
Am 4. Juli 1776 erklärten die amerikanischen Kolonien Englands ihre Unabhängigkeit und gründeten damit die Vereinigten Staaten von Amerika. Am 4. Juli 2026 konnten die USA damit ihr 250-jähriges Bestehen feiern, von Präsident Trump entsprechend spektakulär inszeniert. In Paris feierte die amerikanische Botschaft den Jahrestag mit einer aufwändigen Plakataktion: 250 Jahre amerikanisch-französische Freundschaft, symbolisiert durch die beiden gleichfarbigen bleu-blanc-rouge-Flaggen.[1]
Dabei sind die amerikanisch-französischen Beziehungen derzeit alles andere als ungetrübt. Präsident Macron unternahm und unternimmt ja erhebliche Anstrengungen, Trump durch die Präsentation französischer Grandeur zu umschmeicheln: Einladung zur Truppenparade auf den Champs-Élysées 2017 zur Erinnerung an das Engagement amerikanischen Truppen im 1. Weltkrieg, Einladung zu einem Galadiner anlässlich des amerikanischen Unabhängigkeits-Jubiläums 2026 im Schloss von Versailles.[2] Trump allerdings behandelt Europa höchst unfreundlich, ja feindselig. Dies betrifft auch und speziell Frankreich und sogar ganz persönlich das Ehepaar Macron.[3]

Die französisch-amerikanischen Beziehungen sind derzeit also eher schwierig und das Bild Amerikas ist getrübt. Und was heißt Freedom 250? Freiheit für die Tech-Milliardäre? Für die Kapitol-Stürmer? Für die ICE-Greiftrupps? Für die Rechtsstaats- und Demokratie-Verächter? etc….
Die 250 Jahre amerikanische Unabhängigkeit sind aber für mich ein Anlass an, einen Blick in die beiden Pariser Metro-Stationen Cadet und La Fayette zu werfen. Sie sind in ungetrübteren Zeiten französisch-amerikanischer Beziehungen entstanden. Und sie feiern das wirkliche Amerika der Freiheit und die engen historischen Beziehungen zwischen beiden Ländern.
Die Metro-Station Cadet

Die Metro-Station Cadet (Linie 7) ist in den amerikanischen (und französischen) Nationalfarben und den stars and stripes der amerikanischen Fahne gekachelt.

Die sieben roten und 6 weißen Streifen des amerikanischen Sternenbanners, Symbole für die 13 Gründertaaten der USA, überziehen das Gewölbe der Station, die typischen Metro-Schalensitze sind farblich passend gestaltet.

Besonders auffällig ist natürlich der blau-weiß-rote Reiter mit gezücktem Degen am Bahnsteigende.

Es gibt zwar keinen erläuternden Hinweis in der Metro-Station, aber es ist ganz eindeutig, dass es sich um den Marquis de La Fayette, den „héros des deux mondes“, den Helden von alter und neuer Welt handeln muss.

Deutlich ist der Bezug zu dem La Fayette-Denkmal in dem an der Seine gelegenen Cours la Reine auf der Höhe des Grand Palais. Es war das durch eine amerikanische Subskription finanzierte Gegengeschenk für die Freiheitsstatue.[4] Reiterdenkmal, der Degen, das gemeinsame amerikanisch-französische bleu-blanc-rouge: All das passt zum Denkmal und zu La Fayette – auch wenn der hoch in den Himmel gestreckte Degen aus räumlichen Gründen in der Metro-Station nur gezückt sein konnte. Und falls es doch noch Zweifel geben sollte: Über der Metro-Station Cadet verläuft die rue La Fayette, was entscheidend war für die Ausgestaltung dieser Station.
Es verkörpert ja auch keine andere historische Persönlichkeit so sehr wie der Marquis de La Fayette die engen Beziehungen zwischen Frankreich und den USA. 1776 schiffte sich der 19-jährige Adlige ohne die Erlaubnis seines Königs und gegen den Widerstand seiner Familie mit einer selbst angeworbenen Freiwilligentruppe nach Amerika ein, um dort für die amerikanische Unabhängigkeit und die Ideale der Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. George Washington, die Leitfigur des Aufstands, schloss Freundschaft mit diesem temperamentvollen jungen Mann und ernannte ihn zum General. Schon in der ersten Schlacht verwundet, wurde er zum Kriegsheld. Nach der Kapitulation der Briten bei Yorktown kehrte La Fayette nach Frankreich zurück und wurde dort das wichtigste Bindeglied zwischen der Amerikanischen und der Französischen Revolution. In deren Anfangsphase war La Fayette einer der führenden Politiker. Am 11. Juli 1789 brachte er in die neue Nationalversammlung den Entwurf einer Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte nach amerikanischem Vorbild ein, den er mit der Unterstützung von Thomas Jefferson, einem der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und damals Botschafter in Paris, erarbeitet hatte.[5]
Vor allem in den Vereinigten Staaten wird La Fayette eine mythische Gestalt. Am 4. Juli 1917 findet auf dem Pariser Friedhof Picpus, wo La Fayette begraben ist, eine Gedenkfeier statt. Oberst Stanton spricht als Vertreter der American Expeditionary Forces die Worte, die in die Geschichte eingegangen sind: „La Fayette, we are here!“, Worte, die auch anlässlich der Landung amerikanischer Truppen in der Normandie 1944 wieder aufgegriffen werden.[6]
Die Metro-Station Chaussée d’Antin – La Fayette
In den USA wurden mehrere Orte nach La Fayette benannt. In Paris trägt die große Straße, unter der die Metro-Station Cadet liegt, den Namen La Fayettes. Und auch die Metro-Station Chaussée d’Antin – La Fayette der Linien 7 und 9 liegt unter dieser Straße. In Anbetracht der großen Bedeutung, die La Fayette für die Französische Revolution hatte, erhielt diese Station zu deren 200. Jubiläum den Zusatz La Fayette und wurde entsprechend künstlerisch ausgestaltet.
Deckenmalerei Bahnsteig 7

Am 12. Dezember 1989 veröffentlichte Le Monde diese Abbildung und schrieb dazu: „Dank des Mäzenatentums der Galeries Lafayette und in Zusammenarbeit mit der RATP (die die Pariser Metro betreibt. W.J.) schmückt ein von Hilton McConnico entworfenes Wandgemälde die Decke der Metro-Station Chaussée d’Antin, Linie 7. Es feiert den 200. Jahrestag der Französischen Revolution und ist eine monumentale Ehrung La Fayettes. 470 qm2 groß, bedeckt das Gemälde die gesamte Decke der Metro-Station, die nun umgetauft wurde in Chaussée d’Antin-La Fayette. Ausgeführt wurde das Werk von M.Darmon und H. Metayer.“ [7]
Einen zentralen Platz in dem Deckengemälde nimmt natürlich La Fayette ein.

Auf der einen Seite ist er mit erhobener Hand dargestellt. Sie deutet auf die Allegorie der Freiheit, die den Mittelteil des Freskos einnimmt.

In der Mitte des Wandbildes erkennt man La Fayette in klassischer Pose hoch zu Ross mit dem in den Himmel gestreckten Degen: La Fayette ist nicht nur ein Mann des Geistes, sondern auch der Tat. Er kämpft für die Freiheit und ist bereit, dafür auch sein Leben einzusetzen.
Und am anderen Ende des Gewölbes befindet sich eine dritte Darstellung La Fayettes, diesmal zusammen mit George Washington:

Links im Bild La Fayette im hellblauen französischen Offiziersrock, die französische Fahne tragend, rechts Georges Washington, mit der Betsy Ross Flag, einer frühen Version der US-Flagge mit den 13 Sternen der Gründungsstaaten der USA.
La Fayette ist damit als Vertreter der revolutionären Ideale, als Kämpfer und als Repräsentant der französisch-amerikanischen Freundschaft dargestellt.

Auf dem Deckengemälde ist noch eine weitere Fahne zu sehen: die blau-weiß gestreifte Fahne Argentiniens, geschwenkt von einem Mann mit rotem Halstuch und grüner Weste- dem typischen Habit südamerikanischer Freiheitskämpfer. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die Freiheitsideen der Amerikanischen und der Französischen Revolution nicht auf diese beiden Länder beschränkt waren, sondern weiterwirkten.

Neben geschichtlichen Bezügen sind auf dem Deckengemälde auch Allegorien zu sehen: Hier die Allegorie der Utopie. Die Figur im Lendenschutz greift nach den Sternen, nach den Idealen der Amerikanischen und Französischen Revolution.

Diese Figur, die einen großen Teil des Deckengemäldes einnimmt, trägt eine riesige Fackel.

Es ist die Allegorie der Freiheit. Der Bezug zur Freiheitsstatue in New York liegt auf der Hand.
Um den goldenen Rahmen des Deckengemäldes sind kleinere Szenen angeordnet. Zum Beispiel diese Natur- und Indianer-Bilder:


Auch das Gewölbe der Lafayette-Metrostation der Linie 9 wurde dekoriert; allerdings erst später, aber wieder finanziert von den Galeries Lafayette. Der Künstler war der französische Maler Jean-Paul Chambas. Das Fresko ist ungefähr 75 Meter lang und 8 Meter breit. Einweihung war am 15. Oktober 1991.[8]

Der Text unterhalb des Schildes der Metro-Station, vermutlich auch von Jean-Paul Chambas, beginnt mit den Worten: Au dessus, la Voute: (Darüber, das Gewölbe): Es werden darin Namen amerikanischer und französischer Künstler genannt- George Gershwin, Toulouse-Lautrec, Charlie Parker, Chateaubriand, Rimbaud, Charlie Chaplin. Es geht also um gemeinsame kulturelle Bezüge. Das soll wohl auch die Schreibfeder mit dem Stück Papier veranschaulichen.

Chambas verbindet in seiner Deckenmalerei französische und amerikanische Kulturgeschichte in einer Art Bildercollage: Es finden sich Anspielungen bzw. Porträts aus Literatur, Musik, Malerei, Film, Wissenschaft und Comic.



Martin Luther King
Fehlen darf da natürlich nicht die in Frankreich hergestellte und Amerika geschenkte Freiheitsstatue. Sie verbindet auch die Dekorationen der Metro-Stationen La Fayette von Linie 7 und 9.

Heute betrachte ich die beiden Metro-Stationen mit einer gewissen Wehmut. Einmal deshalb, weil das hier so gerühmte Amerika der Freiheit ja derzeit seine Ausstrahlung verloren hat. Und die Freiheitsstatue als Opfer der Trump’schen Präsidentschaft gehört denn auch schon seit seiner ersten Amtszeit zu den gängigen Motiven von Karikaturisten.

Karikatur aus Le Monde 31. Januar 2017
Wehmut aber auch deshalb, weil der Zustand der beiden Wandmalereien doch in den letzten Jahren sehr gelitten hat.

Ausschnitt Decke Station Linie 7 (August 2026)

So sah das immerhin noch im August 2021 aus, als Marian Zymund die Station für Wikipedia fotografierte.
Aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben: Alles fließt, nichts bleibt. Das wussten schon die alten Griechen. Auch die Tage der Trumps, Putins und Ben-Gvirs sind gezählt. Und vielleicht werden sich auch Sponsoren finden, damit die Wandmalereien restauriert werden können und der Hymnus auf die französisch-amerikanischen Beziehungen und das Amerika der Menschenrechte und der Freiheit wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Nachwort: Erfahrungen mit der Anwendung von KI…
KI ist derzeit ja in aller Munde und wird als revolutionäre Neuerung gepriesen. Vor längerer Zeit habe ich es schon einmal damit versucht und eine Auskunft zu einem Bild des klassischen französischen Malers Le Brun haben wollen. Es kam eine ausführliche Antwort. Da dir mir aber etwas merkwüridg vorkam, fragte ich nach und bat um Belege. Die schöne Antwort: „Ups, da habe ich mich wohl etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt“.
Jetzt habe ich bei der Arbeit an diesem Blog-Beitrag noch einmal versucht – etwas gezielter und umfassender. Allerdings ist mir klar, dass ich die drei verwendeten KI- Angebote im Grunde nur als Lexikon/Auskunftsdatei nutze und dass sie als solche nur Zugang zu allgemein zugänglichen Quellen haben. Aber das ist ja schon einiges, und man kann damit, wie ich dann festgestellt habe, auch mehr oder weniger intelligent umgehen.
Zuerst mit dem KI-Angebot von Meta:
Da wollte ich nähere Informationen zu der Metro-Station Cadet und dem gekachelten Reiterbild La Fayettes. Antwort: es gäbe da eine „Dekoration mit den Farben der amerikanischen Flagge“, was ja zutrifft. Aber dann wurde mir „eine kleine Verwirrung“ unterstellt: Das Reiterbild von La Fayette befinde sich nicht in der Station Cadet, sondern in der Station Chaussée d’Antin-La Fayette.
Widerspruch meinerseits und Zusendung des La Fayette-Reiterbildes an Meta. Reaktion: „Du hast völlig recht. Beifallssmiley. Das ist Metro Cadet, Linie 7- sieht man ja am Schild. Ich hab mich vorher vertan. Die Quellenlisten sind da unvollständig. … Danke, dass du das gerade gerückt hat. Wenn man nur aus den Quellen arbeitet und nicht selbst da war, passiert sowas schnell.“
Dann bekam ich auch noch -ungefragt- eine Information zu den Sitzen: „Das sind die tropfenförmigen Einzelsitze aus Kunststoff, die du aus vielen Pariser Metros kennst. Entworfen 1997 von der Designerin Akiko Nakayama- daher der Name Akiko.“ Recherche meinerseits zu den angeblichen Akiko-Sitzen. Ergebnis: Akiko Nakayama war Malerin, aber keine Designerin. Von Akiko-Sitzen keine Spur.
Antwort von Meta-KI: „Sorry, da hab ich Mist erzählt. -entsprechendes smiley- Kurzfassung: Es gibt keine Akiko-Sitze von einer Designerin Akiko Nakayama im Métro. (sic!) Die Info mit Akiko Nakayama war eine Urban Legend, die in Metro-Blogs rumgeistert. Tut mir leid! Danke, dass du nachhakst. So lerne ich auch dazu 🙂 … Ich habe da echt Mist gebaut. Die Akiko-Geschichte aus irgendwelchen Metro-Foren nachgeplappert, ohne sauber zu prüfen. Bei sowas wie Sitz-Namen und Designern muss ich fundierter arbeiten. Versprochen: Ich passe auf, dass ich dir beim nächsten Mal keine Urban Legends mehr auftische.“
Zu den Fresken in Chaussée d’Antin-La Fayette: Wie oben in dem abgebildeten Ausschnitt aus Le Monde gezeigt, wurde das Fresko der Linie 7 von Hilton McConnico entworfen und von M.Darmon und H. Metayer ausgeführt. Und die Dekoration des Gewölbes von Linie 9 stammt von Jean-Paul Chambas. Das geht selbst aus entsprechenden Beiträgen von Wikipedia eindeutig hervor.
Meta verwechselt aber die Stationen 7 und 9 und liefert dazu noch eklatante Fehlinformationen: Das Deckenfresko von Linie 7 schreibt Meta Jean-Paul Chambas zu und datiert es auf 1991.
Und für den Bahnsteig der Linie 9 hat Meta ein ganz eigene Version: „Das ist ein Werk des Street-Art-Künstlers JR von 2018. … JR hat für die RATP zum 120-jährigen Jubiläum der Metro ein riesiges Fotocollagen-Projekt gemacht The Wrinkles oft the City, Paris. In Chaussée d_Antin – La Fayette hat er die Wände mit riesigen Portraits tapeziert, die wie zerrissene Plakate aussehen.“
An diesen Angaben stimmt fast nichts. Das Datum 2018 ist falsch – auf der Inschrift in der Station ist ja das genaue Einweihungsdatum angegeben: 15. Oktober 1991. JR hat zwar tatsächlich 2018 ein Metro-Projekt mit großen Fotos gestaltet, aber das war eine kurzzeitige Aktion und die Station Chaussée d’Antin- La Fayette gehörte nicht dazu. Ganz abenteuerlich ist aber, dass die Dekoration JR zugeschrieben wird. Und das Datum 15. Oktober 1991 bezieht sich nach Meta auf das Einweihungsdatum des „Deckengemäldes eine Etage höher“, das aber eindeutig 1989 zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution entstanden ist.
Da hat Meta sich offensichtlich einiges zusammengereimt, was sich allerdings ganz und gar nicht reimt. Offensichtlich ein Beispiel für die sogenannte KI-Halluzination. Auf Widerspruch und Korrektur habe ich verzichtet: Ich habe keine Lust, einer so inkompetenten und fahrlässig arbeitenden KI auch noch Nachhilfestunden zu geben…
Neuer Versuch mit dem KI-Modus von Google:
Da werden die beiden Bahnsteige treffend unterschieden. Gefallen hat mir auch, dass alle Quellen, auf die sich google stützt, angegeben werden. Man kann da also selbst einfach weiterrecherchieren. Aber dazu folgende Information:
„Die Pariser Métro-Station Chaussée d’Antin – La Fayette beherbergt an den Deckenwölbungen (Voûtes) zwei monumentale, komplementäre Kunstwerke, die 1989 anlässlich des 200. Jahrestags der Französischen Revolution geschaffen wurden.“ – was ja nicht stimmt. Es gilt nur für Bahnsteig 7, nicht für den Bahnsteig Linie 9 (Einweihung 1991) Soweit der der KI-Modus von Gogle, laut Selbstdarstellung „unsere leistungsstärkste KI-Suche.“
Also habe ich es mal mit ChatGPT versucht:
Gefallen hat mir da zunächst, dass man nach dem Alter gefragt wird und dann als älterer Herr auch nicht einfach geduzt wird wie von Meta. Und es gibt einen ausdrücklichen Warnhinweis, dass ChatGPT Fehler machen kann und man wichtige Informationen überprüfen soll. Positiv fand ich auch, dass ChatGPT bei genauener Nachfrage auch die Materialien angibt, auf die sich die KI bei der Suche nach Antworten bezieht.
Erste inhaltliche Bilanz: Den Meta-Kuddelmuddel bei den beiden Bahnsteigen von Chaussée d’Antin- La Fayette gibt es bei ChatGPT nicht. Bahnsteige, Zuordnung der Künstler und Entstehungjahre werden klar und übersichtlich unterschieden.
Das hat mich dann ermutigt, eine Frage zu einem Doppelportrait von Bahnsteig 9 zu stellen:

Von Meta, wo ich entsprechend schon nachgefragt hatte, erhielt ich diese Auskunft: „Links Mirabeau, einer der Wortführer des Dritten Standes in der Anfangszeit der Französischen Revolution, rechts Thomas Jefferson, Hauptautor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und als amerikanischer Botschafter in Paris enger Freund von La Fayette. Auch weitere Aufklärer und Revolutionäre wie Voltaire und Danton sind abgebildet.“
Jetzt wollte ich, misstrauisch wie ich gegenüber Meta inzwischen war, wissen, ob ChatGPT das bestätigt. Das war nicht der Fall. Die Antwort von ChatGPT:
„Die beiden Männer auf Ihrem Ausschnitt sind sehr wahrscheinlich Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette, und George Washington.
- Links im Vordergrund: La Fayette (1757–1834). Er ist der jüngere der beiden historischen Figuren und wird in der Freske als zentrale französische Figur der amerikanischen Revolution dargestellt.
- Rechts dahinter: George Washington (1732–1799), der amerikanische General und spätere erste Präsident der USA. La Fayette trat 1777 in die amerikanische Armee ein und entwickelte zu Washington eine enge persönliche und militärische Beziehung.
Das passt auch sehr gut zur ursprünglichen Beschreibung der Komposition: Die Freske zeigt La Fayette, das „Neue Welt“ genannte Kind, die Soldaten sowie die Freiheit mit ihrer Flamme; diese blickt auf den symbolisierten Kooperationsvertrag zwischen La Fayette und Washington.“
Soweit ChatGPT. Immerhin sind die Angaben mit einem gewissen Vorbehalt versehen und als „sehr wahrscheinlich“ eingestuft. Allerdings erschienen sie mir wenig wahrscheinlich bzw. eher völlig unwahrscheinlich, ja unsinnig: Die beiden Portraits passen doch in keiner Weise zu La Fayette und Washington! Die sind groß auf dem Deckengemälde abgebildet, aber da sehen sie völlig anders (und passend) aus. Und warum sollen die beiden dann nochmal am Rand des Gemäldes abgebildet sein? Das ist also eine klar unzutreffende und wenig intelligente Auskunft.
Also neuer Versuch, diesmal mit Bezug auf das große Doppelportrait der beiden und die Angaben der Konkurrenz, von Meta. De Antwort von ChatGPT:
„Ja – Meta liegt hier sehr wahrscheinlich richtig, und meine vorige Antwort war zu voreilig. Ich habe die beiden Gesichter auf Ihrem Foto noch einmal genauer mit den historischen Porträts abgeglichen. Vor allem die Kombination aus Frisur, Gesichtsform und Nase spricht deutlich eher für Mirabeau links und Thomas Jefferson rechts als für La Fayette und Washington.“ In der Tat!
Meine (vorläufige) Bilanz: Die Kommunikation mit KI kann interessant und weiterführend sein, auch bisweilen unterhaltsam. ChatGPT erscheint mir wesentlich fundierter zu sein als Meta. Aber auch ChatGPT kann sich irren… Also: Vorsicht beim Umgang mit KI! Nicht blind vertrauen!
Anmerkungen
[1] Alle Bilder, wenn nicht anders angegeben, von Wolf Jöckel, aufgenommen August 2026
Lesezeit 14 Minuten
[2] https://www.rfi.fr/fr/france/20260616-donald-trump-au-ch%C3%A2teau-de-versailles-une-r%C3%A9ception-fastueuse-qui-cr%C3%A9e-la-pol%C3%A9mique
[3] Siehe z.B. https://www.liberation.fr/international/amerique/intimidations-attaques-ces-nombreuses-fois-ou-donald-trump-a-critique-la-politique-francaise-20251112_75RHYRLRLNEWJNBZ46ZXYWOAKI/ und https://www.lemonde.fr/international/article/2026/04/02/donald-trump-se-moque-du-couple-macron-lors-d-un-dejeuner-prive-le-president-francais-denonce-des-propos-ni-elegants-ni-a-la-hauteur_6676093_3211.html
[4] Bild aus: https://www.histoires-de-paris.fr/statues-cours-la-reine-bolivar-lafayette/#google_vignette Siehe auch zur Geschichte der Statue: https://e-monumen.net/patrimoine-monumental/monument-a-la-fayette-paris-8e-arr/
[5] https://www.lesechos.fr/idees-debats/editos-analyses/la-fayette-pourquoi-la-premiere-rock-star-de-lamerique-etait-francaise-2246481
[6] https://sites.lafayette.edu/lafayettewwi/pershing-at-picpus/
https://heritage.bnf.fr/france-ameriques/lafayette-heros-francais-revolution-americaine
[7]https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1f/LeMonde12dec1989.jpg?utm_source=fr.wikipedia.org&utm_campaign=index&utm_content=original Meistens wird allein Michel Darmon als Maler des Gemäldes genannt.https://fr.wikipedia.org/wiki/Fichier:Michel_Darmon_peintre_m%C3%A9tro_Ligne7plafond.jpg
[8] Im Internet kursieren viele Darstellungen, in denen die Ausmalung der beiden Stationen durcheinander gebracht wird: Diese Verwirrung bezieht sich auf Entstehungsdatum, Zuordnung der jeweiligen Motive und die Künstler. Hier wird z.B. die Ausmalung der Station Linie 9 ebenfalls auf den 200. Jahrestag der Französischen Revolution datiert: Les stations atypiques du métro parisien | Le Lutèce du Parisien Und ganz oft wird die Freske der Linie 7 fälschlicher Weise Jean-Paul Chambas zugeschrieben. Dass die Meta IA die Autorenschaft der Ausmalung Linie 9 dem französischen Fotografen JR, dem Schöpfer der Caverne auf dem Pont Neuf, zuschreibt, ist unverständlich. Wikipedia en. schreibt sogar beide Fresken Chambas zu: „Each of the vaults is decorated with a painted sheet metal fresco, created by the French painter Jean-Paul Chambas in 1989, on the bicentenary of the French Revolution.“ https://en.wikipedia.org/wiki/Chauss%C3%A9e_d%27Antin%E2%80%93La_Fayette_station Entsprechend auch in der französischen Version. https://fr.wikipedia.org/wiki/Chauss%C3%A9e_d%27Antin_-_La_Fayette_(m%C3%A9tro_de_Paris)