Bilder des Monats September 2026: Eine koloniale Art Déco-Fassade im 8. Arrondissement

Paris ist reich an wunderbaren Fassaden. Viele davon im Art Déco-Stil aus den 1920-er und 30-er Jahren. Eine besonders schöne und interessante hat das Haus Nr. 34 in der rue Pasquier im 8. Arrondissement. Große Reliefs mit exotischen Tieren schmücken die Fassade: ein Elefant und ein Kamel über dem Eingang, daneben und darüber weitere exotische Tiere…

Die Fassade passte zu dem Zweck des 1927 von den Architekten Alexandre und Pierre Fournier errichteten Gebäudes: Es gehörte nämlich der Société financière française et coloniale (SFFC), die Kapitalanlagen in kolonialen Projekten vermittelte.

Der damalige Chef der Gesellschaft Octave Homberg, beauftragte den Bildhauer Georges Saupique mit der „standesgemäßen“ Ausschmückung des Gebäudes und der Gestaltung der Reliefs.

Allerdings geriet das Unternehmen durch die Weltwirtschaftskrise von 1929, durch Aufstände in den südostasiatischen Kolonien und durch immer gewagtere Finanzanlagen bald nach Fertigstellung des Gebäudes in finanzielle Schieflage. Octave Homberg, als Finanz-„Hai“ verschrien, musste seinen Posten räumen, und das Haus in der rue Pasquier wurde 1933 verkauft. Als Sanierer zeichnete sich übrigens Edmond Giscard d’Estaing aus, der Vater des späteren Staatspräsidenten Valérie Giscard d’Estaing. 1931, mitten in ihren damaligen Turbulenzen, nahm die SFFC an der großen Kolonialausstellung im Bois de Vincennes teil. Der nach Ende der Ausstellung abgerissene Pavillon der Gesellschaft wurde von Georges Saupique ausgeschmückt. Es gibt aber dort noch das zentrale Ausstellungsgebäude (inzwischen das Einwanderungsmuseum), dessen Fassade mit kolonialen Reliefs geschmückt ist.

Seit 2022 ist das Haus in der rue Pasquier Sitz des Labels LANCEL. Das ist  ein Produzent von luxuriösen Lederwaren, der sich in diesem Bereich als Konkurrent von LVHM und Hermès sieh. Die Wahl dieses Firmensitzes sei eine Hommage an das Pariser Erbe mit seiner harmonischen Mischung von Tradition und Moderne und Ausdruck des kreativen Muts der Marke. Vielleicht gehört dazu ja auch, wie bei Hermès, die Herstellung von Taschen aus Krokodilleder – zur Fassade des Hauses würde das jedenfalls gut passen…

Das ganz in der Nähe, in der rue d’Anjou Nummer 51 gelegene, 1927 im Haussmann-Stil fertiggestellte noble Haus gehörte übrigens auch der SFFC. Auch hier weist der im ostasiatischen Stil gestaltete Fassadenschmuck auf den in der kolonialen Finanzindustrie engagagierten damaligen Hausherren hin.