Der „Aufenthaltszug“: abenteuerliche Erfahrungen mit der Bahn zwischen Paris und Frankfurt

„Wenn einer eine Reise tut, da kann er was erleben“. So lautet ein Sprichwort, das wunderbare Reiseerlebnisse verheißt. Ist man aber regelmäßig mit der Bundesbahn/der SNCF zwischen Frankfurt und Paris unterwegs, ist man geneigt, das Sprichwort auch als Drohung zu verstehen: Da kannst du was erleben!!! Und da kannst du auch was erzählen. Aber ich will die Leserinnen und Leser dieses Blogs nicht mit den üblichen Geschichten über Verspätungen und Zugausfälle langweilen. Und ich will mich nicht nur beklagen. Denn die Fahrten, die sonst doch nur Routine wären, bieten immer wieder Gesprächsstoff und bei allen Problemen manchmal auch interessante und positive Überraschungen.

Zum Beispiel Nachhilfe in Landeskunde: Wenn also der ICE auf dem Weg von Paris nach Frankfurt es nur bis Saarbrücken schafft und man dann aufgefordert wird, in einen bereitstehenden Flix-Train umzusteigen. Der tuckert durch schöne Pfälzer Landschaften, durch Weinberge, entlang der Nahe,  und er hält an Bahnstationen, deren Namen man noch nie gehört hat…

Oder wenn im jetzt zu Ende gehenden Jahr wegen der Generalsanierung der Direktverbindung Frankfurt – Mannheim der Zug -wie früher- über Darmstadt mit seinem schönen Jugendstilbahnhof fährt. Für meinen Vater, ein begeisterter Darmstädter „Heiner“, war es ein großer Schock, als der Zug Frankfurt – Paris nicht mehr in Darmstadt Halt machte. Er erzählte auch gerne die Anekdote des Darmstädter Stationsvorstehers, der die ankommenden Fahrgäste auf gut hessisch mit einem kräftigen „Station Dammstadt“ begrüßte. Der volksnahe Großherzog Ernst Ludwig habe ihn bei Gelegenheit freundlich darum gebeten, doch das R nicht zu vergessen, was der gute Mann auch brav befolgte: Das nächste Mal also: StaRRtion Dammstadt… Jetzt hatte immerhin wenigstens der Sohn die verspätete, wenn auch nur zeitlich begrenzte Genugtuung ausgiebiger (allerdings nicht offizieller) Fahrtpausen in „Dammstadt“.

Es hat auch durchaus etwas Gutes, wenn der ICE ein technisches Problem hat und deshalb (nach kräftig verspäteter Abfahrt) nur mit angekündigten maximal 200 km (tatsächlich eher weniger als 150 km) durch Frankreich fahren kann. Denn es gibt mir immer einen Stich, wenn der Zug (ICE oder TGV) mit über 300 Sachen durch die Champagne rast und dann in gefühltem S-Bahn- Tempo gemütlich den Pfälzer Wald durchquert. Stolz verkündete kürzlich die Bundesbahn, dass nach der Generalsanierung der Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim sogar Tempo 160 möglich sei!- allerdings nur an einzelnen Abschnitten….

Aber jetzt endlich etwas zu dem Bild von dem „Aufenthaltszug“! Wer hätte denn gedacht, dass die Probleme der Bundesbahn auch der Wortschatzerweiterung dienen können.

Den „Aufenthaltszug“ gibt es zwar bei der Bundesbahn, aber (noch) nicht im Duden. Tippt man das Wort in der neuesten Online-Ausgabe ein, erhält man als Antwort eine Frage:

Meinten Sie AufenthaltsortAufenthaltsdauer oder Aufenthalt?

Dass der Duden hier passt, kann ich verstehen. Denn eigentlich ist ja ein Zug fürs Fahren da und nicht für einen Aufenthalt. Insofern ist der „Aufenthaltszug“ ein in sich widersprüchliches Wortkonstrukt. Aber für die Bundesbahn ist er eine (wohl auch nicht erst ganz neue) Realität, wie wir am eigenen Leibe erfahren haben. Da kam auf dem Weg nach Paris in Saarbrücken die Durchsage, der Zug -wieder ein ICE-  könne wegen technischer Probleme die Fahrt nicht fortsetzen. Die Fahrgäste müssten auf den nachfolgenden Pariszug warten, dürften aber so lange in dem zum Aufenthaltszug umfirmierten Pannenzug bleiben – immerhin war es Winter und ziemlich kalt. Wir konnten uns etwas mit dem ausgesprochen netten Zugführer unterhalten, der gerne nach Paris weitergefahren wäre – er sprach auch perfekt französisch. Er erklärte uns, dass die Bundesbahn im Zuge ihrer früheren Privatisierungsstrategie nicht nur notwendige Investitionen unterlassen, sondern auch Bahnhöfe -u.a. den von Saarbrücken- verkauft oder verpachtet habe. Seitdem gäbe es keinen warmen Wartesaal mehr, dafür aber jetzt einen Aufenthaltszug.  Wie schön! Und für den etwa vierstündigen Aufenthalt im Aufenthaltszug bekamen wir sogar von der Bahn ein kleines Fläschchen Wasser spendiert…. Die netten Inder in unserem Abteil hatten allerdings nichts davon. Das in Frankfurt wohnende Ehepaar hatte die Eltern, die gerade zu Besuch aus Indien gekommen waren, für einen Tag nach Paris eingeladen. Damit war’s nun nichts mehr. Also keine vier Stunden Aufenthaltszug, keine „ville lumière“, keine „schönste Avenue der Welt“, kein Eiffelturm, keine Seine-Rundfahrt, keine Notre-Dame, sondern mit dem nächsten Zug zurück nach Frankfurt…

Wenn einer eine Reise  tut…

Aber da will ich dann doch noch von unserem letzten Eisenbahnabenteuer berichten: Der Zug von Paris nach Frankfurt sollte am 18.8. um 7.07 Uhr in Paris-Est losfahren. Am Abend vorher rief ich gegen 22.30 Uhr vorsichtshalber nochmal die Seite des Bundesbahn-Internetportals auf, in der meine Fahrkarten gespeichert und aktuelle Informationen zu den Fahrten verzeichnet sind. Und da fand ich die Meldung, dass der Zug ersatzlos gestrichen sei. Wir könnten aber ohne Mehrpreis einen anderen Zug wählen. Das Gleiche war uns einige Wochen vorher schon einmal passiert, wir hatten den nachfolgenden 9.55-Zug gewählt und es gab damit keine Probleme. Diesmal allerdings kam alles ganz anders: An der Zugangskontrolle am Bahnsteig des Pariser Ostbahnhofs wurden wir nicht durchgelassen. Wir hätten keine gültige Fahrkarte, der Zug um 7.07 sei gefahren. Ich zeigte auf meinem Handy die Information des Zugausfalls und die Aufforderung, einen späteren Zug zu nutzen.

Barsche, lautstarke Reaktion der SNCF-Dame an der Durchgangskontrolle: Unsinn! Der Zug sei gefahren. Basta! Wir sollten gefälligst zum Schalter gehen und neue Fahrkarten kaufen. Heftiger Protest unsererseits. Aufmarsch einer Polizeitruppe. Hinzukommen des Chefs des Zugbegleitpersonals. Der bedeutete uns, der Zug sei ausgebucht, aus versicherungsrechtlichen Gründen könnten wir nicht mitfahren. Neue Diskussionen. (Wir waren glücklicherweise so rechtzeitig zum Bahnsteig gekommen, dass noch Zeit bis zur Abfahrt und für engagierte Wortwechsel war). Schließlich dann doch ein „Vorschlag zur Güte“: Er würde uns freundlicherweise mitfahren lassen gegen die Ausstellung von zwei Platzkarten zum Preis von 70 Euro. Wo plötzlich die freien Plätze herkamen, war nicht ersichtlich, warum wir 70 Euro (für den Kooperationspartner SNCF) zahlen sollten, wo doch die Bundesbahn ausdrücklich die Kostenfreiheit aller alternativer Züge betont hatte, auch nicht. Aber besser so, als ein späterer Zug zum vollen Preis….

Zu Hause angekommen: Anruf beim Serviceportal der Bundesbahn. Lange Warteschleife. Dann Darstellung des Vorfalls mit dem Ziel einer Rückerstattung der 70 Euro. Weiterleitung an die Beschwerdestelle. Eine höchst ruppige Dame am Apparat: Es wäre unsere Pflicht gewesen, uns zeitnah nochmals zu informieren, ob nicht der (22.30 Uhr als storniert gemeldete) 7.07 Uhr-Zug nicht doch noch fahren würde. Das solle sie sich doch bitte mal, so meine empörte Antwort, konkret vorstellen. Schließlich eröffnete sie mir als Lösung die Möglichkeit, das im Internet zugängliche Antragsformular für Entschädigung auszufüllen. Ich solle den Posten Zugausfall ankreuzen und dann dazu schreiben, dass es um die 70 Euro Reservierungskosten ginge. Das Formular habe ich aufgerufen, das Kästchen Zugausfall angekreuzt, aber die Möglichkeit für eine Zusatzinformation sieht das Formular nicht vor. Also ohne Zusatz (und also auch ohne eine Kopie der Reservierungs-Rechnung abgeschickt. Eineinhalb Monate später erhielt ich ein postalisches Schreiben der offenbar hoffnungslos überforderten Abteilung Fahrgastrechte der Bundesbahn, Ausdruck von good-will (Wir kümmern uns), aber auch einer gewissen Ratlosigkeit: Ich solle doch bitte die Dauer der Verspätung unseres 7.07- Uhr- Zuges mitteilen. Immerhin hatte ich jetzt aber eine Adresse und ein Aktenzeichen und damit die Möglichkeit, mein Anliegen darzustellen… Ein beträchtlicher Aufwand für mich und die bedauernswerten Mitarbeiter/innen der Beschwerdestelle, aber nach all dem Ärger wollte ich die Sache dann doch nicht einfach auf sich beruhen lassen…

Anfang November wieder ein Brief von der Servicestelle, den ich hoffnungsvoll öffne. Aber dann traue ich kaum meinen Augen: Noch einmal das Schreiben wie das letzte Mal, auf das ich doch schon ausführlich geantwortet hatte. Diesmal Anruf beim Servicecenter. Ja, die Post von mir sei angekommen. Man benötige aber die genaue Ankunftszeit des von uns genutzten späteren Zuges. Sonst könne die Angelegenheit nicht bearbeitet werden. Möglicherweise fällt unser „Fall“ aus dem administrativen Raster und es gibt eine Entschädigung über die „Verspätungs-Schiene“…. Vielleicht als „Weihnachtsgeschenk“?

Enttäuschte Hoffnung: Ende November eine abschlägige Antwort: Da ja weder der als gestrichen gemeldete 7.07 h-Zug, der dann doch fuhr, verspätet war, noch der als Ersatz gewählte nachfolgende 9.55h-Zug: „Wir bitten um Verständnis, dass in Ihrem Fall keine Entschädigung gezahlt werden kann.“ Ich habe den Fall dann zähneknirschend auf sich beruhen lassen bzw. mich als kleine Entschädigung entschlossen, ihn dann doch wenigstens hier darzustellen….

Trotz alledem: Nach Paris und zurück fahren wir immer mit dem Zug. Wenn alles gut geht -und das ist sogar mehrheitlich so!- ist es die schnellste, bequemste, billigste und ökologischste Reisemöglichkeit… Und manchmal sogar die abenteuerlichste… Was will man mehr?

Titelbild zu der Jahreschronik 2025 von Greser & Lenz: Ist Deutschland noch zu retten?

Napoleon und David, Trump und Infantino

Am 5. Dezember 2025 fand in Washington die Auslosung für die Gruppen der Fußballweltmeisterschaft 2026 statt. Da die Weltmeisterschaft in drei Ländern, den USA, Kanada und Mexiko, ausgetragen wird, waren auch die Präsidentin Mexikos und der kanadische Premierminister nach Washington gekommen, die Statistenrollen einzunehmen hatten. Im Mittelpunkt stand nämlich, wie zu erwarten, Donald Trump. Ihm wurde an diesem Tag auch ein -extra für ihn geschaffener?- Friedenspreis des Internationalen Fußballverbandes FIFA verliehen. Oder besser: Trump, der sich ja der vielen Friedensschlüsse brüstet, die er erreicht habe, verlieh sich die Auszeichnung selbst. Jedenfalls hängte er sich eigenhändig das Band, an dem die Trophäe befestigt war, um den Hals. Und Infantino lächelt in einem Akt der Selbstunterwerfung noch dazu.

Foto: (IMAGO / Schüler / IMAGO / Marc Schueler)[1]

Vielleicht dachte Trump bei seinem eigenhändigen Vorgehen vor allem an seine Frisur, die nicht Schaden nehmen sollte. Aber wie dem auch sei: Der wohl kaum so vorgesehene Akt der Selbstermächtigung/Selbstbeweihräucherung passt hervorragend zu der hochgradig narzisstischen Persönlichkeit des amerikanischen Präsidenten.[2]

Trump hat für sein Verhalten ein Vorbild, das er vielleicht sogar als ebenbürtig anerkennen würde: Napoleon Bonaparte, der sich am 4. Dezember 1804 in der Kathedrale Notre-Dame de Paris selbst zum Kaiser der Franzosen krönte.[3]

Napoleons „Hofmaler“ Jacques Louis David hat diese Szene in einer Zeichnung festgehalten, die derzeit in einer David-Ausstellung im Louvre [4] zu sehen ist:

Foto: Wolf Jöckel

Breitbeinig und in leichter Rückenlage, den rechten Fuß vorgeschoben und mit der linken Hand ein Schwert an sich haltend, setzt sich Napoleon Bonaparte mit der hoch erhobenen rechten Hand selbst die eigens für diesen Anlass angefertigte Krone auf.[5]

Der Pariser Hofjuwelir Marie-Étienne Nitot hatte die Kaierkrone nach antiken und frühmittelalterlichen Vorbildern hergestellt, sah sich Napoleon doch in der Nachfolge der römischen Kaiser und Karls des Großen. Die Krone war bis zum spektakulären Einbruch in den Louvre in der Apollo-Galerie ausgestellt, wurde deshalb auch Krone Karls des Großen/Charlemagne genannt. Allerdings haben die Diebe sie bei ihrer Flucht verloren oder weggeworfen, so dass sie nicht für die Öffentlichkeit verloren ist…  

Hinter dem bewaffneten und mit Lorbeerkranz als Held gefeierten Napoleon mit aufgeplustertem Gewand sitzt schmächtig und in sich gekehrt der Papst, als habe er mit dem Geschehen vor ihm nichts zu tun: Zwischen ihm und Napoleon gibt es keine Verbindung von Blicken und Gesten.

Allerdings war die Selbstkrönung nicht, wie es manche Napoleon-Legenden suggerieren, eine spontane Handlung, sondern vielmehr zentraler Teil eines in den historischen und internationalen Kontext eingebetteten hochsymbolischen und minutiös orchestrierten Aktes. Es ging darum, Napoleons Kaisertum einerseits als Abkehr von der Ordnung des Ancien Régimes zu darzustellen, andererseits ihm durch die Krönung aber auch einen legitimen Platz in der monarchistisch geprägten europäischen Staatenordnung zu sichern. Weiterhin ging es darum, das Kaiserreich Napoleons einerseits als Bruch mit den terroristischen Auswüchsen der Französischen Revolution zu kennzeichnen, andererseits aber auch Napoleon als Erben der Errungenschaften dieser Revolution zu feiern. Und schließlich sollte und wollte Napoleon nicht ein Kaiser von „Gottes Gnaden“ sein, andererseits aber war ihm aber auch an einem guten Verhältnis zur katholischen Kirche gelegen, mit der er ja schon 1801 ein Konkordat geschlossen hatte. Zu all dem passte die dem Papst in dem Krönungszeremoniell zugewiesene Rolle. Und dazu passte auch der Ort der Zeremonie, nämlich Notre-Dame, auch wenn die damals arg heruntergekommen war: Aber Notre-Dame bot sich als Kompromiss an zwischen dem auch in Erwägung gezogenen republikanischen Marsfeld und dem royalen Reims oder Saint-Denis mit seinen wenige Jahre zuvor zerstörten königlichen Gräbern und Gabmalen. [6]

Es ist also nicht ganz zutreffend, die Selbstkrönung Napoleons als schlichten „Akt des Größenwahns“ abzutun[7]. Für Trumps „Selbstkrönung“ gilt das aber in der Tat: Niemand, auch kein Infantino, kann ihm das Wasser und auch kein Ordensband reichen….

In dem monumentalen Gemälde (6,21 x 9,79 m), das schließlich Jacques- Louis David mit seinen Gehilfen anfertigte und das heute in der Großen Galerie des Louvre hängt, ist die zentrale Krönungsszene allerdings anders dargestellt als auf der vorbereitenden Zeichnung. Da wird nicht Napoleons Selbstkrönung gezeigt, sondern die -historisch weniger aufgeladene- Krönung von Napoleons Frau Josephine durch ihren Mann. Diese Szene sollte Ausdruck der Verbindung unterschiedlicher Elemente der französischen Geschichte sein: Josephine stammte von den Antillen, war aber bei den Parisern beliebt;  sie war Witwe eines Adligen des Ancien régime, der republikanischer General wurde, dann aber dem jacobinischen Terror zum Opfer fiel; und nicht zuletzt war Josephine Mutter zweier Kinder, die Bonaparte adoptiert hatte…. [8]

© 2018 GrandPalais RMN (musée du Louvre) / Michel Urtado [9]

Es war Napoleons Wunsch, dass David die schon gemalte Selbstkrönung Napoleons durch die Krönung Josephines ersetzte. Auf dem das Geschichtsbild der Franzosen prägenden Krönungsbild wollte Napoleon dem Papst, den er doch selbst aus Rom geholt habe, dann doch nicht nur eine Statistenrolle zuweisen. So hebt dieser zur Krönung Josephines denn auch segnend die Hand.

© 2018 GrandPalais RMN (musée du Louvre) / Michel Urtado

Vielleicht ging Napoleon ja tatsächlich die Selbsterhöhung später zu weit. Von Trump ist das allerdings kaum zu erwarten….

Karikatur von Greser und Lenz. FAZ 11.12.2025


[1] https://www.deutschlandfunk.de/menschenrechtsorganisation-reicht-beschwerde-gegen-infantino-ein-100.html

[2] Nachfolgendes Bild aus: https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/erniedrigendes-verhalten-friedenspreis-f%C3%BCr-trump-us-pr%C3%A4sident-h%C3%A4ngt-sich-medaille-selber-um/ar-AA1RPn0k

[3] Den Bezug stellte schon die FAZ am 8.12.2025, S. 24 her: Der Sieger, das bin ich

[4] https://www.louvre.fr/expositions-et-evenements/expositions/jacques-louis-david Bis 26. Januar 2026

[5] Nachfolgendes Bild aus https://www.wikiwand.com/de/articles/Kaiserkrone_Napoleons_I.

[6] Siehe dazu im Einzelnen: Günter Desterle Die Kaiserkrönung Napoleons Eine ästhetische und ideologische Instrumentalisierung. https://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/opus4/frontdoor/deliver/index/docId/65203/file/Oesterle_1995_Napoleon.pdf

[7] Sven-Felix Kellerhoff, Napoleons Selbsterhöhung ging ihm später selbst zu weit. In: Die Welt vom 16.12.2024

https://www.welt.de/geschichte/article254655096/Napoleon-in-Notre-Dame-Seine-Selbsterhoehung-ging-ihm-spaeter-selbst-zu-weit.html

[8] https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010065720

[9] Nachfolgende Bildausschnitte aus: Le Couronnement de l’empereur Napoléon Ier et de l’impératrice Joséphine dans la cathédrale Notre-Dame de Paris, le 2 décembre 1804. – Louvre site des collections https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010065720

Bild des Monats Dezember 2025: Der Super-Vollmond über den Dächern von Paris

Der Dezember-„Supermond“ des Jahres 2025, aufgenommen am 5. Dezember um 8 Uhr an der Métro-Station Voltaire/place Léon Blum im 11. Arrondissement von Paris. Im Vordergrund ein sogenannter Kandelaber Dervaux. Diese lösten in den 1920-er Jahren die Jugenstil-Lichter Hector Guimards ab. Foto: Wolf Jöckel

Der nächste „Supermond“ wird am 24. Dezember 2026 zu sehen sein….

Paris in der Vorweihnachtszeit: Illuminationen und Dekorationen

Paris nennt sich -seit der Weltausstellung von 1900- gerne Ville lumière, Stadt des Lichts. Verglichen mit New York war das damals etwas schmeichelhaft: Noch nicht einmal in dem für die Weltausstellung errichteten Grand Palais gab es damals elektrisches Licht. Heute, in der Vorweihnachtszeit, hat der Ausdruck aber seine volle Berechtigung.  Da strahlt und leuchtet die ganze Stadt.

Bekannt sind ja die jährlich neuen vorweihnachtlichen Illuminationen der Champs-Élysées, der -so das französische Selbstverständnis- „schönsten Avenue der Welt“.

Aber auch andere, weniger prominente Pariser Straßen zeigen sich in festlicher Beleuchtung:

Die rue Saint-Louis en l’Île

Im Hintergrund die Juli Säule auf der place de la Bastille mit dem Genius der Freiheit.

Auch die meisten Einzelhändler knausern nicht mit der Beleuchtung.

Markthalle des marché d’Aligre im 12. Arrondissement

„Unser“ Metzger in der rue de la Roquette (11. Arrondissement)

Sehr verbreitet ist es auch, die Schaufensterscheiben mit gemalten oder aufgeklebten weihnachtlichen Motiven zu schmücken.

Auch öffentliche Gebäude werden aufwändig illuminiert wie hier das Rathaus des 11. Arrondissements:

Am benachbarten Place Léon- Blum hat man sogar einen kleinen weihnachtlichen „forêt urbaine“ geschaffen:

Wirtschaftliche oder ökologische Bedenken gibt es da nicht –  der Strom ist in Frankreich vergleichsweise günstig und -nachdem einige wegen Reparaturarbeiten abgeschaltete AKWs wieder am Netz sind- so reichlich, dass man ihn sogar mit stolzem Gewinn ins Ausland -zum Beispiel nach Deutschland- liefern kann…

Es blinkt und glitzert also überall in Paris:

Mit farbigem Licht angestrahlte Fassade der Philharmonie de Paris

Blick von der Fondation Louis Vuitton auf den von tausenden japanischen Lampions beleuchteten jardin d’acclimatation.

Einen besonderen Aufwand bei der vorweihnachtlichen Beleuchtung betreiben die großen Pariser Kaufhäuser. Hier einige Eindrücke von dem Bon Marché, dem Samaritaine, dem Au Printemps und dem Lafayette.

Le Bon Marché

Zuerst geht es zum Le Bon Marché. Immerhin ist es das älteste Kaufhaus von Paris, ja der Welt!

Dass dieses Kaufhaus zu einem Vorbild für spätere Nachfolger und Nachahmer wurde, ist den vielen Neuerungen zu verdanken, die der Gründer des Bon Marché, Aristide Boucicaut, einführte, um Kundschaft anzuziehen.

Dazu gehörten auch die besonderen Schaufensterdekorationen in der Weihnachtszeit. Sie waren auch und vor allem für Kinder gedacht, für die kleine Podeste aufgebaut wurden.

Das damals völlig Neue und Sensationelle dabei war, dass die Schaufensterfiguren beweglich waren. So auch die Hasen, die in diesem Jahr Leitmotiv der Dekoration im Bon Marché sind. Hier sind sie gerade am Stricken.

Und hier reiten sie auf fliegenden Karotten durch die Luft.

Und es wird dann auch gleich für passende Produkte geworben: Karottensuppe, Karottenkonfitüre, Karottensaft. Das passt immerhin.

Aber auch andere Produkte des Hauses werden von Hasen präsentiert: Vielleicht ein kostensparendes Recycling von Osterhasen einer früheren Präsentation?

Le Bon Marché 24, rue de Sèvres, 75007

La Samaritaine

Das Kaufhaus La Samaritaine an der Seine, ein architektonisches Art déco-Juwel, schmückt sich zu Weihnachten eher zurückhaltend.

Ich finde das aber sehr passend, weil so die Schönheit des Gebäudes nicht hinter einer aufwändigen Dekoration verschwindet.

Und ganz oben unter dem gläsernes Dach gibt es ein schönes und im Allgemeinen auch ruhiges Café, in dem man sich etwas von dem Pariser Weihnachtstrubel erholen kann.

La Samaritaine 9 rue de la Monnaie, 75001 Paris.

La Fayette

Die Schaufensterdekorationen des La Fayette fanden wir wenig attraktiv.

Hier wird das Büro des Weihnachtsmanns präsentiert, der die Bestellungen für Geschenke entgegennimmt und registriert.

Aber natürlich lohnt es sich, hoch unter die Kuppel zu fahren, die wie jedes Jahr besonders aufwändig dekoriert ist.

Galeries Lafayette Paris Haussmann 40, Boulevard Haussmann 75009 Paris

Au Printemps

Das benachbarte Kaufhaus Au Printemps hat seine diesjährige Weihnachtsdekoration unter das Motto „Weihnachten in New York“ gestellt.

Das ist recht originell: Hier können Kinder beispielsweise im Foyer des Hauses in ein Auto steigen und sozusagen durch New York fahren.

Auch in den Schaufenstern ist New York Hintergrund der Dekorationen und beweglichen Präsentationen.

Dazu gibt es auch die passende Musik.

Natürlich geht es in erster Linie nicht um Unterhaltung, sondern um Werbung für die Produkte des Hauses: Kinder als zukünftige Kunden…

Hier präsentiert die fesche kleine Maus eine schicke Tasche.

Innen kann man dann diese Tasche von Hermès bewundern: „Constance“ aus Krokodilleder (Varanus Niloticus) für 20. 000 Euro….

Die Kinder freuen sich aber über die lustigen Schaufenstertiere.

Und dann gibt es ja auch hier noch die festliche Kuppel mit Weihnachtsbaum -geschmückt mit New York-Motiven…

… und natürlich die Terrasse mit einer kleinen Eislaufbahn für Kinder und einem wunderbaren Blick über die Stadt.

Printemps Haussmann 64 Boulevard Haussmann, 75009 Paris

Allen Leserinnen und Lesern des Blogs wünschen wir eine gute Vorweihnachtszeit mit vielen hellen Lichtern.

Jean Nouvels neue Fondation Cartier – ein weiteres grandioses Zentrum zeitgenössischer Kunst in Paris

Paris verfügte schon bisher über ganz außerordentliche Orte zur Präsentation moderner/zeitgenössischer Kunst. Man denke nur an das Centre Pompidou, das Musée d’Art moderne de la ville de Paris, und natürlich an die wunderbaren privaten Ausstellungsorte: Die Bourse de Commerce, in der François Pinault „die Werke einer der wichtigsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst der Welt“ ausstellt[1], und die Fondation Louis Vuitton von Bernard Arnault, dem Besitzer des Luxuskonzerns LVHM und einem der reichsten Männer der Welt. Der kann es sich auch leisten, dort die bisher umfassendste und schönste Ausstellung der Werke Gerhard Richters zu präsentieren[2].

Jetzt hat Paris seiner „Kulturkrone“ einen weiteren funkelnden Edelstein hinzugefügt: Das Ausstellungsgebäude der Fondation Cartier mitten in Paris, im Zentrum des gesellschaftlichen, künstlerischen, politischen Lebens der Stadt, ja des Landes. Allein die Adresse ist ein Ausrufungszeichen: 2, place du Palais Royal. Es ist ein monumentales, ein ganzes Straßenareal ausfüllendes Bauwerk, an der Pariser Ost-West-Achse rue de Rivoli gelegen, gegenüber dem Louvre, dem Kultusministerium, der Comédie Française und, natürlich, des Palais Royal mit dem Conseil d’État [3].

Das Ausstellungsgebäude im Haussmann-Stil an der Place du Palais Royal. Bild: © Luc Boegly[4]    

Der fünfstöckige, 153 Meter lange und bis zu 58 Meter breite Riese aus hellem Kalkstein wurde 1854/55 im Hinblick auf die unmittelbar bevorstehende Weltausstellung aus dem Boden gestampft. Das Hôtel du Louvre bildete mit 1200 Zimmern eine Miniaturstadt und bot seiner kosmopolitischen Klientel neben Wasserklosets auch Luxusboutiquen unter den ringsumlaufenden Arkaden. Eine dieser Boutiquen, die Galeries du Louvre, wuchs sich zum -laut Werbung- ‚größten Warenhaus der Welt‘ aus und verdrängte, inzwischen umfirmiert zu Grands Magasins du Louvre, 1887 gar das Hotel aus den Mauern.[5] Die Grands Magasins du Louvre waren neben dem noch älteren Kaufhaus Bon Marché Vorbild für die späteren großen Kaufhäuser in aller Welt und für Zolas Roman Au bonheur des dames/Das Paradies der Damen.  

1978 allerdings musste das Kaufhaus schließen und machte Platz für das Louvre des Antiquaires.  Rund 240 Antiquitätenläden boten dort bis 2019 Kunstwerke aus aller Welt zum Verkauf an. 1995 hatte allerdings eine französische Immobiliengesellschaft den Gebäudekomplex erworben. Zunächst war geplant, dort ein Centre commercial der Mode einzurichten, dann hatte Dominique Perrin, Präsident der Fondation Cartier, das Gebäude als idealen Ort für einen neuen Ort für die Ausstellungen seiner Stiftung ausersehen, wobei zunächst nur daran gedacht war, die Hälfte des Gebäudes anzumieten. Dann war es aber Jean Nouvel, der „Hausarchitekt“ der Fondation Cartier, der Perrin davon überzeugte, den gesamten Gebäudekomplex für die Stiftung zu nutzen: Insgesamt sind in das 8500 für Besucher zugängliche Quadratmeter und davon  6500 m2 Ausstellungsfläche, also fast eine Verfünffachung gegenüber des Gebäudes am Boulevard Raspail. [6]

Dafür waren allerdings erhebliche Umbaumaßnahmen erforderlich, mit denen Jean Nouvel beauftragt wurde. Der hatte schon Ende der 1990-er Jahre das erste, noch erheblich kleinere Pariser Ausstellungsgebäude der Stiftung am Boulevard Raspail konzipiert.

  © Philippe Ruault/Fondation Cartier

Dies ist das bisherige Ausstellungsgebäude Boulevard Raspail, „eines der interessantesten Bauwerke Ende des 20. Jahrhunderts,“[7] war für Nouvel sein „monument de Paris“. Es ist ein transparentes Gebäude aus Stahl und Glas, ohne feste Mauern: offen und flexibel für die Bedürfnisse der jeweiligen Ausstellungen. [8] Im Vordergrund eine Libanon-Zeder, 1823 gepflanzt von dem Schriftsteller Chateaubriand, der damals hier wohnte.

Jean Nouvel, inzwischen 80 Jahre alt und ausgezeichnet mit dem Pritzker-Preis, dem „Nobel-Preis der Architektur“, ist den Parisern wohlbekannt als Architekt der Philharmonie, des Institut du Monde Arabe und der extravaganten Duo-Türme am östlichen Stadtrand von Paris.

Jean Nouvel in dem roten Auditorium der neuen Fondation Cartier © Adrien Dirand[9]

Das für die Stiftung vorgesehene kolossale Gebäude entsprach nun allerdings ganz und gar nicht seinen Vorstellungen und dem neuen Verwendungszweck des Gebäudes. Es war weder offen, noch transparent, noch flexibel – ihm fehlte also all das, was das alte Ausstellungsgebäude am Boulevard Raspail ausgemacht hatte. Eine große Herausforderung für den Architekten.

Jean Nouvel im Rückblick: „Der Innenraum war sehr dunkel. Es galt, ihm Tiefe zu verleihen, die Höhen zu variieren und die Lichtquellen zu vervielfachen. Wir wollten eine Perspektive schaffen, die es ermöglicht, sich im Raum zu orientieren.“[10]

Nouvel öffnete also unter Bewahrung der Fassade den jetzt lichtdurchfluteten Eingangsbereich hin zur place du Palais Royal,  entkernte den Bau, legte einen 85 Meter langen Innenraum frei und konzipierte drei Glaskuppeln über den Innenhöfen mit steuerbarem Lichteinfall und Blick auf das begrünte Dach.

Bilder: Fondation Cartier/Martin Argyroglo

Außerdem schuf er fünf 200 bis 263 Quadratmeter große Plattformen, die sich mit einer für die Besucher sichtbaren Mechanik über eine Höhe von 11 Metern anheben oder absenken lassen.

Man hat deshalb das Gebäude einen „flexiblen Maschinenraum“ genannt.[11] Assoziationen an die Hebebühnen des Theaters liegen nahe, vielleicht hat es aber auch -so Le Monde- Anleihen bei der Militärtechnik gegeben. [12]

Jean Nouvel zu der so ermöglichten Flexiblität der Ausstellungsflächen:

„In diesem Bauwerk, von dem aus dem 19. Jahrhundert nur noch die charakteristische Fassade und einige strukturelle Elemente erhalten sind, befindet man sich in einer industriellen Kathedrale mit seltener Größe und sehr großen Spannweiten. Es strahlt eine sehr starke Kraft aus. Seine fünf Stahlplattformen, deren Beweglichkeit man sehen kann, stehen in völligem Kontrast zur Haussmann’schen Architektur des Äußeren. Es ähnelt einem Super-Theater, in dem man sehr schwere Böden anhebt. Diese Innovation ist nicht nur funktional oder szenografisch. Für mich ist sie architektonisch, in dem Sinne, dass sie dynamisch wird. Die Innovation besteht darin, dass man über alle möglichen Höhenverstellungen und alle diese Lichter mit variabler Intensität bis hin zur völligen Dunkelheit verfügen kann, je nachdem, wie weit die Glasdächer und Seitenfenster geschlossen sind. Die Fondation Cartier wird wahrscheinlich die Institution sein, die die größte Differenzierung ihrer Räume, die meisten Ausstellungsmöglichkeiten und die meisten Blickwinkel bietet. Die Leistungsfähigkeit der Plattformen ermöglicht es, sehr schwere Werke aufzunehmen und sie auf völlig neue Weise aufzuhängen. Hier kann man, indem man das Ausstellungssystem verändert, Dinge tun, die anderswo nicht möglich wären.“[13]

Was die Umbaukosten für das auf Dauer angemietete Gebäude angeht, hüllt sich die Fondation in vornehmes Schweigen. Es sollen aber zwischen 225 und 245 Millionen Euro gewesen sein.[14] Aber anders als bei staatlichen Kultureinrichtungen, selbst sogar dem Louvre auf der anderen Straßenseite, spielt Geld hier wohl keine Rolle. Denn wenn auch der französische Staat unter seiner Schuldenlast ächzt, die französische Luxusindustrie floriert nach wie vor, und Pinault, Arnault und Cartier stellen das auch ostentativ zur Schau. So musste Nouvel nicht kleckern, sondern konnte klotzen.

Besonders wichtig und typisch für ihn waren „die vielen Durchblicke,“[15] die der neue Bau ermöglicht. Da gibt es die sieben Meter hohen Rundbogenfenster, die früheren Schaufenster, durch die Passanten Einblicke in die Ausstellung haben und durch die die Ausstellungsbesucher nach draußen sehen können.

Blick nach drinnen: Die Trennung von Innen und Außen ist aufgehoben. Mit den Worten von Jean Nouvel:

„Im Erdgeschoss ist die Fassade entlang der gesamten Länge der Rue de Rivoli und der Rue Saint-Honoré verglast, sodass der Blick von einer Straße zur anderen schweifen kann und Innen und Außen miteinander verschmelzen. Diese Transparenz der Seitenfenster bestärkt das Gefühl, im Herzen von Paris zu sein.“[16]

„Im Herzen von Paris“: rue de Rivoli

Besucher des Louvre auf der gegenüberliegenden Straßenseite

Interessierte Blicke auf das kleine Stück Amazonas im Untergeschoss des Gebäudes.

Beim Rundgang durch die Eröffnungsausstellung fällt auf, wie bedeutend der Anteil außereuropäischer, gerade auch indigener Kunst ist. Sie ist ein Schwerpunkt der Sammlungstätigkeit der Fondation Cartier.[17]

Aus der Bilderserie „Künstler des Gran Chaco“. In diesem Wald im Norden Paraquays, der von völliger Zerstörung bedroht ist, leben die autochtonen Volksstämme Guarani und Nivaclé. Sie machen in ihren Zeichnungen auf die Vielfalt der bedrohten Flora und Fauna aufmerksam.

Sheroanawe Hakihiiwe gehört zur Gemeinschaft der Yamomanis in Venezuela. Mit minimalistischen Methoden stellt er Motive der ihn umgebenden Natur dar. Oben: Der Weg der Ameisen, darunter: Blatt mit Früchten.

Jivya Soma Mashe, Fischnetz (2009). Der Künstler aus dem Stamm der Warlis in Maharashtra/Indien hat eine 4500 alte künstlerische Maltradition neu belebt. Seine Szenen des Ackerbaus, der Ernte, der Tierwelt oder -wie hier- des Fischfangs sind mit Kuhdung und Acrylfarben gemalt.

Es gibt immer wieder neue Perspektiven im Innern zwischen den verschiedenen Ebenen des Gebäudes:

Eine Besuchergruppe am Fuß des Miracéus der Brasilianerin Solange Pessoa: ein in der Luft schwebender Pilz aus Stoffen und Vogelfedern ihrer Heimat.

Ron Mueck, Woman with Shopping (2013). Dahinter der obere Teile des Miracéus.

Foto: Sonia Branca-Rosoff [17a] Links an der Wand Masken aus Holz und Metall von David Hammons. Im Geschoss darunter eine Farbkomposition des Bolivianers Mamani.

Blick in das Foyer mit der Petite Cathédrale von Alessandro Mendini (2002)

Blick auf die für die Eröffnungsausstellung konzipierte dreidimensionale  Installation von Sarah Sze, speziell für die Eröffnungsausstellung in der neuen Fondation Cartier im Untergeschoss des Gebäudes aufgebaut.

Von dem oberen Geschoss kann man das Spiel der Farben und die Bewegung eines an Foucault erinnernden Pendels beobachten.

Auch das U-Boot Panamarenkos aus dem Jahr 1996 befindet sich natürlich im Untergeschoss, wo man es auf Augenhöhe betrachten kann.

Durchblicke: Baumstämme für den Küstenschutz von Saint-Malo von Raymond Haynes und Pierrick Sorin. Zum ersten Mal ausgestellt in der Fondation Cartier Boulevard Raspail 1994. Auch eine Reverenz an Chateaubriand, der in Saint-Malo aufwuchs und später auf dem Gelände der Fondation Boulevard Raspail wohnte.

Und dann gibt es auch noch die Blicke nach oben, zu den Glasdächern über den Innenhöfen, über denen Bäume wachsen…

Foto: Sonia Branca-Rosoff [17a]

Der Bau der neuen Fondation Cartier wird als eine architektonische Meisterleistung („une prouesse architecturale“), ja als Wunderwerk („une merveille architecturale“) gerühmt.[18]  Marc Zitzmann, der ebenfalls begeisterte Pariser Kulturkorrespondent der FAZ, formulierte sogar etwas salopp, Jean Nouvel hänge mit dem Bau „die Konkurrenz ab“. Dem kann ich aber nicht ganz zustimmen. Frank Gehrys Schiff mit seinen 12 aufgespannten Segeln für die Fondation Louis Vuitton, die aus dem 18. Jahrhundert stammende Getreidebörse, von Tadaō Ando wunderbar für die Pinault-Kunstsammlung umgebaut, und auch das von Renzo Piano, Richard Rogers und Gianfranco Franchini entworfene Centre Pompidou kann auch ein Jean Nouvel nicht so einfach „abhängen“.

In einem Punkt allerdings hat Nouvel Gehry und Ando in der Tat „abgehängt“: Die Ausstellungsfläche der Fondation Cartier ist mit ihren 6500 Quadratmetern deutlich größer als die der Fondation Louis Vuitton (3500 qm2) und der Bourse de Commerce (ca 3000qm2). Hinter dem Centre Pompidou mit seinen ca 7500 Metern Ausstellungsfläche bleibt sie allerdings etwas zurück.

Aber ungeachtet aller Unterschiede und „Wer ist die Schönste im Lande? –  Eifersüchteleien:  Einen weiteren Edelstein hat Jean Nouvel der Pariser Kunstkrone in der Tat hinzugefügt.

Die Eröffnungsausstellung der Fondation Cartier im neuen Domizil ist überschrieben: Exposition générale.

Das knüpft an die Zeit an, als das Bauwerk die Grands Magasins du Louvre beherbergte, die jährlich eine Exposition Générale des Nouveautés veranstalteten.[19]

In der Exposition générale der Fondation Cartier werden allerdings keine Neuheiten des Sommers gezeigt, wie hier auf dem Plakat des Kaufhauses angekündigt. Präsentiert wird eine „Auswahl ikonischer Werke“ früherer Ausstellungen, „die mehr als vierzig Jahre internationales zeitgenössisches Kunstschaffen nachzeichnet.

An der Schau beteiligt sind unter anderem die brasilianisch-schweizerische Fotografin Claudia Andujar, die kolumbianische Textilkünstlerin Olga de Amaral, der chinesische Konzept- und Performancekünstler Cai Guo-Qiang und der Japaner Jun’ya Ishigami, bekannt für seine Rauminstallationen: ein buntes Bouquet von Kunst, das einen von einer Welt in eine andere versetzt.“ [20]

Empfehlenswert ist, frei durch die Ausstellung zu flanieren. „Der Erkundungsgang macht Spaß: Es geht nach unten und nach oben (…), der Parcours führt über Endlosgänge in Sackgässchen, vom Licht ins Dunkel und vom Lauten ins Leise.“ [21]  Das Zusammenspiel von Kunst und Architektur, von Innen und Außen, von einigem Bekannten und vielem Neuen, von ganz unterschiedlichen künstlerischen Medien, von europäischer und außereuropäischer Kunst sind Garanten einer spannenden Entdeckungsreise.


Anmerkungen:

[1] https://www.pinaultcollection.com/en/boursedecommerce/deutsch  

[2] Der heilige Gerhard. So schön, so umfasend wurde sein Werk noch nie gezeigt. In: Die ZEIT, 30. Oktober 2025

[3] Zum Palais Royal siehe die Blog-Beiträge:

[4] https://www.archdaily.com/1021421/fondation-cartier-reveals-plans-to-move-into-a-historic-landmark-in-paris-reimagined-by-jean-nouvel

Alle Bilder des Beitrags, wenn nicht anders angegeben, von Frauke und Wolf Jöckel

[5] Marc Zitzmann, Neobarocke Kunstmaschine. In: FAZ vom 22. Oktober 2025.  Daraus habe ich auch den Ausdruck „Kulturkrone“ übernommen.

[6] https://medias.fondationcartier.com/fondation/documents/press/Fondation-Cartier-DP-40ANS-FR.pdf

und https://www.louvre-antiquaires.com/le-louvre-des-antiquaires-lautre-louvre-qui-faisait-battre-le-coeur-des-collectionneurs/

Die nachfolgende Abbildung stammt von der Eintrittskarte für die Ausstellung.

[7] https://paris-promeneurs.com/la-fondation-cartier-pour-l-art/

[8] https://medias.fondationcartier.com/fondation/documents/press/Fondation-Cartier-DP-40ANS-FR.pdf

[9] Dana Thomas, La nouvelle Fondation Cartier, une prouesse architecturale signée Jean Nouvel. 29. Oktober 2025  https://www.admagazine.fr/article/fondation-cartier-jean-nouvel

[10] Zit. bei Dana Thomas a.a.O.

[11] Alexandra Wach, Das neue Museum der Fondation Cartier im Herzen von Paris: Schwebend in die Zukunft. Tagesspiegel 9.11.2035

[12] Au cœur de la capitale, l’architecte a transformé le Louvre des antiquaires en jouant la carte de l’ingénierie militaire. Le Monde 25.10.2025

[13] Zit.  https://medias.fondationcartier.com/fondation/documents/press/Fondation-Cartier-DP-40ANS-FR.pdf   S. 39

[14] Zitzmann, a.a.O.

[15] Zitzmann a.a.O.

[16] Zit.  https://medias.fondationcartier.com/fondation/documents/press/Fondation-Cartier-DP-40ANS-FR.pdf  S. 38

[17]Siehe:  Fondation-Cartier-DP-40ANS-FR.pdf S. 15/16

[17a] https://passagedutemps.com/2025/11/24/fondation-cartier-premiere-visite/

[18] https://www.admagazine.fr/article/fondation-cartier-jean-nouvel, https://odyssea-paris.com/mot-motivations-fondation-cartier/ etc

[19] Abbildung aus: https://artvee.com/dl/grands-magasins-du-louvre-exposition-generale-des-nouveautes-dete/

[20] Malena Ruder, Fünf Gründe, die neue Fondation Cartier pour l’art contemporain zu besuchen

https://bellevue.nzz.ch/reisen-entdecken/kultur/fondation-cartier-in-paris-5-gruende-fuer-einen-besuch-am-neuen-standort-ld.1910015  vom 04.11.2025

[21] Zitzmann a.a.O.

Georges de La Tour. La Tour, ein Licht in unserer Dunkelheit. Ein Gastbeitrag von Sonia Branca-Rosoff

Sonia Branca-Rosoff kenne ich seit mehreren Jahren. Wir haben einiges gemeinsam:  So ist sie Mitglied des gleichen Pariser Chors, und auch sie unterhält, seitdem sie (als Linguistik-Professorin an der Sorbonne) in Ruhestand gegangen ist, einen sehr empfehlenswerten Blog mit persönlich gefärbten, sehr sachkundigen und anregenden Beiträgen:  https://passagedutemps.com/

Dazu gehört auch ihr Bericht über die Ausstellung George de La Tour. Entre ombre et lumière, die derzeit im Pariser Musée Jacquemard-André zu sehen ist.

Ich freue mich deshalb, ihren Beitrag -ins Deutsche übersetzt- in diesen Blog aufzunehmen.

Wolf Jöckel

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Auch wenn Kunsthistoriker Malraux (den französischen Kultusminister zu Zeiten des Generals de Gaulle, W.J.) kritisieren mögen, war er doch ein großartiger „Betrachter”. Auf jeden Fall hat er mir in seinem Buch Les Voies du silence beigebracht, den Maler nächtlicher Bilder zu lieben, als sich noch kaum jemand für ihn interessierte.

Gorges de La Tour ist auch für seine hellen Bilder bekannt. Es sind Szenen der Täuschung, in denen die Schönheit der Körper, die unschuldigen Gesichter und die kostbaren Gewänder nur dazu dienen zu täuschen. Keine krampfhaften Bewegungen wie bei Caravaggio, sondern eingefrorene Gesten und spähende Blicke… doch Hände bereiten sich darauf vor, eine Geldbörse zu stehlen, eine Goldkette durchzuschneiden, Gewinnkarten zu verstecken. Auch unsere Blicke werden zu Voyeuren, zu Komplizen von Dieben und Betrügern. Aber diese Bilder sind in der Ausstellung nicht zu sehen. So auch nicht das nachfolgend abgebildete: Le Tricheur à l’as de carreau (Der Betrüger mit dem Karo-Ass) aus dem Louvre.

Die Ausstellung beginnt mit Porträts armer Menschen, die er zu Beginn seiner Karriere gemalt hat. Hätte er nur die Apostel von Albi, die Vielleurs oder die vom Hunger geplagten Erbsenesser (1620) dargestellt, wäre er Velasquez oder Louis Le Nain, ein Maler der Würde der Demütigen, und das wäre schon sehr schön.

Le Vielleur au chien,  vers 1620. (Der Drehleierspieler mit seinem Hund). Musée du Mont-de-Piété de Bergues

So ist sein blinder Musiker weder erbärmlich noch grotesk, und der kleine Hund mit den flehenden Augen, der ihn führt, weckt nur noch mehr Sympathie.

Aber La Tour ist bereits der Maler des Dialogs zwischen Licht und Schatten. Und das schon sehr früh, denn „Die Frau mit dem Floh“ stammt aus dem Jahr 1632: Eine Frau, die sich entkleidet hat, um sich zu entlausen, taucht aus der Dunkelheit auf, halb beleuchtet von einer Kerze. Kein Dekor, außer einem roten Stuhl, kein Hintergrund.

La Tour hat zweifellos seine Themen und dunklen Hintergründe von Caravaggio übernommen, lehnt jedoch bereits die Farbenpracht und die Gestik der Figuren ab.

Ein Kind, ein Engel, Jesus

Die unvergesslichen Gemälde sind jedoch diejenigen, in denen der Wechsel zwischen Licht und Schatten mit der Darstellung des Unsichtbaren verschmilzt.

Das berühmteste Gemälde ist das mit dem Titel „Das Neugeborene“: Zwei Frauen schweigen, vereint in der Betrachtung des Neugeborenen. Einige Teile ihres Körpers heben sich dank des Lichts der Kerze ab, die von der Hand der älteren Frau verdeckt wird: Der Blick der Älteren ruht auf der jungen Frau. „Ist sie es, meine Tochter, die Mutter geworden ist?“ Die Augenlider der jüngeren Frau senken sich über ihr Kind. Ihre Formen sind schematisch dargestellt: die Rundungen der Schultern, der Brust, des Gesichts; der Winkel des Ellbogens und der Nase, das Dreieck des bestickten Saums des Hemdes. Die Farben sind auf jeder Ebene gleichmäßig verteilt. Rot umhüllt den Körper, und das Baby ruht auf dem pyramidenförmigen Hintergrund dieses vereinfachten, homogenen Rots.

La Tour Georges de (1593-1652). Rennes, musée des Beaux-Arts

Quignard schreibt: „Man weiß nicht, ob es ein Kind oder Jesus ist. Oder besser gesagt: Jedes Kind ist Jesus. Jede Frau, die sich über ihr Neugeborenes beugt, ist Maria, die über einen Sohn wacht, der sterben wird“ (1991, S. 48). Nichts trennt die heilige Welt von der profanen Welt.

La Tour hat mehrere Magdalena-Gemälde geschaffen. Die Magdalena/Madeleine, die in der Ausstellung präsentiert wird, sitzt allein mitten in der Nacht in einer Zelle. Ein Nachtlicht beleuchtet einige fromme Bücher und einen Schädel. Die Büßerin hat noch das glatte Gesicht und die langen, dunklen Haare der Jugend, und doch steht sie außerhalb der Zeit des Lebens. Sie bewegt sich nicht. Sie starrt auf die Flamme und wartet nur auf die Erlösung. Der Schädel erinnert an den Tod am Ende des irdischen Lebens, aber alles ist ruhig in diesem Bild, das dazu einlädt, sich aus der Welt zurückzuziehen, um nur das Unsichtbare zu betrachten.

Trösterin oder grausame Spötterin?

Das Gemälde, das mir am besten gefällt, ist eine Szene, die durch das Missverhältnis zwischen einer riesigen Frau und einem alten Mann an Traum- oder Alptraumszenen erinnert.

Die Frau beugt sich zu einem verzweifelten Mann hinunter. Sie ist so groß, dass sie nicht in das Bild passt und sich vorbeugen muss, um nicht aus dem Rahmen der Komposition herauszutreten. Ihr weites, unter den Brüsten eng anliegendes Kleid betont ihre Formen noch zusätzlich. Ist sie eine Trösterin oder die Frau Hiobs, die ihren vom Unglück gebeutelten Mann zum Fluchen auffordert? Im Museum ist der Titel eindeutig. Es handelt sich um Hiob, der von seiner Frau verspottet wird; auf dem Boden sieht man übrigens die Scherbe, mit der der magere und fast nackte Hiob seine Geschwüre kratzt.

In Epinal hieß das Gemälde „Der Gefangene“, und unter diesem Titel beschrieb René Char während des Krieges diesen roten Engel mit dem bauschigen Gewand, der eine Metapher für die Poesie ist.

„Die Worte, die aus dieser irdischen Gestalt eines roten Engels fallen, sind wesentliche Worte, Worte, die sofort Hilfe bringen.  (…) Das bauschige Gewand füllt plötzlich den ganzen Kerker aus. Das Wort der Frau bringt das Unerwartete besser zur Welt als jede Morgendämmerung.“ (Anerkennung für Georges de la Tour, der die Finsternis Hitlers mit einem Dialog zwischen Menschen bezwang. Feuillets d’Hypnos, um 1944, S. 76-77)

Pascal Quignard hingegen schwankt zwischen der bedrohlichen Frau Hiobs und der monumentalen Gestalt der Philosophie, die dem inhaftierten Boethius zu Hilfe kam (1991, S. 58). Während der Herrschaft Theoderichs, um 524, wurde der Philosoph Boethius, Übersetzer von Aristoteles und Platon und Meister der Senatsämter, beschuldigt, ein Bündnis mit Byzanz anzustreben. Der Kaiser ließ ihn ins Gefängnis werfen und foltern. Als er vom Unglück niedergeschlagen war und in seiner Zelle auf den Tod wartete, erschien ihm die Philosophie, um ihn zu trösten. Sie hatte eine majestätische Statur und beugte sich zu ihm hinunter. Er kauerte auf seinem Hocker, blickte zu ihr auf und gestärkt durch die Kraft ihrer Weisheit, die von überragender Schönheit strahlte, schrieb er „Der Trost“, einen der bedeutendsten Texte des Mittelalters.    

Es ist seltsam, welche Macht ein Gemälde auf uns ausüben kann. La Tour hat als Magier des Lichts* ein Bild geschaffen, das sich in mein Gedächtnis eingebrannt hat: der verlassene Mensch, der Angst und Schrecken ausgesetzt ist; die Poesie oder Philosophie, die Hilfe bringen und die Dunkelheit besiegen.

 * Im französischen Original findet sich hier der Ausdruck grand imagier. Da ich das Wort imagier nicht kannte, habe ich nachgeschlagen und als Übersetzung Bilderbuch (für Kinder) gefunden. Das passt offensichtlich nicht. Ich hatte darauf die Idee, imagier als eine schöne Wortschöpfung anzusehen, zusammengezogen aus image (Bild) und magicien (Zauberer, Magier) und daraus dann den Magier des Lichts gemacht. Sicherheitshalber bei der Autorin nachgefragt erhielt ich die Auskunft, dass das Wort imagier im Mittelalter einen Bildhauer oder Maler bezeichnete. Sie habe mit dem grand imagier zum Ausdruck bringen wollen, dass das besprochene Bild wie etwa auch „Die Freiheit führt das Volk” von Delacroix Ikonen sind, die die Menschen im Kopf haben. Nicht alle Künstler seien in der Lage, Bilder von einer solchen Kraft zu schaffen. Da Sonia Branca-Rosoff meine Interpretation von imagier aber sehr schön fand, habe ich den Magier des Lichts beibehalten.

***

Die Besuchsbedingungen im musé Jacquemard-André sind mittelmäßig. Die acht Räume sind zu klein für die Menschenmassen, die sich vor den Gemälden drängen. Sie ermöglichen keinen Abstand zu den größten Werken. Dennoch sind wir hier. Wenn man kleinlich sein wollte, könnte man sich fragen, warum der Louvre nicht „Der Betrüger” oder „Die Anbetung der Hirten” ausgeliehen hat… Aber um nichts in der Welt würden wir uns diese Gelegenheit entgehen lassen, 23 Gemälde eines der seltensten Maler zu sehen. Die zusätzlich ausgestellten Gemälde von Zeitgenossen ermöglichen es Liebhabern vielleicht, den Einfluss Italiens (eine ohnmächtige Magdalena von Finson, ein Heiliger Petrus von Saraceni…) und den Einfluss des Nordens (wunderschöne Stiche von Callot und Bellange) in dem Wunder zu erkennen, das die meditative Einfachheit des Meisters des Hell-Dunkel für den Betrachter darstellt.  

Praktische Informationen

Dauer der Ausstellung bis 25. Januar 2026

Musée Jacquemart-André, 158 boulevard Haussmann 75008 Paris

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Metro Linien 9 und 13, Stationen Saint-Augustin, Miromesnil oder Saint-Philippe du Roule

Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag 10-18 h; Freitag bis 22h, Samstag und Sonntag bis 19 h

Ticket-Reservierung: https://www.musee-jacquemart-andre.com/fr/tickets/68418c5d3d96ad850fa9ebe8

Literatur

CHAR René, Feuillet d’Hypnos, Paris Gallimard.1946.
VANPETEGHEM E. (éd. et trad.), BOÈCE, La Consolation de Philosophie, Paris, 2008.
MALRAUX André, Les Voies du silence Paris, Gallimard, 1951.
QUIGNARD Pascal, La Nuit et le Silence : Georges de la Tour, Flohic, 1991.

Anmerkung zum Museum (von Wolf Jöckel):

Das Musée Jacquemart-André befindet sich in einem denkmalgeschützten feudalen Stadtpalais (hôtel particulier) aus dem Jahr 1875, einem der glanzvollsten von Paris (Le Monde). Es wurde von dem Bankier und Politiker Édouard André (* 1833; † 1894) und seiner Frau Nélie Jacquemart (1841-1912) errichtet, um die von ihnen seit den 1860-er Jahren gesammelten Kunstwerke aufzunehmen. (André war übrigens zusammen mit den Rothschilds wesentlich daran beteiligt, die Frankreich nach dem verlorenen Krieg von 1870/71 im Vertrag von Frankfurt auferlegte gewaltige Reparationssumme von 5 Mrd. Francs aufzubringen.) Die Sammlung Jacquemart-André reicht von Meisterwerken der italienischen Renaissance und des niederländischen „goldenen Zeitalters“ bis zu französischen Arbeiten des 19. Jahrhunderts. Ausgesuchte Gäste konnten anlässlich von Bällen, Empfängen oder Galadiners die Kunstwerke sehen und bewundern. In ihrem Testament verfügte Nélie Jacquemart, dass die Sammlung einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden sollte. Sie vermachte 1912 das Stadtpalais und ihren Sommersitz, die königliche Abtei von Chaalis, dem Institut de France, das beide Häuser bis heute als Museen betreibt.

Das Pariser Terrorismus-Museum (MMT) stellt sich vor: Eine Fotoausstellung am Gitter des Pariser Rathauses

Im Rahmen der Veranstaltungen zur Erinnerung an den 13. November 2015 werden bis zum 30. November 2025 24 große Foto- und Texttafeln am Gitter des Pariser Rathauses (rue de Rivoli) gezeigt. Im Mittelpunkt stehen dabei Gegenstände, die in besonderer Weise an die Attentate des 13. November 2015, aber auch an andere terroristische Aktionen der letzten Jahre erinnern.

Ausgerichtet wird die Ausstellung von dem Musée-mémorial du terrorisme (MMT), ein im Aufbau befindliches Museum und eine Gedenkstätte. Es gibt inzwischen eine Vorbereitungsgruppe mit dem ausgewiesenen Historiker Henri Rousso als Vorsitzendem, es gibt ein ausgearbeitetes Konzept, und es gibt schon einen Fundus von 2500 Ausstellungsstücken. Einige davon sind in dieser Ausstellung abgebildet.[1]

Sie werden unter drei thematischen Komplexen zusammengefasst: Die von Terroristen ausgeübte und von den Opfern erlittene Gewalt (la violence), der Widerstand von Gesellschaften gegen diese Gewalt (résistance) und die Art und Weise des Umgangs und der Bewältigung des zugefügten Leids durch die Opfer (résilience).

Ziele des islamistischen Terrors am 13. November waren Terrassen von Cafes und Restaurants im 10. und 11. Arrondissement von Paris, ein Fußballspiel im Stade de France in Saint-Dennis und ein Rockkonzert im Konzertsaal Bataclan. Mit offiziell 132 Todesopfern und vielen zum Teil schwer Verletzten und für ihr Leben Gezeichneten war der 13. November nach dem Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo der zweite des Jahres in Frankreich und nach dem Madrider Zuganschlag vom 11. März 2004 der zweitschwerste Terrorangriff in Europa seit 1945.[2]

Diese Umhängetasche trug ein Konzertbesucher, der das mörderische Attentat überlebte. Auf der Unterseite der Tasche gibt es noch Brandspuren, die an den 13. November 2015 erinnern.

Diese unvollendete Gitarre ist das Werk von Romain Naufle, der im 20. Arrondissement von Paris eine Werkstatt betrieb, in der er Gitarren baute und reparierte.[3] Naufle gehört zu den Opfern des Bataclan-Attentats. Die Gitarre, an der er gerade arbeitete, ist „Zeuge eines plötzlich zerbrochenen Lebens.“

Am 13. November 2015 feierte die aus Tunesien stammende Houda Saadi in dem Café/Restaurant La Belle Époque ihren 35. Geburtstag. Sie arbeitete als Serviererin in dem in der Nähe gelegenen Café des Anges. Die meisten der 21 Opfer des Anschlags waren ihre Geburtstagsgäste, darunter ihre zwei Jahre ältere Schwester Halima, Mutter zweier Kinder, während ihre beiden Brüder Khaled und Bashir verschont blieben. Vergeblich versuchten sie, ihre am Boden liegenden Schwestern am Leben zu erhalten. Diese Schiefertafel stand am 13.11.2015 an dem Café. Die „heures heureuses“ (glücklichen Stunden) kontrastieren auf bedrückende Weise mit dem, was dann geschah. Auf der Schiefertafel sind Kalaschnikow-Einschüsse der Attentäter zu sehen.

Der französische Journalist Nicolas Hénin erhielt diese Zahnbürste von Gefolgsleuten des sogenannten État islamique, die ihn 2013/2014 als Geisel gefangen hielten. Ein Stück des Griffs hatten die Terroristen abgebrochen, um eine Verwendung der Zahnbürste als Waffe zu verhindern.

Dies ist der Sicherheitsgurt des 1989 infolge eines Bombenanschlags in Afrika (Niger) abgestürzten DC-10-Flugzeugs der französischen Fluggesellschaft UTA. Ein Pariser Schwurgericht befand 1999 sechs Libyer für schuldig, das Attentat begangen zu haben. Einer davon war der stellvertretende Geheimdienstchef Libyens, ein Schwager Gaddafis. Die Angeklagten wurden in Abwesenheit verurteilt, weil Libyen sie nicht an Frankreich auslieferte. „Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy sitzt seit Kurzem hinter Gittern, weil er von 2005 an mit den Verantwortlichen dieses Anschlags einen Verbrecherpakt geschlossen hatte“[4] – ein in der Geschichte der französischen Republik einzigartiger Vorgang. Wegen illegaler Wahlkampffinanzierung mit Geld des damaligen libyschen Machthabers Gaddafi war Sarkozy zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Vor seiner Fahrt ins Gefängnis hatte Präsident Macron seinen Vorgänger im Élysée-Palast un-gebührend verabschiedet. Am 10. 11. hat ein Berufungsgericht entschieden, dass Sarkozy bis zu der von ihm angestrengten Revision das Gefängnis verlassen darf, allerdings nicht als freier Mann, sondern mit gerichtlichen Auflagen. [4a]

Zwei Radio France -Journalisten, die am 2. November 2013 in Mali verschleppt und dann ermordet wurden, waren mit einem solchen Aufnahmegerät ausgestattet. „Es würdigt all diejenigen, die ihr Leben für die Berichterstattung einsetzen.“

Am 16. Oktober 2020 wurde der Lehrer Samuel Paty vor seiner Schule in einem Pariser Vorort auf bestialische Weise ermordet. Paty hatte in seinem Unterricht das vom Lehrplan vorgeschriebene Thema Meinungsfreiheit behandelt und dabei, auf sehr behutsame Weise, die umstrittenen Mohammed-Karikaturen der Satirezeitschrift Charlie-Hebdo verwendet: Die Veröffentlichung dieser Karikaturen war Anlass für zwei islamistische Terroristen, am 7. Januar 2015 in die Redaktionsräume der Zeitschrift einzudringen und elf Menschen zu erschießen. Dass Paty diese Karikaturen fünf Jahre danach als Unterrichtsmaterial verwendete, führte zu einer islamistisch gesteuerten Hetzkampagne und schließlich seiner Ermordung.

Die Abbildung zeigt ein von Schülern entworfenes Gesellschaftsspiel zum Thema Demokratie. Es gewann 2023 einen Preis bei dem von Kollegen Patys zu seiner Erinnerung geschaffenen Wettbewerbs: Die Schule als Ziel islamistischer Einflussnahme und Terrors, aber auch als Ort der Demokratie, der Meinungsfreiheit und des Widerstands gegen blinden, gewalttätigen Fanatismus.

Am 11. Dezember 2018 verübten islamistische Terroristen ein Attentat auf den Weihnachtsmarkt von Straßburg. Ein im Auftrag des État islamique handelnder Terrorist tötete fünf Besucher, 11 wurden verletzt. Das hier abgebildete Gemälde ist das Werk eines Überlebenden. Es veranschaulicht die Bedeutung der Kunst bei der Bewältigung traumatischer Folgen von Attentaten.

Die vielen Augen der Karnevalsmaske symbolisieren Wachsamkeit eines Mädchens, das am 14. Juli 2016, dem französischen Nationalfeiertag,  in der Menschenmenge der Promenade des Anglais in Nizza einen 19 Tonnen schweren Lastwagen auf sich und die Mutter hatte zurasen sah – „die ‚Superkraft‘ des aufmerksamen Blicks für die Umgebung hatte beide gerettet.“[5] 86 Menschen wurden aber von dem Lastwagen überrollt und getötet, mehrere hundert zum Teil schwer verletzt.

Diesen Bildteppich haben zwei Künstler geschaffen, die das Attentat in Nizza überlebten. Einer der Künstler stammt aus Chile. Abgebildet ist eine südfranzösische Landschaft, inspiriert von den arpilleras, chilenischen Stickereien, mit denen der Widerstand gegen die Diktatur Pinochets ausgedrückt wurde. . Mit ihrem gemeinsamen Werk ehren die beiden Überlebenden des Attentats die Opfer der chilenischen Militärdiktatur und des islamistischen Terrors. Und sie stellen dieser Gewalt in lebhaften Farben den in den Menschen tief verwurzelten Lebenswillen entgegen.

Dieses Graffiti in den Farben der Tricolore erinnert an den Polizisten Ahmet Merabet, der bei dem Anschlag auf Charlie Hebdo getötet wurde. Die Attentäter töteten ihn, einen praktizierenden Muslim, der bereits verletzt auf dem Gehweg lag, kaltblütig bei ihrer Flucht. Unter dem Hashtag „Je suis Ahmed“- analog zu „Je suis Charlie“- drückten viele Menschen in sozialen Netzwerken ihre Anteilnahme aus. Auch der Street-art-Künstler C 215, bekannt durch zahlreiche Portraits in den Straßen der Stadt, sehr oft auf Kabelverteilerkästen am Straßenrand,[6] hat den Polizisten gewürdigt und Passanten auf sein Schicksal aufmerksam gemacht.

Aufnahme Boulevard Richard-Lenoir, 11ième Arrondissement Juni 2025

Ahmet Merabet soll auch in dem geplanten Museum gewürdigt werden. Dessen Schicksal ist allerdings derzeit höchst ungewiss. Es wurde zwar schon viel Geld für die Vorbereitungen investiert, auch ein Standort in der Nähe des Mont Valérien war ausgewählt, ein unter Denkmalschutz stehender Schulkomplex aus den 1930-er Jahren, der auch von den Opferverbänden als ideal angesehen wurde.[7] Dann aber hat die Regierung Barnier aus Budgetgründen das Projekt getoppt. Allerdings hat es auch Bedenken gegen den Standort gegeben, werden auf dem Mont Valérien doch die Opfer der Résistance geehrt; und es gibt auch Bedenken, unter einer „Inflation der Erinnerungsorte“ könnten andere Einrichtungen leiden.

Gerade noch rechtzeitig vor den großen Gedenkveranstaltungen des 13. November wurde aber ein neuer Standort für das Museum bekannt gegeben: Der nicht genutzte Teil einer ehemaligen Kaserne im 13. Arrondissement von Paris. Es ist zwar ein Platz mit deutlich weniger Ausstrahlung als der ursprünglich vorgesehene Standort, aber auf diese Weise soll die Hälfte des geplanten Budgets eingespart werden- und immerhin können sich die Verantwortlichen damit trösten, dass das von Präsident Macron sehr unterstützte Projekt nicht beerdigt wird.

Das ist sehr zu begrüßen, weil sonst, um Gothes Faust zu zitieren, ein großer Aufwand schmählich vertan worden wäre, sondern vor allem auch, weil es sich um ein höchst bedeutsames und innovatives Vorhaben handelt. „Das MMT stellt ein intellektuell aufregendes Modell dar, das zum Teil Neuland betritt. Es wird Gerichtszeichnungen, Bekennerschreiben, Kunstobjekte, Abhörmittel und Mordwaffen sammeln, wissenschaftliche wie konservatorische, pädagogische und therapeutische Funktionen erfüllen, die Vergangenheit, aber auch die Gegenwart beleuchten.“ [8]

Spätestens 2030 soll das neue Museum eröffnet werden.[9]


Anmerkungen:

[1] Alle Fotos des Beitrags von Wolf Jöckel

Zitate ohne Beleg sind der Legende der ausgestellten Fotos übernommen.

[2] Marc Zitzmann, Weiter Blick auf den Terrorismus. Frankreichj gedenkt der Opfer der islamistischen Attentate von 2015. Ein Museum soll der Erinnerung Dauer verleihen, sein Ansatz ist international und innovativ. Doch noch ringt die Politik um Finanzierung und Standort des neuen Ausstellungshauses. In: FAZ vom 6. November 2025

[3] https://actu.fr/normandie/reveillon_61348/attentats-a-paris-un-enfant-de-reveillon-tue-au-bataclan_6598146.html

[4] Mark Zitzmann, a.a.O.

[4a] Le Parisien vom 10.11.2025 Nicolas Sarkozy incarcéré : la demande de libération acceptée, l’ex-président placé sous contrôle judiciaire

[5] Mark Zitzmann a.a.O.

[6] Siehe z.B. die Blog-Beiträge:

[7] https://www.lemonde.fr/societe/article/2025/07/30/le-musee-memorial-du-terrorisme-toujours-menace-six-ans-de-travail-plusieurs-millions-depenses-et-un-lieu-laisse-a-l-abandon_6625404_3224.html

https://www.liberation.fr/politique/musee-memorial-du-terrorisme-emmanuel-macron-maintient-finalement-le-projet-sur-le-mont-valerien-20250107_XUUMOABBMNFRZEUNP2WAGKSFYY/

[8] Marc Zitzmann, a.a.O.

[9] 5. November:  https://www.lefigaro.fr/culture/le-musee-memorial-du-terrorisme-finalement-situe-dans-une-ancienne-caserne-de-paris-20251106  und https://www.telerama.fr/debats-reportages/le-musee-memorial-du-terrorisme-ouvrira-bien-a-paris-a-l-horizon-2030-7028153.php

10 Jahre danach: Der Garten der Erinnerung an die Opfer der terroristischen Attentate vom 13. November 2015 vor der Kirche Saint-Gervais

„Paris erinnert sich“ (Plakat der Stadt Paris)

Am Freitag, dem 13. November 2015, verübten islamistische Terroristen an fünf verschiedenen Orten in Paris und am Stade de France in Saint-Denis koordinierte Anschläge, bei denen 130 Menschen getötet und mehrere hundert verletzt wurden, davon etwa hundert schwer. Die Angriffsserie am Freitagabend richtete sich gegen die Zuschauer eines Fußballspiels, gegen die Besucher eines Rockkonzerts im Bataclan-Theater sowie gegen die Gäste zahlreicher Bars, Cafés und Restaurants.

Es war der zweite große terroristische Anschlag in diesem Jahr nach dem Attentat auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Handelte es sich dabei um einen Anschlag auf die Pressefreiheit, so zielten die Attentate des 13. November vor allem auf eine große Musikveranstaltung und Treffpunkte vor allem junger Leute.  Und so waren denn auch die Opfer ganz überwiegend junge Frauen und Männer in ihren 20-er und 30-er Jahren.

Der Schock in Frankreich war groß nach diesen Attentaten, nicht nur wegen der großen Zahl von Toten und schwer Verletzten, sondern auch, weil sie als Angriffe auf ein fundamentales Prinzip gesellschaftlichen Zusammenlebens, das vivre ensemble, verstanden wurden. Und das ungezwungene Zusammensein, die Freude an Musik und Tanz, waren den Attentätern offensichtlich besonders verhasst. Der Bezug zu dem Attentat der Hamas-Terroristen auf das Musik-Festival am 7. Oktober 2023 drängt sich da für mich auf.

Die zentrale Gedenkveranstaltung findet am Garten der Erinnerung an die Opfer dieser Anschläge statt, der zum 10. Jahrestag des 13. November 2015 offiziell eröffnet wird.

Vorbereitung für die Gedenkfeier am 13. 11. 2025. Die beiden großen Tribünen sind schon aufgebaut. Foto: Wolf Jöckel 7.11.2025

Die Idee, einen Garten der Erinnerung an die Opfer dieser Anschläge zu schaffen, geht wesentlich auf Vereinigungen der Opfer und ihrer Angehörigen zurück. 2019 votierte der Pariser Stadtrat einstimmig für das Projekt.

Als Ort des Erinnerungs-Gartens wurde der Platz vor der Kirche Saint-Gervais gewählt.  Auf der einen Seite, vor der Kirche, steht eine große Ulme, unter der im Mittelalter Recht gesprochen wurde; auf der anderen Seite ein neu gepflanzter alter Olivenbaum, Symbol des Friedens.

Die oberen Äste der alten Gerichtsulme vor Saint-Gervais

Blick über den Garten auf die Rückseite des Pariser Rathauses (hôtel de ville)

Der Saint-Gervais-Platz war zwar nicht Schauplatz einer terroristischen Attacke, aber er versteht sich als „Synthese der sechs vom Terror erschütterten Orte“ (Jean-Marc Dreyfus).[1]

Ein neuartiger Erinnerungsort

Der Platz vor der Kirche Saint-Germain liegt zwischen dem Marais und dem Notre-Dame-Viertel (quartier de Notre-Dame), also auf einem von vielen Fußgängern benutzten Weg. Das führte zu der Überlegung, hier einen Erinnerungsort besonderer Art zu schaffen: also kein Denkmal und auch keinen abgegrenzten, nur beschränkt zugänglichen Bereich, sondern „einen Raum zum Bewegen und Flanieren, den sich jeder zu eigen machen kann.“[2]  Die Wege, die durch den Garten führen, laden dazu ein, ihn zu durchqueren.

© Connaissance des Arts / photo Lucien Chancel

Dazu tragen auch die niedrige Bepflanzung und die einladende, aber behutsame Beleuchtung des Gartens bei.

Die Wege, die den Garten  durchqueren, laden aber auch dazu ein innezuhalten. Denn durch sie werden 6 „Inseln“ (îlots) aus Granitfragmenten gebildet,  die den sechs Anschlagsorten zugeordnet sind.

Auf jedem der sechs Gartenabschnitte erinnert ein Granitblock an den entsprechenden Anschlagort und seine Opfer.

Crédit photo : Jean-Baptiste Gurliat / Ville de Paris

Auf diesem Granitblock sind die Namen der 89 im Bataclan ermordeten Menschen verzeichnet. Zu den Opfern gehören aber auch die zahlreichen schwer verletzten und traumatisierten Menschen, deren Körper und Geist lebenslang an den Folgen des von ihnen miterlebten Attentats leiden. Zwei Überlebende waren derart traumatisiert, dass sie Jahre später ihrem Leben ein Ende setzten. [3]

Offizielle Einweihung des jardin du 13 novembre am 13.11.2025 Foto: Jean-Baptiste Gurliat / Ville de Paris

La Belle Equipe

Uns ist der den 21 Opfern der Bellle Equipe gewidmete Teil des Erinnerungsgartens besonders nahe. An dem im 11. Arrondissement gelegenen Café/Restaurant (92, rue de Charonne) radle ich, wenn wir in Paris sind, fast täglich auf dem Weg zu unserem Markt, dem marché d’Aligre, vorbei.

Am 13. November 2015 feierte dort die aus Tunesien stammende Houda Saadi ihren 35. Geburtstag. Sie arbeitete als Serviererin in dem in der Nähe gelegenen Café des Anges. Die meisten der 21 Opfer des Anschlags waren ihre Geburtstagsgäste, darunter ihre zwei Jahre ältere Schwester Halima, Mutter zweier Kinder, während ihre beiden Brüder Khaled und Bashir verschont blieben. Vergeblich versuchten sie, ihre am Boden liegenden Schwestern am Leben zu erhalten.[4]

Diese Schiefertafel stand am 13.11.2015 an dem Café. Die „heures heureuses“ (glücklichen Stunden) kontrastieren auf bedrückende Weise mit dem, was dann geschah. Auf der Schiefertafel sind Kalaschnikow-Einschüsse der Attentäter zu sehen. Sie gehört zu den Ausstellungsstücken des geplanten/in Vorbereitung befindlichen Pariser Musée-Mémorial du Terrorisme. Das Bild wird derzeit in einer Ausstellung des Museums am Zaun des Pariser Rathauses gezeigt.

Schweigeminute für die Opfer des Anschlags auf La Belle Equipe drei Tage nach dem Anschlag.[5]

An der Hauswand des gegenüber liegenden Palais de la Femme ist eine Tafel angebracht: „Zur Erinnerung an die verletzten und ermordeten Opfer des Attentats vom 13. November 2015. Den ausgelöschten Leben.“ (Aufnahme: 11.11.2025)

Zu diesen ausgelöschten Leben gehörte auch eine seit drei Jahren in Paris lebende und ebenfalls im Café des Anges arbeitende junge Mexikanerin, Michelli Jaimez.[6]

Drei Tage vor dem Attentat hatte sie die Verlobung mit ihrem italienischen Freund bekannt gegeben.

Die plaque commémorative am 13. November 2025. Foto: ville de Paris/Guillaume Bontemps

Ein Blick auf und in Saint-Gervais

Ein Besuch des Erinnerungsgartens ist auch eine gute Gelegenheit, einen Blick auf und in die Kirche zu werfen, die dem Platz seinen Namen gab. Es ist eine ab 1500 erbaute Kirche mit einer im 17. Jahrhundert vorgesetzten Fassade: unten dorische, im Mittelteil ionische und oben korinthische Säulen, die klassische Gliederung: Ausdruck einer Harmonie, die allerdings Kirche und Platz nicht durchweg bestimmt.

Harmonisch ist auf den ersten Blick das Kirchenschiff: Ein eindrucksvoller gotischer Raum,  zum Teil noch mit alten, aber auch sehr gelungenen zeitgenössischen Glasfenstern ausgestattet.[7]

Aber bei einem näheren Hinsehen entdeckt man an einem Pfeiler der Vierung große Einschusslöcher.[8]

Sie stammen von einer Granate des deutschen „Parisgeschützes“, einer Weiterentwicklung der „Dicken Berta“, die am 29. März 1918 die Kirche traf und das Gewölbe durchschlug. Es war ein Zufallstreffer des im Rahmen der deutschen Frühjahrsoffensive von 1918 eingesetzten und 130 km entfernt von Paris im Wald von Saint-Gobin stationierten Geschützes. In der Kirche fand da gerade der Karfreitags-Gottesdienst statt. 91 Menschen wurden getötet, 68 verletzt.

Eine chapelle commemorative erinnert an die catastrophe du 29 Mars 1918.

So ist nicht nur der Platz vor der Kirche ein Ort der Erinnerung an großes Leid, sondern auch die Kirche selbst. Und zu der Erinnerung an die Opfer islamistischen Terrors und des sinnlosen „Großen Kriegs“ kommt auch noch die Erinnerung an die Opfer politisch-gesellschaftlicher Auseinandersetzungen[9]:

In der am Platz gelegenen Kaserne Lobau/Napoléon wurden im Mai 1871 bei der Niederschlagung der Pariser Commune während der sogenannten „blutigen Woche“ (semaine sanglante) 2000 – 3000 Kommunarden exekutiert, ihre Leichen auf den benachbarten Plätzen verscharrt- vielleicht ja  auch auf dem Platz vor der Kirche. So  könnte der Garten der Erinnerung an die Opfer des 13. November 2015 auch ein Friedhof (gewesen) sein.

An der großen Gedenkveranstaltung vom 13. November können nur geladene Gäste teilnehmen. Sie wird aber auf der place de la République auf einer Großleinwand übertragen. Dort gibt auch die Möglichkeit, der Opfer der Attentate vom 13. November 2015 zu gedenken.

Ein Wandbild zu Ehren der Opfer der islamistischen Anschläge im 11. Arrondissement

„Die Anschläge zu thematisieren und den Opfern mit einem Kunstwerk im öffentlichen Raum zu gedenken, ist ein zutiefst symbolischer Akt, der Respekt, Feingefühl und Sensibilität erfordert. Die Künstlerin Léa Belooussovitch wurde mit der Gestaltung dieses Wandgemäldes beauftragt, das durch Licht und Farbe Widerstandsfähigkeit symbolisiert. Als Ort der Erinnerung konzipiert, soll es auch an das erinnern, wofür die Opfer, die Lebenden und die Ermordeten, stehen: Jugend, fröhliches Beisammensein, Liebe und Leben.“ (Mairie 11e Arrondissement)

Der am 13. November 2025 zu Erinnerung an die Opfer des Attentats 2015 in den Farben der Tricolore beleuchtete Eiffelturm. Foto: Henri Garat / Ville de Paris

Literatur:

La place Saint-Gervais transformée en jardin mémoriel en hommage aux victimes du 13-Novembre. Ville de Paris 24.6. 2025  https://www.paris.fr/pages/le-futur-jardin-memoriel-de-la-place-saint-gervais-22026

https://www.connaissancedesarts.com/arts-expositions/paris/paris-une-place-historique-se-metamorphose-pour-rendre-hommage-aux-victimes-des-attentats-du-13-novembre-11203289/

https://de.wikipedia.org/wiki/Terroranschl%C3%A4ge_am_13._November_2015_in_Paris

Les amis décimés de „La Belle Equipe“ – Attaques du 13 novembre  Paris Match 17.11.2015 https://www.parismatch.com/Actu/Societe/Attaques-du-13-novembre-Les-amis-decimes-de-La-Belle-Equipe-866963

https://www.mediapart.fr/journal/france/181115/la-liste-des-victimes-des-attentats-du-13-novembre


Anmerkungen

[1] Jean-Marc Dreyfus  https://www.paris.fr/pages/le-futur-jardin-memoriel-de-la-place-saint-gervais-22026

[2] Jean-Marc Dreyfus https://www.connaissancedesarts.com/arts-expositions/paris/paris-une-place-historique-se-metamorphose-pour-rendre-hommage-aux-victimes-des-attentats-du-13-novembre-11203289/

[3] Marc Zitzmann, Weiter Blick auf den Terrorismus. Frankreich gedenkt der Opfer der islamistischen Attentate von 2015. In FAZ vom 6.11.2015. Im französischen Fernsehen TV 2 wurde am 2. November eine Sendung über 7 Überlebende des Bataclan ausgestrahlt: Auch sie gehören zu den Opfern der Attentate. Auf der Internetseite von France TV abrufbar: https://www.france.tv/france-2/des-vivants/ Siehe dazu: https://www.leparisien.fr/culture-loisirs/tv/des-vivants-pourquoi-il-faut-absolument-regarder-cette-bouleversante-serie-sur-les-rescapes-du-bataclan-26-10-2025-7Y57IYQKZ5DHXGYDRCGJKYIJRI.php?at_medium=email&at_emailtype=acquisition&at_campaign=Newsletter&at_creation=A_la_Une

[4] Paris Match, 17.11.2015 https://www.parismatch.com/Actu/Societe/Attaques-du-13-novembre-Les-amis-decimes-de-La-Belle-Equipe-866963

[5] Yahoo!actualités vom 19. Oktober 2025 Trouble de stress post-traumatique : après un choc, réparer les vivants

[6] Nachfolgendes Bild aus: Paris Match, 17.11.2015 https://www.parismatch.com/Actu/Societe/Attaques-du-13-novembre-Les-amis-decimes-de-La-Belle-Equipe-866963

[7] Bild aus: https://www.patrimoine-histoire.fr/Patrimoine/Paris/Paris-Saint-Gervais-Saint-Protais.htm

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Lange_21-cm-Kanone_in_38-cm-Schie%C3%9Fger%C3%BCst_%E2%80%9EParis-Gesch%C3%BCtz%E2%80%9C

[9] S. z.B. https://www.hmdb.org/m.asp?m=215470

Bild des Monats November 2025: Chrysanthemen-Grabschmuck an Allerheiligen

Es ist in Frankreich Sitte, an Allerheiligen (Toussaint) die Gräber mit Chrysanthemen zu schmücken. Mehr als 20 Millionen dieser Blumen werden jährlich für diesen Zweck verkauft.

Chrysanthemen zur Auswahl vor einem Blumengeschäft in Paris. Das Foto habe ich allerdings schon am 1.11.2015 aufgenommen. Inzwischen haben sich die Preise etwas erhöht…

Die Tradition des Chrysanthemen-Grabschmucks geht auf das Ende des 1. Weltkriegs zurück. Davor war es üblich, an Allerheiligen Kerzen auf die Gräber zu stellen. 1919 ordnete der damalige Staatspräsident Raymond Poincaré allerdings an, am Jahrestag des Waffenstillstands, dem 11. November, die französischen Gräber mit Blumen zu schmücken. Und allmählich wurde dann der Zeitpunkt des Gräberschmucks vom 11. auf den 1. November vorverlegt.  

Chrysanthemen auf dem Père Lachaise in Paris

Die Chrysantheme bot sich als November-Grabschmuck wegen ihrer großen Farben- und Formenvielfalt und als einer der wenigen Herbstblüher an. Holländische Kaufleute brachten 1688 die ersten Chrysanthemen aus China mit. Sie gilt dort als Symbol für langes Leben. Als Grabschmuck ist sie Zeichen der Trauer und Symbol der Erinnerung und der Liebe, die über den Tod hinausreicht.

Chrysanthemen-Schmuck im Kolumbarium des Père Lachaise

Es ist ein besonderes Privileg, ein Familiengrab auf dem Père Lachaise oder einem der anderen großen Pariser Friedhöfe intra muros zu haben (Cimetière de Montmartre, Cimetière de Montparnasse). Die jährlich dort freiwerdenden Konzessionen bewegen sich insgesamt im niedrigen dreistelligen Bereich. Die Nachfrage dagegen ist um ein Vielfaches höher. Die Stadt Paris hat sich deshalb zum diesjährigen Fest Allerheiligen etwas Besonderes einfallen lassen: Es werden 30 freiwerdende Gräber zum Verkauf ausgeschrieben. Bedingung ist aber, dass sie auch denkmalgerecht restauriert werden- und dass man dann bei der Auslosung Ende des Jahres unter den traurig-Glücklichen ist, die ab 2026 auf dem neu erworbenen und erlosten Grab Chrysanthemen deponieren können.

Bild: dpa. Aus: Frankfurter Rundschau 10.11.2025 Paris verlost historische Gräber

Blog-Beiträge zum Père Lachaise:

Drancy,  das „Vorzimmer des Todes“: Durchgangslager auf dem Weg nach Auschwitz

Annette Kracjer war zwölf Jahre, als sie nach Drancy gebracht wurde. Wenige Tage zuvor hatte man sie brutal von ihrer Mutter getrennt. „Ich hatte den Eindruck in die Hölle zu kommen, die Eisengitter, der schwarze Boden, nirgends Grün, und an den Fenstern …, an diesen Doppelfenstern, wie sie heute noch da sind, diese Masse von Menschen, die uns Ankommende beobachteten.“ Philippe Allouche, Direktor der Stiftung „Mémorial de la Shoah“, ergänzt: „Dieses Gebäude, das war das „Vorzimmer des Todes“.[1]

Dieses Gebäude: Das ist die cité de la Muette, in den 1930-er Jahren ein Pilotprojekt des sozialen Wohnungsbaus in der von ökonomischen und sozialen Umwälzungen gebeutelten nördlichen Banlieue von Paris. Zu dem Projekt gehörten 10 zwei- bis dreistöckige Wohnhäuser, 5 Hochhäuser mit 14 Etagen und ein großer „cour d’entrée“ genannter Platz mit einer hufeisenförmigen Randbebauung: ein damals revolutionäres Konzept, nicht nur wegen der Größe und der Hochhäuser, sondern auch wegen des Baus mit vorgefertigten Teilen. Die Bauarbeiten ziehen sich wegen der Wirtschaftskrise der 1930-er Jahre hin und am Beginn des Zweiten Weltkriegs waren die Wohnungen des Hufeisens noch nicht fertiggestellt. Elektrische und sanitäre Installationen fehlten noch.

Mit Kriegsbeginn wird die Cité de la Muette, auch wenn die hufeisenförmige Anlage noch nicht fertiggestellt ist, von der republikanischen Regierung Daladier als Internierungslager verwendet: Sie bietet dafür beste Voraussetzungen: Es gibt einen großen freien Platz und eine geschlossene Randbebauung von 200 Meter Länge und 40 Meter Breite, so dass nur eine Schmalseite mit Zaun, Stacheldraht und ggf. Wachtürmen geschlossen werden muss. Interniert werden dort Kommunisten, die aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts als potentielle 7. Kolonne und damit Gefahr für die innere Sicherheit angesehen werden. [2]

Nach dem Waffenstillstand mit Frankreich wird das Lager von der Wehrmacht requiriert. Erst werden französische Kriegsgefangene dort provisorisch untergebracht, bevor sie auf Gefangenenlager in Deutschland verteilt werden, dann Briten.

Das Internierungslager für Juden

Im August 1941 wird Drancy zum Internierungslager für Juden: Nach dem Angriff auf die Sowjetunion und dem Bruch des Hitler-Stalin-Pakts setzt der kommunistische Widerstand ein. Für die Nazis war klar: Widerstand=Kommunisten= Juden. Am 20. August findet eine große Razzia im 11. Arrondissement von Paris statt. 4230 Juden, vor allem mit ausländischer Staatsbürgerschaft, werden verhaftet und nach Drancy gebracht, das darauf völlig unvorbereitet ist. Es fehlt an allem, es gibt Krankheiten und -zum ersten Mal wieder in Frankreich seit dem Ancien Régime- Hungertote. Man spricht auch von Drancy-la-Faim, dem Lager des Hungers. [1a] Die Lage ist so katastrophal, dass Anfang November das deutsche Militärkommando entscheidet, tausend Häftlinge zu entlassen. Die verbleibenden Häftlinge dürfen nun Päckchen erhalten, das französische Rote Kreuz ist vor Ort. Die Situation im Lager ist und bleibt trotzdem extrem schwierig. Da gibt es das Problem der ethnischen, sozialen und kulturellen Unterschiede der Häftlinge: Es gibt französische Juden mit hoher Bildung und aus gehobenen sozialen Verhältnissen. Überwiegend stammen die Häftlinge aber aus Osteuropa, ihr kultureller Hintergrund ist yiddisch, ihre Beherrschung der französischen Sprache oft nur mangelhaft. Die Gruppen sind auch in unterschiedlichen Partien des Lagers untergebracht: die einen ironisch „Champs-Élysées“ genannten Bereich, die anderen in „Belleville“ oder „Saint-Paul“, benannt nach eher proletarischen Pariser Vierteln mit starker jüdischer Präsenz. Und es gibt eine Tendenz bei den Bewohnern der „Champs-Élysées“, sich von den als lärmend, schnorrend, undiszipliniert und abscheulich angesehenen anderen abzugrenzen. Durch die Möglichkeit, Päckchen zu empfangen, werden die Gegensätze auch noch deutlicher und größer. [3]

Durchsuchung von Päckchen [4]

Die im Lager eintreffenden Päckchen sind auch Grundlage eines blühenden Schwarzmarkts im Lager. Am 16. Oktober 1941 titelt die Zeitung France-Soir: „Gibt es einen Skandal in Drancy? Im Konzentrationslager bei Paris werden alle Schwarzmarkt-Rekorde gebrochen.“ Das liegt auf der Linie der antisemitischen Propaganda der Nazis und Vichys. Außen vor bleibt dabei natürlich, dass es auch für die Eingangskontrolle der Päckchen zuständige Gendarmen gibt, die den Schwarzmarkt beliefern und davon profitieren. [5]

Und nicht zuletzt schwebt über den Lagerinsassen das Damokles-Schwert der Repressalien: Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion gibt es zunehmend im Raum Paris Attentate auf deutsche Militärangehörige. Sie werden mit der Erschießung oder der Deportation zur Zwangsarbeit von Geiseln beantwortet, die vor allem unter den kommunistischen Internierten des Lagers ausgewählt wurden.[6]

Drancy August 1941

Das Transitlager

Eine entscheidende neue Etappe des Lagers beginnt mit der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942. Drancy spielt nun eine entscheidende Rolle bei der dort beschlossenen sogenannten „Endlösung der Juidenfrage“. Am 16./17. Juli 1942 findet in Paris und dem umliegenden Département de la Seine die große Vel d’Hiv-Razzia statt: Fast 13 000 Juden, zum ersten Mal auch Frauen und Kinder, werden verhaftet.  Drancy wird nun zum Transitlager, dem Sammelpunkt auf dem Weg in die Vernichtungslager.

Ankunft jüdischer Häftlinge in Drancy 1942 [7]

Aus;: Drancy, Zeichnungen von Internierten. Juli 1942.  Ausstellung L‘Art en guerre. Musée d’Art moderne de Paris 2012 Foto: Wolf Jöckel.

Auf Wunsch der Vichy-Regierung werden, anders als zunächst vorgesehen, auch die Kinder deportiert. Im Mai 1943 übernimmt Alois Brunner, der Abgesandte Eichmanns, das Kommando in Drancy.  Er reorganisiert das Lager, steigert noch einmal die Effizienz der Jagd auf Juden, wobei er sich auch skrupellos der Mitwirkung von Juden bedient, und den Rhythmus der Todestransporte. Selbst nach der Landung der Alliierten in der Normandie verlassen noch Konvois nach Auschwitz das Lager: Als der „Endsieg“ selbst für die Verblendetsten kaum noch zu erwarten war, wurde noch umso fanatischer an der „Endlösung“ gearbeitet…

Der Zug der zur Deportation Bestimmten zu den Bussen, die sie zu dem im Bahnhof wartenden Convoi brachten.  Zeitgenössische Zeichnung. Foto Wolf Jöckel. Aus einer Ausstellung zum 80. Jahrestag des Vel d’Hiv Pogroms 2022 am Mémorial de la Shoah in Paris

Die Convois/Züge nach Auschwitz fuhren zunächst vom Bahnhof Le Bourget ab, dann von dem noch näher gelegenen Bahnhof Bobigny, der seit 2023 Erinnerungsort an die Deportation von Juden nach Auschwitz ist.

„Meine Liebste. Hier sind wir auf dem Weg nach X. Ich habe keine Ahnung. Alle möglichen Vermutungen machen die Runde , Deutschland, Polen ebenso wie die Pyrenäen. Wir werden sehen… Es kann sehr lange dauern. Aber wir werden zurückkommen. Ich fürchte nur eines, nämlich dass es euch geht wie uns“. 27. März 1942.  Ein Zettel, der aus dem ersten Konvoi  Drancy-Auschwitz geworfen wurde.  (Briefe aus Drancy)

Für 80% der aus Frankreich deportierten Juden war Drancy das Durchgangslager, vor allem für die aus Paris und Umgebung, insgesamt 63 000. Die meisten davon wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet.[11]

Ausländische Juden, auch viele Deutsche, die in Frankreich Zuflucht gesucht hatten, gehörten zu den ersten Internierten und Deportierten. Stolpersteine in Frankfurt

2009 wurden bei Renovierungsarbeiten in den  Sozialwohnungen der cité de la Muette an den  Wänden Graffiti von Häftlingen entdeckt, die 2012 im Mémorial de la Shoah Graffiti von Drancy ausgestellt wurden.[6]

„Auf die gekalkten Wände der Zimmer hatten wir Inschriften geritzt“.[7] Sarah Lichtsztejn-Montard – Convoi n° 75 du 30 mai 1944

       Mart Spindel, eingeliefert in Drancy am 27.3.1944, deportiert am 23.4.1944  

Martin Spindel wurde am 6. Oktober 1930 in Vienne (Isère) geboren. 1944 verhaftet, wurde er in Drancy interniert und am 23. April 1944 –zusammen mit den Kindern von Izieu- im Konvoi Nr. 71 nach Auschwitz –Birkenau gebracht. Informationen über das weitere Schicksal des 13-jährigen Jungen gibt es nicht. Das Foto wurde zuerst von Serge Klarsfeld in seinem Buch „Le mémorial des enfants juifs déportés de France. La Shoah en France“ Paris 2001 veröffentlicht und danach auch auf dem Cover des Buchs über die Graffiti des Lagers.

Max Lévy, Fernand Bloch und Eliane Haas,  eingeliefert in Drancy am 27.7.1944, deportiert am 27.7.1944  je reviens (ich komme zurück)  Fernand (Foto Wolf Jöckel 1919 Graffiti-Ausstellung Drancy)

Eliane Haas wurde am 4. August in Auschwitz ermordet, über das weitere Schicksal von Max Lévy gibt es keine weiteren Informationen.

Fernand Bloch wurde am 18. Juli 1944 von der faschistischen „Parti Populaire Français“ verhaftet und über Drancy nach Auschwitz deportiert. 1945 nach Dachau und Österreich verlegt, wurde er am 1. Mai 1945 von der amerikanischen Armee befreit und konnte nach Hause zurückkehren. Im Gegensatz zu den meisten seiner Schicksalsgenossen hat sich bei ihm die Hoffnung zurückkehren zu können erfüllt.

    Ein Graffiti aus dem Lager Drancy. Foto Wolf Jöckel 2019 im Mémorial de Drancy

Am 18. August 1944 wurde das Lager von Soldaten der Forces françaises de l’intérieur (FFI)  und dem amerikanischen Roten Kreuz befreit. 1380 Menschen  wurden dort noch angetroffen. Alois Brunner hatte sich gerade noch rechtzeitig, einen Tag vorher,  mit jüdischen Häftlingen, die als potentielle Geiseln dienen sollten, abgesetzt. Er wurde niemals verhaftet und zur Rechenschaft gezogen.  Im Syrien Assads soll er mit prominenter deutscher Unterstützung Unterschlupf gefunden haben und dort auch gestorben sein.[4]

Schon wenige Wochen nach der Befreiung diente Drancy zeitweise weiter als Internierungslager,  als „centre de séjour surveillé“ für tatsächliche und angebliche Kollaborateure, darunter u.a. der Regisseur Sacha Guitry und -jedenfalls für kurze Zeit- die Schauspielerin Arletty. Im Oktober 1944 waren mehr als 5000 Verdächtige in dem völlig überfüllten Lager zusammengepfercht. Im September 1945 wurde das Lager aufgelöst und die Cité de la Muette wieder zu dem gemacht, wofür sie ursprünglich geplant worden war: zu einem Projekt des sozialen Wohnungsbaus (HLM).

Foto: Wolf Jöckel

Drancy, un lieu de mémoire/ein Erinnerungsort

Foto: Wolf Jöckel

In der Cité de la Muette angebrachte Marmortafeln, die an die Verwendung des Lagers 1940 als Gefangenenlager für britische und französische Soldaten erinnern und von 1941-1944 an seine Bestimmung als Internierungslager und als Durchgangslager für die Transporte von Juden in die Vernichtungslager.

Erinnerungstafel auf dem ehemaligen Lagergelände: „Die Französische Republik ehrt die Opfer der rassistischen und antisemitischen Verfolgungen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, begangen unter der Autorität der sogenannten Regierung des État français“ (d.h. Vichys).

Es waren zwar die deutschen Besatzer, die in Drancy das Sagen hatte: Sie waren dafür verantwortlich, wer hier interniert, als Geisel ausgewählt und wer deportiert wurde. Aber der französische Polizeipräfekt hatte die Verantwortung für das Lager, die Gendarmerie sorgte für die Bewachung und die innere Ordnung, das Département de la Seine für die Versorgung.

Bald nachdem 2009 unser neuer Lebensabschnitt in Paris begann, fuhr ich nach Drancy- hatte doch Serge Klarsfeld 2004  festgestellt,  Drancy sei der in der ganzen Welt bekannteste Erinnerungsort der Shoah in Frankreich. Verabredet war ich dort mit dem aus Tunesien stammenden Raphaël Chemouni, „Président du  Conservatoire historique du Camp de Drancy“.

Hier stehen wir, bei einem Wiedersehen im April 2019 vor der Wand mit den plaques  commémoratives.

Herr Chemouni erklärte, dass auf der ursprünglichen, Anfang der 1950-er Jahre angebrachten mittleren Tafel,  noch nicht angegeben war, dass es sich bei den Insassen des Lagers und den Deportierten um Juden handelte. Das sei von der damaligen kommunistischen Stadtverwaltung bewusst ausgelassen worden. Man entsprach damit der dominierenden staatssozialistischen Lesart der „Opfer des Faschismus“. [12]

Er führte mich zu dem von Shelomo Selinger entworfenen monumentalen Mahnmal, das 1976 am Eingang des ehemaligen Lagers errichtet wurde.[13]

Fotos: Wolf Jöckel

„Am 20. August 1941 wurden 5000 Juden in Paris verhaftet und hier zusammengeführt. So entstand das Lager von Drancy, das Vorzimmer der Todeslager“.

Er zeigte mir auch den 1980 dort aufgestellten Eisenbahnwagen. Solche Wagons wurden für die Konvois von Le Bourget bzw. Bobigny nach Auschwitz benutzt.

Diese Wagen waren für 8 Pferde oder 40 Menschen bestimmt- bei den Auschwitz-Transporten waren es eher doppelt so viele.

Zur Verfügung gestellt wurden die Wagons von der französischen Staatsbahn, auch die Zugführer bis zur deutschen Grenze waren SNCF-Angehörige.

Im Erdgeschoss der cité de la Muette gab es einen kleinen, schäbigen Raum mit ein paar Tafeln über die Geschichte des Lagers, über das auch ein Kurzfilm informierte. Es war Herrn Chemouni offensichtlich unangenehm, dass alles hier so unsäglich trist und heruntergekommen war. Aber immerhin: Jetzt könne man sich hier noch aufhalten, abends sei das überhaupt nicht mehr möglich: Da werde die Szene von Drogendealern beherrscht.  Aber dann zeigte er auf eine große Baustelle gegenüber: Ein mehrstöckiger Rohbau. Dort werde eine Zweigstelle des Mémorial de la Shoah einziehen und dann werde alles besser. 

Im Oktober 2012 wurde die neue Dependence eröffnet. Ein imposantes Gebäude mit einer Glasfront, so dass man immer einen Blick auf das ehemalige Lager und die Gedenkstätte hat. Und eine sehr modern gestaltete interaktive Ausstellung mit vielen Zugriffsmöglichkeiten auf Zeitzeugenberichte.

Plakat zum Mémorial von Drancy: Paris-Drancy 12km; Drancy-Auschwitz 1220 km Foto: Wolf Jöckel Oktober 2018

Bei unserem Besuch der neu eröffneten Erinnerungsstätte hatten wir das große Glück, zwei ehemalige Lagerinsassen zu treffen, die versucht hatten, mit Hilfe eines Tunnels der Deportation zu entgehen.  Die beiden, Serge Bouder und Roger Handschuh, gehörten zu den 70 Internierten, die in drei Schichten mit primitivsten Werkzeugen, z.B. Suppenlöffeln, den Tunnel in die Freiheit gruben.

Unter dieser Allee verlief in 1,3 Metern Tiefe der Fluchttunnel des Lagers Drancy. 70 Internierte arbeiteten Tag und Nacht an  seiner Fertigstellung. Begonnen im September 1943 und 36 Meter lang, wurde er im November 1943 von den Nazis entdeckt und niemals fertiggestellt. Es fehlten drei Meter, um die Freiheit zu erreichen.

Fotos: Wolf Jöckel

Nach der Entdeckung des Tunnels wurden Bouder und Handschuh in einem der Viehwagons deportiert, konnten allerdings bei einem nächtlichen Stopp des Transports durch eine Luke des Wagons entkommen.

Zu Fuß liefen sie etwa 50 km nach Paris zurück, wo sie Freunde/Genossen hatten, bei denen sie Unterschlupf fanden und mit denen sie im Widerstand arbeiteten. Eine faszinierende, abenteuerliche und inzwischen auch unter dem Titel „Les évadés de Drancy“ verfilmte Geschichte.[14]

Im Sommer 2022 wurden am Zaun des jardin du Luxembourg Portraits von Überlebenden des Holocaust ausgestellt, Teil des Projekts Lest we forget/Gegen das Vergessen des deutsch-italienischen Fotografen Luigi Toscano. Eines der Portraits zeigt den inzwischen verstorbenen Henri Zajdenwerger.

Aufgenommen am Zaun des jardin du Luxembourg. Juli 2022. Wolf Jöckel

Der 14-jährige Henri wurde 1942 bei einer Razzia in Angoulême verhaftet, aber als Franzose wieder freigelassen. Am 7. Februar 1944 wurde er erneut verhaftet und im Mai 1944 nach Drancy überstellt, wo er 8 Tage blieb. Am 15. Mai 1944 wurde er mit dem Konvoi 73 in die baltischen Staaten deportiert. Es war der einzige Konvoi, der nicht Auschwitz als Bestimmungsort hatte.  Von den 878 Männern des Konvois überlebten nur 22.  2022 war Henri Zajdenwerger der Einzige von ihnen, der noch lebte und seine Geschichte erzählen konnte. Am 20. Mai 2024 ist er in Paris gestorben. [15]

Praktische Hinweise

110-112, avenue Jean-Jaurès 93700 Drancy

Geöffnet von Sonntag bis Donnerstag 10-18 Uhr. Freier Eintritt

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Metro 5 bis Station Bobigny Pablo Picasso, dann mit Bus 251 bis Place du 19 mars 1962

oder: RER B bis Le Bourget, dann Bus 143 bis Square de la Libération

Informationen über Tage, an denen das Mémorial geschlossen ist, auf der Website des Mémorial: https://drancy.memorialdelashoah.org/

An einem Sonntag im Monat gibt es um 13 Uhr einen kostenlosen Bus vom Pariser Mémorial de la Shoah nach Drancy und zurück. Nähere Informationen auf der Website https://drancy.memorialdelashoah.org/

Literatur

Jacques Fredj, Drancy, un camp d’internement aux portes de Paris. 2015. Éditions Privat 2015

Maurice Rajsfus,  Drancy, un camp de concentration très ordinaire. Aus: Chroniques allemandes 12/2008, S.185-191  https://www.persee.fr/doc/chral_1167-4733_2008_num_12_1_888

Annette  Wieviorka, Michel Laffitte, À l’intérieur du camp de Drancy. Paris 2015

Annette  Wieviorka, Drancy. In: Les lieux de l’histoire de France. Sous la direction de Olivier Wieviorka et Michel Winock. Paris 2019

Collectiv, Les Graffiti du Camp de Drancy. Des noms sur les murs  / sous la direction de Mélanie Curdy, Denis Peschanski, Benoît Pouvreau, Thierry Zimmer. Belgique : Snoeck Publishers, 2014   

Antoine Sabbagh, Denis Peschanski, Lettres de Drancy. Tallandier 2019

Anmerkungen

[1] https://www.deutschlandfunk.de/vorzimmer-zur-hoelle-100.html  Von Ursula Welter | 22.09.2012

Titelbild aus: Drancy, Zeichnungen von Internierten vom Juli 1942.  Ausstellung L‘Art en guerre. Musée d’Art moderne de Paris 2012 Foto: Wolf Jöckel.

[1a] Wieviorka/Laffitte, À’intérieur du camp de Drancy, S. 57

[2] De septembre 1939 à juin 1940, il sert au Gouvernement français de lieu de détention pour les communistes. Le fichier de Drancy. Archives Agence 11. Januar 2022 https://blogs.icrc.org/cross-files/fr/le-fichier-de-drancy/ Entsprechend: Lieu de détention des communistes au cours de la Drôle de guerre, de septembre 1939 à mai 1940  https://museedelaresistanceenligne.org/media4330-La-camp-de-Drancy Es ist aber bemerkenswert, dass in vielen der von mir konsultierten Darstellungen diese erste Phase des Internierungslagers Drancy nicht erwähnt wird. (z.B. Wieviorka, Drancy; https://de.wikipedia.org/wiki/Sammellager_Drancy; https://www.paris.fr/pages/le-memorial-de-drancy-lieu-de-memoire-de-la-deportation-des-juifs-15426 : La cité de la Muette a été utilisée comme camp d’internement de 1941 à 1944.)

Nachfolgendes Bild aus: https://www.paris.fr/pages/le-memorial-de-drancy-lieu-de-memoire-de-la-deportation-des-juifs-15426

[3] Wieviorka/Laffitte, À’intérieur du camp de Drancy, S. 81f

[4] Aus: Drancy, Zeichnungen von Internierten. Juli 1942.  Ausstellung L‘Art en guerre. Musée d’Art moderne de Paris 2012 Foto: Wolf Jöckel.

[5] Wieviorka/Laffitte, À’intérieur du camp de Drancy, S. 75f

[6] Zur Geschichte des Lagers siehe im Einzelnen: Annette Wieviorka, Drancy

Nachfolgendes Foto: https://museedelaresistanceenligne.org/musee/mediatheque/mediatheque.php?r_texte=Drancy&r_Tri=1

[7] Zum weiteren Schicksal Brunners siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Brunner

[5] Wieviorka, Drancy, S. 568

[9] Der Fond der Zeichnungen kann eingesehen  werden unter: https://www.siv.archives-nationales.culture.gouv.fr/siv/rechercheconsultation/consultation/ir/consultationIR.action?irId=FRAN_IR_053857&details=true&gotoArchivesNums=false&udId=root&auSeinIR=true

[10] https://garedeportation.bobigny.fr/en/107/lannonce-du-depart-etles-derniers-jours-adrancy.htm   sur les murs des chambrées badigeonnés à la chaux, nous avions gravé des inscriptions

[11] https://www.paris.fr/pages/le-memorial-de-drancy-lieu-de-memoire-de-la-deportation-des-juifs-15426

[12] Ein aktuelles Beispiel dafür ist auch „der weite  Weg“ des 2024 ins Deutsche übersetzten „Berichts aus dem Land namens Auschwitz“, „Kaltes Krematorium“ von Jozsef Debreczeni. Siehe FAZ vom 24.1.2025

[13] https://www.paris.fr/pages/le-memorial-de-drancy-lieu-de-memoire-de-la-deportation-des-juifs-15426

[14] https://www.fondationshoah.org/memoire/les-evades-de-drancy-de-nicolas-levy-beff

[15] Weitere Informationen zu Henri Zajdenwerger: Lest We Forget 

Interview mit ihm: https://www.dailymotion.com/video/x866lg4 (Leider mit zwischengeschalteter Werbung)

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