Die Nuit Blanche, das Lichter- und Kunstfest von Paris

Seit der Weltausstellung von 1900 nennt sich Paris ganz offiziell „ville lumière“, Stadt des Lichts. Immerhin war dort ja auch schon zur Zeit Ludwigs XIV. die öffentliche Straßenbeleuchtung eingeführt worden, ab 1816 hatte der Siegeszug der Gasbeleuchtung in der Passage des Panoramas und den Galerien des Palais Royal begonnen und 1881 fand in Paris die erste internationale Elektrizitätsausstellung statt.

Zum Selbstverständnis von Paris  als „ville lumière“ passt ganz besonders natürlich die seit 2002 jährlich stattfindende „Nuit Blanche“, ein Lichter- und Kunstfest. Sie beginnt jeweils am Abend des ersten Oktobersamstags und  endet am Sonntag früh.[1]

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Seit 2010 haben wir mehrfach während der nuit blanche Paris durchstreift. Das Angebot dabei so überwältigend, dass man nur eine kleine Auswahl aus dem angebotenen Programm bewältigen kann. Einige deshalb auch völlig unsystematische Eindrücke sollen im Folgenden wiedergegeben werden und Lust, auf Entdeckungstour durch die nuits blanches von Paris zu gehen.

Ein „Markenzeichen“ der nuit blanche ist natürlich die Illumination öffentlicher Gebäude. Und hier denken wir natürlich zuerst –und 2019 natürlich mit einiger Wehmut- daran, wie wunderbar sich die Kirche Notre Dame in der nuit blanche 2010 präsentierte.

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Bunter und lauter ging und geht es immer am Hôtel de Ville zu. Auf dessen Vorplatz werden aus Anlass der nuit blanche auch besondere Veranstaltungen organisiert. 2019 zum Beispiel gab es ein großes Arreal zum Tanzen. Allerdings zu einer nach meinem Geschmack sehr eintönigen elektronischen Musik. Also eher etwas für junge Leute. Die Schlange vor dem Eingang war auch entsprechend groß. Und wenn man drinnen war, lagen weiße Gewänder mit Kapuzen bereit, die die Tanzenden übergezogen haben – ein passendes Event zu einer „weißen Nacht“. Auf die Fassade des Rathauses wurden dazu historische Filmsequenzen von Tänzern projiziert…

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Aber natürlich gab und gibt es auch ruhigere, beschaulichere Projektionen: Zum Beispiel 2016  die der gotischen Salle des gens d’armes aus der Conciergerie auf die Fassade des Baus.[2]

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Auf der Außenwand standen die Säulen allerdings auf dem Kopf, aber im auf der Seine gespiegelten Bild standen die Säulen wieder fest auf ihren Sockeln.

Originell war auch 2017 die „animation lumineuse“ des von Jean Nouvel geplanten Institut du Monde Arabe.[3] Auf der südlichen Fassade, bei der das Sonnenlicht durch eine Serie von Irisblenden reguliert wird, erschienen in abwechslungsreicher Folge  Bilder mit unterschiedlichen Formen und Farben.

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Dann gibt es aber auch besondere Installationen, wie zum Beispiel diese „Schlangen“ am Brunnen Saint Michel.

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Oder 2010 eine Installation auf dem Pont Saint Louis zwischen der Île de la Cité und der °Ile Saint-Louis: Gerüste aus Stahlrohren, durch die man auch hindurchgehen konnte und die unterschiedliche beleuchtet wurden.

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Auch für das Jahr 2913 hatten sich der verantwortliche Planer der Nuit Blanche –für jedes Jahr designiert die Stadt Paris eine spezielle Leitung- etwas Besonderes ausgedacht:

 

 

 

 

Auf der gerade umgestalteten und für Fußgänger zugänglicheren Place de la République hatte die japanische Künstlerin Fujiko Nakaya ein Feld aufgebaut, in dem leichter feuchter Nebel versprüht wurde.

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Die Statue der Republik auf dem Sockel war in diesem Sprühnebel ganz verschwunden, aber auch die Personen unten auf dem Platz waren nur noch als Schemen sichtbar – Das waren dann die „fog scuptures“, das Markenzeichen der Künstlerin.

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Etwas bizarr war  eine vorab vielgerühmte und angepriesene Installation im Carreau du Temple. In diesem Bau, der gerade renoviert wurde, hatte Huang Young Ping ein riesiges Plexiglasrohr montiert, ähnlich einer Achterbahn, in der Reptilien und Insekten eingeschlossen waren, die sich langsam bewegten. Sicherlich gab es dazu einen philosophischen Überbau, der sich mir allerdings nicht erschlossen hat.[4]

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Dass allerdings die Schlange der Wartenden vor dem Carreau so lange war, lag sicherlich auch daran, dass an diesem Tag die Pariser Bevölkerung zum ersten Mal wieder die Gelegenheit hatte, diesen schönen Bau aus der Zeit um 1900 zu betreten, der in den 1970-er Jahren schon einem Parkplatz zum Opfer fallen sollte…

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Dieses Beispiel zeigt aber auch eine besondere Seite der nuit blanche: Dass an diesem Tag  bzw. in dieser Nacht nämlich Orte geöffnet sind, die sonst kaum zugänglich sind.

Ein schönes Beispiel dafür war 2014 die Freyssinet-Halle im 13. Arrondissement von Paris. Es handelt sich dabei um ein in den 1920-er Jahren errichtetes Betriebsgebäude der SNCF, das aber seit 2006 nicht mehr genutzt wurde.

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2017 wurde dort ein Inkubator für etwa 1000  Internet- Start-ups eingeweiht, nach Selbstdarstellung der Station F, wie sie jetzt heißt, der größte weltweit[5] – in Frankreich liebt man, wenn es sich um das eigene Land handelt, ähnlich wie in den USA die Superlative…. Architekt des Umbaus war übrigens Jean-Michel Wilmotte, ein Spezialist für die Rehabilitierung und behutsame Modernisierung historischer Bauten. Zwei von ihnen, nämlich das Haus der Mutualité und das Hotel Lutetia, wurden schon auf diesem Blog vorgestellt.[6]

Eingeladen zur Präsentation der Halle während der nuit blanche von 2014 waren auch Vertreter der Street-Art, die die äußeren Wände der Halle gestaltet hatten: Eine gute Idee, die Wartezeit vor dem Einlass kurzweiliger zu machen.

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Höhepunkt der nuit blanche 2017 war für uns die Lichtinstallation im Collège des Bernardins im 5. Arrondissement von Paris. Das Collège war im 13. Jahrhundert von Zisterziensern zur Unterbringung von Studenten gegründet worden. Seit der Französischen Revolution wurden wesentliche Teile des Collegs abgerissen, andere als Mehldepot, Gefängnis für Galeerensträflinge oder Feuerwehrkaserne genutzt. Erhalten ist aber immerhin noch das ehemalige Refektorium, ein wunderbarer gotischer Raum, auch er von Jean- Michel Wilmotte rehabilitiert.[7]

Auch hier waren die Warteschlangen vor dem Einlass sehr lange.

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Aber das Warten lohnte sich. Denn in dem alten Refektorium mit seinem wunderbaren gotischen Gewölbe wurde eine grandiose son-et-lumière Präsentation geboten.

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Weniger laut war es danach in der nahe gelegenen Kirche Saint Severin (5. Arrondissement) mit der gedrehten Säule in dem wunderbaren Chormumgang. Aus Anlass der nuit blanche war die Kirche geöffnet und sehr stimmungsvoll beleuchtet  – ein ruhiger und schöner Ausklang der nuit blanche 2017.

 

 

 

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Für die Nuit blanche 2019 hatten sich die Veranstalter wieder ganz neue Attraktionen ausgedacht, zum Beispiel einen Zug von dekorierten Wagen von der Place de la Concorde zur Bastille. Also „une Nuit blache aux airs de carnaval“.[8]

Bei diesem Karnevalszug gab es Element des chinesischen Neujahrsfests[9]:

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Aber es gab auch Anklänge an den Karneval von Rio:

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Und in gewisser Weise auch an die Faschingsumzüge des rheinischen Karnevals. Nur dass da keine Bonbons/Kamellen in die Menge geworfen wurden, sondern es wurden Schlangen von Zuckerwatte in den Himmel und ins Publikum gepustet – weiß natürlich, wie es sich für eine nuit blanche gehört….

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Zum Abschluss des Umzugs gab es dann noch ein grandioses Feuerwerk rund um die Bastille.

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Eine weitere besondere Attraktion der Nuit blanche 2019 war die Sperrung eines Teils des Périphérique, der die Stadt umgebenden Autobahn. Die Zukunft dieser Autobahn, oft geprägt von Staus, spielt in den  Visionen, die für Paris und sein Umland (le grand Paris) entwickelt werden, eine große Rolle und dass der Peripherique in seiner derzeitigen Form keine Zukunft hat, ist unumstritten.[10] Insofern war es eine naheliegende Idee der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, aus Anlass der Nuit blanche einen Abschnitt des Peripheriques für den Autoverkehr zu sperren und für Fußgänger, Fahrrad- und Rollerfahrer zu öffnen. Dabei konnte sie darauf verweisen, dass der Peripherique ja auch schon einmal in Teilen für die Entschärfung einer Weltkriegsbombe gesperrt werden musste. Warum dann nicht auch für die Nuit blanche… (11)

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Blick von oben auf das gesperrte und beleuchtete Teilstück des Peripherique

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Wir waren da nicht, sondern machten zunächst einem Abstecher zum  Palais Royal, wo in durchsichtigen aufgeblasenen und von innen beleuchteten PVC-Kugeln junge Damen mit roten Perücken und Röcken durch den Garten rollten. Dem Programm zufolge handelte es sich dabei um eine sogenannte „art cinétique“.

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Also zum Abschluss unserer Nuit blanche dann doch lieber zur „art classique“ in die Orangerie an der Place de la Concorde, wo seit 2015 im wunderbaren Seerosen-Saal Monets in der Nuit Blanche eine „Nuit du Quatuor“ stattfindet.

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Während der ganzen Nacht präsentieren dort zu jeder Stunde verschiedene europäische Ensembles Kammermusik, wobei auch immer eine Erstaufführung dabei ist. Als wir um halb ein Uhr dort waren, hätten wir allerdings bis zum 4-Uhr Konzert warten müssen, so groß war der Andrang…  Und dann fing es auch noch an zu regnen…

Vielleicht haben wir ja im nächsten Jahr mehr Glück. Und  es locken dann sicherlich auch  wieder neue, attraktive Angebote….

 

Anmerkungen

[1] https://de.parisinfo.com/kultur-paris/135251/nuit-blanche-in-paris

[2] Bild aus Wikipedia.

[3] https://www.imarabe.org/fr/evenement-exceptionnel/nuit-blanche-2017-a-l-ima

[4] https://www.dailymotion.com/video/x1553d6

[5] https://www.lesechos.fr/2017/06/avec-station-f-xavier-niel-simpose-comme-figure-incontournable-du-monde-des-start-up-174839

[6] Siehe die Blog-Beiträge über die Maison de la Mutualité und über das Hotel Lutetia.

[7] http://www.wilmotte.com/fr/projet/1/College-des-Bernardins

[8] Le Monde  6./. 10. 2019, S. 23

[9] Zum chinesischen Neujahrsfest siehe den Blog-Beitrag

[10] https://www.lefigaro.fr/actualite-france/paris-se-dirige-vers-la-fin-du-peripherique-20190611

(11) La Nuit blanche s’invite sur le périphérique. Le Monde, 22. Januar 2019, S. 18

 

Weitere geplante Beiträge:

  • Camille Claudel, Schicksal einer Bildhauerin: 5 Erinnerungsorte
  • Die Petite Ceinture, die ehemalige Ringbahn um Paris (1): Kinder und Kohl statt Kohle und Kanonen 
  • Die Petite Ceinture (2): Die „Rückeroberung“ der ehemaligen Ringbahntrasse
  • Die Mauer der Generalpächter, Lavoisier und  die Torhäuser von Ledoux

 

Nuits debout- Place de la République, April 2016

Über die Nuits debout auf der Place de la République  in Paris wird, wie ich von Freunden hörte, in Deutschland wenig berichtet. In Frankreich ist das anders, da  gibt es eine breite Berichterstattung.
Tenor: Man weiß nicht so recht, was daraus werden wird. Zumal es wenig konkrete Forderungen gibt.  Aber es werden gerne Parallelen zu der indignados-Bewegung in Spanien hergestellt, aus der ja immerhin Podemos hervorgegangen ist. Umso mehr, als die Bewegung inzwischen nicht mehr auf Paris beschränkt ist, sondern sich auch in anderen Städten etabliert hat.  Jedenfalls beobachten besonders die Sozialisten das Phänomen sehr aufmerksam und halten sich auch sehr mit Kritik zurück.
Die Chefs von Sozialistischer Partei, KPF und der Linken hatten sich schon inkognito zur Place de la République  aufgemacht, um die Lage und Stimmung zu sondieren.  Und Ministerpräsident Valls hat in aller Eile eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, mit denen der Übergang junger Menschen ins Arbeitsleben erleichtert werden soll: Angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von ca 25% und einer Rate von 87% CDDs (Arbeitsverträgen mit oft sehr kurzer begrenzter Laufzeit) bei Erstanstellungsverträgen war das überfällig. Jetzt möchte die Regierung die CDDs für die Arbeitgeber verteuern, was allerdings wiederum deren Zorn und Widerstand provoziert. Für Le Monde (Leitartikel vom 13.4.) liegt die Erklärung auf der Hand: Die Exekutive sei  außerordentlich beunruhigt von der Mobilisierung von Teilen der Jugend und befürchte von der Nuit-Debout-Bewegung überrollt zu werden. Außerdem sei es äußerst irritierend, wenn Holland an seine berühmte  programmatische Rede von Le Bourget vom Januar 2012 -während des letzten Präsidentschaftswahlkampfs-  erinnert werde. Damals hatte er verkündet, er wolle -wenn er gewählt werde- einzig und allein daran gemessen werden, ob die Jugend 2022 besser lebe als 2017. „Je demande à être évalué sur ce seul engagement, sur cette seule vérité, sur cette seule promesse!“  Dieses Versprechen, so Le Monde, sei nicht eingehalten worden, wie die Jugendarbeitslosigkeit und die viel zu große Zahl der „décrocheurs du système éducatif“ zeige,  der Jugendlichen also, die ohne  einen ordentlichen Abschluss das Schulsystem verließen. Le Monde schließt Éditorial mit den  Worten: „Die Glaubwürdigkeit Hollandes und Manuel Valls‘ ist schwer beschädigt. Vor allem bei  der Jugend.“
 Und bei den Nuit-Debout- Teilnehmern sind nach Einschätzung von Sozialisten viele junge Leute, die vor vier Jahren noch auf der Place de la Bastille gestanden und den Wahlsieg von Hollande gefeiert hätten und die zurückzugewinnen ein Jahr vor der anstehenden Präsidentenwahl ganz wichtig sei.

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Jedenfalls war die Stimmung gut, als wir Samstag Abend dort waren. Ein bisschen 68-er feeling…  Versammelt sind da nach Beobachtungen von Journalisten Studenten, Schüler, Lehrer, langjährig politisch Engagierte, Neugierige, „intellos précaires“ und sog. intermittents, also Teilzeitbechäftigte, vor allem aus dem Kulturbereich.  Böse Zungen behaupten denn auch, hier seien die Kinder der Bobos (Bourgeois-Bohème) versammelt, aber auch an denen wird die Jugendarbeitslosigkeit nicht spurlos vorbeigehen. Und selbst bei der kleinen Elite von Absolventen der Grands Ècoles ist das Durchschnittsgehalt in den letzten Jahren zurückgegangen…. (auf 32 862 Euro jährlich 2013). Der vorherrschende und auch in den Medien verbreitete Eindruck ist jedenfalls, die Place de la République Versammelten seien blanc und bourgeois. Menschen mit einer afrikanischen, asiatischen oder mittelamerikanischen Herkunft (Antillen) seien jedenfalls nicht vertreten. Bisher ist der Nuit-Debout-Bewegung auch nicht gelungen, in den banlieues Fuß zu fassen. Ein von le Monde (15.4., S. 10) zitierter Sprecher einer Bürgerinitiative aus einer Pariser Vorstadt erklärt das so:
Les habitants des quartiers sont peut-être plus résignés. Ils ne croient pas qu’ils peuvent influer sur le cours des événements. Il n’y a qu’à voir les taux d’abstention de 60%, 75%.“
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Sprecher/Leitfiguren der nuit-debout-Bewegung gibt es nicht – das würde dem basisdemokratischen  Ansatz widersprechen. Aber es gibt durchaus Prominente, die sich Place de la République engagiert haben: Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Pickety zum Beispiel, die Soziologen Pincon-Charlot (siehe Plakat) und vor allem Francois Ruffin, der engagierte Journalist einer winzigen und bis jetzt weitgehend unbekannten Zeitschrift aus Nordfrankreich, der gerade mit dem fantastischen Dokumentarfilm Merci Patron  einen sensationellen Kinohit in Frankreich gelandet hat: Mit dem kleinsten  Etat der größte Erfolg – passend  zum Inhalt: David (zwei ehemalige, entlassene Angestellte des Luxusimperiums LVHM) gegen Goliath (Bernard Arnault, der Besitzer von LVHM und einer der reichsten Männer Frankreichs). Eine unglaubliche, aber wahre Geschichte, die zum Lachen ist, auch wenn die Verhältnisse, um die es geht, eher zum Weinen sind…
Download Merci patron
Ruffin und sein Film passen jedenfalls wunderbar zur nuit-debout-Bewegung auf der Place de la République.
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Zumal hier ein politischer Anspruch und ein nicht unerheblicher Unterhaltungswert Hand in Hand gehen:  Musik, Tanz, Jonglage, Kunst, Essen und Trinken…. Ein Sing-Angebot mit Liedern der Commune war sogar auch dabei.
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Ambiance bon enfant. Und keinerlei Polizei weit und breit- im Gegensatz zum Vorgehen bei vorausgegangenen Demonstrationen gegen die geplanten neuen Arbeitsgesetze. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde der Platz allerdings von der Polizei unter etwas merkwürdigen und undurchsichtigen Umständen geräumt. Möglicherweise war der für die Aktion genehmigte Rahmen überschritten worden, vielleicht gab es auch Sachbeschädigungen auf dem frisch renovierten Platz. Und eine längerfristige Nutzung des Platzes durch Nuit Debout passt vielen politisch Verantwortlichen sowieso nicht.  Da geht es – auch für regierende Sozialisten- um die Autorität des Staates. Und immerhin befindet Frankreich sich ja immer noch im Ausnahmezustand, der -laut Manuel  Valls- so lange andauern soll, bis der Terrorismus besiegt ist. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, die immerhin auch schon als mögliche Alternative zu Hollande für die nächsten Präsidentschaftswahlen gehandelt wird, ist da immerhin etwas zurückhaltender. Ihr Kommentar: «S’il est légitime de rêver d’un autre monde, il ne l’est pas de dégrader celui-ci.»
Und über die etwas undurchsichtigen Umstände der Räumung:
Der Traum von einer besseren Welt soll und darf also  wohl noch weitergehen. Allerdings gehen die Einschätzungen der Nuits-Debout-Bewegung immer mehr auseinander, besonders nachdem am Wochenende (17./18. April) der frischgekürte Académicien Alain Finkielkraut auf dem Platz ausgebuht wurde- anders als der bejubelte Yanis Varoufakis. Die Intoleranz gegenüber dem -natürlich umstrittenen- Philosophen Finkielraut passt ja auch in der Tat schlecht zusammen mit dem demokratischen Anspruch der Bewegung. Da ist es dann ein Leichtes für Brice Hortfeux, einen der letzten Getreuen von Nicolas Sarkozy und  Vertreter der droit extrême, den Umgang mit Alain Finkielkraut als Ausdruck des Sektarismus und der Intoleranz der Bewegung zu verurteilen und ein nachhaltiges Versammlungsverbot auf der Place de la République zu fordern:
On a voté il y a quelque temps l’état d’urgence. Aujourd’hui, il n’a a pas un maire d’arrondissement qui peut organiser une braderie, une rencontre, une manifestation festive, et là  le gouvernement accepte qu’il y ait, nuit après nuit, ces rencontres! Nuit debout et gouvenement par terre, c’est ca la réalité.“ (Le Monde 19.4.) 
Aber in der gleichen Ausgabe von Le Monde feiert Benoît Hopquin in die Nuit-Debout Bewegung als „Utopia-sur-Seine“:
Un monde meilleur, fût-ce sa promesse, fût-ce son illusion, voilà qui ouvrait la perspective d’un bon bol d’air. Il fallait respirer cet amphi à ciel et à coeur ouverts, cette agora sous l’ombre tutélaire de la statue de Marianne. Tâter de ce dernier salon où l’on cause, ce symposium sous les étoiles où l’on disserte de la vie comme elle va ou plutôt comme elle ne va pas et comme elle devrait être.“
Und wie eine Antwort auf  Hotrefeux zitiert er einen berühmten Wortwechsel des Journalisten Hubert Beuve- Méry mit einem  Kollegen aus der Zeit des Mai 1968: „Qui sont ces voyous?“ „Ce sont nous enfants, patron!“ 

Nuit Debout geht weiter- und die Debatten darüber auch….  (Ergänzung Anfang Mai) 

 Die  Nuit Debout-Bewegung hat sich nach der kurzen Platzräumung im April wieder fest auf der Place de la République eingerichtet. Und damit geht auch in den französischen Medien die Berichterstattung darüber mit großer Intensität weiter.  Und begleitend dazu auch die Debatten, wie diese Bewegung einzuschätzen ist, wen sie überhaupt betrifft und welche möglichen Konsequenzen sich daraus ergeben  könnten.

 Zunächst zeigen einige aktuelle Fotos von Frauke, wie es Ende April/Anfang Mai auf der Place de la République in Paris aussieht: Kennzeichnend sind da vor allem die vielen kleinen Diskussionsgruppen. Der politische Charakter der Bewegung bestimmt inzwischen im Vergleich zu den Anfängen viel deutlicher das Geschehen auf dem Platz.

 Danach werden zwei Artikel aus Le Monde wiedergegeben.

Im ersten Artikel vom 26.4. geht es um den verbreiteten Vorwurf, bei den Teilnehmern von Nuit Debout handele es sich um eine kleine Gruppe von sogenannten „bobos“, also vor allem um junge Menschen aus der Schicht der „bourgeois-bohème“. In dem  Artikel wird ein kurzer Abriss der Entwicklung dieses Begriffs gegeben und dann die Gegenthese aufgestellt, bei den sogenannten bobos handele es sich heute nicht mehr um eine kleine privilegierte Minderheit, sondern um eine große und durchaus nicht immer privilegierte Gruppe, die oft in ähnlich prekären  Arbeitsverhältnissen leben  wie die Jugendlichen aus den „milieux populaires“.

 Der zweite  Artikel –der Text eines Autorenkollektivs-  ist aus zwei Gründen besonders interessant: Einmal wegen seiner geradezu hymnischen Einschätzung des Potentials der Nuit-Debout-Bewegung. Wenn es ihr gelinge, Brücken zur Arbeiterbewegung zu schlagen und zu den Opfern der soziokulturellen Segregation könne sie  eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft bewirken. Am Schluss des Artikels wird  deshalb dazu aufgerufen, sich in der Bewegung zu engagieren und damit zur Konstruktion einer besseren Welt beizutragen. Zum anderen ist der Artikel interessant wegen der Autoren, die ihn unterzeichnet haben: Unter anderem der Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler Frédéric Lordon, der sich von Anfang an bei und für Nuit Debout engagiert hat, die Schriftstellerin Annie Ernaux, wie Lordon übrigens eine entschiedene Kritikerin des weiter verlängerten État d’urgence,  und der deutsche Sozialforscher Wolfgang Streeck, bekannt geworden –auch in Frankreich- vor allem durch sein Buch „die gekaufte Zeit“, das auf den  Frankfurter Adorno-Vorlesungen von 2012 beruht und aus linker Perspektive die Einführung des Euro kritisiert.

 

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„Vollversammlung“ auf der Place de la République

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Kostenlose juristische Beratung der „aufrechten Rechtsanwälte“

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Diskussionsgruppen auf dem Platz

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Die aufrechten Feministinnen

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Die Commission gegen den Ausnahmezustand

Avec Nuit debout, le retour des tentatives de définition du mythique « bobo »

 http://bigbrowser.blog.lemonde.fr/2016/04/26/avec-nuit-debout-le-retour-des-tentatives-de-definition-du-mythique-bobo/  26. April 2016

„Ils vivent dans les beaux quartiers / Ou en banlieue, mais dans un loft / Ateliers d’artistes branchés / Bien plus tendance que la Rive gauche / Ont des enfants bien élevés / Qui ont lu Le Petit Prince à six ans / Qui vont dans des écoles privées / Privées de racaille, je me comprends.“

Voici le tableau assez critique que dressait Renaud en 2009 de cette „nouvelle classe“ de citoyens, les „bourgeois-bohème“ à la française. Même 7 ans plus tard, alors que le mot est devenu si banal, insulte si facile ou badge de fierté si prévisible, la chanson reste un indicateur du flou qui entoure la dénomination. Des idées ou des concepts reviennent : entre-soi, gentrification, fort capital culturel… Mais une définition précise, irrévocable, a du mal à s’imposer.

En 2010, la sociologue Camille Peugny expliquait dans Les Inrocks que le terme était utile pour désigner les hommes et les femmes diplômés et issus de la bourgeoisie, mais qui refusaient une partie de leur héritage culturel. Mais elle n’allait pas jusqu’à en faire une catégorie socioprofessionnelle homogène.

„C’est une personne qui a des revenus sans qu’ils soient faramineux, plutôt diplômée, qui profite des opportunités culturelles et vote à gauche.“

Un „bobo“ peut être issu de la grande bourgeoisie comme de la petite classe moyenne, il peut vivre en centre-ville comme en banlieue. On le définit donc davantage par son mode de vie, ses attributs. C’est quelqu’un qui fait du vélo. C’est quelqu’un qui est abonné à Télérama. C’est quelqu’un qui mange bio, qui a une profession artistique, créative ou intellectuelle. C’est quelqu’un qui vote à gauche. Autant de cases qu’on peut remplir pour atteindre le top niveau „bobo“. Et souvent, ces cases sont remplies par ceux qui veulent définir quelqu’un qui les agace profondément.

Insultes et revendications

Le concept est resté suffisamment vague pour devenir une insulte, tellement banale que même les hommes politiques l’ont intégré à leur arsenal. Même les hommes et femmes politiques d’extrême droite, comme Marion Maréchal Le Pen qui, pendant la campagne des régionales en 2010, lançait cette phrase qui a valu sûrement plusieurs minutes de travail avec son conseiller : „Dix bobos qui s’extasient devant des taches rouges, ce n’est pas ma conception de la culture.“

Face à cet emploi majoritairement dépréciatif, il y a eu des initiatives pour réhabiliter le terme. Il y a deux ans, les journalistes Laure Watrin et Thomas Legrand publiaient La République bobo, qui dénonçait la construction purement médiatique du mot – rejeté par nombre de sociologues – et voulait démontrer que le mode de vie en question, s’il est très individualiste, se préoccupe (aussi) de l’avenir de la planète et des moyens de recréer du lien social.

Dans cette mesure, arguaient les auteurs, le bobo est peut-être en train de réinventer des façons d’être ensemble dans une société morcelée. Certains, comme Solange te parle, franchissaient même le Rubicon et revendiquaient leur „boboïtude“.

Nuit debout et le grand retour de l’insulte „bobo“

L’émergence du mouvement Nuit debout au cœur de Paris a été l’occasion de lancer une nouvelle saison de l’interminable série de définition sociologique du „bobo“. Le chroniqueur Eric Verhaegue a écrit sur Figaro Vox „Nuit debout, le crépuscule des bobos“, où il s’étonne de „l’homogénéité sociale“ de cette „gauche bobo“ qui se réunit place de la République.

On y retrouve les accusations traditionnelles. Privilégié, le bobo est par nature „déconnecté“, des ouvriers, des jeunes issus de l’immigration, des salariés et même des familles. Or, comme nous l’expliquions plus haut, le terme „bobo“ se rapporte précisément à une classe fourre-tout, mal définie, résolument non homogène en termes de revenus et d’origine sociale et dont le dénominateur commun est plutôt du côté du capital culturel.

Dire que les bobos sont place de la République, c’est donc admettre, en un sens, que le mouvement est socialement hétérogène, même s’il est culturellement unifié.

Une accusation dont se saisit l’auteur de livres pour enfants Eric Sénabre, dans une tribune publiée dans Libération : „Et si on fichait la paix aux bobos ?“ Il décrit son mode de vie bobo avec des mots et les arguments, là aussi, traditionnels – vélo, lait de soja, jeux éducatifs en bois pour les enfants – avant de poser la question : „Est-ce un crime ?“ Reprenant en substance l’argumentaire développé par les auteurs de La République bobo, il réfute l’idée d’une classe sociale homogène et financièrement privilégiée, avant de dénoncer la facilité de cette insulte passe-partout qui permet de discréditer instantanément tout ce à quoi elle s’applique :

„Le mariage pour tous ? Une idée de bobos. L’écologie ? Un passe-temps de bobos. La fraternité ? Une lubie de bobos. Aujourd’hui, le mot bobo est devenu la réponse à tout, les deux syllabes qui disqualifient d’emblée tout projet humaniste. C’est que le bobo est, par définition, incapable de sincérité.“

„Ce n’est plus une minorité privilégiée, c’est la masse“

Discréditer Nuit debout en la décrivant comme un „mouvement bobo“ n’est pas forcément efficace, notamment parce que le terme a fait du chemin depuis son apparition, et recouvre une catégorie socioprofessionnelle qui a muté, comme le souligne le sociologue Emmanuel Todd, interrogé par Fakir, le journal créé par François Ruffin, auteur du documentaire Merci patron !„Les jeunes diplômés du supérieur, c’est désormais 40 % d’une tranche d’âge. Ce n’est plus une minorité privilégiée, c’est la masse.“ Et que ça n’a plus de sens de ranger tout le monde à la même enseigne de „privilégiés“ :

„Les stages à répétition, les boulots pourris dans les bureaux, les sous-paies pour des surqualifications, c’est la même chose que la fermeture des usines, que la succession d’intérim pour les jeunes de milieux populaires“

 

« Nuit debout peut être porteur d’une transformation sociale de grande ampleur »

LE MONDE | 03.05.2016

Par Collectif

Les crises ouvrent le champ des possibles, et celle qui a commencé en 2007 avec l’effondrement du marché des subprimes ne déroge pas à la règle. Les forces politiques qui soutenaient l’ancien monde sont en voie de décomposition, à commencer par la social-démocratie, qui a franchi depuis 2012 une étape supplémentaire dans son long processus d’accommodement avec l’ordre existant. En face d’elles, leFront national détourne à son profit une partie de la colère sociale en jouant d’une posture prétendument antisystème, alors même qu’il n’en remet rien en cause, et surtout pas la loi du marché.

C’est dans ce contexte qu’est né Nuit debout, qui célèbre ces jours-ci son premier mois d’existence. Depuis la chute du mur de Berlin, la contestation du néolibéralisme a pris des formes diverses : gouvernements « bolivariens » en Amérique latine dans les années 2000, « printemps arabes », Occupy Wall Street, « indignés » espagnols, Syriza en Grèce, campagnes de Jeremy Corbyn et Bernie Sanders en Grande-Bretagne et aux Etats-Unis… Les historiens futurs qui se pencheront sur notre époque se diront sans doute qu’elle fut particulièrement riche en mouvements politiques et sociaux.

La France n’est pas en reste. Des grandes grèves de novembre-décembre 1995 aux mobilisations en cours contre la loi El Khomri, en passant par le mouvement altermondialiste – la création d’Attac en 1998 notamment –, l’opposition au CPE en 2006 et à la contre-réforme des retraites en 2010, les occasions de contester cette « nouvelle raison du monde » furent nombreuses. Elles n’ont pas été concluantes, puisque la crise n’a pas sonné le glas des politiques néolibérales, mises en œuvre aujourd’hui à l’échelle planétaire avec plus d’agressivité que jamais.

 

Enjeux stratégiques

Malgré des difficultés et parfois même des échecs, les créations d’organisations ambitionnant d’incarner cette gauche antilibérale et anticapitaliste ont offert, chaque fois, des occasions de se coaliser, d’accumuler des expériences et de l’intelligence collectives.

AVEC L’UN DE SES AXES, « CONTRE LA LOI EL KHOMRI ET SON MONDE », NUIT DEBOUT PARVIENT À ARTICULERUNE EXIGENCE ESSENTIELLE, LE RETRAIT D’UNE LOI PORTEUSE D’UNE TRÈS GRAVE RÉGRESSION SOCIALE, ET LA CRITIQUE RADICALE DE TOUT UN SYSTÈME.

Nuit debout est un mouvement sui generis, doté de caractéristiques propres. Mais il est aussi l’héritier de cette séquence, des bilans – positifs ou négatifs – tirés par les réseaux militants de ces expériences antérieures. L’histoire avance par conjectures et réfutations.

Un mouvement aussi jeune que Nuit debout est enthousiasmant, bien que forcément parfois confus. Ce qui impressionne toutefois dans son cas, c’est le sérieux avec lequel y sont discutés les enjeux stratégiques auxquels il est confronté. Avec l’un de ses axes, « contre la loi El Khomri et son monde », il parvient à articuler une exigence essentielle, le retrait d’une loi porteuse d’une très grave régression sociale, et la critique radicale de tout un système. L’une des perspectives qui le traverse et auquel il travaille, la grève générale, apparaît décisive pour opérer la jonction entre occupation des places et mobilisation sur les lieux de travail et remporter une victoire qui serait fondamentale.

Les critiques du mouvement n’ont pas manqué de lui reprocher sa composition sociale, la surreprésentation – réelle ou supposée, nul n’en sait rien à ce stade – en son sein de personnes à fort « capital culturel ». Ces mêmes critiques ont pointé l’absence des habitants des quartiers populaires, et notamment des immigrés postcoloniaux.

Quiconque a passé ne serait-ce qu’une heure place de la République ou sur les autres places occupées sait qu’une part considérable des débats en cours porte précisément sur les limites du mouvement, et sur la façon de les dépasser. Comment mieux s’associer avec les syndicats et la classe ouvrière ? Par quels biais susciter la mobilisation des victimes de la ségrégation sociospatiale et du racisme ? Quel « débouché politique » le mouvement doit-il se donner, s’il doit s’en donner un ? En assemblée générale aussi bien que dans les commissions thématiques, ces questions sont omniprésentes.

Transformation sociale

Les réponses sont certes hésitantes, parfois maladroites, et autour d’elles se cristallisent des désaccords. Mais les désaccords portent sur des enjeux réels. Nuit debout est un mouvement exigeant avec lui-même, qui ne sous-estime pas l’ampleur des défis à venir. Si le potentiel émancipateur d’une mobilisation dépend de la conscience qu’elle a de ses propres limites, et de sa volonté de les transcender continuellement, alors il est permis d’espérer que Nuit debout donnera lieu, dans les prochains mois ou années, à une transformation sociale de grande ampleur.

SI L’ARTICULATION S’OPÈRE AVEC DES SECTEURS DU MOUVEMENT OUVRIER ET LES RÉSEAUX ASSOCIATIFS ISSUS DES QUARTIERS, RIEN NE POURRA ARRÊTER CE MOUVEMENT.

Comme disait Gramsci, nous sommes tous des intellectuels, mais nous n’exerçons pas tous la « fonction » d’intellectuel. Le capitalisme a créé pour ses besoins une classe d’individus qui fait profession de lire et écrire. En tant qu’universitaires, nous appartenons à cette classe, même si nous sommes aussi des militant(e)s. Avec le dépassement du capitalisme, cette classe disparaîtra, et l’élaboration intellectuelle cessera alors d’être un privilège social.

Nuit debout n’a nul besoin d’intellectuels pour réfléchir. La production d’idées est immanente au mouvement, dont chaque membre est un intellectuel, et l’ensemble un intellectuel « collectif ».

Nous qui exerçons professionnellement la « fonction » d’intellectuels, nous voulons dire à ce mouvement notre admiration. Notre admiration devant son courage – il en faut pour résister aux constantes intimidations des tenants de l’ordre existant. Notre admiration devant sa capacité à identifier les défis stratégiques du moment, et à essayer d’y apporter des réponses novatrices. Si l’articulation s’opère avec des secteurs du mouvement ouvrier et les réseaux associatifs issus des quartiers, rien ne pourra arrêter ce mouvement.

Les crises ouvrent le champ des possibles, mais le risque est grand de le voir se refermer aussitôt sous la pression de forces réactionnaires. Nuit debout contribue à élargir ce champ, permettant ainsi aux forces révolutionnaires de converger. Nous appelons toutes les personnes et organisations qui ne se résolvent pas au monde tel qu’il va à rejoindre les places, et à prendre part, dès maintenant, à la construction d’un autre monde !

 

Signataires : Tariq Ali, écrivain ; Ludivine Bantigny, historienne ; Cédric Durand, économiste ; Elsa Dorlin, philosophe ; Annie Ernaux, écrivain ; Bernard Friot, sociologue ; Razmig Keucheyan, sociologue ; Stathis Kouvelakis, philosophe ; Frédéric Lordon, philosophe ; Leo Panitch, sociologue ; Wolfgang Streeck, sociologue
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