Le Palais idéal du Facteur Cheval: Das phantastische und grandiose Lebenswerk eines Briefträgers

Dies ist der Blick auf die nördliche Fassade des Palais idéal des Facteur Cheval in Hauterives (Drôme), seines palais imaginaire.[1] Es ist ein imposantes Bauwerk: 26 Meter lang, 14 Meter breit und bis zu 12 Meter hoch. Ein Märchenpalast, ganz allein gebaut von einem Land-Briefträger, einem Autodidakten mit rudimentärer Schulbildung, zwischen 1879 und 1912, in 33 Jahren, 10 000 Tagen und 93 000 Stunden, wie es Ferdinand Cheval auf einer Tafel seines Palais verzeichnet hat.

Und schalkhaft fügte er noch an, wer hartnäckiger sei als er, solle sich doch gleich an die Arbeit machen.

Ferdinand Cheval legte auf seiner Briefträgertour täglich zwischen 30 und 43 km zurück, „bei Schnee oder Eis oder blühenden Landschaften“, wie er rückblickend schrieb – in einer Gegend, die wegen der rauhen Winter auch „terres froides“ genannt wird.  Während er die Post zu den oft abgelegenen Gehöften brachte,  träumte er davon, „einen märchenhaften Palast jenseits aller Vorstellungskraft“ zu erbauen. Der -im wahrsten Sinne des Wortes-  Anstoß, diesen Traum zu verwirklichen, war nach seinen Angaben ein „bizarrer und pittoresker Stein“, auf den er 1879, damals 43 Jahre alt, während seiner Tour trat. Er gab ihm den bilblischen Namen pierre d’achoppement. Heute hat dieser Stolperstein auf der Terrasse des Palais einen Ehrenplatz. [2]

Cheval begann nun, auf seinen dienstlichen Wegen markante Steine zu sammeln, sie direkt in seine Briefträger-Tasche zu stecken oder beiseitezulegen, um sie dann nach Dienstschluss mit einer einfachen hölzernen Schubkarre einzusammeln und nach Hause zurückzubringen. Das ist die „brouette bien-aimée“ aus André Bretons Gedicht über den Facteur Cheval.[3]

Hier sind es allerdings selbst geformte Zementblöcke, die er mit seiner Schubkarre transportiert.

Cheval sammelte Steine und Ideen. Eine umfassende Konzeption des Bauwerks, wie es einmal aussehen sollte, gab es nicht. „Als ich anfing, dachte ich noch nicht an solche Dimensionen“, schrieb er 1905, „aber ich fand immer etwas Neues in meinen Träumen“.[4] Es gibt aber eine Zeichnung wohl aus dem Anfang der 1880-er Jahre, in der Cheval erste Ideen für sein Palais skizzierte. Es sind sechs Blätter mit einer Länge von fast einem Meter. Die Zeichnung, von der in dem kleinen Museum der Anlage Ausschnitte abgebildet sind, zeigt unten einen kleinen Wasserlauf und oben phantasievoll gestaltete Springbrunnen.

Das Wasser spielte in den Vorstellungen Chevals eine große Rolle. Sein erstes Werk war eine mit Muscheln geschmückte Source de la vie, die er in seinem Gemüsegarten anlegte, den er zum verständlichen anfänglichen Missfallen seiner Frau zum Bauplatz machte. Als dann der Bau immer größer und höher wurde, reichte das Wasser zwar nicht mehr für anspruchsvollere Wasserspiele, aber immerhin für die Bauarbeiten. Und als das Palais fertig war, wurde zu besonderen Anlässen Wasser für kleine Wasserläufe oder Wasserfälle nach oben getragen.

Im Laufe der Zeit erweiterte Cheval sein Bauwerk immer mehr. Er fungierte damit als Architekt und verstand sich auch als solcher, obwohl er keinerlei entsprechende Ausbildung erhalten hatte: Bevor er Postbote wurde, war er als Bäcker und Tagelöhner tätig gewesen. Und das ganze Bauwerk errichtete er mit einfachsten Mitteln: Vor allem den von ihn gesammelten Steinen, Kalk und Zement. Und aus Baumstämmen baute er abenteuerliche Baugerüste zusammen.

Cheval 1890 bei der Arbeit an seinem Palais[5]

Eine örtliche Genehmigungs- und Aufsichtsinstanz gab es nicht- sonst hätte es dieses außerordentliche Palais sicherlich nie gegeben.  Es wurden aber keinerlei gravierende Baumängel festgestellt, als das Palais idéal 1969 vom damaligen Kultusminister André Malraux unter Denkmalschutz gestellt wurde.  

Man entdeckte aber dabei, dass Cheval in den Zementboden der langen Terrasse[6] Eisendrähte eingearbeitet und sie so befestigt hatte: Eine frühe Form des béton armé…  Die große „unterirdische“ Galerie[7] darunter war deshalb -wie das gesamte Bauwerk-  nie von Einsturz bedroht.

                                                           Galerie souterraine du Palais idéal 

Möglich wurde der imposante und phantasievolle Bau auch durch den Kauf mehrerer angrenzender Grundstücke. Vor allem aber durch Anregungen, die er aus Illustrierten und Postkarten bezog. Postkarten hatten damals, auch begünstigt durch die Weltausstellungen, Hochkonjunktur. Besonders beliebt waren koloniale Motive, die ferne architektonische Wunderwerke wie Moscheen, hinduistische und ägyptische Tempel zeigten.[8]

Postkarten aus der Sammlung Chevals (Museum)

Mehr als Lesen und Schreiben hatte Cheval in der Schule nicht gelernt, und er hatte nie größere Reisen unternehmen können. Aber er abonnierte zwei illustrierte Zeitschriften, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts großen Erfolg hatten und wesentlich zur Volksbildung beitrugen. So konnte der Landbriefträger Cheval mit seiner bescheidenen Bildung die große weite Welt, die Geschichte und die Philosophie in sein Lebenswerk einarbeiten.

Die große weite Welt, Geschichte und Religion im Palais idéal

Das Palais idéal ist ein Werk mit einer unübersehbaren universalistischen Programmatik: Mensch und Natur, verschiedene Religionen, Geschichtsepochen und Regionen stehen hier gleichberechtigt nebeneinander. Das Christentum ist zum Beispiel mit einer Marienfigur, betenden Engeln, dem Kreuz und den falschen Schlangen vertreten, auf die Eva hört.

Vor allem aber sind es exotische Bauwerke und fremde Religionen, die Cheval in sein Palais integriert.

Dies ist der Turm „de Barbarie“, ein Gebäude des Orients, wo, mit den Worten Chevals „in einer Oase Feigenbäume, Kakteen, Palmen, Aloen und Olivenbäume wachsen.“[9] In dem Turm war ein Wasserreservoir eingebaut, das dazu bestimmt war, die Source de la vie mit Wasser zu versorgen.

Das „ägyptische Grab“ ist sicherlich der spektakulärste Teil des Bauwerks. Mit den Worten  Chevals: „Mein Grab hat 10,50 Meter Höhe, 5 Meter Breite und 4 Meter Tiefe.  Ich habe 7 Jahre lang daran gearbeitet.“[10]

Ein markantes Element des Bauwerks ist auch die „Moschee“. Sie betont den universalistischen Charakter der Palais, „in dem Religionen und ganz unterschiedliche architektonische Traditionen in einem brüderlichen Geist nebeneinander stehen und miteinander harmonieren.“[11]

Der Halbmond über der Moschee

In die Nischen der Westfassade hat Cheval verschiedene architektonische Modelle aus aller Welt eingebaut: Ein Schweizer Chalet, eine mittelalterliche Burg, ein algerisches Haus…

… und einen hinduistischen Tempel.

Vorbilder können hier neben Postkarten und Illustrierten die damals sehr populären Nachbauten solcher Bauwerke auf den Weltausstellungen gewesen sein.

Die Natur: Material und Gegenstand der Gestaltung

Steine nicht nur als Baumaterial, sondern auch zur Dekoration von Fassaden zu verwenden, war gerade in der Gegend von Drôme und Ardèche durchaus üblich. Cheval steht in dieser Tradition. Er nutzte aber nicht nur verschiedene Steine als Gestaltungselemente, sondern auch Muscheln und Austernschalen, die er von einem Vetter aus Marseille bezog.

Deutlich zu erkennen ist hier, dass Cheval für viele seiner Skulpturen sorgfältig ausgewählte Steine verwendete, dass er zum Teil gar nicht selbst modellierte, sondern nur passende Steine zusammensetzte wie für das Maul des bissigen Tieres, das gewissermaßen darüber wacht, dass das Gebot, nichts anzurühren, auch eingehalten werde.

Der Körper des Kalbs ist aus flachen Steinen zusammengesetzt.

Die Harmonie zwischen Mensch und Natur

Die Lebensphilosophie von Ferdinand Cheval

Cheval hat insgesamt über 150 Inschriften an seinem Palais angebracht. Es handelt sich zum Teil um literarische Zitate, vor allem um einen Lobpreis der menschlichen Schaffenskraft – auch seiner eigenen- und um die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens.

An einer Decke, die einer barocken Rocaille-Grotte nachempfunden ist: La vie sans but est une chimère

„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“

„Indem ich diesen Felsen schuf, wollte ich beweisen, was Willenskraft möglich machen kann“.

Das Grabmal auf dem Friedhof

Cheval wäre gerne selbst in seinem Palais beerdigt worden, was die Gemeinde allerdings ablehnte. So baute er schließlich nach Abschluss der Arbeiten an seinem Palais auch noch ein eigenes Familiengrab auf dem Friedhof des Ortes. Acht Jahre war er damit beschäftigt und hatte im Alter von 86 Jahren das einem hinduistischen Tempel nachempfundene „Grabmal der Stille und der ewigen Ruhe“ (Tombeau du Silence et du Repos sans fin) vollendet.

In dem Grabmal sind auch andere Mitglieder der Familie bestattet, so seine zweite Frau Philomène und die gemeinsame Tochter Alice, die 1879 geboren wurde, im gleichen Jahr, als Cheval mit den Arbeiten an seinem Palais begann. Alice nahm als Kind freudigen Anteil an der Entstehung des Palais, das Nils Tavernier, Autor eines Buches über Cheval und des Films über ihn als „une espece de cabane pour enfants“, als eine Art Kinderhaus, bezeichnet hat.[12] Der frühe Tod  von Alice 1894 war ein schwerer Verlust für den Vater.

Großes Selbstbewusstsein

Zunächst gab es wenig Verständnis bei der Dorfbevölkerung, Cheval wurde eher für verrückt erklärt. Man hielt ihn, wie er im Rückblick schrieb, für einen „armen Irren“, einen „Idioten, der in seinem Garten Steine aufhäuft.“[13]  Bei seinen ersten Bauten vermutete man, es handele sich vielleicht um einen Kaninchenstall…   In jedem Fall muss ein Mensch, der 33 Jahre, zum Teil neben seinem höchst herausfordernden Beruf, bis tief in die Nacht an einem solchen Projekt arbeitet, eine außerordentliche Persönlichkeit gewesen sein, vielleicht mit autistischen Zügen.[14] Für Cheval  passen im wahrsten Sinne des Wortes die deutschen Ausdrücke Arbeiten wie ein Pferd (cheval) und Arbeiten wie verrückt. Jedenfalls bietet es sich offensichtlich an, sein geradezu wahnwitziges Projekt als Fall für psychologische Begutachtung zu betrachten. [15]  Aber das gilt wohl für die meisten Menschen, die Außerordentliches vollbracht haben….

Cheval hat dieses Projekt gegen alle Widerstände und Anfeindungen verwirklicht. Und er war sich sicher, dass ihm dadurch einmal Ruhm und Ehre zuteil würden. Im Palais stößt man immer wieder auf Zeichen dieses Selbstbewusstseins.

In die Säulen der Westfassade ist in großen Lettern sein Name (CH-E-V-A-L)  eingezeichnet. (In den Nischen die Architekturmodelle)

Eingang zur Galerie mit der Inschrift: Wo der Traum Wirklichkeit wird

Von großem Selbstbewusstsein zeugen auch Inschriften wie diese: Dieses Wunderwerk, auf das der Erbauer stolz sein kann, wird einzigartig im Universum sein.[16]

Hier redet sich Cheval selbst als „gigantischen Bildhauer“ an, der seinen „übermenschlichen Traum“ verwirklicht habe. „Gestern war es Mühe und Arbeit, morgen ist es der Ruhm“.

Cheval zeigte sein Wunderwerk auch gerne den Besuchern, die sich immer zahlreicher einfanden.

Er hatte für sie sogar einen festen Rundgang vorgesehen und ein Gästebuch lag aus, in das die Namen fein säuberlich eingetragen wurden.

Die Besichtigungsplattform

Cheval baute auch eine Aussichtsplattform (Belvédère),  von der aus man „die majestätische Westfassade bewundern konnte.“[17]

Die Aussichtsplattform mit der Sonnenuhr (cadran de la vie): „Jedesmal, wenn du mich betrachtest, siehst du, wie dein Leben vorbeigeht.“

Vom Belvedere aus hat man einen schönen Blick auf die gesamte östliche Fassade…..

… und dabei auch auf die „drei Giganten“: Caesar, Vercingetorix und Archimedes“. Gewidmet im Jahr 1899 -mitten im Zeitalter von Nationalismus und Imperialismus- der „Brüderlichkeit zwischen den Völkern“.

Und darunter eine ägyptische Mumie mit der Aufschrift: „Den großen Männern. Die dankbare Menschheit“ – eine universalistische Umformung der Inschrift auf dem Pantheon von Paris: „Den großen Männern. Das dankbare Vaterland“.

Nachwirkung 

Zunächst war das Palais idéal eine eher lokale Sehenswürdigkeit. Nach der Jahrhundertwende gab es allerdings schon Berichte in der überregionalen und internationalen Presse, es gab Postkarten und Bilder des Bauwerks. Und es gab 1904 einen Dichter aus Grenoble, Emile Roux Parassac, der dem Facteur Cheval das Gedicht „ton Idéal, ton Palais“ schickte, das dem entstehenden Bauwerk seinen Namen gab. Aber die etablierte Kunstwelt rümpfte noch die Nase. Das änderte sich erst in den 1930-er Jahren, als die Surrealisten, die in dem Palais einen traumhaften Bau sehen, der sich der herrschenden akademischen Kunstauffassung entziehe. Allen voran war es André Breton, der das Palais entdeckte und Cheval ein Gedicht widmete. Und er begeisterte den damals ganz in der Nähe in Saint Martin d’Ardèche wohnenden Max Ernst für das Palais.

Die Collage Max Ernsts zum Facteur Cheval (Peggy Guggenheim Sammlung, Venedig) stammt aus dem Jahr 1932.[18]  Zur Faszination, die das Palais idéal auf Max Ernst ausübte, trug vielleicht auch die große Bedeutung bei, die Vögel in seinem Werk und dem von Cheval spielen.  Insofern bezieht sich nicht nur der Briefumschlag in der Collage auf Cheval, sondern wohl auch die Gestalt mit dem Vogelkopf.

Max Ernst bei einem Besuch des Palais mit seiner zweiten Frau, Dorothea Tanning, im Jahr 1950.[19]

1937 besuchte Picasso in Begleitung von Paul Eluard und Dora Maar das Palais idéal und widmete ihm ein ganzes Heft mit Zeichnungen. [20]

Paul Eluard und Pablo Picasso 1937 am Entrée d’un palais imaginaire

Dass Cheval als Pferd mit der Aufschrift PTT (Abkürzung der französischen Post) dargestellt ist, erscheint wenig originell, eher schon, dass das Pferd mit einem Vogelkopf ausgestattet ist. Auch hier also ein Hinweis auf die Bedeutung der Vögel im Palais idéal.

Die Fotos, die Dora Maar bei diesem Besuch von dem Bauwerk machte, sind derzeit in dem zur Anlage gehörenden Atelier ausgestellt.

Dora Maar, Foto von der Galerie (galérie souterraine)

Eine besondere Bewunderin Chevals war Niki de Saint Phalle. In einem Brief an Jean Tinguely schrieb sie:  „Ich habe dir von Gaudi und dem Facteur Cheval erzählt, die ich entdeckt und zu meinen Helden gemacht habe. Sie repräsentieren die Schönheit des Menschen, alleine in seinem Wahnsinn, ohne jeden Vermittler, ohne Museum, ohne Galerien. Ich habe dich dadurch provoziert, dass ich sagte, der Facteur Cheval sei ein größerer Bildhauer als du.“[21]

Zeugnis der Bewunderung Niki de Saint Phalles für Cheval ist auch ihr „Fragment de l’Hommage au Facteur Cheval“. Und dass Niki de Saint Phalle Gaudi und Cheval zusammen als ihre „Helden“ nennt, liegt insofern nahe, als es in der Tat eine strukturelle Verwandtschaft zwischen beiden gibt, was die  Unbedingtheit und Außerordentlichkeit ihrer Projekte und ihres Schaffens angeht.[22]  

Die offizielle staatliche Würdigung des Palais idéal ließ allerdings noch lange auf sich warten. Erst 1969 wurde es von dem damaligen Kultusminister Malraux unter Denkmalschutz gestellt. Während die Kultusbürokratie  das Palais als „absolut hässlich“ und als „ein erbärmliches Sammelsurium von Unsinn“ bezeichnete, sah Malraux darin das weltweit einzige erhaltene Bauwerk der „art naïf“. Die Franzosen könnten stolz darauf sein. Es wäre kindisch, es nicht zu erhalten. [23]

Inzwischen hat die Gemeinde Hauterives die Verantwortung für das Palais übernommen: Sie kann sich glücklich schätzen, einen touristischen Anziehungspunkt ersten Ranges zu besitzen, von dem die ganze Gemeinde profitiert.

Seit einigen Jahren hat sich das Palais auch der modernen Kunst geöffnet.

2022 hat zum Beispiel der Glaskünstler Jean Michel Othoniel, Paris-Besuchern bekannt durch den extravaganten Eingang zur Metro-Station Palais-Royal, das Palais ausgestaltet.[24]  Im Zentrum seiner Arbeit standen 10 gläserne Fontänen aus Murano-Glas, mit denen er auf seine Weise den Traum Chevals von dem  im Palais sprudelnden Wasser erfüllte.[25]

Im Garten des Palais steht seit 2024 ein Brunnen in Gestalt von Philomène, der zweiten Frau von Ferdinand Cheval.

Es ist ein Werk von Claire Tabouret, einem breiteren Publikum bekannt, weil sie  ausgewählt wurde, die modernen Kirchenfenster in Seitenkapellen von Notre-Dame de Paris zu gestalten. Mit dem Brunnen würdigt Tabouret eine Frau, die -wohl nach anfänglichem Zögern- ihren Mann emotional und finanziell dabei unterstützt hat, seinen Traum zu verwirklichen. Zwei Jahre nach Fertigstellung des Palais verstarb sie und hat nun ihren Platz neben dem Werk ihres berühmten Mannes.[26]

Praktische Informationen

Palais idéal du Facteur Cheval

26390 Hauterives (Drôme)

www.facteurcheval.com

Öffnungszeiten: https://www.facteurcheval.com/infos-pratiques/

In Ferienzeiten wird die Reservierung von Eintrittskarten empfohlen.

Es gibt auch eine Boutique mit Informationsmaterial und Kassetten des schönen Films von Nils Tavernier über die Entstehung des Baus. Die deutsche Version des Films (Der Palast des Postboten) wurde am 31.5.2025 im Sender One gezeigt. Er ist bis 30.6.2025 in der ARD-Mediathek verfügbar: https://www.ardmediathek.de/video/der-palast-des-postboten/der-palast-des-postboten/one/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtZGUyNGY5OWUtZGMxNy00ZWE4LWE1YmYtMDExYzVkNGZlNTlh

Nils und Tiffany Tavernier haben auch ein Buch über den Facteur Cheval geschrieben: Le Facteur Cheval: Jusqu’au bout du rêve… Flammarion 2018

Auch eine Sendung der Reihe Visites privés von Stéphane Bern (France 2) ist dem Palais idéal gewidmet: https://www.youtube.com/watch?v=SQra-ELRKxc


Anmerkungen

[1] Alle Bilder des Beitrags, wenn nicht anders angegeben, von Wolf Jöckel

[2] Nachfolgendes Bild aus:  https://aufildeslieux.fr/architextures-et-perspectives-au-palais-ideal-du-facteur-cheval/ ©K.Hibbs

[3] https://www.barapoemes.net/2025/01/andre-breton-1896-1966-facteur-cheval.html

[4] Le Palais idéal du Facteur Cheval. Connaissance des arts 899 2025, S. 17/18. Auf diese Veröffentlichung beziehe ich mich im Wesentlichen bei meiner Darstellung.

[5] Bild aus: https://fr.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Cheval#/media/Fichier:Facteur-Ferdinand-Cheval-02.jpg

[6] Bild aus: https://aufildeslieux.fr/architextures-et-perspectives-au-palais-ideal-du-facteur-cheval/

[7] Bild aus: https://aufildeslieux.fr/architextures-et-perspectives-au-palais-ideal-du-facteur-cheval/  ©Le Lab 

[8] https://www.radiofrance.fr/franceculture/le-palais-du-facteur-cheval-un-tresor-d-influences-2107760

[9] Zit. in Connaissances des arts, S. 37

[10] Connaissances des arts, S.35

[11] Connaissance des arts, S. 29

[12] https://www.pointdevue.fr/culture/cinema/le-palais-du-facteur-cheval-le-reve-dun-homme-enfant

[13] Zit. Connaissance des arts, S. 24

[14] So ein Neurologe, den Nils Tavernier im Rahmen seiner Beschäftigung mit Cheval konsultierte. https://www.pointdevue.fr/culture/cinema/le-palais-du-facteur-cheval-le-reve-dun-homme-enfant

[15] https://shs.cairn.info/revue-psychologie-clinique-2016-1-page-109?lang=fr Réalisation d’un rêve : le palais idéal du Facteur Cheval Monique Bon

Pages 109 à 121  Psychologie Clinique
2016/1 n° 41

[16] Insgesamt hat Cheval an dem Palais mehr als 150 Inschriften angebracht. Eine Auswahl bei: https://fr.wikipedia.org/wiki/Palais_id%C3%A9al

[17] Begleitendes Faltblatt des Palais idéal

[18] https://www.facteurcheval.com/musee/facteur-cheval-fac-simile/ und The Postman Cheval (1932) by Max Ernst – Artchive

[19] https://www.andrebreton.fr/work/56600100812030

[20] https://www.sciencesetavenir.fr/decouvrir/quand-picasso-retourne-au-palais-ideal-du-facteur-cheval_137471

[21] Zit in: https://fr.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Cheval

[22] Bild aus: https://www.artbasel.com/catalog/artwork/14260/Niki-de-Saint-Phalle-Fragment-de-l-Hommage-au-Facteur-Cheval  Siehe auch:

[23] Zitate aus: https://fr.wikipedia.org/wiki/Palais_id%C3%A9al

[24] Voriges Bild: Jean-Michel-Othoniel_Oriflamme-4-web.jpg (1476×1476)

[25] Nachfolgendes Bild: https://www.eventail.be/art-et-culture/expositions/jean-michel-othoniel-au-palais-ideal-du-facteur-cheval  Trésors et Fontaines © Jean-Michel Othoniel Adagp, Paris, 2022

[26] https://www.facteurcheval.com/programmation/evenements/lee-miller-claire-tabouret/

Kommentar von Ulrich Schläger:

Was wissen wir schon von den seelischen Verletzungen, der Verzweiflung, den Ängsten Ferdinand Chevals, der elf war, als seine Mutter starb, der mit 17 Jahren seinen Vater verlor, dessen einjähriger Sohn verstarb und 8 Jahre später auch seine erste Frau Rosalie Revol, die gerade mal 32 Jahre alt wurde und dann auch noch den Tod seiner 15-jährigen Tochter Alice-Marie-Philomène erleben musste. Ihm bleiben die schmerzhaften Erinnerungen und Träume einer anderen Welt, die den Tod überwindet. Diese andere Welt erscheint ihm in der Natur, die er auf seinen langen, täglichen Fußmärschen als Landpostbote durchquert und ihm mit einem Stein „von solch bizarre doch pittoresken Form“ ein Zeichen gibt. „Da die Natur die Bildhauerei übernehmen will, kümmere ich mich um die Maurerarbeit und die Architektur.“ Am Ende unsäglicher Mühen steht das Palais idéal, eine Kollage aus Bildern der Geschichte, fremder Kulturen und auch der Natur in ihren vielfältigen, auch phantastischen, Erscheinungen.

Man muss keine psychopathologische Schublade bemühen, wenn man Chevals Werk einordnen will. Man kann Chevals Werk auch als eine gigantische Kompensation seiner schlimmen Erlebnisse oder als Flucht aus diesen sehen, oder auch als Suche nach Harmonie, Ruhe und Frieden verstehen, oder aus allem zusammen. Mit derselben ungeheuren Energie, mit der er seinem Beruf nachgeht, schafft er auch sein Palais idéal. Das ist für die meisten von uns unverständlich, ja „irre“, „aber“, wie Sie lieber Herr Jöckel richtig schreiben, „gilt wohl für die meisten Menschen, die Außerordentliches vollbracht haben….“

10 Gedanken zu “Le Palais idéal du Facteur Cheval: Das phantastische und grandiose Lebenswerk eines Briefträgers

  1. Avatar von daymarpfister daymarpfister

    Im Gegenzug ein Beitrag, der vielleicht Anlass für einen Ferienausflug sein könnte, falls Euch der Weg nach Südfrankreich führt. Vor viiiielen Jahren hatte ich erstmals von diesem Briefträger gehört, inzwischen ist sein Bauwerk wohl problemlos zu besichtigen. Was Menschen nicht alles kreieren! Toll!–Gesendet mit der WEB.DE Mail App

    Like

  2. Avatar von Unbekannt Anonymous

    Bonjour Herr Jöckel,vor vielen Jahren habe ich s’en zauberhaften und träumerischen Palais du facteur Cheval besucht. Total überwältigt und auch überfordert konnte ich diese Wucht kaum verarbeiten.(Bin selber künstlerisch tätig). Nun mit ihrem fantastisch detaillierter Schilderung kann ich dies in Ruhe genießen und nochmals Revue passieren lassen. Bin eine ausgewanderte Schweizerin und lebe bei Grasse im Süden wo ich viele Inspirationen finde und sehr glücklich bin. Mit herzlichem Dank und Gruß

    esti reich

    Like

    1. Das freut mich sehr, dass Ihnen der Beitrag gefallen hat. Wir hatten das Glück, dass nur wenige Besucher da waren und wir genug Zeit und Ruhe hatten – und die braucht man unbedingt. Ein paar Tage später, an Fronleichnam, muss es ein arges Gedränge gegeben haben. Bien cordialement, auch aus dem Süden (Giens),
      Wolf Jöckel

      Like

  3. Avatar von gafep@t-online.de gafep@t-online.de

    Sehr geehrter Herr Jäckel,

    seit einiger Zeit empfange ich Ihre Beiträge, die ich mit großer Freude lese.

    Paris ist mir aus zahlreichen Aufenthalten gut vertraut.

    Der eigentliche Grund meines Schreibens ist aber die offenbar gemeinsame Wurzel in Darmstadt .

    Ich habe 1971 Abitur auf dem LGG gemacht und dann Darmstadt verlassen .

    Könnte es sein, dass es eine Begegnung gegeben hat ?

    Mit freundlichen Grüßen

    Frithjof Galley

    Like

    1. Bonjour, vielen Dank für die nette Zuschrift eines alten „Heiners“. Ich habe auch auf dem LGG Abitur gemacht, allerdings schon 1963 – da hat man sich für die Quintaner kaum interessiert – und umgekehrt. Aber im Schulhof werden wir uns wohl begegnet sein – und jetzt wieder auf dem Blog.
      Mit besten Grüßen
      Wolf Jöckel

      Like

      1. Avatar von gafep@t-online.de gafep@t-online.de

        Vielen Dank für Ihre Antwort .Ja, das LGG, das sieht schlimm aus .Jetzt wird der Max Taut – Bau wohl renoviert .

        Unsere nächste Paris-Reise steht an und in letzter Zeit habe ich Schwierigkeiten ein gutes ,seriöses Restaurant zu finden. Hätten Sie eine Tipp für uns ?

        Oder ein Tipp für einen guten Restaurant-Führer .Michelin und Pudlo traue ich schon länger nur eingeschränkt .

        Mit besten Grüßen

        Frithjof Galley

        Like

      2. Bonjour, uns geht es da ganz ähnlich, aber leider können wir nicht weiterhelfen. Wir versorgen uns in Paris lieber selbst mit frischen Produkten z.B. auf dem marché d’Aligre… bon courage! Wolf Jöckel

        Like

      3. Avatar von gafep@t-online.de gafep@t-online.de

        Danke für die guten Wünsche , die wie sicher brauchen können. Im Notfall werden wir eine Bouillon Chartier aufsuchen ,da weiß man ,was man bekommt und kann -zumindest bisher -.nicht viel falsch machen .

        Mit freundlichen Grüßen

        Frithjof Galley

        Like

      4. Lieber Herr Galley, Bouillon Chartier ist in der Tat empfehlenswert. Übrigens auch die Bouillon Racine im Quartier Latin; nicht nur wegen des Essens…. bien cordialement Wolf Jöckel

        Like

      5. Avatar von gafep@t-online.de gafep@t-online.de

        Vielen Dank ! Ich war schon mal im Bouillon Racine ,aber das ist bestimmt schon 20,25 Jahre her. Die aktuellen Fotos im Netz machen Appetit !

        Freundliche Grüße

        Frithjof Galley

        Like

Hinterlasse eine Antwort zu Anonymous Antwort abbrechen