Bild des Monats Februar 2026: Das Grab von Antoine-Augustin Parmentier auf dem Père Lachaise

Der Dank für die Pommes Frites gilt Antoine-Augustin Parmentier (1737 – 1813), einem französischen Pharmazeuten und Agronom, der auf dem Friedhof Père Lachaise bestattet ist. Sein Grab wird gerne von Kartoffel-Freunden und -Freundinnen geschmückt.

Denn Parmentier hatte wesentlichen Anteil daran, die Kartoffel in Frankreich, dem klassischen Land des Getreideanbaus, zu verbreiten. Ein wesentlicher Anstoß dazu waren sicherlich die im 17. und 18. Jahrhundert häufigen Hungersnöte, vor allem die „grande famine“ von 1709, der ca 600 000 Menschen zum Opfer fielen. Sicherung und Verbreiterung der Nahrungsmittelversorgung waren eine existentielle Notwendigkeit. Dass dabei die Kartoffel eine wichtige Rolle spielen kann, erfuhr Parmentier in Theorie und dann sogar am eigenen Leibe in Deutschland. Während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) war er, damals als Apotheker im Dienst der französischen Armee, nämlich längere Zeit in Deutschland. In Frankfurt am Main hatte er Kontakt zu dem Naturforscher Christian Friedrich Meyer, der ihm sogar seine Tochter zur Frau geben wollte, sofern er sich hier niederlassen würde. Parmentier kehrte jedoch nach Frankreich zurück. Erneut in Deutschland, lernte er dann als Kriegsgefangener in Westfalen den Kartoffelanbau auch in der Praxis kennen. Den hatte Friedrich der Große mit Hilfe seiner „Kartoffelbefehle“ schon seit 1746 in Preußen durchgesetzt. Über seine entsprechenden Erfahrungen als Kriegsgefangener schrieb Parmentier: „Während mehr als 14 Tagen waren Kartoffeln meine einzige Ernährung, aber ich fühlte mich dabei nicht ermüdet und nicht unwohl“.

Parmentier überzeugte sich von dem Potential der Kartoffel und gewann 1771 mit ihr den Preis der Akademie zu Besançon zur Untersuchung von Nahrungspflanzen, die in Zeiten einer Hungersnot genutzt werden könnten. Zur allgemeinen Akzeptanz der Kartoffel war es aber noch ein beschwerlicher Weg, den Parmentier aber mit großer Energie beschritt. Es gelang ihm sogar, Marie Antoinette und König Ludwig XVI. für die Kartoffel zu begeistern: Am Saint Louis-Feiertag 1786 überreichte er dem König in Versailles einen Strauß Kartoffelblüten. Eine steckte der König in sein Knopfloch, eine andere Marie-Antoinette in ihr hochgetürmtes Haar: Eine neue Mode war kreiert. Dazu überließ Ludwig XVI. Parmentier auf einem sandigen Militärgelände im Westen von Paris einen Acker als Versuchsfeld für den Kartoffelanbau: Die Metrostation „Les Sablons“ der Linie 1 erinnert noch daran.

Übrigens soll Ludwig XVI. Soldaten abgestellt haben, um die Kartoffelfelder von „Les Sablons“ zu „bewachen“. Er habe damit erreichen wollen, dass die Bauern die offensichtlich wertvollen Kartoffeln von den Feldern stehlen. So soll es ja vor ihm schon Friedrich der Große gemacht haben, um die Vorbehalte seiner zögerlichen Bauern zu überwinden.

Heute ist Frankreich nach Deutschland und Polen das drittgrößte „Kartoffel-Land“ der EU, und der Name Parmentier ist bekannt und populär. Ein verbreiteter Kartoffelauflauf – im Allgemeinen mit Rindfleisch – siehe Foto) ist nach ihm benannt. Manchmal, wenn bei uns „schnelle Küche“ angesagt ist, gibts auch den Kartoffelauflauf mit Ente (Parmentier de canard)….

Und wenn auf der Speisekarte potage parmentier steht, wie bei dem Petit Bouillon Pharamond in Paris, dann weiß zumindest jeder französische Gast, dass es sich um eine Kartoffelsuppe handelt.

Selbst in deutschen Supermarktregalen findet man Produkte, die an Parmentier erinnern:

Aber Parmentiers Verdienste und Tätigkeiten beschränkten sich nicht auf die Kartoffel. Er beschäftigte sich auch mit Zucker und stellte Weinsirup her, den er im ganzen Land bekannt zu machen suchte. Daran erinnert ein Relief auf seinem Grabdenkmal.

Ursprünglich war es von einem mit Kartoffeln bepflanzten Beet umgeben. Das gibt es jetzt nicht mehr. Aber dafür gibt es ja die Kartoffeln auf dem Denkmal…

Ludwig XVI. beglückwünschte übrigens Parmentier zur erfolgreichen Einführung der Kartoffel in Frankreich. Das Land werde ihm einmal dankbar dafür sein „das Brot der Armen“ erfunden zu haben. Die pommes frites wurden erst später „erfunden“, aber ohne Parmentier gäbe es sie nicht…

Das Grab Parmentiers befindet sich in division 39, allée P. Reste.

4 Gedanken zu “Bild des Monats Februar 2026: Das Grab von Antoine-Augustin Parmentier auf dem Père Lachaise

  1. Avatar von Unbekannt Anonymous

    Antoine Augustin Parmentier förderte nicht nur den Anbau von Kartoffeln. Er war angesichts der untragbaren Mängel der Versorgung der verwundeten Soldaten  während des Siebenjährigen Krieges maßgeblich an der Erneuerung und effektiven Reorganisation des Sanitätsdienstes der Armee und Marine sowie mit der Stärkung und Autonomie der Rolle des Apothekers beteiligt. Er war ein unermüdlicher Kämpfer bei der Verbesserung der Hygiene und Ernährung und achtete sowohl bei der Lieferung als auch bei der Lagerung auf die Qualität von Fleisch, Wasser und Brot. Er befasste sich auch mit geeigneten Anbauflächen für Weizen, widmete sich der Kunst des Brotbackens und suchte nach den besten Methoden, Getreide vor Unkraut und Insekten zu schützen. Vor allem aber verfasste er zusammen mit Cadet de Vaux seinen umfassenden Backkurs Le Parfait Boulanger (Der perfekte Bäcker) und gründete 1780 die Freie Bäckerschule. Anschließend suchte er nach Alternativen zu herkömmlichem Brot, insbesondere nach Kartoffelbrot. Die Vielseitigkeit seiner Forschung reichte weit über die Lebensmittelchemie hinaus: So veröffentlichte er zusammen mit seinem Freund Nicolas Déyeux eine eingehende Studie über die Milch von Frauen, Stuten, Esel, Schafen, Ziegen und Kühen, dann eine Abhandlung über die Analyse des Blutes, um nach modernen chemischen Erkenntnissen und durch genaue Experimente die Natur der Veränderungen zu bestimmen, die das Blut bei entzündlichen, fieberhaften, fauligen Krankheiten und bei Skorbut erfährt, für den Offiziere und Soldaten einen so hohen Preis bezahlt haben. Seine Arbeit über die medizinischen Eigenschaften von Sauerstoff aus dem Jahr 1800 war bahnbrechend. Im selben Jahr veröffentlichte er einen Bericht über Jauchegruben und Methoden zur Vermeidung der damit verbundenen Probleme. 1787 untersuchte er die Gewässer der Seine und vollendete zusammen mit Chaptal, Cadet de Vaux und anderen den von Abbé Rozier begonnenen umfassenden Kurs über Landwirtschaft. Er suchte nach Lösungen zur Konservierung von Lebensmitteln und untersuchte die Vorteile des Salzens, Marinierens und Räucherns von Fleisch sowie des Trocknens und Einfrierens von Lebensmitteln (1788). Erwähnenswert sind auch seine Versuche mit Mutterkorn, über die Gefahr der Aufbewahrung säurehaltiger Lebensmittel in glasierten Steingutgefäßen, da dabei giftiges Blei freigesetzt wird, und im selben Jahr über die Herstellung von Salpeter.

    Ulrich Schläger

    Literaturquelle: Ivan Ricordel Antoine Augustin Parmentier (1737-1813) : pharmacien militaire, humaniste et savant. Revue d’Histoire de la Pharmacie Année 2014 383 pp. 319-336

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  2. Avatar von Unbekannt Anonymous

    hochinteresser Artikel. Ich kannte zwar den Erfinder, habe aber nicht gewusst, dass er in Deutschland die Kartoffel als wichtiges Nahrungsmittel entdeckt hatte.
    merci

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