Vor 10 Jahren, im Mai 2016, habe ich auf diesem Blog zwei Beiträge über die Normandie veröffentlicht: In dem ersten Artikel ging es u.a. um die große Spannweite der noch erhaltenen authentischen Zeugnisse aus der Zeit der Kämpfe in der Normandie. Die Landungsstrände sind ja gewissermaßen ein „Freilichtmuseum.“ [1]
Seit 2008 haben vor allem die Region Normandie, der französische Staat und die betroffenen Départements und Gemeinden sich dafür engagiert, die Landungsstrände in das Weltkulturerbe der UNESCO aufzunehmen.

Aufruf zur Unterstützung der Kandidatur der Landungsstrände für die Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO. Schaufensterscheibe eines Geschäfts in Trevières, April 2016
Es war von Anfang an ein außergewöhnliches Projekt, weil es sich ja nicht, wie meistens, um kultur- und kunstgeschichtlich herausragende Objekte handelt, sondern um einen Kriegsschauplatz. Und es dauerte denn auch 18 Jahre, bis die Bemühungen Erfolg hatten: Nach einem ersten Versuch 2018 wurde 2024 ein neuer Antrag gestellt, der schließlich am 26. Juli 2026 von dem Welterbekomittee positiv beschieden wurde.[2] Hier die Beschreibung des neuen Welterbes durch die UNESCO:
„Das Kulturgut besteht aus einer Serie von sechs Bestandteilen, die sich über etwa achtzig Kilometer Küstenlinie entlang der Seine-Bucht erstrecken. Es umfasst Utah Beach, Omaha Beach, Gold Beach, Juno Beach und Sword Beach sowie den Landungsort Pointe du Hoc. Diese Stätten stehen im Zusammenhang mit der Landung der Alliierten am 6. Juni 1944, der Anfangsphase der Operation Overlord, deren Ziel es war, Westeuropa während des Zweiten Weltkriegs von der Besetzung durch Nazideutschland zu befreien. Das Kulturgut bewahrt Elemente des deutschen Atlantikwalls, darunter Bunker, Artilleriebatterien, Feuerleitstellen und „Widerstandsnester“, sowie Überreste des Schlachtfelds, originale Ausrüstung und bedeutende Gedenkstätten und Denkmäler, insbesondere den amerikanischen Friedhof in Colleville-sur-Mer. Zusammen bilden diese Elemente eine Reihe von Stätten, die durch die Ereignisse von 1944 und das spätere Gedenken daran geprägt sind.“[3]

Diese Landungsstrände wurden von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt, weil sie dem Kriterium (vi) der Welterbekonvention entsprechen. Als Welterbe gelten danach „Stätten, die mit Ereignissen von außergewöhnlicher universeller Bedeutung verbunden sind.“ Bezogen auf die Landungsstrände heißt es im Beschluss des Gutachtergremiums (ICOMOS)[4]:
„Die Landungsstrände sind unmittelbar und nachweisbar mit einem Ereignis von außergewöhnlicher universeller Bedeutung verbunden: der Landung der Alliierten am 6. Juni 1944. Dieses Ereignis markierte den Beginn der Befreiung Westeuropas vom Nationalsozialismus und wird weltweit als Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg verstanden.“
Außerdem handele es sich um eine außergewöhnliche Kulturlandschaft:
„Die Stätte bildet eine außergewöhnliche Kulturlandschaft, die sowohl durch die Ereignisse von 1944 als auch durch das bis heute anhaltende Gedenken geformt wurde. Die physischen Überreste -Befestigungen, Krater, Wracks, der Mulberry-Hafen- verbunden mit Friedhöfen, Denkmälern und Museen, tragen die universelle Botschaft von Freiheit, Frieden und Versöhnung“.
Und schließlich und nicht zuletzt wird der universelle Wert der neuen Welterbe-Stätte betont:
„Die Normandie-Strände stehen nicht für Sieg oder Niederlage einer Nation, sondern für den gemeinsamen Kampf für Freiheit. Sie sind zu Orten des Gedenkens für Menschen aller Nationen geworden und verkörpern die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden auf dem europäischen Kontinent.“

Die Gemeinsamkeit des Kampfes wird gerade auch von französischer Seite betont. Es seien ja nicht nur die USA, Großbritannien und Kanada gewesen, die die Landungsoperationen ausgeführt hätten, sondern insgesamt hätten „17 Nationen ihre militärischen, logistischen, politischen und menschlichen Ressourcen für diese einzigartige Operation“ mobilisiert. [5] Am zentralen Gedenkort der Landungsstrände in Saint-Laurent-sur-Mer am Omaha Beach wehen denn auch die Fahnen von neun der beteiligten Nationen:

Dänemark, Norwegen, Niederlande, Großbritannien, Frankreich

USA, Kanada, Belgien, Polen
Nimmt man die Erklärung der UNESCO zum universellen Wert der Landungsstrände beim Wort, müsste hier eigentlich auch eine deutsche Fahne wehen; war doch die alliierte „Invasion“ ein entscheidender Beitrag, Deutschland von der Nazi-Herrschaft zu befreien. Und das Ende des Dritten Reichs wurde von deutschen Antifaschisten, die es doch auch gab, herbeigesehnt und unterstützt. Ich verweise hier nur als Beispiel auf den in Paris tagenden sogenannten Lutetia-Kreis. Und Bundeskanzler Willy Brandt hätte in ein würdiger Vertreter Deutschlands bei D-day-Jubiläen sein können. Es war aber erst Gerhard Schröder, der am 6. Juni 2004 als erster offizieller Repräsentant Deutschlands an einem solchen Jubiläum teilnehmen durfte: Auf Einladung des französischen Präsidenten Jacques Chirac beim 60. Jahrestag der alliierten Landung. Zu diesem Jubiläum wurde auch das eindrucksvolle Denkmal Les Braves am Strand von Saint-Laurent-sur-Mer eingeweiht.

Zu den D-day-Jubiläumsfeierlichkeiten war auch, heute kaum noch vorstellbar, der russische Präsident Putin 2004 und 2014 eingeladen. Aus dem Treffen von 2014 ging das sogenannte Normandie-Format hervor, eine 4-Länder- Kontaktgruppe (Russland, Ukraine, Frankreich, Deutschland/Merkel), deren Ziel es sein sollte, den Ukraine-Konflikt friedlich beizulegen. Dieser Versuch einer diplomatischen Lösung ist bekanntlich mit dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine gescheitert. Wenn der Direktor des Mémorial de Caen die Frage aufwirft, welchen Beitrag das Débarquement leisten kann, „die großen Fragen unserer Zeit“ zu erhellen[6], dann verstehe ich das als Hinweis auf den Ukraine-Krieg und als Aufforderung zum gemeinsamen Kampf gegen den russischen Aggressor…
Dass am Omaha Beach die Tricolore neben dem Sternenbanner in der Mitte der Fahnenreihe hängt, ist selbstverständlich, ging es doch am 6. Juni 1944 zunächst um die Befreiung Frankreichs von deutscher Besatzung. Und außerdem waren auch Franzosen beteiligt; vor allem französische Marineinfanteristen des Kommando Kieffer, die mit den britischen Truppen am Sword-Beach an Land gingen.[7] Auch hinter der Front waren Franzosen im Einsatz. So unser inzwischen verstorbener Freund Remi Dreyfus. Er hatte sich nach der französischen Niederlage 1940 als junger Soldat zu de Gaulle nach England durchgeschlagen und wurde von der RAF als Fallschirmspringer ausgebildet. Im Zuge der alliierten Landung war er über Frankreich abgesetzt worden, um Kontakt mit der Résistance aufzunehmen. Ziel war es, im Innern Frankreichs stationierte deutsche Truppen am Marsch zu der Normandie-Front zu hindern.
Was bedeutet die Verpflichtung, das Welterbe zu erhalten, für die Landungsstrände?
Die über 80 seit der Landung der Alliierten in der Normandie vergangenen Jahre sind nicht spurlos an den Relikten aus der damaligen Zeit vorbeigegangen, soweit sie nicht in einem der zahlreichen Museen konserviert werden.

Amerikanischer Panzer vor dem Overlord-Museum, Omaha Beach
Es gibt natürliche Zerfallsprozesse, die durch den Klimawandel noch verstärkt werden. Die Landungsstrände sind der Erosion ausgesetzt: An den Stränden kann man Reste des „Atlantikwalls“ finden, die damals in den Dünen verborgen waren. Manchmal bei Ebbe noch sichtbare Gerippe von Landungsbooten verrosten und verfallen immer mehr. Wie an anderen Stellen der normannischen Küste (z.B. Étretat) sind auch die steilen Klippen zwischen den Landungsstränden bedroht. Es gab schon große und gefährliche Abbrüche.

So an der strategisch wichtigen und 1944 hart umkämpften Pointe du Hoc zwischen Omaha- und Utah-beach.[8] Und die Feuerleitstelle der deutsche Küstenbatterie in Longues-sur-Mer zwischen Omaha-und Gold- beach ist seit 2025 nicht mehr zugänglich, weil die entsprechende Felspartie vom Absturz bedroht ist. [9]

Ruinen deutscher Geschützstellungen bei Granville zwischen Omaha – und Utah Beach (Aufgenommen Sept 2019)

Gerippe eines Landungsbootes am Omaha Beach, zum Teil mit Miesmuscheln bewachsen…

All das ist nur noch bei Ebbe zu sehen…

Betonteile des „Atlantikwalls“ am Strand

Ruinen eines sogenannten „Widerstandsnests“ der Wehrmacht in den Dünen von Omaha Beach. Insgesamt gab es im Bereich dieses 8 km langen Strandes 14-15 solcher großen Stützpunkte (WN 60-74), die zum Teil noch im Bau waren. Dazu kam eine dreistellige Zahl kleinerer Stellungen.
So überschwemmt und überwuchert die Natur allmählich manche Zeugnisse des débarquement vom 6. Juni 1944. Das war sicherlich eine wesentliche Motivation, die Erinnerung an diesen Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges durch eine Aufnahme der Landungsstrände in das Welterbe der UNESCO wachhalten zu wollen. Denn die Einschreibung in das Weltkulturerbe schließt, wie das französische Kultusministerium hervorhebt, ausdrücklich die Verpflichtung ein, „diese Gedenklandschaften zu erhalten. Sie unterstreicht, wie wichtig es ist, die Überreste, Landschaften und Gedenkstätten zu schützen.“ [10] Und die UNESCO wacht auch darüber, dass erhalten und schützen ernst genommen werden. Bei der getreuen Rekonstruktion des bei dem Brand zerstörten Dachreiters von Notre-Dame hat denn auch das Argument, durch eine eventuelle andere Lösung nicht den Welterbestatus der Kathedrale zu gefährden, eine wesentliche Rolle gespielt. Und am Beispiel des modern ergänzten Cranach Altars im Naumburger Dom wurde erst kürzlich deutlich, wie penibel die UNESCO die Verpflichtung zur Erhaltung interpretieren und durchsetzen kann.[11]
Bei den Landungsstränden ist es allerdings völlig unmöglich, die Verpflichtung zur Erhaltung strikt auszulegen. Gegen den Zahn der Zeit ist auch die UNESCO machtlos. Es wäre ja auch völlig absurd, die vielen Bauwerke des „Atlantikwalls“ im Bereich der Landungsstrände vor dem weiteren (verdienten) Verfall zu bewahren. Sie haben ja nun wirklich nicht den Adelstitel eines „Kulturguts“ verdient.
Ausnahmen wird es allerdings geben. Dies gilt vor allem natürlich für die Bauwerke, die inzwischen als Museen dienen und zur offiziellen Besichtigung freigegeben sind . Vielleicht auch für herausragende Anlagen wie die mächtige Batterie von Langues-sur-Mer (so lange die Klippen, auf denen sie gebaut ist, noch dem Klimawandel standhalten).

Und da würde die Erhaltung ja auch dazu dienen, die Leistung der alliierten Landungstruppen besonders anschaulich zu machen.

D-day war, was gerne herausgestellt wird, das größte Landungsunternehmen der Geschichte. Wie herausfordernd dieses Unternehmen war, wird eindrücklich sichtbar am port Mulberry B, dem künstlichen Hafen, den die Engländer bei Arromanches errichtet haben. Es war den Alliierten ja klar, dass sie bei dem geplanten Landungsunternehmen auf einen funktionierenden Hafen für den erforderlichen immensen Nachschub angewiesen sein würden. Nach dem katastrophal gescheiterten Landungsunternehmen der Kanadier in Dieppe am 19. August 1942 (Operation Jubilee) mussten sie aber erkennen, dass die existierenden Häfen zu gut geschützt waren, also nicht infrage kommen konnten. Also hatten die Engländer die geniale Idee, direkt nach der Landung künstliche Häfen anzulegen; einen am Omaha-Beach (Mulberry A), der aber schon am 19. Juni 1944 einem Sturm zum Opfer fiel, und Mulberry B vor Arromanches, über den der Normandie-Brückenkopf erfolgreich mit Nachschub versorgt wurde, bis der Hafen von Cherbourg diese Rolle übernehmen konnte.[12]

Es wird kaum möglich sein, das, was heute von dem Hafen noch erhalten ist, dauerhaft gegen das Meer zu verteidigen. Schon jetzt stecken viele seiner Teile im Sand und sind nur noch bei Ebbe sichtbar. Es ist ein Erbe, „voué à disparaitre“, dessen Bestimmung es also ist zu verschwinden.[13]
Aber der Hafena war schließlich auch nur für wenige Monate des Sommers 1944 gebaut. Immerhin stehen einige Brückenteile noch an Land, ebenso wie in Vierville-sur-Mer am Omaha-Beach. Die sind als Monument historique klassifiziert und geschützt. Aber es wird schon schwer und kostspielig genug sein, auch nur diese Teile dauerhaft zu erhalten.



Nicht nur im Blick auf den prestigeträchtigen Welterbestatus wird man einige solcher spektakulären Zeugnisse der Vergangenheit wohl bewahren: Es geht ja dabei auch um die touristische Attraktion der Landungsstrände. Dass die ungebrochen ist, wird auf Schritt und Tritt deutlich.

Touristen am zentralen Gedenkort Omaha Beach

Amerikanische Militärfahrzeuge, die für Schlachtenbummler-Rundfahrten angeboten werden.


Ein Kabinett mit D-day-Devotionalien in einem Geschäft in Trevières

Blick durch eine Windschutzscheibe

Verständlicherweise sind es gerade Amerikaner, die gerne die Landungsstrände, und dabei natürlich vor allem Omaha Beach, besuchen. Wo sonst flattern auch so viele Sternenbanner im Wind…

… und wo sonst in der Welt können bei einem Auslandseinsatz gefallene amerikanische Soldaten als Helden präsentiert werden, ohne Befremden, Ablehnung oder gar Hass zu erzeugen?

Zu dem Erbe der Landungsstrände und ihrer touristischen Attraktion gehören auch die vielen Denkmäler, die an den Einsatz einzelner Verbände oder auch Einzelpersonen erinnern.
Sehr eindrucksvoll ist das eher unscheinbare Memorial des Gap Assault Team 10 im Abschnitt Easy Red von Omaha Beach zwischen Saint-Laurent und Colleville-sur-Mer.

Die Mission des Gap Assault Team 10 gehörte zum Plan, am Omaha Beach sechzehn Fahrrinnen durch die Zone von Hindernissen zu öffnen, die auf Initiative Rommels an den möglicen Landungsstränden aufgebaut worden waren. Die freigeräumten Korridore sollten es den folgenden Einheiten, Fahrzeugen und der Versorgung ermöglichen, vom Ufer aus voranzukommen. [14]

Ebenfalls in diesem hart umkämpften Abschnitt liegt bei Colleville-sur-Mer der Betonbrocken eines Bunkers auf dem Strand, der sogenannte Ray’s Rock.

Eine Tafel erinnert an die Sanitäter, die in diesem Abschnitt im Einsatz waren. Zu ihnen gehörte auch Ray Lambert, der am 6. Juni, selbst verwundet, unter Beschuss Kameraden aus dem Wasser zog und versorgte.[15]

Außergewöhnlich ist auch das 2017 errichtete Charles Shay Indian Memorial in den Dünen von Saint-Laurent-sur-mer. Es erinnert nicht nur an den Sanitäter Charles Shay, sondern an die insgesamt etwa 500 amerikanischen Soldaten indianischer Abstammung, die an den Landungsoperationen teilnahmen.

Die Schildkröte aus Granit steht in vielen indianischen Mythologien für Weisheit und Langlebigkeit. Später wurde auch noch eine Büste von Charles Shay hinzugefügt, der sich im Rahmen der Veteranenbewegung besonders dafür engagierte, die Erinnerung an die amerikanischen Soldaten indianischer Abstammung wachzuhalten.

Shay wurde 101 Jahre alt und verbrachte seine letzten Lebensjahre in der Normandie. Bei der Einweihung des Memorial sagte Shay, die „Natifs“ würden nirgendwo sonst so geehrt wie in der Normandie.[16]
Ein Denkmal für die 1700 schwarzen Soldaten, die an der Landung teilgenommen haben, gibt es übrigens nicht. Selbst 2009, beim 65. D-day- Jahrestag, an dem auch Präsident Obama teilnahm, wurde ihrer nicht gedacht. Einer von ihnen, der Jazz-Musiker Jon Hendricks, beklagte damals den Rassismus der durchweg weißen amerikanischen Offiziere, für die die schwarzen Soldaten nur Menschenmaterial gewesen seien.[17]
Das neueste und äußerst aufwändig gestaltete Denkmal am Omaha Beach ehrt die Pioniere (demolition units), die als erste an Land gingen, um Breschen in die am Strand aufgebauten Hindernisse zu schlagen: „Den Einwohnern von Saint-Laurent-sur mer, der Großzügigkeit unserer Geldgeber (die nachfolgend in aller Ausführlichkeit aufgeführt werden W.J.) und den Männern des 6. Juni“.[18]

Teil des Denkmals ist auch ein in einen Granitblock gemeißelter, heroisch in den Kampf schreitender, natürlich weißer Soldat in seiner Kampfausrüstung vom 6.. Juni 1944. Davor eine Panzersperre Igel, auch Tschechenigel genannt, das am meisten verwendete Panzerhindernis.

Ich vermute, dass das Denkmal auch Präsident Trump gut gefallen würde. Jedenfalls passt es, wie ich finde, gut in seine Ära.
Die noble steinerne Umrandung des Monument Park wird übrigens gerne von Menschen genutzt, die vom Strand zurückkommen, um die Füße vom Sand zu säubern und wieder ihre Schuhe anzuziehen….
Was bedeutet nun die Anerkennung als Weltkulturerbe für die Zukunft der Landungsstrände? Sie auf dem heutigen Stand zu konservieren, ist auch für die UNESCO keine Option. Gefordert wird aber:
- Die Dokumentation des Bestandes, die aber schon im Rahmen der Bewerbung vorgenommen wurde.
- Der Schutz vor Raubbau (Souvenir-Jäger, Bebauung). Dies war übrigens ein Grund für Gegner der Windkraft, das UNESCO-Projekt zu unterstützen. So soll der Bau von Windrädern im Bereich der Landungsstrände, also auch im Meer, verhindert werden.
- Die Erklärung und Vermittlung durch Informationstafeln und Museen. Über den Ablauf der Landung gibt es schon eine Vielzahl von Informationsgelegenheiten. Allein am Omaha Beach präsentieren zwei Museen entsprechendes Material. Allerdings nicht über die zivilen Opfer, die es ja auch gab- man denke nur an das von englischen und amerikanischen Bomben in Schutt und Asche gelegte Saint-Lô, die „capitale des ruines“ (Samuel Becket), an Saint-Malo oder Le Havre. Und ich weiß nicht, inwieweit es auch schon hinreichende Informationen gibt oder geben wird über den Bau des Atlantikwalls, eines durchaus gewaltigen Unternehmens, das zwar von den Nazis geplant und organisiert, aber an den französischen Küsten von Franzosen ausgeführt wurde, wovon manche durchaus profitierten. Man hat den Atlantikwall deshalb als ein „Monument der Collaboration“ bezeichnet. [19] Ich würde auch gerne etwas erfahren über die am „Atlantikwall“ eingesetzten deutschen Soldaten. Geht man über den deutschen Soldatenfriedhof von La Cambe, wo viele in den Normandie-Kämpfen gefallene deutsche Soldaten bestattet sind, sieht man oft die Gräber ganz junger und vieler älterer Soldaten, auch solcher mit ausländischen Namen…Und wie viele deutsche Soldaten wurden bei der alliierten Landung getötet. Für jeden der 5 Landungsstrände gibt es schließlich genaue Zahlenangaben der alliierten Opfer. Und wo waren diese Soldaten in Erwartung der „Invasion“ untergebracht? Und welche Kontakte gab es zwischen ihnen und der lokalen Bevölkerung?
Viele Fragen, auf die man an den Landungsstränden eher keine Antworten erwarten kann…
Anmerkungen:
[1] Alle Fotos des Beitrags von Frauke und Wolf Jöckel, überwiegend aufgenommen im August 2026 am Omaha Beach, dem größten und für die alliierten Truppen verlustreichsten der fünf Landungsstrände.
14 Minuten Lesezeit
[2] https://www.normandie.fr/les-plages-du-debarquement-patrimoine-mondial
[3] https://whc.unesco.org/fr/list/1581/
[4] Beschluss des UNESCO Weterbekomitees, 48. Sitzung Busan (Südkorea) 2026 und ICOMOS Evaluation Report: The D-Day Landing Beaches, Normandy, 1944 – Advisory Body Evaluation
[5] https://www.culture.gouv.fr/regions/drac-normandie/actualites/les-plages-du-debarquement-normandie-1944-inscrites-sur-la-liste-du-patrimoine-mondial-de-l-unesco
[6] https://www.memorial-caen.fr/wp-content/uploads/2026/07/CP-Memorial-de-Caen-UNESCO-Memorial-de-Caen-Juillet-2026.pdf
[7] Les Commandos français à Sword Beach: https://www.caenlamer-tourisme.fr/decouvrir-caen-la-mer/sur-les-traces-du-debarquement-et-de-la-bataille-de-normandie-a-caen/les-commandos-francais-a-sword-beach/
[8] https://www.lemonde.fr/planete/article/2024/06/03/debarquement-la-bataille-contre-l-erosion_6237101_3244.html
[9] https://www.ouest-france.fr/environnement/rechauffement-climatique/on-sy-attendait-a-la-batterie-de-longues-sur-mer-lerosion-oblige-a-fermer-une-partie-du-site-9ff99e3a-19eb-11f0-a759-74724e64dd56
[10] https://www.culture.gouv.fr/regions/drac-normandie/actualites/les-plages-du-debarquement-normandie-1944-inscrites-sur-la-liste-du-patrimoine-mondial-de-l-unesco
[11] Trotz Kritik von Kirche und Künstler. Streit um Altar im Naumburger Dom: Forderungen der Unesco werden wohl erfüllt. MDR 21.8.2025 https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/burgenland/naumburg-dom-triegel-altar-streit-unesco-kultur-news-100.html
Vatikan bestätigt Umzug des umstrittenen Naumburger Altars. Weil ein zerstörtes Altarbild wiederhergestellt wurde, droht dem Naumburger Dom der Verlust des Weltkulturerbetitels. Deshalb wird der Altar jetzt nach Rom verlegt. 28. 9.2025 https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-09/naumburger-dom-altar-unesco-weltkulturerbe-rom
[12] Au large de Arromanches-les-Bains – Le port Mulberry B (EA 4221) Prospection avec materiel spécialisé (2011). https://journals.openedition.org/adlfi/76913?lang=fr
[13] https://archeologie.culture.gouv.fr/epaves-debarquement/fr/des-facteurs-de-degradation-multiples
[14] https://www.dday-overlord.com/de/map_point/memorial-des-gap-assault-team-10-easy-red-colleville-sur-mer
[15] https://www.smithsonianmag.com/history/one-few-surviving-heroes-d-day-shares-his-story-180972323/
[16] https://www.ouest-france.fr/d-day/78e-d-day-le-veteran-charles-shay-passe-le-relais-de-la-memoire-a-julia-kelly-efc96c10-e3ed-11ec-bb25-7d471ff200ae
[17] Jon Hendricks, soldat noir du D-Day : «Tous nos officiers étaient blancs et racistes» L’INA éclaire l’actu vom 29.5.2024 https://www.ina.fr/ina-eclaire-actu/jon-hendricks-debarquement-normandie-6-juin-1944-noirs-soldat-racisme
[18] https://www.dday-overlord.com/map_point/naval-combat-demolition-units-memorial-saint-laurent-sur-mer
[19] Jérôme Prieur, Le mur de l’Atlantique. Monument de la Collaboration, Paris, Points Histoire Seuil, 2017
Siehe auch die beiden d-day-Blogbeiträge von 2016:
Merci für diesen interessanten und spannenden Beitrag zur Landung der Alliierten in der Normandie.
Ist es Zufall, dass der Beitrag ausgerechnet am 15. August erscheint? Um so erstaunlicher finde ich es, dass an diesem Datum nicht mal mit einem Nebensatz auf die zweite alliierten Landunf, die Operation Dragoon, heute vor 82 Jahren in der Provence hingewiesen wird.
Hier, im Departement Var, findet heute in fast jedem Ort eine entsprechende Veranstaltung statt, oftmals mit sehr umfangreichen Defilées historischer (Militär)Fahrzeuge, zeitgenössischer Kleidung und Musik … – Feste, die noch immer die unbändige Freude über die Befreiung vermitteln.
Bei allem Respekt vor dem 06. Juni, ich finde es schade, dass die südfranzösische Landung, die ebenso erfolgreich und strategisch wichtig war, oftmals ein wenig im Schatten des D-Day steht.
Cordialement Jürgen Hollstein
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bonjour und vielen Dank für Ihren Kommentar. Natürlich wäre es gut und gerade heute passend gewesen, auf die Landung in der Provence hinzuweisen. Möchten Sie dazu vielleicht einen Gastbeitrag beisteuern? Würde mich freuen! Bien cordialement Wolf Jöckel
wolf.joeckel@gmx.net
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