Endlich ist es so weit: Baden in der Seine …und der Marne …. (Juli 2025)

Baden in der Seine? Noch vor wenigen Jahren hätte ich mir das nicht träumen lassen. Immerhin war seit 1923 das Baden in der Seine verboten… 1988 hatte Bürgermeister Jacques Chirac es zwar vollmundig angekündigt, aber als er 2019 starb, war nichts geschehen und kein Seine-Bad in Sicht.[1]

Dass seit 2025 das Bad in der Seine dann doch für die Öffentlichkeit möglich ist, ist vor allem den Olympischen Spielen Paris 2024 zu verdanken. Es war der Ehrgeiz der Organisatoren, spektakuläre Spiele zu veranstalten und dazu einige Schwimmwettbewerbe in der Seine auszutragen. Zur Verbesserung der miserablen Wasserqualität wurden 1,4 Milliarden Euro investiert, u.a. für ein 50 000 m3 umfassendes Rückhaltebecken am gare d’Austerlitz, das verhindern soll, dass bei Starkregen Schmutzwasser ungefiltert in die Seine gelangt.[2]

Start des olympischen Frauen-Triathlons am Pont Alexandre III[3] 

Zwar mussten Wettbewerbs-Termine wegen unzureichender Wasserqualität verschoben werden. Und es gab bei den Athleten vereinzelt Beschwerden wegen sehr kurzfristig angesetzter neuer Termine und wegen gesundheitlicher Probleme nach den Wettkämpfen. Aber wie auch immer: Die vorgesehenen Wettkämpfe konnten alle durchgeführt werden.

Und ein Jahr später ist nun im Rahmen des jährlichen Paris-plages-Programms für die Öffentlichkeit kostenloses Baden in der Seine möglich…

…. und zwar an drei Stellen vom 5. Juli bis Sonntag, 31. August (bzw. an zwei Stellen bis 7. bzw 14. September – siehe unten)

Es sind Bercy im Osten der Stadt gegenüber der Bibliothèque François Mitterand, Bras Marie gegenüber der Île Saint-Louis im Zentrum und Grenelle mit Blick auf den Eiffelturm im Westen.

Dazu kommen noch wie in den letzten Jahren die beiden Badestellen am Canal Saint-Martin und im Bassin de La Villette. Hier ein kleiner Überblick mit näheren Informationen und ersten fotografischen Eindrücken-und dazu noch ein Bick auf eine stadtnahe Badestelle an der Marne…

Baignade Bercy

Baignade Bercy 183, quai de Bercy, Paris 12e
Täglich von 11 bis 21 Uhr

https://www.paris.fr/evenements/paris-en-seine-2025-baignade-dans-la-seine-sur-le-site-du-quai-de-bercy-86980

Die Badestelle liegt gegenüber den Türmen der Bibliothek François Mitterand und unterhalb der eleganten Passerelle/Fußgängerbrücke Simone de Beauvoir.

Gleich bin ich auch dabei….

Baden ist leider nur mit den gelben luftgefüllten Kissen erlaubt. Das stört zunächst etwas, aber man kann sich daran gewöhnen. Und sich auch mal darauflegen und damit in der leichten Strömung flussabwärts treiben lassen.

Allerdings war es bei unserem Besuch ziemlich voll: Also schön, im Flusswasser zu baden. Schwimmen war da aber nicht möglich…

Auf der anderen Seite der Seine liegt das Badeschiff Josephine Baker. [2a] Das bietet sich als Alternative für diejenigen an, die -aus welchen Gründen auch immer- Bad in der Seine scheuen, aber ein Bad auf der Seine. Hier war aber ganz offensichtlich der Andrang beim Badeschiff sehr gering. Das Bad in der Seine war offenbar attraktiver ..

Baignade Bras Marie

Baignade Bras-Marie 2, port des Célestins, Paris 4e
Montag bis Samstag 8-11.30 und Sonntag 8-17.30 Uhr

https://www.paris.fr/evenements/paris-plages-baignade-dans-la-seine-au-bras-marie-88863

Gute Bedingungen fürs Schwimmen: Zwar etwas wolkig, aber gute Wasserqualität („bomme“ bedeutet wohl/hoffentlich „bonne“) und 24 Grad Wassertemperatur

Ein Selfie fürs Fotoalbum, im Hintergrund der Pont Marie. Es ist -nach dem Pont Neuf- die zweitälteste noch erhaltene Brücke der Stadt. Auf der anderen Seite des Seine-Arms auf der Île Saint-Louis stehen noble Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert; den Anfang macht das exquisite hôtel Lambert: in der Tat „un tableau théâtral parisien.“ (Télérama 23.7.2025). Ein paar Schritte weiter flussabwärts gibt es die bar des Nautes im ehemaligen Maison des Célestins, und hinter dem Pont Marie die als Bars und Restaurants dienenden Flussschiffe; dazu genug Platz entlang der Seine zum Hinsetzen, Hinlegen, „Chillen“ – da, wo noch vor wenigen Jahren auf der Voie Pompidou die Autos entlangrasten….

Sehr schön ist auch, dass es, anders als in Bercy, hier keine feste Absperrung zur Seine gibt. Das ist ein ganz anderes Badegefühl. Allerdings lag bei unserem Besuch ein Polizeiboot in der Nähe. Das ist offenbar abgestellt, um zu verhindern, dass jemand mal ins „Freie“ schwimmt… Die Stadtverwaltung von Paris tut alles nur Erdenkliche dafür, um Beeinträchtigungen des „Grand Bain“, des großen Seine-Badefestes zu verhindern…

Bras de Grenelle

https://www.paris.fr/lieux/paris-en-seine-baignade-grenelle-20613 4 Port de Grenelle, Paris 15e  Gegenüber der Face Île aux Cygnes

Montag bis Freitag und Sonntag 10-17.30, Samstag 10-16.45 Uhr

Metro Station Bir-Hakeim

Als wir am 20. Juli bei schönstem Wetter zur Badestelle kamen: Kein Zugang. Enttäuschte Schwimmfreunde, „außerordentliche Schließung“ – ohne weitere Erklärung. Der allein anwesende Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma konnte auch keine Auskunft geben.

Ganz offensichtlich handelte es sich um ein Problem der Wasserqualität. Am 19. Juli hatte es einen Starkregen gegeben, der offenbar die Pariser Kanalisation überfordert hatte. Das hatte es ja auch schon bei den Olympischen Spielen gegeben, wo Wettbewerbe verschoben werden mussten, und auch kurz nach dem 5. Juli, als gleich nach Beginn der Seine-Badesaison die Badegelegenheiten schon wieder geschlossen werden mussten. Das Bad in der Seine ist also mit einigen Unwägbarkeiten verbunden, zumal man aufgrund des Klimawandels mit solchen Starkregen-Ereignissen immer häufiger rechnen muss.

Wir konnten am 20. Juli also nur Bilder von der menschenleeren Anlage vom Bras de Grenelle machen.

Blick auf das Grenelle-Bad vom Pont Bir-Hakeim

Auf der Seite von www.paris.fr gibt es immerhin auch Bilder mit Badegästen.[5]

Wir haben uns dann damit getröstet, dass es in der Nähe ja eine ganze Reihe von Orten gibt, die einen Besuch lohnen: So die Nachbildung der Freiheitsstatue auf der Île aux cygnes, die „Jeanne d’Arc Statue“ auf dem Pont Bir-Hakeim und die Gedenkstätten an die Razzia du Vel‘ d’Hiv‘.

Insgesamt war allerdings die Einrichtung der drei Badeanstalten in der Seine ein großer Erfolg. Der Parisien vom 5. August meldete am 5. August 2025, also nach genau einem Monat seit Beginn der Seine-Badesaison, dass insgesamt etwas über 35 000 Personen von der neuen Möglichkeit Gebrauch gemacht hatten – eine doch beträchtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass im ersten Monat aufgrund der „kapriziösen Wetterbedingungen“ nur an 17 Tagen das Baden in der Seine möglich war….

Aktueller Nachtrag (28. August und 6. September 2025)

Insgesamt waren es von Anfang Juli bis Ende August etwa 100 000 Badegäste, die das Angebot des Seine-Schwimmens genutzt haben. (Le Parisien vom 27.8.: La baignade dans la Seine prolongée en septembre sur deux sites)

Aufgrund des großen Erfolgs hat die Pariser Stadtverwaltung beschlossen, die Badesaison an der Seine zu verlängern: Zunächst hieß es, Grenelle schließe erst am 7. September, Bercy am 14. September. Dann wurde aber die Badesaison in der Seine publikumswirksam bis zum 21. September verlängert.

Für den Bras Marie bleibt es beim vorgesehenen Abschluss Ende des Monats. Verantwortlich ist dafür der Schiffsverkehr, der an dieser Stelle bei Badebetrieb unterbrochen werden muss, aber ab September wieder in vollem Umfang aufgenommen werden soll. Auch im nächsten Jahr wird am Bras Marie kein Baden mehr möglich sein. Ein alternatives Angebot wird geprüft.

Insofern ist dieses Werbeplakat leider unkorrekt: Es handelt sich bei dem Foto ja eindeutig um die Badestelle Bras Marie, wo das Baden gerade nicht verlängert wurde…. Das gilt auch für dieses Foto aus der „Verlängerungs-Serie“.

Ganz offensichtlich ist/war das Bad am Bras Marie das schönste und werbewirksamste. Wie schade, dass gerade dieses Bad dauerhaft geschlossen wird…

Bassin de la Villette

Baignade estivale – La Villette
40 Quai de la Loire, Paris 19e

Wie schon in den vergangenen Jahren [6]  gibt es auch in diesem Jahr wieder bis 31. August die Möglichkeit, im Bassin de la Villette zu baden und zwar sonntags von 11-18 Uhr und montags bis samstags von 11-21 Uhr

https://www.paris.fr/evenements/baignade-la-villette-39372

An Wochenenden und bei schönem Wetter muss man aber mit großem Andrang und ggf. entsprechenden Wartezeiten rechnen.

Zweimal in der Woche gibt es auch eine Badegelegenheit im Canal Saint-Martin:

Canal Saint – Martin / Jemmapes

https://www.paris.fr/lieux/baignade-estivale-canal-saint-martin-20412

Mittwoch 12 – 15.30 Uhr;  Sonntag 13 – 17 Uhr

116 Quai de Jemmapes, Paris 10e

Bild: www.paris.fr

Es ist sehr empfehlenswert, sich über die aktuellen Bademöglichkeiten/Schließungen zu informieren: https://www.sortiraparis.com/actualites/a-paris/articles/330514-fermeture-site-baignade-seine-canal-paris

Auch in der Marne kann man -wenn Wetter und Wasserqualität mitspielen- wieder schwimmen!

plage de Maisons-Alfort

1, avenue Joffre, Maisons-Alfort (94).

Die  Badestelle 2017

In den ersten Jahren unseres Paris-Aufenthaltes waren wir oft im Sommer an der Marne. Da gab es gut erreichbar mit der Métro Linie 8 die Stufen einer ehemaligen Badeanstalt. Offiziell war das Baden verboten, aber selbst die städtische Polizei, die ab und zu vorbeikam, ermahnte höchstens die Sonnenanbeter und (potentiellen) Badegäste, wegen der Wasserqualität und des Schiffsverkehrs auf das Bad im Fluss zu verzichten, ließ es aber dabei bewenden.[7] Verzichtet haben wir dann erst auf das Bad in der Marne, als ich beinahe beim Kraulen im Fluss von einem Lastkahn „überfahren“ worden wäre und als einmal an der Badstelle große tote Fische im Wasser dümpelten.

Die ehemalige Badestelle 2025

Im Rahmen der Vorbereitung für die Olympischen Spiele wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, das Wasser auch der Marne zu säubern. Sie mündet ja kurz Paris in die Seine und hat deshalb große Bedeutung für deren Wasserqualität. [8] So konnten 2025 auch an der Marne vier Badeanstalten eröffnet werden, darunter die von Paris aus gut erreichbare in Maisons-Alfort: Es gibt dort zwar jetzt weniger freizügiges und auch nicht mehr  kostenloses Schwimmen, aber dafür mehr Komfort und mehr Sicherheit.

Badestelle Maisons-Alfort. Täglich 10-18 Uhr. Mittwoch 10-20 Uhr, Samstag 10-19 Uhr. Für auswärtige Besucher 8 Euro Eintritt für ein Zeitfenster von zwei Stunden.  (Einheimische zahlen 3 Euro).  Reservierung (max 3 Tage vorher) unter marneboisplages.fr

Es gibt zwei Becken, eines, in dem auch Kinder stehen können, ein zweites, immerhin 50 Meter langes Becken zum Schwimmen. Und das ist im Vergleich zu den Badestellen in der Seine doch etwas Besonderes und versöhnt vielleicht mit dem hohen Eintrittspreis.[9]

Ein Nachteil ist allerdings ein permanenter Geräuschpegel: Entlang der anderen Seite der Marne verläuft die Autoroute de l’Est, in der Nähe der Badeanstalt überqueren zwei Brücken mit Autobahnzufahrten die Marne….

Wir wären trotzdem sehr gerne nach so vielen Jahren wieder in der Marne geschwommen, aber dann war auch dort geschlossen… .

Die Badeanstalt erreicht man in „20 Minuten von der Metro[10] Wenn man nicht im Sturmschritt läuft, dauert es allerdings etwas länger : Métro Linie 8,  Station École Vétérinaire Maisons-Alfort. Von dort sind es nur wenige Schritte bis zur Marne, dann flussaufwärts entweder die Straße (Rue du maréchal Juin und dann Avenue Foch) oder den alten/neu angelegten Treidelpfad/Leinpfad (chemin de halage) entlang der Marne. Den sollte man für einen Weg nutzen: Ein schöner Spaziergang!


[1] Zur Geschichte des Seine-Badens siehe auch: https://paris-blog.org/2017/08/07/sommer-in-paris-schwimmen-im-bassin-de-la-villette-in-der-marne-und-aufin-der-seine/

[2] https://paris-blog.org/2023/05/15/in-einem-jahr-die-olympischen-spiele-von-paris/

[2a] Bénédicte Vicent, Vous n’osez pas nager dans la Seine ? Cette piscine vue fleuve est le spot rêvé de cet été – et elle est vraiment magique la nuit. Paris secret. 22. Juli 2025 https://parissecret.com/piscine-parfaite-vue-seine-paris/

[3] JO Paris 2024 : les images incroyables des triathlètes lors de leur plongée dans la Seine

[4] Dort auch das nachfolgende Foto

[5] https://cdn.paris.fr/paris/2025/07/05/original-4a80a080d032190c0c5e6b1eff15e66b.jpg

[6] https://paris-blog.org/2017/08/07/sommer-in-paris-schwimmen-im-bassin-de-la-villette-in-der-marne-und-aufin-der-seine/

[7] https://paris-blog.org/2017/08/07/sommer-in-paris-schwimmen-im-bassin-de-la-villette-in-der-marne-und-aufin-der-seine/

[8] https://www.valdemarne.fr/le-conseil-departemental/cadre-de-vie/assurer-le-retour-a-la-baignade/2025-grand-retour-de-la-baignade

[9] https://www.enlargeyourparis.fr/artdevivre/jai-teste-la-baignade-dans-la-marne-et-jai-aime-ca

[10] https://actu.fr/ile-de-france/maisons-alfort_94046/une-plage-a-20-minutes-du-metro-c-est-ouf-a-maisons-alfort-la-baignade-dans-la-marne-enfin-autorisee_62856296.html

200 Jahre Canal de l’Ourcq. Ein Ausflug in die Randzonen von Paris: Von der wirtschaftlichen Verkehrsader zum angesagten Ort für Wohnen und Freizeit

2022 feierte der Canal de l’Ourcq, eine Wasserstraße im Nordosten von Paris, seinen 200. Geburtstag. Der Kanal hatte im 19. Jahrhundert eine große Bedeutung für die Versorgung der Stadt Paris mit frischem Wasser und als Verkehrsader. Vor allem die Erschließung neuer effizienterer Transporte auf Straße und Schiene führte dann zum Bedeutungsverlust des nun von Bauruinen, Industriebrachen und Behelfsunterkünften gesäumten Kanals, bis er in den letzten Jahren eine neue Blütezeit als angesagter Ort für Wohnen, Kultur und Erholung im Grünen erlebte.    

Aber eine grüne Lunge der Region ist der Kanal eher (noch) nicht. Sein Reiz für einen Besucher der Stadt liegt vor allem darin, dass er die verschiedenen Schichten der Peripherie von Paris durchschneidet und sichtbar macht: Industrieanlagen,  Infrastruktureinrichtungen,  Natur und Landwirtschaft, kleine Vorortsiedlungen, und dass die Veränderungen, die sich da vollzogen haben und noch vollziehen, sehr anschaulich werden. Dazu gehören auch soziale Probleme der Stadt, die seit dem großen Stadtumbau des Barons Haussmann „intra muros“ eher und gerne -im wahrsten Sinne des Wortes- verdrängt und in die Peripherie ausgelagert werden. Insofern ist ein Ausflug entlang des Kanals -am besten mit dem Fahrrad-  eine abwechslungsreiche Ergänzung eines Paris-Aufenthaltes.

Die Ursprünge des Kanals reichen zurück bis ins Jahr 1802. Mit einem Dekret vom 29 floréal an X  (19 mai 1802) dekretierte nämlich Bonaparte, das Flüsschen Ourcq im Nordosten von Paris zu kanalisieren und umzuleiten, vor allem um Paris mit zusätzlichem frischem Wasser zu versorgen. Im 18. Jahrhunderts war Wasser ein nur in sehr begrenztem Maße verfügbares, kostbares Gut in Paris: Die Pariser hatten damals durchschnittlich nur 15 Liter Wasser pro Tag zur Verfügung, heutzutage verbraucht ein Pariser achtmal, der durchschnittliche Franzose sogar zehnmal so viel![1] Um der Wasserknappheit abzuhelfen, verfügte Napoleon 1806 den Bau von 15 neuen Brunnen. Den zusätzlichen Wasserverbrauch sollte der Canal de l’Ourcq sicherstellen, der ein großes Wasserbecken bei dem Dörfchen Villette mit frischem Wasser alimentieren sollte. Der spektakulärste der von Napoleon geplanten Brunnen war ein -allerdings nicht verwirklichter- monumentaler begehbarer Elefanten-Brunnen auf dem Bastille-Platz.

Für dessen Grundsteinlegung sah Napoleon den 2. Dezember 1808 vor, den Jahrestag seiner Krönung und auch des Sieges von Austerlitz. An diesem Tag sollte der Deich geöffnet werden, der bis dahin das Bassin de la Villette abschloss, und die Ankunft des Ourcq- Wassers in Paris gefeiert werden.[2]

Gebaut wurde der Kanal ausgehend von Paris/dem Bassin de la Villette. Allerdings hatte der Architekt in den damaligen Kriegszeiten Schwierigkeiten, genug Arbeitskräfte für den Bau des Kanals zu bekommen.  Um das große Werk rechtzeitig zum 2. Dezember 1808 fertigzustellen, wurden deshalb auch 300 preußische Kriegsgefangene für den Bau eingesetzt. Die waren 1806 im Vierten Koalitionskrieg bei der vernichtenden Niederlage der preußischen Truppen bei Jena und Auerstedt in die Hände der siegreichen Franzosen gefallen.[3]

Der Kanal sollte aber nicht nur die Wasserversorgung der Stadt verbessern, sondern auch dem Transport von Getreide, Zuckerrüben und Holz aus dem nordöstlichen Umland von Paris dienen und dessen wirtschaftliche Erschließung fördern. Indem zusätzliches Wasser des Flüsschens Beuvronne in den Kanal eingeleitet wurde, konnten ab 1813 auf einem ersten Teilstück des Kanals Boote mit niedrigem Tiefgang verwendet werden.  

Dieser Teller aus Sèvres-Porzellan zeigt den Warenverkehr auf dem Kanal de l’Ourcq. Er gehörte zu dem kaiserlichen Tafelgeschirr des Schlosses von Fontainebleau, auf dem die Großtaten Napoleons präsentiert wurden: Der Bau des Kanals gehörte im damaligen Verständnis also auch dazu.[4]

Auf dieser historischen Karte ist zu erkennen, dass der Kanal de l’Ourcq zu einem umfangreichen Kanalsystem gehört:  dem Kanal Saint- Denis, der, abzweigend vom Kanal de l’Ourcq,  in nordwestlicher Richtung verläuft und westlich von Saint Denis in die Seine einmündet, und dem Kanal Saint-Martin, der gewissermaßen die Verlängerung des Kanals de l’Ourcq auf Pariser Gebiet darstellt: Er durchquert den Osten der Stadt und mündet hinter dem port de l’Arsenal in die Seine. Dieses zusammenhängende Kanalsystem entstand in den 1820-er Jahren: 1821 wurde der Kanal Saint-Denis eingeweiht, 1822 der bis kurz vor Meaux verlängerte Kanal de l’Ourcq und 1825 der Kanal Saint-Martin, was eine erhebliche Verkürzung des Schifffahrtswegs auf der Seine bedeutete.[5]

Das wirtschaftliche Potential dieses Kanalsystems wurde allerdings erst seit den 1860-er Jahren genutzt: Damals wurden im Zuge des Stadtumbaus des Baron Haussmann die Pariser Schlachthäuser an die Peripherie der Stadt nach Villette verlegt: Durch die Einführung von Kühlanlagen war das möglich geworden. Außerdem wurde der in Dürrezeiten trocken fallende Kanal de l’Ourcq durch Pumpwerke mit zusätzlichem Wasser der Marne versorgt.[6] Damit war auch ein ausreichender Wasserstand für den Schiffsverkehr auf dem Kanal Saint-Denis und dem Kanal Saint-Martin gewährleistet. In den 1880-er Jahren wurde das 700 Meter lange Bassin de la Villette auf 80 Meter Breite erweitert und auf 3.20 Meter vertieft, das Kanalsystem wurde für Lastkähne von 1000 Tonnen tauglich gemacht und ein zusätzliches Hafenbecken in Pantin gebaut. Dies war die Blütezeit des Kanals de l’Ourcq und des Pariser Kanalsystems: Im Nordosten der Stadt war ein großer Hafen entstanden, einer der größten Frankreichs.

Heute hat der Kanal de l’Ourq nur noch eine marginale wirtschaftliche Bedeutung und nur noch sehr selten sieht man Lastkähne auf dem Kanal.

Immerhin wird das Wasser des Kanals noch heute für die Straßenreinigung und die Bewässerung der Pariser Grünanlagen genutzt.

Heute sind es eher Paddelboote, die den Kanal befahren.

Und die ehemaligen Treidelpfade (chemins de halage) am Rand des Kanals sind ein Eldorado für Jogger und Fahrradfahrer (auch wenn Fahrräder offiziell nur auf den speziellen asphaltierten Fahrradwegen zugelassen sind).

Ein Ausflug entlang des Kanals

Etwas von den früheren Glanzzeiten des Kanals de l’Ourcq kann man noch auf einer Wanderung oder einer kleinen Radtour spüren. Sie beginnt in Paris am Ende des Kanals und führt über 13 km auf befestigten Wegen zu dem Parc forestier de Sevran, in dem einmal eine Munitionsfabrik lag: Ein Ausflug, der keine großen Anforderungen stellt, aber sehr interessante Einblicke in das Pariser Umland, also das, was heute „Grand Paris“ genannt wird, ermöglicht. Ist man mit dem Fahrrad unterwegs, bietet sich das Fahrrad auch für den Rückweg an, für Fußgänger gibt es die Möglichkeit, mit dem RER nach Paris zurückzufahren.

Der Ausflug beginnt an dem 1808 gebauten Bassin de la Villette, der größten künstlichen Wasserfläche von Paris.  Auf dem blauen Schild wird über die Entfernung zu verschiedenen Orten entlang des Kanals informiert und rechts oben sieht man ein passendes Mosaik des Street Art-Künstlers Invader.

Das Bassin de la Villette ist ausgerichtet zur Rotonde de la Villette, einem repräsentativen Bau der alten Zollmauer von Paris.

Sie ist eine der vier noch erhaltenen Durchgänge und Zollstationen, die vor der Französischen Revolution von dem Architekten Ledoux im klassizistischen Stil entworfen wurden. Heute wird der Bau von einer Bar genutzt.[8]

Im Sommer kann man vor Beginn des Ausflugs im Bassin de la Villette ein erfrischendes Bad nehmen, so wie das auch ab 2025 in der Seine möglich sein soll.

Es gibt einen durchgängigen Fahrradweg entlang des Kanals, der sehr gut ausgebaut und beschildert ist. Ab und zu werden aber auch Fahrten mit dem Schiff angeboten – mit der Möglichkeit, seine Fahrräder für die Rückfahrt mitzunehmen. Das haben wir auch schon genutzt. Deshalb sind einige der Bilder auch vom Schiff aus aufgenommen.

Am Ende des Bassins beginnt der eigentliche Kanal. Dazwischen liegt der Pont de Crimée, die letzte und einzige Hubbrücke (pont levant) von Paris. Gebaut wurde sie anlässlich der Erweiterung des Bassin de la Villette 1884/1885.

Hier versammeln sich gerne Schaulustige, vor allem wenn die Hubbrücke geöffnet wird, um ein Schiff durchzulassen. Aber auch für Fotoshootings wird die Brücke offenbar genutzt…

Nach einer kurzen Fahrt bzw. einem kurzen Gang entlang des Kanals erreicht man das Gelände der ehemaligen Schlachthöfe, die 100 Jahre lang dieses Viertel prägten. Vor allem in der Zeit des großen Haussmann’schen Stadtumbaus lebten hier Arbeiter der benachbarten großen Steinbrüche von Buttes-Chaumont und der Schlachthöfe. Dazu kamen auch Menschen, die durch den Stadtumbau ihre Wohnungen verloren und an die Peripherie gedrängt wurden.

Foto: Wolf Jöckel, Juli 2018

Solche an den Rand gedrängte Menschen gibt es auch heute noch im Umland von Paris und oft auch entlang des Kanals.

Foto: Wolf Jöckel, Januar 2022

Das sind meist Flüchtlinge oder Roma, die sich dort eine Zeitlang behelfsmäßig niederlassen, bevor sie von der Polizei vertrieben werden und sich dann einen neuen Ort suchen müssen, bis sich dieses grausame Katz und Maus- Spiel wieder und wieder fortsetzt…  

Heute ist auf dem ehemaligen Schlachthofgelände eine futuristisch gestaltete Grünfläche entstanden mit Spazierwegen entlang des Kanals.  Zu dem Parc de la Villette gehören die von Jean Nouvel konzipierte Philharmonie de Paris, die Cité de la Musique, das Conservatoire National Supérieur de Musique, außerdem das interaktive Wissenschaftsmuseum Cité des sciences et de l’industrie.

Die Philharmonie von Paris (https://www.jeanmariehubert.fr/philharmonie-de-paris/)

An das Villette des 19. Jahrhunderts erinnert noch die Grande Halle: Sie wurde 1865 im Auftrag des Baron Haussmann errichtet als – in Nachbarschaft der Schlachthöfe gelegener- größter Viehmarkt Frankreichs. Nicht weniger als 4600 Rinder konnten hier täglich ihren Besitzer wechseln. Heute dient die Halle als Veranstaltungsort für Ausstellungen und Konzerte.

Der große Löwenbrunnen aus dem Jahr 1867 diente als noble Tränke für die Tiere, bevor sie in die Schlachthöfe geführt wurden….

Kurz danach taucht die imposante Silhouette der alten Mühle von Pantin auf.

Die Grands Moulins de Pantin gehörten im 19. Jahrhundert zu den großen Weizenmühlen, die die Versorgung der Stadt Paris mit Mehl sicherstellten. Die Lage zwischen dem Kanal und der Eisenbahnlinie war ideal für den Transport des Getreides aus der großen, fruchtbaren Ebene von Brie im Osten des Pariser Beckens.

Das heutige Gebäude stammt aus den 1920-er Jahren. 2003 wurde die Mühle stillgelegt und das Gebäude sehr behutsam rehabilitiert und unter Bewahrung der alten Strukturen in Büros für die Bank BNP-Parisbas umgewandelt.[11]

Die Grands Moulins de Pantin sind übrigens auch ein schönes Ausflugsziel mit einem der elektrisch betriebenen Boote, die man am Bassin de la Villette mieten kann. Hier eines links im Bild.[12] 

Wenn man etwas Glück hat, kann man dabei auch Kormorane beim Fischen beobachten.

Nachdem man in Pantin auf die linke Seite des Kanals gewechselt ist, kommt auf der rechten Seite der mächtige Bau der Magasins généraux von Pantin in den Blick.

Foto: Wolf Jöckel, Mai 2022

Es handelt sich um ein großes Lagerhaus, das  1931 an dem kurz davor fertig gestellten großen Hafenbecken von Pantin errichtet wurde. In erster Linie wurden dort sogenannte Kolonialwaren, Alkohol, Getreide und Mehl, die für die Stadt Paris bestimmt waren, gespeichert. Damals konnten  die größten damaligen Binnenschiffe Pantin über die Seine und den Kanal Saint-Denis erreichen und hier ihre Ladung löschen. Aber 70 Jahre später, 2001, hatte der „Speicher von Paris“ (le grenier de Paris) ausgedient.

Street-Art-Künstler nutzten den leerstehenden Bau. Über und über wurde er mit Graffitis besprüht  und so schließlich zu einer „cathédrale du graff“  und einer touristischen Attraktion.[13]

Unverkennbar ist hier (erstes Stockwerk rechts) der grinsende Kater von Monsieur Chat, einem der prominenten Street-Art-Künstler von Paris.[14]

Bilder aus dem Jahr 2012 von F. Jöckel

Jetzt ist auch diese Bauruine wieder rehabilitiert, aber es sind nicht traditionelle Büros dort installiert, sondern ein Kulturzentrum mit einem reichhaltigen Angebot und dazu Dock B, eine Begegnungs- und Arbeitsstätte mit Restaurant und einer Strand-Bar direkt am Kanal – betrieben von dem alternativen Kulturzentrum La Bellevilloise aus Belleville. Mit ihren verschiedenen Leben markieren die Magasins généraux die industrielle und künstlerische Geschichte von Paris.[15]

Für Graffiti-Künstler gibt es aber noch genug Betätigungsfelder auf diesem Abschnitt des Kanals.  

Fresko am Kanal de l’Ourcq in Pantin. Foto: Wolf Jöckel

Fotos: Wolf Jöckel, Juli 2018

Besonders beliebt ist eine lange Mauer, an der man fast immer Graffiti-Künstler bei der Arbeit beobachten kann.

Foto: Wolf Jöckel, Mai 2022

Hier, zwischen Pantin und Bondy, sind die Ränder des Kanals noch immer von wirtschaftlichen Aktivitäten geprägt, um die der Fahrra- bzw. Gehweg teilweise einen Bogen machen muss- eine wenig attraktive Passage des Ausflugs.

Foto: Wolf Jöckel Mai 2022

Das Schiff, das an dem Betonwerk von Bondy angelegt hat, wurde aus Solidarität mit der Ukraine umgetauft.  Foto: Wolf Jöckel, Mai 2022

Danach aber ändert sich das Bild und die Ränder des Kanals sind von einer intensiven Bautätigkeit geprägt: Am Kanal zu wohnen ist offenbar sehr attraktiv. Paris dagegen verliert seit einigen Jahren an Einwohnern. Und es gibt sogar einige weniger attraktive Arrondissements, in denen die durchschnittlichen Kaufpreise für Wohnungen etwas zurückgehen und die Marke von 10 000 Euro pro Quadratmeter etwas unterschritten haben. Aber das sind ja immer noch astronomische Preise, die die meisten Menschen nicht bezahlen können.

Foto: Wolf Jöckel, Juli 2018

Da kann gerade für Familien ein Reihenhäuschen am Kanal durchaus eine Alternative sein…

Foto: Wolf Jöckel, Mai 2022

…. Oder eine der vielen hier entstehenden Wohnungen, die im Rahme einer langfristig geplanten ZAC (Zone d’Aménagement Concertée) errichtet werden. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass durch einen hohen Prozentsatz an Sozialwohnungen der Prozess sozialer Verdrängung sich nicht im Umland von Paris ungebremst fortsetzt. Und ökologische Aspekte spielen in einem solchen „Ecoquartier“ natürlich auch eine große Rolle. Nicht zu vergessen die gute Anbindung an Paris mit dem RER, der S-Bahn. Als Bauland dienen „friches industrielles“, also das brach liegende Gelände nicht mehr genutzter Industrieanlagen. So erhält der Kanal ein völlig neues, freundlicheres Gesicht.[16]

Im weiteren Verlauf unserer Kanalfahrt ändert sich das Bild erneut: Der Kanal verengt sich, hat nur noch eine Tiefe von 85 cm.

Für den Warenverkehr wurden deshalb hier spezielle Boote verwendet, die sogenannten flutes d’Ourq. Die hatten nicht nur den entsprechenden geringen Tiefgang, sondern sie konnten in beiden Richtungen fahren. Da war nötig, weil er enge Kanal nur ganz wenige Ausbuchtungen zum Wenden hat.

Gesäumt ist der Kanal hier von älteren Vorstadthäusern.

An den Rändern ist Platz für etwas Natur.

Der Kanal ist jetzt streckenweise von dicht aneinander gereihten Pappeln gesäumt.

Foto: Wolf Jöckel

Die wurden früher bei der Geburt eines Kindes gepflanzt und bei der Heirat zu deren Finanzierung gefällt, wie uns der Führer einer Bootsfahrt auf dem Kanal erläuterte. Heutzutage werde die Tradition der Pappelanpflanzungen fortgesetzt, allerdings jetzt nicht mehr für Hochzeitszwecke.

Bei Sevran kommt man an einer Schleuse vorbei (bzw. passiert sie, wenn man mit dem Boot unterwegs ist). Sie wurde gebaut, um den Kanal bis zur Marne schiffbar zu machen. Die geplante Verbindung wurde aber allerdings nie fertiggestellt.

Foto: Wolf Jöckel

Der Park der Poudrerie von Sevran

Danach ist man auch gleich am Ziel des Ausflugs angekommen, dem Park der ehemaligen Munitionsfabrik (Poudrerie) von Sevran.

Foto: Wolf Jöckel

Es handelt sich um ein großes Waldstück, in dem einmal eine der 12 zur Zeit Napoleons III. in Frankreich errichteten Munitionsfabriken stand.

Informationstafel des Parks

Es gibt noch einiges, was an die Vergangenheit dieses Parks erinnert:

Zum Beispiel die Schienen, die das Gelände durchziehen…

… oder Überreste der ehemaligen Produktionsstätten

…. oder die Wälle (merlons), die bei der Explosion einer Produktionsstätte den Schaden begrenzen sollten. So wurden 1910 bei der Explosion von zwei Tonnen Sprengstoff zwar mehrere Gebäude beschädigt und die Detonation war noch in einem Umkreis von mehr als 20 Kilometern zu spüren, aber es wurde nur ein Arbeiter verletzt.  

Über solche Bögen, die an vielen Wegen des Parks stehen, liefen einmal Stromleitungen zu den im Gelände verteilten Pulverfabriken.

Die über das Gelände verteilten Teiche dienten als Wasserreservoire für die Bekämpfung von Bränden.

Im Mittelpunkt der Produktionsanlagen steht der Pavillon Gustave Maurouard, das Hauptgebäude der Poudrerie mit Uhr- und Glockenturm. Hier standen früher die Maschinen, die die Energie für die gesamte Anlage erzeugten. Heute ist dort (zeitweise) eine kleine Bar geöffnet. Die Wiese davor ist ideal für Picknick und Spiele.

Das Museum

Das kleine Museum der Poudrerie ist nur sehr unregelmäßig zugänglich. Wenn sich die Möglichkeit dazu bietet, lohnt sich sein Besuch durchaus.

Foto: Wolf Jöckel

Man erfährt dort einiges über die Geschichte der Anlage, über ihre Funktionsweise und die dort hergestellten Produkte – zunächst Munition für Jagdwaffen, später auch für militärische Zwecke.

Ausgestellt sind z.B. Architekturskizzen aus der Entstehungszeit der Poudrerie….

…. für die Produktion verwendete Maschinen wie diese aus einer sächsischen Maschinenbaufabrik….

…. und Werbung für die in der Poudrerie hergestellten Produkte.

Vor der Maschinenhalle steht der Prototyp einer deutschen Rakete aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie stammt aus Peenemünde, das  seit 1945 zu der russische besetzten Zone Deutschlands gehörte. Aber offensichtlich wurde die Rakete den Franzosen überlassen, die sie im Laboratorium der Poudrerie von Sevran untersuchten.

Foto: Wolf Jöckel

Praktische Informationen:

Hinweg auf der rechten Seite des Bassin de la Villette (Quai de la Loire), in Pantin auf die andere Seite des Kanals wechseln (Passerelle de l’hôtel de ville) Richtung Claye-Souilly, in Bondy wechselt man vor dem Zementwerk Cemex wieder auf die rechte Seite, auf der auch der Park der Poudrerie liegt.

Für Hin- und Rückfahrt mit dem Fahrrad sollte man etwa 4 Stunden einplanen.

Öffnungszeiten  des Museums: sehr unregelmäßig. Siehe: http://www.apfp.fr/le%20musee.htm

Am einfachsten und wohl auch besten ist aber der Rückweg mit dem Fahrrad, der gegen Abend neue Perspektiven eröffnet.

Verleihstationen für Fahrräder gibt es in Paris flächendeckend, aber auch viele Fahrradgeschäfte, die Fahrräder tageweise oder halbtäglich verleihen.

Die Rückfahrt ist auch möglich mit dem RER B. Die Bahnhöfe Vers-Galant und Sevran-Livry  liegen auf der anderen Seite des Kanals auf der Höhe des Parks. Möchte man noch ein Stück weiter am Kanal entlangfahren, bietet sich der Bahnhof von Villeparisis/Mitry le Neuf für die Rückfahrt an.  Die Mitnahme von Fahrrädern ist kostenlos, allerdings nur in bestimmten Zeitfenstern erlaubt: montags bis freitags zwischen 9.30 bis 16.30 Uhr und nach 19.30 Uhr. Samstags, sonntags und an Feiertagen ohne Einschränkung.  Siehe ratp.fr

In den Sommermonaten werden öfters an Sonntagen im Park der Poudrerie Bälle veranstaltet. Im August 2023 am 13. und 27. August von 16 bis 18 Uhr

siehe: https://www.tourisme93.com/ete-du-canal/l-ete-au-parc-de-la-poudrerie.html    aaa

Auf dieser Website werden auch Kanufahrten von der Poudrerie nach Paris angeboten!

Die Grands Moulins de Pantin im Abendlicht. Foto: Wolf Jöckel

La Géode in der Cité des Sciences et de l’Industrie im Park de la Villette. In der riesigen Halbkugel aus Stahl spiegelt sich der Park de la Villette. Foto: Wolf Jöckel

Die Hubbrücke ist auch bzw. gerade bei abendlicher Beleuchtung sehr sehenswert… Foto: Wolf Jöckel


Anmerkungen

[1] https://www.pariszigzag.fr/secret/histoire-insolite-paris/combien-deau-consomme-un-parisien-chaque-jour#:~:text=En%20effet%2C%20un%20Parisien%20ne,de%20150%20litres%20par%20jour.

[2] Siehe dazu den Blog-Beitrag https://paris-blog.org/2022/02/02/der-elefant-der-bastille/

[3] Histoire du canal de l’Ourcq (aufildelourcq.org) In manchen Texten über den Kanal ist auch von österreichischen Kriegsgefangenen als Arbeitskräften die Rede.

[4] Siehe: https://paris-blog.org/2021/12/01/mit-dem-verein-weimarer-dreieck-auf-den-spuren-napoleons-in-fontainebleau/

[5] Karte aus: https://paris-atlas-historique.fr/resources/canal+de+l$27Ourcq.jpg

Zur Geschichte des Kanals siehe auch: https://www.paris.fr/pages/10-choses-a-savoir-sur-le-canal-de-l-ourcq-19869

[6] Siehe:  Visite usine élévatoire de Trilbardou (exploreparis.com)

[8] Siehe dazu die Blog-Beiträge: https://paris-blog.org/2020/06/01/ledoux-lavoisier-und-die-mauer-der-generalpaechter/ und https://paris-blog.org/2020/06/15/die-mauer-der-generalpaechter-2-die-vier-erhaltenen-barrieren-von-ledoux/

[11] https://www.tourisme93.com/document.php?pagendx=84&engine_zoom=PcuIDFC930001340

[12] https://www.marindeaudouce.fr/canal-de-l-ourcq/

[13] https://magasinsgeneraux.com/fr/histoire-du-lieu

[14] https://paris-blog.org/2019/02/01/street-art-in-paris-4-monsieur-chat-miss-tic-und-fred-le-chevalier/

[15] https://magasinsgeneraux.com/fr/histoire-du-lieu

[16]  Zur Entwicklung des Kanals und seines Umfelds siehe: https://www.apur.org/sites/default/files/documents/Ourcq_tome1.pdf

Der Elefant der Bastille

Geht man über den kürzlich neu gestalteten Bastille-Platz, so wird man die verstreut in das Pflaster eingelassenen Symbole entdecken.

Da gibt es Jahreszahlen: 1789, 1830, 1848 und 1871 – also die Daten von Revolutionen, bei denen dieser Platz eine besondere Rolle spielte.

Natürlich gibt es auch ein Bild der Bastille, die hier einmal stand und die dem Platz seinen Namen gegeben hat.

Und dann gibt es auch einen Elefanten.

Einen Elefanten!? Wie kommt der denn auf den Bastille-Platz? Was hat er zu bedeuten?

Hier die interessante und unterhaltsame Geschichte des Bastille-Elefanten:

Entstanden ist der Bastille-Platz 1789, nachdem die Bastille – Festung unmittelbar nach ihrer Erstürmung am 14. Juli 1789 bis auf den letzten Stein niedergelegt worden war. Da war nun ein großer freier Platz, dessen mögliche Nutzung  die Phantasien beflügelte. Natürlich lag es nahe, dort den Jahrestag des 14. Juli zu feiern. Das war zwar noch lange kein Nationalfeiertag, aber schon seit 1790 wurde auf der Place de la Bastille am 14. Juli gefeiert und getanzt – zumal ja den Revolutionären auch das besondere Verdienst zukam, die Bastille in der besten Jahreszeit gestürmt zu haben.

1794, zur Zeit des jacobinischen Terrors,  kam dann eine neue Verwendung hinzu: Da wurde nämlich die Guillotine auf der Place de la Bastille aufgestellt- allerdings schon bald wieder auf die Place de la Nation verlegt: Die durchaus revolutionsfreudigen Bewohner des Faubourg Saint-Antoine hatten sich nämlich über die ständig das Viertel durchquerenden Karren mit den blutigen Körpern der Guillotinierten beklagt. Gerade für die dort ansässigen Handwerker war das wenig verkaufsfördernd. Die Place de la Nation war da geeigneter:  Von dort aus war der Weg zu den Massengräbern in den Gärten des ehemaligen  Klosters Picpus nur sehr kurz… [1]

Jetzt war der Platz wieder frei. Gewissermaßen eine Steilvorlage für Napoleon, den auch städtebaulich hoch ambitionierten Kaiser. Der unterschrieb am 18. Februar 1806 ein Dekret, das die Errichtung eines Triumphbogens zum Ruhm der Grande Armée befahl. Die ersten Pläne wurden erstellt und als Ort zunächst die  Place de  la Bastille in Aussicht genommen: Statt des Symbols des despotischen Ancien Régime jetzt also die Feier der Grande Armée und ihres Feldherrn. Allerdings war die Topographie an dieser Stelle dem Projekt wenig zuträglich. Die Straßen liefen nicht in geometrisch akkurater Form auf den Platz zu, so dass die Architekten die Place de l’Étoile als geeigneteren Standort vorschlugen. Der lag immerhin auch auf der großen Pariser Ost-West-Achse und war von der kaiserlichen Residenz im Palais des Tuilerien aus zu sehen.

Für den Bastille-Platz sah Napoleon nun aber ein anderes Projekt vor, das mindestens ebenso ambitioniert war wie das des großen Arc de Triomphe.  Am 26. Oktober 1808 ließ er seinem Innenminister Emmanuel Crétet einen kaiserlichen Erlass zukommen: Crétet wurde beauftragt, unverzüglich die Planung eines Brunnens auf der Place de la Bastiille zu veranlassen. Dieser Brunnen aus Bronze oder jedem anderen Material solle die Form eines Elefanten mit einem Turm auf dem Rücken haben, wie das „bei den Alten üblich“ gewesen sei. Als Tag der Grundsteinlegung sah Napoleon den  2. Dezember vor, den Jahrestag seiner Krönung, an dem auch die Ankunft des Wassers vom Canal de l’Ourcq gefeiert werden sollte.[2]

Die hier von Napoleon vorgenommene Verknüpfung der Grundsteinlegung des Elefantenbrunnens auf dem Bastille-Platz und der Inbetriebnahme des Canal de l’Ourcq ist Teil eines großen Projekts zur Verbesserung der Wasserversorgung der Stadt und ihrer Bevölkerung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Wasser ein nur in sehr begrenztem Maße verfügbares kostbares Gut in Paris: Die Pariser hatten damals durchschnittlich nur 15 Liter Wasser zur Verfügung, heutzutage verbraucht ein Franzose achtmal so viel! Um der Wasserknappheit abzuhelfen, verfügte Napoleon schon 1806 den Bau von 15 neuen Brunnen. Den zusätzlichen Wasserverbrauch sollte der Canal de l’Ourcq sicherstellen, der frisches Wasser aus dem Nordosten nach Paris leiten und das Bassin de la Villette alimentieren sollte; ein riesiges, aus zwei Teilen bestehendes Wasserreservoir: Das eine 80 Meter breit und 700 Meter lang, das andere 30 Meter breit und 600 Meter lang!

Der Übergang vom breiten unteren zum schmaleren oberen Bassin de la Villette

Um das große Werk rechtzeitig zum 2. Dezember 1808 fertigzustellen, wurden übrigens auch 300 preußische Kriegsgefangene für den Bau eingesetzt![3]

Und wie von Napoleon gewünscht, konnte der mit der Planung des Brunnens beauftragte Architekt, Jacques Célerier, eine Bronzetafel präsentieren, die in den Grundstein eingelassen werden sollte: Darin wird natürlich „Napoleon der Große“ gebührend gefeiert, „der Kaiser der Franzosen, König von Italien, Protektor des Rheinbundes und immer siegreich“. Und es wird festgehalten, dass auf den Ruinen der Bastille ein öffentlicher Brunnen errichtet werde, dem der Kanal de l’Ourcq das Wasser liefere.[4]

Und warum sollte der Brunnen ausgerechnet in Form eines Elefanten gestaltet sein? Denn dass es ein Elefant sein sollte, bekräftigte Napoleon noch einmal ausdrücklich in einem Dekret vom 9. Februar 1810: Es solle ein Elefant aus Bronze sein,  fondu avec les canons pris sur les Espagnols insurgés, aus dessen Rüssel das Wasser sprudeln solle.[5]

Napoleon hat sich nicht dazu geäußert, warum er gerade einen Elefanten-Brunnen wünschte. Aber „implizit war die Idee zu diesem Denkmal – im nach-revolutionären Paris entstanden – eine Hommage an die Stärke des französischen Volkes. Der Elefant wird somit als Symbol des siegreichen Volkes gegen die Monarchie aufgefasst“. So verstand es auch Victor Hugo, der in Les Misérables den Bastille-Elefanten als „une sorte de symbole de la force populaire“ bezeichnete. Indem das Brunnenmonument aus den von den Spaniern eroberten Kanonen gegossen werden sollte, wird der Elefant aber auch als Siegesdenkmal und Symbol der Stärke des napoleonischen Heeres verstanden.[6]  Insofern hatte der Elefant eine republikanische Dimension und gleichzeitig sollte er auch- wie anders?- der Glorifizierung Napoleons dienen. Dazu kam aber auch noch eine monarchistische Dimension, was insgesamt genau zu Napoleon passte., der ja seine Herrschaft als Synthese monarchistischer und republikanischer Traditionen verstand.

Die monarchistische Dimension des Elefanten wird im Schloss von Fontainebleau deutlich,  einer Lieblingsresidenz Napoleons. In der dortigen Galerie  François I. ist der Elefant als Symbol königlicher Macht, aber auch der Weisheit dargestellt. [7]

Und 1758 hatte der Ingenieur Jean-Etienne Ribart de Chamoust dem damaligen König, Ludwig XV., vorgeschlagen, die Blickachse der Champs-Élysées durch einen Brunnen in Form eines 60 Meter hohen monumentalen Elefanten abzuschließen,  aus dessen Rüssel Wasser fließen sollte. Im Innern hatte er einen Konzert- und einen Ballsaal und Räume für Staatsbesucher des Königreichs vorgesehen.[8]

Ludwig XV. war allerdings wenig angetan von diesem Projekt – es erinnerte ihn zu sehr an Hannibal und hatte zu wenig Bezug zu seiner eigenen Person- so dass es nicht weiter verfolgt wurde – bis eben Napoleon kam und gewissermaßen einen Tausch vornahm: Der für die Place de la Bastille zunächst vorgesehene Triumphbogen wurde auf der Place  de l’Étoile errichtet und dafür sollte an der Place  de la Bastille ein monumentaler Elefantenbrunnen entstehen.

Für den Feldherrn Napoleon war der Bezug zu Hannibal, der immerhin das römische Weltreich herausgefordert hatte, offenbar nicht anstößig. Und es war auch Vivant Denon, Direktor des musée Napoléon und für die Verschönerung von Paris zuständig, der die Wahl eines Elefanten lebhaft begrüßte. Er hatte ja Napoleon auf seinem Feldzug nach Ägypten  begleitet und der Elefant entsprach der orientalischen Mode, die sich -angefeuert von Denon- nach diesem Feldzug in Frankreich ausbreitete.

Und schließlich gehörte der Elefant auch zu den möglichen Wappentieren, die Napoleon 1804 als Symbol für das Kaiserreich in Erwägung zog. Der gallische Hahn erschien da natürlich als viel zu wenig imperial, „le  coq n’a point de force…“.  Also besser der Löwe, der Elefant oder der Adler, der schließlich das Rennen machte.[9]

Es wurden nun zahlreiche Vorschläge für den projektierten Brunnen gemacht, um sie  dem Kaiser vorzulegen. Hier das „Projekt eines Brunnens für den Bastille-Platz, entworfen von Jean Antoine Alavoine unter der Leitung des Barons Denon.[10]

Im Vergleich zu den beigefügten menschlichen Figuren werden die Dimensionen des Projekts deutlich. Der Elefant sollte 16 Meter lang und 15 Meter hoch sein; das Ensemble, zusammen mit dem Podest und dem Turm auf dem Rücken, sogar 24 Meter hoch.   Architekten schätzten, dass man 177 000 Kilo Bronze benötigen würde, um den  Elefanten herzustellen. Um das  hydraulische System betreiben und warten zu können, war eine Treppe in einem der Elefanten-Füße vorgesehen.

 Hier der letzte Entwurf von Alavoine[11]:

Musée du Louvre, INV23524-recto © RMN-GP Louvre

Allerdings wurde das Dekret Napoleons vom 9. Februar 1810, dass der Elefantenbrunnen spätestens am 2. Dezember 1811, also wieder am Tag seines Krönungsjubiläums, in Betrieb genommen werden sollte[12], nicht erfüllt. Stattdessen wurde der Bildhauer Pierre-Charles Bridan beauftragt, zunächst ein Modell aus Holz und Gips zu erstellen. Dies war der Elefant der Bastille, der von 1814 bis 1846 auf der Ostseite des Platzes stand- etwa im Bereich der heutigen Opéra  Bastille.[13]

Um ihn herum wurde ein riesiger Hangar errichtet, um ihn vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Victor Hugo setzte dem provisorischen Elefanten 1862 in seinem Sozialepos Die Elenden ( Les Misérables. 4. Teil, 6. Buch) ) ein literarisches Denkmal und machte ihn zum Wohnort des heroischen Gassenjungen Gavroche. Da heißt es:

„Es war kein Monument, nur ein Modell. Aber auch dieses Modell, diese fabelhafte Skizze, dieser grandiose Leichnam einer Idee Napoleons, den zwei oder drei Winstöße nacheinander erfasst und jedesmal weiter weggetragen hatten, war Geschichte geworden und hatte eine dauernde Gestalt angenommen, so provisorisch es dem Blick erschien. Es war ein vierzig Meter hoher Elefant, aus Balken und Gemäuer erbaut, mit einem Turm auf dem Kreuz, der einem Hause  glich. Irgendein Anstreicher hatte ihn ehedem grün übertüncht, jetzt war er schwarz übermalt durch Unwetter, Regen und Zeit. In diesem verlassenen und nach allen Seiten offenen Winkel des Platzes hoben die breite Stirn des Kolosses, sein Rüssel, seine Stoßzähne, sein Turm, sein ungeheurer Rücken und seine vier säulengleichen Beine sich nachts unter dem Sternenhimmel als überraschende und erschreckende Silhouette ab.“[14]

Dass nach dem Sturz Napoleons die Arbeiten an dem Monument eingestellt wurden, war kaum anders zu erwarten. Die zurückgekehrten Bourbonen hatten andere Pläne mit dem Platz, die aber auch nicht umgesetzt wurden. Und dann kam die Julirevolution von 1830, die Louis Philippe zum „Bürgerkönig“ machte. Louis-Philippe ordnete an, dass auf dem ehemaligen Standort der Bastille ein Monument zur Erinnerung an die Opfer der Juli-Revolution von 1830 zu errichten sei.  Zu Ehren der in den drei Revolutionstagen, den „trois gloirieuses“ Umgekommen wurde die Errichtung der Julisäule mit dem Genius der Freiheit an seiner Spitze beschlossen. Am 28. Juli 1840 fand die feierliche Enthüllung statt. Und gleichzeitig die Überführung der sterblichen Überreste der 1830 getöteten Revolutionäre, die in der Gruft unter der Säule bestattet wurden.[15]

Charles-François Daubigny, Cérémonie de l’inauguration de la colonne de juillet, 1840 (Metropolitan Museum of Art)

Victor Hugo verabscheute  übrigens die Siegessäule der Julirevolution. Der Architekt des Elefanten habe mit Gips Großes geschaffen, dem Architekten des „Ofenrohres“ sei es dagegen gelungen, mit Bronze nur Kleines zustande zu bringen .[16]

Allerdings bot der Gips-Elefant in den 1830-er und 1840-er Jahren ein trauriges Bild. Er war abgebröckelt und beschädigt, und wurde nicht von allen Betrachtern so geschätzt wie von Victor Hugo. Der deutsche Paris-Besucher C.G. Frege bezeichnete 1845 den Elefanten als „eines der geschmacklosesten Denkmäler, welche ich je gesehen habe.“ [17]

Der am Rand des Platzes stehende Gipselefant erhielt aber noch einige Jahre nach der Errichtung der Julisäule sein Gnadenbrot. Heinrich Heine kommentierte das auf seine Weise:

Aber die Forträumung des Elefanten erregte große Besorgnisse. Es ging nämlich unter dem Volk das unheimliche Gerücht von einer ungeheuren Anzahl Ratten, die sich im Innern des Elefanten eingenistet hätten, und es sei zu befürchten, daß, wenn man die große Gipsbestie niederreiße, eine Legion von kleinen, aber sehr gefährlichen Scheusalen zum Vorschein käme, die sich über die Faubourgs Saint-Antoine und Saint-Marceau verbreiten würden. Alle Unterröcke zitterten bei dem Gedanken an solche Gefahr, und sogar die Männer ergriff eine unheimliche Furcht vor der Invasion jener langgeschwänzten Gäste. Es wurden dem Magistrate die untertänigsten Vorstellungen gemacht, und infolge derselben vertagte man das Niederreißen des großen Gipselefanten, der seitdem jahrelang auf dem Bastillenplatze ruhig stehenblieb. Sonderbares Land! Wo trotz der allgemeinen Zerstörungssucht sich dennoch manche Dinge erhalten, da man allgemein die schlimmeren Dinge fürchtet, die an ihre Stelle treten könnten![18]

Am 19. Juni 1846 ordnete der Präfekt von Paris den Abriss des baufälligen Gipselefanten an. Mit ihm verschwand ein Wahrzeichen von Paris, an das jetzt wieder die in den Bastille-Platz eingelassenen Elefanten-Platten erinnern….

Verschwunden ist leider auch das schöne Elefanten-Werbeschild 128, rue de Lyon, das sich ganz offensichtlich auf den Bastille-Elefanten bezieht. Das vor etwa 60 Jahren aufgenommene schöne Foto hat mir Jean-Paul Poirier geschickt, dem ich dafür sehr herzlich danke.


Eine automatische Übersetzung ins Französische und Veröffentlichung unter fremdem Namen ist ausdrücklich untersagt! Wolf Jöckel

Anmerkungen

[1] Siehe dazu den Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2016/07/01/der-cimetiere-de-picpus-ein-deutsch-franzoesischer-erinnerungsort/

[2] Wortlaut des Erlasses bei Barbara von Orelli-Messerli, Der Elefant auf der Place de la Bastille: Eine Architektur? In: von Orelli-Messerli, Barbara. Ein Dialog der Künste : Neuinterpretation von Architektur und die Beschreibung in der Literatur der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Petersberg: Michael Imhof Verlag 2020, S. 73-97. Erlass zitiert S. 77

Endgültig fertiggestellt wurde der Kanal allerdings erst 1822, weshalb in diesem Jahr sein 200. Geburtstag gefeiert wird.

[3] https://aufildelourcq.org/histoire/

[4] Wortlaut bei von Orelli-Messerli: Le II Décembre MDCCCVIII, V e année du Règne de Napoléon le Grand, Empereur des Français, Roi d’Italie, Protecteur de la Confédération du Rhin, Toujours Victorieux, Une fontaine publique a été fondée sur les ruines de la Bastille. Le canal de l’Ourcq lui fournit ses eaux après avoir traversé une partie de la grande Cité. La première pierre a été posée par S. Exc. Emmanuel Cretet, […] Jacques Célerier, architecte.

[5] Wortlaut des Dekrets: https://www.napoleon.org/jeunes-historiens/napodoc/monuments-napoleoniens-le-mysterieux-elephant-de-la-place-de-la-bastille/  Entsprechend wurde ja auch die Colonne Venôme aus der Bronze erbeuteter Kanonen gefertigt.

[6] https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/183960/1/Barbara_von_Orelli-Messerli%2C_der_Elefant_auf_der_Place_de_la_Bastille.pdf   

[7]  Bild aus: https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89l%C3%A9phant_de_la_Bastille#/media/Fichier:Fontainebleau_interior_francois_I_gallery_02.JPG Siehe auch: https://www.amischateaufontainebleau.org/wp-content/uploads/2011/01/D02_Galerie_F11.pdf

[8] http://www.paris-arc-de-triomphe.fr/Explorer/Genese-et-premiere-pierre  Bild des von Chamoust projektierten Elefanten aus: https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Ribart

[9] https://www.napoleon.org/jeunes-historiens/napodoc/monuments-napoleoniens-le-mysterieux-elephant-de-la-place-de-la-bastille/

[10] Bild aus: https://www.researchgate.net/figure/English-version-for-German-version-see-below-Jean-Antoine-Alavoine-Dominique-Vivant_fig1_339198307

[11] Bild aus: https://www.napoleon.org/jeunes-historiens/napodoc/monuments-napoleoniens-le-mysterieux-elephant-de-la-place-de-la-bastille/  Dort sind auch weitere Entwürfe für den Elefanten-Brunnen abgebildet.

[12] „Les mesures seront prises de manière que cet éléphant soit terminé et découvert au plus tard le 2 décembre 1811.“

[13]https://de.wikipedia.org/wiki/Elefant_der_Bastille

 Bild aus: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Model_of_the_Elephant_for_the_Place_de_la_Bastille,_1831.jpg

[14] Zitiert in: Uwe Schutz, Paris. Literarische Spaziergänge. Insel taschenbuch 2884. Frankfurt/Leipzig 2003, S. 213

[15] Bild aus: https://fr.wikipedia.org/wiki/Fichier:Charles-Fran%C3%A7ois_Daubigny,_C%C3%A9r%C3%A9monie_de_l%27inauguration_de_la_colonne_de_juillet,_1840.jpg

[16] Quoi qu’il en soit, pour revenir à la place de la Bastille, l’architecte de l’éléphant avec du plâtre était parvenu à faire du grand ; l’architecte du tuyau de poêle a réussi à faire du petit avec du bronze. Victor Hugo, Les Miserables. Zit bei Barbara von Orelli-Messerli, S. 75 https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/183960/1/Barbara_von_Orelli-Messerli%2C_der_Elefant_auf_der_Place_de_la_Bastille.pdf

[17] C.G. Frege, Genrebilder aus Paris im Sommer 1844. Leipzig 1845. Zitiert von: Hans-Jürgen Lüsebrink/Rolf Reichardt: Die Bastille. Zur Symbolgeschichte von Herrschaft und Freiheit. Fischer Taschenbuch Verlag FFM 1990, S. 189

[18] Heinrich Heine, Lutetia, Zweiter Teil, Abschnitt L. Paris 29. Juli 1842. In: Heinrich Heine, Sämtliche Werke Bd XII. München: Kindler 1964, S. 31

Literatur

Achim Hölter, „Un monument manqué“- Der Elefant auf der Place de la Bastille. In: Heine-Jahrbuch 2000, S. 135-164

Hans-Jürgen Lüsebrink/Rolf Reichardt: Die Bastille. Zur Symbolgeschichte von Herrschaft und Freiheit. Fischer Taschenbuch Verlag FFM 1990

Barbara von Orelli-Messerli, Der Elefant auf der Place de la Bastille: Eine Architektur? In: von Orelli-Messerli, Barbara. Ein Dialog der Künste : Neuinterpretation von Architektur und die Beschreibung in der Literatur der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Petersberg: Michael Imhof Verlag 2020, S. 73-97.

Katia Frey, L’entreprise napoléonienne. In: Dominique Massounie, Pauline Prévost-Marcilhacy  und Daniel Rabreau,  Paris et ses fontaines : De la Renaissance à nos jours, Herausgegeben von der  Délégation à l’action artistique de la ville de Paris in der Sammlung Paris et son patrimoine, 1995, vor allem S. 120/121