Paris im Hitzestress: Ab ins Wasser!

Paris ächzt unter der Hitze. Die Canicule ist Thema Nummer 1.

Ab 11.7. und voraussichtlich noch über den 14. Juli hinaus gilt für Paris sogar die höchste Hitzewarnstufe, die Vigilance rouge.

Paris gehört also zu den Teilen Frankreichs, in denen „absolute Vorsicht“ geboten ist. (Le Parisien vom 11.7.) Jede Erfrischung und Abkühlung ist da willkommen.

Le Parisien, 10.7.26  LP/Arnaud Journois. Alle weiteren Fotos, soweit nicht anders angegeben, von Frauke und Wolf Jöckel

Einer der über 1300 Pariser Trinkbrunnen. Hier ein moderner mit einem Wasserzerstäuber (brumatiseur) vor dem Rathaus des 11. Arrondissements- eine große Freude vor allem für Kinder

Auch die Tauben freuen sich über Abkühlung, für die die Pariser Straßenreinigung sorgt…

http://www.timeout/fr/Paris

Und vor allem gibt es ja wieder die Badegelegenheiten im Pariser Flusswasser, das aufgrund der immensen Investitionen für die Olympischen Spiele 2024 inzwischen (meistens) Badequalität hat.

Wie im letzten Jahr ist es seit Anfang Juli wieder möglich, an drei Stellen in der Seine zu schwimmen:

Eine kleine Neuerung ist, dass die letztjährige Badestelle vom Pont Marie ein paar hundert Meter weiter flussabwärts verlegt wurde und jetzt zwischen dem Pont Marie und dem Pont Louis Philippe liegt. Dort ist ein fester Schwimm-Ponton in der Seine installiert worden, so dass der Schiffsverkehr nicht mehr beeinträchtigt wird.

Foto: Le Parisien

Ein erheblicher Nachteil dieser Seine-Badegelegenheiten ist allerdings, dass man nur mit prallgefüllten gelben Luftkissen ins Wasser gelassen wird. Man kann damit herumpaddeln, aber an ein etwas sportlicheres Schwimmen ist so nicht zu denken. Dafür sind auch die Becken zu klein.

Mehr Platz zum Schwimmen, und dies auch noch ohne Luftkissen, hat man bei der Badestelle am Canal Saint-Martin.

Der Zugang ist frei, die Badestelle nicht streng abgegrenzt. Ein paar Sonnenschirme und Liegestühle sorgen für eine ungezwungene Strandatmosphäre.

Das Bad am Quai de Jemmapes ist allerdings nur mittwochs zwischen 12 und 15.30 und sonntags zwischen 14 und 18 Uhr gestattet. Duschen und Kabinen zum Umziehen gibt es -ziemlich umständlich- nur auf der anderen Straßenseite im Centre sportif Jemmapes, aber keine Möglichkeit, Wertsachen sicher unterzubringen.

Optimal ausgestattet ist dagegen die große Badestelle im Bassin de la Villette, früher einmal Teil eines Hafens, der zu den größten Frankreichs gehörte…

Heute wird er im Sommer vor allem von Tret- und Elektrobooten und Badenden genutzt.

Die Badeanlage besteht 2026 aus insgesamt 4 Schwimmbecken: von einem kleinen für Kleinkinder -hier im Bild vorne- bis zu einem 50 Meter-Becken für eher sportliche Schwimmer- oben im Bild. Das Foto entstand Anfang Juli vormittags. Nachmittags ist bei großer Hitze der Andrang wesentlich größer.

Gelbe Luftkissen gibt es hier nicht , dafür aber die gesamte Infrastruktur eines Schwimmbads., einschließlich einer wachsamen Badeaufsicht. Am Eingang werden sogar -on est en France- die Taschen kontrolliert!

Die Stadt Paris garantiert hier, wie auch für die Seine-Badestellen, dass die Wasserqualität den sanitären Anforderungen entspricht. Sollte das einmal nicht der Fall sein -wie zum Beispiel im letzten Jahr nach starken Regenfällen- dann würden die Badestellen umgehend geschlossen. Das war allerdings während unseres diesjährigen Paris-Aufenthalts nicht der Fall. Das Wasser schimmert natürlich-grünlich, die Oberfläche ist nicht von einem Ölfilm überzogen, wie in unserem heimischen Schwimmbad an heißen Sommertagen. Hier tummeln sich höchstens die Wasserläufer und kurz unter ihnen huschen kleine Fischchen vorbei. So ist das Bad im Bassin de la Villette hochwillkommener und erfrischender Bestandteil unseres Tagesablaufs…

Das Bassin de la Villette erreicht man in wenigen Minuten Fußweg von der Haltestelle Jaurès der Metro 2. Dabei passiert man Ledoux’s klassizistische Rotunde, Teil der ehemaligen Zollmauer, mit der Paris bis zur Französischen Revolution umgeben war….

Bei großer Hitze ist auch das Baden im Bassin des Recollets, einem 100 Meter langen Teilstück des Kanals Saint-Martin im 10. Arrondissement, zwischen 15 und 21 Uhr freigegeben- eine von der Pariser Mairie und dem zuständigen Arrondissement beschlossene Maßnahme. Das „wilde“ Baden im Kanal, dem die Polizei nicht mehr Herr geworden war, soll durch diese Maßnahme im wahrsten Sinne des Wortes kanalisiert werden. Und nach den Worten des neu gewählten Pariser Bürgermeisters Grégoire ist so „das größte Schwimmbad von Paris entstanden“. (Le Parisien 16.6.)

Besonders beliebt ist es offensichtlich bei jungen Männern, von der Passerelle Emanuelle (auf der Höhe der Avenue Richerand) möglichst effektvoll ins Wasser zu springen.

So jedenfalls lässt sich die Hitze ertragen…

Öffnungszeiten:

Pont Louis-Philippe/Bras Marie : 8h-18h. Bercy : 11h-21h. Grenelle : 10h-17h30 (Samstags 16h45). Canal Saint-Martin, Jemmapes: Sonntags von 14h-18h. Canal Saint-Martin, Recollets: bei großer Hitze täglich von 15-21 Uhr

Bassin de la Villette : 11h-21h. Bei großer Hitze (Warnstufe orange und rot) sind die Badezeiten allerdings stark reglementiert. Es gibt vier Zeitfenster (crénaux), in denen das Bad geöffnet ist und an deren Ende es geschlossen wird. Auf diese Weise wird die Nutzung zwar eingeschränkt, aber einer größeren Zahl von Menschen der Zugang ermöglicht. Sehr empfehlenswert ist die Nutzung des ersten Zeitfensters. An Nachmittagen kann es sehr voll werden.

Frühere Beiträge zum Thema:

2 Gedanken zu “Paris im Hitzestress: Ab ins Wasser!

  1. Avatar von Unbekannt Anonymous

    Sollte es sich bei den im Artikel erwähnten „prallgefüllten gelben Luftkissen“ um sogenannte Rettungsbojen für Schwimmer handeln (was ich nicht zweifelsfrei erkennen kann, dazu ist das Foto zu klein), dann kann man mit diesen sehr wohl sportlich schwimmen. Diese haben keinen spürbaren Einfluss auf Schwimmtechnik, Widerstand oder Geschwindigkeit. Sie sind bei Schwimmern schon lange als sicherheitsrelevantes Zubehör im Einsatz. Sie sorgen dafür, dass man als Schwimmer weithin wahrgenommen wird und können im Falle eines Krampfes zum Rettungsanker für den Schwimmer werden. Die Annahme, dass diese Dinger beim Schwimmen hinderlich sein könnten, drängt sich zwar auf, ist aber tatsächlich nicht so. Meine Frau, die sehr gerne im See schwimmen geht, zieht sogar mich auf dem SUP auf diese Weise, ohne dass sie einen spürbaren Widerstand wahrnehmen würde.

    Das führt manchmal zu kuriosen Begegnungen auf dem Wasser, wenn andere Badegäste wahrnehmen, dass ich (Mann) mich von meiner Frau ziehen lasse, als wäre ich mit meiner mir untertänigst zu dienenden Sklavin unterwegs. Ich lächle dann immer zurück und erkläre: „Die macht das gerne. Sie bekommt sonst abends nichts zu essen!“

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    1. Vielen Dank für diese Erläuterung. Vermutlich sind das in der Tat Rettungsbojen, die verhindern sollen, dass jemand unbemerkt im Seinewasser verschwindet/untergeht. Warum die dann allerdings im Ourcq-Wasser nicht erforderlich sind, obwohl da das Schwimmbecken viel größer ist als die Seine-Becken, verstehe ich nicht ganz…

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