Monumentalität und Poesie: „Anselm Kiefer: pour Paul Celan“ im Pariser Grand Palais Éphémère

Das Grand Palais Éphémère in Paris ist ein Übergangsbau, der während der Renovierung  des eigentlichen Grand Palais als Ort für Veranstaltungen wie Messen, Kongresse und Ausstellungen dient. Es steht auf dem Marsfeld zwischen dem Eiffelturm und der École Militaire.

Blick auf die École militaire. Wenn nicht anders angegeben: Alle Fotos von Wolf Jöckel

Dort stand einmal die Mauer für den Frieden. Die musste aber für das provisorische Grand Palais weichen – im Gegensatz zu dem Standbild des Marschalls Joffre, der im Ersten Weltkrieg mit seiner Strategie der offensive à outrance und des coûte que coûte Hunderttausende Menschenleben opferte.[1] 

Die Reiterstatue Joffres wurde in den Bau integriert und steht -jetzt vollständig restauriert- im Foyer der Ausstellungshalle.

Die gewaltige provisorische Holzkonstruktion des Grand Palais Éphémère soll 2024 unter dem Namen Arena de Champ-de-Mars als Austragungsstätte für die Judo- und Ringwettkämpfe der Olympischen Spiele dienen und danach ab­getragen und verkauft werden. Geplant wurde der Bau von dem Pariser Architekten Jean-Michel Wilmotte. Der hat auch eine neue mur pour la paix an einem neuen Standort entworfen, deren Realisierung aber noch auf sich warten lässt…. [2]

Der Eiffelturm ist aus Anlass der französischen EU-Ratspräsidentschaft blau angestrahlt – auf der anderen, dem Trocadero zugewandten Seite leuchten außerdem bis Ende Januar die 12 Sterne der Europaflagge. Zu Beginn jeder vollen Stunde glitzern wie immer auch noch am ganzen Eiffelturm die Lichter. Rechts ein Stück der hölzernen Konstruktion des Grand Palais Éphémère. Foto: F. Jöckel

Alles wirkt hier überwältigend: die Grundfläche von 10 000 Quadratmetern unter den bis zu zwanzig Meter hohen gewölbten Dächern über kreuzbasilikaartigem Grundriss, die zwei gewaltigen Glasflächen an den Stirnseiten mit Aus­blicken auf Eiffelturm und Militärschule, das diffuse Zwielicht: ein angemessener Raum für die monumentalen Arbeiten Anselm Kiefers.  

Überwältigend sind auch die insgesamt mehr als 860 Quadratmeter Leinwandfläche, die in der Ausstellung „Anselm Kiefer – für Paul Celan“ vom 16. Dezember 2021 bis zum 11. Januar 2022 gezeigt wurden.[3]

Das größte Bild war im Zentrum des Gebäudes platziert: „Als Arche verließ es die Straße“ (2020-2021)

Es ist nach den auf der Rückseite eingezeichneten Angaben fast 128 m2 groß.

Selbst für Kiefer sind solche Ausmaße von Gemälden ungewöhnlich; man kennt sie indes von seinen Bühnenbildern. Und in der Tat war das Ensemble dieser Bilder für Paul Celan im Pariser Riesenraum arrangiert wie auf einer Bühne: mit scheinbar beweglichen Akteuren, denn alle Leinwände waren auf Rollwagen befestigt. Das war nach Kiefers Angaben eine Idee von Chris Dercon, dem Theater-affinen Chef des Grand Palais. Kiefer selbst pflegt seine Bilder im Atelier aber auch auf Rollen aufzustellen, um die teilweise jahrelange Arbeit daran zu erleichtern.[4]

Anselm Kiefer, der französische „Staatskünstler“

Es war der persönliches Wunsch des französischen Präsidenten Macron, dass Anselm Kiefer zu Beginn der französischen EU-Ratspräsidentschaft im Pariser Grand Palais Éphémère  Monumentalwerke zur Dichtung Paul Celans ausstellt. Dies ist der (vorläufige) Höhepunkt der besonderen Wertschätzung durch die französische Republik, der sich Anselm Kiefer wie kein anderer bildender Künstler erfreut.

Seit 1992 lebt Kiefer in Frankreich. Es war der damalige Kulturminister François Mitterands,  der ihm eine frühere Fabrik in Barjac (Südfrankreich) als erstes Atelier zur Verfügung stellte.  2007 hatte Kiefer die Ehre, die Ausstellungsserie „Monumenta“ im Grand Palais zu eröffnen, wo jeweils ein Künstler den ganzen Glaskuppelbau gestaltete. 2011 wurde er mit dem „Ordre des arts et lettres“ (deutsch: Orden für Künste und Literatur) ausgezeichnet. 2015/2016 widmete das Centre Pompidou dem Deutschen eine bedeutende Retrospektive, und am 11. November 2020 weihte Staatspräsident Macron anlässlich der Pantheonisierung von Maurice Genevoix[5] im Pantheon, der Gedenkstätte für Frankreichs große Männer und Frauen, seine Auftragsarbeit an Anselm Kiefer ein.

Anselm Kiefer, Qu’est-ce que nous sommes… (2020) Panthéon. © Didier Plowy / CMN[6]

Seit 1924 hatte es keinen staatlichen Künstlerauftrag für den Panthéon gegeben. Sechs große Glasvitrinen mit Kiefers Kunst zum Gedächtnis stehen permanent im säkularen Tempelbau. Seither bezeichnet man Anselm Kiefer in deutschen wie französischen Medien gerne als Staatskünstler.[7] Chris Dercon, der Generalsekretär der die aktuelle Ausstellung organisierenden Vereinigung der Nationalmuseen RMN, geht sogar so weit zu behaupten, die deutsch-französische Freundschaft zwischen Macron und Kiefer sei der zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle zu vergleichen.[8]

Eine besondere Ehrung wurde Kiefer auch 2013 in der Ausstellung „De l’Allemagne, 1800- 1939. De Friedrich à Beckmann“ zuteil. Es war die größte Ausstellung deutscher Malerei, die jemals in Frankreich gezeigt wurde; (vielleicht abgesehen von der großen napoleonischen Raubkunstausstellung von 1806/07[9]).  Und als einziger Künstler der Nachkriegszeit war auch Kiefer vertreten- und das auch noch höchst prominent.

Foto: Wolf Jöckel (2013)

Dazu aus einer damaligen Ausstellungskritik:

„Als düster-raunendes Präludium hat Anselm Kiefer den Ein- und Ausgangsbereich der Ausstellung mit zehn großformatigen (fast vier Meter hoch, drei Meter breit), collagierten Holzschnitten versehen, die eine Art Privatmythologie des Rheins formulieren (De l’Allemagne, 1982-2013). Schwarze senkrechte Strukturen im Vordergrund der Collagen mögen einen, durch Wälder verstellten Blick auf den Fluss vorstellen, oder den, durch einen Grenzzaun gebrochenen Blick auf den Anderen symbolisieren…“[10]  

Foto: Wolf Jöckel (2013)

Die Louvre-Ausstellung war Anlass zu heftigen Polemiken. Die FAZ beispielsweise überschrieb ihre Ausstellungskritik lautmalerisch: Aus tiefem Tal zu Riefenstahl. In der Ausstellung werde das Bild eines Landes entworfen, das „mehr oder weniger geradlinig auf den Nationalsozialismus zusteuerte.“[11] Die einleitenden Bilder von zerstörten Landschaften, Bunkern und Nazi-Architektur haben sicherlich solchen Interpretationen Vorschub geleistet.  Insofern fand ich damals die Präsentation dieser Arbeiten Kiefers in diesem Kontext ziemlich befremdlich. Aber für Kiefer selbst hatte sie wohl eine gewisse Logik. Denn die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, ihren Nachwirkungen und ihrer Instrumentalisierung vor allem durch den Nationalsozialismus sind Konstante seiner Arbeiten.[12] Wie kein anderer bildender Künstler der Nachkriegszeit hat Kiefer die „Erinnerungsarbeit“ zum Kern seines Werkes gemacht.

Anselm Kiefer und Paul Celan: eine imaginäre Beziehung

Und dazu gehört vor allem auch die Erinnerung an den Holocaust. Seit Anselm Kiefer Paul Celans „Todesfuge“ in der Schule gelesen hatte,[13] ließ ihn der Dichter nicht mehr los. Ab 1980 versah er viele seiner Kunstwerke, in denen er sich mit der deutschen Nachkriegsidentität auseinandersetzte, mit Gedicht-Zitaten vor allem Celans, der ihm eine unendliche Quelle der Inspiration war.[14] Celan, dessen Eltern Opfer der nationalsozialistischen „Endlösung“ wurden, schrieb die Todesfuge im Mai 1945 nach seiner Befreiung aus einem rumänischen Arbeitslager. Das Gedicht ist denen geweiht, die ihr Grab in den Lüften haben. Ebenfalls im Mai 1945 wurde Anselm Kiefer im Keller eines noch kurz vor Ende des Krieges von Fliegerbomben zerstörten Krankenhauses in Donaueschingen geboren. Celan und Kiefer waren deutsch-französische Grenzgänger, beide fanden in Frankreich eine zweite Heimat und beide eint die lebenslange Auseinandersetzung mit den Gräueltaten des Dritten Reichs: Celan angetrieben von der conscience malheureuse des Überlebenden, Kiefer von der conscience du mal,  der von Deutschen begangenen Verbrechen.[15] In dem Bild „Für Paul Celan – das Bett Gedächtnis“, das 2022 von der Galerie Thaddaeus Ropac in Paris/Pantin ausgestellt wurde, hat Anselm Kiefer die Last des Gedächtnisses gestaltet.

Ausstellung „Anselm Kiefer. Hommage à un poète“: Für Paul Celan – das Bett Gedächtnis (2020-2021)  Bild: Wolf Jöckel (2022)

Celan erfindet für seine Gedichte eine neue Sprache: Sie entsteht aus der Verbindung zwischen seinen frühen lyrischen Vorbildern wie Georg Trakl und Stefan George „und der historischen Katastrophe, dem Terror der deutschen Nationalsozialisten ausgesetzt zu sein, die sich nicht zuletzt auch darauf beriefen. In dieser Spannung zwischen Kultur und Barbarei findet Celan zu seinem einzigartigen deutschsprachigen Ton. Celan arbeitet … äußerst konsequent allem entgegen, was mit einer vordergründigen Verständlichkeit, Eindeutigkeit und Harmonie zu tun hat. Es geht um Vieldeutiges, um Ambivalenzen, um etwas Unauslotbares, es geht um die Leerstellen und Zwischenräume, um Assoziationsflächen und Wortvalenzen.“[16] Es war unter dem Eindruck der Lyrik Paul Celans, dass Theodor W. Adorno sein apodiktisches Urteil von 1949, nach Auschwitz noch Gedichte zu schreiben sei barbarisch, relativierte. [17]

Auch Anselm Kiefer betritt mit seinen Arbeiten Neuland. Er verlässt die klassische Tradition der Malerei und integriert zusätzliche Materialien wie Stroh, Asche, Sand, Haare und Blei. Und dazu integriert er die Sprache, die Poesie.  Manchmal sind das nur wenige Worte  wie in den frühen Arbeiten zur „Todesfuge“: Da übernimmt er aus dem Gedicht Celans die  Überschriften seiner Bilder wie „dein goldenes Haar Margarete“ oder „dein aschenes Haar Sulamith“. In den monumentalen Werken, die in dem Grand Palais Éphémère ausgestellt sind, hat Kiefer dann ganze Passagen von Gedichten Celans mit Kreide eingearbeitet oder sie auch vollständig übernommen. Sie sind meist  auf die obere Hälfte der monumentalen Bilder geschrieben, deshalb oft auch insofern kaum entzifferbar, während unten die „klassische“ Kiefer’sche Bildsprache herrscht: apokalytische Landschaften, Bunker, Explosionen, Blut, meist in dick aufgetragenen Grautönen und oft plastisch gestaltet mit Materialien, die sich auf die Gedichte Celans beziehen: Farne, wenn es um Celans Gedicht „Das Geheimnis der Farne“ geht, Beile und Sensen für „Die Beilschwärme“, Steine für „Die hellen Steine“; und natürlich der Mohn, den Titel von Celans Gedichtsammlung „Mohn und Gedächtnis“ aufgreifend.

In sein Tagebuch, das er während der Vorbereitung für die Ausstellung im Grand Palais Éphémère führte, schrieb Anselm Kiefer: „Celan betrachtet nicht nur einfach die Leere, er hat sie erfahren, erlebt, durchdrungen. (…) Die Sprache von Paul Celan kommt von so weit her, aus einer ganz anderen Welt, die wir bis jetzt noch nicht betreten haben, sie wirkt auf uns wie die eines Außerirdischen. Es fällt uns schwer, sie zu verstehen, wir verstehen nur hier und da mal einen Bruchteil. Wir versuchen es, ohne je das große Ganze erfassen zu können. Ich habe es in aller Demut sechzig Jahre lang versucht. Nun schreibe ich sie auf meine Bilder, ein Unterfangen, dem ich mich widme wie einem Ritual.“[18]

Während die monumentalen Bilder extra für diese Ausstellung erarbeitet oder fertiggestellt wurden, sind die beiden großen „Mohn und Gedächtnis“-Objekte schon älter: Ein mit Mohn gespickter ehemaliger Bunker des sogenannten Westwalls, den Kiefer aus seiner Jugend kannte und kaufte,  und ein riesiges Flugzeug: Schwer beladen mit bleiernen Büchern wird es aber nicht abheben und Zerstörung verbreiten können: Vielleicht Ausdruck der Hoffnung -trotz alledem- auf die zivilisierende Kraft der Kultur….

Eindrücke der Ausstellung

Am 8. Januar 2022 las die Schauspielerin Anne Cosigny vor dem zentalen Gemälde der Ausstellung, Als Arche verließ es die Straße Auszüge aus der Dankesrede Anselm Kiefers anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche 2008: „J’ai grandi au bord du Rhin“.   

Ich nehme das zum Anlass, zwischen den nachfolgenden Bildern kleinere  Passagen aus dieser Dankesrede wiederzugeben.[19]

Auf der Klippe- für Paul Celan (2020-2021) Ausschnitt
Auf der Klippe- für Paul Celan (2020-2021) Ausschnitt

„Ich denke in Bildern. Dabei helfen mir Gedichte. Sie sind wie Bojen im Meer. Ich schwimme zu ihnen, von einer zur anderen; dazwischen, ohne sie, bin ich verloren.“

Auf der Klippe- für Paul Celan (2020-2021) Ausschnitt
An die Haltlosigkeiten (2021)

„Ich bin aufgewachsen am Rhein, dem Grenzfluss. Aber schon damals war es nicht nur eine geographische Grenze. Man hörte das Klatschen des Wassers gegen das mit Steinen befestigte Ufer, man sah die Lichter am anderen Ufer und die gefährlichen Wirbel im Fluss selbst. Das am anderen Ufer gelegene Land war nicht ein Land unter anderen, es war für das Kind, da da nicht hinüber konnte, ein Versprechen in die Zukunft, eine Hoffnung, es war das Gelobte Land.“

Beilschwämme (2020-2021) Ausschnitt
Beilschwämme (2020-2021) Ausschnitt
Die Asche vom Brunnen von Akra (2020-2021) Ausschnitt

Nach dem Naturgesetz von der Erhaltung der Materie geht kein Atom verloren. Wissenschaftler behaupten, dass  jeder von uns eine unerhört hohe Anzahl von Atomen in sich trägt, die schon Jahrmillionen in sehr unterschiedlichen Materialien anwesend waren und nun in uns sind. Wir tragen in uns die Atome vom Strand  von Ostia, Ateome der Steine von der Wüste Gobi, Atome  von Knochen von Dinosauriern- aber auch von Shakespeare, von Martin Luther, von Einstein, den Opfern und Tätern der vergangenen Jahrhunderte.“

Denk dir- die Moorsoldaten  (2018-2021)  Ausschnitt
Denk dir- die Moorsoldaten „2018-2021 Ausschnitt

„Es gibt eine besondere Grenze, die Grenze zwischen Kunst und Leben, eine Grenze, die sich oft irrlichternd verschieb. Aber ohne diese Grenze gibt es keine Kunst. Im Verlauf der Herstellung leiht sich die Kunst das Material vom Leben; und noch im vollendeten Kunstwerk scheinen die Spuren von Leben durch. Die Distanz zum Leben ist aber zugleich das Wesentliche, die Substanz der Kunst. Dennoch hat das Leben seine Spuren hinterlassen. Und das Kunstwerk ist umso interessanter, je mehr es gezeichnet ist vom Kampf um die Grenzen zwischen Kunst und Leben.“

 Geheimnis der Farne (2018-2021)
Geheimnis der Farne (2018-2021) Ausschnitt
Gesang der fremden Brüder (2017-2021) Ausschnitt
Für Paul Celan- Mohn und Gedächtnis (2019)

„Die Reste  des Westwalls wurden geschleift. … Die Wunden wurden nicht verbunden, sondern schamhaft verdeckt.“

Für Paul Celan- Mohn und Gedächtnis (2019)

„Trümmer sind  nicht nur Ende, sondern auch Anfang. Eine sogenannte Stunde Null gab es in Wirklichkeit nie.“

Mohn und Gedächtnis (2016)

Der Mensch, sagt Rabbi Eleasar, ist ein Stück, an dessen Enden Gott und Satan ziehen und am Schluss ist dann freilich Gott der Stärkere. Ich dagegen denke, dass der Ausgang offen bleibt.“ (Ende der Dankesrede Anselm Kiefers)

Arsenal (2021)

Im hinteren Bereich der Halle, vor der Fensterfront mit Blick auf den Eiffelturm, sind drei riesige Regale aufgestellt, in denen gesammelte Objekte für Kiefers Kunst lagern.

Es sind Arbeitsmaterialien aus dem Atelier Kiefers in Croissy-Beaubourg (Seine et Marne), einer ehemaligen riesigen Lagerhalle des  Kaufhauses Samaritaine.  Hier in der Ausstellung sind sie  veredelt zum autonomen Kunstwerk „Arsenal“: Es ist die „Munition“ für die Arbeit des Künstlers – getrocknete oder galvanisierte Farne, Strohhalme und Mohnblumen, Glasscherben, Asche oder andere Fundstücke, die auf eine neue Verwendung warten.

Aus dem Gedicht von Paul Celan Die Krüge (1949)[20]

Aus dem Gedicht Stille von Paul Celan. In den Zeilen davor gibt es eine Anspielung auf die sogenannte Kristallnacht/Pogromnacht vom 9. November 1938: …. ein Glas, das vom Tisch sprang, erklirrte: es läutete ein eine Nacht, die finsterte länger als wir.

Viele der im „Arsenal“ versammelten Materialien haben eine symbolische Bedeutung wie die in der jüdischen Mythologie, aber auch in der Alltagskultur bedeutsamen Scherben oder die zusammengeworfenen Handschuhe und die Koffer, bei denen Assoziationen an Auschwitz und die Shoah sich aufdrängen.

Allerdings beschriftet Anselm Kiefer die Koffer mit dem Begriff „Schechina“, der alttestamentarischen Bezeichnung für die Gegenwart Gottes: Zerstörung und Vernichtung sind also nicht das letzte Wort…

Aus der Kiefer-Retrospektive im Centre  Pompidou. Foto: Wolf Jöckel (2015)

Wie für Celan ist auch für Kiefer die Vergangenheit omnipräsent. Für beide war bzw. ist sie bedrückend, und Celan wurde schließlich von ihr erdrückt. Auch auf Kiefer lastet das Gedächtnis. Aber die überwältigende Monumentalität seiner im Grand Palais Éphémère ausgestellten Werke und die Beschwörung der Poesie Paul Celans verstehe ich als Versuch, der Monstrosität des Grauens zu trotzen – und dazu beizutragen, dass bei dem Ringen Gottes und des Satans um den Menschen, von dem Kiefer am Ende seiner Frankfurter Dankesrede sprach, am Ende doch die Humanität siegen möge.


Anmerkungen

[1]https://paris-blog.org/2016/07/01/die-mauer-fuer-den-frieden-le-mur-pour-la-paix-auf-dem-marsfeld/  

[2] Siehe https://www.lagazettedupatrimoine.fr/blog/files/4de67321ed549cd8a745a7b8b777cf11-187.html  https://www.nouvelobs.com/societe/20210106.OBS38468/tribune-le-mur-pour-la-paix-une-histoire-francaise-par-marek-halter.html

[3] Kritisch dazu die Zeitung La Croix: „Difficile pourtant de ne pas se sentir un peu écrasé par cette démonstration de puissance, où la démesure des formats rivalise avec la débauche des matières, les perspectives centrées, presque martiales, l’abondance des citations et des références. D’autant que face aux longs poèmes en allemand inscrits dans les peintures, le visiteur non germanophone est laissé seul, sans qu’aucune traduction ne lui soit proposée. On en ressort impressionné. Pas forcément touché.“ https://www.la-croix.com/Culture/A-Paris-pesanteur-dAnselm-Kiefer-grace-Paul-Celan-2021-12-25-1201191862  Laurent Wolf sprach 2016 in einer ausführlichen Besprechung der Kiefer-Retrospektive im Centre Pompidou von einem „oeuvre assez intimidante“.  https://www.revue-etudes.com/article/anselm-kiefer-et-le-deuil-infini-de-l-allemagne-17419. Anlässlich der Ausstellung im Grand Palais Éphémère hätte  er sicherlich noch mehr Anlass zu einer solchen Einschätzung gehabt.

[4] Der Text dieses Abschnitts folgt in großen Teilen der Rezension von Andreas Platthaus: Kiefer-Ausstellung in Paris: Olympier unter sich. FAZ vom 18.12.2021

[5] Zur Pantheonisierung von Genevoix siehe den  Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2020/11/02/die-aufnahme-des-schriftstellers-maurice-genevoix-und-der-franzosischen-teilnehmer-des-1-weltkriegs-ceux-de-14-ins-pantheon/

[6] https://www.lejournaldesarts.fr/patrimoine/retour-historique-de-lart-contemporain-au-pantheon-152019

[7] So Philippe Dagen in  Le Monde vom 21. Dezember 2021 „Ainsi Kiefer fait-il aujourd’hui figure d’artiste officiel de la République.“  Und -wenig freundlich- danach:  „L’histoire apprend que, prestigieuse du vivant de celui qui en bénéficie, cette position se révèle souvent moins flatteuse au regard de la postérité.“ An wen Dagen da wohl gedacht haben mag?

Zum hervorgehobenen Status von Kiefer siehe auch: https://www.weltkunst.de/ausstellungen/2021/12/anselm-kiefer-paris-grand-palais-ephemere-staatskuenstler und  https://www.welt.de/kultur/kunst/plus235825304/Anselm-Kiefer-Staatskuenstler-von-Macrons-Gnaden.html

[8] Bild aus: Anselm Kiefer-Schau in Paris: „Für Paul Celan“.Auf persönlichen Wunsch des französischen Präsidenten Macron zeigt Anselm Kiefer im Pariser Grand Palais Ephémère Monumentalwerke zur Dichtung Paul Celans. Anselm Kiefer-Schau in Paris: ″Für Paul Celan″ | Kunst | DW | 21.12.2021

[9] Siehe den Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2021/05/01/vivant-denon-der-kunstrauber-napoleons-und-sein-musee-napoleon-louvre-teil-1-die-grose-ausstellung-deutscher-raubkunst-1806-1807/

[10] https://www.kulturraum.nrw/ausstellung/de-l-allemagne-ueber-deutschland-ausstellung-paris-louvre.html

[11] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/de-l-allemagne-im-louvre-aus-tiefem-tal-zu-riefenstahl-12141764.html

Siehe dazu auch: https://www.lemonde.fr/culture/article/2013/04/18/de-l-allemagne-le-grand-malentendu_3162455_3246.html

[12] In diesem Zusammenhang sind auch zwei Ausstellungsobjekte im Grand Palais Éphémère  zu sehen, die nicht zum Paul-Celan-Kompex gehören: Das monumentale Bild Mme de Staël, de l’Allemagne (2015-2021) und die  Installation Occupations (1969-2021). Auf beide näher einzugehen würde hier zu weit führen.

[13] So Kiefer in einem Gespräch mit Heinz-Norbert Jocks anlässlich der großen Retrospektive im Centre Pompidou. https://www.kunstforum.de/artikel/anselm-kiefer-6/

Insofern trifft gerade im Falle Anselm Kiefers nicht die pauschale Feststellung von Marie Minissieux-Chamonard in ihrem Aufsatz  Anselm Kiefer, la fabrique de la mémoire von 2015 zu: Anselm Kiefer (…) fait partie des artistes allemands dits « de la seconde génération », qui n’ont connu ni la guerre ni la Shoah – un véritable trou noir que ni la famille, ni l’école, ni les parents ne permettent de combler. https://www.cairn.info/revue-de-la-bibliotheque-nationale-de-france-2015-3-page-14.htm Immerhin fand 1961 der Eichmann-Prozess statt, da war Kiefer 16 Jahre alt, also wohl am Beginn seiner Zeit als Obertufenschüler. Und damals gab es durchaus schon Lehrer, die im Unterricht die Todesfuge zum Thema machten. Sie gehörte schließlich sogar zum Unterrichtskanon der Oberstufe, was Celan zu der kritischen Anmerkung veranlasste, das Gedicht sei „Lesebuchreif abgedroschen“….

Den Begriff der „imaginären Beziehung“ habe ich von Robert Fleck übernommen. https://journals.openedition.org/critiquedart/871 )

[14] Linda Schildbach:  Blut, Krieg, Heimat: Monumentale Ausstellung von Anselm Kiefer im Grand Palais in Paris

17.12.2021. https://www.swr.de/swr2/kunst-und-ausstellung/blut-krieg-heimat-monumentale-ausstellung-von-anselm-kiefer-oeffnet-im-grand-palais-in-paris-100.html

Grundlegend zum Verhältnis von Kiefer und Celan:  Andrea Lauterwein, Anselm Kiefer et la poésie de Paul Celan, Paris : Ed. du Regard, 2006

[15] Robert Fleck:  Andrea Lauterwein. Anselm Kiefer et la poésie de Paul Celan. https://journals.openedition.org/critiquedart/871

[16] https://www.sueddeutsche.de/kultur/paul-celan-todesfuge-holocaust-czernowitz-biografie-1.5123449

[17] Theodor W. Adorno: Kulturkritik und Gesellschaft. In: Gesammelte Schriften, Band 10.1 Frankfurt am Main: Suhrkamp 1977, S. 30. Siehe dazu: Klaus Laermann, Gedichte schreiben nach Auschwitz: Die Stimme bleibt. Theodor W. Adornos Diktum- Überlegungen zu einem Darstellungsverbot. DIE ZEIT vom 27. März 1992

[18] Zit.  https://www.dw.com/de/anselm-kiefer-schau-paris-f%C3%BCr-paul-celan/a-60200281

[19] Dankesrede Anselm Kiefers. Aus: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2008 Anselm Kiefer. FFM:  Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2008, S. 59-72

[20] https://www.deutschelyrik.de/die-kruege.html

Weitere geplante Blog-Beiträge:

Die Schatzkammer der Scheichs: Die Sammlung Al Thani im Hôtel de la Marine in Paris

Das Pantheon der großen (und der weniger großen) Männer und der wenigen großen Frauen, Teil 2: Der Kult der großen Männer

Der Elefant der Bastille

Das Reiterstandbild Heinrichs IV. auf dem Pont Neuf

Die Tiere des Königs (Les animaux du roi): Eine Ausstellung im Schloss von Versailles

Die Aufnahme des Schriftstellers Maurice Genevoix und der (französischen) Teilnehmer des 1. Weltkriegs (Ceux de 14) ins Pantheon am 11. 11.2020

Am 11. November 2020 wurden -aufgrund der Covid-19-Pandemie in eingeschränktem Format- die sterblichen Überreste des Schriftstellers Maurice Genevoix ins Pantheon überführt. (1) Zusammen mit ihm wurden in einem symbolischen Akt auch die (französischen) Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkriegs,  „Ceux de 14“, in den Tempel der „grands hommes“ aufgenommen:  „Ceux de 14“ ist gleichzeitig der Titel des großen vierbändigen Werkes, das Genevoix über den Krieg geschrieben hat.

Im nachfolgenden Bericht werden zunächst Maurice Genevoix  und sein großer Kriegsbericht vorgestellt. Ein Schwerpunkt dabei ist Les Éparges, ein Kriegsschauplatz in der Nähe von Verdun. Dort hat Genevoix als Offizier an den erbitterten Kämpfen teilgenommen und wurde schwer verwundet.

Danach wird erläutert, wie es zur Entscheidung für die Pantheonisierung Genevoix‘ und gleichzeitig aller Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkriegs gekommen ist und welche Bedeutung sie hat.  

Den Schluss des Berichts bilden einige kritische Bemerkungen zu der pauschalen republikanischen Sakralisierung von Soldaten, wie sie jetzt in Frankreich vorgenommen wurde – ein in Deutschland kaum vorstellbarer Vorgang.

Maurice Genevoix und „Ceux de 14“

Nach seiner Schulzeit studierte der 1890 geborene Genevoix  an der Pariser Elitehochschule École normale supérieure (ENS). Zu Beginn des Weltkriegs wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, nahm an den Kämpfen an der Marne und bei Verdun teil und wurde bei Les Éparges schwer verwundet. Damit war der Krieg für ihn als Soldat beendet, aber es begann  nun eine Karriere als Schriftsteller. Auf Anregung seines Hochschullehrers hatte er seit Beginn des Krieges ein Tagebuch geführt, auf dessen Grundlage er 1916 den Kriegsbericht „Bei Verdun“ veröffentlichte.

Auch wenn damals die Literatur etwas mehr Freiraum hatte als die stark zensierte Presse, so war doch Genevoix‘ Darstellung der Schrecken des Krieges für die Zensur allzu realistisch. Das Buch erschien deshalb mit zahlreichen weißen Seiten. „Gestrichen wurden die absurden Befehle der „bellenden Generäle“ und ihr Missbrauch der Soldaten als Kanonenfutter. Zensiert wurden auch Abschnitte über Gewalt gegen die eigene Bevölkerung und an den Gefangenen, über Plünderungen und Momente panischer Angst in der Truppe. Nicht gedruckt werden durften Hinweise, in denen die Qualität der deutschen Soldaten und ihrer Schützengräben gelobt wurde. Die Zensur verhinderte auch, dass Genevoix für sein Debüt 1916 den Prix Goncourt bekam.“ [1a]

Genevoix zeigt eine von der Zensur unterdrückte Seite der Originalausgabe von „Sous Verdun“

Es folgten weitere Kriegsberichte, die Genevoix 1949 unter dem Titel „Ceux de 14“ zusammenfasste und in vier Abschnitte gliederte: Sous Verdun (1916), Nuits de guerre (Kriegsnächte, 1917), La Boue (Der Schlamm, 1921) und Les Éparges (1923).

Es sind persönliche Berichte aus der Ich-Perspektive – Folge der ursprünglichen Tagebuch-Form. Aber es geht Genevoix nicht darum, die eigene Rolle hervorzuheben oder gar zu glorifizieren. Wie auch andere Schriftsteller des Krieges ersetzt er „den Singular des klassischen Helden durch den Plural einer Vielzahl von Figuren.“ Diese Ablösung des Individuums entspricht der Ablösung einer Kriegsform, die individuelle Zweikämpfe von Mann gegen Mann noch zuließ, durch den modernen technischen Krieg zwischen anonymen Heermassen. Diese konsequente Entindividualisierung und Entheroisierung des Geschehens unterminiert schließlich auch dasjenige Ereignis, das in den patriotischen und nationalistischen Darstellungen als Akt des Heroismus schlechthin gilt: den heldenhaften Tod für das Vaterland.[2] Die vielen Kameraden, deren Tod Genevoix mit großem Realismus und mit großer Anteilnahme beschreibt, sind für ihn nicht „auf dem Feld der Ehre“ gestorben, sondern in verschlammten Schützengräben oder Granattrichtern.

Ebenfalls eine Folge der ursprünglichen Tagebuch-Form ist das Präsens, das Genevoix in seinen Berichten verwendet.  Aber es ist auch Ausdruck eines bestimmten Standortes des Erzählers. „Dieser kann den gesamten Zeitraum des Geschehens nicht mehr aus der zeitlichen Distanz und der Perspektive ihres Endes, Zieles und Sinns überblicken, sondern er muss ‚in actu‘ unmittelbar während oder kurz nach den Ereignissen berichten. Ebenso wie der räumliche ist mithin auch der zeitliche Blickwinkel begrenzt. Diese Erzählweise bringt es mit sich, dass dem Geschehen Ende, Ziel und Sinn verloren gehen und die zielgerichtete Entwicklung der Geschichte in eine Abfolge aneinandergereihter Ereignisse aufgelöst wird. Das Kriegsgeschehen erscheint unverständlich, sinnlos und absurd.“[3]

Genevoix war ein „normalien“, ein Intellektueller, der Latein und Griechisch beherrschte, der als Jahrgangsbester am Beginn einer verheißungsvollen wissenschaftlichen Karriere stand. Vor Verdun wurde er zum guerrier, zum Krieger, der ohne wenn und aber seinen „Job“ machte, ja der „den Kampf als eine Art republikanische Kommunion“ betrieb und liebte.[4] Den ihm anvertrauten Kameraden –meist einfache Leute aus dem ländlichen Frankreich- war er mit großer Zuneigung verbunden und stolz, wenn er die ihm befohlenen Weisungen  „ohne ein Übermaß an Verlusten“ ausführen konnte. Bei seinem ersten Kriegseinsatz im September 1914 erhielt er  den Auftrag, seine Einheit nach einem verlustreichen Angriff wieder auf einer rückwärtigen Position zu sammeln. Genevoix, damals Unterleutnant, berichtet im Rückblick:

„Von dem Zeitpunkt, als ich meine Männer führte, hatte ich keinen einzigen Verwundeten. Am Morgen danach erstatteten wir Rapport. Von den vier Einheiten der Kompanie war meine am wenigsten in Mitleidenschaft gezogen worden: 21 Mann gefallen oder verwundet von einer Gesamtzahl von 60. Das war viel, aber ich hatte ein gutes Gewissen. Anstelle der Zustimmung, die ich erwartete, bekam ich bloß einen erstaunen, mißtrauischen Blick und ein mich empörendes: ‚Nur so wenig?`[5]

Später, in Les Éparges, konnten seine Vorgesetzten zufriedener sein: „Alleine in meinem Regiment überstiegen die seit dem Angriff vom 17. Februar zusammengerechneten Verluste den ursprünglichen Gesamtstand“. Und das „auf  einer Frontlinie, die nicht über zwölfhundert Meter hinaus ging.[6]

Les Éparges bezeichnet einen Höhenzug südöstlich von Verdun, der im September 1914 von deutschen Truppen besetzt wurde. Wegen seiner strategischen Bedeutung beschloss die französische Armeeführung seine Rückeroberung. Vom Angriffsbeginn am 17. Februar bis zum  April 1915 tobten heftigste Kämpfe:  Ständige Angriffe und Gegenangriffe, kleine Geländegewinne, die dann wieder verloren wurden, Hunger, Kälte, völlig verschlammte Schützengräben, pausenloser Artilleriebeschuss und Tausende und Abertausende Tote, Verwundete und Vermisste auf beiden Seiten. Es war „schlimmer als die Hölle. All das ohne entscheidenden Sieg und mit keiner anderen Konsequenz als die Anhäufung von Leichen, von entstellten Gesichtern, von im Schlamm vergrabenen Köpfen, zerschossenen Bäumen, verwüsteten Landschaften.“[7] 

Die  „Massaker im Schlamm von Les Éparges“ (Genevoix) [8] machten aus dem jungen Offizier, der den Krieg und den  Kampf liebte, zwar keinen Pazifisten wie seinen ebenfalls in Les Éparges eingesetzten Schriftstellerkollegen Jean Giono, aber einen Skeptiker, der vor der Absurdität des Kampfes nicht mehr die Augen verschließen konnte.[9]

In Ceux de 14 hat Genevoix folgende flehende Bitte an seine Leser besonders markiert:

« Pitié pour nos soldats qui sont morts ! Pitié pour nous vivants qui étions auprès d’eux, pour qui nous nous battrons demain, nous qui mourrons, nous qui souffrirons dans nos chairs mutilées ! Pitié pour nous, forçats de guerre qui n’avions pas voulu cela, pour nous tous qui étions des hommes, et qui désespérons de jamais le redevenir. »[10]

Mitleid mit unseren Soldaten, die gestorben sind! Mitleid mit uns Lebenden, die bei ihnen waren, für die wir morgen kämpfen werden, wir, die sterben werden, wir, die wir in unserem verstümmelten Fleisch leiden werden! Mitleid mit uns zum Krieg Verurteilte, die das nicht wollten, für uns alle, die wir Menschen waren und die daran verzweifeln, es jemals wieder zu werden.

Vor dem Rathaus von Les Éparges wurde dem Schriftsteller ein Denkmal errichtet mit folgendem Zitat auf dem Sockel:  „Das was wir gemacht haben, ist mehr als das,  was man von uns erwarten konnte, und wir haben es gemacht.“[11] Darauf war Genevoix stolz, aber er hat andererseits sogar diejenigen französischen Soldaten verstanden, die dieses „mehr als“ nicht mehr mitmachen wollten oder konnten. Das gehört auch zu dem Humanismus, der den Krieger Genevoix prägte. 

Die Darstellung der Kämpfe um Les Éparges ist der Höhe- und Endpunkt seiner Kriegsberichte.

Sie enden mit seiner Verwundung, die er genau beschreibt:

„je suis tombé un genou en terre. Dur et sec, un choc a heurté mon bras gauche. Il est derrière moi; il saigne à flots saccadés. Je voudrais le ramener à mon flanc: je ne peux pas. Je voudrais me lever; je ne peux pas. Mon bras que je regarde tressaute au choc d’une deuxième balle, et saigne par un autre trou. Mon genou pèse sur le sol, comme si mon corps était de plomb; ma tête s’incline: et sous mes yeux un lambeau d’étoffe saute, au choc mat d’une troisième balle. Stupide, je vois sur ma poitrine, à gauche près de l’aisselle, un profond sillon de chair rouge.“[12] 

In seinem ins Deutsche übersetzten Alterswerk „Nahaufnahme des Todes“ beschreibt er noch einmal, wie er seine Verwundung erlebt hat:

„Die Kugel erwischte mich auf der Innenseite des linken Armes. Mit einer solchen Härte, dass ich meinte, mein Arm sei weggerissen worden. Ich sagte ssofort, dass es eine Sprengkugel war, dass sie beim Explodieren den gesamten Nerven- und Gefäßstrang zerfetzte. Ich fiel auf der Stelle hin, nicht der Länge nach, sondern auf mein Knie. (…) Der Mann, der mich gerade niedergestreckt hatte, hatte mich immer noch im Korn seines Mausers. Er hatte Zeit, seinen Verschluss zu betätigen, er schoß neuerlich auf mich. …“ (12a)

Die zweite Kugel trifft Genevoix noch einmal im Arm, eine dritte seine Brust, ohne allerdings innere Organe zu verletzen. Genevoix wird mitten im Kampf aus der vordersten Frontlinie in Sicherheit gebracht und gerettet. Seinen linken Arm wird er allerdings nicht mehr gebrauchen können.

Am gleichen Tag wie Genevoix wird übrigens auch Ernst Jünger bei Les Éparges verwundet. Beide verarbeiteten ihre Kriegserlebnisse literarisch und wurden Schriftsteller, „die größten des Krieges“, wie Bernard Maris urteilt, immerhin der Schwiegersohn von Maurice Genevoix.[13]

Seine Rekonvaleszenz und das Ende des Krieges verbrachte Genevoix in seiner Heimat an der Loire, die auch den Hintergrund eines großen Teils seines nicht auf den Krieg bezogenen Werkes bildet. 1925 erhielt er für seinen Roman Raboliot den prix Goncourt, den bedeutendsten französischen Literaturpreis. 1946 wurde er in die Académie française, also in den Kreis der „Unsterblichen“, aufgenommen und schließlich sogar deren Sekretär – eine ganz besondere Auszeichnung. Und immer engagierte er sich für die überlebenden Kämpfer des Ersten Weltkrieges und bemühte sich, die Erinnerung an diesen Krieg und seine Schrecken wachzuhalten. Die 1967 eröffnete Gedenkstätte in Verdun geht auf seine Initiative zurück.[14]

Wie kam es zur Pantheonisierung und was bedeutet sie?

Im September 2011 unterbreitete Josef Zimet im Namen der Direction de la mémoire, du patrimoine et des archives dem damaligen Staatspräsidenten Sarkozy Vorschläge für die Durchführung der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestrag des Ersten Weltkriegs. Eine der dort aufgeführten Maßnahmen war Die Überführung ins Pantheon von Maurice Genevoix, dem rechtmäßigen Sprecher der Generation der Veteranen des Ersten Weltkrieges am 11. November 2014.[15] Es sollte sich bei der Aufnahme ins Pantheon also nicht nur um einen symbolischen Akt handeln, sondern die sterblichen Überreste des auf dem Friedhof von Passy im Westen von Paris bestatteten Genevoix sollten -mit Zustimmung der Erben des Dichters- ins Pantheon überführt werden.

Grab von Genevoix auf dem Friedhof von Passy in Paris[16]

Allerdings wird der Vorschlag nun erst mit (mindestens) 6-jähriger Verzögerung ausgeführt.  Ein Grund dafür war der Wechsel des Staatspräsidenten, zu dessen Privilegien die Benennung der „großen Männer“ (und Frauen) gehört, die ins Pantheon einziehen. 2012 wurde François Hollande zum Präsidenten gewählt, und der hatte, was die Pantheonisierungen  angeht, andere Prioritäten: Im Mai 2015, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs,  wurden vier Vertreter des Widerstands ins Pantheon aufgenommen: Germaine Tillon, Geneviève de Gaulle-Anthonioz, Jean Zay und Pierre Brosselette, denen 2017 Simon Veil folgte.[17]

Der Nachfolger Hollandes, Macron, nahm dann den Vorschlag des inzwischen zu seinem Kommunikationsberater avancierten Joseph Zimet auf und kündigte im November 2018 bei einer Rundreise zu den Schauplätzen des Ersten Weltkrieges in Les Éparges die  Aufnahme von Maurice Genevoix ins Pantheon für den 11. November 2019 an. [18]  Dieses Datum konnte allerdings nicht eingehalten werden. Die Vorbereitungen für die Pantheonisierung dauerten offensichtlich länger als geplant und der 11. November 2020 ist immerhin ein beziehungsreiches Datum: Denn 100 Jahre zuvor, am 11. November 1920, wurde zum ersten Mal unter dem Arc de Triomphe die Flamme über dem Grab des dort bestatteten unbekannten Soldaten entzündet. Insofern krönt die Zeremonie vom 11.11.2020 die 100 Jahre zuvor vollzogene republikanische „sanctuarisation“ der Kriegsopfer und weitet sie auf alle ehemaligen Kriegsteilnehmer aus. [20] .

Denn entsprechend der Ankündigung Macrons zieht Genevoix ja nicht allein ins Pantheon ein : Es sollten auch „Ceux de 14“ geehrt werden: einfache Soldaten, Offiziere, Generäle,  Kriegsfreiwillige, Eingezogene, dazu auch die Frauen, die sich an der Seite der Kämpfenden engagiert hätten, „die ganze Armee, die ein Volk war, das ganze große Volk, das eine siegreiche Armee wurde“.[19]

Diese kollektive Pantheonisierng ist neu und überraschend: Es gibt zwar im Pantheon schon Plaketten zur Würdigung von Personengruppen, zum Beispiel eine Plakette für die 560 écrivains combattants de la Grande Guerre (darunter natürlich Genevoix) und eine andere, die die Justes de France ehrt, die Männer und Frauen also, die im Zweiten Weltkrieg mit großem Mut jüdische Mitbürger vor dem Tod retteten und den Auftrag der Brüderlichkeit mit Leben erfüllten.  Aber das waren doch genau bestimmte Personengruppen und auch nur Würdigungen, während es jetzt um„tous les soldats de 1914“ geht und um eine regelrechte, wenn auch natürlich nur symbolische pauschale Pantheonisierung. [21]  Die Bedeutung einer solchen Ehrung liegt auf der Hand: Damit soll „die nationale Einheit der Franzosen in der Kriegszeit“ in Szene gesetzt werden. ‚Cohesion nationale‘, ‚rassemblement national‘, ‚unité nationale‘ seien, wie Arndt Weinrich in einem Artikel über die französische Erinnerungspoltik aus Anlass des 100. Jahrestags des Ersten Weltkriegs schrieb, immer wiederkehrende Schlagworte. Insbesondere gehe es dabei darum, „durch die Würdigung der Opferbereitschaft vergangener Generationen die Bevölkerung in die Pflicht zu nehmen, den Herausforderungen der Zukunft tapfer und mit Selbstbewusstsein zu begegnen.“[22]

Dieser Text ist 2011 geschrieben, als zum ersten Mal die Pantheonisierung von Maurice Genevoix auf die politische Tagesordnung kam.  Die hier herausgestellte Bedeutung einer solchen Ehrung ist aber immer noch oder sogar mehr denn je zutreffend: Heute befindet sich ja Frankreich, nach der Überzeugung seines Präsidenten, wieder im Kriegszustand – diesmal gegen das Covid 19- Virus,  und dies versucht er immer wieder und eindringlich der Bevölkerung zu vermitteln, die er zu einer „mobilisation générale“, zu einer Generalmobilmachung, aufruft. Beschworen wird dabei auch die „union sacrée“- ein direkter Bezug zum „Großen Krieg“ von 1914 – und dies  in einem Land, das in den letzten Jahren von zunehmender Spaltung gekennzeichnet ist. Dazu kommt schließlich auch der ebenfalls von Macron ausgerufene Krieg gegen den islamistischen Terrorismus: Frankreich befindet sich also gewissermaßen in einem Zweifrontenkrieg: ein doppelter Grund, die Einheit der Franzosen und die  „continuité entre ceux 14 et ceux de 2020“ zu beschwören. [23]

Mir persönlich, das möchte ich abschließend anmerken, erscheint allerdings die pauschale Ehrung aller (französischer) Soldaten des Ersten Weltkriegs fragwürdig. Denn „Ceux de 14“ sind ja nicht nur die braven Kameraden des Leutnants Genevoix, die von ihm mit großer Zuneigung und Menschlichkeit beschrieben werden. Sondern es gehören dazu auch brutale Schlächter, Plünderer, Vergewaltiger, Leichenfledderer, furchtbare Juristen, die in Standgerichten mit Todesurteilen wüteten,  Befehlshaber, für die die einfachen Soldaten nur Kanonenfutter waren, und es gehört dazu auch Pétain, der „Sieger von Verdun“ ….

Man muss ja nicht so weit gehen wie Kurt Tucholsky, der 1931 in einer Glosse der Weltbühne lapidar feststellte: Soldaten sind Mörder – eine Behauptung übrigens, die in Deutschland laut Bundesverfassungsgericht auch heute noch öffentlich vertreten werden darf. Man muss sich auch nicht den durchaus nicht marginalen Politikern in Berlin anschließen, die eine „Entmilitarisierung des öffentlichen Raum“ fordern.  Würde man dem in Frankreich nachkommen, würden auf einen Schlag die „großen Männer“ des Pantheon dezimiert und Paris wäre nicht mehr wiederzuerkennen. Die Berliner „Entmilitarisierungs-Debatte“ bezieht sich übrigens auf Straßen und Plätze, die nach Generälen und Schauplätzen von Schlachten aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon 1813-1815 benannt sind. Das mag ja eher unverdächtig erscheinen, aber als Begründung wird darauf verwiesen, dass es sich bei Generälen wie Scharnhorst, Gneisenau oder Blücher ja keinenfalls um lupenreine Demokraten gehandelt habe, die heute noch Vorbild sein könnten. Und dann wird auf die europäische Einigung und die enge Partnerschaft zwischen den ehemaligen „Erbfeinden“ Frankreich und Deutschland verwiesen. [24]  Da ist dann offenbar sogar der Kampf gegen einen machthungrigen Eroberer wie Napoleon anrüchig…

In Frankreich ist man da offenbar weniger skrupulös (was nicht nur unzählige Ortsbezeichnungen hinlänglich beweisen). Ursprünglich hatte Macron jedenfalls beabsichtigt, Georges Clemenceau zu pantheonisieren, worauf er allerdings wegen testamentarischer Probleme verzichten musste.[25] Tatsächlich Clemenceau? … Der war doch 1919 der Vertreter Frankreichs bei den Verhandlungen der Alliierten, der die linksrheinischen Gebiete vom Deutschen Reich abtrennen und dort unabhängige Kleinstaaten unter französischer Kontrolle errichten wollte und der in Versailles alles daran setzte, um der jungen deutschen Republik einen möglichst harten, demütigenden Vertrag aufzuzwingen und sie  mit einer schweren Hypothek zu belasten? Für ihn waren die Deutschen eben „boches“, egal ob Deutschland ein Kaiserreich oder eine Republik war. So hat er dazu beigetragen, dass aus dem 4-jährigen Ersten Weltkrieg ein „Dreißigjähriger Krieg“ (de Gaulle) wurde…

Also dann doch besser Genevoix und (sehen wir  von den anderen ab) seine braven poilus, die –wie die „Feldgrauen“ auf der anderen Seite-  nach anfänglicher Begeisterung und der Hoffnung auf einen schnellen Sieg  (à Berlin/à Paris) einen sinnlosen mörderischen Bruderkrieg ausfochten und hofften, möglichst mit heiler Haut wieder davonzukommen.

Genevoix und „Ceux de 14“  führen heutigen Lesern drastisch vor Augen, „von welchen Abgründen heraus die mittlerweile selbstverständliche deutsch-französische Aussöhnung ihren Anfang nehmen musste.“[26] Daran zu erinnern bleibt auch und gerade hundert Jahre später noch aktuell.

Bilder von der Pantheonisierungs-Zeremonie am 11.11.2020. Aus der homepage des Elysée-Palastes.
Dort ist auch die Rede Macrons abgedruckt
https://www.elysee.fr/emmanuel-macron/2020/11/11/entree-au-pantheon-de-maurice-genevoix-et-de-ceux-de-14

Die Beschwörung der Toten durch Präsident Macron hat Régis Debray als eine magische Beschwörung beschrieben, als Versuch einer „regonflage de ceux de 2020 par ‚ceux de 14′“:

„Le discours psalmodié au coeur de Paris, le 11 novembre 2020, par un jeune chef d’État moderniste est en tout point semblable à celui d’un chef de tribu Baruya en Nouvelle-Guinée. C’est un chapelet d’incantations votives aux glorieux disparus, qui les rend aussitôt présents dans l’assistance, hic et nunc. ‚Ils sont là, tous. Les voici qui arrivent par millions pour entrer sous ce dôme. Hier frères d’armes, aujourd’hui compagnons d’éternité, ils avancent…‘ Une operation magique, c’est une hallucination réussie. Des fantômes prennent corps. Le sorcier traverse le temps comme d’autre l’espace, hier et aujourd’hui, eux et nous, ne font plus qu’un.“ [26a]

Um der Pantheonisierung zusätzliches Gewicht zu verleihen, flankieren, wie die FAZ in ihrem Feuilleton am 11.11. schreibt, zwei Auftagswerke den Einzug: Ein Chorwerk des Komponisten Pascal Dusapin und sechs Riesenvitrinen des in Frankreich lebenden und dort sehr populären deutschen Künstlers Anselm Kiefer. Die Vitrinen verweisen zum Teil frei, zum Teil sehr direkt auf ‚Ceux de 14‘. „Eine von ihnen vereint kupferne Fahrräder und gebastelte Gewehre vor dem Ölbild eines Weizenfelds – ein leichtbewaffnetes ‚Bataillon‘ aus der Zeit vor den großen Materialschlachten. Eine andere lässt aus Asphaltschollen Mohnblüten aufsteigen: Evokation des hochsommerlichen Kriegsbeginns, aber auch der roten Hosen, die Frankreichs Infanteristen zu Zielscheiben machten. Eine nature morte mit zersprengten Zementplatten, aus deren offen liegenden Gitterrosten Halme mit vertrockneten Mohnkapseln wachsen, scheint Explosionswunden zu verkörpern, deren Schmerzen kein Opium zu betäuben vermag.“ [27]

„Stellenweise öffnen sich metaphysische Abgründe. ‚Was sind wir…‘, heißt es zu einer Vitrine mit Erdklumpen, schwarz-besudelten Textilien und gen Himmel gereckten Gewehren; darüber eine Kleiderwolke, auf der drei Miniaturholzstühle schwanken. Ein vierter liegt umgefallen am Boden, als Verweis auf die Heilige Dreifaltigkeit mitsamt Schlange, auf die Theodizeefrage, den Theologenstreit über die Rechtfertigung Gottes angesichts des Bösen in der Welt. Durch die Kleider in dieser Vitrine nur angedeutet, wird sie zur Hommage an die Frauen hinter den kriegführenden Männern.“

Dazu kommen noch zwei Riesenbilder: Das eine mit dem Titel ‚Ceux de 14- L’Armée noire- Celle de 14‘, das die Rolle der Frauen im Krieg und die etwa 500 000 Soldaten aus den afrikanischen Kolonien Frankreichs würdigt, das andere benannt nach der ‚Voie sacrée‘, dem einzigen Zugangsweg zur umkämpften Festung Verdun. Die Vitrinen sind Geschenke des Künstlers, der Staat musste dafür nur die Sockel bereitstellen, während die Bilder Leihgaben sind, die nicht permanent im Pantheon zu sehen sein werden. Der FAZ-Autor Marc Zitzmann bedauert das, weil es „die schwärzesten, wuchtigsten Werke“ der neuen Installation seien. [28]

Anselm Kiefer, Ceux de 14- L’Armée noire- Celle de 14 Foto Wolf Jöckel

Der Ort der sterblichen Überreste von Maurice Genevoix in der Krypta des Pantheons


Die sterblichen Überreste von Maurice Genevoix sind zusammen mit denen Josephine Bakers im Gewölbe XIII zu finden. [29]

  „Verwandte“ Blog-Beiträge:

Das Pantheon der großen (und der weniger großen) Männer und der wenigen großen Frauen https://paris-blog.org/2018/04/01/das-pantheon-der-grossen-und-der-weniger-grossen-maenner-und-der-wenigen-grossen-frauen-1-das-pantheon-der-frauen/   

Der 11. November: Ein französischer Feiertag im Wandel.  https://paris-blog.org/?s=11%2C+November+im+Wandel

11. November 2018: Paris begeht den 100. Jahrestag des Waffenstillstands https://paris-blog.org/2018/11/11/paris-11-november-2018-paris-begeht-den-100-jahrestag-des-waffenstillstands-november-2018/  

Verdun 1916-2016: Die neue Gedenkstätte/le nouveau mémorial  https://paris-blog.org/2016/05/21/verdun-1916-2016-und-die-neue-gedenkstaette/  

Der Hartmannswillerkopf, das französische Nationaldenkmal und das deutsch-französische Historial zum Ersten Weltkrieg https://paris-blog.org/2019/08/01/der-hartmannswillerkopf-das-franzoesische-nationaldenkmal-und-das-deutsch-franzoesische-historial-zum-ersten-weltkrieg/  

Der Arc de Triomphe, die Verherrlichung Napoleons https://paris-blog.org/2016/11/01/der-arc-de-triomphe-die-verherrlichung-napoleons/

Zwei besondere Jahrestage: Der 8. Und 9. Mai 2020 und das auf 2021 verschobene Pantheon-Projekt https://paris-blog.org/2020/05/01/zwei-besondere-jahrestage-der-8-und-9-mai-2020-und-das-pantheon-projekt-vom-18-und-19-september/  

Anmerkungen

(1) Das Beitragsbild ist ein Portrait von Maurice Genevoix aus den ersten Kriegsmonaten. Es stammt von der homepage des Mémorial de Verdun. (copyright famille Genevoix)

Anlässlich der Pantheonisierung von Genevoix: https://france3-regions.francetvinfo.fr/centre-val-de-loire/loiret/orleans/emission-speciale-maurice-genevoix-entre-au-pantheon-1891824.html und https://www.franceculture.fr/emissions/toute-une-vie/maurice-genevoix-1890-1980-un-regard-a-toute-epreuve

[1a] Er ging an Henri Barbusse für dessen „Le feu“, von dem „keine Zeile zensiert worden war.“ Jörg Altweg, Die Wahrheit aus dem Schützengraben. In: FAZ vom 7.12.2013 https://www.faz.net/aktuell/politik/der-erste-weltkrieg/ernst-juenger-und-maurice-genevoix-die-wahrheit-aus-dem-schuetzengraben

Bild der unterdrückten Seite aus https://www.francetvinfo.fr/societe/debats/pantheon/litterature-maurice-genevoix-va-entrer-au-pantheon_4173585.html

[2]   Jochen Mecke, Die Schönheit des Schreckens und der Schrecken der Schönheit. In: Romanische Studien. Beihefte 9, 2019,  S. 48 und 51 

[3] Mecke a.a.O., S. 55

[4] Jörg Altweg, Die Wahrheit aus dem Schützengraben. In: FAZ vom 7.12.2013  https://www.faz.net/aktuell/politik/der-erste-weltkrieg/ernst-juenger-und-maurice-genevoix-die-wahrheit-aus-dem-schuetzengraben

[5] Maurice Genevoix, Nahaufnahme des Todes. Leipzig 2016, S. 28

[6] Nahaufnahme des Todes,  S. 43

[7] Bruno Frappa, La Croix, 9. Okt 2013. Nachdruck: https://www.la-croix.com/Culture/Livres-et-idees/Maurice-Genevoix-temoin-saisissant-Grande-Guerre-2018-11-04-1200980706. Siehe die ausführliche Darstellung bei https://fr.wikipedia.org/wiki/Bataille_des_%C3%89parges und das dortige Résumée: „pour des résultats quasi nul“. Das Ziel, die Deutschen zurückzuschlagen und auf dem Höhenzug französische Artillerie zu stationieren, wurde jedenfalls nicht erreicht.

[8] Nahaufnahme des Todes, S.14

[9] Marais, L’homme dans la guerre, S. 88/89. Siehe auch Bruno Frappa in La Croix vom  9. Okt 2013: Mais, peu à peu, devant l’évidence de la boucherie, devant les gros plans de la mort qui défilent devant lui, devant l’accumulation des pertes en hommes, ces hommes qu’il commande et avec lesquels il a des liens d’amitié et qui, comme lui, font la guerre sans trop protester, l’absurdité s’impose. Nachdruck des Artikels in: https://www.la-croix.com/Culture/Livres-et-idees/Maurice-Genevoix-temoin-saisissant-Grande-Guerre-2018-11-04-1200980706

Die Frage nach dem Sinn steht auch am Ende des auf dem Bericht Genevoix‘ basierenden Films über die Kämpfe bei Les Éparges: https://www.youtube.com/watch?v=YduGet6xoqI

[10] Zit.: https://www.bfmtv.com/culture/maurice-genevoix-l-une-des-plumes-de-la-grande-guerre-va-entrer-au-pantheon-avec-ceux-de-14_AN-201811060012.html  siehe auch Bernard Maris, L’homme dans la guerre. Maurice Genevoix face à Ernst Jünger. Paris 2013, S. 3

[11] Bild aus: https://www.bude-orleans.org/dossier-Genevoix-Eparges/genevoix-eparges.html 

[12] Maurice Genevoix, Les Éparges. Dernière partie de Ceux de 14. Éditions j’ai lu. Librio 1130. Paris 2015, S. 208  In seinem 1972 erschienenen Alterswerk Nahaufnahme des Todes thematisiert Genevoix noch einmal die drei Situationen des Krieges, in denen er gewissermaßen dem Tod ins Auge geblickt hatte.

(12a) Nahaufnahme des Todes, S. 84/85

[13] L’homme dans la guerre, S. 17 Am 7. Januar 2015 wurde Maris bei dem terroristischen Anschlag auf die Zeitschrift  Charlie Hebdo ermordet, bei der er  ökonomisch und publizistisch engagiert war.

[14] Zur Gedenkstätte von Verdun siehe den entsprechenden Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2016/05/21/verdun-1916-2016-und-die-neue-gedenkstaette/ 

[15]  Die Gedenkfeierlichkeiten des Ersten Weltkrieges (2014-2020): Vorschläge für eine Hundertjahresfeier an den französischen Staatspräsidenten  von Joseph Zimet im Namen der  Direction de la mémoire, du patrimoine et des archives vom  September 2011 https://grandeguerre.hypotheses.org/files/2012/03/Rapport-Centenaire-auf-Deutsch.pdf

[16] Bild aus: https://www.routard.com/photos/paris/1585842-tombe_de_maurice_genevoix.htm

[17] Siehe dazu den Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2018/04/01/das-pantheon-der-grossen-und-der-weniger-grossen-maenner-und-der-wenigen-grossen-frauen-1-das-pantheon-der-frauen/ 

[18] Zur Geschichte dieser Pantheonisierung siehe: https://www.lepoint.fr/histoire/pantheonisation-maurice-genevoix-devra-attendre-02-10-2019-2338847_1615.php#   

[19] Zitiert in: https://www.lepoint.fr/histoire/pantheonisation-maurice-genevoix-devra-attendre-02-10-2019-2338847_1615.php#  (dt. Version von W.J.)

[20] Siehe den Blog-Beitrag zum Arc de Triomphe.

Der zitierte Ausdruck stammt von Antoine Prost. Siehe: https://journals.openedition.org/ifha/7997

[21] https://www.lejdd.fr/Politique/premiere-guerre-mondiale-macron-va-faire-entrer-maurice-genevoix-et-larmee-victorieuse-au-pantheon-3794678#xtor=CS1-4

[22] https://www.maxweberstiftung.de/en/projects/erster-weltkrieg/centenary-2014.html und https://grandeguerre.hypotheses.org/143

[23] https://www.lemonde.fr/politique/article/2020/03/17/nous-sommes-en-guerre-face-au-coronavirus-emmanuel-macron-sonne-la-mobilisation-generale_6033338_823448.html ; https://www.lemonde.fr/idees/article/2020/03/13/contre-le-coronavirus-l-arme-de-l-union-sacree_6032922_3232.html   Darin wird Frankreich auch bezeichnet als un pays qui n’a cessé ces dernières années de se fracturer   ; https://ecomnews.fr/article/Marseille-union-sacree-lutter-coronavirus ; https://www.vosgesmatin.fr/edition-epinal/2020/04/12/l-union-sacree-contre-le-virus etc

Siehe auch Laurence Campa in einem Artikel über die Pantheonisierung von Genevoix und Ceux de 14: „cette panthéonisation affiche clairement les intentions d’une politique mémorielle fondée sur les notions de devoir, de patriotisme et d’union sacrée“. Aus: Qui entrera au Panthéon le 11 novembre 2020? https://journals.openedition.org/elh/2072

https://www.lavoixdunord.fr/886992/article/2020-10-31/islam-radical-une-guerre-culturelle-selon-gerald-darmanin

Zur „Continuité entre ceux 14 et ceux de 2020“ siehe https://www.lemonde.fr/politique/article/2020/11/10/maurice-genevoix-et-ceux-de-14-au-pantheon-le-11-novembre_6059269_823448.html

[24] https://gruene-xhain.de/ds-1154-v-entmilitarisierung-des-oeffentlichen-raums/https://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/sollten-namen-preussischer-generaele-aus-dem-strassenbild-verschwinden und https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/politiker-wollen-in-berlin-strassen-und-plaetze-umbenennen-16121211.html Teilweise gibt es allerdings durchaus einen Bedarf nach Umbenennung: Dass beispielsweise in Deutschland noch immer Straßen nach dem schlimmen Kolonialisten und Rassisten Carl Peters benannt sind, ist einfach skandalös.

[25] https://www.lejdd.fr/Politique/premiere-guerre-mondiale-macron-va-faire-entrer-maurice-genevoix-et-larmee-victorieuse-au-pantheon-3794678#xtor=CS1-4  

[26] Jürgen Strasser im Vorwort zu Maurice Genevoix, Nahaufnahme des Todes, S. 8

[26a] Régis Debray, Le viex, le neuf et le Panthéon. Marianne vom 26.11.2020

[27] Marc Zitzmann, Die neue Symbolfigur der französischen Staatsraison. Maurice Genevoix wird in den Panthéon überführt, mit Kunst von Anselm Kiefer und Musik von Pascal Dusapin. FAZ vom 11. November 2020, S. 9

Die Mohnblume verweist natürlich auch auf die Kämpfe an der Somme, für die sie das Symbol ist.

Abbildung mit dem Portrait Kiefers vor einem seiner „Riesenbilder“ für das Pantheon aus: Le Point vom 8.11.2020

Zu den Arbeiten Anselm Kiefers im Pantheon ist ein nachfolgender Beitrag geplant.

[28] In seinem Artikel „Dem Menschenfresser ausgeliefert“  im Tagesanbruch verweist Florian Harms auch auf diesen Blog-Beitrag, was mich natürlich sehr freut:  https://www.t-online.de/nachrichten/id_88915458/tagesanbruch-vor-102-jahren-endete-der-1-weltkrieg-was-europa-gelernt-hat.html

Vor allem geht es in seinem Artikel um die Kämpfe am Hartmannswillerkopf, wozu es ja übrigens auch einen Blog-Beitrag gibt: Hartmanns  https://paris-blog.org/2019/08/01/der-hartmannswillerkopf-das-franzoesische-nationaldenkmal-und-das-deutsch-franzoesische-historial-zum-ersten-weltkrieg/  

[29] zu Josephine Baker siehe den Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2021/12/26/sie-passte-in-kein-schema-die-republikanische-heiligsprechung-josephine-bakers/

Weitere geplante Beiträge: 

Erinnerungsorte an den Holocaust in Paris und Umgebung (1): Einführung

Gravelotte: Ein einzigartiger Erinnerungsort an den deusch-französischen Krieg 1870/1871

Seraphine Louis und Wilhelm Uhde: Die wunderbare und tragische Geschichte einer französischen Malerin und ihres deutschen Mäzens

Die Bäderstadt Vichy:  Der Schatten „Vichys“ über der „Königin der Kurbäder“