Hector Guimard: Jugendstil in Paris/Art Nouveau à Paris (1)

Jeder auch nur flüchtige Besucher von Paris hat schon einmal Bekanntschaft mit den Werken des Architekten Hector Guimard gemacht: Er war es nämlich, der die berühmten Pariser Metroeingänge mit den elegant- geschwungenen Linien und Formen entworfen hat.

Die Metroeingänge Guimards

Guimard erhielt 1899 von der Compagnie du chemin de fer métropolitain de Paris (CMP) den Auftrag, Entwürfe für die Eingänge der Pariser Metro zu gestalten, die einladend und eher verspielt sein sollten.

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Station St Michel mit der Fontaine Saint – Michel im Hintergrund

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Station Pigalle (Metro-Linie 2) im Abendlicht:

DSC03062 Guimard Metro Eingang (3)

Das für Guimard charakteristische Seepferdchenmotiv:

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 Die Eingänge sollten einerseits standardisiert sein, um den Kunden die Orientierung zu erleichtern und um die Produktion zu vereinfachen, andererseits sollte es aber auch keine völlige Einförmigkeit geben. Guimard entwarf deshalb zwei Eingangstypen mit unterschiedlicher Überdachung und mit jeweils einer seitlich offenen und geschlossenen Variante.

Am schönsten erhalten ist der überdachte Eingang an der Station Porte Dauphine. Es handelt sich um den einzigen noch existierenden überdachten Eingang  vom Typus B mit geschlossenen Seiten. Diese überdachten Eingänge erinnerten einen zeitgenössischen Kritiker an eine Libelle, die gerade ihre leichten Flügel ausbreitet, aber auch an Monster, deren Augen die Kandelaber seien. [1]

Bis ins kleinste technische Detail hat Guimard alle Teile entworfen und zu einem freundlichen Ganzen zusammengefügt.

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Ein Exemplar des etwas kleineren überdachten Typs A ist noch an der Metro-Station Abesses erhalten. Dieser Eingang befand sich ursprünglich an der Metro-Station Hôtel de Ville, wurde aber später verlegt. Auch hier handelt es sich um das letzte Exemplar seiner Art.

Ab 1901 wurden die Zugänge zur Metro nicht mehr überdacht. Insgesamt sind von ursprünglich 380 von Guimard entworfenen Metro-Stationen nur  noch 88 erhalten.

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Solche Informationstafeln wurden 2000 zum 100-jährigen Jubiläum der Metroeingänge Guimards angebracht.

Allerdings gab es von Anfang an auch erhebliche Kritik an Guimards Metro-Eingängen: Beispielsweise wurde die von Guimard entwickelte Schrift gerügt: Es handele sich um „ein bizarres und phantastisches Alphabet von unförmigen Buchstaben“, die vor allem für Fremde die Lektüre massiv erschwerte. An offiziellen Bauwerken sollten aber klare und für jedermann lesbare Inschriften verwendet werden. Schon ab 1902 wurden auch andere Architekten  mit dem Entwurf von Metro-Eingängen betraut, und 1912 wurde der letzte Eingang im Guimard-Stil gebaut.

Spätestens mit dem Beginn des ersten Weltkriegs, als Frankreich, wie Georg Stefan Troller schreibt, „in eine Phase patriotischer Hysterie eintrat… war es dann mit dem Art Nouveau schlagartig zu Ende.“ Die Typographie der Métrostationen galt als „unfranzösisch“, ihr Grün als „typisch deutsch“.[2]  Und die Abwertung des Art nouveau hielt noch lange an. Sogar das große Eingangsbauwerk zum Bahnhof Bastille, das Guimard entworfen hatte, wurde 1962 abgerissen.[3]

1metbast2 Metro Bastille Guimard

Der damalige  Kultusminister Malraux, der entscheidend dazu beigetragen hat, die historische Substanz von Paris zu erhalten und in Szene zu setzen, hat zwar, wie ein Guimard-Freund bitter konstatierte, viel für die  Arbeiten Le Corbusiers getan, aber nichts für die von Guimard… Erst 1987 wurden seine noch erhaltenen Metro-Eingänge unter Denkmalschutz gestellt.[4]

Insofern hat  Georg Stefan Troller nicht ganz recht, wenn er über Hector Guimard schreibt, er hätte zehn Jahre, nachdem er 1942 vergessen in New York gestorben sei, „eine triumphale Auferstehung erlebt“.[5]

Seit 1967 gibt es übrigens auch in Montreal einen Metro -Eingang von Hector Guimard.  Es handelt sich um ein Geschenk der französischen Metro-Betreibergesellschaft RATP, um an die Beteiligung französischer Ingenieure am Bau der Untergrundbahn von Montreal zu erinnern.[6]

Metro Montreal Gerd Turk IMG_3148

 

Das hôtel Mezzara (60, rue Jean-de-La-Fontaine, 75016 Paris. Métro: Michel Ange/Auteil)

Obwohl Paris dank Guimard als Zentrum des Jugendstils gelten kann, gibt es dort kein Guimard-Museum und die Stadt tut sich immer noch schwer, ihn angemessen zu würdigen. Es gibt aber jetzt eine Gelegenheit, diesem Mangel abzuhelfen, und es gibt den Cercle Guimard,  eine entsprechende engagierte Initiative von Hektorologen/„hectorologues“. Seit einiger Zeit  ist  nämlich eines der bedeutendsten noch erhaltenen Bauwerke Guimards, das hôtel Mezzara verfügbar. Es gehört dem französischen Staat und diente lange als Dependance eines benachbarten privaten Gymnasiums. Jetzt könnte es zu einem Guimard-Museum werden. Immerhin war es im November/Dezember wenigstens möglich, die Räume zu sehen: In der Tat ein eindrucksvoller Bau des art nouveau und ein würdiger Ort für ein künftiges Museum…

 

Guimard verstand sich nicht nur als Architekt, sondern auch und  zu zuallererst als Künstler.  Sein Ziel war es, gewissermaßen Gesamtkunstwerke zu gestalten. Also entwarf er auch die Fenster, die Gitter des Zauns und die Treppengeländer, die Tapeten, die Türgriffe und Wasserhähne, die Lampen, das Schild mit der Hausnummer, für deren Zahlen er –wie ja auch schon für die Buchstaben- ein eigenes charakteristisches Design schuf.

 

 

Und natürlich entwarf er auch die Möbel und andere Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, wie z.B. die Bestecke.

 

Insofern war Guimard tatsächlich ein Vorläufer des modernen Designs, als der er in der Ausstellung im hôtel Mezzara präsentiert wurde. Und er war ein „architecte de l’art total“, wie auch aus seinem „Glaubensbekenntnis“ deutlich wird, das am Eingang der Ausstellung den Besuchern präsentiert wurde:

Hotel Mezzara Hector guimard (59)

Ich liebe die Architektur, und wenn ich sie liebe, dann deshalb, weil sie in ihrem Wesen, ihrer Methode, ihrer Funktion und allen ihren Erscheinungsformen „alle anderen Künste“ ohne Ausnahme umfasst.

 

Guimard und der Darmstädter Jugendstil

Guimard stand mit einem solchen Kunstverständnis damals keineswegs allein. Auf einer Reise nach Brüssel hatte Guimard 1895 den belgischen Jugendstil-Architekten Victor Horta kennengelernt und war von dessen Bauten, besonders dem hôtel Tassel tief beeindruckt. Er erkannte sofort, dass es eine enge Beziehung zwischen seinen künstlerischen Intentionen und denen Hortas gab und der Einfluss Hortas auf die Bauten Guimards ist unverkennbar.[7] Guimards ganzheitliches Kunstverständnis entsprach auch dem der Künstlergruppe, die sich um 1900 in Darmstadt zusammenfand und auf der Mathildenhöhe in Darmstadt mehrere Villen mitsamt aller Einrichtungsgegenstände entwarf.[8] Die stilistische Nähe von Guimard und der Darmstädter Künstlerkolonie ist dabei offenkundig: Der Jugendstil, der art nouveau, war ja kein nationaler Stil, sondern eine Stilrichtung mit internationalen Dimensionen.

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Guimard und die Künstler der Darmstädter Mathildenhöhe verbindet auch das Interesse, ihre Kreationen über den  begrenzten Kreis der jeweiligen Auftraggeber bekannt zu machen. Hector Guimard gehörte´1901 zu den Gründungsmitgliedern der Société des artistes décorateurs, die in dem in einem Seitenflügel des Louvre beheimateten musée des arts décoratifs ihre Werke ausstellten. Ein von Guimard entworfenes Plakat für einen entsprechenden Salon war jetzt in der Ausstellung im hôtel Mezzara zu sehen. 1901 fand auch die erste große Werkschau auf der Darmstädter Künstlerkolonie statt- in dem dafür extra errichteten Ernst-Ludwig-Bau.[9] Das Plakat für diese Ausstellung war übrigens 2016/2017 in einer Ausstellung des musée des arts décoratifs über das Bauhaus zu sehen, in der auch eine Verbindungslinie vom Jugendstil zum Bauhaus gezogen wurde.

 

Während die Darmstädter Künstlerkolonie  also  bedeutende Nachwirkungen hatte, im Selbstverständnis der Stadt eine wichtige Rolle spielt und für das Jahr 2019 zur Liste der deutschen Kandidaten  für das UNESCO-Kulturerbe gehört, müssen die „Hectorologen“ immer noch für einem Nischenplatz  Guimards in der Pariser Kunstszene kämpfen. Angebot und Konkurrenz sind allerdings auch in Paris etwas größer als in Darmstadt…

 

Das Castel Béranger

Das erste und bedeutendste Bauwerk Guimards ist das 1897/98 errichtete  Castel Béranger im Pariser 16. Arrondissement (14, rue Jean-de-la- Fontaine; métro Michel Ange/Auteil).

Castel Beranger Hector guimard (78)

Guimard erhielt als junger Architekt von gerade einmal 28 Jahren den Auftrag, diesen großen Wohnblock mit Sozialwohnungen zu entwerfen.

Hotel Mezzara Hector guimard (65)

Aus dem Skizzenbuch von Hector Guimard

Deshalb verwendete Guimard –anders als es bei den repräsentativen Gebäuden der Haussman’schen Boulevards üblich war- nur sehr sparsam die noblen und teuren behauenen Steinblöcke  (pierres de taille), sondern überwiegend Backsteine und, zum Beispiel für die Balkone,  serienmäßig hergestellte eiserne Gussteile.

Castel Beranger Hector guimard (69)

Castel Beranger Hector guimard (75)

Gimard nutzte den Freiraum, den er als Architekt erhalten hatte, um das „œuvre fondatrice de l’Art Nouveau“ zu bauen.[10] Es ist das erste Mal, wie Gilles Plum in seinem Buch über die Architektur der „Belle Epoque“ schreibt, dass ein Architekt ein großes Wohnhaus als ein wichtiges und künstlerisch anspruchsvolles Bauwerk gestaltet. Es handele sich damit um eine für die Moderne charakteristische und revolutionäre Umkehr der bisherigen Hierarchien: Ein schlichtes Mehrfamilienhaus könne jetzt bedeutender werden als ein repräsentatives öffentliches Gebäude.[11]

Die Einschätzungen des Baus waren extrem unterschiedlich, „von der Parteien Gunst und Hass verzerrt“, wie man mit Schiller sagen könnte. Die floralen und tierischen Schmuckelemente und die grüne Farbe der eisernen Teile erregten, wie Troller schreibt, heftigen Widerspruch.  „Kein  Wunder,  dass die Zeitgenossen für das unnatürlich-naturhafte Bauwerk den Spottnamen ‚Castel dérangé‘ fanden, also etwa Beklopptenburg.“ Ein zeitgenössischer Kritiker nannte das Bauwerk „la Maison des Diables“, weil es von oben bis von Dämonen übersät sei. Ältere Damen des Arrondissements würden sich bekreuzigen, wenn sie sich auf zwanzig Schritte dem Bauwerk näherten. Und der Kritiker fügte ironisch an, wenn auch Frankreich einmal nicht mehr von Gott beschützt werde, dann werde Auteuil, der Stadtteil in dem das Castel Béranger gebaut wurde, immerhin vom Teufel beschützt. „Parisiens, dormez en paix!“.[12]

Aber es war gerade die unkonventionelle künstlerische Gestaltung des Baus, die den Ruhm Guimards begründete. Er erhielt dafür den ersten Preis eines Fassadenwettbewerbs der Stadt Paris, eine Auszeichnung, die er nutzte, um für seine neue Kunstauffassung zu werben.

Castel Beranger Hector guimard (77)

Immerhin war das Castel Béranger auch ein wirtschaftlicher Erfolg: Die Investorin des Gebäudes hatte Guimard freie Hand („carte blanche“) bei dem Entwurf gelassen, allerdings im Gegenzug eine Garantie über die zu erzielenden Einnahmen verlangt. Guimard war offenbar so von seinem Werk überzeugt, dass er sich auf diesen Handel einließ. Und in der Tat: Schon vor Fertigstellung des Gebäudes waren 25 von 36 Wohnungen  vermietet, u.a. an den Maler Paul Signac, der im sechsten Stock eine Wohnung bezog und sein Atelier einrichtete und sich über die die vorbeikommenden Gaffer amüsierte: „Die Passanten bleiben mit offenen Mündern stehen…, die Fahrradfahrer steigen  aus ihrem Sattel, die Autofahrer halten an, und wenn das Regiment vorbeimarschiert, dreht sich der Oberst abrupt um und läuft rot an.“[13]

Aber der größte und nachhaltigste Erfolg des Bauwerks:  Es war das Castel Béranger, das die Pariser Metro-Gesellschaft veranlasste, Guimard mit der Gestaltung der Metro-Eingänge zu beauftragen.

17-19-21, Rue Jean-de-La-Fontaine

In unmittelbarer Nähe des Castel Béranger, an der Ecke zu der nach einer Schauspielerin benannten rue Agar, gibt gibt es einen ebenfalls von Guimard entworfenen und 1911 errichteten größeren Gebäudekomplex.

 

Rue Delafontaine Hector guimard (58)

Er  umfasst insgesamt 6 Gebäude von jeweils sechs Etagen  (7, 19 et 21 rue Jean de La Fontaine, 8, 10 rue Agar, 43 rue Gros), das größte von Guimard entworfene Bauvorhaben, das zeigt, wie erfolgreich Guimard inzwischen war. Auch die durchgängige Verwendung von teuren und prestigeträchtigen Kalksteinquadern (pierre de taille) als Baumaterial zeigt, dass Guimard nun sehr finanzkräftige Auftraggeber hatte.   Der Entwurf ist zwar nicht mehr so kühn und verspielt wie der des Castel  Béranger, es fehlt die von Signac am Castel Béranger gerühmte Farbigkeit, aber die Gebäude haben doch ihren eigenen Charme, vor allem durch die vielen ornamentalen Details an den Fassaden und den eisernen Balkon- und Fenster- Gittern.

rue Delafontaine Hector guimard (68)

 

 

Hôtel Guimard, 122 avenue Mozart 75016 Paris

 Im Februar 1909 heiratete Hector Guimard Adeline Oppenheim, eine Malerin und Tochter eines reichen amerikanischen Bankiers. Gleichzeitig beschloss er, ein großes Wohnhaus zu bauen, ein „hôtel particulier“, um dort mit seiner Frau zu wohnen und zu arbeiten.

 

Im Erdgeschoss befanden sich ein Empfangsraum und das Architekturbüro, in den mittleren Geschossen die Wohnräume und in der obersten Etage das Atelier von Frau Guimard. Das Paar lebte dort von 1913 bis 1930.

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Da Guimard sein eigener Auftraggeber war und er sich der finanziellen Unterstützung durch seine Frau sicher sein konnte, gestaltete er hier ein einzigartiges und einheitliches Ensemble seiner künstlerischen Ambitionen, des sogenannten „style Guimard“, wie er damals auch genannt und von dem Architekten selbst gewissermaßen als Marketing-Label benutzt wurde. Zu dem Bau als stilistisch  einheitliches Gesamtkunstwerk im Sinne des Art Nouveau gehörte, dass Guimard auch die gesamte Inneneinrichtung bis ins kleinste Detail konzipierte: Stuckelemente, Fenster, Möbel, Wandverkleidungen, Lampen und andere Einrichtungsgegenstände, Metallteile wie Türgriffe oder Wasserhähne,  Stoffe…

 

1848, sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes, beschloss Frau Guimard, das Haus in der avenue Mozart, mitsamt seinem Mobiliar und den Archiven ihres Mannes dem französischen Staat zu schenken, damit dort ein Museum eingerichtet werden sollte. Das Angebot wurde abgelehnt. Drei französische Museen waren immerhin bereit, einen Teil des Mobiliars zu akzeptieren und auszustellen. Der Rest wurde versteigert und vor allem von amerikanischen Sammlern erworben. Das Haus  wurde in Wohnungen aufgeteilt und an Privatleute verkauft- eine einzigartige Chance damit verpasst.[14]

 

Das  Esszimmer des Hôtel Guimard im Petit Palais

Während nach der Zerschneidung und Zerfledderung des hôtel Guimard und seiner Einrichtung das musée des Beaux-Art in Lyon das Mobiliar des Schlafzimmers  übernahm und das musée de l’Ecole de Nancy das Arbeitszimmer, gehört das Esszimmer der Stadt Paris.

DSC01808 Hector Guimard Petit Palais (12)

Es  ist im Petit Palais, immerhin einem passenden Rahmen,  ausgestellt. Die Möbel  und Wandverkleidungen sind aus Birnbaumholz gefertigt, das mit seiner feinen Maserung sehr gut zu den weichen und eleganten Linien des „style Guimard“ passt.

 

 

 

Es gibt übrigens  noch einen „anderen Guimard“ jenseits des von ihm entwickelten typischen Stils: Guimard erkannte offenbar selbst die Zeichen der Zeit, dass also spätestens mit dem Ersten Weltkrieg die Zeit des art nouveau vorbei war. Und er war flexibel und offen genug, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Das kann man an dem von ihm entworfenen Wohngebäude in der rue de Bretagne Nummer 10 im 3. Arrondissement sehen. Es ist von außen nicht mehr als ein Werk des „roi de l’art nouveau“ erkennbar. Die Fassade ist zwar durchaus rhythmisiert, verzichtet allerdings auf jede Ornamentik. Sie ist klar  gegliedert und nimmt damit den Geschmck des die 1920-er Jahre prägenden Art déco vorweg. Avantgardistisch ist auch die Bautechnik, die auf dem Prinzip vorgefertigter Teile und eines tragenden Gerüsts beruht, wie es dann auch bei den Wolkenkratzern jenseits des Atlantiks üblich wurde.  Guimard war also in doppelter Hinsicht Vorreiter eines neuen Bauens. Aber er verlor damit zugleich „sa marque de  fabrique“, die ihn in seinen früheren Bauten ausgezeichnet und einzigartig gemacht hatte.  Fast völlig vergessen starb er 1942  in den USA, in die er mit seiner Frau vor den Nazis geflohen war. (15)

 

Ausblick:

In einem nachfolgenden Blog-Beitrag sollen zwei Pariser Arbeiten  Guimards vorgestellt werden, die nicht im 16. Arrondissement angesiedelt sind: Die Synagoge in der Rue Pavé im Marais (4. Arrondissement) und ein von Guimard entworfenes Grab auf dem Friedhof Père Lachaise.

Darüber hinaus gibt es natürlich viele weitere typische Bauten des Art Nouveau in Paris wie etwa die Brasserie Julien in der rue du Faubourg Saint-Denis, der erste Bauabschnitt des Kaufhauses Samaritaine oder das Wohnhaus  in der avenue  Rapp Nr. 29, um nur drei Beispiele zu nennen. Vielleicht auch dazu ein anderes Mal mehr….

 

Literatur:

Fréderic Descouturelle und André Mignard, L’Art nouveau du métro. 2012

Philippe Thiébaut, Guimard, l’Art nouveau. 1992

Philippe Thiébaut (Hrsg.): Guimard. Paris 1992

Georges Vignes, Hector Guimard – Le geste magnifique de l‘art nouveau. 2016

Jannine Casevecchie und Gilles Targat, Paris Art nouveau. 2015

Le Cercle Guimard, Hector Guimard, précurseur du design. September 2017

Der Cercle  Guimard bietet an Wochenenden auch Spaziergänge im 16. Arrondissement rund um Guimard an:  www.cercleguimard.fr

 

Anmerkungen:

[1] Zitiert bei Thiébaut, S. 58

[2] Georg Stefan Troller,  Paris geheim. Düsseldorf 2008, S. 263

[3] http://lartnouveau.com/artistes/guimard/documents/cpa_paris/bastille.HTM  Dieser Seite ist auch das nachfolgende Bild entnommen.

[4] „André Malraux a „sauvé Le Corbusier mais pas Guimard“. Ein Zitat von Bruno Dupont, einem führenden Mitglied des Cercle Guimard. In: Le monde 23.11.2017, S. 18. Artikel: „Hector Guimard attend son musée. Les ‚hectorologues‘ on obtenu l’ouverture temporaire au public de l’hôtel Mezzara, chef, d’œvre de l’architecte représentant de l’Art nouveau“

Zu den Metro-Eingängen: https://de.wikipedia.org/wiki/Hector_Guimard

[5] Georg Stefan Troller,  Paris geheim. Düsseldorf 2008, S. 263

[6] http://www.stm.info/en/about/discover_the_stm_its_history/art-metro/list-artworks/square-victoria-oaci-hector-guimard  Das Bild stammt von unserem Freund Gerd Turk

[7] Thiébaud, S. 34f

[8]Da ich in Darmstadt aufgewachsen bin, darf der Verweis auf die dortige Künstlerkolonie natürlich nicht fehlen. Darmstadt gehört natürlich auch zu der route européenne de l’art nouveau. Siehe:  http://www.artnouveau.eu/fr/city.php?id=17

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Darmst%C3%A4dter_K%C3%BCnstlerkolonie

[10] http://www.unjourdeplusaparis.com/paris-insolite/le-castel-beranger-art-nouveau-paris

[11] Gilles Plum, Paris. Architectures de la Belle Epoque. Paris: Éditions Parigramme 2014, S. 38

[12]  Troller, S. 262; Thiébaut, S. 114

[13] Zit. bei Thiébaut, S. 31 (Übersetzung von mir)

[14] https://fr.wikipedia.org/wiki/H%C3%B4tel_Guimard

(15) Nicolas Jacquet, „Sic transit….“ Immeuble d’Hector Guimard  10, rue de Bretagne. In: Le Marais secret et insolite. Paris: Parigramme 2012, S. 101

 

 

Geplante Beiträge:

  • Hector Guimard in Paris (2): Die Synagoge in der rue Pavée (4. Arrondissement) und das Grabmal auf dem Père Lachaise (20. Arrondissement)
  • Street-Art in Paris (2):  Mosko, Jef Aérosol und Jerôme Mesnager
  • Auf dem Weg nach Paris: Die Mühle von Valmy, ein Fanal der Französischen Revolution
  • Street-Art in Paris (3):  Der Invader
  • Street-Art in Paris (4): M Chat, Miss Tic und Fred le Chevalier
  • Das Pantheon der großen (und weniger großen) Männer und der wenigen großen Frauen

Wohnen, wo einmal die Guillotine stand: La Grande et la Petite Roquette

In diesem Beitrag geht es um die Geschichte unseres Viertels, das nach der Straße benannt ist, die es durchquert, der Rue de la Roquette. Und diesen Namen trugen auch die großen Gefängnisse, die hier einmal standen. In ihnen spiegeln sich 100 Jahre französischer Geschichte, spektakuläre Hinrichtungen wurden hier vollzogen, an die heute noch die  Fundamente der Guillotine erinnern….  

Der Eingang unserer neuen Wohnung liegt in der Rue Maillard.  Namensgeber der Straße, in der unsere frühere Wohnung lag, war der französische General Chancy aus der Zeit des deutsch-französischen Krieges von 1870/1871. Der Name Rue Maillard weckt dagegen angenehmere Assoziationen: Gleich nach Verbreitung unserer neuen Adresse wurden wir auf Louis Camille Maillard aufmerksam gemacht, den Entdecker der nach ihm benannten chemischen Reaktion, die u.a. dafür sorgt, dass ein Braten bei entsprechender Zubereitung eine leckere Bräunung und ein geschmackvolles Aroma erhält. Also Bratenduft statt Pulverdampf.

Allerdings kommen dann doch noch weniger angenehme Assoziationen hinzu, wenn man sich etwas  näher mit unserem  neuen Viertel beschäftigt: Nämlich der Knall des Fallbeils, der Guillotine, die hier einmal stand. Darauf wird man hingewiesen, wenn man von der Rue de la Roquette in die Rue du Croix Faubin einbiegt, an der unsere Wohnung liegt. Dort steht eine der Erinnerungstafeln „Histoire de Paris“, mit denen Passanten auf die historische Vergangenheit eines Ortes und –soweit vorhanden- entsprechende sichtbare Spuren hingewiesen werden, an denen sie sonst vielleicht eher achtlos vorübergegangen wären. So sicherlich an diesem Ort: Denn hingewiesen wird auf fünf eher  unscheinbare Steinplatten (aus Granit), die vom Asphalt der Straße ausgespart sind. Es sind, wie die Tafel erläutert, die Fundamente einer Guillotine, die hier –bei Bedarf- aufgebaut wurde, um den Aufprall des Fallbeils aufzuhalten.[1]

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Die Guillotine  gehörte zu dem Gefängnis La Grande Roquette, das -1836 errichtet- auf diesem Areal stand und in dem zu Zwangsarbeit Verteilte gefangen gehalten wurden, die auf ihren Abtransport in die Strafkolonien von Ĭle  de Ré, nach Neu-Kaledonien  oder nach Cayenne warteten- dahin also, wo der Pfeffer wächst… Und zum Tode Verurteilte warteten dort auf die Guillotine.  Im Volksmund hieß das Gefängnis  „Abbaye des Cinq-Pierres“ – eine Anspielung auf die fünf Steine des Fundaments der Guillotine und auf ein Kloster, das sich an gleicher Stelle befunden hatte, bis es zur Zeit der Französischen Revolution aufgelöst wurde.

Nach der Angabe im unteren Teil der städtischen Erinnerungstafel wurden über 200 Todesurteile mit der hier aufgestellten Guillotine öffentlich vollstreckt.[2]  Obwohl die Hinrichtungen im Allgemeinen in aller Frühe vollzogen wurden, kamen immer Schaulustige zu der am Eingang des Gefängnisses gelegenen Place de la Roquette, um dem „Schauspiel“ beizuwohnen. (1a)

guillotine Croix Faubin

Wie populär solche  Hinrichtungen waren, wird auch daran deutlich, dass der durch die Plakate von Henri de Toulouse-Lautrec bekannte Kabarettist Aristide Bruant hat die letzten Momente eines Gefangenen der Roquette auf seine Weise besungen hat. Sein Publikum muss das wohl lustig gefunden haben:

220px-Lautrec_ambassadeurs,_aristide_bruant_(poster)_1892 Tout ça, vois-tu, ça n’me fait rien

C’qui m’paralyse

C’est qu’i faut qu’on coupe, avant l’mien,

L’col de ma ch’mise;

En pensant au froid des ciseaux,

A la toilette,

J’ai peur d’avoir froid dans les os,

A la Roquette.

Aussi j’vas m’raidi pour marcher

Sans qu’ça m’émeuve,

C’est pas moi que j’voudrais flancher

Devant la veuve;

J’veux pas qu’on dis’que j’ai l’trac

De la lunette,

Avant d’éternuer dans l’sac,

A la Roquette.“

 

Die Grande Roquette war –wie bei einem Bauwerk dieser Art nicht anders zu erwarten-  Schauplatz spektakulärer und tragischer Ereignisse. Die Erinnerungstafel verweist ausdrücklich auf die Exekution der beiden Anarchisten Auguste Vaillant und Emile Henry. Auguste Vaillant hatte 1893 von der Zuschauertribune der Assemblée Nationale eine Bombe auf die dort versammelten Parlamentarier geworfen, wobei 50 Menschen verletzt wurden. Vaillant wurde am 5. Februar 1894 vor der Roquette guillotiniert- mit den letzten Worten: „Es lebe die Anarchie! Mein Tod wird gerächt“.[3]

220px-Le_Petit_Journal_-_Explosion_à_la_Chambre Auguste Vaillant  220px-Attentat_de_l'hôtel_Terminus

Die Rache ließ auch nicht lange auf sich warten. Am 12. Februar 1794 verübte der Anarchist Emile Henry einen Anschlag auf das Café Terminus im Gare St. Lazare, bei dem 20 Besucher verletzt wurden, einer davon tödlich. Der Prozess gegen Henry erregte erhebliches Aufsehen wegen des unerschrockenen Auftretens des jungen hochgebildeten Anarchisten und der sozialkritischen Rechtfertigung seiner Tat. Auf den Vorwurf des Richters, er habe einen Anschlag auf Unschuldige verübt, antwortete er: „Il n’y a pas de bourgeois innocents“. Die Erklärung, die er vor Gericht abgab, wurde berühmt.[4] Am 21. Mai 1894 wurde Henry vor der Roquette guillotiniert- im Beisein übrigens  von Georges Clemenceau und Maurice Barrès- beide alles andere als Sympathisanten des Anarchismus, die aber von dem Schicksal des jungen Manns angerührt waren.

Nicht hingewiesen wird auf der städtischen Hinweistafel auf zwei Ereignisse, die die Grande Roquette in ganz  besonderem  Maße in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit rückten und dazu –wenn auch in verschiedener Weise- zu ihrer  Bedeutsamkeit beitrugen, und zwar die Hinrichtung des Mörders Troppmann 1870 und die Geiselerschießung der Commune 1871.

Die Hinrichtung Troppmanns

Die Hinrichtung des Mörders Troppmann in der Roquette am 19. Januar 1870 war ein außerordentlich spektakuläres Ereignis.  Troppmann hatte aus Geldgier 8 Mitglieder einer Familie nach und nach auf sehr heimtückische Weise umgebracht.

Von der Entdeckung der Leichen über die Jagd nach dem Täter bis hin zum Prozess und der Hinrichtung verfolgten Moritatensänger und insbesondere die noch junge  Presse den Fall.  Besonders hervor tat sich das 1863 gegründete Le Petit Journal. Dieses konnte die Auflage von dem ersten Bericht über diesen Mord am 23. September von 357.000, drei Tage später auf 403.950, am Tag der Hinrichtung Troppmanns bis auf 594.000 Exemplare steigern. Das Blatt versorgte seine Leser hierbei mit Details; beispielsweise dass Troppmann angeblich seinen Bruder um Blausäure und Äther gebeten habe, um seine Wärter zu vergiften und dass er versucht habe seinen Henker zu beißen. Der mediale  Erfolg der Troppmann-Berichterstattung war Wasser auf die Mühlen der Sensationspresse und trug generell  zur bevorzugten Behandlung der „faits divers“ in den Massenmedien bei, die ja gerade in Frankreich besonders auffällig ist: Noch heute beginnen die Nachrichtensendungen in den großen französischen Fernsehprogrammen, selbst in dem öffentlich-rechtlichen TV 2, sehr oft mit einer ausführlichen Berichterstattung über solche „faits divers“, einen Mord in der Provinz, einen plötzlichen Wintereinbruch in den französischen Alpen oder einer Warnung vor einem Stauwochenende, bevor dann auch das politische Tagesgeschehen –mehr oder eher weniger- zu seinem Recht kommt.

Welches Aufsehen der Fall Troppmann in Frankreich erregte, beschreibt übrigens kein Geringerer als Iwan Turgenew in seinem ausführlichen, zeitnah verfassten Bericht L’exécution de Troppmann, der in der Forderung nach Abschaffung der Todesstrafe mündet- wie sie damals von vielen aufgeklärten Geistern –in Frankreich etwa von Victor Hugo und später dann im Zusammenhang mit der Hinrichtung Henrys auch von Clemenceau- erhoben wurde. Turgenew hielt sich 1870 in Paris auf und wurde eingeladen, als einer der wenigen „Ehrengäste“ der Hinrichtung des Mörders aus nächster Nähe beizuwohnen.  Schon Tage davor seien in allen Schaufenstern Fotos von Troppmann ausgestellt worden und Tausende von Schaulustigen seien jede Nacht zur Roquette gekommen, um nicht den Aufbau der Guillotine zu versäumen. Die damals äußerst spannungsreiche und bewegte politische Situation in Frankreich (kurz vor Ausbruch des deutsch-französischen Krieges) sei demgegenüber völlig in den Hintergrund des öffentlichen Interesses geraten.

70536893 Execution de Troppmann

Die Nacht vor der Hinrichtung mussten die privilegierten Zuschauer im Zimmer des Gefängnisdirektors verbringen, weil befürchtet wurde, dass am nächsten Morgen die erwarteten Massen der Schaulustigen den Zutritt zur Roquette unmöglich machen würden. So kann Turgenew aus nächster Nähe den Aufbau der Guillotine beobachten, dem Henker die Hand schütteln –nach Troppmann immerhin die wichtigste Figur des bevorstehenden Spektakels-  und die zahlreiche Post betrachten, die Troppmann von allen Seiten erhalten, aber nicht zur Kenntnis genommen hatte- auch nicht die Billets von Frauen, denen teilweise Blumen wie Margueriten und Immortellen beigegeben worden waren. Schon mitten in der Nacht versammelten sich, wie die Polizei dem Gefängnisdirektor berichtete,  über 25 000 Schaulustige vor dem mit der Überschrift „Dépot des Condamnés“ versehenen Eingang der Roquette.

grande roquette portail Turgenew beschreibt anschaulich, was von dieser erwartungsvollen Menschenmenge an das Ohr der Ehrengäste im Gefängnis dringt:

„Ce brouhaha m’étonnait par sa ressemblance avec les mugissements lointains du flux et du reflux de la mer, le même crescendo Wagnérien infini qui ne monte pas régulièrement, mais avec de grands chuchotements et des déversements gigantesques. Les notes aiguës des voix des femmes et des enfants jaillissaient comme des éclaboussures fines sur le bourdonnement colossal. La puissance brutale d’une force de la nature se montrait dans tout cela. Tantôt elle s’apaise pour un instant comme si elle était couchée et ramassée… et la voilà encore qui grandit, s’enfle et gronde comme toute prête à s’élancer et à tout déchirer, qui recule encore et peu à peu se calme, puis de nouveau grandit… et cela n’a pas de fin. Que veut dire ce bruit ? pensai-je. Impatience ? Joie ? Haine ?… Non, il ne sert d’écho à aucun sentiment individuel humain. Tout simplement le bruit et le brouhaha de la nature.“

„Tout d’un coup, lentement, comme une gueule, s’ouvrirent les deux battants des portes accompagnés en même temps d’un grand rugissement de la foule réjouie, satisfaite. Soudain, le monstre de la guillotine nous regarda avec ses deux poteaux noirs et le couperet suspendu.

Als Troppmann aufs Schaffott geführt wird:  Totenstille unter den  vielen Tausenden Zuschauern:

„J’eus le temps de remarquer qu’à l’apparition de Troppmann le bruit de la foule se tut comme un monstre qui s’endort. Un silence sans respiration.“

 

Dann die Vollstreckung des Urteils:

„Enfin retentit un bruit léger de bois qui se heurtent. C’était la chute de la lunette supérieure avec la découpure transversale pour laisser passer le tranchant, la lunette qui prend le cou du criminel et rend sa tête immobile ; puis quelque chose gronda sourdement, roula et éructa comme si un grand animal eût craché. Je ne puis trouver une comparaison plus exacte.

Tout se couvrit d’un brouillard.“

 

 

Und danach?

„Je me sentais très fatigué, et je n’étais pas le seul. Tous paraissaient épuisés, quoique tous, apparemment, se sentissent mieux, comme si leurs épaules fussent débarrassées d’un grand poids.

Mais personne de nous, absolument personne, n’avait l’air d’un homme qui a assisté à l’exécution d’un acte de justice sociale. Chacun tâchait de se détourner de cette idée et de rejeter la responsabilité de cet assassinat. … Nous parlions de la barbarie inepte et superflue de toute cette procédure du moyen-âge, grâce à laquelle l’agonie d’un criminel dure trente minutes, de six heures vingt-huit à sept heures….., du dégoût de tous ces travestissements, de cette coupe de cheveux, des voyages par les escaliers et les corridors…..

De quel droit fait-on tout cela ? Comment soutenir cette routine révoltante ? La peine de mort elle-même pouvait-elle être justifiée ?“

 Turgenew sieht keinerlei –wie auch immer gearteten- Nutzen, den eine solche „Nacht der Schlaflosigkeit, der Trunkenheit und der Perversion“ auf die Zuschauer haben  könnte. Und er zieht aus all dem den Schluss, dass die Todesstrafe unabweisbar auf der Tagesordnung der humanité contemporaine stehe. Er hoffe, dass er mit seinem Bericht einen Beitrag zu ihrer Abschaffung, mindestens jedoch zur Beendigung ihrer öffentlichen Zurschaustellung leisten würde.[5]

 Allerdings  hat es noch fast 70 Jahre gedauert, bis in Frankreich auf das Schauspiel öffentlicher Hinrichtungen verzichtet wurde: Am 17. Juni 1939 wurde der Deutsche Eugen Weidmann, der in Frankreich 6 Menschen ermordet hatte, vor 10000 Schaulustigen in Versailles hingerichtet. Dabei kam es zu volksfestartigen Szenen, Champagnerkorken knallten, Frauen tauchten ihre Taschentücher in das Blut des mit Clark Gable verglichenen Frauenhelden.[6] Danach verzichtete man in Frankreich auf weitere Spektakel dieser Art. Aber es dauerte dann noch einmal über 40 Jahre, bis  in Frankreich –mit der Lex Badinter von 1981- die Todesstrafe endlich abgeschafft wurde. In Russland –Turgenjew richtete sich mit seinem Text ja in erster Linie an eine russische Leserschaft- geschah das erst 2009- und in vielen anderen Ländern hat sich –nicht einmal in diesem Punkt- die „humanité contemporaine“ immer noch nicht durchgesetzt…

 

Die Geiselerschießung in der Roquette 1871

Ein besonders tragisches Ereignis war sicherlich die Erschießung von sechs Geiseln durch die Commune in der Grande Roquette. Sie fand statt am 24. Mai 1871, während der blutigen Niederschlagung der Commune in der semaine sanglante[7], durch die Versaillais, also die Truppen der nach Versailles geflüchteten Regierung unter Adolphe Thiers.

Grundlage der Geiselerschießung war ein Dekret der Commune vom 5. April 1871, dem gemäß alle mit der Regierung in Versailles zusammenarbeitenden Personen Geiseln des Volks von Paris seien. Jede Erschießung von Kriegsgefangenen oder Anhängern der sich als  rechtmäßige  Regierung betrachtenden Commune habe die Erschießung einer dreifachen Anzahl von Geiseln zur Folge- ein auch in den Reihen der Commune und ihrer Sympathisanten umstrittenes Dekret.[8] Allerdings handelte es sich bei der Geiselerschießung in der Roquette um keine automatische  Replik auf die unbeschreiblichen und massenhaften Gräueltaten der Versailler in der semaine sanglante. Die Commune hatte nämlich zunächst angeboten, den von ihr festgehaltenen Erzbischof von Paris, Mgr Darboy, gegen den von den Versaillern gefangenen gehaltenen Revolutionär Auguste Blanqui auszutauschen. Und als dieses Angebot unbeantwortet blieb, schlug die Commune sogar vor, im Gegenzug zur Befreiung Blanquis alle von ihr festgehaltenen 64 Geiseln freizulassen. Blanqui war seit der Revolution von 1830 eine Leitfigur der sozialistischen Bewegung in Frankreich. Mehrfach wurde er wegen  seiner revolutionären Aktivitäten und Überzeugungen verhaftet. So auch im März 1871 auf Befehl von Adolphe Thiers, der damit die Commune einer charismatischen Führungsfigur beraubte und der deshalb auch unter gar keinen Umständen auf das Angebot der Commune eingehen wollte. Sein Sekretär kommentiert das zynisch: « Les otages ! Les otages, tant pis pour eux ! »[9]

So werden am 24. Mai in der Grande Roquette 6 Geiseln der Commune, darunter der Pariser Erzbischof, erschossen.

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Dass Blanqui auch heute noch Verehrer hat, zeigt sein Grab mit der von Dalou geschaffenen eindrucksvollen Bronzefigur auf dem Père Lachaise. (91. Division)[10]

Die Geiselerschießung vom 24. Mai war ein wesentliches  Element in der 1871 einsetzenden groß angelegten Diffamierungskampagne der Commune und ihrer „Verbrechen“, bei der die junge Fotografie systematisch eingesetzt wurde. Fotos vom zerstörten Pariser Rathaus oder der umgestürzten Vendôme-Säule gehörten dazu.[11] Und die Erschießung der Geiseln in der Roquette wurde propagandistisch nachgestellt, fotografiert und verbreitet. Das hatte gleichzeitig auch die Funktion, von dem systematischen Terror der eigenen Seite –mit etwa 30 000 Opfern- abzulenken.

Crimes de la Commune             

 „Crimes de la Commune : Assassinat des otages dans la prison de la Roquette“

 Die Zelle, in der Erzbischof Darboy seine letzten Tage auf dieser Welt verbracht hatte, wurde übrigens beim Abriss der Grande Roquette Stein für Stein abgetragen und in der Krypta des Priesterseminars Saint Sulpice von Issy-les-Moulinaux wieder aufgebaut- zusammen  mit einem  Stück der Mauer, vor der die sechs Geiseln erschossen wurden.[12]

Allerdings haben die Sieger nach Niederschlagung der Commune in der sogenannten „semaine sanglante„, der blutigen  Woche, mit aller Brutalität zurückgeschlagen. Dabei hat wiederum die Grande Roquette eine Rolle gespielt, wie  Prosper Lissagaray in seiner „Geschichte der Commune von 1871“  (es 577, S. 362) berichtet:

Nach beendigtem Kamüfe verwandelte sich die Armee in ein ungeheures Executions-Peleton. Am Sonntag wurden mehr als 5000 Gefangene, die in der Umgegend des Père La Chaise aufgegriffen waren, in das Gefängniß la Roquette geführt. Ein BBataillonschef stand am Eingang und musterte die Gefangenen, ohne an einen  Einzigen  eine Frage  zu stellen, indem er nur „rechts“ oder „links“ sagte. Die zur Linken wurden sogleich erschossen. Man leerte ihnen die Taschen, lehnte  sie an eine Mauer und machte sie nieder. Der Mauer gegenüber hielten zwei oder drei Pfaffen  sich die Breviere vor die Nase und murmelten die Gebete der Sterbenden.“

Die Petite Roquette

Auf der anderen Seite der Rue de la Roquette gibt es den Square de  la Roquette, eine kleine hübsche Parkanlage mit einem Springbrunnen, Blumen, Bänken, Spiel- und (in Paris eher selten) Bolz- und Basketballplätzen  für Jugendliche. Davor sogar auch noch einen Boule-Platz, der allerdings von den zahlreichen Hunden des Viertels eher anderweitig genutzt wird.

Dass man sich auch hier auf geschichtsträchtigem Grund befindet, ist noch deutlicher als auf der anderen Seite der Straße: Da gibt es unübersehbar das übliche grüne Schild der Parkverwaltung, das am Eingang allen Pariser Grünanlagen über den Namen  und die Geschichte des Ortes informiert. So auch hier:

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Der Name der Anlage (und der Straße) sei abgeleitet von einer Pflanze, die zwischen den Steinen des Klosters wuchs,  das  sich hier befunden  habe : die roquette, lateinisch eruca, italienisch rucola, die im Mittelalter schon als Salatpflanze genutzt wurde, dann in Vergessenheit geriet und inzwischen wieder über Italien ihren Weg in die deutsche Küche gefunden hat.[13]  1836 habe ein Gefängnis für Frauen, Kinder und junge Straftäter das Kloster ersetzt, dessen Bau sich an der Festungsarchitektur orientiert habe. In der Tat erinnert das Gefängnis, wie der Plan seines Architekten Louis- Hippolyte Lebas zeigt, in seinen Ausmaßen und seinem Grundriss an eine Festungsanlage Vaubans.(13a)

Lebas war damals ein prominenter Architekt, der gerade die Pariser Kirche Notre-Dame de la Lorette im 9. Arrondissement fertiggestellt hatte. Bei seinem Gefängnisentwurf bezog er sich aber weniger auf Vauban, sondern auf das Modell  des britischen Philosophen Jeremy Bentham  und verwirklichte damit ein für Frankreich damals avantgardistisches Projekt.[14] Bentham, der Begründer des klassischen Utilitarismus, entwickelte zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Konzept zum Bau von Fabriken und Gefängnissen, das eine möglichst effektive Überwachung und Kontrolle der Arbeiter bzw. Gefangenen ermöglichen sollte, das sogenannte Panopticon.  Von einem zentralen Ort sollten danach alle Fabrikarbeiter oder Gefängnisinsassen beaufsichtigt werden. Im Mittelpunkt eines nach dem Panopticon-Prinzip konzipierten Gefängnisses steht ein Beobachtungsturm, von welchem aus Zelltrakte abgehen (in der sogenannten Strahlenbauweise). So kann der Wärter in der Mitte die Zellen einsehen, ohne dass die Insassen wiederum den Wärter sehen können. Das liegt daran, dass die Gefangenen aus der Sicht des Wärters im Gegenlicht gut sichtbar sind, der Wärter selbst jedoch im Dunkel seines Standortes nicht ausgemacht werden kann. Mithin wissen die Gefangenen nicht, ob sie gerade überwacht werden.

Von diesem Konstruktionsprinzip erhoffte sich Bentham, dass sich alle Insassen zu jeder Zeit unter  Überwachungsdruck  regelkonform verhalten (also abweichendes  Verhalten vermeiden, da sie immer davon ausgehen müssten, beobachtet zu werden. Dies führe vor allem durch die Reduktion des Personals zu einer massiven Kostensenkung im Gefängnis- und Fabrikwesen, denn das Verhältnis zwischen effektiv geleisteter Überwachungsarbeit und erzeugter Angst, beobachtet zu werden, sei sehr günstig.

Michel Foucault hat in seinem Buch „Überwachen und Strafen“ die Wirkung des Panopticons als „Schaffung eines bewussten und permanenten Sichtbarkeitszustandes beim Gefangenen“ beschrieben, „der das automatische Funktionieren der Macht sicherstellt.“ (Frankfurt 1977, S. 258)  Er sieht hier das „kompakte Modell einer Disziplinierungsanlage“ (253), in der die  Machtausübung immer weniger auf die Ausübung körperlicher Gewalt angewiesen ist. Insofern stehe das Panopticon für das  Herrschaftsprinzip liberaler Gesellschaften, die er auch Disziplinargesellschaften nennt.

Nach dem Panopticon-Prinzip wurden im 19. und 20. Jahrhundert weltweit zahlreiche Gefängnisse errichtet- in Deutschland z.B. das ursprünglich als preußisches Mustergefängnis gebaute, aber besonders im Dritten Reich berüchtigte Gefängnis in Berlin-Moabit. Und in Frankreich eben das mächtige sechseckige La Roquette, das in Abgrenzung zu der für die Schwerverbrecher bestimmten Grande Roquette auf der anderen Straßenseite Petite Roquette genannt wurde, weil es für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 20 Jahren und für Frauen  bestimmt war. Eine Zeit seines jungen Lebens verbrachte hier übrigens in den 1920-er Jahren ein aus schwierigsten Verhältnissen stammender  15- jähriger Jugendlicher- Beginn einer langen Gefängnis-Odyssee: Es war Jean Genet- der mit dem 1942 im Gefängnis geschriebenen eindrucksvollen Gedicht „Le Condamné à mort“ (Der zum Tode Verurteilte) seine literarische Karriere begann.[15]

Alle Gefangenen in der Petite Roquette wurden isoliert und voneinander fern gehalten- selbst bei dem überwachten einstündigen täglichen Aufenthalt im Freien, der in getrennten Pferchen stattfand, oder bei einem Besuch des Erzbischofs (s. Anm. 11). Die entsprechenden zeitgenössischen Bilder aus der Petite Roquette lassen für mich Assoziationen an schlimmste Massentierhaltung aufkommen.

La petite Roquette

Die von totaler Isolation und Überwachung geprägten Haftbedingungen waren schon damals nicht unumstritten: Kaiserin Eugénie, die durchaus  sozial engagierte Frau Napoleons III., war bei einem Besuch in der Petite Roquette offenbar ziemlich entsetzt und forderte einen alternativen Strafvollzug für Jugendliche. Es wurden dann zwar auch landwirtschaftliche Kolonien eingerichtet, in denen jugendliche Strafgefangene arbeiten und auf die Rückkehr in die Freiheit vorbereitet werden sollten, aber die Petite Roquette blieb doch auch weiterhin zumindest eine obligatorische Durchgangsstation.

Nachdem 1939 öffentliche Hinrichtungen in Frankreich verboten worden waren, wurde die  Petite Roquette als Ort künftiger Hinrichtungen von Frauen  in Paris bestimmt. Zweimal wurde dieses Gesetz dann angewendet: Am 6. Februar 1942 wurde Georgette Monnerot hingerichtet, weil sie ihr Kind getötet hatte, am 30. Juli 1943 Marie-Louise Giraud wegen der Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen– da sind wir in der Ära Vichys und Pétains.

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1974 wurde das Gefängnis abgerissen, um das weitläufige Gelände freundlicheren Verwendungen zuzuführen. Erhalten wurden aber die beiden Eingangstore des Gefängnisses, durch die man nun die neue Park- und Freizeitanlage betritt. An dem linken der beiden  Eingangstore weist eine Erinnerungstafel darauf hin, dass hier zwischen dem 18. Juni 1940, dem berühmten Londoner Aufruf de Gaulles zum Widerstand,  bis zum 28. August 1944, der Befreiung von Paris, 4000 Mitglieder der Résistance inhaftiert waren.

Während bei den an allen Schulen angebrachten Gedenktafeln zur Erinnerung an die jüdischen Opfer der Occupation immer auch auf die Rolle der französischen Polizei hingewiesen wird[16], werden hier zwar die Opfer, aber nicht die Täter und ihre Helfer benannt. Auf der homepage der ajpn, der Vereinigung der „Anonymes, Justes et Persécutés  durant la periode Nazie“[17] ist das anders: Dort findet sich folgende präzisere Angabe: „Durant la Seconde Guerre mondiale, 4000 femmes sont emprisonnées à la Roquette par la police française pour faits de résistance.“ Das Gefängnis unterstand jedenfalls  -wie ja auch die Polizei-  der Regierung von Vichy, d.h. die Gefängnisverwaltung lag in französischer Hand.[18] Die Repression der résistance entsprach ja nicht nur dem gemeinsamen Willen der Besatzer und der Collaboration, sondern auch dem Interesse des besiegten Frankreichs, dem sogenannten État français ein Höchstmaß an (scheinbarer) Souveränität zu erhalten.

Unter den inhaftierten Frauen waren übrigens auch Ausländerinnen, die wegen ihrer antifaschistischen Überzeugung verhaftet worden  waren. So auch die deutsch-tschechische Literatin Lenka Reinerová, in deren Biographie sich die Tragik des 20. Jahrhunderts eindrucksvoll niederschlägt: Zu ihren Freunden der Zwischenkriegszeit in Prag gehörten Franz Werfel, Egon Erwin Kisch und Max Brod, der Herausgeber der Werke von Franz Kafka. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Prag Flucht nach Frankreich, dort ein halbes Jahr Einzelhaft in der Petite Roquette, danach in einem Frauenlager der Vichy-Zone interniert, Flucht über Casablanca nach Mexiko, wo sie das Malerehepaar Frida Kahlo und Diego Rivera  und natürlich die ebenfalls nach Mexiko emigrierte Schriftstellerin Anna Seghers trifft. 1948 Rückkehr nach Prag, wo ihr im Rahmen der stalinistischen „Säuberungen“ der Prozess gemacht wird. Erst 1964 rehabilitiert, wird sie  nach der Niederschlagung des Prager Frühlings aus der KPC ausgeschlossen.  2008 starb sie – die letzte Vertreterin der Prager deutschsprachigen Literatur.[19]

Während die Petite Roquette erst 1974 abgerissen wurde, was das auf der anderen Seite mit der Grande Roquette schon 1900 geschehen. Da platzte Paris aus allen Nähten, die Grande Roquette wurde abgerissen, das Gelände zwischen der Rue de la Roquette, der Rue de la Folie Régnault und der Rue la Vacquerie wurde durch kleine verkehrsberuhigte Einbahnstraßen in sechs Rechtecke eingeteilt, die nach und nach mit 6- bis 7-stöckigen Häusern bebaut wurden. In einem davon wohnen wir jetzt..

[1] Die Angaben für das Gewicht des Fallbeils schwanken zwischen 7 und 200 kg (Turgenew). Übrigens werden auch heute noch Guillotines hergestellt- mit denen allerdings nicht mehr Köpfe abgeschnitten werden, sondern Baguette-Rohlinge aus der Teigmasse: http://rinaldin.it/fra/Cat_fra/34_Guillotines.pdf

(1a) Bild aus: https://www.pariszigzag.fr/histoire-insolite-paris/une-guillotine-a-paris

[2] Nach Wikipedia waren es 69: http://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%A4ngnisse_von_La_Roquette

[3](http://de.wikipedia.org/wiki/Auguste_Vaillant)

[4] Zitiert in : http://fr.wikipedia.org/wiki/Émile_Henry_(anarchiste) 

[5] http://bibliotheque-russe-et-slave.com/Livres/Tourgueniev%20-%20L’Execution%20de%20Troppmann.htm

[6] http://www.welt.de/geschichte/article129139943/Letzte-oeffentliche-Hinrichtung-in-Frankreich.html

http://www.t-online.de/nachrichten/wissen/geschichte/id_69859512/frankreich-deutscher-serienmoerder-wurde-1939-enthauptet.html

[7] Siehe dazu Bericht 15: 140 Jahre Commune

[8] Z.B. auch von Victor Hugo in seinem Gedicht Pas  de représailles (In: L’Année terrible, 1871)

[9] http://www.histoire-image.org/pleincadre/index.php?i=71

[10] Zu Dalou s. den 33. Bericht über das Hotel Païva. Zum Père Lachaise vielleicht später einmal mehr.

[11] In der aktuellen großen  Monet-Ausstellung im Frankfurter Staedel-Museum werden entsprechende Fotos von Jules Andrieu und Franck gezeigt.

[12] http://www.sulpissy.info/spip.php?

[13] Ein freundlicher Leser des Berichts hat mich darauf hingewiesen, dass die Rauke sogar im Hessenpark im Taunus  angebaut und gezeigt wird. Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Rucola

(13a) Die Federzeichnung aus den 1830-er Jahren ist auch zu sehen in der Dauerausstellung der Architekturgeschichte von Paris im Pavillon d’Arsénal in Paris

[14] Anaïs Guérin, La Petite Roquette, la  double vie d’une prison Parisienne,  1836 – 1974. 2013

[15] Vollständige französische Version und englische Übersetzung:  http://www.sptzr.net/Translations/prisoner.htm  Auf youtube gibt es eine eindrucksvolle (gekürzte) Chanson-Version von Marc Ogeret

Einen Bericht über die letzten Stunden eines zum Tode Verurteilten in der Grande Roquette gibt es übrigens auch von Jules  Valls in seinem Le Tableau de Paris, 1882/1883

[16] Siehe 10. Bericht (November 2010): Spuren der Erinnerung

[17] http://www.ajpn.org/internement-Prison-de-la-Roquette-470.html

[18] Die Gestapo hatte in Paris ein  eigenes Gefängnis, das Cherche-midi im Boulevard Raspail, das  allerdings nicht der Internierung diente, sondern dem Verhör und damit natürlich auch der Folter.

[19] Martin Doerry und Hans-Ulrich Stoldt haben 1982 im Spiegel (30.9.2002) ein sehr lesenswertes Interview mit Lenka Rainerowa  veröffentlicht.   http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-25327110.html