Die Marseillaise: Vom Straßburger Kriegslied zur Nationalhymne. Eine Ausstellung im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Straßburg

Die Ausstellung „La Marseillaise“ ist eine Koproduktion dreier Museen: Des Musée de la Révolution française in Vizille , des Musée d’histoire de Marseille und des Musée Historique de la Ville de Strasbourg.

Blick von dem MAMCS über die Ponts Couverts und La Petite France auf das Münster

Vom 5. November 2021 bis zum 20. Februar 2022 wird die Ausstellung im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst (MAMCS)  in Straßburg gezeigt, danach vom 18. März bis zum 3. Juli 2022 in Marseille.

Ausstellungsplakat am Pont du Corbeau/Rabenbrücke in Straßburg

Auf dem Plakat und auch am Eingang zur Ausstellung im MAMCS ist der Genius des Vaterlandes abgebildet. Es ist das Bild einer wild entschlossenen, kämpferischen Frau mit zum Schrei aufgerissenem Mund, revolutionärer phrygischer Mütze und einem angriffslustigen Hahn als Kopfschmuck: Eine Allegorie des von seinen Feinden bedrohten und siegreichen Vaterlandes. Es handelt sich um die Abbildung einer Gipsreplik, die 1898 von Jean Pouzadoux für die Pariser Cité de l’Architecture hergestellt wurde.

Das der Gipsreplik zugrunde liegende Original ist François Rudes monumentale Skulptur „Auszug der Freiwilligen von 1792“, auch „La Marseillaise“ genannt.[1] Es befindet sich auf der den Champs – Elysées zugewandten Ostseite des Arc de triomphe de l’Étoile in Paris.

Foto: Wolf Jöckel

Dieser von Napoleon projektierte und im Empire begonnene gewaltige Triumphbogen, der größte weltweit, wurde 1836 während der Herrschaft des „Bürgerkönigs“ Louis Philippe fertiggestellt. Er sollte die Legitimität des Königs manifestieren durch den doppelten Bezug auf das Reich Napoleons und die Französische Revolution. In diesem Kontext ist der hervorgehobene Platz der „Marseillaise“ auf dem Triumphbogen zu erklären.[2]

Gipsmodell des Arc de triomphe de l’Étoile von Georges-Paul Chedanne. (um 1938/1939) Foto: Wolf Jöckel, Ausstellung Marseillaise. Auf dem rechten Pfeiler die „Marseillaise“ Rudes, links der „Triumph Napoleons“.

Entstanden ist die Marseillaise im April 1792. Am 20. April hatte das revolutionäre Frankreich dem „König von Böhmen und Ungarn“, also dem österreichischen Kaiser, den Krieg erklärt. Die Kriegserklärung wurde am 24. April in Straßburg, einer wichtigen Garnisonsstadt, verkündet.  An diesem Tag hatte es zu den Klängen des Ça ira und der Carmagnole einen offiziellen Umzug durch die Stadt gegeben.  Der Straßburger Bürgermeister, der liberale Baron de Dietrich,  und seine Freunde aus der wohlhabenden Bourgeoisie der Stadt, alles revolutionsfreundliche  gemäßigte Patrioten, fanden diese populären Gesänge reichlich vulgär. So erließen sie am 25. April im Namen der „Gesellschaft der Straßburger Verfassungsfreunde“ einen Aufruf in „weit noblerem Ton“ an alle Mitbürger:

„Zu den Waffen, Bürger! Wir haben die Fahne des Krieges entrollt. …. Es gilt zu kämpfen, zu siegen oder zu sterben. … Wie sehr erzittern schon diese gekrönten Despoten … Eilt zum Sieg … Voran, voran! Wir wollen frei bleiben bis zum letzten Atemzug…“

Gleichzeitig beauftragte Dietrich den musikalisch ambitionierten Pionierhauptmann  Rouget de Lisle, wie er ein Gegner der radikalen Straßburger Jacobiner, ein Lied zu komponieren, das den besonderen Umständen der Zeit besser entsprechen sollte als das Ça ira und die Carmagnole . So entstand in der Nacht vom 25. auf den 26. April, als die Losungen der Marseillaise bereits in aller Munde waren, das für die Rheinarmee bestimmte Kriegslied.[3]

Stefan Zweig fasst das  in seinen „Sternstunden der Menschheit in diese Worte:

„Eine Nacht ist es dem Kapitänleutnant Rouget de Lisle gegönnt, Bruder der Unsterblichen zu sein: aus den übernommenen, der Straße, den Journalen abgeborgten Rufen des Anfangs formt sich ihm schöpferisches Wort und steigt empor zu einer Strophe, die in ihrer dichterischen Formulierung so unvergänglich ist wie die Melodie unsterblich.

Amour sacré de la patrie,
Conduis, soutiens nos bras vengeurs,
Liberté, liberté chérie,
Combats avec tes défenseurs.“

Isidore Pils, Rouget de Lisle chantant la Marseillaise pour la première fois. 1849 (Historisches Museum Straßburg)

Dieses 57 Jahre später entstandene Gemälde, das im Mittelpunkt der Ausstellung steht, zeigt  Rouget de Lisle, der im Salon des Bürgermeisters  sein Kriegslied zum ersten Mal vorträgt.  De Lisle ist in die Farben der Tricolore gekleidet und effektvoll vor einem weißen Paravent postiert.

Bürgermeister Dietrich, im Sessel sitzend, hört aufmerksam zu, eine junge Dame -vielleicht Dietrichs Tochter- begleitet am Piano, eine andere wischt sich mit einem Tuch Tränen der Rührung ab. Das entspricht der Darstellung Lamartines aus in seiner „Geschichte der Girondisten“ von 1847, in der er schrieb: „Eines der jungen Mädchen begleitete. Rouget sang. Bei der ersten Strophe erbleichten die Gesichter, bei der zweiten flossen die Tränen.“[4]

Das Bild wurde vielfach kopiert und reproduziert und hat die populäre Vorstellung der Entstehung der Marseillaise nachhaltig geprägt. Die historischen Fakten waren allerdings etwas anders. Denn das Lied wurde zum ersten Mal von Dietrich selbst angestimmt, der sich sofort dafür begeisterte und -zusammen mit seiner Frau-  seine Verbreitung beförderte. Das half ihm allerdings nicht: Zu Zeiten des jacobinischen Terrors wurde er, Anhänger einer konstitutionellen Monarchie,  auf Betreiben Robespierres verhaftet und am 29. Dezember 1793 in Paris guillotiniert.[5]  

Le Génie de la Patrie mit gezücktem Schwert vor Speeren und römischen Feldzeichen à la française

Die sechs Strophen des Liedes sind zuerst ein „Kriegslied, das mit einer Schärfe und Heftigkeit, die manchmal sogar als blutrünstig bezeichnet wurden, den Patriotismus einer Nation im Kampf auszudrücken vermag“. Das wird vor allem im Refrain deutlich:

Aux armes, citoyens,
Formez vos bataillons,
Marchons, marchons !
Qu’un sang impur
Abreuve nos sillons !

Unser Feld! [6]

Bestimmt war das Lied für die in der Pfalz und dem Elsass stationierte Rheinarmee, die damals von Nicolas Luckner kommandiert wurde. Luckner stammte aus Bayern, hatte im 7-jährigen Krieg unter dem Preußenkönig Friedrich II. gedient und war danach in französische Dienste getreten. Als letzter General war er unter dem Ancien Régime in den Rang eines Marschalls erhoben worden, hatte aber die Ideen der Revolution begrüßt.  Ihm widmete de Lisle sein Kriegslied.

Partitur des Chant de Guerre für die Rheinarmee. 1792. Der Name Luckner ist hier falsch geschrieben.

Dass das Kriegslied für die Rheinarmee, also eigentlich eine „Strasbourgeoise“, zur Marseillaise wurde, ist einem Bataillon von Freiwilligen aus Marseille zu verdanken, die im Juli 1792 nach Paris marschierten, um das Vaterland gegen innere und äußere Feinde zu verteidigen.

Jean Julien, Départ du bataillon des Marseillais en 1792. (1923)

Auf allen Stationen ihres Weges nach Norden gehörte das gemeinsame Singen des Liedes von Rouget de Lisle zum Programm der Truppe. In Paris wurden sie am 30. Juli zunächst im revolutionären Faubourg Saint-Antoine empfangen und dann im Triumphzug zum Rathaus begleitet. An den  nachfolgenden Tagen traten Angehörige des Bataillons mehrfach in Paris auf, forderten die Absetzung des Königs und sangen immer wieder als „neue Barden“, wie sie genannt wurden, ihr Marschlied. Auch an dem Sturm auf das Königsschloss der Tuilerien am 10. August, der zur Absetzung und Gefangennahme Ludwigs XVI. führte, waren sie beteiligt.

Jacques Bertaux, La prise des Tuileries, 1793[7]

Der Sturm auf die von Schweizer Garden verteidigten Tuilerien endete in einem von den Klängen der Marseillaise begleiteten blutigen Gemetzel, dem „massacre des gardes suisses“.  Gefangene oder sich ergebende Schweizer wurden brutal ermordet. „Ich habe an diesem Tag gesehen, was Barbaren sind“, wird sich später Napoleon erinnern, der damals Augenzeuge war und daraus die Konsequenz ableitete, den revolutionären Furor gewissermaßen zu bändigen.[8]

Mit dieser zweiten Revolution (Albert Soboul) wurde aus dem Kriegslied der Rheinarmee ein Revolutionslied, die „Hymne der Marseillais“.  Das war jetzt nicht mehr das Lied der gemäßigten Revolutionäre und Vertreter der konstitutionellen Monarchie um Rouget de Lisle und Dietrich, sondern die Hymne der Nation und der kämpferischen Republik.

Diese Hymne wurde auf Vorschlag des Kriegsministers von den Truppen des Generals Kellermann statt des traditionellen „Te Deum“ gesungen, um den Sieg der Revolutionsarmee bei Valmy am 20. September 1792 zu feiern. Und bei der Eroberung Belgiens im November 1792 ersetzte die Marseillaise, wie Michelet später schrieb, den Schnaps- was ihn allerdings nicht daran hinderte, die Marseillaise auch „ein Lied der Brüderlichkeit“ zu nennen, das im Krieg den Geist des Friedens bewahre.[9]  Die Marseillaise war, wie Vovelle schreibt, „der Gesang des tief gestaffelten Massenangriffs von Soldaten, die ihre mangelnde Erfahrung durch Begeisterung ersetzten.“[10]

Auch in der Heimat erfreute sich die Marseillaise größter Verbreitung und Beliebtheit.  Am 4. September 1792 schrieb André Gréty an Rouget de Lisle: „Ihre Verse des Marseillais, Allons, enfants de la patrie werden bei allen Veranstaltungen und in allen Ecken von Paris gesungen. Die Melodie wird von jedermann gut aufgenommen, weil man sie jeden Tag von guten Sängern hört“.[11]

Dominique Doncre, Chanteurs patriotes. 1794  (Musée Carnavalet, Paris)

Und auch im intimen häuslichen Kreis wurden patriotische Lieder -und darunter sicherlich auch die Marseillaise- angestimmt, wie dieses Bild der „patriotischen Sänger“ zeigt. Es wird aus voller Kehle gesungen, die Frau hat ihre Hand aufs Herz gelegt, der Sänger rechts trägt die zum Himmel  weisende Partitur fest umschlossen in seiner Rechten.  

Wie populär die Marseillaise damals auch in Kreisen der „besseren Gesellschaft“ war, zeigt auch dieser Fächer von 1793, der revolutionäres und freimaurerisches Gedankengut verbindet.[12] Links ist Der Jehova der Franzosen zu sehen, die Anbetung eines freimaurerischen Symbols – ursprünglich ein Druck von Benoît-Louis Prévost; rechts Der Albtraum der Aristokraten, eine zusammengebrochene Frau als Personifizierung der beseitigten Aristokratie.

Fächer aus dem Musée de la Révolution française in Vizille

Auf der anderen Seite des Fächers ist der Marche des Marseillais mit Noten und seinen sechs Strophen abgebildet.[13]

Am 26. Messiodor des Revolutionsjahres III, dem 14. Juli 1795, dekretierte der Nationalkonvent, dass die „Hymne der Marseillais“, jetzt auch „Hymne der Republik“ genannt,  bei der täglichen Wachablösung im Palais-National gespielt werden sollte. Es war dies die Vorstufe zur offiziell am 14. Februar 1879 vollzogenen Bestimmung der Marseillaise als „chant national français.“[14]

Bis dahin war es allerdings noch eine weiter Weg. Napoleon liebte die Hymne nicht. Sie erinnerte ihn zu sehr an das beim Sturm auf die Tuilerien vom 10. August 1792 verübte Massaker an den Schweizer Garden. Verboten war das Singen der Marseillaise aber während seiner Herrschaft nicht[15] und Napoleon soll sogar beim tragischen Übergang über die Beresina das Lied selbst angestimmt haben, um den Truppen Mut zu machen.

In der Zeit der Restauration, der Bourbonen-Herrschaft, war die Marseillaise aber schlicht und einfach verboten und man versuchte, sie in Vergessenheit geraten zu lassen. Für Rouget de Lisle waren Empire und Restauration, zu denen er in Opposition stand, schlimme Zeiten, geprägt von Krankheit, Armut und Verzweiflung. So war es auch eine philanthropische Geste, dass der ebenfalls Bourbonen-kritische Bildhauer David d’Angers 1827 ein großformatiges Medaillon und eine Büste von Rouget de Lisle anfertigte – beide in Subskription mit einem Verkaufstermin im Juni 1830.[16]   

David d’Angers, Entwurf für das Medaillon Rouget de Lisles. 1827

Nur einen Monat später wurde dann an den „Drei Glorreichen Tagen“ der Julirevolution von 1830 die Marseillaise auf den Barrikaden gesungen und die Herrschaft der Bourbonen endgültig beendet.

Druck zur Feier der drei Tage der Julirevolution. La Marseillaise, 27., 28. und 29. Juli 1830 (Bildausschnitt)

Und der verarmte Rouget de Lisle erhielt nun von dem neuen „Bürgerkönig“ eine-wenn auch bescheidene- Pension, die er allerdings nicht mehr lange genießen konnte: 1836 starb de Lisle. Die revolutionäre Renaissance seiner inzwischen von dem Komponisten Charles Gounot instrumentierten Marseillaise war damals allerdings  schon beendet. Seit 1835 galt die Hymne der Marseiller wieder als aufrührerischer Gesang. Immerhin konnte Rude seine Skulpturengruppe des Aufbruchs der Freiwilligen von 1792 am Arc de Triomphe fertigstellen, die sich eindeutig auf die Marseillaise bezieht.

Das weitere Schicksal der Marseillaise ist ein Auf und Ab: Da wurde sie wieder in Zeiten nationalistischer und chauvinistischer Aufwallungen wie 1840 als aggressives Kriegslied zelebriert, dann wieder als Hymne der Freiheit gesungen wie in der Revolution von 1848 oder zum Schweigen verurteilt wie im 2. Kaiserreich Napoleons III. von 1852 bis 1870.  Während der Pariser Commune  von 1871 erklang sie dann erneut als Freiheitslied und während des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 kriegerisch-imperial auf den Schlachtfeldern von Gravelotte, Rezonville und Mars-la-Tour[17]. Beim Abzug der geschlagenen Garnison von Sedan wurde sie sogar von der preußischen Militärmusik intoniert: höhnischer Ausdruck des Triumphs und der Erniedrigung des Gegners, die ja dann in der Kaiserkrönung im Spiegelsaal von Versailles kulminierten.

In der Dritten Republik, aber erst nach der Niederlage der reaktionären Kräfte, kam dann die große Stunde der Marseillaise: Am 14. Februar 1879 wurde ihr von der Abgeordnetenkammer offiziell der Status der Nationalhymne zuerkannt. Damit wurde sie in der Hochzeit des Nationalismus und Imperialismus vom Bürgertum der Dritten Republik beschlagnahmt, aber auch als offizielles Lied für alle Gelegenheiten banalisiert.

Damit einher ging eine weit verbreitete Verehrung Rouget de Lisles. Hier sieht man ihn, wie er „seine“ Marseillaise mit Soldaten der Republik singt.

Henri Gervex/Alfred Stevens, Rouget de Lisle et soldats de la République. Etwa 1887/1888 Musée de la Révolution française, Vizille

Diese Darstellung ist Teil eines großen Panoramas, das für die Pariser Weltausstellung von 1889 angefertigt wurde. Diese Weltausstellung, der ja auch der Eiffelturm seine Entstehung verdankt, markierte den 100. Jahrestag der Französischen Revolution. Aus diesem Anlass wurde im Jardin des Tuileries ein großer Rundbau errichtet, an dessen Wänden 100 Jahre französischer Geschichte seit 1789 präsentiert wurden. Und selbstverständlich wurde Rouget de Lisle hier wie auch sonst  als Republikaner vereinnahmt. Das Panorama war von 1889 bis 1896 zu sehen, danach wurde es in Einzelteile zerlegt und zugunsten der Aktionäre verkauft, die dieses kommerzielle Projekt finanziert hatten.  

An mehreren Beispielen wird in der Ausstellung demonstriert, wie die Marseillaise im weiteren Verlauf der Geschichte verwendet und auch vereinnahmt wurde. Hier ein Plakat des Films von Jean Renoir, der zu Zeiten der französischen Volksfront im Auftrag der kommunistischen Gewerkschaft CGT gedreht wurde. Erstaufführung war am 10. Februar 1938.

War für den Sozialistenführer Jean Jaures noch 1903 die Internationale „die proletarische Nachfolgerin der Marseillaise“[18] so stimmten im Zeichen der Volksfront die Kommunisten Marseillaise und Internationale gleichberechtigt an.[19] Eine der internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg trug den Namen „La Marseillaise“.

Auch im État Français von Vichy, der französischen Regierung von Hitlers Gnaden, wurde die Marseillaise regelmäßig und intensiv bei offiziellen Anlässen neben bzw. vor dem Maréchal, nous voilà  angestimmt. Schon als am 17. Juni 1940 Pétain in einer Radioansprache den Waffenstillstand verkündete, also die Kapitulation gegenüber dem Dritten Reich, endete die Rede mit dem Abspielen der Marseillaise; für manche Zuhörer ein Sakrileg- eine „Marseillaise boche“. [20]

Dies ist ein Aufruf der Regierung von Vichy zur Bildung einer französischen Legion zum Kampf auf Seiten  des Dritten Reichs „gegen den Bolschewismus, für Frankreich, für Europa“. (Juni- Dezember 1942) Bemerkenswert, dass für diesen kurzzeitigen Versuch nicht nur die Marseillaise vom Arc de triomphe, sondern auch der napoleonische Adler und die Bourbonen-Lilie mitsamt Krone eingespannt wurden.

Aber selbstverständlich bezog sich auch das Freie Frankreich de Gaulles auf die Marseillaise.

Hier ein Flugblatt der Forces françaises libres (FFL): Aux armes citoyens (Ausschnitt).  Das 1942 in London gedruckte Flugblatt rief zum Kampf gegen die deutschen Besatzer auf.[21]
Deckblatt einer von la France libre 1943 herausgegebenen Broschüre mit einem Zitat aus der Marseillaise. Sie war dazu bestimmt, über Frankreich abgeworfen zu werden.

Deportierte singen die Marseillaise bei ihrer Befreiung aus dem Konzentrationslager Dachau. (Ende April/Anfang Mai 1945)

Dies ist ein Propagandaplakat der OAS (Organisation de l’Armée Secrète) von 1961. Die rechtsextreme OAS versuchte mit militärischen Mitteln die Ablösung Algeriens vom Mutterland zu verhindern.  Der Aufruf, zu den Waffen zu greifen, war die Reaktion auf die Verhandlungen zwischen Frankreich und der algerischen Unabhängigkeitsbewegung FLN in Evian, die 1962 zur Unabhängigkeit führten. Von der OAS wurde die Marseillaise für die Perpetuierung des Kolonialismus in Anspruch genommen. Den hatte übrigens -heftigen Widerspruch provozierend- Emmanuel Macron 2017, kurz vor seiner Wahl zum französischen Präsidenten,  bei einem Besuch in Algerien als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilt…

Heute gehört die Nationalhymne mit ihrer bewegten Geschichte und ihren vielfältigen Dimensionen und ihrem unterschiedlichen Gebrauch und Missbrauch zu dem, was die französische Identität ausmacht.  So hat die Marseillaise auch ihren legitimen Platz in Pierre Noras Sammlung der „Erinnerungsorte Frankreichs“. Bei den Demonstrationen nach dem islamistischen Anschlag auf die Zeitschrift Charlie Hebdo in Paris hat sie ihre identitätsstiftende Bedeutung auch wieder nachdrücklich bestätigt. Wir waren damals von dem spontanen Anstimmen der Marseillaise durch die Demonstrierenden sehr beeindruckt. In Deutschland sind solche Manifestationen kaum vorstellbar…. [22]

Kritische Stimmen zur französischen Nationalhymne gibt es aber nach wie vor. Am deutlichsten und prominentesten wohl die des ehemaligen Präsidenten Giscard d’Estaing. Der ließ während seiner Präsidentschaft das Tempo, mit dem die Marseillaise damals gespielt wurde, verlangsamen, um so etwas ihren militärisch-marschmäßigen Charakter abzumildern.[23] Und nach seiner Amtszeit schreckte er sogar nicht davor zurück, den Text der Marseillaise als lächerlich zu qualifizieren. Während sein Nachfolger Nicolas Sarkozy und Angela Merkel sich unter dem Arc de triomphe träfen, „tränken wir unsere Felder mit unreinem Blut…“[24] Das ist schon fast ein Sakrileg!

Ein wirkliches Sakrileg war dann allerdings die Erstürmung des Arc de triomphe durch die Gelbwesten am 1. Dezember 2018, die Verwüstung seiner Inneneinrichtung und dabei auch die Beschädigung eines Abgusses der Marseillaise, der Skulptur von Rude – eine der letzten Abbildungen der Ausstellung.

Zu der Ausstellung gehören auch zwei Kabinette: In dem einen werden Ausschnitte verschiedener Filme gezeigt, in denen die Marseillaise eine Rolle spielt, z.B. die Szene in Casablanca, wo in einem Café mit der Marseillaise eine Gruppe grölender deutscher Offiziere übertönt wird. In dem anderen Kabinett gibt es Hörproben von Musikstücken mit Marseillaise- Zitaten. Angeboten werden dabei auch die Vertonungen von Heinrich Heines Ballade Die beiden Grenadiere von Richard Wagner und Robert Schumann. In dem Gedicht des Napoleon-Verehrers Heine aus dem Jahr 1822  geht es um zwei geschlagen aus Russland zurückkehrende Soldaten der Grande Armee, die die Nachricht von der Gefangennahme ihres Kaisers erhalten und betrauern. Schumann teilte als junger Mann Heines Begeisterung für Napoleon: Der herrliche Napoleon sei der größte Mann aller Jahrhunderte.[25] Schumanns Vertonung entstand 1838 als Reaktion auf die Nachricht von der Rückführung der sterblichen Überreste Napoleons von Sankt Helena nach Frankreich, Wagner schrieb sein Lied zwei Jahre später in französischer Übersetzung während seines Paris-Aufenthalts und seinem Versuch, dort musikalisch Fuß zu fassen. Die Marseillaise-Zitate boten sich da geradezu an, werden aber bei beiden in unterschiedlicher Weise in die Komposition eingebettet.[26]  

Aus deutscher Sicht ist allerdings schade, dass nicht auch Ferdinand Freiligraths Lied „Frisch auf zur Weise von Marseille“ in die Beispielsammlung aufgenommen wurde. Freiligrath war einer der Dichter des deutschen Vormärz und war tief enttäuscht von der Niederschlagung der 1848-er Revolution.  „Am 19. März 1849 fand in Köln ein Bankett zur Erinnerung an die Berliner Barrikadenkämpfe vom März 1848 statt. Veranstaltet vom Kölner Demokratischen und Arbeiter-Verein, nahmen über 5.000 Menschen an dieser Feier im Gürzenich teil. Bei Reden, Bier und Musik wurde dort – wie Der Wächter am Rhein berichtete – das Verlangen für eine zweite Volkserhebung zum Ausdruck gebracht. Für diese Feier hatte Ferdinand Freiligrath (1810–1876) einen neuen Text zur Marseillaise verfasst, der dem revolutionären Geist der Veranstaltung entsprach und von den Teilnehmern mit donnerndem Beifall begrüßt wurde (Neue Rheinische Zeitung). Die demonstrative Verwendung von Symbolen der Französischen Revolution ist bei diesem Festakt auch auf anderen Ebenen praktiziert worden: die Saalordner trugen beispielsweise Phrygiermützen und diese Jakobinertracht zierte neben einer großen roten Fahne auch die Bühne (Neue Kölnische Zeitung). In diesem Rahmen fand die erste Aufführung von Freiligraths Lied mit großem Publikum statt und kurz danach erschien es in Zeitschriften der oppositionellen Kreise im Rheinland.“[27] 

Zu der Ausstellung gibt es einen ausführlichen Katalog, der neben der Entstehungsgeschichte der Marseillaise und ihrer Entwicklung zur französischen Nationalhymne auch ihre internationale Ausstrahlung ausführlich behandelt (Belgien, Polen, Großbritannien, Spanien, Indochina, Lateinamerika, China etc ) 

Im Katalog der Ausstellung wird auch ein vergleichender Blick auf andere Nationalhymnen geworfen[28], vor allem auf die englische (God save the King), die kaiserliche österreichische Hymne (Gott erhalte Franz den Kaiser) und die amerikanische (Star-Spangled Banner). Dabei wird eher beiläufig auf das Deutschlandlied hingewiesen, das nach dem Ersten Weltkrieg das Heil dir im Siegerkranz als Nationalhymne  ersetzt habe. Dazu gibt es noch den Hinweis, dass  das Deutschlandlied unter seiner ersten Zeile Deutschland über alles bekannt sei und der Text 1841 von dem „poète nationaliste Hoffmann von Fallersleben“ geschrieben worden sei. Diese Darstellung finde ich ausgesprochen verkürzt und missverständlich. Hoffmann von Fallersleben war ja ein Demokrat, und seine Forderung nach Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche  Vaterland war zu seiner Zeit des Vormärz, also der Zeit vor 1848,  revolutionär.   Fallersleben erhielt deshalb auch Berufsverbot und wurde ins Exil getrieben. Auch wenn das Deutschlandlied später nationalistisch missbraucht wurde: Es ist eine Liebeserklärung an das eigene Land und braucht sich hinter der blutgetränkten -und wie oft doch auch missbrauchten-  Marseillaise nicht zu verstecken.

Erinnerungsorte an Rouget de  Lisle und die Marseillaise in Straßburg

In der Grande Rue in Straßburg gibt es eine Plakette an dem Haus, in dem Rouget de  Lisle in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1792 das Kriegslied für die Rheinarmee, die spätere  Marseillaise komponierte.

Eine weitere Plakette gibt es am Gebäude der Banque de France (Place Brogie Nummer 3). Dort stand früher das Stadtpalais des Bürgermeisters Dietrich, in dem -nach der traditionellen Überlieferung- Rouget de Lisle am 26. April 1792 zum ersten Mal die Marseillaise anstimmte.

An der Hauswand sind auch Medaillons von Bürgermeister Dietrich und Rouget de Lisle  angebracht. Dietrich wurde immerhin 1795 vom Nationalkonvent posthum rehabilitiert.[29]

Die Medaillons stammen von einem Straßburger Denkmal für die Marseillaise, das zum 130. Geburtsjahr des Chant der guerre pour l’armée du Rhin am 14. Juli 1922 unter großer öffentlicher Anteilnahme vor dem Eingang des Rathauses an der Place Broglie eingeweiht wurde.

Allerdings zerstörten die deutschen Besatzer am französischen Nationalfeiertag 1940 das Denkmal. Lediglich die beiden am Sockel angebrachten Medaillons mit den Konterfeis von Rouget de Lisle und dem ehemaligen Bürgermeister de Dietrich konnten gerettet werden und haben heute ihren Platz am Gebäude der Banque de France.[30] Das jetzige Denkmal wurde von den Steinmetzen der Straßburger Dombauhütte hergestellt und 1980 eingeweiht.

Literaturangaben:

La Marseillaise. Ausstellungskatalog. Hrsg von den éditions des Musées de Strasbourg. 2021

Jean-Louis Panné, Marseillaises. Paris 2018

Michel Vovelle, Die Marseillaise. Krieg oder Frieden. In: Pierre Nora (Hrsg), Erinnerungsorte Frankreichs. Mit einem Vorwort von Etienne François. München: Beck 2005, S. 63-112

Stefan Zweig, Das Genie einer Nacht. Die Marseillaise, 25. April 1792. In: Sternstunden der Menschheit. Projekt Gutenberg https://www.projekt-gutenberg.org/zweig/sternstu/chap005.html


Anmerkungen

[1] Nach David d’Angers war es Rude selbst, der seinem Auszug der Freiwilligen diesen Beinamen  gab. Ausstellungskatalog, S. 118

[2] Mehr dazu im Blog-Beitrag über den Arc de triomphe: https://paris-blog.org/2016/11/01/der-arc-de-triomphe-die-verherrlichung-napoleons/

[3] Vovelle, S. 67/68

[4] Ausstellung Marseillaise. Aus dem Begleitmaterial zum Bild

[5] https://www.wikiwand.com/en/Philippe_Friedrich_Dietrich und https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Dietrich

[6] Text aus: https://www.mayenne.gouv.fr/content/download/24162/186396/file/PAROLES%20DE%20LA%20MARSEILLAISE.pdf

Übersetzung:  Vovelle, S. 68: Die Waffen in die Hand! Auf Bürger, aufgestellt! Marschiert, marschiert, Und böses Blut soll tränken Unser Feld (Eigentlich: unreines Blut… W.J.)

Deutsche Version aller Strophen: https://www.frankreich-info.de/themen/politik/marseillaise

Die Charakterisierung „blutrünstig“ findet sich beispielsweise auch in einem Artikel des Tagesspiegels vom 18.11.2015, in dem der Frage nach der anhaltenden Popularität der Nationalhymne nachgegangen wird:  „Eigentlich ist sie ein blutrünstiger Gesang“. https://www.tagesspiegel.de/kultur/warum-jetzt-alle-die-marseillaise-singen-herzschlag-der-nation/12607936.html

[7] Bild aus:  https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Jacques_Bertaux_-_Prise_du_palais_des_Tuileries_-_1793.jpg

Siehe auch Bildanalyse in L’histoire par l’image:  https://histoire-image.org/de/etudes/chute-royaute  

[8] Zit.: https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag6824.html; Xavier Mauduit, l’homme qui  voulait tout. Flammarion 2921. siehe auch: https://www.parismuseescollections.paris.fr/fr/musee-carnavalet/oeuvres/revolution-francaise-journee-du-10-aout-1792-bonaparte-assistant-a-la-prise#infos-principales

[9] „C’est un chant de fraternité. … C’est un chant qui, dans la guerre, conserve un esprit de paix.“ Zitiert im Ausstellungskatalog, S. 146

[10] Zu Valmy siehe den  Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2018/06/19/auf-dem-weg-nach-paris-die-muehle-von-valmy-das-fanal-einer-neuen-epoche/ ; Vovelle, S. 73/74

[11] Wandaufschrift der Ausstellung. Übersetzung W.J.  

[12] Bild aus: https://www.fandeventails.fr/fr/eventails-historiques/2393-le-geova-des-francais-eventail-franc-macon-vers-1793.html

[13] Siehe dazu: https://www.coutaubegarie.com/lot/77847/6498074

[14] Katalog Marseillaise, S. 70f

[15] So Thierry Lentz, Napoléon et la Marseillaise. April 2020  https://www.napoleon.org/histoire-des-2-empires/articles/napoleon-et-la-marseillaise/  Die These vom Verbot der Marseillaise unter Napoleon ist aber weit verbreitet.  So z.B. in einem Artikel von La Tribune über den chant national:  „le Consulat et l’Empire l’interdisent purement et simplement.“  https://www.latribune.fr/economie/france/la-marseillaise-un-hymne-a-l-histoire-tourmentee-524332.html

[16] Vovelle, S. 85; Ausstellungskatalog, S. 117; siehe auch: https://actualites.musee-armee.fr/expositions/rouget-de-lisle-la-marseillaise-episode-7/

[17] Zu der Schlacht, die von den Franzosen zwar nicht gewonnen wurde, in der sie sich aber doch bravourös geschlagen haben, siehe: https://paris-blog.org/2021/01/01/gravelotte-bei-metz-ein-einzigartiger-erinnerungsort-des-deutsch-franzosischen-kriegs-1870-1871/

[18] Vovelle, S. 94f

[19] Zu verweisen ist in diesem Zusammenhang auf die programmatische Rede des Parteivorsitzendden Maurice Thorez in Choisy-le-Roi, anlässlich des Jahrestages des Todes von Rouget le Lisle: „La Marseillaise a exprimé et exprimera toujours, comme L’Internationale, la grande cause de l’emanzipation humaine.“ Zit. bei Panné, S. 74

[20] Dazu: Nathalie Dompnier, Le succès de La Marseillaise, une ruse de l’histoire?. In: Vichy à travers chants. 1996  https://www.cairn.info/vichy-a-travers-chants–9782091778334-page-55.htm  und https://www.charles-de-gaulle.org/blog/2020/09/02/la-marseillaise-entre-occupation-resistance-et-liberation-1940-1945-par-bernard-richard/  

[21] Nachfolgende Abbildung aus: Marseillaises

Zur Rolle der Marseillaise bei der Kollaboration und dem Widerstand siehe:   https://www.charles-de-gaulle.org/blog/2020/09/02/la-marseillaise-entre-occupation-resistance-et-liberation-1940-1945-par-bernard-richard/; Robert Mencherini, La Marseillaise, Vicha Résistance et les Marseillais pendant la Seconde Guerre mondiale. In: Ausstellungskatalgo, S. 100 ff

[22] Siehe/höre z.B. https://www.youtube.com/watch?v=fC92nzeKW7w

[23] Der langsamere Rhythmus entsprach  auch der ursprünglichen Konzeption, weil zu Zeiten des Rouget de Lisles  auch das Marschtempo langsamer war.  Siehe: https://www.ladepeche.fr/2020/12/12/quand-vge-remaniait-la-marseillaise-9253369.php

[24] https://www.lexpress.fr/actualite/indiscret/giscard-d-estaing-critique-la-marseillaise_836450.html

[25]  In einem Brief an Clara von 9. Juni 1828. Zit. bei: Andreas Lüning, „Ein Katzenfrühling der Poesie“. Heine-Vertonungen im Romantiker-Streit. 2005, S. 41   https://eldorado.tu-dortmund.de/bitstream/2003/34376/1/MA_Luening_143499.pdf  

[26] Siehe dazu:  Lüning a.a.O. ; Ausstellungskatalog, S. 156/157; https://eldorado.tu-dortmund.de/bitstream/2003/34376/1/MA_Luening_143499.pdf S. 33 ff und Markus Winkler, Die Grenadiere. Heine und Schumann. In: Henriette Herwig, Übergänge. Zwischen Künsten und Kulturen. Dokumentation des Heine-Schumann-Kongresses 2006, S. 275 – 288

[27] David Robb/Eckhard John, Frisch auf zur Weise von Marseille (Reveille). In: Populäre und traditionelle Lieder- Historisch-kritisches Liederlexikon. Juni 2013   http://www.liederlexikon.de/lieder/frisch_auf_zur_weise_von_marseille

[28] Esteban Buch, L’hymne national: un genre musical et son histoire. In: Ausstellungskatalog, S. 182ff

[29] Bilder aus: https://www.kuriocity.fr/la-marseillaise-est-strasbourgeoise/

[30] https://www.inreiselaune.de/strasbourg-marseillaise-rouget-de-lisle/

Weitere geplante Blog-Beiträge:

Beeindruckende und bedrückende Monumentalität: Anselm Kiefer im Pariser Grand Palais Éphémère

Das Pantheon der großen (und der weniger großen) Männer und der wenigen großen Frauen, Teil 2: Der Kult der großen Männer

Der Elefant der Bastille

Das Reiterstandbild Heinrichs IV. auf dem Pont Neuf

Die Tiere des Königs (Les animaux du roi): Eine Ausstellung im Schloss von Versailles

Der Arc de Triomphe: Die Verherrlichung Napoleons (Vive l’empéreur Teil 1)

Neben dem Eiffelturm,  Notre Dame und Sacre Coeur gehört der Arc de Triomphe zu den bekanntesten  Sehenswürdigkeiten von Paris.  Immerhin ist er der größte aller Triumphbögen und er ist „dans le monde entier une image symbolique de Paris“ und nicht zuletzt „das berühmteste napoleonische Monument.“[1]

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Dass der Arc de Triomphe nicht nur für Paris steht, sondern für ganz Frankreich, haben wir übrigens bei einer Reise auf die Seychellen festgestellt. Dort haben sich die Promoter der  französischen Milch neben einer Kuh in den Nationalfarben ausgerechnet den Triumphbogen ausgesucht, um die Herkunft des Produkts augenfällig zu machen.

Der Triumphbogen verdankt seine Prominenz  sicherlich vor allem seiner exponierten Lage an der voie Triomphale zwischen dem Louvre und der Place de l‘ Étoile, die inzwischen noch verlängert ist bis zum Geschäfts- und Hochhausviertel La Défense mit der anlässlich der 200-Jahrfeier der Französischen Revolution errichteten Grande Arche.

Dazu kommt die große  Rolle, die er bei besonderen Anlässen spielte und noch heute spielt:

  • Am 14. Dezember 1840 beispielsweise empfingen mehr als 400 000 begeisterte Menschen mit dem Ruf „Vive l’empereur!“ die Asche Napoleons, die auf einem  riesigen Katafalk unter dem Arc de Triomphe aufgebahrt wurde, bevor sie dann im Invalidendom ihre letzte Ruhe fand.[2]
  • Am 22. Mai 1885 starb Victor Hugo in seiner Wohnung in der Nähe des Arc de Triomphe. Sein Leichnam wurde auf einem Katafalk von 22 Metern Höhe unter dem Arc de Triomphe aufgebahrt, bis er am 31. Mai in die Kirche Saint-Geneviève gebracht wurde- die damit endgültig ihre Bestimmung als Pantheon der „großen Männer“ erhielt.
  • Am 13. und 14. Juli 1919 fand rund um den Arc de Triomphe die Siegesfeier Frankreichs statt. Eine riesige Militärparade, angeführt von 1000 Kriegsversehrten und danach den  Marschällen Frankreichs hoch zu Ross, an der Spitze ihrer Truppen, marschierte durch den Arc de Triomphe – was damals noch möglich war,  weil das Grab des unbekannten Soldaten und die ewige Flamme unter dem Triumphbogen  erst später installiert wurden.

Natürlich nahm auch die französische Luftwaffe an der Parade teil, musste dies aber zum Leidwesen der Piloten wie die Infanterie zu Fuß tun. Eine Gruppe von Piloten entschloss sich deshalb, ohne den Segen oder auch nur die Information ihrer Vorgesetzten eine besondere Demonstration zu veranstalten. Ausgewählt dafür wurde Charles Godefroy, der am 7. August 1919 in einer spektakulären Aktion unter der Öffnung des Triumphbogens hindurch flog. Einige Bildreporter waren  informiert, so dass das Geschehen für die Nachwelt festgehalten ist. Die  völlig überraschten Fahrgäste in der gerade vorbeifahrenden Trambahn gerieten allerdings in Panik… Aber Frankreich war dann doch so  stolz auf seinen tollkühnen Piloten, dass er mit einer einfachen Abmahnung davon kam…

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  • Nach dem Sieg über Frankreich im Juni 1940 paradierten deutsche Truppen vor dem Arc de Triomphe und Hitler erwies Napoleon im Invalidendom seine Reverenz. Viereinhalb Jahre später war diese Schmach beendet:  Am 11. November 1944 fand–nach der Befreiung von Paris und des größten Teils Frankreichs- eine große Militärparade, angeführt von General de Gaulle, Winston Churchill und Anthony Eden,  vor dem Arc de Triomphe statt.

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Auch heute noch steht der Arc de Triomphe immer wieder und regelmäßig im Zentrum großer Veranstaltungen:

  • bei Gedenktagen wie dem 8. Mai und dem 11. November, an dem der Staatspräsident unter dem  Arc de Triomphe die Flamme des unbekannten Soldaten erneuert.[3]

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  • beim 14. Juli, dem Nationalfeiertag, wo auf den Champs-Elysées zwischen Arc de Triomphe und der Place de la Concorde die große Militärparade stattfindet, die von der Patrouille de France eröffnet wird. Sie überfliegt  den Arc de Triomphe und zeichnet die Farben der Tricolore in den Himmel.

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Der Arc de Triomphe ist aber auch Schauplatz anderer Veranstaltungen: Das nachfolgende Foto zeigt eine Demonstration vom  18.3. 2014: Damals wurde an das Ende des Algerien-Krieges durch die Verträge von Évian erinnert.  Demonstrationen  am Arc de Triomphe sind  eher außergewöhnlich, in diesem Fall aber wohl der Tatsache zu verdanken, dass das Ende des Algerienkriegs vor allem de Gaulle zu verdanken ist, nach dem ja auch die Place de l’Étoile benannt ist.

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In ganz besonderer Weise zeigte im Januar 2015 Paris seine Solidarität mit den Opfern des Anschlags auf die Satirezeitschrift „Charly Hebdo“.[4]

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Und traditionell endet die Tour de France, indem die Fahrer  noch mehrmals die Champs Elyssées hinauf- und herunterfahren  und dabei den Arc de Triomphe umrunden –  eine eher rituelle Veranstaltung, weil der Sieger der Tour schon vorher feststeht.

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Lliterarischen  und filmischen Ruhm hat der Arc de Triomphe natürlich auch erlangt….[5]

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Napoleon wäre sicherlich stolz auf die Prominenz dieses Monuments gewesen, dessen Bau er selbst angestoßen  hat.  Ziel Napoleons war es, Paris zur schönsten Stadt der Welt zu machen. Schon auf der Überfahrt nach Ägypten 1798 sann er: „Wenn ich Herrscher Frankreichs wäre, dann würde ich aus Paris nicht nur die schönste Stadt machen, die es je gegeben hat, sondern die schönste Stadt, die es jemals geben kann.“ [6]

Zahlreiche monumentale Projekte dienten diesem Ziel:

  • So der Säulengang vor dem Palais Bourbon, dem Sitz der Nationalversammlung,  südlich der Seine, als dessen  Gegenstück die antikisierende Madeleine nördlich der Place de la Concorde fungierte, aus der Napoleon ein Pantheon zum Ruhm seiner Armeen machen wollte[7] :  So entstand  eine monumentale, die Seine überspannende  Nord-Süd- Achse mit der Place de la  Concorde als Mittelpunkt.
  • Das größte urbanistische Projekt der Napoleonzeit war die Ost-West-Verbindung mit der neu angelegten Rue de Rivoli. Bonaparte hatte sich von den Arkaden inspirieren lassen, die er in Norditalien gesehen hatte, und ließ identische Wohn- und Geschäftshäuser mit genau reglementierten  Säulengängen anlegen.  (Die für Paris eigentlich untypischen Arkaden gab es bis dahin nur rund um die Place Royal/Place des Vosges- einem Projekt Henri Quatres, der sich ebenfalls –wie bei dem pont neuf- von der italienischen Architektur anregen ließ.)
  • Und immer ging es Napoleon auch um die Verherrlichung seiner Taten und der seiner grande armée. Diesem Zweck diente nicht nur  die Madeleine,  sondern auch die auf der Place Vendôme  errichtete, aus der Bronze erbeuteter Waffen hergestellte und mit seinem Standbild gekrönte Säule.
  • und natürlich und vor allem dienten die beiden  auf der großen Ost-West-Achse gelegenen Triumphbögen dem Ruhm Napoleons und seiner Truppen:  der kleine arc de triomphe du Carrousel und der große auf der place de l’Étoile, dessen Vollendung Napoleon aber nicht erlebt hat.

Die Vorliebe Napoleons für die Antike und das imperiale Rom ist bei all diesen Plänen offenkundig:  Antike Tempel (für die Attika des  Palais Boubon und für die Madeleine), die Trajan-Säule in Rom (für die Vendôme-Säule) und die Triumphbögen des Septimius Severus (für den arc de triomphe  de la Carrousel) und des Titus (für  den arc de triomphe de l’étoile) sind eindrucksvolle Belege dafür.  Diese städtebauliche Vorliebe Napoleons hat auch einen politischen Hintergrund: denn  hatte nicht auch Rom sich von einer Republik zu einem Kaiserreich entwickelt, konnte also auch insofern als Vorbild dienen?[8]

Geschichte des Baus

Den Anstoß für den Bau des Arc de Triomphe gab Napoleon im Februar 1806 – auf dem Höhepunkt seiner Macht. Ursprünglich hatte er dafür den damals noch leeren Platz im Osten von Paris ausersehen, auf dem einmal die Bastille gestanden hatte. Dieser Platz war damals in einem ziemlich lamentablen Zustand. Den Triumphbogen  dort zu errichten hätte nicht nur eine erhebliche symbolische Bedeutung gehabt, sondern er hätte auch Katalysator für ein weiteres städtebauliches Großprojekt Napoleons sein sollen: Eine Achse vom Louvre bis zum Bastille-Platz zu schlagen, der dann übrigens auch die Kirche St.  Germain l’Auxerrois zum Opfer gefallen wäre. Die mit der Planung beauftragte Architektengruppe plädierte dann aber für die Place de l’Étoile als Standort. Auf dem  dortigen Hügel war schon im 18. Jahrhundert ein étoile (Stern) genannter  zentraler Platz eingerichtet worden, von dem Wege in alle Himmelsrichtungen ausgingen. Es waren im 18. Jahrhundert auch schon diverse Pläne entwickelt worden, wie man den Hügel besonders ins Blickfeld rücken könnte. Beispielsweise durch einen riesigen Elefanten: Dessen Bauch sollte Konzert- und Theatersäle enthalten. Der Zugang sollte über eine Treppe erfolgen, die in eines der vier Beine des Elefanten eingebaut war.   Im Kopf des Elefanten sollte ein Orchester platziert werden; die Ohren sollten als Lautsprecher dienen und der Rüssel als Fontaine. Diese Pläne wurden  allerdings nicht verwirklicht und das  Elefantenprojekt wurde eine Zeit lang auf den Bastille-Platz verschoben. So war der étoile frei und wurde dem Kaiser vom Innenminister Champigny auch entsprechend angepriesen:  Ein Triumphbogen an dieser Stelle ziehe auf äußerst majestätische Weise den Blick vom kaiserlichen Schloss der Tuilerien auf sich. Der Reisende, der Paris betrete, werde von dem Anblick überwältigt; wer Paris verlasse, behalte so einen unvergesslichen Eindruck und eine Erinnerung an die unvergleichliche Schönheit der Stadt. So bleibe er –auch aus der Ferne- immer mit dem „Triomphateur“ verbunden.[9]

Dieser Argumentation konnte sich der Kaiser nicht verschließen.  Am 15. August 1806, dem Tag des kaiserlichen Festes, wurde der Grundstein gelegt. Auch wenn als Vorbild der Titusbogen in Rom diente: Der Triumphbogen Napoleons sollte alle bisherigen Triumphbögen  an  Größe weit übertreffen und den Ruhm des Kaisers  und seiner Truppen eindrucksvoll in Szene setzen.

Es gab eine ganze Reihe von Entwürfen, bis schließlich 1808 der Architekt Jean-François-Thérèse Chalgrin mit der alleinigen weiteren  Planung beauftragt wurde. Zwei Jahre später war zwar der Bau des Triumphbogens noch nicht sehr weit gediehen, aber Chalgrin hatte Gelegenheit, das Ergebnis seiner Planung in voller Größe zu zeigen: Anlässlich der Hochzeit von Napoleon mit Marie-Louise von Habsburg im Jahr 1810 wurde an Ort und Stelle aus Holz und bemaltem Stoff ein Modell des zukünftigen  Arc de triomphe errichtet, durch das das kaiserliche Paar mit Gefolge nach Paris einziehen konnte.

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Auf der zeitgenössische Abbildung  („Das kaiserliche Gefolge verlässt den Arc de Triomphe[10]) sieht man übrigens  rechts und links des Bogens noch die beiden Zollhäuser von Ledoux- Teile der Paris umgebenden Zollmauer, der mur des Fermiers généraux, die 1860 geschleift wurde.[11]

Die weiteren Bauarbeiten ließen  allerdings  aus nur allzu verständlichen Gründen auf sich warten: Zunächst aufgrund der pausenlosen Kriege und der leeren Staatskassen, dann durch die Rückkehr der Bourbonen: Ihnen galt Napoleon als Emporkömmling, als illegitimer Parvenü, der kein Recht auf einen Arc de Triomphe hatte.  Nach der Julirevolution von 1830, also dem Sturz der Bourbonen und der Regierung des „Bürgerkönigs“ Louis Philippe,  wurden die Arbeiten  am Arc de Triomphe aber wieder aufgenommen und ihr Ende von vielen Zeitgenossen mit Ungeduld erwartet, wie das nachfolgend zitierte Gedicht von Victor Hugo zeigt.

Arc triomphal, la foudre en terrassant ton maître
Semblait avoir frappé ton front encore à naître.
Pour nos exploits nouveaux te voilà relevé!
Car on n’a pas voulu, dans notre illustre Armée,
Qu’il fût de notre renommée
Un monument inachevé !
Dis aux siècles le nom de leur chef magnanime
Qu’on lise sur ton front que nul laurier sublime
A des gloires françaises ne peut se dérober.
Lève-toi jusqu’aux cieux, portique de victoire !
Que le géant de notre gloire
Puisse passer sans s’y courber !

Victor Hugo.[12]

Am  29. Juli 1836 konnte schließlich  der  Arc de Triomphe von dem damaligen Regierungschef Adolphe Thiers eingeweiht werden.

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Die Einweihung fand zwar  unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt, aber doch in relativ bescheidenem Maße. Louis Philippe fürchtete nämlich nicht nur Attentate, sondern er wollte auch Reibungen mit dem Ausland vermeiden, das sich ja möglicherweise irritiert zeigen könnte durch die Erinnerung an napoleonische Siege, die durch den Arc de Triomphe gefeiert wurden: Siege  gegen Österreicher, Deutsche, Osmanen, Italiener, Spanier, Holländer, Russen…

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Die wichtigsten Schlachtenorte und Siege sind auf vier Friesen  auf den Innenseiten der Pfeiler noch besonders hervorgehoben.

Die Siege der Revolutionsheere im Westen (Belgien) in den Jahren  1792 und 1794:

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Die Siege im Süden gegen Österreich: Der Italienfeldzug Napoleons in den Jahren 1796/7 begründete seinen militärischen Ruf und Ruhm. Dementsprechend wird seine Büste auf dem  Fries mit einem  Lorbeerkranz versehen – Der  Podest der Büste ist mit den  kaiserlichen Insignien versehen.  Kaiser war Bonaparte damals aber noch nicht, sondern erst ein „einfacher“ General. (12a)

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Die Siege im Osten: Damit ist der  ägyptische Feldzug in den Jahren zwischen 1798 und 1800 gemeint – erkennbar auch an den exotischen Früchten (Datteln, Ananas) und Palmwedeln. Der von Bonaparte hervorragend vermarktete Feldzug  – Archeologen waren publikumswirksam „embedded“- steigerte über Frankreich hinaus  seinen Ruhm  noch weiter – und war eine Grundlage für den  erfolgreichen Staatsstreich des  18. Brumaire (9. November 1799), womit sich Napoleon zum Ersten Consul und Alleinherrscher machte.  Wenn auf  diesem Fries übrigens auch der Name Aboukir aufgeführt ist, dann ist damit sicherlich nicht die vernichtende Niederlage der französischen  Flotte durch die von Admiral Nelsen kommandierte englische Flotte bei Aboukir gemeint (an der Napoleon ja auch gar nicht beteiligt war), sondern der ebenfalls nach diesem Ort benannte Sieg Bonapartes gegen die Osmanen ein Jahr später:

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Die Siege im Norden (zwischen  1805 und 1809)  errang Napoleon, der sich inzwischen zum Kaiser ausgerufen  hatte, gegen Österreich, Russland und Preußen. Mit diesen Siegen wurde er Herrscher über den europäischen  Kontinent und  erreichte den Höhepunkt seiner Macht.

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Diese Zurschaustellung französischer Eroberungen mag befremdlich erscheinen. Denn Völker zögern, wie Antoine Prost schreibt, „sich auf Dauer an ihre Eroberungen zu erinnern, denn das hieße, ehemalige Gegner immer wieder auf ihre Erniedrigung hinzuweisen und sich dafür rechtfertigen zu müssen, einmal eine räuberische Nation gewesen zu sein.“ [12b] Diesen Rechtfertigungsdruck hat man aber offenbar beim Bau des Arc de Triomphe nicht verspürt….

Neben den Schlachtenorten sind auch etwa 600 Namen von kaiserlichen Marschällen, Admiralen und Generälen in die Pfeiler des Arc de Triomphe eingraviert.  Ursprünglich waren „nur“ 383 Namen ausgewählt worden, aber dann gab es erhebliche Debatten und Beschwerden von Nicht-Berücksichtigten bzw. deren Angehörigen, so dass bis  1895, als die Eingravierungen abgeschlossen wurden, noch etwa 200 Namen hinzukamen…

Und die Opfer? Die gab es unzweifelhaft ja auch. Thierry Lentz, Direktor der Fondation Napoleon, von dem  in diesem Punkt kaum Übertreibungen  zu erwarten  sind,  schätzt die Zahl der in den napoleonischen Kriegen  umgekommenen  französischen  Soldaten  auf etwa 700 000 –  und dazu kommen dann noch erhebliche zivile Opfer und die  Opfer unter den –oft sehr unfreiwilligen- ausländischen, überwiegend deutschen,  Hilfstruppen Napoleons. Nimmt man die militärischen und zivilen Opfer auf Seiten der Gegner hinzu, bewegen sich die Schätzungen zwischen 3 und 6 Millionen Menschen, die in den napoleonischen Kriegen ihr Leben verloren haben. [13]

Tote gibt es auf dem Arc de Triomphe durchaus auch: Es sind Feinde, die am Boden  liegen, wie der ottomanische Soldat auf dem Relief über dem „Triumph Napoleons“. Napoleon reitet als siegreicher Feldherr der Schlacht von  Aboukir in Ägypten gerade über ihn und die zerstörten Waffen des Gegners hinweg. Auf dem  Pfeiler daneben wird auf dem Relief über der Marseillaise  auch ein französischer Gefallener abgebildet: Es ist der General Marceau, der 1796 im Kampf gegen die Österreicher den „Heldentot“ starb. Er ist auf dem Totenbett aufgebahrt und  der österreichische  Erzherzog  legt eine Krone auf  seinen Leichnam. Selbst der Gegner erweist also dem Helden die Ehre!

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Das Zeitalter Napoleons war noch geprägt von der Vorstellung, dass der Sieg auf dem Schlachtfeld, dem „Feld der Ehre“ das non plus ultra des Ruhms sei. Und  ruhmreich war durchaus auch ein „schöner Tod“, „une belle mort“, auf dem „champ d’honneur“.[14]  „Dulce et decorum est pro patria mori“ sagte der römische Dichter Horaz, „süß und ehrenvoll ist’s  für’s Vaterland zu sterben“ und noch süßer und ehrenvoller waren  natürlich die Siege, deren Orte und Strategen auf dem Arc de Triomphe verewigt wurden.

Der Arc de Triomphe ist monumentaler Ausdruck  einer  Verherrlichung von Krieg, Eroberung und Heldentod. Da ist es nur allzu verständlich, dass die Linke in der französischen Nationalversammlung 1919 heftig – und vergeblich-  gegen den Arc de Triomphe als Ort des Grabmals für den  unbekannten Soldaten stritt.[15] Die Verherrlichung von dem auf dem Schlachtfeld erworbenen  Ruhm und  Heroismus  wurde, wie Patrice Gueniffey in einem Aufsatz über das Napoleon-Verständnis von François Furet schrieb, lange als Bestandteil einer Erziehung zu Tugend und Tapferkeit verstanden. Aber, Tatsache oder Wunsch…?: „Toute cette magie guerrière est morte avec les hécatombes du XXe siècle.“[16]

Wenn in den 1830-er Jahren die Siege Napoleons und die Namen seiner Generäle  in die  Wände des Arc de Triomphe eingemeißelt wurden, so war das Ausdruck einer damals gängigen Idealisierung und Verherrlichung des Kaisers und des heroischen napoleonischen Zeitalters. 1835 erschien das Buch von Alfred de Vigny „Servitude et grandeur militaires“, das noch den Pulverdampf atmen lässt und in dem „die Liebe zu den Waffen“ und der „Traum der Schlachten“  lebendig sind.[17] Der Arc de Triomphe war aber nicht nur Ausdruck einer Nostalgie, sondern  er hatte auch einen Aufforderungscharakter: Etwas Glanz von dem Ruhm Napoleons sollte auf das Frankreich des Bürgerkönigs fallen und es sollte sich des napoleonischen Ruhms würdig erweisen.

Die damaligen Möglichkeiten Frankreichs, in die Fußstapfen Napoleons zu treten und sich den „Traum der Schlachten“ zu erfüllen,  waren allerdings begrenzt. Immerhin bezeichnete sich der Bürgerkönig Louis Philippe schon mal etwas großmäulig als „Kaiser der Franzosen“ – so jedenfalls 1845 in einem Freundschafts- und Handelsvertrag mit China, der gerade (Okt/Nov 2016) in einer Ausstellung des Petit Palais zum Thema „L’art de la paix“ gezeigt wird.

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Aber wie groß wäre doch der Ruhm des Louis Philipps, wenn es ihm gelänge,  die  in den 1790-er Jahren eroberten, dann annektierten, aber im  Wiener Kongress wieder verlorenen linksrheinischen Gebiete Deutschlands „zurückzugewinnen“, an deren Eroberung schon  Ludwig XIV.  -eine verbrannte Erde zurücklassend- gescheitert war. Regierungschef Adolphe Thiers, ein großer Bewunderer Napoleons, betrachtete den Rhein als natürliche Ost-Grenze Frankreichs und befand sich damit im Einklang mit der öffentlichen Meinung seines Landes und sogar  mit  Victor Hugo. Der vertrat nämlich in seinem 1842 veröffentlichten Reisebericht „Le Rhin, récit de voyage“ die Auffassung, man  müsse  Frankreich zurückgeben, was Gott ihm gegeben habe, („rendre à  la  France ce que Dieu lui a donné.“), also den Rhein als Grenze. [17a]  Und in seinem Arc de Triomphe-Gedicht hatte er ja ausdrücklich festgestellt, der Arc de Triomphe solle nicht nur die Ruhmestaten der napoleonischen Armeen verherrlichen, sondern auch die neuen, noch folgenden (nos exploits nouveaux)…  Thiers forderte also in der sogenannten Rheinkrise die Herausgabe der linksrheinischen Gebiete und  drohte dem Deutschen Bund mit Krieg. Nach den sogenannten  Freiheitskriegen gegen Napoleon war dies  ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins und der sogenannten deutsch-französischen Erbfeindschaft.  Die Verherrlichung des Eroberers Napoleon war also in den 1830-er Jahren keine ganz harmlose geschichtliche Reminiszenz. Es ist in diesem Zusammenhang übrigens bemerkenswert, dass bis heute  „outre Rhin“ eine übliche französische Bezeichnung für Deutschland ist – so als sei der Rhein tatsächlich durchgängig die deutsch-französische Grenze….

 

Napoleon als Triumphator

Auf der nach Osten zu den Champs-Elysées ausgerichteten Schauseite des Arc de Triomphe gibt es zwei große Reliefs, die damit besonders hervorgehoben werden: Auf dem linken Pfeiler „der Triumph Napoleons“, rechts „der Auszug der Freiwilligen von 1792“, ein Relief, das im Allgemeinen unter der Bezeichnung „die Marseillaise“  firmiert.

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Der triumphierende Napoleon ist mit römischer Tunika bekleidet dargestellt, in seiner rechten Hand hält er ein Schwert. Eine Siegesgöttin bekränzt ihn gerade mit einem  Lorbeerkranz.  Auf der  linken Seite schreibt die Muse der Geschichte die Ruhmestaten Napoleons auf eine Tafel.

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Die dargestellte Szene illustriert das Jahr 1810,  als sich Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht befand. Nach dem Sieg über Habsburg bei Wagram war Napoleon uneingeschränkter Herrscher über den  europäischen Kontinent, die Heirat mit Marie-Louise von Österreich sollte die Annäherung an Habsburg besiegeln- und den ersehnten  Nachkommen bringen.  Frankreich umfasste damals 130 Departements. 1790, als Frankreich in Departements eingeteilt wurde, waren  es 83 gewesen.  Zu den  130 Departements gehörten –aus französischer Sicht selbstverständlich-  die Departements „Sarre“ (Trèves/Trier),  „Roer“ (Aix-la-Chapelle/Aachen)  „Mont-Tonnere“ (Donnersberg)  mit der Präfektur Mayence/Mainz,  Rhin-et-Moselle (Coblence/Koblenz). Und dazu kamen –als annektierte deutsche Territorien- auch die Departements „Bouches-du-Weser“ und „Bouches de l’Elbe“ mit Bremen und Hamburg  bzw. natürlich: Brême et Hambourg als Präfekturen und  die Departements Ems-Supérieur und Ems-Oriental mit Osnabrück und Aurich als Präfekturen. Diese annektierten Gebiete Deutschlands  wurden –wie die weiteren Annexionen –  von Napoleon noch nach dem Rückzug aus Russland als untrennbare Bestandteile Frankreichs betrachtet, so dass er Friedensangebote der Alliierten ausschlug, die Frankreich sogar- wenigstens-  „seine“ Rheingrenze eingebracht/erhalten hätten. Napoleon und seine Generäle brannten darauf weiterzukämpfen und glaubten noch an den Sieg – une victoire totale (Englund) – es fällt fast schwer, in diesem Zusammenhang nicht das Wort „Endsieg“ zu verwenden…[18]

Die Karte mit den 130 französischen Departements wird in französischen Schulbüchern  gerne gezeigt, zum Beispiel hier in dem Lehrbuch Histoire für die seconde, also die vorletzte Klasse des französischen Gymnasiums.[19]

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Bemerkenswert ist bei dieser Karte, dass die großen Siege Napoleons mit einem roten Stern eingezeichnet sind: Ulm, Iena, Austerlitz, Wagram und Friedland- Siege, die, wie wir gesehen haben, in den  Arc de Triomphe eingemeißelt sind und die auch in der Topographie von Paris eine wichtige Rolle spielen- wie ja auch die Namen der napoleonischen Marschälle. Nicht berücksichtigt ist auf der Karte –und natürlich auch nicht auf dem Arc de Triomphe- die entscheidende Niederlage in der Seeschlacht von Trafalgar 1805. Mit ihr war ja immerhin der Plan einer Eroberung Großbritanniens gescheitert und die auf dem Arc der Triomphe verzeichneten weiteren Siege waren damit im Grunde nur vergebliche Siege.[20]  Aber auf dem Arc de Triomphe ist Napoleon ohne wenn und aber der Sieger und Triumphator, Zweifel und Kritik haben da keinen Platz.

Die Marseillaise: Napoleon als legitimer Erbe der Französischen Revolution?

Auf dem rechten Pfeiler der den Champs-Elysées zugewandten „Schauseite“ des Arc de Triomphe befindet sich die große Plastik des Auszugs  der Freiwilligen 1792, im Allgemeinen „Die Marseillaise“ benannt. Gegenstand ist die sogenannte  „levée en masse“, die Aushebung von 200 000 Soldaten im Jahre 1792, die von der Gesetzgebenden Versammlung angeordnet wurde,  um Frankreich gegen die gegenrevolutionäre  Koalition des Auslands zu verteidigen.

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Diese levée en masse ermöglichte dem revolutionären Frankreich seinen ersten großen Sieg über eine ausländische Macht: den Sieg über die preußisch-österreichischen Truppen  bei Valmy in der Champagne im September 1792. Goethe erlebte im Gefolge des Herzogs von Weimar die sogenannte „Kanonade von Valmy“ mit und berichtete in seiner dreißig Jahre später niedergeschriebenen „Kampagne in Frankreich“ davon. Am Abend der Niederlage sei er von den bedrückten Landsleuten  nach seiner Meinung befragt worden und er habe sie mit den Worten getröstet:

„Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und  ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“

Goethe hat damit den revolutionären Aufbruch Frankreichs mit  einem dem Anlass und dem Autor angemessenen „geflügelten Wort“ auf den Punkt gebracht. Flügel hat auch die Allegorie der Freiheit, die Marianne,  im oberen Teil der Plastik- das kompositorische Gegenstück zur Allegorie des Ruhms auf dem linken Pfeiler. Accessoire des Ruhms ist die Trompete, die blanke Waffe die der Freiheit.  Ihre wilde Entschlossenheit wird besonders deutlich im Modell des Kopfes, den man  in der Attika des Arc de Triomphe aus der Nähe ansehen kann. Eher eine Furie, deren furchterregender Gesichtsausdruck noch gesteigert wird durch die Ungeheuer auf ihrer Jacobinermütze. Sie scheint die in den Kampf Ziehenden anzufeuern mit dem Ruf der Marseillaise:  Aux armes citoyens…..

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Während die Darstellung des Triumphators Napoleon auf dem linken Pfeiler als zwar handwerklich korrekte, aber eher uninspirierte, seelenlose Darstellung gilt, ist das mit der „Marseillaise“  anders. Sie wird allgemein als künstlerischer Höhepunkt der gesamten  plastischen  Ausgestaltung des Arc de Triomphe angesehen. Ob sie wirklich „one of best-known sculptures in the world“ ist,  kann ich nicht beurteilen,  aber sicherlich gehört sie zu den künstlerischen Werken, „qui ont fait la France.“[21]

Das im Arc de Triomphe ausgestellte Modell der Marianne wurde übrigens am 2. Dezember 2018 von gewalttätigen Demonstranten (gilets jaunes) beschädigt. Das wurde in Frankreich als besonderes Sakrileg empfunden – noch nicht einmal die deutschen Besatzungstruppen im Zweiten Weltkrieg hätten Derartiges gewagt….

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Schöpfer der „Marseillaise“ vom Arc de Triomphe  ist der Bildhauer François Rude, der mit diesem Werk berühmt wurde. Rude war auch ein großer Verehrer Napoleons.

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Für das Museum und den Parc  Noisot bei Dijon, von einem Mitglied der kaiserlichen Garde geschaffen „à la gloire de Napoléon“ , hat Rude einen auf dem (für ihn natürlich viel zu kleinen) Felsen von St. Helena liegenden lorbeerbekränzten Napoleon geschaffen, der gerade zur Unsterblichkeit erwacht.[22] Und Rude zog nach dem Sturz seines verehrten Kaisers das  belgische Exil einem Leben unter dem bourbonischen Restaurations-Regime vor. Damit repräsentieren das Werk Rudes und der  Arc de Triomphe den „roman national“, also das historisch gegründete Selbstverständnis des „offiziellen“ Frankreich der 1830- Jahre:  Es ging darum, eine Synthese herzustellen zwischen dem revolutionären Frankreich und dem Kaiserreich Napoleons und um die Selbstdarstellung Louis Philippes als aktuellem  Repräsentanten dieser Synthese.

Wenn  die Armeen der Revolution und die Grande Armee auf dem  Arc de Triomphe also gemeinsam verherrlicht werden und Napoleon  als Triumphator gefeiert wird, dem ewiger Ruhm sicher ist, so hat  das programmatischen  Charakter: Napoleon wird  als legitimer Erbe, als „fils de la Révolution“ in Szene gesetzt, so wie  auch der Bürgerkönig Louis Philippe als rechtmäßiger Erbe der Französischen Revolution (und des empire) angesehen werden wollte.  Dazu passt ja  auch das Schicksal  der Tricolore, der Fahne der Französischen Revolution:  Sie wurde  -Symbol der proklamierten Einheit zwischen erster Republik und Empire-  von Napoleon übernommen,  von den Bourbonen 1814 aber wieder  verbannt, bevor sie  seit der Julirevolution von 1830 und dem Herrschaftsbeginn Louis Philippes erneut und endgültig zur offiziellen Fahne Frankreichs erhoben wurde.

Die „Marseillaise“ und der triumphierende Napoleon: Diese Kontinuität ist Teil der napoleonischen Legende, an der er selbst kräftig und kontinuierlich gearbeitet hat – bis zu seinem Exil in St. Helena, wo er seine Memoiren diktiert. Napoleon sagte und wiederholte, dass er die Verkörperung der Revolution sei, er stellte sich als Erbe von Aufklärung und Revolution dar, auf die er sich allerdings in sehr strategischer, d.h. opportunistischer und selektiver Weise bezog.[23]

Ob bzw. inwieweit  Napoleon tatsächlich legitimer Erbe der Französischen Revolution ist, kann hier natürlich nicht beantwortet werden. Der Streit darüber dauert nun schon mehr als 200 Jahre an. Immerhin gibt es gewichtige Argumente, die gegen die Kontinuität von Republik und Kaiserreich sprechen[24]:

  • Zuerst und vor allem: Napoleon beseitigt am 9. November 1799, dem 18. Brumaire „mit dem ersten Militärputsch der Moderne“[25] die Republik, macht sich zum Kaiser und etabliert eine Erbmonarchie.
  • Durch die Heirat mit einer Habsburgerin, Großnichte von Marie-Antoinette, verbindet er sich mit den alten, von der Revolution und anfänglich auch von ihm selbst bekämpften alten Mächten: Er knüpft damit ein Verwandtschaftsverhältnis zu dem Herrscherpaar des Ancien Régime, das von der Revolution guillotiniert worden war.[26]
  • Die aus Wahlen hervorgegangenen Institutionen werden beseitigt zugunsten eines autoritären Regimes.
  • Die revolutionäre Devise „Liberté, Égalité, Fraternité“ wird von der Fassade des Pariser Rathauses entfernt.[27]
  • Napoleon macht seinen Frieden mit der von der Republik bekämpften katholischen Kirche.
  • Die von der Republik bekämpften Emigranten können im Kaiserreich wieder zurückkehren und werden stillschweigend rehabilitiert.
  • Die von der Republik abgeschaffte Sklaverei in den französischen Kolonien der Karibik wird wieder eingeführt. (27a)
  • Die neue republikanische Zeitrechnung wird wieder beseitigt zugunsten des römischen Kalenders.
  • Freiheiten wie die Pressefreiheit werden eingeschränkt – an ihre Stelle treten Zensur und offizielle Sprachregelungen.[28]
  • Das Schloss des „Sonnenkönigs“ in Versailles sollte zur Residenz des Kaisers ausgebaut werden.(28a)
  • Napoleon wünschte sich, neben den französischen Königen in der Basilika von Saint Denis begraben zu werden.

Insofern erscheint die Zusammengehörigkeit von Revolution und Empire, wie sie auf dem Arc de Triomphe präsentiert wird, als eher problematisch.

Es war übrigens Ludwig van Beethoven, der diese Problematik deutlich gesehen hat: Seine dritte Sinfonie, die „Eroica“ war ursprünglich Bonaparte, dem „Befreier Europas“,  gewidmet. Beethoven hoffte, dass Napoleon Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mit Leben erfüllen würde – als würdiger Erbe der Französischen Revolution. Aufgrund von Napoleons selbstinszenierter Kaiserkrönung änderte Beethoven den Titel der Sinfonie. Er ersetzte den Triumphmarsch durch einen Trauermarsch und nahm die Widmung an Napoleon mit den Worten zurück: „Ist er auch nichts anderes wie ein gewöhnlicher Mensch? Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten, nur seinem Ehrgeize frönen, er wird sich nun höher wie alle anderen stellen, ein Tyrann werden!“.(28b)

Aber  natürlich sind die Verdienste Napoleons für Frankreich ganz unbestreitbar: Die Herstellung des sozialen  Friedens nach den langen Wirren der Revolutionszeit, die Sanierung der Staatsfinanzen, der Aufbau eines effizienten Staatswesens, der Code Civil, „Prototoyp jedes Bürgerlichen Gesetzbuches“.[29] Diese Verdienste beziehen sich vor allem auf die Phase des Consulats zwischen dem 18. Brumaire und der Etablierung des Kaiserreichs, die man auch die „poule-au-pot“ Phase Napoleons genannt hat – in Anlehnung an den „guten König“ Henri Quatre, der 200 Jahre zuvor jedem Franzosen  sein sonntägliches Huhn im Topf versprochen hatte.[30]

Auch in Deutschland hat Napoleon tiefgreifende Reformen angestoßen und einen erheblichen Modernisierungsschub ausgelöst.  Er hat, was Friedrich Engels ausdrücklich anerkannte,  wesentlich zur Umwandlung der ständisch-agrarischen in eine egalitär-bürgerliche Gesellschaftsordnung  in Deutschland beigetragen  – ganz direkt in den von Frankreich beherrschten Gebieten, aber auch indirekt: Die „defensiven“ preußischen  Reformen wären  ohne die vernichtenden Niederlagen Preußens wohl kaum erfolgt. Und die Beseitigung des deutschen territorialen „Flickenteppichs“  wurde ja selbst von dem ansonsten der Restauration verpflichteten Wiener Kongress gut geheißen.

Aber Napoleon war nicht nur grenzüberschreitender Herold der Freiheit und des Fortschritts. Er war auch Eroberer und Unterdrücker. Seine Kriege und Siege überspannten die Ressourcen des Landes- da mussten neue Kriege und Siege her. Die benötigte er auch zur Dotierung der  von ihm geschaffenen neuen  Führungsschicht und zur Versorgung seiner Familie in bester Tradition des korsischen Klientilismus.  So knüpfte er  „mit der Eroberung und Unterwerfung fast des gesamten europäischen Kontinents an jene Praktiken an, die seit alters her zu den Zielen  oder Folgen von Eroberungszügen gehörten.“[31] „Die imperialistische Besatzungspolitik Napoleons“ – zu der Plünderungen, massive Kontributionen und Zwangsaushebungen gehörten-   „bedeutete das Ende des  von den Ideen der Revolution gespeisten Kosmopolitismus als normativer politischer Kraft und die Notwendigkeit, die nationale Freiheit gegen den Usurpator zu erkämpfen. Unter Napoleon eskalierte die weltpolitische Mission des revolutionären Frankreichs zur  Herrschaft der französischen Nation über die Völker Europas.“[32] Freiheitsliebe und Patriotismus, die den Impetus der „Marseillaise“ begründeten, wendeten sich nun gegen Napoleon. Sein Bild als lorbeerbekränzter Triumphator und legitimer Erbe der Französischen Revolution ist damit, gerade wenn man  seine Eroberungspolitik einbezieht,  ein einseitiges ideologisches Produkt der 1830-er Jahre, aber auch des bis heute noch andauernden Napoleon-Kults. Allerdings ist es  völlig unangemessen und geschichtsblind, die den Kontinent beherrschenden Eroberer Napoleon und Hitler auf eine Stufe zu stellen, wie gerade kürzlich wieder auf einem Buchcover.

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Gerade  britische Historiker haben öfters solche Parallelen hergestellt, was sicherlich kein Zufall ist. Und  der ehemalige  Londoner Oberbürgermeister und jetzige britische  Außenminister Johnson  hat  ja sogar  Napoleon und Hitler – auf eine Stufe gestellt- bemüht, um den Austritt aus der EU zu begründen.[33]

Wie man die Frage nach dem Zusammenhang von Französischer Revolution und napoleonischer Herrschaft beantwortet, hat übrigens auch politische Relevanz:  Immerhin gibt es ja in Frankreich eine bonapartistische Tradition, also eine politische Richtung, die, skeptisch bis feindlich gegenüber den demokratischen Institutionen und Prozeduren, von einem den Volkswillen unmittelbar repräsentierenden „starken Mann“ an  der Spitze das Heil erhofft. Louis Napoleon, der spätere Kaiser Napoleon III., und General Boulanger im 19. und der Marschall Pétain im 20. Jahrhundert waren  Adepten eines solchen Bonapartismus. Und bei allen gravierenden Unterschieden: In der die Größe und Unabhängigkeit Frankreichs betonenden Politik de Gaulles und der von ihm  geschaffenen „monarchie républicaine“ lassen sich Elemente des Bonapartismus beobachten.[34] Die gibt es nach dem Urteil kundiger Beobachter  auch in der aktuellen französischen Politik und ihrem Personal:   Für den Journalisten Alain Duhamel ist Nicholas Sarkozy ein Bonapartist und in einer kürzlich von Le  Monde  publizierten Vorstellung der potentiellen Präsidentschaftskandidaten  der französischen Rechten wird Sarkozy als „jacobinischer Bonapartist“ vorgestellt[35], eine interessante  und aus Sicht von Le Monde sicherlich nicht sehr schmeichelhafte Ahnenreihe. Es ist dies eine Kombination, in der Elemente der Französischen Revolution und die Herrschaft Napoleons zusammengeführt sind. Und je weitgehender und umfassender man Napoleon als legitimen Erben, als Sohn der Revolution versteht, desto mehr wird man geneigt sein,  auch spätere bonapartistische Tendenzen oder Nachfolger gutzuheißen.

Der Blick von oben

Aber kehren wir nach diesem  Exkurs zum Arc de Triomphe zurück beziehungsweise klettern wir endlich die Stufen hinauf zu seiner grandiosen Aussichtsplattform. Hier hat man einen wunderbaren Rundblick über die ganze Stadt, auf die Champs Elysées und das Louvre (Foto von Bernd Kursawe)..

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und auch auf das Hochhausviertel La Défense und die Grande Arche, unter der  genau am Tag  der Sommersonnenwende die Sonne untergeht.

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Und es gibt in der Attika  eine Kamera, die das Geschehen unter dem Arc de Triomphe aufnimmt: So kann man –ohne Ehrengast zu sein-  direkt von oben die tägliche  Flammen-Zeremonie am Grabmal des unbekannten  Soldaten beobachten.  Auf dem nachfolgenden, um 18. 20 Uhr aufgenommenen Foto stehen schon die Ehrenformationen bereit und warten, dass der feierliche Akt (um 18.30 Uhr) beginnt.

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Nach dem Heruntergehen sollte man sich  auf der „Rückseite“ des Triumphbogens  das Relief des Friedens ansehen, das es immerhin doch auch gibt. Hier ein Ausschnitt:

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„Minerve,casquée et armée de sa lance domine la composition comme déesse de la victoire et inspiratrice  des arts et des travaux de la paix.“ [36]  Der Frieden, der hier propagiert wird, ist also ein „Siegfrieden“ – so wie ihn Napoleon bis zuletzt immer anstrebte; ein scheinbarer Frieden, der den Keim künftiger Konflikte und Kriege schon in sich trägt.

Praktische Informationen:

Öffnungszeiten:

Vom 1. April bis 30. September täglich von 10 – 23 Uhr

Sonst: täglich von 10 – 22.30 Uhr

Eintrittspreise:

Kostenlos bis zum Alter von 25 Jahren, wenn man aus einem Land der EU kommt.

Sonst: 12 Euro.

Karten kann man sich von der Website des Arc de Triomphe herunterladen und ausdrucken. Sie sind ein Jahr lang gültig. Man muss sich damit nicht in die Schlange vor dem Kartenhäuschen stellen.

Es gibt ein Faltblatt mit Informationen in verschiedenen Sprachen, das man auch  auf Deutsch von der website  des Arc de Triomphe herunterladen kann

http://www.paris-arc-de-triomphe.fr/  Dort unter der Rubrik „approfondir“ der grün unterlegte Kasten:  Lire le document de visite.

Den ausführlicheren Führer des Centre des Monuments nationaux gibt es eben falls auch auf Deutsch. Erhältlich in der kleinen Buchhandlung in der Attika des Arc de Triomphe oder in der Buchhandlung des Centre im Hôtel Sully (rue du Faubourg Antoine).

Den ausführlicheren Führer des Centre des Monuments nationaux gibt es eben falls auch auf Deutsch. Erhältlich in der kleinen Buchhandlung in der Attika des Arc de Triomphe oder in der Buchhandlung des Centre im Hôtel Sully (rue du Faubourg Antoine).

In der Buchhandlung des Arc de Triomphe kann man auch viele schöne Napoleon- Devotionalien bewundern und erwerben:

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Für 95 Euro gibt eine Figur Napoleons auf dem Schlachtfeld von Jena, 225 Euro kostet Napoleon hoch zu Ross in Berlin….

Und natürlich sollen auch die Kleinen den großen  Napoleon kennen und lieben lernen….

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Anmerkungen:

[1] Centre des Monuments Nationaux (Hrsg): L’arc de triomphe de l’Étoile. Paris 2014, S. 1 und http://www.napoleon.org/histoire-des-2-empires/articles/la-curieuse-histoire-de-larc-de-triomphe/

siehe dazu auch: L’Arc de Triomphe, vu par le écrivains. Nouvelles éditions Scala 2017

[2] Siehe  dazu: Jean Tulard, Le retour des cendres. In: Les lieux de mémoire.  Sous la direction de Pierre Nora. II. La Nation, Band 2, S. 81ff

[3] Siehe dazu den Blog-Beitrag: Der 11. November, ein französischer Feiertag im Wandel (Oktober 2016)

[4] http://images.google.de/imgres?imgurl=https://igeekart.files.wordpress.com/2015/01/09-paris-est-charlie-arc-du-triomphe-w529-h352-2x.jpg&imgrefurl=https://igeekart.wordpress.com/tag/arc-de-triomphe/&h=681&w=1024&tbnid=Xt7-0np_PuXllM:&tbnh=90&tbnw=135&docid=Ax2kcTLVUVbF7M&usg=__D0pwy4Afgum6e1J802XQ8FyvNrc=&sa=X&ved=0ahUKEwj9hJ65lsnPAhUJEiwKHY8OAoYQ9QEIIzAB

[5] http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.remarque.uni-osnabrueck.de%2Farcfilm.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.remarque.uni-osnabrueck.de%2Farcfilm.htm&h=551&w=376&tbnid=7tRDLoO4gsKtgM%3A&docid=PR0lbjyhVEdxlM&hl=de&ei=2P_3V-X-Ecqv6ATux7vYCA&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=11624&page=0&start=0&ndsp=28&ved=0ahUKEwjlyojdvsnPAhXKF5oKHe7jDosQMwgpKAswCw&bih=613&biw=1366

[6] https://beta.welt.de/kultur/article142645109/So-monumental-wollte-Napoleon-Paris-sehen.html?wtrid=crossdevice.welt.desktop.vwo.google-referrer.home-spliturl&betaredirect=true

[7]  Am 2. Dezember 1806 unterzeichnete Napoleon in seinem Lager in Posen (mitten  im Krieg gegen Preußen) eine Dekret zur Errichtung eines Tempels zum Ruhm der französischen Armeen: « Le Monument dont l’Empereur vous appelle aujourd’hui à tracer le projet sera le plus auguste, le plus imposant de tous ceux que sa vaste imagination a conçus et que son activité prodigieuse sait faire exécuter. C’est la récompense que le vainqueur des Rois et des Peuples, le fondateur des empires, décerne à son armée victorieuse sous ses ordres et par son génie. La postérité dira : il fit des héros et sut récompenser l’héroïsme. […] À l’intérieur du monument, les noms de tous les combattants d’Ulm, d’Austerlitz et d’Iéna seront inscrits sur des tables de marbre, les noms des morts sur des tables d’or massif, les noms des départements avec le chiffre de leur contingent sur des tables d’argent. »

[8]http://www.napoleon.org/histoire-des-2-empires/articles/la-curieuse-histoire-de-larc-de-triomphe

[9] Zitiert in: http://www.napoleon.org/histoire-des-2-empires/articles/la-curieuse-histoire-de-larc-de-triomphe/

« Un arc de triomphe y fermerait de la manière la plus majestueuse et la plus pittoresque le superbe point de vue que l’on a du château impérial des Tuileries… Il frapperait d’admiration le voyageur entrant dans Paris… Il imprimerait à celui qui s’éloigne de la capitale un profond souvenir de son incomparable beauté… Quoique éloigné, il serait toujours en face du Triomphateur. Votre Majesté le traverserait en se rendant à la Malmaison, à Saint-Germain, à Saint-Cloud et même à Versailles »

[10] http://art.rmngp.fr/fr/library/artworks/de-la-fresque-louis-pierre-baltard_le-cortege-imperial-quitte-l-arc-de-triompheé

[11] Es sind in Paris  noch einige wenige Zollhäuser erhalten, so die Rotonde de  la Villette oder die Zollhäuser neben der Place de la Nation. Dazu soll es bei Gelegenheit einen Blogbeitrag geben.

[12] http://reflexionsettemoignages.20minutes-blogs.fr/tag/triomphe

(12a) Auf dem Relief sieht man auch den Namen Arcole – womit die von Bonaparte gewonnene entscheidende Schlacht bei Arcole (bataille de pont d’Arcole) von 1796 gemeint ist. In einem Kommentar des Wirtschaftsteils von Le Monde vom 16. März 2018 habe ich einen Bezug zu dieser Schlacht gefunden. Er zeigt, wie sehr die napoleonischen  Schlachten noch heute im allgemeinen Bewusstsein der Franzosen und sogar in der französischen Sprache verankert sind. Es geht um den gescheiterten Versuch einer Unternehmensübernahme durch den französischen Geschäftsmann Bolloré:

Unter der Überschrift „Le retrait du général Bolloré“ heißt es da: „Ce devrait être son pont d’Arcole.  Une conquête éclair en terre italienne pour renforcer son pouvoir en France. Cela a toutes les chances de se transformer en bérézina….“  berezina steht dabei für ein totales Scheitern – abgeleitet von der vernichtenden Niederlage Napoleons an der Berezina bei de Rückzug der grande  armée aus Russland.

[12b] Antoine Prost, Verdun. In: Pierre Nora (Hrsg), Erinnerungsorte Frankreichs. München 2005, S. 276

[13]  https://fr.wikipedia.org/wiki/Pertes_humaines_lors_des_guerres_napol%C3%A9oniennes

[14] Englund, Napoleon, S. 566

[15] Siehe dazu den Blog-Beitrag: Der 11. November, ein französischer Feiertag im Wandel (Oktober2016/Rubrik Geschichte)

[16] http://www.laviedesidees.fr/Les-Napoleon-de-Francois-Furet.html

[17] https://fr.wikisource.org/wiki/Servitude_et_grandeur_militaires/I/1 siehe dazu auch Englund, Napoleon 566/7

[17a]  Siehe folgenden Auszug aus Hugos Rhein-Buch:

… Man mag sich daran erinnern, dass vor etwa sechs oder acht Monaten eine erregte Debatte über die Rheinfrage entbrannte. Rühmliche und edle Geister erhitzten sich damals in Frankreich aufgebracht und heftig. Dabei bildeten sich, wie fast immer, zwei gegnerische Parteien, zwei extreme Positionen. Die einen betrachteten die Verträge von 1815 als vollendete Tatsache und überließen auf dieser Grundlage das linke Rheinufer Deutschland – als Gegenpfand für dessen Freundschaft; die andere Seite protestierte mehr denn je – und unserer Meinung nach zurecht – gegen 1815, forderte heftig, wenn nötig mit Gewalt, das linke links: Le Charivari, Paris, 1835, Abb. Maison Victor Hugo rechts: Victor Hugo (1802–1885) fotografiert von Étienne Carjat, 1876 / aus Wikicommons ©Markt1 // 2020 Rhein-Main Urban Sketchers Rheinufer und wies die Freundschaft Deutschlands zurück. Die Einen opferten den Rhein dem Frieden, die Anderen opferten den Frieden dem Rhein. Nach unserer Auffassung hatten beide Recht und Unrecht zugleich. Zwischen diesen beiden ausschließlichen und diametral entgegengesetzten Haltungen erschien uns Raum für eine versöhnliche Position. Frankreichs Anspruch aufrecht zu erhalten, ohne die deutsche Nation zu verletzen, das war das delikate Problem, für das derjenige, der diese Zeilen schreibt, in seinem Ausflug an den Rhein eine Lösung zu erblicken glaubte.   Zitat aus: https://www.markt1-bacharach.de/pdf/sketcher/1_Handout_DE.pdf

Auch Victor Hugo betrachtete also den Rhein als natürliche Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, lehnte aber eine gewaltsame Annexion ab, sondern strebte eine -wie auch immer zu erreichende- Lösung mittels einer friedlichen Verständigung im europäischen Kontext an.

[18] https://fr.wikipedia.org/wiki/Liste_des_d%C3%A9partements_fran%C3%A7ais_de_1811

Siehe dazu: Steven Englund, Napoléon, Paris 2004, S. 481/484 und 496

[19] Histoire. Classe de seconde. Paris: Hatier 1990,  S. 114

[20]  http://www.laviedesidees.fr/Les-Napoleon-de-Francois-Furet.html „ les guerres napoléoniennes sont l’épilogue de la nouvelle Guerre de Cent ans qui a opposé depuis la fin du XVIIe siècle la France et l’Angleterre pour la domination mondiale, et que la France devait perdre dès lors que les difficultés financières du règne de Louis XVI, puis la Révolution, l’avaient privée de la marine qui lui eût permis de rivaliser avec les Anglais sur les mers. Napoléon accompagne une défaite inéluctable en lui donnant un tour flamboyant.“

[21] https://www.khanacademy.org/humanities/becoming-modern/romanticism/romanticism-in-france/a/rude-la-marseillaise

Siehe: http://www.abcfrancais.com/le-depart-des-volontaires-en-1792-ou-la-marseillaise/

http://www.cndp.fr/crdp-dijon/IMG/pdf/doc_pedagogique_exporude.pdf

Die Darstellung als Bestandteil der „identité nationale“: http://identitenational.canalblog.com/archives/2008/09/20/10677717.html  Das Relief gehört auch zu dem Bildmaterial, das gerne in französischen Geschihtsbüchern verwendet wird. Z.B. Europes d’hier et aujourd’hui. 4ième. Paris: magnard, 1983, S. 177

[22] https://www.google.fr/webhp?sourceid=chrome-instant&ion=1&espv=2&ie=UTF-8#q=Noisot+Parc+et+Musee

http://salon-litteraire.linternaute.com/fr/beaux-livres/review/1800081-bertrand-tillier-napoleon-rude-et-noisot-hidoestoire-d-un-monument-d-outre-tombe

[23] Steven Englund, Napoleon. Paris 2004, S. 439

Wiedergabe der Memoiren unter:: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k6151195z/f433.image

Analyse: siehe https://ahrf.revues.org/1871

[24] Ich beziehe mich hier vor allem auf die Zusammenstellung von Maurice Agulhon, Professor am Collège de France: http://www.archivesdefrance.culture.gouv.fr/action-culturelle/celebrations-nationales/recueil-2004/1804-l-empire/napoleon-fils-de-la-revolution

[25] Der Fall Napoleon. Der Spiegel 5.8.2013, S. 113

[26] Steven Englund: Napoléon. Paris 2004, S. 437

[27] A.a.O. S. 438

(27a) siehe dazu den Blog-Beitrag: Die Erinnerung an Sklavenhandel und Sklaverei (November 2017) 

[28] „La période de 1811 au début de 1813 fut l’apogée de la pire suppression de la liberté de la presse en France jusqu’à Vichy“. Steven Englund: Napoléon. Paris 2004, S. 383                                                                           siehe auch  http://www.lalibre.be/actu/belgique/napoleon-c-etait-un-tyran-mais-le-comparer-a-hitler-et-staline-est-une-erreur-5582c2893570172b12212555

(28a) s. Gerald van der Kemp und Pierre Lemoine, Versailles et Trianon, 1979, S.20: „1806/1807: Napoléon 1er fait étudier des projects de restauration et d’agrandissement du château dont il compte faire sa résidence. 1810: début d’importants traveaux…“

(28b) http://1.brf.be/sendungen/klassikzeit/667693/  Im Beiheft zur Aufführung der Eroica in der Pariser Philharmonie am 7.12.2016 durch das Orchestre de Paris findet sich die Information, dass Beethoven den ursprünglich zu Ehren Bonapartes geplanten „marche triomphale“ durch den „marche funèbre“ ersetzt habe: „la Troisième Symphonie est donc tout à la fois une oeuvre de protestation contre le despotisme et une sorte de requiem pour l’idéal démocratique bafoué“. 

[29] Der Spiegel, 32/2013, S. 113

[30] Dazu Laurent Joffrin, Herausgeber von „Liberation“ zu dieser Phase Napoleons: „. S’il était mort en 1805, il serait comme Washington : on trouverait sa statue partout dans Paris ; il aurait sa tête sur les billets. Mais après, il est devenu un peu fou, sa volonté de puissance était sans limite. Il voulait dominer l’Europe parce qu’il avait une capacité militaire supérieure à celle de ses contemporains. Et la France comptait à l’époque un réservoir d’hommes énorme.“ http://www.lalibre.be/actu/belgique/napoleon-c-etait-un-tyran-mais-le-comparer-a-hitler-et-staline-est-une-erreur-5582c2893570172b12212555

[31] „l’Empereur manque de fonds. Il compte sur la victoire contre l’Angleterre et ses alliés pour résoudre tous les problèmes.“  http://www.larousse.fr/encyclopedie/personnage/Napol%C3%A9on_I_er/134747

Und:  https://books.google.fr/books?id=ak-a7_HnGk0C&pg=PA11&lpg=PA11&dq=napoleonisches+zeitalter+kritik&source=bl&ots=LmxdVEoUUc&sig=6poFzmDtoh9IiUxIKyxhOFnpyQ&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjA2vSyxcXOAhUInBoKHQx3Bg8Q6AEITzAJ#v=onepage&q=napoleonisches%20zeitalter%20kritik&f=false

[32] Hans-Walter Krumwiede in:  Kirchengeschichte Niedersachsens:  Vom Deutschen Bund 1815 bis zur Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland

Siehe auch Götz Aly: http://www.berliner-zeitung.de/kolumne-zweihundert-jahre-voelkerschlacht-i-3826436

[33] siehe: http://www.napoleon.org/magazine/revues-de-presse/la-revue-des-deux-mondes-avril-2005-napoleon-vu-dallemagne-lhomme-du-destin-et-le-non-destin-de-hitler-si-lhabit-ne-sied-pas-la-comparaison-napoleon-hitler-au-rebut/

http://www.lalibre.be/actu/belgique/napoleon-c-etait-un-tyran-mais-le-comparer-a-hitler-et-staline-est-une-erreur-5582c2893570172b12212555  Steven Englund: Napoléon. Paris 2004, S. 555 und 562. Nicht ganz nachvollziehen kann ich allerdings die Feststellung Englunds, Hitler habe –ebenso wenig wie Stalin und Mussolini- zu den Bewunderern Napoleons gehört – dagegen steht immerhin der spektakuläre Besuch Hiters des Napoleon-Grabes im Invalidendom im Juni 1940.

[34] Michel Winnock: De Napoléon à de Gaulle: la tentation bonapartiste. In. mensuel 124, 1989

Auch unter: http://www.lhistoire.fr/de-napol%C3%A9on-%C3%A0-de-gaulle-la-tentation-bonapartiste

http://www.franceculture.fr/emissions/les-idees-claires/la-tentation-recurrente-du-bonapartisme

[35] Alain Juppé und Nathalie Kosciusko-Morizet werden dagegen der politischen  Familie der „modérés girondins“ zugeordnet. Le Monde 22. Sept. 2016, S.8

(36)  Éditions du Patrimoine, L’arc de triomphe de l’Étoile, S. 33

Weitere Blog-Beiträge mit Bezug zu Napoleon:

Das Napoleon-Museum auf der Île d’Aix (Vive l’empéreur Teil 2)   https://paris-blog.org/2016/11/16/das-napoleon-museum-auf-der-ile-daix-vive-lempereur-teil-2/

Napoleon in den Invalides (Es lebe der Kaiser!/Vive l’empéreur Teil 3)  https://paris-blog.org/2017/03/12/napoleon-in-den-invalides-es-lebe-der-kaiser-vive-lempereur-3/

Die Manufacture des Gobelins: Politik und Kunst  (August 2018)  https://paris-blog.org/2018/08/01/die-manufacture-des-gobelins-politik-und-kunst/

Napoleon, de Gaulle und Victor Hugo: Notre Dame, die Geschichte und das Herz Frankreichs  https://paris-blog.org/2019/05/02/napoleon-de-gaulle-und-victor-hugo-notre-dame-die-geschichte-und-das-herz-frankreichs/

150 Jahre Abriss der Vendôme-Säule, Teil 1: Ein Blick auf ihre bewegte Geschichte. Vive l’empereur! À bas l’empereur!)   https://paris-blog.org/2021/06/02/150-jahre-abriss-der-vendome-saule-durch-die-commune-teil-1-ein-blick-auf-ihre-bewegte-geschichte-vive-lempereur-a-bas-lempereur-auch-ein-beitrag-zum-napoleonjahr-annee-napoleon-20/

Vivant Denon, der Kunsträuber Napoleons und sein Musée Napoléon Teil 1: Die große Ausstellung deutscher Raubkunst 1806/1807 https://paris-blog.org/2021/05/01/vivant-denon-der-kunstrauber-napoleons-und-sein-musee-napoleon-louvre-teil-1-die-grose-ausstellung-deutscher-raubkunst-1806-1807/

Vivant Denon, der Kunsträuber Napoleons und sein Musée Napoléon Teil 2: Die „Raubkampagnen“ Denons in Deutschland: Soll ich etwa nichts nehmen? https://paris-blog.org/2021/05/05/vivant-denon-der-kunstrauber-napoleons-und-sein-musee-napoleon-louvre-teil-2-die-raubkampagnen-denons-in-deutschland-soll-ich-etwa-nichts-nehmen/

Christos Pariser Traum: Der verhüllte Triumph Napoleons.  https://paris-blog.org/2021/09/03/christos-pariser-traum-der-verhullte-triumph-napoleons/