ein  Ort politischen Engagements in Vergangenheit und Gegenwart und nicht zuletzt das multikulturelle Viertel von Paris. Hier wird Belleville oft Modellcharakter zugesprochen, der allerdings in letzter Zeit  immer mehr in Frage gestellt wird. Ist Belleville also auf dem Weg vom Modell zum Mythos? Ich kann die Frage stellen; ich kann auch erläutern, warum man sie sich stellen  kann oder vielleicht sogar muss, beantworten kann ich sie aber nicht.

Der Bericht enthält folgende Abschnitte:

  1. Das Belleville des Wassers und des Weins
  2. Das Belleville der Arbeiter und Handwerker
  3. Das Belleville der Commune
  4. Das –immer noch- linke Belleville
  5. Das Belleville der Guinguettes und der Ballsäle
  6. Das Belleville der Künstler und der Bobos
  7. Das Belleville der Street Art
  8. Das multikulturelle Belleville (Juden, Tunesier, Schwarzafrikaner, Chinesen)

Wenn von Belleville die  Rede ist, fehlt fast nie die Betonung des multikulturellen Charakters des Stadtviertels: Es ist ein „Babel“, ein „laboratoire de la diversité“, une „terre d’asile et d’accueil de populations aux provenances multiples“, geprägt vom „exotisme des communautés mélangées.  „C’est un lieu emblématique des quartiers pluriethniques à la française“, wie es in einer Präsentation des Viertels durch das Pariser Immigrationsmuseum heißt.[1] In der Tat leben dort auf engem Raum zusammen bzw. nebeneinander alteingesessene Franzosen[2], Nordafrikaner. Schwarzafrikaner und Chinesen- bzw. Menschen afrikanischer, asiatischer oder karibischer Herkunft; Chrsten, Juden,  Mohammedaner, Bouddhisten und sicherlich auch Atheisten.

Im Gegensatz zu Arrondissements, wo die Weißen weitgehend unter sich sind (wie im 16.), die Chinesen (wie  im „Chinatown“ des 13. Arrondissements) oder die Afrikaner -bzw. ihre jeweiligen Nachkömmlinge im Goutte d’Or (siehe den entsprechenden Blog-Beitrag vom Mai 2016) leben hier Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe. Ein quartier pluriethnique ist Belleville also ganz gewiss. Wenn allerdings mit dem Zusatz à la français das vielbeschworene „modèle français d’intégration“ gemeint ist, also eine die Unterschiede von Herkunft, Hautfarbe und sozialem Status überwindende Integration in das republikanische Frankreich mit seinen Werten und Idealen, dann ist nicht ganz sicher, inwieweit Belleville hier noch als Modell gelten kann, sondern eher ein Mythos ist. Dazu am Ende dieses Beitrags mehr.

Belleville ist auch darüber hinaus ein Stadtviertel ausgeprägter diversité: soziologisch, indem hier ganz verschiedene Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen zusammen leben:  Handwerker, Künstler, Händler, sehr viele Arme, aber auch sogenannte BoBos, also jüngere, gut verdienende Menschen, die oft im  Kreativbereich arbeiten.  Am Stadtbild lässt  sich die große Vielfalt des Viertels ablesen: Es gibt ein paar wenige Zeugen der mittelalterlichen Vergangenheit, stellenweise ist noch etwas von dem ehemaligen ländlichen und kleinbürgerlichen Charme zu spüren; es gibt sukzessive Fluchten von Hinterhöfen, die auf den ehemaligen Parzellen von Gemüsefeldern errichtet wurden, und es gibt die HLM-Kästen des sozialen Wohnungsbaus als Zeugen der teilweise brutalen Sanierungs-Bemühungen, denen Belleville seit dem 2. Weltkrieg ausgesetzt war und ist. Auch in dieser Hinsicht ist Belleville also ein patchwork-Viertel. Sein Reiz erschließt sich wohl nicht auf den ersten  Blick, aber es lohnt sich, durch das Viertel zu streifen und auf Entdeckungstour zu gehen. Vielleicht kann dieser Text  dazu anregen.

Ein idealer Ausgangspunkt für eine solche Entdeckungstour ist übrigens der Belvedère de Belleville an der Ecke zwischen der Rue Piat und der Rue des Envierges am nördlichen Rand des Parc de Belleville.

Von dort aus hat man  einen der besten Panorama-Blicke über Paris, es gibt ein schönes Café und in dem Amphitheater unter dem Belvedere, das  von dem Street-Art-Künstler Seth ausgemalt wurde,  gibt es im Sommer öfters Konzerte. Ein Ort „à  ne pas manquer!“, wie es in einschlägigen  Führern heißt. (2a)

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  1. Das Belleville des Wassers und des Weins

Im 18. Jahrhundert war Belleville ein –wie der Name schon sagt-  schöner und beschaulicher Ort außerhalb von Paris. Hier wurde Gemüsen und vor allem Wein angebaut. Die Quellen der Hügel versorgten schon seit dem Mittelalter Paris mit sauberem Wasser, wohlhabende Pariser errichteten Landhäuser im Grünen, sogenannte folies (vom französischen Wort feuilles, Blätter, abgeleitet) und genossen die frische Luft. Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen. Immerhin gibt es aber noch einige sogenannte mittelalterliche Regards.Das Quellwasser aus den Hügeln von Belleville und Ménilmontant wurde in steinernen Kanälen zu diesen Regards geführt, dort gesammelt und auf seine Qualität geprüft – deshalb auch der Name „regard“- und dann zu den Verbrauchern weitergeleitet. Ein besonders schönes Exemplar ist der Regard St. Martin in der Rue des Cascades – einer von mehreren Straßennamen in Belleville, die an die Bedeutung des Wassers  für dieses Viertel erinnern.

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In der lateinischen Inschrift des Regard wird festgestellt, dass das hier gefasste Wasser für den gemeinsamen Gebrauch der Geistlichen von Saint-Martin de Cluny (oder Saint-Martin des Champs, dem heutigen Museum Arts et Métiers) und ihren Nachbarn, den Tempelherren, bestimmt war. Nach längerer Vernachlässigung der Anlage sei sie in den Jahren 1633 und 1722  von den Quellen an wiederhergestellt worden.[3]

Von den Weinstöcken und Gemüsefeldern ist heute nichts mehr zu sehen: Ihre Parzellen sind aber z.T. noch an der Topographie ablesbar: Da wo heute in der Rue de Bellville enge, langgestreckte Grundstücke mit mehrstöckigen Wohnblöcken und sukzessiven Hinterhöfen dicht bebaut sind, wurde im 19. Jahrhundert Gemüse  gepflanzt. Und im oberen Teil des Parc de Belleville gibt es noch –zur Erinnerung an die Weinbau-Tradition des Viertels- ein kleines Feld mit Weinstöcken…

 

  1. Das Belleville der Arbeiter und Handwerker

Im Zeitalter der Industrialisierung siedelten sich in  Belleville zahlreiche Handwerks—und kleine Industriebetriebe an. Schwerpunkte waren die Textil-, Leder- und Metallverarbeitung. Dazu kamen die Steinbrüche, die im Norden des Viertels betrieben wurden, die carrières d’Amerique. Sie verdanken ihren Namen der Legende, der hier gebrochene Stein sei teilweise nach Amerika exportiert und zum Bau des Weißen Hauses verwendet worden. Die letzten Steinbrüche in Belleville wurden 1873 geschlossen. Da war Belleville schon das erste Arbeiterviertel von Paris geworden, das Einwanderern zunächst aus ärmeren Gegenden Frankreichs, vor allem der Auvergne, dann aber auch Flüchtlingen aus anderen Ländern die Hoffnung auf Arbeit und ein besseres Leben gab.[4] Dazu kamen dann noch die Beschäftigten vieler  kleiner Industrie- und Handwerksbetriebe, die von dem radikalen Stadtumbau des Barons Haussmann aus Paris vertrieben worden waren und sich das Leben in der zunehmend bourgoisen Stadt nicht mehr leisten konnten.

All das waren gute Voraussetzungen für ein reges politisches Leben. Belleviille hatte sich schon während der Französischen Revolution als politisch aktiver Ort hervorgetan: 1791 wurde in der rue de Belleville 130 ein Club des Amis de la Constitution gegründet, der sich ein Jahr später in Club des Amis de l’Égalité et de la  Liberté umbenannte.[5] Im Juli 1840 wurde von Anhängern des Frühkommunisten Babeuf in Belleville das sogenannte Banquet communiste de Belleville organsiert, das erste seiner Art mit ca 1000 Teilnehmern.[6] Dabei handelt(e) es sich um  ein typisch französisches Mittel zur Umgehung des Verbots politischer Veranstaltungen, das auch kürzlich wieder im benachbarten Ménilmontant genutzt wurde, um gegen den Ausnahmezustand zu protestieren.[7]  Mit der Industrialisierung entwickelte sich auch die Arbeiterbewegung in Belleville: Erste Arbeiterassoziationen  entstanden hier und 1877 die erste Pariser Cooperative. Das war in dem Maison du Peuple de la Bellevilloise. Während oben im ersten Stock der sozialistische Parteiführer Jean Jaurès Versammlungen abhielt, wurde im Erdgeschoss im Sinne des Proudhon’schen mutuellisme associatif ein genossenschaftlich organisierter fairer direkter Handel zwischen Herstellern und Produzenten eingerichtet. Vor dem ersten Weltkrieg hatte die Bellevilloise 9000 Mitgliedern  und war damit die größte Genossenschaft Frankreichs. Die Bellevilloise gibt es heute immer noch- und sie ist immer noch ein Ort mit großer politischer und kultureller Ausstrahlung, von dem noch weiter unten die Rede sein wird. [8]

 Von dem Belleville der kleinen Handwerker und Arbeiter ist heute allerdings nicht mehr viel zu sehen. Die klandestinen chinesischen Textilmanufakturen, die es in Hinterhöfen noch geben soll, wird man kaum finden. Auch nicht mehr die bis vor wenigen Jahren noch in Belleville ansässigen Schuhmacher, die maßgeschneiderte Schuhe zu durchaus konkurrenzfähigen Preisen herstellten, wie uns Freunde aus Belleville berichteten.

Aber es gibt noch die Metallwerkstatt in der Rue Ramponneau und den aktuellen Kampf um ihre Erhaltung.

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Diese Werkstadt liegt in einem malerischen Hof –zusammen mit den Ateliers verschiedener Künstler. Die Einrichtung erscheint zwar ziemlich museal, aber offenbar verfügt der Betrieb über ein besonderes und immer selteneres savoir-faire/know how, das mit dem von der Stadt Paris zunächst geplanten  Verkauf des ganzen Areals an einen privaten Investor und einer neuen Nutzung als Jugendherberge wohl verloren gegangen wäre.

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Inzwischen hat die Stadt Paris nach energischen Protesten aus dem Viertel – mit mehreren Protestveranstaltungen in der Bellevilloise- wohl eingelenkt, so dass einer der letzten traditionellen Handwerksbetriebe von Belleville vielleicht doch erhalten bleibt und die  Ateliers der Künstler im Hof damit wohl auch.

Am Eingang zum Hof  gibt es  übrigens zwei Erinnerungstafeln für Widerstandskämpfer, die hier gewohnt haben – auch das gehört zu Belleville.

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Etwas weiter unten in der rue  Ramponneau gibt es übrigens eine ehemalige kleine metallverarbeitende Fabrik, in der inzwischen Ateliers untergebracht sind, die Künstlern jeweils für eine begrenzte Zeit zur Verfügung gestellt werden: Die Villa Belleville. Die Laufbänder der Dampfmaschine  in der ehemaligen  Fabrikhalle schaffen ein ganz besonderes Ambiente.

Villa Belleville Rue Ramponeau (1) - Kopie

  1. Das Belleville der Commune

Im Zuge der 1860 durch den Baron Haussmann vorgenommenen Einteilung der Stadt in 20 Arrondissements wurde Belleville zerschnitten und auf die neuen Arrondissements 19 und 20 aufgeteilt: Ein Versuch, den notorisch aufsässigen Stadtteil nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ zu pazifizieren- so wie das Haussmann ja auch mit dem Faubourg Saint-Antoine gemacht hatte, der zwischen dem 11. und 12. Arrondissement aufgeteilt wurde. Und die neuen Rathäuser der betroffenen Arrondissements wurden extra weit entfernt voneinander errichtet, um auch insofern die Kommunikation und Koordination zu erschweren. Genutzt hat das allerdings wenig, wie die Commune de Paris von 1871 gezeigt hat. In Belleville wurde während der semaine sanglante an der letzten Barrikade noch verzweifelter Widerstand geleistet[9], bevor dann auf dem Père Lachaise die letzten Kämpfer der Commune erschossen wurden.

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Graffiti an der Mauer gegenüber  dem Regard St Martin               

 

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            Erinnerungstafel an die letzte Barrikade der Commune am  Südeingang des Parc de Belleville.  Darüber der Ziergiebel  der  alten Kinderkrippe la Goutte de Lait

 

Zu Ehren der Communarden von Belleville ist übrigens geplant –und von dem Pariser Stadtparlament schon beantragt- die Métro-Station Belleville umzubenennen in Belleville-Commune de Paris 1871.[10]

 

  1. Das –immer noch- linke Belleville

Bis auf den heutigen Tag ist der Nordosten und Osten von Paris überwiegend links –im Gegensatz zum eher konservativen/bourgeoisen Westen, wie sich zuletzt wieder eindrucksvoll bei den Kommunalwahlen gezeigt hat. Da entscheiden dann  zwei, drei Arrondissements in der Mitte, wer schließlich die Mehrheit im Conseil, also der Stadtverordnetenversammlung,  erhält und damit den/die Bürgermeister/in bestimmen kann: Bei der Wahl von 2014 waren das die Sozialisten und die mit ihnen verbündeten Grünen, so dass seitdem die Sozialistin Anne Hidalgo  Bürgermesterin (la maire) ist.

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                                   (blau: Republikaner (vormals UMP); rot: die Linke (Sozialisten, Grüne)

Es ist insoferrn auch kein Zufall, dass die Organisatoren der Bewegung für eine primaire der Linken als Versammlungsort für ihre Auftaktveranstaltung Anfang Februar 2016 die Bellevilloise ausgewählt haben. Da waren  (fast) alle versammelt, die auf der Linken Rang und Namen haben: Vertreter des linken Flügels der Sozialistischen Partei (die sogenannten Frondeurs) und der PCF, prominente Wissenschaftler wie der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty und Vertreter der Grünen wie die ehemalige Wohnungsbau-Ministerin Cécile Duflot und die –kurz danach- zur Ministerin aufgestiegene (und dann als Parteivorsitzende der Grünen zurückgetretene) Emmanuelle Cosse- und last but not least der gute alte Dany Cohn-Bendit.[11] Jedenfalls habe ich noch nie –und so hautnah- so viel linke Prominenz zusammen gesehen.

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Die Chancen, dass es 2017 einen von der gesamten Linken unterstützten gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten geben wird, sind allerdings äußerst gering. Hollande tut ja so ziemlich alles nur Erdenkliche, um die Linke zu spalten (sein letztendlich gescheitertes Vorhaben, die Aberkennung der französischen Staatsangeörigkeit gesetzlich zu verankern, oder die völlig unprofessionelle Einführung und provokante Durchsetzung der Arbeitsrechts-Reform). Außerdem hat der unsägliche Jean-Luc Mélenchon schon einseitig seine Kandidatur angekündigt. Angesichts der damit zu erwartenden Zersplitterung der linken Stimmen im ersten Wahlgang wird es wohl im entscheidenden zweiten Durchgang auf einen Zweikampf zwischen Marine Le Pen und dem Kandidaten der Republikaner hinauslaufen. Und da kann man nur hoffen, dass das nicht der –ebenfalls unsägliche-  Sarkozy sein wird, sondern wenigstens Alain Juppé….

 Dass wir uns in Belleville sozusagen auf linkem Terrain befinden, wird immer wieder deutlich, wenn man mit offenen Augen durch das Viertel geht: Beispielsweise wenn man an Hauswänden die eindrucksvollen Versuche sieht, die aktuelle Flüchtlingsproblematik –in französischer Perspektive i.a. sonst allein auf Calais reduziert- künstlerisch/plakativ zu bearbeiten.

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Hier wird –zunächst etwas überraschend- das Nomen und Adjektiv étranger als Verb verwendet und durchkonjugiert. Dazu gibt es unten auf dem Plakat folgende Fußnote: Le verbe étranger a existé. Il signifiait „chasser, éloigner, bannir“. La quatrième édition du Dictionnaire de l’Académie de 1762 donne comme exemples: „Les rats, les moineaux ont étrangé les pigeons du colombier“ et „Il a étrangé les importuns qui venoient chez lui.“

Die deutsche Übersetzung: Das Verb étranger hat es gegeben. Es bedeutete: verjagen, entfernen, verbannen. Die vierte Auflage des Wörterbuchs der Akademie von 1762 gibt diese Beispiele: Die Ratten, die Spatzen haben die Tauben aus ihrem Taubenhaus verjagt  und Er hat die unerwünschten/lästigen Personen verjagt, die zu ihm gekommen waren.

…. so wie –möchte/muss man wohl hinzufügen- ganz aktuell die étrangers im jungle von Calais….  Einen besseren Kommentar zu dem derzeit in Europa vorherrschenden Umgang mit Flüchtlingen kann ich mir jedenfalls kaum vorstellen. C’est Belleville!

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  1. Das Belleville der Guinguettes und der Ballsäle

Belleville war und ist aber nicht nur ein Ort politischen Engagements, sondern auch ein Ort des Vergnügens, des Feierns. Und dafür gab  es vor allem die Guinguettes, die im 19. Jahrhundert nicht nur weiter außerhalb von Paris –an Seine und Marne- sondern gerade auch in Belleville ihren Platz hatten. Für Wein- und Vergnügungslokale war Belleville ein idealer Standort: Wein –den leichten Weißwein Guiguet- gab es dort ja sozusagen sur place und vor allem: Belleville lag bis zur Eingemeindung 1860 außerhalb der Stadtgrenze von Paris und damit außerhalb der Zollgrenze und Zollmauer -der mur des fermiers généraux–  mit der Paris kurz vor der Französischen Revolution umgeben wurde. Nach Paris eingeführte  Waren, auch Grundnahrungsmittel wie Zucker, Salz, Mehl und Wein, wurden hier mit einem Zoll belegt, um die maroden Staatskassen aufzufüllen. Was lag da näher, als seinen Wein ein paar Schritte außerhalb der verhassten Zollmauer preisgünstig in geselliger, anregender Atmosphäre in Montmartre oder eben Belleville in einer guinguette zu trinken. Das galt besonders für das einfache Volk, während es die bürgerlichen Pariser eher am Wochenende in die etwas eleganteren Guinguettes an Seine und Marne zog, die dann auch den Impressionisten als Motive dienten.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Belleville ein Ort, „wo  man sich amüsidert, wo man spazieren geht, wo die Verliebten sich treffen.“ (Gerard Jacquemet)  Und wo man in einer Guinguette seinen Schoppen trinken kann. Guinguettes gab es in ganz Belleville: Weiter oben  zum Beispiel gegenüber der Kirche St. Jean Baptiste die Ile d’amour, die sogar in einem Lied besungen wurde. Eigentlich verdankt sie ihren Namen schlicht ihrem Besitzer, einem Herrn Damour,  aber als Insel der Liebe  war die Guinguette natürlich viel anziehender.

L’ile d’amour

C’est un amour d’ile

L’ile d’amour

C’est un chouette séjour

Flaneurs du faubourg

Flaneurs de la ville

V’nez à l’ile d’amour[13]

 

Später wurde dann in dieserm Vergnügungslokal die Mairie von Belleville installiert, bis nach der Eingemeindung die neuen Rathäuser gebaut wurden. Auch eine schöne Belleville-Geschichte!

Weiter unten in der Nähe der Zollmauer (heute Boulevard de la Viillette/Boulevard de Belleville) gab es natürlich auch zahlreiche Guinguettes – die mit einem unterirdisch verlegten Seil gezogene Straßenbahn nach oben war noch nicht gebaut, die Métro  erst recht nicht; so konnte man sich am kurzen Feierabend den mühsamen Aufstieg sparen. Und direkt hinter der barrière de Belleville, einem Durchgang durch die Zollmauer an der heutigen Métro-Station Belleville, gab es auch große Ballsäle: So La Veilleuse –heute eine gewöhnliche Eckkneipe-, deren Spiegel 1918 durch ein Geschoss der Dichen Berta beschädigt worden war. Dort trafen sich am 13. Juli 1941 junge Kommunisten, sangen Freiheitslieder und feierten den 14. Juli.

Und gleich daneben lag der größte Ballsaal von Paris, der dem Weinhändler Denoyez gehörte. Auch dort gehörten Politik und Vergnügen in einer für Belleville charakteristischen Kombination zusammen: Da wurde getanzt, gefeiert und getrunken und Gambetta und Vallès hielten dort am Ende der Herrschaft Napoleons III. die meisten ihrer Reden.[14] Dieser Ballsaal wurde später  umbenannt in  Folies Belleville, die ihre große Zeit in der sogenannten „belle époque“ hatte.

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Plakat von 1880

Heute ist das eine schlichte, aber  fast immer voll besetzte Bar zwischen der (ehemaligen) Graffiti-Straße rue Denoyez und der rue de Belleville , in der man gut einen Apéro oder einen Pfefferminztee trinken kann.  Es wird aber noch an die glorreiche Vergangenheit erinnert, als beispielsweise Maurice Chevalier und natürlich vor allem Edith Piaf hier auftraten.

 

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Edith Piaf wurde ja immerhin –der Legende nach- ein paar hundert Meter weiter oben in der Rue de Belleville auf den Stufen der Nr. 72 geboren.

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Eiine Gedenktafel  über dem Eingang  erinnert daran.

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Das an der alten Zollmauer gelegene Amüsierviertel von Belleville wurde auch Courtille genannt. Besonders berühmt war es für seinen alljährlichen grotesken Aschermittwochs-Umzug von der barrière de Belleville, die auch barrière de la Courtille genannt wurde, bis zum Hôtel de Ville. Zu diesem Umzug trafen sich alle, die die Nacht davor in Belleville oder sonstwo in der Stadt oder ihrer Umgebung durchgefeiert hatten. Die Descente de la Courtille war so populär, dass sie vielfach in Bildern festgehalten wurde. Und kein Geringerer als Richard Wagner komponierte während seiner Pariser Jahre dazu ein kleines 1841 aufgeführtes Chorwerk: Descendons gaiement la courtille (WWV 65)[15], das allerdings leider nicht zu meinem Pariser Chorrepertoire gehört. Es sieht auch nicht so aus, als dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird, zumal mein „Heimatchor“ sich gerade in lacrima voce umbenannt hat- dazu passt die Courtille ja nun wirklich nicht…

  1. Das Belleville der Künstler und der Bobos

Dass Belleville ein bevorzugter Ort für Künstler ist, erkennt man sofort, wenn man durch die Straßen des Viertels schlendert. Überall gibt es kleine Galerien von Malern, Bildhauern, Graveuren, Kunsthandwerkern aller Art. In jedem Jahr veranstalten die Künstler von Belleville Tage der offenen Ateliers, an denen sie ihre Werke ausstellen, gerne erläutern und natürlich auch am liebsten verkaufen. 2016 waren über 250 Künstler beteiligt: Ein eindrucksvoller Beleg für das rege künstlerische Leben des Viertels.

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Mit den roten  Luftballons auf dem Plakat für die Tage der offenen Ateliers von 2015 hat es übrigens seine besondere Bewandtnis- doch dazu mehr im Abschnitt über die Street Art in Belleville. Der rote Ballon wurde übrigens auch  im Frühjahr 2016 von den  Künstlern von Belleville als Hintergrundsmotiv verwendet, um gegen die Vertreibung von Handwerkern und  von Künstlern aus dem Hof der Rue de Ramponeau zu protestieren (siehe Abschnitt 2) und die „mixité“ des Viertels zu erhalten.

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Plakat am Sitz der Artistes de Belleville in der Rue Francis Picabia Frühjahr 2016

Mit einem  Künstler aus Belleville, Carlos Lopez/Juan de Nubes, sind wir übrigens  befreundet.

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Er ist Graveur und eines seiner neuesten Werke hängt bei uns in der Pariser Wohnung. Es  ist auch ausgerechnet das, mit dem er sich auf der Website der Künstlervereinigung von Belleville vorstellt,[17] – ein Wald im Norden von Berlin, wo Carlos auch arbeitet- und die Farbe der Gravur ist preußisch Blau – also gewissermaßen ein deutsch-französisches Produkt.

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Carlos hat sein Atelier am südlichen  Ausgang des Parc de Belleville. Es ist klein, aber ein schöner ruhiger Ort zum Arbeiten und für kleine Ausstellungen. Aber Carlos hat auch Sorgen, ob er auf Dauer dort bleiben  kann oder ob nicht steigende Mieten ihn zum Ortswechsel zwingen werden – und mit diesen Sorgen steht er  nicht alleine da.

Damit ist der Prozess der Gentrifizierung oder Boboisation angesprochen, der in Belleville zu beobachten ist – womit es das Schicksal auch anderer Pariser Stadtviertel (z.B. des Faubourg Saint Antoine) teilt. Freunde haben uns zum Beispiel berichtet, wie sich in den letzten Jahren immer  mehr feine Boutiquen in der Rue de Belleville um die Métro -Station Jourdain- ausbreiten. Belleville wird (jedenfalls in Teilen) zu einem Viertel der BoBos, der Gruppe der bourgeoisen Bohémiens, die das neue Angebot der teuren Weine und exquisiten Käsesorten zu schätzen wissen und sich leisten können. Die Attraktion von Belleville für die Bobos hat schon Tradition: In der Villa Castel, einem „ensemble harmonieux et campagnard“ aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, [18] oberhalb des Parks von Belleville hat Truffaut 1961 einige Szenen seines Films „Jules et Jim“ gedreht: Mit dem Begriff „Villa“ ist hier -wie an vielen anderen Orten in Paris- ein abgeschlossener nobler Bezirk von Wohnungen und Häusern gemeint, zu dem man -wenn man denn den entsprechenden Code kennt- durch das schmiedeeiserne Eingangstor und einen langen begrünten Gang gelangt. An dessen Ende befindet sich ein „maison féérique“, in dem  die beiden Freunde Jules und Jim in einer Dreiecksbeziehung mit der von Jeanne Moreau wunderbar verkörperten Cathérine leben. Und hier singt Moreau auch das schöne Lied Le Tourbillon: „Elle avait des bagues à chaque doigt, des tas de bracelets… »

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Vorbild ist die leidenschaftliche deutsch-französische Beziehung von  Franz und Helen Hessel, den Eltern von Stéphane Hessel, und  Henri-Pierre Roché.   Diese Geschichte passt wunderbar zu dem Mythos von Belleville, wie er auch in einem Pochoir der Pariser Street-Art-Künstlerin Miss Tic zum Ausdruck gebracht wird.

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Glücklicherweise ist die Villa Castel den gewaltsamen Sanierungsmaßnahmen in Belleville entgangen und steht seit 1979 unter Denkmalschutz. Andere, ähnliche Ensembles in diesem Viertel hatten diese Chance nicht, wie der Guide Vert (S. 48) bitter anmerkt.

Zu hoffen ist, dass trotz der Sanierungsmaßnahmen des Viertels seine Boboisierung nicht noch begünstigt wird und die Wohnungspreise und Mieten so steigen, dass es für Künstler wie Carlos Lopez und viele andere nicht mehr tragbar ist. Bisher scheint aber die soziologische  Vielfalt des Viertels immer noch zu bestehen. Auch das Kleinbürgertum ist anscheinend in Belleville noch nicht untergegangen , worauf ein Blick in einen Vorgarten in der Rue des Couronnes hindeuten könnte.

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  1. Das Belleville der Street art

Auf welchen Wegen auch immer man  durch Belleville streift: Street-art begegnet man auf Schritt und Tritt.Belleville hat dafür schon einen Ruf, und die rue Denoyez im unteren Belleville wird in manchen Führern sogar als sogenannter Geheimtipp gehandelt- eher stimmt aber,  dass es sich um die wohl berühmteste Straße des 20. Arrondissements handelt.[19]

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Alle Wände der Häuser sind nämlich über und über mit Graffiti bedeckt, manchmal kann man auch Sprayer bei der Arbeit beobachten und bewundern. Allerdings ist die Straße inzwischen arg heruntergekommen, die meisten Boutiquen und Ateliers sind geschlossen. Kein Wunder, denn hier handelt es sich um ein Sanierungsprojekt: Eine Kinderkrippe, Sozialwohnungen und Unterkünfte für alleinstehende Frauen sollen hier entstehen: Sicherlich sind das alles sehr zu begrüßende Vorhaben. Die Straße wird dann aber ihren Reiz verloren haben, wenn Künstler und Street-Artisten dort nicht mehr ihren Platz haben. (Nachtrag März 20117: Inzwischen sind schon mehrere der alten Häuser abgerissen und es ist Platz für die Neubauten gemacht. Damit hat die Straße schon viel von ihrem alten anarchischen Charme verloren.)

Es gibt aber ein Werk eines bekannten Street-Art-Künstler in Belleville, das wohl auf Dauer zu den touristischen Attraktionen des Viertels gehören wird: Das große Wandbild von Ben an der Place Fréhel, das bei den ab und zu angebotenen Street-art-Spaziergängen durch Belleville nicht fehlen darf.

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Ben ist der wohl international prominenteste in Belleville vertretene Street Art-Künstler. Er war in den 1960-er Jahren Mitglied der Fluxus-Kunstrichtung, zu der auch u.a. Bazon Brock, John Cage, Yoko Ono und Joseph Beuys gehörten, auf der Dokumenta in Kassel war er auch schon vertreten.  Besondere Berühmtheit erlangte sein kleiner Plattenladen, den er von 1958 bis 1973 in Nizza betrieb. Seine Mutter hatte ihm dafür die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt, um ihm eine gesicherte Lebensgrundlage zu ermöglichen. Die Aufsehen-erregende Fassade des kleinen Lädchens war aus allen möglichen gebrauchten Gegenständen zusammengesetzt: Motto über der Eingangstür: Tout est art, tout est marchandise/ Alles ist Kunst, alles ist zu verkaufen. Wenn ich mich recht erinnere, wurde vor einigen Jahren Bens Lädchen- auch „Bizard Bazar“ oder Loboratoire 32 genannt-  in der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt ausgestellt; die  letzte Version kaufte das Centre Pompidou auf, wo sie heute ausgestellt ist.

Ein fester Bestandteil der Street-art-Szene von Belleville sind auch die Wandbilder von Nemo, vor allem die Bemalung der Hauswand an der Ecke des Boulevard Belleville und der Rue de Ménilmontant. Ursprünglich sollen, so die „Legende“, die poetischen Wandmalereien Momos mit dem schwarzen Mann –oft mit Regenschirm-  mit fliegendem Drachen, Vögeln,  Katzen  und dem roten  Luftballon dem kleinen schulunwilligen Sohn Nemos den Weg zur Schule schmackhaft gemacht haben.

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Der rote Luftballon bezieht sich auf den Kurzfilm „Le Ballon rouge“ von Albert Lamorisse aus dem Jahr 1956, der mit der Goldenen Palme von Cannes und sogar mit einem Oskar für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet wurde: Er spielt im Ménilmontant der 50-er Jahre und es geht um einen magischen Ballon, der den kleinen Jungen Pascal auf Schritt und Tritt begleitet. Eine zauberhafte Geschichte, an deren Ende aber die Zerstörung des Luftballons durch eifersüchtige Altersgenossen –und damit das Ende der Kindheit- steht. Für viele französische Kinder der 50-er Jahre war der „rote Ballon“ geradezu ein Kultfilm, wie die hymnischen Kommentare zu dem Film zeigen, die man im Internet findet. („Ein wahres Wunder“; „meine Kindheit“; „unbestreitbar einer der besten Kurzfilme aller Zeiten“). Auch wenn Nemo den kleinen Pascal durch den bonhomme noir ersetzt hat, so knüpft er  mit seinen poetischen Bildern  an diesen Film –und seinen Erfolg- an.

Zu den inzwischen prominenten Straßenkünstlern von Belleville/Ménilmontant gehört auch Jerôme Mesnager, dessen „Markenzeichen“ die weißen Männer sind. Zum Ursprung der weißen Männer gibt es eine schöne Geschichte: Während seines Kunststudiums habe sich Mesnager in bester Laune mit seinen Kumpeln nackt ausgezogen, mit weißer Farbe bestrichen und an eine Wand gestellt. Wie auch immer: Inzwischen sind die weißen Männer aus dem Stadtbild –besonders im Pariser Osten, aus dem Mesnager stammt- nicht mehr wegzudenken.  

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Schneiderei und Frisiersalon Rue de Jourdin

In der Rue de Jourdin hat auch Mosko mit seinen bunten Tieren die Grundschule verziert.

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Seine Schmetterlinge umflatterten ja schon die beiden weißen Männer Mesnagers auf dem Fenster des Frisiersalons: Straßenkünstler arbeiten – das zeigt sich hier wie auch an anderen Stellen in Belleville- gerne zusammen.

Aber der für Mosko typische Tiger ist natürlich auch dabei.

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Und selbstverständlich darf auch in Belleville der Invader nicht fehlen, der hier  -unter anderem- mit zwei recht originellen Beiträgen vertreten  ist

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Der Invader an der Ecke der Rue Mélingue und der Rue de Belville befindet sich übrigens in prominenter Gesellschaft: Das Pariser Wappen unter dem Giebel stammt nämlich aus der Zeit, als hier das Depot der Drahtseilbahn war, die –nach dem Muster des cable-car von San Francisco konstruiert-  von  der  Place de la Republique über die rue de Paris/rue de Belleviille zur  Kirche St. Jean führte. 1924 wurde der Betrieb eingestellt und 1935 die Métro-Linie 11 eingeweiht, mit der der Hügel von Belleville ans Métro-Netz der Stadt Paris angeschlossen wurde.

Es lohnt sich also, durch Belleville zu streifen und die Augen offen zu halten: Da findet sich vieles Interessante, Überraschende und auch immer Neues wie die oben gezeigten Werke zur Flüchtlingsproblematik, denn –von den prominenten Künstlers abgesehen, deren Arbeiten man auch in Galerien sehen und für viel Geld erwerben kann – ist street art eine ephemere Kunst und einem ständigen Wandel unterworfen. Und da viele street-art-Künstler in Belleville und dem benachbarten  Ménilmontant zu Hause sind, ist Belleville geradezu ein Eldorado für Street-Art-Freunde.

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Das ist oft einfach nur phantasievoll und schön und eine Bereicherung des teilweise doch eher tristen Straßenbildes.

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Aber es gibt dabei auch immer wieder politische Botschaften, wie das in Belleville auch kaum anders sein kann. Das kann dann die Liberté von Delacroix sein, die das Schild von Pôle emploi, der französischen Arbeitsagentur in die Höhe hält- ein  Hinweis auf die hohe Arbeitslosigkeit; oder das alte Ehepaar in seinem aus Karton gefertigten Bett- ein Hinweis auf die vielen SDF in Paris, die Menschen ohne einen festen Wohnsitz, die ihre Nächte –selbst im Winter- im Freien  verbringen müssen.

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Dieses Problem wurde dann noch drastischer 2015 in einer Aktion am Fuß des Parks von Belleville aufgegriffen. Da wurde an die  auf der Straße gestorbenen Obdachlosen erinnert.

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Das 21. Arrondissement gibt es nicht: Die Obdachlosen haben eben kein zu Hause.Und manchmal kennt man nur den Vornamen.

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  1. Das multikulturelle Belleville

Am Anfang dieses Beitrags wurde die große multikulturelle Vielfalt angesprochen, der Belleville einen großen Teil seiner Attraktion verdankt. Dieser Aspekt soll denn auch zum Schluss aufgegriffen und wenigstens skizziert werden.

  • Juden, 

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einer ersten großen ausländischen Zuwanderungswelle: Es waren Griechen, Polen, Armenier und vor allem Juden aus Ostmitteleuropa, die nach Belleville kamen. In den 1930-er Jahren  suchten  viele Juden aus  Deutschland, die  vor dem Nationalsozialismus geflohen waren, in Belleville Zuflucht. Das Viertel wurde so zu einem „quartier juif“ mit einem intensiven Gemeinschaftsleben, einer Dominanz des Jiddischen und einer eindeutig politisch linken Tendenz- während im jüdischen Marais rund um die rue des rosiers, dem  Pletzl,  das orthodoxe Judentum vorherrschte. Das Belleville der Zwischenkriegszeit war auch ein Stedtl mit jiddischen Filmen im Kino Bellevue, einer CGT-Gewerkschaft, die auf ihrer Fahne eine jiddische Aufschrift hatte, der Synagoge in der rue Julien-Lacroix, in der jiddisch gesprochen wurde, und Restaurants, in denen gifiltefish und pickelfleish angeboten wurde. Der erste jiddisch geschriebene Roman über Paris bezieht sich denn auch auf Belleville: „Yidn fun Belleville“ (Baruch Schlewin, 1948)[21]

Allerdings sind die jüdischen Einrichtungen –wie die Synagoge und die jüdische Schule- heute kaum noch zu erkennen- höchstens durch die Präsenz von schwerbewaffneter Polizei, die leider aufgrund der zahlreichen Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Frankreich notwendig ist.  Deutlich zu identifizieren ist immerhin die neue Synagoge am Boulevard de Belleville, an der Stelle des „Bellevue“- Kinos mit seiner jiddischen Tradition, das, bevor es in den 1980-er Jahren als letztes Kino des Viertels zumachte, schließlich zum Porno-Kino heruntergekommen war, wie uns Freunde aus Belleville erzählten.

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Dass Bellville immer noch bzw. wieder auch ein jüdisches Viertel ist, ist für einen Außenstehenden vor allem an den zahlreichen jüdischen Geschäften rund um den  Boulevard de  Belleville zu erkennen.

Die eingewanderten Juden waren es vor allem, die den großen „rafles“ von 1941 und 1942  zum Opfer fielen. Die Bewohner ganzer Straßenzüge von Belleville, insgesamt mehr als 4000, wurden damals ausgerechnet in der Bellevilloise zusammengetrieben und dann über Drancy  nach Auschwitz deportiert.  Einer von ihnen war Henri Krasucki, nach dem heute ein Platz in Belleville benannt ist.

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An dem in der Mitte des Platzes stehenden Baum hängen alte Lampenschirme: Wir sind mitten in Belleville

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Krasuckis Lebensweg ist außerordentlich und wirft ein Licht auf den wichtigen jüdischen Anteil der spezifischen diversité  von Belleville:

Seine politisch engagierten Eltern flohen in den 1920-er Jahren vor dem Antisemitismus und Antikommunismus im Polen des Marschalls Pilsudski und fanden in Belleville Zuflucht.  Dort  betrieben sie eine kleine Schneiderei, der kleine Henri engagierte sich schon früh bei den „roten Pionieren“. Die standen  unter der Obhut der Bellevilloise-Kooperative, von der ja schon die Rede war. Unter der occupation war Krasucki führendes Mitglied in der Widerstandsgruppe FTP-MOI. 1943 verhaftet, wurde er nach Auschwitz deportiert und von dort aus 1945 auf den sog. Todesmarsch nach Buchenwald geschickt, den er aber überlebte. Nach dem Krieg stieg er – der stalinistischen KP- Linie immer treu- in die Führungsriege der kommunistischen  Gewerkschaft CGT auf, deren  Vorsitz er 10 Jahre innehatte: Ein Lebensweg also, auf dem Belleville eine wichtige und prägende Station war.

  • Tunesier

Seit den 1950- er Jahren wurde Bellevlle  durch die tunesische Einwanderung wieder zum bedeutendsten, jetzt sefardisch geprägten,  jüdischen Viertel von Paris. Tunesier kamen nach der Unabhängigkeit des Landes in großer Zahl nach Frankreich und Paris – und dort natürlich vor allem nach Belleville, das deshalb auch gerne „La Goulette sur Seine“ genannt wird, benannt nach einer tunesischen Stadt, die einen Teil der Hafenanlagen von Tunis umfasst. Gerade im Süden von Belleville gibt es viele tunesische Restaurants und Cafés. Wenn man also einen echten  thé à la menthe trinken oder, zum Beispiel in dem kleinen Restaurant „aux bons amis“ in der Rue de l’Atlas,  einen couscous essen will, braucht man in der Tat nicht die Reise von 1500 Kilometer nach Tunis zu unternehmen: Es reicht ein Spaziergang nach/durch Belleville.

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Die Tunesier, die sich in Belleville niedergelassen  haben, waren Juden und Muslime. Bemerkenswert ist dabei, dass nach der Selbsteinschätzung von Betroffenen in Belleville jüdische und muslimische Franzosen „mit tunesischem Migrationshintergrund“ in gegenseitigem Respekt zusammenleben und sich ihrer gemeinsamen Traditionen  bewusst sind. Selbst in der Zeit des letzten  Gaza-Kriegs, in dessen Zusammenahng es in Paris zum Teil zu gewaltsam ausgetragenen jüdisch-muslimischen Auseinandersetzungen kam, sei es in Belleville ruhig und friedlich zugegangen. Dies gilt offenbar auch für die  Zeit der Anschläge auf Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt. Ein Pariser Jude berichtet im Nouvel Obeservateur unter der Überschrift Belleville, oui, Barbès, non, er habe den Eindruck, dass die i.a. nordafrikanischen Händler auf dem Straßenmarkt von Belleville/Ménilmontant seit den Anschlägen ihm gegenüber noch freundlicher geworden seien. In das mehrheitlich afrikanische Barbès-Viertel gehe er seitdem aber nicht mehr.Das kosmopolitische Modell von Belleville ist also insoweit offenbar immer noch lebendig.[23] Als Zeichen dafür kann auch gesehen werden, dass auf dem Boulevard de Belleville jüdische und muslimische Geschäfte direkt benachbart sind.

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Das jüdische Restaurant wirbt für seine tunesischen Spezialitäten mit dem Siegel von Beth Din, also damit, dass seine Produkte vom Rabbinat kontrolliert und genehmigt sind. Gleich daneben versichert die muslimische Metzgerei unübersehbar, dass ihre Produkte das Gütesiegel der Organsiation AVS (À Votre Service) tragen und damit halal en toute confiance sind.

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Aber leidler gibt es auch  in Belleville  Tendenzen der Reislamisierung und Radikalisierung, die das typisch Belleville’schen Modell des „vivre ensemble“  in Frage stellen- dazu mehr am Schluss dieses Beitrags.

  • Schwarzafrikaner

In den letzten Jahrzehnten waren es vor allem Einwanderer aus den Antillen und aus Schwarzafrika, die sich  im südlichen Belleville rund um die Place Alphonse Allais niedergelassen haben.(23a)

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Hier wird einmal im Jahr ein großes Stadtteilfest gefeiert- mit dem  selbstbewußten Titel: Belleville en vrai. Und selbstbewusst treten auch die jungen Mädchen auf, die sich zu ihrer Herkunft bekennen und damit bei Wahl zur Miss Belleville besonderen Beifall ernten. Stolz auf seine Herkunft war auch der junge Mann, mit dem ich ins Gespräch kam und der bereitwillig für ein Foto posierte – das zweite Attribut -reich- war allerdings, wie er einschränkend bemerkte, eher ironisch gemeint.

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Wie schwierig aber das Leben selbst in dem multikulturellen Belleville für Einwanderer aus einer anderen Kultur  sein kann, zeigt eindrucksvoll das Lied  C’est déjà ça von Alain Souchon über einen Einwanderer aus dem Sudan. Er ist fern von seiner Heimat, alles ist ihm fremd in der Rue de Belleville. Aber immerhin lächeln die Passanten, wenn er in seiner Djellabah vorbeigeht und tanzt. Und er hofft und träumt, dass der Sudan sich erhebt und er wieder zurückkehren kann… [24]

Je sais bien que, rue d’Belleville,
Rien n’est fait pour moi,
Mais je suis dans une belle ville :
C’est déjà ça.
Si loin de mes antilopes,
Je marche tout bas.
Marcher dans une ville d’Europe,
C’est déjà ça.Oh, oh, oh, et je rêve
Que Soudan, mon pays, soudain, se soulève…
Oh, oh,
Rêver, c’est déjà ça, c’est déjà ça.
 

Y a un sac de plastique vert
Au bout de mon bras.
Dans mon sac vert, il y a de l’air :
C’est déjà ça.
Quand je danse en marchant
Dans ces djellabas,
Ça fait sourire les passants :
C’est déjà ça.

Oh, oh, oh, et je rêve
Que Soudan, mon pays, soudain, se soulève…
Oh, oh,
Rêver, c’est déjà ça, c’est déjà ça.

 

 

Dass es in Belleville noch eine andere gerne übersehene „dunkle“ Seite der Einwanderung von „Blacks“ gibt, beschreibt der Autor von „Jours tranquilles à Belleville“  Thierry Jonquet, der in Belleville lebt und seine Veränderungen miterlebt:

Da gibt es die halbwüchsigen afrikanischen Jungen und Kleinkriminiellen, die sich bis zum frühen Morgen auf den Straßen herumtreiben. Es gibt die Dealer, die ganz offen in der rue Ramponneau ihren Geschäften nachgehen. Und es gibt die Einwanderer aus Bamako und anderen Gegenden mit anderen Hygiene-Kulturen, die hemmungslos hinpinkeln, wo sie gerade ein entsprechendes Bedürfnis überkommt – zumal es die schönen alten offenen Urinoirs oder Vespasiennes, wie sie für Paris so typisch waren, ja leider nicht mehr gibt, sondern nur noch die „zeitgemäßen“, aber selteneren und vielleicht auch bei manchen Menschen Schwellenangst erzeugenden  Sanitärkabinen von Décaux.[25]

  • Chinesen

Und dann –last but not least- gibt es noch die Chinesen in Belleville. Das Viertel  wird manchmal sogar als das  Chinatown von Paris oder als „Chinatown-sur-Seine“- bezeichnet – neben dem chinesischen Viertel im 13. Arrondissement.[26]  Es gibt in Belleville jedenfalls eine deutlich sichtbare chinesische Präsenz, und das schon seit fast einem Jahrhundert. Denn während des Ersten Weltkriegs kamen etwa 140 000 Chinesen nach Frankreich: Sie waren angeworben worden, um den großen kriegsbedingten Arbeitskräftemangel zu lindern. Viele von ihnen, vor allem aus Wenzhou, blieben, einige  in Belleville, andere folgten.

Nach der kommunistischen Machtübernahme im Jahr 1949 wurde die Auswanderung von Chinesen offiziell untersagt. Erst Anfang der 1980-er Jahre wurden die Ausreisekontrollen lockerer und es waren nun wieder Chinesen aus Wenhzou, die  -teilweise illegal- nach Frankreich kamen und vor allem in kleinen Textilbetrieben arbeiteten.  So entstand die sogenannte „Chinatown“ von Belleville.[27] Und dann war es vor allem die Welle von Chinesen aus Vietnam und Kambodscha, die nach der kommunistischen Machtübernahme –z.T. als boat people- nach Frankreich kamen. Sie hatten oft französische Schulen besucht und verfügten auch teilweise über erhebliche finanzielle Mittel. Sie waren es, die zahlreiche Geschäfte am Beginn der rue de Belleville aufkauften, ebenso wie die alten Galéries Barbès an der Métro-Station Belleville, aus der das große, repräsentative Restaurant Président wurde.

Die starke und ausgreifende chinesische Präsenz in Belleville wird vielfach als Problem  wahrgenommen

  • weil die Chinesen  immer mehr traditionelle Geschäfte aufkaufen und verdrängen. L’arrivée massive d’une communauté asiatique“  ist aus Sicht der tunesichen Gemeinde ein täglich zu erlebendes dringendes Problem.[28]
  •  weil die Chinesen  über  spezifische Finanzierungsmöglichkeiten verfügen, mit denen sie einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen ethnischen Gruppierungen haben:  die sogenannte Tontine, eine Finanzierungsform, die auf persönlichen Beziehungen beruht. Sie eröffnet den Chinesen einen  Zugang zu Kapital, der sie  unabhängig macht vom Bankensystem und seinen Restriktionen. (dazu: http://terrain.revues.org/)
  • weil sie eine Tendenz haben, unter sich zu bleiben und teilweise wenig Anstrengungen zur Integration machen. In dieser Hinsicht lohnt sich ein Blick  auf den Stand mit den chinesischen Zeitungen (zusammen mit der Actualité juive) am Kiosque an der Métro Belleville…

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…. oder in die chinesische Buchhandlung in der rue de Tourtille, das Pendant zu den rein arabischen Buchhandlungen (mit offenbar meist islamischer Tendenz), in die ich mich als „Ungläubiger“ allerdings noch nicht hineingetraut habe. In der chinesischen Buchhandlung kann man sich allerdings ganz unproblematisch umsehen und auf diese Weise auch einen kleinen Eindruck von den Lebensgewohnheiten der Chinesen von Belleville erhalten.

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  • und schließlich wird auch als Problem beschrieben, dass die Chinesen von Belleville gerne ihren Wohlstand offen zur Schau stellen. Bei einem meiner Rundgänge konnte ich einen jungen Chinesen beobachten, der seinen funkelnden Mercedes-Sportwagen an einer Straßenecke abstellte, ohne Rücksicht auf die dadurch massiv behinderten Fußgänger zu nehmen. Jonquet beschreibt, dass man an Wochenenden als Zaungast an grandiosen asiatischen Hochzeiten teilnehmen kann. Mit aufwändigst blumengeschmückten Luxuskarossen, Smoking, feinsten Brautkleidern, Fotografen…. Die Kinder (mit afrikanischem Migrationshintergrund) auf dem gegenüberliegenden Trottoir würden das als Provokation erleben.
  • Eine Konsequenz dieser eklatanten sozialen Gegensätze in dem Viertel sei der Diebstahl, der gerade die Chinesen treffe, zumal die oft auch erhebliches Bargeld bei sich trügen und -da sie teilweise ohne offiziellen Status in Frankreich lebten- bei einem Überfall eher nicht die Polizei einschalteten.  In der Tat fühlen sich Asiaten öfters von „schwarzen und arabischen Banden“ terrorisiert, die die Seitenstraßen der Rue de Belleville kontrollierten, wie der französische Chinaexperte Dr. Pierre Picquart auf der Website der Chinois de France feststellt. Aus diesem Grund fand im Juni 2010 eine Demonstration von etwa 10.000 „immigrés asiatiques“ in Belleville statt, die mit Parolen wie „Stop à la violence“,   sécurité pour tous und I love Belleville auf dieses Problem aufmerksam machten. [29]

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Le Figaro, 2.7.2010: „La révolte des Chinois de Belleville

  • Und dann gibt es noch das Problem der chinesischen Prostitution in Belleville, die gerade derzeit besonders im Rampenlicht steht. Denn in französischen Kinos läuft derzeit  ein intensiv beworbener und hochgelobter Film über die marcheuses, wie die chinesischen Prostituierten von Belleville genannt werden.

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Sie sind meistens zwischen 40 und 60 Jahre alt (das auf dem Plakat abgebildete junge Mädchen ist die Tochter der Protagonistin des Films), sehen eher verhärmt aus, sind ärmlich angezogen, haben weder Arbeitsgenehmigung noch Aufenthaltserlaubnis, und stehen unter dem Druck, für ihre Familien und Kinder Geld beschaffen zu müssen. „Die Emigration ist für uns, was für die Männer der Krieg ist,“  erklärte eine dieser Marcheuses der Zeitung Le Monde. Die Männer hoffen, dass sie schnell mit dem Sieg nach Hause kommen, wir mit Geld.“[30]

Prostitution ist in Frankreich ja offiziell verboten, seit Neuestem sind auch „Kunden“ mit Strafe bedroht. Das entsprechende neue Gesetz soll Prostitutierten den Ausstieg ermöglichen und das Zuhälterwesen bekämpfen. Aber viele marcheuses fürchten, damit noch mehr in eine gefährliche Illegalität abgedrängt zu werden. Außerdem ständen sie als „Selbstständige“ nicht unter dem Druck von Zuhältern, sondern höchstens unter dem Druck der famliären Erwartungshaltungen…

 

Belleville wurde, wie am Anfang zitiert, ein laboratoire de la diversité genannt. Und es wird immer wieder als Erfolgsgeschichte gerühmt – im Gegensatz zu manchen cités am Rand der Stadt. Eine solche Erfolgsgeschichte ist Belleville in der Tat, wenn man an die vielen Menschen aus vielen Teilen Europas, ja der Welt denkt, die seit 150 Jahren hier eine neue Heimat gefunden haben. Aber es wird bei einem Blick hinter  Kulissen der Exotik, wie ihn Thierry Jonquet mit seinem Buch „Jours tranquilles à Belleville“ (2013) ermöglicht, doch auch deutlich, wie prekär und gefährdet das dort noch überwiegend herrschende Gleichgewicht ist. Vor allem, wenn der Austausch und die gegenseitige Anregung eher zurückgehen und sich auf engstem Raum ethnische Inseln bilden, wie Jonquet berichtet: Da dominieren in der Schule auf der westlichen Seite der rue de Belleville die Asiaten, während in der Schule auf der anderen Seite der Straße die Blacks fast unter sich sind. Das ist für ihn –und da kann ich ihm nur zustimmen- eine gefährliche Entwicklung. Eine Enklavenbildung und Ghettoisierung müsse unbedingt verhindert werden, ebeso wie die Herausbildung von Parallelgesellschaften, in denen fundamentale Integrationsanstrengungen nicht erbracht würden. Und es gibt auch eine schon 15 Jahre alte, aber immer noch aktuelle Warnung des linken Schriftstellers Jonquets: Wenn es um gravierende Probleme des Zusammenlebens, des vivre ensemble, gehe, darunter auch um Kriminialität und ihre Begleiterscheinung, die Unsicherheit, sei es gefährlich, dies zu Tabus zu erklären mit der Begründung, man würde sich mit solchen Themen in rechtsradikales Fahrwasser begeben.[31]

Die Warnung vor dem von ihr selbst lange Zeit  praktizierten Wegsehen und einer falsch verstandenen Toleranz gehört auch zur Quintessenz des 2016 erschienenen Buches von Géraldine Smith  „Rue Jean-Pierre Timbaud“.

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In diesem Buch beschreibt Smith sehr konkret und eindringlich die Gefährung des multikulturellen Belleville und des dortigen „vivre ensemble“. Die Rue Jean-Pierre Timbaud liegt zwar nicht im heutigen Verwaltungsbezirk Belleville, also einem Teil des 20. Arrondissements, der von der Rue de Belleville, dem Boulevard de Belleville, der Rue de Ménilmontant und der Rue de Pixérécourt umschlossen wird. Aber das alte, 1860 eingemeindete Belleville reicht Ja darüber hinaus und umfasst auch Teile der heutigen 11., 12. und 19. Arrondissements. Die im nördlichen 11. Arrondissement gelegene Rue Jean-Pierre Timbaud im quartier Couronnes gehört damit zum „alten“ Belleville. Géraldine Smith, die viele Jahre mit ihrem Mann und zwei Kindern in Beleville wohnte,  berichtet von den  Erfahrungen ihrer Familie, von Freunden und Bekannten  in diesem Viertel; von der anfänglichen Begeisterung, in einem lebendigen, sozial gemischten und multikulturellen Umfeld zu wohnen – und von dessen allmählicher Veränderung und ihrer eigenen Ernüchterung.

Da ist die öffentliche Schule, in die die Kinder gehen –sie sollen ja nicht in der privilegierten Enklave einer privaten Schule aufwachsen. Die weißen frankophonen Kinder sind dort zwar eine kleine Minderheit, die völlig unterfordert ist und sich meistens langweilt,  aber die Schulleiterin propagiert ihre Rolle als „poissons-pilotes“, die das Niveau der ganzen Klasse heben würden.  Es gehe dabei um eine „démarche  citoyenne, die für die Entwicklung des Viertels unverzichtbar sei. (S. 32) Später meldet sie dann ihre eigenen Kinder in einer Privatschule an….  Die Jungen der Schule spielen mit Begeisterung Fußball: Eine Mannschaft ist  PSG –Paris  Saint Germain- die andere Real Madrid. Aber eines Tages möchte ein Kind mit marokkanischen Wurzeln nicht mehr für eine dieser Mannschaften spielen, sondern für die „Löwen des Atlas“, also die marokkanische Nationalmannschaft, obwohl er von der keinen einzigen Spieler kennt: Seitdem spielt „Frankreich“  gegen „den Rest der Welt“, also vor allem  gegen die Kinder mit nord- oder schwarafrikanischen Wurzeln. Und der kleine Sohn kommt ratlos nach Hause und versteht die Welt nicht mehr: „Ils se prennent tous pour leur origine“  S.122)– ein Armutszeugnis für die republikanische  Integration.  Dann wird die „classe vert“, eine gemeinsame Fahrt in die Berge,  gestrichen ebenso wie die Fahrten  nach England: die meisten muslimischen Eltern weigerten sich aus Angst vor Promiskuität, ihre Töchter daran teilnehmen zu lassen.  Géraldine Smith beschreibt auch, was sich draußen ändert. Beispielsweise:  Als sie vor der Schule Cola-trinkend auf ihren Sohn wartet, wird sie von einem Mann in weißer Djellaba angeherrscht  und als saloppe (Schlampe) beschimpft, die abhauen solle (S.134). Frauen dürften nicht trinkend auf der Straße herumstehen.   Ein Bäcker redet seine Kundschaft nur noch auf arabisch an und bedient zuerst die muslimischen Männer, die Frauen grundsätzlich zuletzt. Der radikal-islamische Iman der Moschee ermuntert die Gläubigen, auf der Straße zu beten, auch wenn die Moschee gar nicht voll besetzt ist: Ostentative Demonstration der „Machtergreifung“ des radikalen Islam in einem Teil der Rue Jean-Pierre Timbaud. Dazu kommt das Gefühl zunehmender Unsicherheit und Fremdheit im eigenen Viertel. Erstes Opfer der Radikalisierung sind übrigens die liberalen Muslime. Entweder sie fügen sich dem auf sie ausgeübten Druck wie der nette Kebab-Verkäufer, der plötzlich keine Jeans mehr trägt und nur noch Halal-Cola verkauft, oder sie weichen ihm durch Umzug aus.

Liest man  die Bücher von Jonquet und Smith, wird man die Elogen auf das mulitkulturelle Belleville, in dem alle Gruppen der Bevölkerung in bester Harmonie zusammen leben, mit Vorbehalten und Fragezeichen versehen. Ob es sich hier, wo man es am wenigsten erwarten würde, um einen Niederschlag  der „fractures françaises“ handelt (Le Figaro 29.4.2016), kann ich nicht beurteilen. Es scheint jedenfalls Tendenzen zu geben, dass die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen eher neben- als miteinander leben und dass einige ihren Lebens- und Einfllussbereich kontinuierlich auf Kosten anderer Bevölkerungsgruppen ausweiten: Die Chinesen eher geräuschlos, die muslimischen Integristen eher demonstrativ. Jonquet und Smith kennen  und lieben Belleville. Sie wollen mit ihren Büchern das Bewusstsein für die Besonderheit des Viertels schärfen und dazu beitragen, dass es ein Modell bleibt und nicht zum Mythos verkommt. Man kann nur hoffen, dass sie damit Erfolg haben.

 

 

Zum Weiterlesen und –hören:

Thierry Jonquet, Jours tranquilles à Belleville. Paris 2013

Clément Lépidis und Emmanuel Jacomin: Belleville. Paris 2008

http://www.franceculture.fr/emissions/les-nuits-de-france-culture/belleville-par-ses-habitants-avant-entendait-chanter-le-coq (Bewohner von Belleville erzählen von ihrem Quartier aus der Zeit „avant sa destruction par les promoteurs“ in den 1970-er Jahren)

Géraldine Smith, Rue Jean-Pierre Timbaud. Une vie de famille entre barbus et bobos. Paris: Stock 2016

 

Anmerkungen:

[1] http://www.histoire-immigration.fr/la-cite/le-reseau/les-actions-du-reseau/2009-journees-europeennes-du-patrimoine/quartier-de-belleville-paris

[2] Für sie wird manchmal der Begriff „de souche“ verwendet, der i.a. mit „gebürtig“ übersetzt wird. Wenn von „français de souche“ die Rede ist, sind aber weniger die in Frankreich Geborenen gemeint, sondern diejenigen, die schon seit  (mehreren) Generationen in Frankreich leben. Insofern verstößt der Ausdruck auch gegen die republikanische political correctness, weil es nach ihr eine solche Unterscheidung gar nicht geben dürfte. Vielleicht ist es also auch ein Ausdruck politisch schlechten Gewissens, wenn das de souche öfters auch in Anführungsstriche gesetzt wird. .

(2a) siehe Stéphanie Lombard, Street Art Paris. Paris 2017, S. 59. Auf der vorderen inneren Umschlagseite ist der Belvedere von Belleville mit den Malereien von Seth und den  Arbeiten weiterer Street-Art-Künstler abgebildet.

[3]  « Fontaine coulant d’habitude pour l’usage commun des religieux de Saint-Martin de Cluny et de leurs voisins les Templiers. Après avoir été trente ans négligée et pour ainsi dire méprisée, elle a été recherchée et revendiquée à frais communs et avec grand soin, depuis la source et les petits filets d’eau. Maintenant enfin, insistant avec force et avec l’animation que donne une telle entreprise, nous l’avons remise à neuf et ramenée plus qu’à sa première élégance et splendeur. Reprenant son ancienne destination, elle a recommencé à couler l’an du Seigneur 1633, non moins à notre honneur que pour notre commodité. Les mêmes travaux et dépenses ont été recommencés en commun, comme il est dit ci-dessus, l’an du Seigneur 1722 » https://fr.wikipedia.org/wiki/Regard_Saint-Martin

Zur Bedeutung des Wasser für Belleville:  http://plateauhassard.blogspot.fr/2013/03/histoires-deaux-belleville.html

Zum Kloster Saint-Martin-des-Champs -heute das musée des arts et métiers- siehe den Blog-Beitrag über die Freiheitsstatue in New York  und ihre Pariser Schwestern, Teil 3

Es gib noch einen weiteren  schönen Regard in Belleville, den 1583-1613 errichteten Regard de la Lanterne, Rue de Belleville/Rue Complans.

[4] Heute erinnern nur noch der Name Quartier d’Amerique mit der Place des Fêtes als Mittelpunkt und die rue des carrières des Amerique an diese Vergangenheit.

[5] http://www.parisrevolutionnaire.com/spip.php?article135 (Für politisch interessierte Promeneurs eine äußerst interessante und ergiebige Quelle)

[6] https://bataillesocialiste.wordpress.com/2012/08/23/allocution-du-coiffeur-rozier-au-banquet-communiste-de-belleville-1840/

[7] https://paris-luttes.info/banquet-contre-l-etat-d-urgence-a-4635?lang=fr  Allerdings –wohl auch aufgrund des schlechten Wetters- mit deutlich geringerer Beteiligung als beim Banquet von 1840 –sieht man von dem massiven Polizeiaufgebot ab. Dabei ging es noch nicht einmal gegen den Ausnahmezustand als solchen, sondern nur um die Art seiner Instrumentalisierung durch die Regierung!

[8] Es gehört übrigens zu den Perversitäten, die die Geschichte manachmal mit sich bringt, dass ausgerechnet an diesem Ort während der großen rafles unter deutscher Besatzung die Juden  des Viertels zusammengetrieben wurden, bevor sie dann ins Vel d’hiver, nach Drancy und schließlich Auschwitz deportiert wurden. Entsprechend geschah es ja auch mit dem  Gymnase Japy im 11. Arrondissement, einem  weiteren mythischen Ort der französischen Arbeiterbewegung.

[9]  So jedenfalls zu entnehmen der Histoire de la Commune de 1871 von Lissagaray. Entsprechend auch Jule Vallès im L’Insurgé. Die Ehre der letzten Commune-Barrikade beansprucht allerdings  auch –unter Berufung auf Louise Michel-  die rue de la Fontaine-au-Rois

[10] http://www.lefigaro.fr/flash-actu/2015/11/12/97001-20151112FILWWW00365-paris-le-metro-belleville-change-de-nom.php

[11] http://www.liberation.fr/france/2016/01/10/pour-une-primaire-a-gauche_1425509

http://www.lefigaro.fr/politique/2016/02/04/01002-20160204ARTFIG00039–la-bellevilloise-la-gauche-de-la-gauche-tente-de-mettre-sur-les-rails-la-primai

[13] http://plateauhassard.blogspot.fr/2011/10/lile-damour.html

[14]  http://www.alain-rustenholz.net/2012/02/belleville-ou-la-revanche-du-lapin.html

[15] https://www.youtube.com/watch?v=oTFQK767Qik

[16] http://ateliers-artistes-belleville.fr/les-portes-ouvertes/les-artistes-participant/

[17] http://ateliers-artistes-belleville.fr/artiste/juan-de-nubes/

[18] Guide Vert, Idées des promenades à Paris, S. 48).

http://www.hellocoton.fr/to/8mnt#http://news.celemondo.com/2010/12/la-villa-castel-lieu-de-tournage-de-jules-et-jim/

[19] http://www.lemonde.fr/culture/visuel/2015/04/16/a-belleville-la-rue-denoyez-perd-ses-artistes_4616550_3246.html

[20] Siehe dazu: http://voyage.blogs.rfi.fr/article/2012/06/08/belleville-les-multiples-visages-du-paris-populaire (mit interessanten Berichten aus Belleville zum Abspielen und Mithören)

[21] Eric Hazan, L’invention de Paris. Il n’y a pas de pas perdus. Éditions du Seuil 2002, S. 283

Patrick Simon et Claude Tapia: Le Belleville des Juifs tunisiens. Paris 1998

22]  siehe 10. Bericht aus Paris: Spuren der Erinnerung

[23] http://www.tunisiensdumonde.com/les-rendez-vous/2009/03/quartier-belleville-a-paris-la-goulette-sur-seine/

http://leplus.nouvelobs.com/contribution/1326242-insultes-regard-menaces-je-suis-juif-aujourd-hui-j-evite-certains-quartiers-de-paris.html

Siehe auch:  Daniel Gordon, « Juifs et musulmans à Belleville entre tolérance et conflit », Cahiers de la Méditerranée, 67 | 2003, 287-298. http://cdlm.revues.org/135

(23a) Schwarzafrikaner hat es allerdings wohl auch schon seit dem Ersten Weltkrieg in Belleville gegeben. Siehe dazu die Legende vom Sekou-Touré-Baum in dem Innenhof des Hauses 10,rue du Jourdan an der Kirche St Jean Baptiste:

„10 rue du Jourdain se trouve une cour bordée d’immeubles bas et planté entre autres de „Sekou Touré“. Cette plante exotique aurait été importée par les tirailleurs sénégalais  à l’issue de la première guerre mondiale“ (.http://plateauhassard.blogspot.fr/2013/06/la-rue-de-belleville.html)

[24] https://www.youtube.com/watch?v=jBIWL9S32QQ

[25] Jonquet Thierry, « « Jours tranquilles à Belleville ». », Sociétés & Représentations 1/2004 (n° 17) , p. 183-192  http://www.cairn.info/revue-societes-et-representations-2004-1-page-183.htm

[26] http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2010/07/02/01016-20100702ARTFIG00573-la-revolte-des-chinois-de-belleville.php

Siehe zu Belleville auch den Blog-Beitrag über „Chinatown in Paris“ (Rubrik Stadtviertel, 13. Arrondissement)

[27] http://www2.cnrs.fr/presse/thema/600.htmImprimer

[28] http://www.tunisiensdumonde.com/a-la-une/2009/03/au-coeur-du-quartier-de-belleville-%C2%AB-la-goulette-sur-seine-

[29]  www.chinoisdefrance.com

http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2010/07/02/01016-20100702ARTFIG00573-la-revolte-des-chinois-de-belleville.php

[30] Florence Aubenas, Belleville, extérieur nuit. In: Le Monde, 3.2.2016. Enquête, S.

[31] http://www.hommes-et-migrations.fr/docannexe/file/1227/1227_05.pdf

Ein Gedanke zu “Das multikulturelle, aufsässige und kreative Belleville: Modell oder Mythos?

  1. Rousseau Kathrin

    Lieber Wolf,da mir das Belleville-Viertel recht vertraut ist, hab ich diesmal  eher nachgeschaut, ob alles stimmt… Nie war ein Rotstift notwendig ! Und dann hab ich doch noch was gelernt : Folies – ich dachte immer, das habe mit der „Spinnerei“ eines reichen Besitzers zu tun. Sehr amüsant die Anspielung auf Lacrima Voce (wie kann man nur !) und Courtille. DANKE ! Schöne Sommerwochen wünsch ich.Herzliche GrüsseKathrin Rousseau (Tenor… „Lacrima Voce“)

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