Zuviel Glanz: Das Schloss Vaux-le-Vicomte des Nicolas Fouquet und die Rache des Sonnenkönigs (Teil 1)

Vaux-le-Vicomte, erbaut und gestaltet von dem genialen Dreigestirn Le Vau, dem Architekten, Le Brun, dem Maler, und Le Nôtre, dem Gartenarchitekten, lädt ein zu Superlativen: Das Schloss wird gerne als „Wunder der Architektur“ oder Gipfelpunkt der französischen Architektur und Kunst bezeichnet, es „gilt heute als eines der ersten und zugleich glänzendsten architektonischen Gesamtkunstwerke“ des „Grand Siècle“, also des französischen 17. Jahrhunderts. [1] Der dazugehörende Park wurde kürzlich von der New York Times ausgewählt, zu den 25 schönsten der ganzen Welt zu gehören. Im Barock wurde Frankreich „zum führenden Gartenland Europas“. Das Modell des Barockgartens à la française entstand in Vaux-le-Vicomte „und wurde dann in zweiter Generation in Versailles zum Modell des gesellschaftlichen Absolutismus umgewidmet. Das Modell wurde in ganz Europa kopiert, das ästhetische wie das politische.“ [2]

Schloss und Garten faszinieren aber auch wegen der Geschichte ihres Bauherren, Nicolas Fouquet. Der war 1661, nach den legendären Worten Voltaires  („Le Siècle de Louis XIV“) „am 17. August um 6 Uhr abends König von Frankreich, um 2 Uhr morgens war er nichts mehr.“[3] An diesem Tag veranstaltete Fouquet für seinen König, den jungen Ludwig XIV., und eine große Hofgesellschaft ein grandioses Fest auf seinem Schloss, das, wie gerne kolportiert wird, der Grund für seinen Absturz gewesen sein soll. Eine tragisch-schöne, aber nicht ganz zutreffende Geschichte.

Ich möchte nachfolgend in zwei Teilen mit jeweils zwei Abschnitten Nicolas Fouquet und Vaux-le-Vicomte vorstellen:

Teil 1:

  • Quo non ascendet – Nicolas Fouquets fulminanter Aufstieg zu den Gipfeln der Macht
  • Das Schloss von Vaux-le-Vicomte, das „erste Versailles“: Prachtbau und Propaganda

Teil 2:

  • Vaux-le-Vicomte: Der erste Barockgarten Frankreichs
  • Das Fest vom 17. August 1661 und der Absturz Fouquets

Quo non ascendet: Nicolas Fouquets Aufstieg zu den Gipfeln der Macht

Nicolas Fouquet stammte aus einer Familie in Angers, die ihr Vermögen im Tuchhandel machte.  Der erste bekannte Vorfahre, Jehan Fouquet, hatte sich Ende des 15. Jahrhunderts als Tuchmacher in der Nähe von Angers niedergelassen. Dieser Herkunft verdankt die Familie auch als Wappentier das Eichhörnchen. Denn dessen Name im lokalen Dialekt ist Fouquet. Außen am und innen im Schloss finden sich deshalb auch immer wieder Darstellungen des Eichhörnchens. Am eindrucksvollsten vielleicht auf diesem Renommée genannten Wandteppich:

Die beiden Füllhörner weisen auf den Wohlstand der Familie hin und vor allem natürlich auf den von Nicolas, für den dieser Wandteppich angefertigt wurde.  Über der Kartusche mit dem Eichhörnchen halten zwei Putten eine Krone: Natürlich bedeutet das nicht, dass sich das Eichhörnchen/Nicolas Fouquet königlichen Rang anmaßt, aber hoch hinaus wollte Nicolas Fouquet durchaus – und das Eichhörnchen ist ja auch in der Lage, flink in die höchsten Spitzen der Bäume zu klettern.  Dazu passt auch der familiäre Wahlspruch: Quo non ascendet- Wie weit wird er noch steigen…[4]  

Robert Nanteuil, Portrait von Nicolas Fouquet mit dem Eichhörnchen im Familienwappen. 1661[5]

Nicolas Fouquet wird sehr weit und sehr hoch steigen. Hatte die Familie schon in nur drei Generationen den Aufstieg von provinziellen Händlern zu Mitarbeitern der politischen Elite in Paris erreicht, so setzte der 1615 geborene Nicolas nach einer Schulzeit bei den Jesuiten und einem juristischen Studium an der Sorbonne den Aufstieg mit einer dem Eichhörnchen würdigen Behändigkeit fort. Dabei half ihm seine königstreue Haltung in den Zeiten der Fronde, des Adelsaufstands gegen das Könighaus und dessen ersten Vertreter, den Kardinal Mazarin. Als Dank wurde Fouquet 1653 zum surintendant des finances ernannt. Er war also Finanzminister und damit nach dem Premierminister Mazarin  einer der wichtigsten Männer des Königreichs. Fouquet konnte sich Hoffnungen machen, einmal dessen Nachfolge anzutreten.

Die Finanzen Frankreichs waren damals zerrüttet, der Krieg gegen Spanien verschlang enorme Gelder, die der Staat nicht hatte, und auch Mazarin hatte große Ansprüche, deren Erfüllung zu Fouquets Aufgaben gehörte. Der bankrotte Staat war aber nicht mehr in der Lage, die bei privaten Bankiers aufgenommenen Kredite zurückzuzahlen. Um das Vertrauen der Gläubiger zurückzugewinnen, setzte Fouquet sogar sein eigenes Vermögen ein, teils zur direkten Finanzierung von Kriegskosten, teils in Form von Bürgschaften. Dabei kam er aber selbst nicht zu kurz. Sein Reichtum wuchs immer mehr an, begünstigt auch durch erfolgreiche spekulative Geldgeschäfte und zwei Heiraten mit großer Mitgift.

Charles Le Brun, Portrait von Nicolas Fouquet (um 1661, Vaux-le-Vicomte) [6]

Seinen Reichtum nutzte Fouquet auch, sich einen Kreis von ihm ergebenen Klienten zu schaffen und um als Mäzen sein Ansehen zu vermehren. Eine große Anzahl von Künstlerinnen und Künstlern wurde von ihm gefördert, darunter Mme de Sévigné, Scarron, Perrault, Mlle de Scudéry, Corneille, Molière:  ein künstlerischer und  intellektueller Hofstaat, für den er viel Geld ausgab.

            Kabinett von Jean de la Fontaine in Vaux-le-Vicomte

Auch La Fontaine gehörte zu diesem Kreis. Er hatte ein besonders enges Verhältnis zu Fouquet, wohnte drei Jahre in Vaux-le-Vicomte und erhielt eine Pension, wofür er lediglich alle drei Monate ein Gedicht abliefern musste.

                             Büste Jean de la Fontaines von Houdon in seinem Cabinet in Vaux-le-Vicomte[7]

Dieser Kreis förderte das Ansehen Fouquets als Mäzen und Freund der Musen und verbreitete schon während der Bauarbeiten den Ruf von der Außerordentlichkeit seines Schlosses. La Fontaine verfasste eine Beschreibung des entstehenden Schlosses, Le songe de Vaux, die allerdings unvollendet blieb. [8] Madeleine de Scudery rühmte in ihrem 1660 publizierten Roman Clélie, in dem -wenn auch unter römischem Pseudonym- Fouquet auftritt, Schloss und Garten: Das was man da sehe, sei ein Meisterwerk, das Kunst und Natur verbinde.[9] Und André Félibien veröffentlichte ebenfalls schon 1660 eine intensive und kenntnisreiche Éloge de Vaux, de Foucquet et de Le Brun.[10]

Allerdings gab es gegen Fouquet auch zunehmenden Widerstand. Der wurde vor allem genährt von Colbert, der in Fouquet einen unliebsamen Konkurrenten sah, gegen den er nach Kräften bei Mazarin intrigierte. Fouquet reagierte darauf mit seinem Schlossprojekt von Vaux-le-Vicomte: Es sollte seinen Bauherrn ins beste Licht rücken, seine herausragenden Qualitäten zu Schau stellen, aber auch seine enge Bindung an das Könighaus und den jungen Monarchen. Vaux-le-Vicomte lag zwischen Paris und Fontainebleau, wo sich Ludwig XIV. gerne aufhielt. Ihm sollte das Schloss ein prachtvoller, der Muße und den Musen gewidmeter Aufenthaltsort fernab des höfischen Zeremoniells sein und dem Bauherrn die königliche Gunst sichern.

1641 hatte Fouquet die Vicomté de Vaux gekauft, die er bis 1656 durch Zukäufe erheblich erweiterte, bis er schließlich über mehr als 400 h zusammenhängenden Landes verfügte, die als Baugrund zur Verfügung standen. Es gab auch schon vorbereitende Arbeiten für einen Nutzgarten und erste Planungen eines lokalen Architekten für Garten und Schloss. 1655/56 allerdings engagierte Fouquet für das Schlossprojekt drei sehr bekannte und angesehen Künstler, die auch schon für das Könighaus gearbeitet hatten: den Architekten Louis Le Vau, den Maler Charles Le Brun und den Gartenarchitekten André Le Nôtre. [11]

Louis Le Vau war kurz vorher zum premier architecte du roi ernannt worden und hatte sich schon durch zahlreiche Bauten ausgezeichnet, u.a. das hôtel Lambert auf der Île Saint Louis, dessen galerie d’Hercule der Vorläufer des Spiegelsaals von Versailles ist.

Charles le Brun stand seit 1638 in den Diensten Ludwigs XIII. Als Fouquet ihn für Vaux-le-Vicomte engagierte, galt er als der bedeutendste Innenraumdekorateur Frankreichs. In Vaux-le-Vicomte sollte er für die gesamte Inneneinrichtung und die skulpturale Ausgestaltung des Gartens zuständig sein.

Der Dritte im Bunde, André Le Nôtre, steht für die Einführung eines neuen Gartentyps in Frankreich, des jardin à la française. Sein Plan für die Anlage von Vaux gilt als der erste in Gänze erhaltene Plan eines französischen Gartens überhaupt.

Dieses Künstlertrio arbeitete in Vaux-le-Vicomte eng zusammen, wie das perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenspiel von Architektur, künstlerischer Ausgestaltung und Gartenplanung zeigt. So entstand hier „ein in allen seinen Teilen aufeinander bezogenes Gesamtkunstwerk“.[12]

Das „erste Versailles“: Prachtbau und Propaganda

Man hat das Schloss von Vaux-le-Vicomte als „das erste Versailles“ bezeichnet: Ein grandioses Gesamtkunstwerk, entstanden zu einer Zeit, als Versailles noch ein kleines unbedeutendes Schloss unter vielen anderen war.

Der von Melun kommende Besucher sieht zuerst nicht das Schloss, sondern das die Anlage begrenzende Gitter, das mit doppelseitigen Hermen geschmückt ist. Es sind Darstellungen antiker Götter.  „Die Hermen kennzeichnen Vaux noch vor dem Betreten der Anlage als einen besonderen, von göttlichen Kräften gesegneten Ort.“[13]

Zu den Göttern gehört auch der Sonnengott Apoll, der Gott des Sonnenkönigs: Ludwig verglich sich ja seit seinen Ballettauftritten von 1651 und 1659 mit Apoll, der allgemein als Symbol des Königs galt. So wird schon hier der Segen des Schlosses und seines Schlossherrn durch Ludwig XIV. beschworen.

Vom Hermengitter aus blickt der Besucher auf die Hofseite des Schlosses. Und was heute ganz normal erscheint, war damals absolut modern: Das Gebäude war nämlich nicht in der damals charakteristischen Mischung von behauenen Steinblöcken und roten Ziegeln erbaut, im sogenannten Louis XIII- Stil also, sondern nur noch aus behauenem Stein, wie es sich dann auch allgemein durchgesetzt hat.  

Die Wirtschaftsgebäude rechts und links des Vorhofs sind dagegen traditionell mit brique und pierre errichtet und heben damit das aus hellem Stein erbaute Schloss in seiner Neuheit und Einzigartigkeit hervor.[14]

An ihrem nördlichen und südlichen Ende sind Triumphbögen gebaut, „die den Vorplatz architektonisch erhöhen“ und „den königlichen Einzug in das Schloss flankieren“ sollten.[15]

Der Einzug des Königs wird dann in der Konzeption des Schlosses entsprechend großartig inszeniert: Das Schloss ist gegenüber dem Vorhof und den Wirtschaftsgebäuden deutlich erhöht, was ihm, wie Mlle de Scudéry schreibt, „une grande Majesté“ verleiht.[16] Und der Eingang wird noch einmal betont durch einen mächtigen, vor die Fassade gesetzten Triumphbogen. Über seinen mächtigen Säulen verläuft ein Triglyphenfries mit mehreren Wappen-Eichhörnchen in den Metopen.[17] Und über dem Tympanon, in dem ursprünglich in der Mitte natürlich das Wappen Fouquets enthalten war, thronen zwei Götterfiguren: Rea, die Erdengöttin und Mutter aller Götter, und -wie könnte es anders sein- Apollo mit seiner Lyra.

Der auf die römische Antike verweisende Triumphbogen und die Fassade sind geschmückt mit Medaillons antiker Persönlichkeiten und mit Büsten antiker Herrscher. Die finden sich dann auch reichlich im Innern des Schlosses.

Büste Caesars aus dem Salon (Ausschnitt)

„Mit den Antikendarstellungen reiht sich Fouquet nicht nur in die architektonische Tradition seiner Zeit und seines Standes ein, er beansprucht zugleich die antiken Herrschertugenden und Weisheiten zur Glorifizierung seines neuen Besitzes.“[18]

Wenn man durch den Triumphbogen hindurchgeht und das Schloss betritt, gelangt man in den Salon, den großen, ovalen, über zwei Stockwerke sich erstreckenden Kuppel-überwölbten Empfangsraum des Schlosses.[19]

© Yann Priou / Collection du château de Vaux-le-Vicomte

Die Größe dieses Raumes beruht darauf, dass hier keine große Treppenanlage in die bel étage, also das Obergeschoss, existiert. Le Vau hat nämlich, begünstigt durch die erhöhte Lage des Schlosses, die bel étage in das Erdgeschoss verlegt. Schon beim ersten Blick auf das Schloss lässt sich das unschwer erkennen: Die Fenster des Erdgeschosses sind die einer bel étage, die Fenster des Obergeschosses dagegen deutlich kleiner, was auch den unterschiedlichen Geschosshöhen entspricht. Um die Privaträume Fouquets und die seiner Frau im Obergeschoss zu erreichen, genügen kleine, unauffällige Treppen im Vestibül.

Le Vau: Grundriss des Erdgeschosses von Vaux-le-Vicomte[20]

Die Innendekoration des Raums konnte Le Brun wegen der Verhaftung Fouquets nicht vollenden. Es gibt aber einen damals schon berühmten Entwurf für das zentrale Gemälde in der Kuppel: Im Zentrum die Sonne (Ludwig XIV.), die ein Eichhörnchen (Fouquet) in den Götterhimmel erhebt. Umgeben wird die Szene von der Darstellung der vier Jahreszeiten, der Monate, Tage und Wochen. So wird Nicolas Fouquet „zum ewigen Helden.“[21] Dazu passen auch die 12 Sternzeichen-Skulpturen auf der Höhe der ersten Etage, die dem Bildhauer François Girardon zugeschrieben werden. Auch wenn die Ausmalung der Kuppel nur angedeutet ist: Es ist insgesamt ein grandioser Raum, dessen Schönheit gerade wegen seiner „Nacktheit“ besonders deutlich wird.[22]

Auch andere Räume des Schlosses, vor allem die Privaträume im Obergeschoss, blieben unvollendet. Und nach der Verhaftung von Fouquet wurde ein großer Teil der kostbaren Einrichtung von Ludwig XIV. konfisziert, anderes versteigert.  Vieles wurde aber nach dem Kauf des heruntergekommenen Schlosses 1875 durch die Industriellenfamilie Sommier im alten Stil ergänzt. So besitzt Vaux-le-Vicomte heute „die für seine Zeit umfangreichste und einheitlichste Innendekoration in Frankreich, obwohl sie nie vollendet wurde.“[23]

Dazu gehörten auch kostbare Wandteppiche, die Fouquet zum Teil sogar in der eigens von ihm gegründeten Manufaktur von Maincy herstellen ließ. Von Ludwig XIV. konfisziert, wurden sie zum Teil während der Französischen Revolution wegen der in ihnen enthaltenen kostbaren Goldfäden zerstört, aber wieder ersetzt. Hier zwei Kommoden im sog. Mazarine-Stil von André-Charles Boulle. Boulle war einer der großen Kunsttischler des Faubourg Saint-Antoine und gilt als Erfinder der Kommode.

         Ein aus Ebenholz gefertigter Mazarine-Schreibtisch von Boulle im Antichambre du Roi

Dies ist eine von fünf kleinen Bronze- Versionen der großen Reiterstatue Ludwigs XIV., die François Girardin (1628-1715) für den Platz Louis-le-Grand (heute place Vendôme) angefertigt hat.

Nicolas Fouquet hatte sein Schloss natürlich auch mit einer Vielzahl von Gemälden ausgestattet. In den für ihn bestimmten Räumen hing damals auch ein Gemälde des niederländischen Malers Lambert Sustris.  Es zeigt Venus, zusammen mit einem geflügelten Amor, die ihren herbeieilenden Geliebten, den Kriegsgott Mars, erwartet und in freudiger Erwartung die beiden kopulierenden Tauben streichelt. [24]

Lambert Sustris, Venus und Cupido.

Das Bild hat eine abenteuerliche Geschichte: Sustris malte es in Augsburg, wo er zahlreiche Kunden hatte, darunter die Familie Fugger. Nach dem Bankrott eines Zweigs der Familie kaufte ein Pariser Kunsthändler das Bild, und dann war es Nicolas Fouquet, der es für sein neues Schloss erwarb. Nach dem Sturz Fouquets wurde das Bild konfisziert und Teil der Gemäldesammlung Ludwigs XIV. Heute ist das Original im Louvre ausgestellt, und zwar im Saal der Mona Lisa![25] In Vaux-le-Vicomte ist eine Kopie zu sehen.

Das künstlerisch und politisch bedeutendste Element der Innendekoration waren sicherlich die Deckengemälde Le Bruns. Zunächst arbeitete er an denen in dem Appartement des Hausherrn, das aus drei Räumen besteht: dem Vorzimmer (antichambre, Salon d’Hercule), dem Zimmer (chambre/Salon des Muses) und dem Kabinett (cabinet des jeux). In ihren Deckengemälden wird der Hausherr und Auftraggeber gefeiert, und es werden die Gründe für Fouquets im Salon dargestellte Aufnahme in den Götterhimmel im Einzelnen illustriert. Aber Le Brun feiert sich hier auch selbst: Er demonstriert seine große Kunstfertigkeit als Innendekorateur im Allgemeinen und Maler im Besonderen und empfiehlt sich damit für weitere und noch höhere Aufgaben, die ja dann auch nicht lange auf sich warten ließen..

Möglich wurden die allgemein Aufsehen erregenden Deckengemälde Le Bruns durch eine neue Deckenkonstruktion. Bisher dominierten in den französischen Schlössern und Stadtpalästen die Decken à la française mit Eichenholzbalken.[26]

                                     Eichenholzdecke à la française im hôtel Sully in Paris

Die Balken waren zwar bemalt, ermöglichten aber keine großflächigen Deckengemälde.  Das änderte sich im 17. Jahrhundert unter italienischem Einfluss.  Vaux-le-Vicomte ist dafür ein prominentes Beispiel.[27]  Die entsprechenden Decken hatten jetzt in der Mitte eine große freie Fläche für ein zentrales Gemälde und waren an den Rändern leicht gewölbt, was Raum bot für kleinere, das zentrale Thema vertiefende Gemälde und Stuckelemente.

Im Vorzimmer Fouquets, dem salon d’Hercule, steht natürlich Herkules im Mittelpunkt des Deckengemäldes. Er fährt hier mit einem Wagen in den Himmel, auf dessen oberem Wagenrand die Devise Fouquets eingezeichnet ist. Félibien hat in seinem Bericht über Vaux-le-Vicomte die Notwendigkeit betont, dass die von der Architektur und der Dekoration vermittelte Botschaft auf den ersten Blick verstanden werden müsse.[28] Das scheint hier der Fall zu sein, indem die Geschichte des Herkules mit der Fouquets verknüpft ist. Und für Félibien war klar, dass hier -passend zu dem Deckengemälde des Salons- Fouquet in der Gestalt des Herkules dargestellt ist. Man könnte aber auch den König in der Person des Herkules vermuten. Der Wagen wäre in dieser Interpretation ein Symbol für Nicolas Fouquet und seine Loyalität gegenüber der Krone. „Er trägt den Herrscher und unterstützt ihn bei seinen Taten.“[29]

© Christian Gluckman

Das wohl bedeutendste der von Le Brun fertiggestellten Deckengemälde im Schloss ist das im Chambre des Muses. Dieser Raum hatte insgesamt eine besonders wertvolle Ausstattung und wurde schon vor Fertigstellung des Schlosses für herausragende Anlässe genutzt. [30]

Zentrum des zentralen Gemäldes ist die weiß gekleidete Allegorie der Treue. Emporgehoben wird sie von der Geschichtsmuse Clio,  die die Devise Fouquets -Quo non ascendet- zum Himmel trägt. Begleitet wird sie von den Allegorien der Vorsicht und der Treue – ein deutlicher Hinweis auf Fouquets königstreue Haltung zu Zeiten der Fronde. Mit dabei sind auch Minerva, geflügelt und mit Speer, die Verkörperung der Vernunft,  und, oben im Bild, auch Apoll. Er vertreibt die Feinde und Ungeheuer, die den treuen Fouquet bedrohen.[31]

Charles le Brun, Le sommeil (Cabinet des jeux)

Das kleine Cabinet de jeux ist „der intimste und fröhlichste Raum im Erdgeschoss.“[32] Im Mittelpunkt ein weiteres Meisterwerk von Le Brun, eine auf Wolken ruhende, Mohnblüten streuende Allegorie des Schlafs, umgeben von Blumen, Amouren und Eichhörnchen.   La Fontaine beendet in Songe de Vaux den diesem Salon gewidmeten Abschnitt mit den Worten: „Qu’elle est belle à mes yeux cette Nuit endormie“.[33]

Zum Schluss des Rundgangs noch ein Blick auf die Decke des chambre du Roi auf der anderen Seite des Schlosses. Hier zeigt Le Brun seine Meisterschaft nicht nur als Maler, sondern  als Innendekorateur: Die Stuckarbeiten sind von höchstem Raffinement, an Gold wird nicht gespart.[34] Fouquet drückt so seine Ehrerbietung aus und bietet sich als treuer Diener seines Herrn an.

Das zentrale Deckengemälde enthält aber auch eine Mahnung an den König: Dargestellt ist die Wahrheit, die von einer Allegorie der Zeit in den Himmel gehoben wird: Und Wahrheit bedeutet hier natürlich, dass der König nicht denen Glauben schenken soll, die Fouquet verleumden, sondern  er soll die Wahrheit, die Treue und Rechtschaffenheit Fouquets erkennen.

Ein konkreter Hinweis auf den Urheber von Verleumdungen ist eine Szene in der Deckenwölbung des Cabinet des jeux: Da wird ein Eichhörnchen, also Fouquet, von einer Natter verfolgt.[35] Und die ist das Wappentier Colberts, der dann ja wesentlichen Anteil an dem Fall seines Konkurrenten hatte….

Man sollte bei einem Besuch von Vaux-le-Vicomte nicht versäumen, auch in den Keller hinabzusteigen, in dem die Küche untergebracht war.

Küchenchef Fouquets in Vaux-le-Vicomte war François Vatel, dessen Schicksal von zwei großen und für ihn höchst fatalen Festen geprägt war: Dem legendären Fest vom 17. August 1661, von dem noch die Rede sein wird. Da Vatel nicht wusste, dass Ludwig XIV. das gesamte Personal Fouquets für sich requirierte, floh er nach England. Schließlich trat er in die Dienste des großen Condé, des Schlossherrn von Chantilly. Dort organisierte Vatel die Bewirtung des königlichen Hofes für das spektakuläre und ebenso legendäre Fest vom 23.-25. April 1671. Weil da die von ihm bestellten Fische nicht rechtzeitig eintrafen, sah er seine Ehre verletzt und verübte Selbstmord.

Und zum Abschluss des Schlossrundgangs sollte man hoch in die Kuppel steigen.

Dort kann man das noch das im ursprünglichen  Zustand erhaltene Gebälk aus Eichenholz bewundern und das ganze Anwesen überblicken: Die Wirtschaftsgebäude….

… und den Garten.

Der Garten wird dann Gegenstand des zweiten Teils dieses Beitrags über Fouquet und Vaux-le-Vicomte sein.  Abgeschlossen wird der dann mit einer Darstellung des großen Fests vom 17. August 1661 und der Umstände und Gründe von Fouquets tiefem Fall.

Literatur:

Alain Baraton, Le Jardinier de Versailles. Grasset 2006, S. 153ff

Vaux-le-Vicomte. Château & jardin. Herausgegeben von der Association Les Amis de Vaux-le-Vicomte 2022

Michael BrixDer barocke Garten. Magie und Ursprung – André Le Nôtre in Vaux-le-Vicomte. Stuttgart 2004

Bénédictine Garnier und Francoise de La Moureyre, La folle course de Charles Le Brun dans le Grand Salon de Vaux-le-Vicomte. In: Bulletin du Centre de Recherche du Château de Versailles 14/2017 https://journals.openedition.org/crcv/14530?lang=en

Christine Howald: Der Fall Nicolas Fouquet: Mäzenatentum als Mittel politischer Selbstdarstellung 1653–1661. München 2011.

Alain Mérot, Temple des Muses, Palais du Soleil: les plafonds peints par Charles Le Brun au château de Vaux-le-Vicomte. In: Les Années Fouquet. LIT 2000

Marion Müller, Représentation politique et ambition artistique. Le décor de Charles Le Brun pour la chambre des Muses au château de Vaux-le-Vicomte. Bulletin du Centre de Recherche du Château de Versailles 14/2017  https://doi.org/10.4000/crcv.14617

Marion Müller, Das Schloss als Zeichen des Aufstiegs Die Ausstattung von Vaux-le-Vicomte im Kontext repräsentativer Strategien des neuen Adels im französischen 17. Jahrhundert. Universität Heidelberg 2022 https://heiup.uni-heidelberg.de/catalog/book/819

Hanno Dampf, Die Entwicklung der Gartenanlagen von der Renaissance zum Barock. Eine Gegenüberstellung der Villa Lante und Vaux-Le-Vicomte.

Schweizer, Stefan: André le Nôtre und die Erfindung der französischen Gartenkunst, Berlin: Wagenbach 2013

Praktische Hinweise

Von Paris aus erreicht man das Schloss mit dem Transilien  Linie R nach Melun. (Erste Station des Zuges Richtung Montereau ab Gare de Lyon, 25 Minuten. Als Fahrkarte dient der Pass Navigo.

Ab Bahnhof Melun gibt es einen vorab zu buchenden Shuttle-Bus (Navette).

Fahrplan: https://media.vaux-le-vicomte.com/wp-content/uploads/2025/05/23144944/Navettes-2025-VF.pdf?_gl=1*vlo6fc*_gcl_au*ODk0OTI0NzUxLjE3NDg3MzkxMTY.

Alternative: Taxi oder Uber, was -wenn überhaupt- kaum teurer ist, bei mehr als 2 Personen sogar günstiger und schneller.

Schloss und Park sind vom 15. März bis 3. November täglich von 10-17.30 h geöffnet.

Die Springbrunnen sind nur noch während der soirées chandelles in Betrieb. Bei dieser Gelegenheit auch Feuerwerk. https://www.tourisme-seine-et-marne.fr/visiter-decouvrir/798844-soirees-chandelles-vaux-vicomte/


Anmerkungen

[1] Hohwald, Der Fall Nicolas Fouquet, S. 80. Siehe z.B. auch: https://savingcastles.com/fr/chateau-de-vaux-le-vicomte-splendeur-baroque-francaise/

Alle Bilder des Beitrags, wenn nicht anders bezeichnet, von Wolf Jöckel

20 Minuten Lesezeit

[2] https://www.ouest-france.fr/tourisme/ces-quatre-jardins-francais-font-partie-des-plus-beaux-du-monde-et-vous-pouvez-les-visiter-5c950402-36e4-11f0-bb9d-ae310489ba72

[3] « Le 17 août, à 6 heures du soir, Fouquet était le roi de France ; à 2 heures du matin, il n’était plus rien. »  https://fr.anecdotrip.com/vaux-le-vicomte-17-aout-1661-la-fete-qui-a-coute-sa-liberte-a-nicolas-fouquet-par-vinaigrette

[4] Zum Aufstieg von Nicolas Fouquet siehe: Quo Non Ascendet?. In: Christine Howald, Der Fall Nicolas Fouquet: Mäzenatentum als Mittel politischer Selbstdarstellung 1653–1661, S. 11-35  

[5] Bild aus: https://fr.wikipedia.org/wiki/Robert_Nanteuil#/media/Fichier:0_Nicolas_Fouquet_-_Vaux-le-Vicomte_(2).JPG

[6] Zur Bedeutung der Szene im Hintergrund Mitte/rechts habe ich keine Informationen gefunden. Für entsprechende Hinweise wäre ich dankbar. Ich hatte dazu übrigens mal interessehalber bei Meta AI nachgefragt und da die Auskunft erhalten, „die Szene werde oft als Symbol für Macht und Reichtum interpretiert.“ Bei genauerer Nachfrage kam dann die kleinlaute Antwort: „Ich habe mich zu weit aus dem Fenster gelehnt!“

[7] Eine bedeutende Sammlung von Houdon-Büsten, darunter auch der von Jean de la Fontaine, gibt es auch in Schloss Ludwigslust. Siehe den Blog-Beitrag https://paris-blog.org/2024/10/13/fast-wie-gott-in-frankreich-ludwigslust-das-versailles-des-nordens/

[8]  https://gallica.bnf.fr/essentiels/fontaine/fouquet-brillant-protecteur s.a. https://www.pariscityvision.com/fr/paris/environs/vaux-le-vicomte/la-fontaine-fouquet

Zur Rolle Fouquets als Mäzen und der Bedeutung der Dichter und Schriftsteller für Vauix-le-Vicomte siehe im Einzelnen das Kapitel „Vaux-le-Vicomte und die Dichter“ bei Howald, S. 158ff

[9] https://www.tectona.net/fr_fr/pour-toujours-vaux-le-vicomte.html

[10] https://www.persee.fr/doc/lefab_0996-6560_1999_num_11_1_1030 

[11] Siehe dazu Howald, S. 80f

[12] Howald, S. 91

[13] Howald, S. 91

[14] Bild aus: https://www.all-free-photos.com/show/showphoto.php?idph=PI79914&lang=de  

[15] Howald, S. 84   Nachfolgendes Bild aus: https://www.moretimetotravel.com/wp-content/uploads/2014/10/4-scaled.jpeg

[16] Zit. Howald, S. 94

[17] Einen solchen Fries gibt es auch auf der Gartenseite des Schlosses.

[18] Howald, S. 99

[19] © Yann Priou / Collection du château de Vaux-le-Vicomte https://journals.openedition.org/crcv/14530?lang=en

[20] „Vaux-le-Vicomte.“ Wikipedia. Wikimedia Foundation, 09 Oct. 2014. Web. 21 Sept. 2014.

[21] Howald, S. 107

[22] Vaux-le-Vicomte, Châteu et jardin, S. 28

[23] Howald, S. 102

[24] https://de.wikipedia.org/wiki/Lambert_Sustris#/media/Datei:Lambert_Sustris_-_Venus_and_Love_-_Louvre.jpg

[25] https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010061294

[26] Alexandre Gady, Poutres et solives peintes. Le plafond à la française. Revue de l’Art 122,1998, S9-20.

[27] Siehe Alain Mérot, Temple des Muses, Palais du Soleil: les plafonds peints par Charles Le  Brun auf château de Vaux-le-Vicomte.

[28]  https://journals.openedition.org/crcv/14617 Anm.35

[29] Howald, S. 125

[30] Im Einzelnen dazu:  Marion Müller, Représentation politique et ambition artistique. Le décor de Charles Le Brun pour la chambre des Muses au château de Vaux-le-Vicomte.  https://journals.openedition.org/crcv/14617 oder https://doi.org/10.4000/crcv.14617

[31] Howald, S. 125 und https://journals.openedition.org/crcv/14617

[32] http://www.noblesseetroyautes.com/vaux-le-vicomte-ou-livresse-des-sommets/

[33] http://pimousse.vaux.free.fr/vauxlevicomte/jeux.html

[34] Nachfolgendes Bild aus: . https://onlybyland.com/visit-vaux-le-vicomte/

[35] Howald S. 112/114

„Der größte Teppich der Welt“: Die Prunkteppiche Ludwigs XIV. für die Grande Galerie des Louvre

Während der 54 Jahre, in denen Ludwig XIV. Frankreich allein regierte, demonstrierte er seine Herrlichkeit und Macht in prachtvollen Bauten und Gärten, in aufwändigen Festen und mit einem kostspieligen Hofstaat. Das Projekt, in dem dafür völlig ungeeigneten Park von Versailles die etwa 50 großen Fontänen mit über 1400 Düsen mit ständig sprudelndem Wasser zu versorgen, wurde auf diesem Blog schon ausführlich als  größenwahnsinnige Machtdemonstration dargestellt.[1] Weniger bekannt ist ein ebenfalls gigantisches Projekt: ein monumentaler Teppich, der die gesamte Grande Galerie, die den Louvre mit den Tuilerien verbindet, bedecken sollte – insgesamt eine Fläche von fast 4000 Quadratmetern. Tatsächlich wurde er hergestellt, aber nie dort ausgelegt. Und die Grande Galerie gibt es heute nicht mehr…[2]

                                                Die Grande Galerie auf dem Turgot-Plan von 1739[3]

1668 beauftragte Colbert, der Minister des Sonnenkönigs, dessen Hofmaler, Charles Le Brun, und die Pariser Teppich-Manufaktur de la Savonnerie, einen riesigen Teppich zu Ehren des Sonnenkönigs herzustellen. Es sollte der größte Teppich der Welt werden..[4] Damals, zu Beginn der Regierungszeit Ludwigs XIV., war der Louvre als offizielle Residenz des Königs ausersehen. Die Grande Galerie sollte zu einem zeremoniellen Korridor ausgebaut werden, den jeder ausländische Botschafter auf dem Weg zu dem geplanten Thronsaal und zum Sonnenkönig zu durchschreiten hatte – hinweg über eine Folge von 93 aneinandergefügten, 9 Meter breiten Teppichen: ein durchgehender Boden von etwa 440 Metern – sechsmal so lang wie der Spiegelsaal von Versailles.

Wer auf den Teppichen über diese geradezu endlose Galerie endlich den Thronsaal erreichte, sollte die eigene Begrenztheit und die Größe des Sonnenkönigs erlebt und den königlichen Glanz mit eigenen Augen gesehen haben. [5]

Dem entsprach die Ikonografie der Teppiche. Sie sollten das Ansehen und die Macht des Königreichs und seines Herrschers demonstrieren. Dafür dienten Herrschaftssymbole, wie sie hier auf dem ersten von ca 30 erstmalig im Grand Palais ausgerollten Teppichen zu sehen sind: Krone, die königliche Lilie und -natürlich- die Sonne.

Diese Herrschaftssymbole wiederholen sich in unterschiedlichen Variationen:

Der königliche Adler durfte natürlich auch nicht fehlen:

Hier mit Schwert und einem Rammbock mit Widderkopf, der auf die vielen von Ludwig XIV. eroberten befestigten Städte hinweist.

Über der Weltkugel die Krone der Bourbonen: Ludwig XIV. als Weltenherrscher

Sein Monogramm mit den beiden Ls.

Hier ein vierfach verschlungenes Monogramm, umgeben von Musikinstrumente: Auch die Musik stand im Dienste des Sonnenkönigs.

Und natürlich platzierte Le Brun den Kopf des Sonnengotts Apoll, seines göttlichen Pendants, in den Mittelpunkt mancher Teppiche. So entstand, wie die Kuratorin der Ausstellung erläuterte, der Beiname „Sonnenkönig“ nicht in Versailles, sondern schon mit diesen grandiosen Teppichen für die Grande Galerie.[6]

Die Sonne mit Ludwigs Devise: Nec pluribus impar (Auch mehreren nicht unterlegen): Auch mit mehreren Feinden kann es, so der Anspruch, der Sonnenkönig aufnehmen… © Mobilier national – Isabelle Bideau

Die große Bedeutung dieser Teppiche zeigt sich auch daran, dass mit den Entwürfen (den cartons) der bedeutendste französische Maler dieser Zeit, Charles Le Brun, beauftragt wurde. Le Bruns Karriere konnte glanzvoller nicht sein. Zwischen 1642 und 1644 wirkte er an der Ausstattung des Hôtel Lambert auf der Île Saint-Louis mit: Er schmückte die Galerie d’Hercule aus, Vorbild für den Spiegelsaal von Versailles. Von der wohlhabenden Pariser Goldschmiede-Gilde erhielt er den ehrenvollen Auftrag, zwei der jährlich für die Kathedrale von Notre-Dame gestifteten großen Gemälde zu schaffen, die Mays von 1647 und 1651. Und dann gehörte er zu dem großen Künstlerdreigestirn Le Vau, Le Nôtre, Le Brun, das ab 1658 Fouquets Schloss Vaux-le-Vicomte baute und ausstattete und das 1661 nach dem Sturz Fouquets von Ludwig XIV. übernommen wurde. Gefördert von Colbert, dessen Schloss in Sceaux  er auch ausgemalt hatte, wurde Le Brun 1662 in den Adelsstand erhoben und zum Premier Peintre du Roi, dem höchsten offiziellen Maleramt, ernannt.  Ein Jahr später erfolgte die Ernennung zum Direkter der Manufacture Royale des Tapisseries et Meubles de la Couronne, für die er zahlreiche Entwürfe machte und deren Ausführung er dann überwachte. 

Im Hof der Manufacture des Gobelins im 13. Arrondissement von Paris steht denn auch eine Statue Le Bruns.

1668 folgte dann der große Auftrag für den Entwurf der 92 Teppiche in der Grande Galerie. Hier der 5. Teppich der Serie, der heute zu den Ausstellungsstücken des Louvre gehört[7]:

In der Mitte des 8,9 x 4,9 m großen Teppichs befindet sich die in alle vier Himmelsrichtungen bekrönte Weltkugel, ein beliebtes Motiv

Darum herum hat Le Brund zweimal die Wappen Frankreichs gruppiert -hier abgebildet mit den königlichen Lilien-  und, nachfolgend abgebildet, zweimal die Wappen Navarras.

Der nördlich des Pyrenäenkamms liegende Teil Navarras war im 16. Jahrhundert ein eigenständiges Königreich. Unter Heinrich IV. kam es dann zur Personalunion von Navarra und Frankreich, und 1620 wurden beide Königreiche vereinigt.

An den Außenseiten zwei ovale Medaillons mit reliefartigen allegorischen Darstellungen: Auf der einen Seite die Verkörperung des Sieges, auf der anderen Seite die des Ruhms, die mit ausgebreiteten Flügeln und vollen Backen die Glorie des Sonnenkönigs gleich mit zwei Trompeten in die Welt schmettert.

Und alles wird umspielt von kunstvollen Arabesken.

Le Bruns Entwurf gefiel den Auftraggebern offensichtlich so gut, dass gleich zwei Teppiche mit diesem Muster hergestellt wurden. Und es kann wohl vermutet werden, dass einer davon zu den 13 Teppichen Le Bruns gehörte, mit denen 1919 der Spiegelsaal von Versailles anlässlich der Unterzeichnung des den Ersten Weltkrieg beendenden „Friedensvertrags“ ausgelegt wurde[8]….

Dass Colbert bereit war, 20 Jahre lang enorme Summen für die Herstellung der Teppiche zur Verfügung zu stellen, hat wohl mehrere Gründe: Die schon unter Heinrich IV. initiierte Herstellung von Knüpfteppichen nach orientalischem Muster (la technique du point noué) sollte so weit perfektioniert werden, dass Frankreich im Sinne des Merkantilismus nicht mehr auf kostspielige Importe angewiesen war. Und die geplante Auslegung der Teppiche in der Grand Galerie sollte ausländischen Besuchern nicht nur den Glanz des Sonnenkönigs, sondern auch die Qualität der französischen Teppichproduktion veranschaulichen. Es kann auch davon ausgegangen werden, dass Colbert, der die enormen Kosten der Verlegung der Residenz nach Versailles scheute, durch die luxuriöse Ausstattung der Grande Galerie den König motivieren wollte, seine Residenz im Louvre nicht aufzugeben.[9] Und nicht zuletzt diente die Luxusindustrie auch der Schaffung von Arbeitsplätzen: Die Teppiche wurden zwar nicht für das Volk, aber immerhin vom Volk hergestellt….

Für den textilen Großauftrag reichte die unter Heinrich IV. im Louvre eingerichtete Werkstatt Pierre Duponts nicht aus. Die Herstellung dieser textilen Meisterwerke verlangte technische und organisatorische Lösungen, die es in dieser Form in Frankreich noch nicht gab. Den Auftrag für die Teppiche der Grande Galerie wurde deshalb an die Manufacture de la Savonnerie in Paris vergeben, benannt nach einer früheren Seifenfabrik am Ort des heutigen Palais de Tokyo. Diese Seifenfabrik wurde von Marie de Médicis zu einem Waisenhaus gemacht. Die billige Arbeitskraft der Waisenkinder zog dann zwei Tuchfabrikanten an, die 1931 ihre Manufaktur dorthin verlegten. Für die Tepichproduktion wurden dann eigens große Werkstätten eingerichtet und Webstühle von bisher unbekanntem Ausmaß gebaut. Verwendet wurde Wolle mit feinen Knüpftechniken [10] und eine breite Farbenpalette. Da war große handwerkliche und auch künstlerische Kompetenz gefragt – man denke nur an die Übertragung der Entwürfe Le Bruns auf die vielfach größeren Teppichformate…

Darstellung der Teppichherstellung und der Werkzeuge der manufacture de la Savonnerie aus der Enzyklopädie von Diderot und Alembert (1771)

Für den auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft und seines Ruhms stehenden Le Brun war der Auftrag ebenfalls eine Herausforderung: Es ging ja darum 92 Teppiche zu entwerfen, die einerseits miteinander harmonieren mussten, andererseits aber auch immer Neues, Überraschendes, Anziehendes anbieten mussten.  Natürlich konnte sich der premier peintre du roi  Le Brun da nicht mit einer Ansammlung von Herrschaftssymbolen begnügen. Der große Auftrag gab ihm Gelegenheit, sein Können und den Reichtum seiner Ideen zu präsentieren und damit Werbung für das „fabriqué en France“ zu betreiben. Die Teppiche zeichnen sich also durch eine Fülle von Formen, Farben und Motiven aus. So gibt es auch schöne Medaillons mit Landschaftsdarstellungen…

Hier wird das Medaillon von zwei Greifen, mythischen Mischwesen, gehalten. © Mobilier national – Isabelle Bideau

…. Sphingen….

…. phantastische Köpfe, im Stil der in der Architektur höchst beliebten Mascarons, wie man sie etwa vom Pont Neuf und den Fassaden der Pariser Stadtpaläste kennt.

Es gibt auch viele allegorische Darstellungen:

Diese Allegorie der Autorität entspricht genau der einflussreichen Iconologie des Cesare Ripa, der 1593 eine detaillierte Beschreibung allegorischer Darstellung vorlegte[11]: Eine Frau mit einem Zepter in der einen und einem Schlüssel in der anderen Hand. An ihrer Seite ein Buch und Trophäen. Der Teppich mit dieser Darstellung, der 70. der für die Grande Galerie vorgesehenen Teppiche, lag übrigens von 1962-1978 und von 1986 bis 2008 im Büro des französischen Staatspräsidenten im Élysée-Palast.

Es gibt auch einen Teppich mit allegorischen Darstellungen des Friedens: Eine weibliche Figur zerbricht die Waffen, eine andere repräsentiert den mit dem Frieden einhergehenden Wohlstand.

 Umgeben sind sie mit dekorativen Elementen aus Olivenzweigen, Symbolen des Friedens.

Für das Thema des Wohlstandes, des Überflusses, steht auch die Allegorie der Abondance mit ihrem Füllhorn.

Abondance, Teppich Nummer 56

Mit der Realität der Herrschaft Ludwigs XIV. haben die Darstellungen von Frieden von Wohlstand nur sehr bedingt zu tun. Denn Ruhm erlangte man ja in der absolutistischen Herrscher-Ideologie Ludwigs vor allem durch (siegreiche) Kriege. Und so waren denn auch in den 55 Jahren der Herrschaft des Sonnenkönigs Friedensjahre eher eine Ausnahme. Aber diese ständigen Kriege zerrütteten den französischen Staatshaushalt massiv und nachhaltig.  Die Saat der Revolution wurde in der Zeit des Sonnenkönigs gelegt. Und angesichts der Lebenswirklichkeit weiter Teile der französischen Bevölkerung waren die immensen Kosten der Teppiche und ihre Motive ein Hohn. Aber Le Bruns Aufgabe war ja, den Sonnenkönig zu verherrlichen, und dazu gehörten natürlich auch die wirklichkeitsfremden Allegorien des Überflusses und des Friedens.

Meist sind es Frauen, die die Allegorien verkörpern. Es können aber auch Tiere sein. Hier zum Beispiel Reiher und – geduckt unter ihm- Hase als Allegorien der Wachsamkeit (vigilance):

Wie an seiner Beinhaltung erkennbar, schläft zwar der Reiher, aber die durch die Farbe Rot hervorgehobenen Augen sind geöffnet, ebenso beim Hasen unter ihm: Wachsam nach allen Seiten…

Auch der kämpferische Hase steht für die Wachsamkeit.

Es gibt noch viele weitere Tierdarstellungen auf den Teppichen; zum Teil ganz entzückende, ob allegorisch oder einfach nur dekorativ…

Ein Elefant durfte natürlich nicht fehlen, galt er doch als Symbol königlicher Macht und Weisheit. Zu den besonderen Attraktionen der Menagerie Ludwigs XIV. im Park von Versailles gehörte ja auch ein vom portugiesischen König geschenkter Elefant, der Elefant von Versailles, der auch ein beliebtes Modell für die königlichen Maler war.

Die verbreitetsten dekorativen Elemente der Teppiche sind Blumen und Früchte.

Das konnten sogar auch eher bescheidene Blumen sein, vor allem aber natürlich Rosen.

Die prachtvollen Früchtekörbe werden den Sonnenkönig besonders erfreut haben: Der potager du roi, der königliche Obst-und Gemüsegarten am Rand des Parks von Versailles war ein Lieblingsort des Königs und La Quintinie, der oberste königliche Nutzgärtner,  ein besonders geschätzter und  geehrter Vertrauter.

Aber Blumen und Früchte sind nicht nur dekorativ: Sie kommen ja auch aus dem Füllhorn der Abondance: Wer über den Teppich der Grande Galerie schreitet, soll sehen, dass er sich in einem Land des Wohlstands und des Glücks befindet.

Ludwig XIV. war das allerdings nicht genug. Der Sonnenkönig wollte mit seinem größenwahnsinnigen Versailles-Projekt alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. In Versailles allerdings wurden die Teppiche für die Grande Galerie nicht mehr gebraucht. Einige wurden als Staatsgeschenke verwendet, 51 während der Französischen Revolution verkauft, manche wegen ihrer royalen Hoheitssymbole von fanatischen Revolutionären zerstückelt. Napoleon kaufte zwar manche wieder zurück, aber viele gingen in dieser Zeit verloren.  Heute sind die noch bekannten Teppiche der Grande Galerie verstreut, in öffentlichen und privaten Sammlungen in Frankreich, Italien, der Schweiz, Dänemarks, Großbritanniens und den Vereinigten Staaten.

Zwei identische Teppiche. Der eine, 1668-1677 gefertigt, der andere 1688. Der zweite war als Staatsgeschenk bestimmt, blieb dann aber doch im Besitz des französischen Staates.[12]

Für die noch im Besitz des französischen Staates befindlichen Teppiche ist das Mobilier national zuständig, das ehemalige Möbellager des Hofes, das 1663 von Louis XIV. und Colbert gegründet wurde. Es kümmert sich heute um die Einrichtung der offiziellen Regierungspaläste der Republik, wie den Palais de l‘Élysée oder die Ministerien. So wurden und werden denn auch die Teppiche gelegentlich für offizielle Zwecke verwendet: Zum Beispiel wurde manchen Staatsgästen nicht der übliche einfache rote Teppich ausgerollt, sondern eben Teppiche Le Bruns. Nelson Mandela wurde 1996 bei seinem Empfang auf dem Flughafen Orly diese Ehre zuteil. Die präsidialen Räume im  Élysée-Palast waren zeitweise auch mit Le Brun-Teppichen ausgelegt und auch das Pariser Rathaus war dafür würdig genug. Manchmal wurden sie auch bei feierlichen Anlässen verwendet – so bei der Krönung Karls X. 1825 in der Kathedrale von Reims.

Anfang Februar 2026 waren ca 30 dem Mobiliar national anvertraute Teppiche gemeinsam im Grand Palais ausgestellt: Eine Weltpremiere. Aber nur eine einzige Woche lang; aus Gründen der Konservierung der empfindlichen Stücke, vor allem aber wohl wegen des prall gefüllten Kalenders des Grand Palais.

Wir waren sehr froh, diese einmalige Gelegenheit nutzen zu können und sind froh, jetzt Leserinnen und Lesern des Blogs einen Eindruck von der eindrucksvollen Präsentation zu vermitteln.


Anmerkungen

[1] Lesezeit 13 Minuten

https://paris-blog.org/2017/09/01/die-fontaenen-von-versailles-1-die-feier-des-sonnenkoenigs/

https://paris-blog.org/2019/04/01/die-fontaenen-von-versailles-2-ausdruck-absolutistischen-groessenwahns/

https://paris-blog.org/2020/05/19/der-canal-louis-xiv-und-das-aquaedukt-von-maintenon-die-fontaenen-von-versailles-teil-3/

[2] Im Einleitungsteil des Beitrags beziehe ich mich vor allem auf:  Sonja Siegenthaler, Ein gigantischer, nie ausgelegter Teppich des Sonnenkönigs wird im Grand Palais gezeigt. Kultur 04.02.2026  https://bellevue.nzz.ch/reisen-entdecken/kultur/grand-palais-zeigt-den-nie-ausgelegten-teppich-ludwigs-xiv-ld.1923464

[3] Alle Bilder des Beitrags, wenn nicht anders angegeben, von Frauke und Wolf Jöckel

[4] „Le plus grand tapis du monde“, wie die Ausstellungsmacher stolz verkünden. So auf einer Informationstafel am Anfang der Ausstellung. Siehe auch: https://www.rtbf.be/article/a-paris-les-exceptionnelles-tapisseries-du-roi-soleil-s-exposent-pour-la-premiere-fois-au-grand-palais-11673174

Ein Überblick über alle ausgestellten Teppiche bei: https://fr.wikipedia.org/wiki/Tapis_de_la_galerie_d%E2%80%99Apollon_et_de_la_grande_galerie_du_Louvre

[5] « L’idée était que les ambassadeurs qui visitaient Louis XIV puissent marcher pendant 442 m sur des tapis très forts en symbolique jusqu’au trône du roi, et se disent qu’il est le plus puissant monarque du monde », explique Emmanuelle Federspiel, conservatrice et co-commissaire de l’exposition. https://www.leparisien.fr/culture-loisirs/expositions/reunis-pour-la-premiere-fois-au-grand-palais-les-tapis-du-roi-soleil-brillent-enfin-plus-de-350-ans-apres-

[6] „C’est d’ailleurs de ce programme artistique que naît le surnom du Roi-Soleil,  au Louvre, et non pas à Versailles“ (Emmanuelle Federspiel, conservatrice et co-commissaire de l’exposition). https://www.leparisien.fr/culture-loisirs/expositions/reunis-pour-la-premiere-fois-au-grand-palais-les-tapis-du-roi-soleil-brillent-enfin-plus-de-350-ans-apres-01-02-2026

[7] Tapis de la Grande Galerie aux armes de France et de Navarre avec un globe au centre – Louvre site des collections  Siehe auch: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tapis_de_Savonnerie_Louis_XIV_apres_Charles_Le_Brun_pour_la_Grande_Galerie_du_Louvre.jpg und

Le Trésor retrouvé du Roi-Soleil | Grand Palais RMN | Espace Presse

[8] Nachfolgendes Bild: Gemälde von Herbert Arnould Olivier aus: Tapis de la galerie d’Apollon et de la grande galerie du Louvre — Wikipédia

[9] So eine Informationstafel der Ausstellung

[10] Im Ausstellungsbericht des Le Parisien ist von 16 000 Knoten pro Quadratzentimeter die Rede. Das wären pro Quadratmeter 16 000 000 Knoten. Besonders feine persische Seidenteppiche haben allerdings „nur“ 600 000 Knoten pro Quadratmeterhttps://www.leparisien.fr/culture-loisirs/expositions/reunis-pour-la-premiere-fois-au-grand-palais-les-tapis-du-roi-soleil-brillent-enfin-plus-de-350-ans-apres-01-02-2026-TDZIKLJ6RVCTVPPLYXWCXXSPTM.php  und https://www.kibek.de/lexikon/knuepfdichte/

Die Manufacture de la savonnerie gibt es auch heute noch, allerdings in Lodève (Herault): https://www.herault-tourisme.com/fr/fiche/patrimoine-culturel/manufacture-nationale-de-la-savonnerie-atelier-de-lodeve-lodeve_TFOPCULAR034FS00026/

[11] Siehe dazu: Alice Thaler,  Die Signatur der Iconologia des Cesare Ripa : Fragmentierung, Sampling und Ambivalenz : eine hermeneutische Studie. Basel 2018

[12] Bild aus: Tapis de la galerie d’Apollon et de la grande galerie du Louvre — Wikipédia

Weitere Blog-Beiträge zu Ludwig XIV.:

Ausflug zum Park von Sceaux -nicht nur- zur Kirschblüte

In Jedem Frühjahr wird im Park von Sceaux das Kirschblütenfest gefeiert. Ein Ereignis, das viele Besucher anzieht.

Kein Wunder:  Die in voller Blüte stehenden Kirschbäume sind eine Pracht! Und man darf sich im Schatten der blühenden Bäume niederlassen, seine Decke ausbreiten, sein mitgebrachtes Picknick verzehren, die meist alten wunderbaren Bäume und ihre Blüten bewundern, sich ausruhen, lesen, das Treiben um einen herum betrachten… Manchmal hat man fast den Eindruck, man sei nicht in Sceaux, sondern beim Kirschblütenfest in Japan…

Aber es lohnt sich, den Ausflug zu den Kirschblüten mit einem Spaziergang durch den Park zu verbinden. Der ist immerhin ein Werk des großen Le Nôtre, des Gartenarchitekten Ludwigs XIV., des Schöpfers des Parks von Versailles und vieler anderer großen barocker Gartenanlagen. Le Nôtre wurde von Colbert, dem „Finanzminister“ des Sonnenkönigs, für seine Schlossanlage in Sceaux engagiert. Und bei der Verwaltung der königlichen Finanzen kam Colbert offenbar auch auf seine Rechnung, so dass er sich ein wunderbares Schloss mit zahlreichen Nebengebäuden und einem riesigen, aufwändig angelegten Park leisten konnte…

Dazu passt die Statue des Herkules Farnese[1], der sich gerade, auf seine Keule gestützt, von seinen Kämpfen ausruht – natürlich vor blühendem Kirschbaum…

Man erreicht den Park von Paris aus einfach mit dem RER B.

Verlässt man den Bahnhof Parc de Sceaux wird man durch auf den Boden gesprühte Hinweisschilder zu einem der Parkeingänge geführt – Hanami ist der Name des japanischen Kirschblütenfests. Durch blühende Kirschbäume an den Straßenrändern wird man schon entsprechend eingestimmt.

An allen Eingängen zum Park gibt es Hinweistafeln, die die Orientierung erleichtern.

Die dem Bahnhof am nächsten liegenden Eingänge sind Mitte/rechts im Bild angegeben. Die Nummer 1 im oberen Teil bezeichnet das Schloss, die Nummer 2 die Orangerie, die Nummer 3 ganz oben rechts der Pavillon de l’Aurore.

Möchte man sich vor Beginn der Wanderung durch den Park etwas ausruhen, kann man unter den Kirschbäumen auf der Plaine de l’Orangerie (Mitte rechts auf dem Plan) schon eine kleine Pause einlegen.

Da hat man sogar die Auswahl zwischen „rot“ und „weiß“…

Der weitere Weg führt an der Orangerie vorbei…

Ein programmatisches Giebelrelief der Orangerie:  In Colberts Schloss herrschen Freude, Geselligkeit und Überfluss – hier ist man gewissermaßen auf Rosen gebettet. Und so konnte denn auch -wenn auch später einmal-  Voltaire schreiben, dass man sich in Sceaux ebenso gut unterhalten konnte, wie man sich in Versailles langweilte.[2]

Allerdings fehlt von der Orangerie ein Stück – es wurde im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 von preußischen Kanonenkugeln zerstört.

Schlimmer getroffen hat es allerdings das Schloss Colberts. Es wurde in der Französischen Revolution geplündert, schließlich an einen Unternehmer verkauft und zu Beginn des napoleonischen Kaiserreichs abgerissen.  Zwischen 1856 und 1862, also im Zweiten Kaiserreich Napoleons III., entstand dann der „Neubau“ im Stil Louis XIII, dem Baustil also, der die Bauten des großen Königs Henri Quatre prägt. Die Kombination von roten Backsteinen und behauenen weißen Kalksteinen kennen Paris-Besucher ja beispielsweise von der place des Vosges oder der place Dauphine auf der Île de la Cité.  Das Gebäude beherbergt ein Museum, das die Geschichte des Schlosses und die „art de vivre à la française“ zwischen Ludwig XIV. und Napoleon III. veranschaulicht.  Wir verzichten aber auf einen Besuch zugunsten der „art de vivre“ unter Kirschblüten…  

Auf dem Weg dorthin kommen wir zum pappelgesäumten Grand Canal. Der wurde erst 1687/88, also nach dem Tod Colberts gegraben. Schlossherr war damals der Marquis de Seignelay, der älteste Sohn Colberts. Aber verantwortlicher Gartenarchitekt blieb auch weiterhin Le Nôtre.  Der Kanal ist 1140 Meter lang, also fast so lang wie der des königlichen Schlosses von Fontainebleau (1,2 km), aber deutlich kürzer als der Grand Canal von Versailles (1670 m): Colberts Sohn vermied damit alles, seinen Herrn, den Sonnenkönig, zu übertrumpfen: Er kannte ja nur zu gut das Schicksal Fouquets, des Schlossherrn von Vaux-le-Vicomte und Konkurrenten seines Vaters, der der königlichen Sonne zu nahe kam, abstürzte und in schlimmster Festungshaft endete…

Hat man das nördliche Ende des Kanals umrundet, ist es nicht mehr weit zum Bosquet Nord: Japanische Lampions markieren die Zugänge.

Dieser Bosquet ist mit  insgesamt 144 japanischen Kirschbäumen (Prunun serrulata ‚Kanzan‘) bepflanzt, viele davon sind schon sehr alt…

Man ist eingeladen, sich in ihrem Schatten niederzulassen, die Blütenpracht zu bewundern, sein mitgebrachtes Picknick auszubreiten…

Nach einer entsprechend ausgiebigen Rast geht es weiter zum Bosquet Sud mit seinen weißblühenden Kirschbäumen, die es aber mit den japanischen bei weitem nicht aufnehmen können. (Und  -da kann ich einer lokalpatriotischen Anmerkung nicht widerstehen- sie können es schon gar nicht aufnehmen mit der wunderbaren Blüte von 42 000 (!) Kirschbäumen in den Streuobstwiesen von Ockstadt in der heimischen Wetterau…)

Also geht’s gleich weiter zum südlichen Rand des Großen Kanals. Da kann man sogar angeln und Boote mieten  (wenn die Warteschlange nicht zu lange ist…).

Zu den großen französischen Barockgärten, die im 17. Jahrhundert entstanden und deren bedeutendster Schöpfer Le Nôtre war, gehörten neben den großen Wasserflächen, den Alleen, Blumenrabatten und Bosquets auch Statuen. Colbert engagierte für seinen Park die bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit. Besonders beliebt waren Themen der antiken Mythologie.

Hier zum Beispiel die Kopie einer Statue von Bernini: Apoll verfolgt die sich ihm entziehende Daphne, die sich schließlich in einen Lorbeerbaum verwandelt. Die Skulpturen im Park waren vornehmlich aus Stein – der edle Marmor war dem König vorbehalten: Colbert , wie dann ja auch sein Sohn, kannten die Empfindlichkeiten ihres Herrn und nahmen darauf Rücksicht…

Die meisten Statuen des Colbert’schen Parks sind den Wirren der Zeit zum Opfer gefallen. Vieles wurde bei der Restaurierung des Parks in den 1930-er Jahren ergänzt: So die beiden Gruppen von Hirschen am südlichen Ende des Großen Kanals.

Zur ursprünglichen Anlage des Parks gehört das Octogon, ein großes Wasserbecken im Südosten des Parks:  In seiner Mitte eine 25 Meter hohe Fontäne. Le Nôtre musste dafür eine ganze Reihe von höher gelegenen Reservoirs schaffen, was allerdings aufgrund der günstigeren topographischen Bedingungen ungleich einfacher war als im Park von Versailles mit den Wasserspielen eines absoluten Herrschers, der auch der Natur seinen größenwahnsinnigen Willen aufzwingen wollte. Aber auch hier übten sich Colbert und Le Nôtre in untertäniger Zurückhaltung: Die höchste Fontäne von Versailles steigt immerhin 27 Meter in die Höhe!

Der Rückweg führt die wunderbare „Grande Cascade“ hinauf, die sich gerade in der abendlichen Sonne von ihrer schönsten Seite zeigt. Sie wurde wohl gemeinsam entworfen von Le Nôtre und Le Brun.

Über 17 kleine Wasserbecken mit jeweils zwei kleinen Fontänen fließt das Wasser hinunter zum Oktogon.

Das obere Ende wird durch wasserspeiende phantastische Köpfe (mascarons) markiert, die aber ebenfalls erst in den 1930-er Jahren installiert wurden. Sie stammen von dem für die Weltausstellung 1878 errichteten Palais de Trocadéro, das in den 1930-er Jahren dem für die Weltausstellung von 1937 errichteten Palais de Chaillot weichen musste.

Es ist nun nicht mehr weit zu den Ausgängen des Parks. Man sollte ihn aber nicht verlassen, ohne einen Blick in den Pavillon de l’Aurore zu werfen. Er steht am Rand des Parks, von wo aus man einen weiten Blick in die Umgebung hatte, vor allem auch über den heute nicht mehr existierenden Obst- und Gemüsegarten. Den ließ sich Colbert von Jean-Baptiste de La Quintinie anlegen, dem Hofgärtner Ludwigs XIV. und Schöpfer des königlichen Obst- und Gemüsegartens (potager du roi) in Versailles.

Für die Ausmalung der Kuppel engagierte Colbert den Hofmaler Ludwigs XIV, Charles Le Brun.  Le Brun hatte auch das Schloss von Sceaux ausgemalt. Nach dessen Zerstörung bleibt immerhin noch die Kuppel, die als ein Meisterwerk gilt.[3]

In dem Kuppelsaal liegen Faltblätter aus, die  die allegorische Bedeutung der Malerei erläutern. Hier eine Allegorie der Natur. Der Löwe, König der Tiere, steht für Colbert.

Die Tiere der Nacht werden von der Morgenröte verjagt…

… und dem neuen Tag, und damit der Sonne, werden Blumen gestreut:  So zollt Colbert seinem Sonnenkönig den gebührenden Respekt…

Wir verlassen -nach einem Tag voller Wunder der Natur und der Kunst- den Pavillon und es geht zurück nach Paris…


[1] Moderne Kopie der von Giovanni Comino zwischen 1670 und 1672 für Sceaux angefertigten Statue, einer Nachbildung der 1546 in Rom entdeckten Statue, die wiederum die Kopie einer antiken Statue ist.

Alle Fotos dieses Beitrags von Frauke und Wolf Jöckel

[2] Zit. von Dominique Brême, directeur du domaine de Sceaux. In: Le domaine de Sceaux. Dossier de l’art No 169, S. 5

[3] Siehe Dominique Brême, La coupole du pavillon de l’Aurore , chef-d’œuvre de Le Brun. In: Dossier de l’Art No 169: Le domaine de Sceaux, S. 16/17

Die Manufacture des Gobelins: Politik und Kunst

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Marschall Pétain, hoch zu Ross, die blau-weiß-roten Blätter flattern im Wind: Ausschnitt aus einem Wandteppich, der 1942/43 in der Manufacture des Gobelins in Paris hergestellt wurde.

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Rechts im Bild sieht man Pétain noch als General  des ersten Weltkriegs, ruhig inmitten von Stacheldrahtverhauen und explodierender Granaten, die ihm nichts anhaben können; in der Hand den strategischen Plan der Schlacht von Verdun, als deren Sieger Pétain gefeiert wurde.

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Links – im Gegensatz dazu- ein Bild des Friedens, unübersehbar durch die Friedenstauben bezeichnet.

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Die Soldaten kommen aus dem Kampf zurück und machen sich an die Arbeit: Eine Idylle des Landlebens. „La France profonde, éternelle et glorieuse“, wie es leibt und lebt.

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Und in der Mitte Pétain, der Präsident des Collabortations-Regimes von Vichy, der, so die Botschaft des Wandteppichs, durch die Zusammenarbeit mit  Nazideutschland Frankreich den Frieden gebracht hat.  Paul Charlemagne hat diesen „À la Gloire du maréchal Pétain“ betitelten Wandteppich entworfen. 1942, als die Arbeit daran begonnen wurde, war Pétain  schon 86 Jahre alt. Und er legte großen Wert darauf, auf den damals weit verbreiteten Portraits als gerechter und strenger „Vater der Nation“, aber nicht als altersschwacher Großvater zu erscheinen. Allzu realistische Portraits fielen der Zensur zum Opfer. Mit dem Portrait auf Charlemagnes Gobelin wird er sicherlich zufrieden gewesen sein.

Dieser Wandteppich war Teil der damaligen Pétain-Verherrlichung und der Propaganda der von ihm proklamierten „révolution nationale“, in der die Arbeit, und dabei vor allem die Landarbeit, eine zentrale Rolle spielte. Der Gobelin sollte den Chef des État français in eine Reihe mit den großen heroischen Gestalten der französischen Geschichte stellen, wie es in dem Begleitfilm zu der Ausstellung heißt.[1] Der Wandteppich wurde bis zur Befreiung von Paris im Musée de l’Orangerie präsentiert, danach erst jetzt wieder in der Ausstellung „Au fil du siècle, 1918-2018, Chefs-d’œuvre de la tapisserie » (April bis September 2018) in der Manufacture des Gobelins in der avenue des Gobelins.[2]

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Gezeigt werden  in dieser Ausstellung  zwei weitere -ebenfalls bisher noch nie ausgestellte- Gobelins, die während der Zeit der occupation  im deutschen Auftrag von Werner Peiner entworfen  und von der Manufaktur hergestellt wurden.

Der Wandteppich mit dem von Stieren gezogenen Wagen und der Hakenkreuzstandarte der Fruchtbarkeitsgöttin Ceres wurde 1941-1944 angefertigt und war für das Außenministerium des Freiherrn von Ribbentrop bestimmt. Dazu gehörte auch ein weiterer Wandteppich mit dem Motiv der Quadriga-  als „männliches Gegenstück“ zu dem weiblichen Element der Fruchtbarkeit gedacht. Beide Wandteppiche wurden noch vor Kriegsende nach Deutschland gebracht, dort von den Alliierten  entdeckt, 1949 nach Frankreich zurückgebracht und in den Tiefen der Depots des Louvre und des Musée d’Art moderne versenkt…[3]

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Die Herstellung dieser Okkupations-Teppiche erforderte übrigens mehrere Kilogramm Gold- und Silberfäden, die aus Deuschland angeliefert wurden. Man kann sich in der Tat, wie ein  jüdischer Bekannter, den wir beim Besuch der Ausstellung trafen, fragen, woher die Nazis damals das Gold und Silber für diese Wandteppiche hatten…

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Ein weiterer, aber nicht vollendeter Gobelin wurde von „Reichsmarschall“ Göring für seinen Landsitz Carinhall in der Schorfheide bestellt: „Le Globe terrestre“. Materialien waren Wolle, Seide und –natürlich auch hier- Gold- und Silberfäden. Pracht und Ausmaße dieses Wandteppichs entsprachen dem Auftraggeber: Natürlich übertraf die vorgesehene Größe von 72,2 m² nicht nur deutlich die von Ribbentrop bestellten Wandteppiche, er sollte sogar noch 5m² größer werden als das größte im Louvre ausgestellte Bild, Veroneses Hochzeit zu Kana.[4]

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Bemerkenswert sind auf dieser Karte auch Details wie Grenzziehungen und die Hervorhebung von (Haupt-)Städten: Einige Grenzen, z.B. die von Verbündeten Nazi-Deutschlands wie die der Slowakei, Ungarns und Rumäniens, sind mit roter Farbe hervorgehoben, andere wie die belgische, holländische oder dänische Grenze nur leicht skizziert. Und wieder andere fehlen ganz: so  die Grenze zwischen Italien und Frankreich, wo es ja italienische Gebietsansprüche und eine italienische Besatzungszone gab; die Schweiz ist überhaupt nicht berücksichtigt. Und das sogenannte „Protektorat Böhmen und Mähren“ ist (natürlich) voll in das deutsche Staatsgebiet integriert. Elsass-Lothringen allerdings nicht: Vielleicht wollte man diese Provokation den französischen Webern der Manufaktur doch nicht zumuten. Während Hauptstädte im Allgemeinen durch ein Quadrat markiert sind, gilt das für Brüssel nicht, eine niederländische und luxemburgische Hauptstadt existieren überhaupt nicht. Bei Deutschland dagegen sind gleich drei Hauptstädte eingewoben: Berlin, Wien und interessanter Weise auch Prag. Und bemerkenswert ist auch die Bezeichnung „Deutschland“ statt der damals von den Nazis verwendeten Bezeichnung „Großdeutsches Reich“, die man auf einer solchen, propagandistischen Zwecken dienenden Karte vielleicht eher erwarten würde. Aber dieser unvollendete Karten-Gobelin knüpft in seiner Gestaltung eher an traditionelle Weltkarten an. Mit den drei deutschen Hauptstädten bezieht er sich auf den historischen Reichsgedanken und mit seiner selektiven Grenzziehung soll er wohl auch offen sein für die von den Nazis erhofften Veränderungen der europäischen Landkarte im Laufe eines siegreichen Krieges.

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Vollendete Tatsachen schafft der Gobelin aber schon in Afrika, wo die früheren deutschen Kolonien  „heim ins Reich“ geholt sind….

Die in der Ausstellung erstmalig gezeigten Wandteppiche aus der Zeit von collaboration und occupation belegen, wie sich die Gobelin-Manufaktur damals in den Dienst politischer Propaganda gestellt hat oder dazu hat benutzen lassen. Das war allerdings kein völlig aus dem Rahmen fallendes Phänomen.

Die ersten in der Ausstellung gezeigten Gobelins aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg  transportieren ebenfalls eindeutige politische Botschaften. So der von Louis Anquetin entworfene Wandteppich zum Thema „La Victoire“ – einer von insgesamt vier schon 1917 bestellten Gobelins zu diesem Thema.

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In der Mitte des großen Wandteppichs –hier ein Ausschnitt- sieht man eine Bäuerin, die angesichts des blutrot-drohenden Horizonts ängstlich ihr kleines Kind an sich presst. Und Grund zur Angst gibt es in der Tat: Da sieht man die unheilverkündenden Raben…

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… und vor allem einen auf einem feuerspeienden Drachen reitenden wilden Gesellen mit einem blutverschmiertem Dolch und einer Brandfackel in den Händen: An Schaftstiefeln, Pickelhaube und Bart unschwer als ein Bild des mordlustigen deutschen Kaisers zu identifizieren.

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Aber keine Angst: Da sind auf der anderen Seite die in Rubens’scher Manier dargestellten Schmiede des Vulkanus, die aus Pflugscharen Schwerten machen, mit denen der böse Feind besiegt wird.

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Und da ist ganz oben in der Mitte der kampfbereite gallische Hahn, der Garant des Sieges.

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Und als der dann tatsächlich errungen war, produzierte die Manufaktur Bezüge für Sofas und Sessel, auf denen die zum Sieg führenden Waffen abgebildet waren und der heldenhafte Einsatz der französischen Soldaten verherrlicht wurde.

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So gehen Tradition –die klassischen Blumenmuster-, Modernität –die modernen Waffen- und Nationalismus –die heldenhaften Soldaten und die Farben der Tricolore- eine für diese Zeit charakteristische Verbindung ein.

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Die 1921 von der Manufaktur in  Auftrag gegebenen Entwürfe von Adrien Karbowsky sind, wie der Begleittext kritisch vermerkt, Teil der damals gängigen „auto-célébration de la victoire française“. Es handele sich hier angesichts der vom Krieg erzeugten Traumata um „einen letzten Schwanengesang“ militärischer Themen und Motive.

Die königliche Manufaktur des Gobelins: Glorifizierung Ludwigs XIV. und Frankreichs

Dass die Manufaktur sich als Instrument politischer Propaganda betätigte, war ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt.  Dort, wo Mitte des 15. Jahrhunderts an dem Flüsschen Bièvre der holländische Tuchfärber Jehan Gobelin sein Atelier errichtet hatte….

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Inschrift auf der seitlichen Fassade der Manufaktur des Gobelins, avenue des Gobelins[5]

… wo Anfang des 17. Jahrhunderts Henri Quatre flämische Weber angesiedelt hatte, damit sie Teppiche façon de Flandres, also in „flämischer Manier“ produzierten[6], dort –in dem inzwischen Quartier des Gobelins genannten Viertel- errichtete Colbert, der Wirtschaftsminister Ludwigs XIV., die Manufacture des Meubles de la Couronne, zu denen auch die Manufacture royale des Gobelins gehörte. Die dort produzierten Teppiche trugen also den Namen der holländischen Tuchfärber, die hier früher gearbeitet, aber nie auch nur einen einzigen Teppich hergestellt hatten.

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Inschrift auf der Seitenfassade der Manufaktur amCour d’Antin, über dem Eingang zum Ausstelluungsgebäude[7]

Erster Direktor der Manufaktur war der Hofmaler Ludwigs XIV., Charles Le Brun. Das zeigt die Bedeutung, die das Unternehmen für die Krone hatte. In der Manufaktur wurden neben Gobelins auch andere Ausstattungsstücke wie Möbel, Drucke und Gold- und Silberarbeiten hergestellt. Insgesamt arbeiteten damals etwa 250 Handwerker in der Manufaktur. Bei seinen Entwürfen für die Gobelins wurde Le Brun von einem ganzen Stab von Malern unterstützt, die ihm zuarbeiteten. Es gab Spezialisten für Landschaften, für Architektur, für Ornamente, für Stillleben, für die Darstellung von Personen. Le Brun selbst leitete und koordinierte die Arbeiten, behielt es aber sich vor, in allen Darstellungen, in denen der König erschien, dessen Züge selbst zu zeichnen. [8]

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Statue Le Bruns im Hof der Manufaktur

Nicht zimperlich war man übrigens bei der Ausschaltung unliebsamer Konkurrenz: Es gab nämlich eine bedeutende Produktion von Teppichen in Maincy,  einem Atelier in der Nähe von Vaux-le-Vicomte, dem Schloss Fouquets, des Finanzministers des jungen Ludwigs XIV.  Als der aber seinen Reichtuum allzu protzig zur Schau und damit sogar den  Sonnenkönig in den Schatten stellte, ließ ihn Ludwig XIV. 1661 verhaften und ins Gefängnis werfen, wo er den Rest seines Lebens zubrachte. Gleichzeitig  übernahm der König aber das Künstlerdreigestirn von Vaux-le-Vicomte, nämlich Le Vau (Architekt), Le Nôtre (Gartenarchitekt) und eben auch Le Brun, den Leiter der Fouquet‘schen Teppich-Manufaktur und dessen Personal.[9]

Bei der Anwerbung  zusätzlich benötigter erstklassiger Fachkräfte sah man sogar großzügig über deren Konfession hinweg. Während Protestanten ansonsten vertrieben und verfolgt wurden, standen sie im Bereich der Manufaktur unter dem Schutz der Krone, wenn sie nur  Meister ihres Faches waren – ähnlich also, wie die unter der Protektion der Stiftsdamen des Klosters Saint-Antoine stehenden protestantischen ébénistes. [10]

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Um den rechten Glauben der Beschäftigten zu befördern, wurde immerhin im Bereich der Manufaktur eine Kapelle errichtet – erkennbar an Uhr und Glockentürmchen;  davor auf dem Sockel eine Statue Colberts.

Bei der Gründung der königlichen Manufaktur ging es natürlich, der damals herrschenden merkantilistischen Lehre entsprechend, um –modern ausgedrückt- Importsubstitution. Wie schon zu Zeiten Henri Quatres verbot Colbert die Einfuhr ausländischer Teppiche. Die königlichen Schlösser sollten nur mit Produkten „made in France“ ausgestattet werden. Darüber hinaus waren die in der  Manufaktur hergestellten Gobelins als königliche Präsente und für den Export bestimmt.  In allen Fällen  ging es aber auch darum, die Teppiche als Mittel der Glorifizierung des Sonnenkönigs, seiner „hauts faits es vertus“ zu verwenden. Immerhin wurde die königliche Manufaktur in dem Jahrzehnt gegründet, in dem die absolute Herrschaft Ludwigs XIV. sich konsolidierte und in dem ein festes Repertoire ihm  zugeordneter Symbole und  Bezüge wie die Sonne oder Appollo entstand.  Beispiele solcher der königlichen Propaganda dienender Gobelins sind die Serien zur „Geschichte des Königs“ und zur „Geschichte  Alexanders“, mit dem Ludwig XIV. gerne verglichen wurde. Es ging also auch hier um die Verherrlichung der Monarchie und des Sonnenkönigs. Von diesen Gobelins wurden teilweise bis zu 15 Exemplare hergestellt, um den Ruhm des Königs möglichst weit zu verbreiten. Sie wurden  verwendet, um die Besucher des Hofes zu beeindrucken oder auch als Geschenke für ausländische Botschafter. Die Qualität der Entwürfe, der Reichtum der verwendeten Materialien –auch bei ihnen schon wurde an Gold- und Silberfäden  nicht gespart- und die lange Dauer ihrer Herstellung sollten den Reichtum und die Stabilität Frankreichs zum Ausdruck bringen. Insgesamt wurden während der 30-jährigen Blütezeit der Manufaktur unter der Herrschaft Ludwigs XIV. 775 Gobelins hergestellt – eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass an einem Gobelin mehrere Weber über ein Jahr lang gearbeitet haben.

Die Bedeutung, die die Manufaktur für Ludwig XIV. hatte, wird in einem  Gobelin anschaulich, der den Besuch des Königs am 15. Oktober 1667  thematisiert. Dieser Gobelin, hier eine Entwurfszeichnung Le Bruns, gehört zu der Serie der 14 Gobelins zur „Histoire du Roi“. [11]

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Die  im Schloss von Versailles ausgestellte Gobelin-Serie zur Geschichte des Königs wurde zwischen 1729 und 1734 hergestellt,  also in der Zeit Ludwigs XV., der sich damit in die Tradition des Sonnenkönigs stellte.[12]

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Die hier dargestellte Szene findet im Hof der Manufaktur statt. Verschiedene Handwerker führen dem König die von ihnen hergestellten Produkte vor: Möbel, Gold- und Silberarbeiten, Teppiche und natürlich Gobelins. Auf der linken Seite sieht man Ludwig XIV., hervorgehoben durch die rote Farbe und durch den freien Raum rund um seine Füße. Außerdem ist er größer als die neben ihm Stehenden, Zeichen seiner Majestät. Begleitet wird er von Colbert, dem er sich zuwendet.

Mit dem Besuch der gerade gegründeten Manufaktur bezeugt der König  seine Modernität, indem er  die Herstellung von Gobelins zu einem „Instrument der politischen Kommunikation“ macht.[13]

Die Blütezeit unter Ludwig XIV. endete allerdings schon frühzeitig: 1694, also 21 Jahre vor dem Tod des Sonnenkönigs, wurde die Manufaktur für fünf Jahre geschlossen, alle dort Beschäftigten entlassen und  ein Teil der dort hergestellten Gold- und Silberarbeiten eingeschmolzen. Grund dafür waren die Staatsfinanzen, die vor allem aufgrund der von Ludwig XIV. angezettelten Kriege, zuletzt durch den sich unerwartet lange hinziehenden Pfälzischen Erbfolgekrieg,  zerrüttet waren.[14]

Die Manufacture des Gobelins: Ihr Beitrag zur Verherrlichung Napoleons

Wie sehr die Manufaktur von den geschichtlichen Entwicklungen geprägt war, zeigte sich dann auch während der  Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons. Direktor der Manufaktur zur Zeit der Revolution war Auguste Belle. Der ließ im November 1793 auf dem Hof der Manufaktur einen Freiheitsbaum errichten, unter dem Gobelins verbrannt wurden, die aufgrund ihrer Wappen oder der königlichen Lilie als nicht mehr zeitgemäß galten. Alle Angestellten  der Manufaktur wurden aufgefordert, auf die neue Verfassung, die Convention nationale, zu schwören und an die Nachwelt nur noch Bilder der Helden und Märtyrer der Freiheit  sowie erinnerungswürdige Taten republikanischer Franzosen weiterzugeben. [15] Im Sommer 1794 besuchte eine Kommission die Manufaktur „pour entretenir la flamme républicaine“: Von 321 in den Beständen der Manufaktur vorhandenen Mustern für die Herstellung von Gobelins (cartons) wurden 120 als antirepublikanisch, fanatisch, d.h. zu offensichtlich christlich, und unmoralisch ausgesondert.[16]

Während des Konsulats und vor allem des napoleonischen Kaiserreichs erlebte die Gobelin-Manufaktur einen neuen Aufschwung. Sie arbeitete jetzt ausschließlich für die Zwecke Napoleons, der wünschte, dass die „maisons Impériales“, vor allem die Tuilerien,  mit den Werken der Manufaktur ausgestattet sein sollten. Das waren Gobelins, die die Heldentaten des Kaisers darstellten, wobei  Gemälde von David, Gros und anderen als Vorlage dienten.  Und es waren kaiserliche Portraits, die den Ruhm das Kaisers – und das Ansehen der Manufaktur- verbreiteten: Wie zu Zeiten des Sonnenkönigs erhielten die Herrscherhäuser Europas Gobelins mit dem Portrait des Kaisers, vor allem natürlich seine zahlreichen Familienmitglieder, die er auf europäischen Thronen  platziert hatte. [17] Das von Napoleon bevorzugte Portrait war nicht das Krönungsportrait seines Hofmalers Jacques-Louis David, sondern das 1805 entstandene Gemälde von François Gérard. Es zeigt Napoleon im Krönungsornat und mit goldenem Lorbeerkranz im Thronsaal der Tuilerien und entsprach in seiner Konzeption der traditionellen Darstellung französischer Könige seit Ludwig XIV. Napoleon ließ von diesem „offiziellen“ Kaiser-Portrait zahlreiche Kopien anfertigen. 1808  bestellte er bei der jetzt kaiserlichen Manufacture des Gobelins eine gewebte Version des Gemäldes, das heute im Museum of Modern Art in New York zu sehen ist.  Es war für den Erzkanzler des Reichs, Jean-Jacques Régis de Cambacérès, bestimmt: Eine besondere Auszeichnung. Eine gemalte Kopie wäre ja wesentlich billiger und schneller verfügbar gewesen, während an diesem Auftrag  elf Weber volle drei Jahre lang arbeiteten.[18]

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Auch wenn Napoleon in der Manufacture des Gobelins ein ideales Instrument für sein Prestigestreben sah, gab es doch –aufgrund der großen Abstände zwischen Konzeption und Fertigstellung eines Gobelins- eine erhebliche Diskrepanz zwischen Projekten und Resultaten. Der Wunsch Napoleons, die wichtigsten Ereingnisse seiner Herrschaft durch Gobelins zu verewigen, konnten deshalb nur bruchstückhaft umgesetzt werden.[19]

Aber es gibt doch auch eindrucksvolle Gobelins aus der Pariser Manufaktur, die der Verherrlichung des Kaisers dienten.

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So der nach einem Gemälde von Antoine-Jean Gros gefertigte Gobelin, auf dem der Erste Konsul Bonaparte hoch zu Ross zu sehen ist. Er  verteilt nach der Schlacht von Marengo am 14. Juni 1800 Ehrensäbel an die  Grenadiere seiner Garde. Das Werk wurde 1810 fertiggestellt und ein Jahr später Hortense, der  Stieftochter des Kaisers, Königin von Holland und Mutter des späteren Napoleons III., geschenkt.[20] En weiteres Beispiel ist der 1809 bis 1915 in der Manufaktur angefertigte Gobelin, in dessen Mittelpunkt natürlich auch Napoleon steht: Nach seiner Krönung zum Kaiser am 8. Dezember 1804 empfängt er im Louvre die Abordnungen des Militärs.[21]

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 Seine Macht wird durch sein Ornat und die Herrscchergeste,  die im Spalier aufgereihten stramm stehenden Soldaten und die demütige Haltung des ottomanischen Gesandten eindrucksvoll herausgestellt. Die Umgebung mit den Raumfluchten des Louvre und der römischen Statue in Siegespose trägt natürlich auch ihren Teil zur Verherrlichung des Kaisers bei.

Es gibt also eine lange, auch vom bourbonischen System der Restauration und dem Kaiserreich Napoleons III. weitergeführte Tradition der Manufacture des Gobelins, einen Beitrag zur Glorifizierung der jeweiligen Repräsentanten des Staates zu leisten. Insofern ist es wohl auch zu erklären, dass  Communarden 1871 kurz vor ihrer Niederschlagung in der semaine sanglante[22] den Vorgängerbau des heutigen Ausstellungsgebäudes in Brand setzten. Dies hatte nicht die geringste militärische, aber eine hohe symbolische Bedeutung: Die Manufaktur als repräsentative Instanz der bekämpften alten Ordnung.

Kunstgobelins aus der Nachkriegszeit

Nach der Instrumentalisierung der Manufaktur durch Pétain und die Nazis war nach 1945 ein Neuanfang unabdingbar. Eine besondere Rolle dabei spielte André Malraux, der von 1959 bis 1969  Kulturminsiter war und dem  die Förderung zeitgenössischer Kunst ein besonderes  Anliegen war.  In seiner Ära wurden Kontakte zu bedeutenden Künstlern geknüpft, die angeregt wurden, Entwürfe für Gobelins herzustellen. In der oben genannten Ausstellung waren zahlreiche solcher Gobelins ausgestellt.

Hier einige Beispiele:

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Fernand Léger, La Création du monde (1962)

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André Derain, L’Âge d’or (1965/66)

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Raoul Dufy, La Baie de Saint-Adresse (1966/68)

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Joan Miró,  hirondelle d’amour (1979/1980)

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Victor Vasarely, Composition foncée (1977/79)

Und aus unserer Sicht besonders eindrucksvoll:

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Hans Hartung, P 1967-109   (1971/1972)

Nach 1945 wurden also in der Manufaktur künstlerisch anspruchsvolle, moderne Gobelins hergestellt. Bei unserem Rundgang –leider abolutes Fotografierverbot- konnten wir einige sehr beeindruckende, von zeitgenössischen Künstlern entworfene Teppiche sehen, die gerade im Entstehen sind. Die einmal gängigen Portraits der jeweils Regierenden haben dagegen  ausgedient. Undenkbar,  dass es etwa Gobelins mit den Portraits von de Gaulle hätte geben können – oder jetzt von Macron: Der vertrat zwar schon vor seiner Wahl zum Staatspräsidenten die Auffassung, dass die Hinrichtung Ludwigs XVI. eine „emotionale Leere“ im kollektiven Bewusstsein der Franzosen geschaffen habe, die durch eine „Resakralisierung“ der präsidialen Funktion auszufüllen sich der junge, gerne als „jupiterien“ charakterisierte Präsident  nach Kräften bemüht.[23] Entsprechende Gobelins scheiden  aber als Instrumente aus.

Immerhin hat der jeweilige Präsident das Privileg, sich aus dem großen und ständig anwachsenden Reservoir des mobilier national für den Elysée-Palast – auch gerne château genannt- das auszuwählen, was seinem Geschmack und den präsidialen Repräsentationszwecken am meisten entspricht. So sollen, wie uns bei dem Besuch der Manufaktur unsere Führerin augenzwinkernd erläuterte, ausländische Besucher vom französischen savoir-faire so beeindruckt werden, dass sie dann angeregt werden, auch einen Airbus oder eine Mirage zu  bestellen….

Praktische Hinweise:

Adresse: 42, Avenue des Gobelins im 13. Arrondissement

Öffnungszeiten der Dauerausstellung: täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr

Besuche der Ateliers: Mittwochs 15 Uhr, z.T. auch 13 Uhr. Frühzeitige Reservierung erforderlich. Es werden jeweils zwei der drei unter dem Dach des mobilier national vereinigten, in der Avenue des Gobelins installierten und auf unterschiedliche Verfahren spezialisierten Ateliers gezeigt.  (Atelier des Gobelins, de Beauvais und Savonnerie).

https://www.cultival.fr/visites/ateliers-des-gobelins-dans-les-coulisses-dun-metier-dart

 

Weitere Blog-Beiträge zu Ludwig XIV.:

Weitere Blog-Beiträge mit Bezug  zu Napoleon:

Anmerkungen

[1]  „Cette tapisserie vise à inscrire le chef de l’État français dans la lignée des grandes figures heroïque de l’histoire de France.“ Begleitfilm von Ophélie Juan zur Ausstellung und Begleittext zum Wandteppich

[2] Das repräsentative Ausstellungsgebäude an der avenue des Gobelins stammt aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg.

[3] http://www.culture.gouv.fr/Thematiques/Metiers-d-art/Actualites/Au-fil-du-siecle-chefs-d-oeuvre-de-la-tapisserie-1918-2018

[4] Übernommen vom  Begleittext der Ausstellung

[5] „Jean et Philibert Gobelin, Tuchhändler und –färber „en écarlate“  hatten hier am Ufer der Bièvre am Ende des 16. Jahrhunderts ihr Atelier. Nach ihnen wurden  dieses Viertel von Paris und die Teppichmanufaktur benannt.“ Die Färbemethode „en écarlate“ war damals  besonders  innovativ und gefragt, weil man mit ihr vor allem  ein Spektrum leuchtender Rottöne erzeugen konnte. Siehe: Hélène Hatte und Valérie Rialland-Addach, Promenades dans le quartier des Gobelins et la Butte-aux-Cailles. Paris 2008, S. 72

[6] Zur Förderung der heimischen Produktion von Teppichen verbot er sogar die Einfuhr der bis dahin den Markt beherrschenden flämischen Teppiche.

[7] „Im September 1667 gründete Colbert in den Gebäuden der Gobelins die Möbel-Manufaktur der Krone unter der Leitung von Charles Le Brun“.

[8] https://www.universalis.fr/encyclopedie/charles-le-brun/4-le-directeur-de-la-manufacture-royale-des-gobelins/  und Henri Gleizes, Dans les Coulisses du Mobilier National. Paris 1983, S. 161

[9] Henri Gleizes, Dans les Coulisses du Mobilier National. Paris 1983, S. 154/156

[10] Siehe den Blog-Beitrag über den Faubourg Saint-Antoine, das Viertel des Holzhandwerks: https://paris-blog.org/2016/04/04/der-faubourg-saint-antoine/

[11] Bild aus: https://commons.wikimedia.org/

[12] Eine Zusammenstellung der Serie in: http://collections.chateauversailles.fr/#f8a9f9ca-48d8-4089-b22f-41bc940ec7bd und https://fr.wikipedia.org/wiki/Tenture_de_l%27Histoire_du_Roy

[13] https://www.histoire-image.org/de/etudes/manufacture-gobelins Siehe auch: Jean-Christian Petitfils, Louis XIV.  Paris, Fayard, 1999.

[14] Gleizes, a.a.O., S. 161  https://www.universalis.fr/encyclopedie/charles-le-brun/4-le-directeur-de-la-manufacture-royale-des-gobelins/ und http://www.mobiliernational.culture.gouv.fr/fr/nous-connaitre/les-manufactures/manufacture-des-gobelins

[15]  Gegenstand des Schwurs:  „de n’employer désormais leurs talents qu’à transmettre à la postériorité les images des héros et martyrs de la liberté ainsi que les actions mémorables des Français … républicains“. Gleizes, S. 163/164

[16]  Gleizes, S.  164

[17] Caroline Girard, La manufacture des Gobelins du Premier Empire à la monarchie de Juil  http://theses.enc.sorbonne.fr/2003/girard

[18] https://www.metmuseum.org/toah/works-of-art/43.99/

[19] Girard a.a.O.

[20] https://www.napoleon.org/histoire-des-2-empires/objets/bonaparte-premier-consul-distribue-des-sabres-dhonneur-aux-grenadiers-de-sa-garde-apres-la-bataille-de-marengo-le-14-juin-1800/

[21] Bild aus: http://www.alaintruong.com/archives/2018/02/05/36115217.html

[22] Siehe  dazu den Beitrag über die Commune auf diesem Blog: https://wordpress.com/post/paris-blog.org/2912

[23] Interview Macrons vom 8. Juli 2015: http://www.atlantico.fr/pepites/emmanuel-macron-manque-roi-2228499.html  und Interview mit dem Verfassungsrechtler  Dominique Rousseau vom 2. Juli 2017: https://www.nouvelobs.com/politique/20170629.OBS1399/congres-de-versailles-macron-tente-de-resacraliser-la-fonction-presidentielle.html

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