Am 5. Dezember 2025 fand in Washington die Auslosung für die Gruppen der Fußballweltmeisterschaft 2026 statt. Da die Weltmeisterschaft in drei Ländern, den USA, Kanada und Mexiko, ausgetragen wird, waren auch die Präsidentin Mexikos und der kanadische Premierminister nach Washington gekommen, die Statistenrollen einzunehmen hatten. Im Mittelpunkt stand nämlich, wie zu erwarten, Donald Trump. Ihm wurde an diesem Tag auch ein -extra für ihn geschaffener?- Friedenspreis des Internationalen Fußballverbandes FIFA verliehen. Oder besser: Trump, der sich ja der vielen Friedensschlüsse brüstet, die er erreicht habe, verlieh sich die Auszeichnung selbst. Jedenfalls hängte er sich eigenhändig das Band, an dem die Trophäe befestigt war, um den Hals. Und Infantino lächelt in einem Akt der Selbstunterwerfung noch dazu.

Foto: (IMAGO / Schüler / IMAGO / Marc Schueler)[1]
Vielleicht dachte Trump bei seinem eigenhändigen Vorgehen vor allem an seine Frisur, die nicht Schaden nehmen sollte. Aber wie dem auch sei: Der wohl kaum so vorgesehene Akt der Selbstermächtigung/Selbstbeweihräucherung passt hervorragend zu der hochgradig narzisstischen Persönlichkeit des amerikanischen Präsidenten.[2]

Trump hat für sein Verhalten ein Vorbild, das er vielleicht sogar als ebenbürtig anerkennen würde: Napoleon Bonaparte, der sich am 4. Dezember 1804 in der Kathedrale Notre-Dame de Paris selbst zum Kaiser der Franzosen krönte.[3]
Napoleons „Hofmaler“ Jacques Louis David hat diese Szene in einer Zeichnung festgehalten, die derzeit in einer David-Ausstellung im Louvre [4] zu sehen ist:

Foto: Wolf Jöckel
Breitbeinig und in leichter Rückenlage, den rechten Fuß vorgeschoben und mit der linken Hand ein Schwert an sich haltend, setzt sich Napoleon Bonaparte mit der hoch erhobenen rechten Hand selbst die eigens für diesen Anlass angefertigte Krone auf.[5]

Der Pariser Hofjuwelir Marie-Étienne Nitot hatte die Kaierkrone nach antiken und frühmittelalterlichen Vorbildern hergestellt, sah sich Napoleon doch in der Nachfolge der römischen Kaiser und Karls des Großen. Die Krone war bis zum spektakulären Einbruch in den Louvre in der Apollo-Galerie ausgestellt, wurde deshalb auch Krone Karls des Großen/Charlemagne genannt. Allerdings haben die Diebe sie bei ihrer Flucht verloren oder weggeworfen, so dass sie nicht für die Öffentlichkeit verloren ist…
Hinter dem bewaffneten und mit Lorbeerkranz als Held gefeierten Napoleon mit aufgeplustertem Gewand sitzt schmächtig und in sich gekehrt der Papst, als habe er mit dem Geschehen vor ihm nichts zu tun: Zwischen ihm und Napoleon gibt es keine Verbindung von Blicken und Gesten.
Allerdings war die Selbstkrönung nicht, wie es manche Napoleon-Legenden suggerieren, eine spontane Handlung, sondern vielmehr zentraler Teil eines in den historischen und internationalen Kontext eingebetteten hochsymbolischen und minutiös orchestrierten Aktes. Es ging darum, Napoleons Kaisertum einerseits als Abkehr von der Ordnung des Ancien Régimes zu darzustellen, andererseits ihm durch die Krönung aber auch einen legitimen Platz in der monarchistisch geprägten europäischen Staatenordnung zu sichern. Weiterhin ging es darum, das Kaiserreich Napoleons einerseits als Bruch mit den terroristischen Auswüchsen der Französischen Revolution zu kennzeichnen, andererseits aber auch Napoleon als Erben der Errungenschaften dieser Revolution zu feiern. Und schließlich sollte und wollte Napoleon nicht ein Kaiser von „Gottes Gnaden“ sein, andererseits aber war ihm aber auch an einem guten Verhältnis zur katholischen Kirche gelegen, mit der er ja schon 1801 ein Konkordat geschlossen hatte. Zu all dem passte die dem Papst in dem Krönungszeremoniell zugewiesene Rolle. Und dazu passte auch der Ort der Zeremonie, nämlich Notre-Dame, auch wenn die damals arg heruntergekommen war: Aber Notre-Dame bot sich als Kompromiss an zwischen dem auch in Erwägung gezogenen republikanischen Marsfeld und dem royalen Reims oder Saint-Denis mit seinen wenige Jahre zuvor zerstörten königlichen Gräbern und Gabmalen. [6]
Es ist also nicht ganz zutreffend, die Selbstkrönung Napoleons als schlichten „Akt des Größenwahns“ abzutun[7]. Für Trumps „Selbstkrönung“ gilt das aber in der Tat: Niemand, auch kein Infantino, kann ihm das Wasser und auch kein Ordensband reichen….
In dem monumentalen Gemälde (6,21 x 9,79 m), das schließlich Jacques- Louis David mit seinen Gehilfen anfertigte und das heute in der Großen Galerie des Louvre hängt, ist die zentrale Krönungsszene allerdings anders dargestellt als auf der vorbereitenden Zeichnung. Da wird nicht Napoleons Selbstkrönung gezeigt, sondern die -historisch weniger aufgeladene- Krönung von Napoleons Frau Josephine durch ihren Mann. Diese Szene sollte Ausdruck der Verbindung unterschiedlicher Elemente der französischen Geschichte sein: Josephine stammte von den Antillen, war aber bei den Parisern beliebt; sie war Witwe eines Adligen des Ancien régime, der republikanischer General wurde, dann aber dem jacobinischen Terror zum Opfer fiel; und nicht zuletzt war Josephine Mutter zweier Kinder, die Bonaparte adoptiert hatte…. [8]

© 2018 GrandPalais RMN (musée du Louvre) / Michel Urtado [9]
Es war Napoleons Wunsch, dass David die schon gemalte Selbstkrönung Napoleons durch die Krönung Josephines ersetzte. Auf dem das Geschichtsbild der Franzosen prägenden Krönungsbild wollte Napoleon dem Papst, den er doch selbst aus Rom geholt habe, dann doch nicht nur eine Statistenrolle zuweisen. So hebt dieser zur Krönung Josephines denn auch segnend die Hand.

© 2018 GrandPalais RMN (musée du Louvre) / Michel Urtado
Vielleicht ging Napoleon ja tatsächlich die Selbsterhöhung später zu weit. Von Trump ist das allerdings kaum zu erwarten….

Karikatur von Greser und Lenz. FAZ 11.12.2025
[1] https://www.deutschlandfunk.de/menschenrechtsorganisation-reicht-beschwerde-gegen-infantino-ein-100.html
[2] Nachfolgendes Bild aus: https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/erniedrigendes-verhalten-friedenspreis-f%C3%BCr-trump-us-pr%C3%A4sident-h%C3%A4ngt-sich-medaille-selber-um/ar-AA1RPn0k
[3] Den Bezug stellte schon die FAZ am 8.12.2025, S. 24 her: Der Sieger, das bin ich
[4] https://www.louvre.fr/expositions-et-evenements/expositions/jacques-louis-david Bis 26. Januar 2026
[5] Nachfolgendes Bild aus https://www.wikiwand.com/de/articles/Kaiserkrone_Napoleons_I.
[6] Siehe dazu im Einzelnen: Günter Desterle Die Kaiserkrönung Napoleons Eine ästhetische und ideologische Instrumentalisierung. https://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/opus4/frontdoor/deliver/index/docId/65203/file/Oesterle_1995_Napoleon.pdf
[7] Sven-Felix Kellerhoff, Napoleons Selbsterhöhung ging ihm später selbst zu weit. In: Die Welt vom 16.12.2024
[8] https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010065720
[9] Nachfolgende Bildausschnitte aus: Le Couronnement de l’empereur Napoléon Ier et de l’impératrice Joséphine dans la cathédrale Notre-Dame de Paris, le 2 décembre 1804. – Louvre site des collections https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010065720
Bravo! Ganz herzlichen Dank für diese paralle
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… und einen herzlichen Gruß zurück! W.J.
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Also, wie auch immer. Für mich ist Trump ein egozentrischer Kasper. Im Grunde ähnelt er dem König ohne Kleider. Er ist der Meinung er ist der größte und doch lacht ihn die ganze Welt aus.
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Ja, aber dummerweise ist er einer der mächtigste Männer der Welt und kann im eigenen Land und weltweit viel Unheil anrichten… Da vergeht mir schon eher das Lachen…. Dass er gestern allerdings die Freilassung prominenter belarussischer Oppositioneller erreicht hat, hat mich sehr gefreut. Da hat er seine Macht mal positiv genutzt.
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