Der Elefant der Bastille

Geht man über den kürzlich neu gestalteten Bastille-Platz, so wird man die verstreut in das Pflaster eingelassenen Symbole entdecken.

Da gibt es Jahreszahlen: 1789, 1830, 1848 und 1871 – also die Daten von Revolutionen, bei denen dieser Platz eine besondere Rolle spielte.

Natürlich gibt es auch ein Bild der Bastille, die hier einmal stand und die dem Platz seinen Namen gegeben hat.

Und dann gibt es auch einen Elefanten.

Einen Elefanten!? Wie kommt der denn auf den Bastille-Platz? Was hat er zu bedeuten?

Hier die interessante und unterhaltsame Geschichte des Bastille-Elefanten:

Entstanden ist der Bastille-Platz 1789, nachdem die Bastille – Festung unmittelbar nach ihrer Erstürmung am 14. Juli 1789 bis auf den letzten Stein niedergelegt worden war. Da war nun ein großer freier Platz, dessen mögliche Nutzung  die Phantasien beflügelte. Natürlich lag es nahe, dort den Jahrestag des 14. Juli zu feiern. Das war zwar noch lange kein Nationalfeiertag, aber schon seit 1790 wurde auf der Place de la Bastille am 14. Juli gefeiert und getanzt – zumal ja den Revolutionären auch das besondere Verdienst zukam, die Bastille in der besten Jahreszeit gestürmt zu haben.

1794, zur Zeit des jacobinischen Terrors,  kam dann eine neue Verwendung hinzu: Da wurde nämlich die Guillotine auf der Place de la Bastille aufgestellt- allerdings schon bald wieder auf die Place de la Nation verlegt: Die durchaus revolutionsfreudigen Bewohner des Faubourg Saint-Antoine hatten sich nämlich über die ständig das Viertel durchquerenden Karren mit den blutigen Körpern der Guillotinierten beklagt. Gerade für die dort ansässigen Handwerker war das wenig verkaufsfördernd. Die Place de la Nation war da geeigneter:  Von dort aus war der Weg zu den Massengräbern in den Gärten des ehemaligen  Klosters Picpus nur sehr kurz… [1]

Jetzt war der Platz wieder frei. Gewissermaßen eine Steilvorlage für Napoleon, den auch städtebaulich hoch ambitionierten Kaiser. Der unterschrieb am 18. Februar 1806 ein Dekret, das die Errichtung eines Triumphbogens zum Ruhm der Grande Armée befahl. Die ersten Pläne wurden erstellt und als Ort zunächst die  Place de  la Bastille in Aussicht genommen: Statt des Symbols des despotischen Ancien Régime jetzt also die Feier der Grande Armée und ihres Feldherrn. Allerdings war die Topographie an dieser Stelle dem Projekt wenig zuträglich. Die Straßen liefen nicht in geometrisch akkurater Form auf den Platz zu, so dass die Architekten die Place de l’Étoile als geeigneteren Standort vorschlugen. Der lag immerhin auch auf der großen Pariser Ost-West-Achse und war von der kaiserlichen Residenz im Palais des Tuilerien aus zu sehen.

Für den Bastille-Platz sah Napoleon nun aber ein anderes Projekt vor, das mindestens ebenso ambitioniert war wie das des großen Arc de Triomphe.  Am 26. Oktober 1808 ließ er seinem Innenminister Emmanuel Crétet einen kaiserlichen Erlass zukommen: Crétet wurde beauftragt, unverzüglich die Planung eines Brunnens auf der Place de la Bastiille zu veranlassen. Dieser Brunnen aus Bronze oder jedem anderen Material solle die Form eines Elefanten mit einem Turm auf dem Rücken haben, wie das „bei den Alten üblich“ gewesen sei. Als Tag der Grundsteinlegung sah Napoleon den  2. Dezember vor, den Jahrestag seiner Krönung, an dem auch die Ankunft des Wassers vom Canal de l’Ourcq gefeiert werden sollte.[2]

Die hier von Napoleon vorgenommene Verknüpfung der Grundsteinlegung des Elefantenbrunnens auf dem Bastille-Platz und der Inbetriebnahme des Canal de l’Ourcq ist Teil eines großen Projekts zur Verbesserung der Wasserversorgung der Stadt und ihrer Bevölkerung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Wasser ein nur in sehr begrenztem Maße verfügbares kostbares Gut in Paris: Die Pariser hatten damals durchschnittlich nur 15 Liter Wasser zur Verfügung, heutzutage verbraucht ein Franzose achtmal so viel! Um der Wasserknappheit abzuhelfen, verfügte Napoleon schon 1806 den Bau von 15 neuen Brunnen. Den zusätzlichen Wasserverbrauch sollte der Canal de l’Ourcq sicherstellen, der frisches Wasser aus dem Nordosten nach Paris leiten und das Bassin de la Villette alimentieren sollte; ein riesiges, aus zwei Teilen bestehendes Wasserreservoir: Das eine 80 Meter breit und 700 Meter lang, das andere 30 Meter breit und 600 Meter lang!

Der Übergang vom breiten unteren zum schmaleren oberen Bassin de la Villette

Um das große Werk rechtzeitig zum 2. Dezember 1808 fertigzustellen, wurden übrigens auch 300 preußische Kriegsgefangene für den Bau eingesetzt![3]

Und wie von Napoleon gewünscht, konnte der mit der Planung des Brunnens beauftragte Architekt, Jacques Célerier, eine Bronzetafel präsentieren, die in den Grundstein eingelassen werden sollte: Darin wird natürlich „Napoleon der Große“ gebührend gefeiert, „der Kaiser der Franzosen, König von Italien, Protektor des Rheinbundes und immer siegreich“. Und es wird festgehalten, dass auf den Ruinen der Bastille ein öffentlicher Brunnen errichtet werde, dem der Kanal de l’Ourcq das Wasser liefere.[4]

Und warum sollte der Brunnen ausgerechnet in Form eines Elefanten gestaltet sein? Denn dass es ein Elefant sein sollte, bekräftigte Napoleon noch einmal ausdrücklich in einem Dekret vom 9. Februar 1810: Es solle ein Elefant aus Bronze sein,  fondu avec les canons pris sur les Espagnols insurgés, aus dessen Rüssel das Wasser sprudeln solle.[5]

Napoleon hat sich nicht dazu geäußert, warum er gerade einen Elefanten-Brunnen wünschte. Aber „implizit war die Idee zu diesem Denkmal – im nach-revolutionären Paris entstanden – eine Hommage an die Stärke des französischen Volkes. Der Elefant wird somit als Symbol des siegreichen Volkes gegen die Monarchie aufgefasst“. So verstand es auch Victor Hugo, der in Les Misérables den Bastille-Elefanten als „une sorte de symbole de la force populaire“ bezeichnete. Indem das Brunnenmonument aus den von den Spaniern eroberten Kanonen gegossen werden sollte, wird der Elefant aber auch als Siegesdenkmal und Symbol der Stärke des napoleonischen Heeres verstanden.[6]  Insofern hatte der Elefant eine republikanische Dimension und gleichzeitig sollte er auch- wie anders?- der Glorifizierung Napoleons dienen. Dazu kam aber auch noch eine monarchistische Dimension, was insgesamt genau zu Napoleon passte., der ja seine Herrschaft als Synthese monarchistischer und republikanischer Traditionen verstand.

Die monarchistische Dimension des Elefanten wird im Schloss von Fontainebleau deutlich,  einer Lieblingsresidenz Napoleons. In der dortigen Galerie  François I. ist der Elefant als Symbol königlicher Macht, aber auch der Weisheit dargestellt. [7]

Und 1758 hatte der Ingenieur Jean-Etienne Ribart de Chamoust dem damaligen König, Ludwig XV., vorgeschlagen, die Blickachse der Champs-Élysées durch einen Brunnen in Form eines 60 Meter hohen monumentalen Elefanten abzuschließen,  aus dessen Rüssel Wasser fließen sollte. Im Innern hatte er einen Konzert- und einen Ballsaal und Räume für Staatsbesucher des Königreichs vorgesehen.[8]

Ludwig XV. war allerdings wenig angetan von diesem Projekt – es erinnerte ihn zu sehr an Hannibal und hatte zu wenig Bezug zu seiner eigenen Person- so dass es nicht weiter verfolgt wurde – bis eben Napoleon kam und gewissermaßen einen Tausch vornahm: Der für die Place de la Bastille zunächst vorgesehene Triumphbogen wurde auf der Place  de l’Étoile errichtet und dafür sollte an der Place  de la Bastille ein monumentaler Elefantenbrunnen entstehen.

Für den Feldherrn Napoleon war der Bezug zu Hannibal, der immerhin das römische Weltreich herausgefordert hatte, offenbar nicht anstößig. Und es war auch Vivant Denon, Direktor des musée Napoléon und für die Verschönerung von Paris zuständig, der die Wahl eines Elefanten lebhaft begrüßte. Er hatte ja Napoleon auf seinem Feldzug nach Ägypten  begleitet und der Elefant entsprach der orientalischen Mode, die sich -angefeuert von Denon- nach diesem Feldzug in Frankreich ausbreitete.

Und schließlich gehörte der Elefant auch zu den möglichen Wappentieren, die Napoleon 1804 als Symbol für das Kaiserreich in Erwägung zog. Der gallische Hahn erschien da natürlich als viel zu wenig imperial, „le  coq n’a point de force…“.  Also besser der Löwe, der Elefant oder der Adler, der schließlich das Rennen machte.[9]

Es wurden nun zahlreiche Vorschläge für den projektierten Brunnen gemacht, um sie  dem Kaiser vorzulegen. Hier das „Projekt eines Brunnens für den Bastille-Platz, entworfen von Jean Antoine Alavoine unter der Leitung des Barons Denon.[10]

Im Vergleich zu den beigefügten menschlichen Figuren werden die Dimensionen des Projekts deutlich. Der Elefant sollte 16 Meter lang und 15 Meter hoch sein; das Ensemble, zusammen mit dem Podest und dem Turm auf dem Rücken, sogar 24 Meter hoch.   Architekten schätzten, dass man 177 000 Kilo Bronze benötigen würde, um den  Elefanten herzustellen. Um das  hydraulische System betreiben und warten zu können, war eine Treppe in einem der Elefanten-Füße vorgesehen.

 Hier der letzte Entwurf von Alavoine[11]:

Musée du Louvre, INV23524-recto © RMN-GP Louvre

Allerdings wurde das Dekret Napoleons vom 9. Februar 1810, dass der Elefantenbrunnen spätestens am 2. Dezember 1811, also wieder am Tag seines Krönungsjubiläums, in Betrieb genommen werden sollte[12], nicht erfüllt. Stattdessen wurde der Bildhauer Pierre-Charles Bridan beauftragt, zunächst ein Modell aus Holz und Gips zu erstellen. Dies war der Elefant der Bastille, der von 1814 bis 1846 auf der Ostseite des Platzes stand- etwa im Bereich der heutigen Opéra  Bastille.[13]

Um ihn herum wurde ein riesiger Hangar errichtet, um ihn vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Victor Hugo setzte dem provisorischen Elefanten 1862 in seinem Sozialepos Die Elenden ( Les Misérables. 4. Teil, 6. Buch) ) ein literarisches Denkmal und machte ihn zum Wohnort des heroischen Gassenjungen Gavroche. Da heißt es:

„Es war kein Monument, nur ein Modell. Aber auch dieses Modell, diese fabelhafte Skizze, dieser grandiose Leichnam einer Idee Napoleons, den zwei oder drei Winstöße nacheinander erfasst und jedesmal weiter weggetragen hatten, war Geschichte geworden und hatte eine dauernde Gestalt angenommen, so provisorisch es dem Blick erschien. Es war ein vierzig Meter hoher Elefant, aus Balken und Gemäuer erbaut, mit einem Turm auf dem Kreuz, der einem Hause  glich. Irgendein Anstreicher hatte ihn ehedem grün übertüncht, jetzt war er schwarz übermalt durch Unwetter, Regen und Zeit. In diesem verlassenen und nach allen Seiten offenen Winkel des Platzes hoben die breite Stirn des Kolosses, sein Rüssel, seine Stoßzähne, sein Turm, sein ungeheurer Rücken und seine vier säulengleichen Beine sich nachts unter dem Sternenhimmel als überraschende und erschreckende Silhouette ab.“[14]

Dass nach dem Sturz Napoleons die Arbeiten an dem Monument eingestellt wurden, war kaum anders zu erwarten. Die zurückgekehrten Bourbonen hatten andere Pläne mit dem Platz, die aber auch nicht umgesetzt wurden. Und dann kam die Julirevolution von 1830, die Louis Philippe zum „Bürgerkönig“ machte. Louis-Philippe ordnete an, dass auf dem ehemaligen Standort der Bastille ein Monument zur Erinnerung an die Opfer der Juli-Revolution von 1830 zu errichten sei.  Zu Ehren der in den drei Revolutionstagen, den „trois gloirieuses“ Umgekommen wurde die Errichtung der Julisäule mit dem Genius der Freiheit an seiner Spitze beschlossen. Am 28. Juli 1840 fand die feierliche Enthüllung statt. Und gleichzeitig die Überführung der sterblichen Überreste der 1830 getöteten Revolutionäre, die in der Gruft unter der Säule bestattet wurden.[15]

Charles-François Daubigny, Cérémonie de l’inauguration de la colonne de juillet, 1840 (Metropolitan Museum of Art)

Victor Hugo verabscheute  übrigens die Siegessäule der Julirevolution. Der Architekt des Elefanten habe mit Gips Großes geschaffen, dem Architekten des „Ofenrohres“ sei es dagegen gelungen, mit Bronze nur Kleines zustande zu bringen .[16]

Allerdings bot der Gips-Elefant in den 1830-er und 1840-er Jahren ein trauriges Bild. Er war abgebröckelt und beschädigt, und wurde nicht von allen Betrachtern so geschätzt wie von Victor Hugo. Der deutsche Paris-Besucher C.G. Frege bezeichnete 1845 den Elefanten als „eines der geschmacklosesten Denkmäler, welche ich je gesehen habe.“ [17]

Der am Rand des Platzes stehende Gipselefant erhielt aber noch einige Jahre nach der Errichtung der Julisäule sein Gnadenbrot. Heinrich Heine kommentierte das auf seine Weise:

Aber die Forträumung des Elefanten erregte große Besorgnisse. Es ging nämlich unter dem Volk das unheimliche Gerücht von einer ungeheuren Anzahl Ratten, die sich im Innern des Elefanten eingenistet hätten, und es sei zu befürchten, daß, wenn man die große Gipsbestie niederreiße, eine Legion von kleinen, aber sehr gefährlichen Scheusalen zum Vorschein käme, die sich über die Faubourgs Saint-Antoine und Saint-Marceau verbreiten würden. Alle Unterröcke zitterten bei dem Gedanken an solche Gefahr, und sogar die Männer ergriff eine unheimliche Furcht vor der Invasion jener langgeschwänzten Gäste. Es wurden dem Magistrate die untertänigsten Vorstellungen gemacht, und infolge derselben vertagte man das Niederreißen des großen Gipselefanten, der seitdem jahrelang auf dem Bastillenplatze ruhig stehenblieb. Sonderbares Land! Wo trotz der allgemeinen Zerstörungssucht sich dennoch manche Dinge erhalten, da man allgemein die schlimmeren Dinge fürchtet, die an ihre Stelle treten könnten![18]

Am 19. Juni 1846 ordnete der Präfekt von Paris den Abriss des baufälligen Gipselefanten an. Mit ihm verschwand ein Wahrzeichen von Paris, an das jetzt wieder die in den Bastille-Platz eingelassenen Elefanten-Platten erinnern….


Eine automatische Übersetzung ins Französische und Veröffentlichung unter fremdem Namen ist ausdrücklich untersagt! Wolf Jöckel

Anmerkungen

[1] Siehe dazu den Blog-Beitrag: https://paris-blog.org/2016/07/01/der-cimetiere-de-picpus-ein-deutsch-franzoesischer-erinnerungsort/

[2] Wortlaut des Erlasses bei Barbara von Orelli-Messerli, Der Elefant auf der Place de la Bastille: Eine Architektur? In: von Orelli-Messerli, Barbara. Ein Dialog der Künste : Neuinterpretation von Architektur und die Beschreibung in der Literatur der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Petersberg: Michael Imhof Verlag 2020, S. 73-97. Erlass zitiert S. 77

Endgültig fertiggestellt wurde der Kanal allerdings erst 1822, weshalb in diesem Jahr sein 200. Geburtstag gefeiert wird.

[3] https://aufildelourcq.org/histoire/

[4] Wortlaut bei von Orelli-Messerli: Le II Décembre MDCCCVIII, V e année du Règne de Napoléon le Grand, Empereur des Français, Roi d’Italie, Protecteur de la Confédération du Rhin, Toujours Victorieux, Une fontaine publique a été fondée sur les ruines de la Bastille. Le canal de l’Ourcq lui fournit ses eaux après avoir traversé une partie de la grande Cité. La première pierre a été posée par S. Exc. Emmanuel Cretet, […] Jacques Célerier, architecte.

[5] Wortlaut des Dekrets: https://www.napoleon.org/jeunes-historiens/napodoc/monuments-napoleoniens-le-mysterieux-elephant-de-la-place-de-la-bastille/  Entsprechend wurde ja auch die Colonne Venôme aus der Bronze erbeuteter Kanonen gefertigt.

[6] https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/183960/1/Barbara_von_Orelli-Messerli%2C_der_Elefant_auf_der_Place_de_la_Bastille.pdf   

[7]  Bild aus: https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89l%C3%A9phant_de_la_Bastille#/media/Fichier:Fontainebleau_interior_francois_I_gallery_02.JPG Siehe auch: https://www.amischateaufontainebleau.org/wp-content/uploads/2011/01/D02_Galerie_F11.pdf

[8] http://www.paris-arc-de-triomphe.fr/Explorer/Genese-et-premiere-pierre  Bild des von Chamoust projektierten Elefanten aus: https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Ribart

[9] https://www.napoleon.org/jeunes-historiens/napodoc/monuments-napoleoniens-le-mysterieux-elephant-de-la-place-de-la-bastille/

[10] Bild aus: https://www.researchgate.net/figure/English-version-for-German-version-see-below-Jean-Antoine-Alavoine-Dominique-Vivant_fig1_339198307

[11] Bild aus: https://www.napoleon.org/jeunes-historiens/napodoc/monuments-napoleoniens-le-mysterieux-elephant-de-la-place-de-la-bastille/  Dort sind auch weitere Entwürfe für den Elefanten-Brunnen abgebildet.

[12] „Les mesures seront prises de manière que cet éléphant soit terminé et découvert au plus tard le 2 décembre 1811.“

[13]https://de.wikipedia.org/wiki/Elefant_der_Bastille

 Bild aus: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Model_of_the_Elephant_for_the_Place_de_la_Bastille,_1831.jpg

[14] Zitiert in: Uwe Schutz, Paris. Literarische Spaziergänge. Insel taschenbuch 2884. Frankfurt/Leipzig 2003, S. 213

[15] Bild aus: https://fr.wikipedia.org/wiki/Fichier:Charles-Fran%C3%A7ois_Daubigny,_C%C3%A9r%C3%A9monie_de_l%27inauguration_de_la_colonne_de_juillet,_1840.jpg

[16] Quoi qu’il en soit, pour revenir à la place de la Bastille, l’architecte de l’éléphant avec du plâtre était parvenu à faire du grand ; l’architecte du tuyau de poêle a réussi à faire du petit avec du bronze. Victor Hugo, Les Miserables. Zit bei Barbara von Orelli-Messerli, S. 75 https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/183960/1/Barbara_von_Orelli-Messerli%2C_der_Elefant_auf_der_Place_de_la_Bastille.pdf

[17] C.G. Frege, Genrebilder aus Paris im Sommer 1844. Leipzig 1845. Zitiert von: Hans-Jürgen Lüsebrink/Rolf Reichardt: Die Bastille. Zur Symbolgeschichte von Herrschaft und Freiheit. Fischer Taschenbuch Verlag FFM 1990, S. 189

[18] Heinrich Heine, Lutetia, Zweiter Teil, Abschnitt L. Paris 29. Juli 1842. In: Heinrich Heine, Sämtliche Werke Bd XII. München: Kindler 1964, S. 31

Literatur

Achim Hölter, „Un monument manqué“- Der Elefant auf der Place de la Bastille. In: Heine-Jahrbuch 2000, S. 135-164

Hans-Jürgen Lüsebrink/Rolf Reichardt: Die Bastille. Zur Symbolgeschichte von Herrschaft und Freiheit. Fischer Taschenbuch Verlag FFM 1990

Barbara von Orelli-Messerli, Der Elefant auf der Place de la Bastille: Eine Architektur? In: von Orelli-Messerli, Barbara. Ein Dialog der Künste : Neuinterpretation von Architektur und die Beschreibung in der Literatur der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Petersberg: Michael Imhof Verlag 2020, S. 73-97.

Weitere geplante Blog-Beiträge:

Roncesvalles/Roncevaux – Der Mythos lebt … Ein Gastbeitrag von Ortwin Ziemer

Die Schatzkammer der Scheichs: Die Sammlung Al Thani im Hôtel de la Marine in Paris

Das Pantheon der großen (und der weniger großen) Männer und der wenigen großen Frauen, Teil 2: Der Kult der großen Männer

Das Reiterstandbild Heinrichs IV. auf dem Pont Neuf

Die Tiere des Königs (Les animaux du roi): Eine Ausstellung im Schloss von Versailles

Der Cimetière de Picpus, ein deutsch-französischer und amerikanischer Erinnerungsort

In diesem Beitrag geht es um den Cimetière de Picpus, einen wenig bekannten kleinen privaten Friedhof im 12. Arrondissement von Paris. Dieser Friedhof ist nicht nur ein einzigartiges Zeugnis des jacobinischen Terrors  zur Zeit der Französischen Revolution, sondern auch –eher weniger bekannt- ein ganz besonderer deutsch-französischer (und amerikanischer!) Erinnerungsort, verdankt er doch seine Entstehung einer deutschen Prinzessin… Und es ist ein Ort, der vielfältige Bezüge zur französischen und deutschen Literatur aufweist: Dafür stehen Namen wie Stefan Zweig, Rainer Maria Rilke, Gertrud von Le Fort, André Chenier und Patrick Modiano.

Der Friedhof von Picpus gehört sicherlich nicht zu den spektakulären Pariser Sehenswürdigkeiten. Und selbst unter den Pariser Friedhöfen  führt er eher ein Schattendasein: Mit dem Père Lachaise und seinen unzähligen Grabmälern bedeutender Frauen und Männer, dem Cimetière Montparnasse mit den Gräbern von Sartre, Simone de Beauvoir und Stéphane Hessel oder auch dem Cimetière Montmartre mit dem Grab Heinrich Heines kann er kaum mithalten. Schließlich liegt er auch noch versteckt am Rande von Paris, südlich der Place de la Nation, der Eingang ist ganz unscheinbar und nur zu bestimmten  Tageszeiten geöffnet- man muss den Friedhof also schon sehr bewusst ansteuern. Aber der Weg lohnt sich.(0)

Picpus Fermeture 2010 001

Der Cimetière de Picpus ist nicht nur eine Oase der Stille, abseits des touristischen Trubels, sondern auch ein Erinnerungsort an ein blutiges Kapitel der Französischen Revolution, den jacobinischen Terror. Aber, und das macht einen zusätzlichen Reiz dieses Ortes aus, es geht hier nicht nur um französische Geschichte: Der Ort ist wegen des Grabes von La Fayette auch ein Pilgerort für Amerikaner.

Und eine besondere Pointe: Seine Entstehung hat der Friedhof einer deutschen Prinzessin zu verdanken, die in besonderer Weise von dem jacobinischen Terror betroffen war. Der Friedhof ist also –und nicht nur deshalb- auch ein deutsch-französischer Erinnerungsort.[1]

Dass gerade an dieser Stelle 1306 Opfer der Guillotine verscharrt wurden, hat seine besondere Bewandtnis. Zunächst stand ja die Guillotine auf der place de la Révolution, der heutigen Place de la Concorde,  auf der anderen Seite der Stadt. Aber die Anwohner und Gewerbetreibenden der damals schon noblen rue St-Honoré beschwerten sich über das geschäftsschädigende Vorbeirattern der Leichenwagen. Das beeindruckte auch die Jacobiner, so dass sie die Guillotine im Juni 1794 auf die Place de la Bastille verlegten. Die Opfer wurden nun auf den Friedhof der Kirche Sainte Marguerite im Faubourg Saint Antoine gebracht.[2]  Aber auch das in diesem Viertel ansässige feine Tischlerhandwerk wollte nicht durch den Transport verstümmelter Leichen belästigt werden. Also wurde die Guillotine noch einmal verlegt und auf der Place du Trône renversé, der heutigen Place de la Nation, bzw. der sich daran anschließenden barrière du trône aufgestellt. Von hier aus waren es nur wenige Schritte zu den Gärten des in der Revolution aufgehobenen Damenstifts St. Augustin de Picpus. Das war auch noch von einer hohen Mauer umgeben, so dass die Totengräber hier ungestört zwischen dem 14. Juni und dem 27. Juli 1794, dem Sturz Robbespierres und dem Ende des Grand Terreur,  zu Werk gehen und die Hingerichteten in zwei Massengräbern verscharren konnten.  Eine  Tafel am großen Holztor in der nördlichen Mauer des ehemaligen Klostergeländes und heutigen Friedhofs erinnert daran:

018

„Die blutigen Karren der Guillotine, die 1794 an der barrière du trône aufgestellt wurde, rollten in die Gärten der Stiftsdamen von St. Augustin de Picpus durch eine Tür in der nördlichen Mauer des Gartens. Der Türsturz davon ist noch erhalten. Die verstümmelten Leichen der 1306 Opfer  ruhen in zwei Massengräbern.“[3]

Gartentür 016

013

In der kleinen Kapelle vor dem Friedhof sind auf zwei gegenüberliegenden Wänden riesige Tafeln  mit den Namen, dem Alter und dem Beruf der Opfer  angebracht, geordnet nach den Daten der Hinrichtung. In den sechs Wochen des Juni und Juli 1874 wurden auf der place du trône renversée mehr Menschen  umgebracht als in den 13 Monaten davor auf der place de la Revolution.  Auch wenn die Beleuchtung etwas düster ist: Die abstrakte Zahl  1306 wird hier  erfahrbar und,  wenn man genauer hinsieht, auch etwas davon, wer alles dem Terror zum Opfer fiel: Menschen jeden Alters, Geschlechts und Standes.

Erinnerungstafel alle Opfer nach Stand 012

Natürlich Adlige und Geistliche, die als Feinde der Republik galten, vor allem und mehrheitlich aber „gens du peuple“, Hausbedienstete, kleine Handwerker, eine Frisöse, ein Bäcker, eine Krankenschwester, ein Gebrauchtwarenhändler[4]…. Die jacobinischen Revolutionstribunale konnten sich nicht nur einer zügigen Abwicklung der Prozesse und der geradezu fließbandmäßiger Vollstreckung der üblichen Todesurteile rühmen, sondern auch –man kennt das aus der deutschen Geschichte- einer peniblen Buchführung. (4a)

IMG_9510

Hier wird auch die Formel von Ernst Moritz Arndt aus dem Jahre 1805 nachvollziehbar, die Revolution samt Schreckensherrschaft sei ein gefräßiges Ungeheuer gewesen, welches „hungrig sich selbst verschlang, bis es im Würgen ermattete“, wobei allerdings Revolution und Schreckensherrschaft zu Unrecht in einen Topf geworfen werden.   Aber dass man nach den Protesten im noblen Faubourg Saint Honoré und im Faubourg Saint Antoine der Handwerker die Guillotine am äußersten Ende von Paris aufstellte  und  dass mit den Gärten des Klosters St. Augustin ein “Ort des kurzen Wegs“ für die Massengräber gewählt wurde, zeigt, dass sich der Konvent  der  öffentlichen Zustimmung zu den immer willkürlicheren und teilweise völlig zufälligen Hinrichtungen nicht mehr sicher sein konnte. „Nicht Robespierres Gegner waren die Guillotine und das Guillotinieren leid“, schrieb denn auch Rudolf Augstein 1989 in seiner Spiegel-Serie über die Französische Revolution.  „Das Volk von Paris war des immer gleichen Schauspiels müde, haßte den Blutgeruch und nahm dem Konvent die Blutmaschine aus den blutigen Händen.“[5]

Ein Rundgang durch den Friedhof

Der Cimetière de Picpus besteht aus zwei Teilen: zunächst einem Friedhof im typisch französischen Stil – mit eng aneinander liegenden steinernen bzw. nebeneinander stehenden Grabmälern von adligen Familien, die Angehörige im jacobinischen Terror verloren hatten. Entsprechend respektabel sind denn auch einige dieser Grabstätten – ganz im Gegensatz zu dem hinter einer weiteren Mauer liegenden  und nicht zugänglichen Feld mit den beiden Massengräbern der letzten  Opfer des  Terrors, an die  schlichte Kreuze oder Gedenksteine erinnern.

Beginnen wir unseren Rundgang am Grab von La Fayette.  Das Grab La Fayettes ist nicht zu übersehen, auch wenn es in der hinteren Ecke des Friedhofs liegt. Aber die amerikanische Fahne, der einzige Farbtupfer in dem steinernen Gräberfeld, weist den Weg. Die stars and stripes an diesem Grab sind eine Würdigung der besonderen Rolle, die La Fayette im amerikanischen Bürgerkrieg spielte. Immerhin hatte sich La Fayette als überzeugter Aufklärer mit einer auf eigene Kosten angeworbenen Freiwilligentruppe am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beteiligt und war zum Generalmajor des amerikanischen Kontinentalheeres ernannt worden. Mit den Führern der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, George Washington und Thomas Jefferson, war er bekannt. Jeffersons 1776 verfasste „Blll of rights of Virginia“, die Vorläuferin der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, beeinflusste ihn sehr. Am 11. Juli 1789 brachte er in die neue Nationalversammlung, deren Vizepräsident er drei Tage später wurde, den Entwurf einer Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte  nach amerikanischem Vorbild ein, den er mit der Unterstützung von  Jeffersons erarbeitet hatte, der inzwischen  Botschafter in Paris geworden war.

In Amerika wurde er als Kriegsheld gefeiert. Zahlreiche Städte und Landkreise (counties) tragen seinen Namen. Auf dem Lafayette Square in Washington, D.C. ist er in einer Statue verewigt und auch in Paris gibt es eine von einem Amerikaner gestiftete Lafayette-Statue,  ein Dank für die von Frankreich der USA geschenkte Freiheitsstatue. Sie stand ursprünglich im Hof des Louvre, musste aber aufgrund des Baus der Pyramide an den cours la reine, eine Anlage an der Seine auf der Höhe des Grand Palais, „umziehen“.

Dass La Fayette, der aufgrund seiner Flucht nach Flandern und seiner Gefangenschaft bei Österreichern und Preußen  dem jacobinischen Terror Terror entging, auf dem Friedhof Picpus begraben liegt, hat er seiner Frau bzw. deren Familie zu verdanken.

Noailles La Fayette005

Die aus einem alten und bedeutenden französischen Adelsgeschlecht stammende Adrienne de Noailles wurde 1774 im Alter von 14 Jahren mit dem 16-jährigen Gilbert du Motier, Marquis de la Fayette, verheiratet. Ihre Großmutter, ihre Mutter und ihre Schwester wurden am 22. Juli 1794 hingerichtet, also 5 Tage vor dem Ende der Schreckensherrschaft. Ende Juni waren schon vier weitere Mitglieder des Noialles-Geschlechts hingerichtet worden: Philippe de Noailles, duc de Mouchy, Marschall Frankreichs, seine Frau, eine „madame etiquette“ genannte Ehrendame Marie-Antoinettes, dazu seine Nichte und Schwiegertochter.

img_0617 Marechal de Mouchy

Damit hatten die Noailles/La Fayettes gewissermaßen das Anrecht erworben, auf dem Cimetière de Picpus  begraben zu werden.

Das Grab von La Fayette und der Familie de Noailles markiert nicht nur ein besoders blutiges Kapitel des jacobinischen Terreur, sondern  es ist auch ein Symbol der amerikanisch-französischen Waffenbrüderschaft. Am 13. Juni 1917 besuchte der Oberbefehlshaber des amerikanischen Expeditionsheeres, General Pershing, in Begleitung des französische Generals Pelletier das Grab Lafayettes. (5a)

Le_général_Pershing_et_le_[...]Agence_Rol_btv1b53002994t

An Lafayette und Pershing erinnern auch Tafeln am Eingang des Friedhofs.

Und am 4. Juli 1917,  dem Tag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und Nationalfeiertag, rief Oberst Stanton, Vertreter des amerikanischen  Expeditionscorps, im Beisein von Marschall Joffre am Grab aus. „La Fayette, nous voici!“- ein berühmt gewordener  Ausspruch, der dann auch wieder 1944  anlässlich der Landung der amerikanischen Truppen in der Normandy zitiert wurde.[6]. Heutzutage  besucht der jeweilige amerikanische Botschafter in Paris am 4. Juli das Grab von La Fayette und eine neue stars and stripes wird gehisst.

-u-s-ambassador-to-france-charles-rivkin-speaking-at-gravesite

Geht man etwas  durch die Gräberreihen und betrachtet die Inschriften, so stellt man fest,  dass  es sich hier geradezu um ein   who is who?  des französischen Hochadels handelt. Zwar waren zahlreiche Adlige noch rechtzeitig emigriert, aber es gab doch noch genug andere, die davon ausgingen, wegen ihrer Zustimmung zu den Idealen  der Revolution oder wegen ihrer besonderen persönlichen Situation nichts befürchten zu müssen.  Dazu gehörte der schon erwähnte Philippe de Noailles: Als er aufs Schafott stieg –er war damals 79 Jahre alt-  rief ihm einer der Schaulustigen zu: „Courage, Monsieur le Maréchal!“. Seine Antwort: „Als ich 15 Jahre alt war, stieg ich aufs Pferd zum Sturmangriff für meinen König, jetzt, fast 80-jährig, steige ich aufs Schafott für meinen Gott.“[7]

Hingerichtet und verscharrt wurde auch Marie-Louise de Laval-Montmorency, die letzte Äbtissin von Montmartre. Sie war blind und taub und wurde vom Revolutionstribunal zum Tode verurteilt, weil sie „sourdement et aveuglément“ gegen die Republik agitiert habe- ein vielzitiertes Beispiel für den Zynismus der Revolutionstribunale.

010

Zu den Opfern gehörte auch der Dichter André de Chénier. An ihn erinnert eine schlichte Gedenkplatte an der Mauer, die die Wiese mit den Massengräbern von dem heutigen Friedhof trennt. Die Inschrift der Tafel:  André de Chénier, Sohn Griechenlands und Frankreichs. Er diente den  Musen, liebte die Weisheit und starb für die Wahrheit.

002

Rudolf Augstein schrieb in seiner Spiegel-Serie Vom Freiheitsrausch bis Waterloo über das  Ende von Chenier:

„Der Dichter Andre Marie de Chénier, ein erklärter Feind der Jakobiner, wird am 7. März 1794 verhaftet. Man sperrt ihn in das Gefängnis Grande-Force und guillotiniert ihn drei Tage vor Robespierre. Warum hat er diesen nicht überlebt? Nun, in den Gefängnissen sitzen auch die „moutons“, die Spitzel. Einer, der Graf Ferrières-Sauvebeuf, hat ihn beim Sicherheitsausschuß denunziert. Chéniers Geliebte, Madame de Bonneuil, eine erwiesene Feindin der Republik, trifft im Juli 1793 im Gefängnis Sainte-Pelagie ein und überlebt. Unter dem Namen „Camille“ hat sie der Dichter verewigt.“ (Augstein).

Chenier kritzelt, auf den Karren wartend, sein letztes Gedicht. Es zeugt  „von seiner Anstrengung, selbst den letzten Moment im Zeichen der eigenen klassizistischen, auf Freiheit und Tugend gerichteten Poesie zu gestalten. Dem bevorstehenden Tod wird nichts Tröstliches abgerungen.“[8]

Comme un dernier  rayon, comme un dernier zéphyre

Anime la find d’un beau jour,

Au pied de l’échafaud j’essaye encore ma lyre.

Peut-être est-ce bientôt mon tour;

Peut-être avant que l’heure en cercle promenée

Ait posé sur l’émail brillant,

Dans les soixante pas où sa route est bornée,

Son pied sonore et vigilant,

Le sommeil du tombeau pressera ma paupière!

Avant que de ses deux moitiés

Ce vers que ke commence ait atteint la  dernière,

Peut-être en ces murs effrayés

Le messager de mort, noir recruteur des ombres,

Escorté d’infâmes soldats,

Remplira de mon nom ces longs corridors sombres.

Quoi! Nul ne restera pour attendrir l’histoire

Sur tant de justes massacrés;

Pour consoler leurs fils, leurs veuves, leur mémoire;

Pour que des brigands abhorrés

Frémissent aux portraits noirs de  leur ressemblance;

Pour descendre jusqu’aux enfers

Chercher le triple fouet, le fouet de la vengeance,

Déjà levé  sur ces pervers;

Pour cracher sur leurs noms, pour chanter leur supplice!

Allons, étouffe tes clameurs;

Souffre, ô choeur gros de  haine, affamé de justice.

Toir, Vertu, pleure si je meurs.“

 Aber noch auf den Stufen der Conciergerie wird auch er, ähnlich wie Saint-Just, sagen: „Und doch war hier etwas.“[9]

Stefan Zweig berichtet im 9. Kapitel  seiner 1942 posthum erschienenen Memoiren „Die Welt von gestern“, wie er in der Zeit vor dem  Ersten Weltkrieg mit dem damals in Paris lebenden Rainer Maria  Rilke, dem Sekretär Auguste Rodins,  den Cimetière de Picpus und das Grab von Chénier besuchte:

… am schönsten war es, mit Rilke in Paris spazierenzugehen, denn das hieß, auch das Unscheinbarste bedeutsam und mit gleichsam erhelltem Auge sehen; er bemerkte jede Kleinigkeit, und selbst die Namen der Firmenschilder sprach er, wenn sie ihm rhythmisch zu klingen schienen, gerne sich laut vor; diese eine Stadt Paris bis in ihre letzten Winkel und Tiefen zu kennen, war für ihn Leidenschaft, fast die einzige, die ich je an ihm wahrgenommen. Einmal, als wir uns bei gemeinsamen Freunden begegneten, erzählte ich ihm, ich sei gestern durch Zufall an die alte ›Barrière‹ gelangt, wo am Cimetière de Picpus die letzten Opfer der Guillotine eingescharrt worden waren, unter ihnen André Chenier; ich beschrieb ihm diese kleine rührende Wiese mit ihren verstreuten Gräbern, die selten Fremde sieht, und wie ich dann auf dem Rückweg in einer der Straßen durch eine offene Tür ein Kloster mit einer Art Beginen erblickt, die still, ohne zu sprechen, den Rosenkranz in der Hand, wie in einem frommen Traum im Kreis gewandelt. Es war eines der wenigen Male, wo ich ihn beinahe ungeduldig sah, diesen so leisen, beherrschten Mann: er müsse das sehen, das Grab André Cheniers und das Kloster. Ob ich ihn hinführen wolle. Wir gingen gleich am nächsten Tage. Er stand in einer Art verzückter Stille vor diesem einsamen Friedhof und nannte ihn ›den lyrischsten von Paris‹. Aber auf dem Rückweg erwies sich die Tür jenes Klosters als verschlossen. Da konnte ich nun seine stille Geduld erproben, die er im Leben nicht minder als in seinen Werken meisterte. »Warten wir auf den Zufall«, sagte er. Und mit leicht gesenktem Haupt stellte er sich so, daß er durch die Pforte schauen konnte, wenn sie sich öffnete. Wir warteten vielleicht zwanzig Minuten. Dann kam die Straße entlang eine Ordensschwester und klingelte. »Jetzt«, hauchte er leise und erregt. Aber die Schwester hatte sein stilles Lauschen bemerkt – ich sagte ja, daß man alles an ihm von ferne atmosphärisch fühlte –, trat auf ihn zu und fragte, ob er jemanden erwarte. Er lächelte sie an mit diesem seinem weichen Lächeln, das sofort Zutrauen schuf, und sagte offenherzig, er hätte so gerne den Klostergang gesehen. Es tue ihr leid, lächelte nun ihrerseits die Schwester, aber sie dürfe ihn nicht einlassen. Jedoch riet sie ihm, zum Häuschen des Gärtners nebenan zu gehen, von dessen Fenster im Oberstock habe er einen guten Blick. Und so ward auch dies ihm wie so vieles gegeben.“[10]

Eine Tafel an der Friedhofswand erinnert an 23 Bewohner der Vendée, die im Juni 1794 hier verscharrt wurden- sie stehen  stellvertretend für die etwa 200000 Opfer, die die brutale Niederschlagung des konterrevolutionären Aufstandes in der Vendée gekostet hat.

001 Vendées

Zur Durchsetzung der Einheit Frankreichs und der Errungenschaften der Revolution gehörte auch ein teilweise Genozid-Ausmaße annehmender Terror zu den legitimen Mitteln: Nach dem Befehl des Wohlfahrtsausschusses sollte die Vendée „ausgeblutet“ werden, ihre Bewohner deportiert und durch „gute Sansculotten“ ersetzt werden.  „Zwanzig Kolonnen durchkämmten von Januar bis Mai 1794 die vier Départements Maine-et-Loire, Loire-Inférieure, Vendeée und Deux-Sèvres  mit entsetzlicher, an den Dreißigjährigen Krieg  erinnernder Grausamkeit.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Vendée)

Die ungewöhnlich brutale Bestrafung, auch unter Anwendung der Sippenhaft, dokumentierte sich in einem Befehl, den General Turreau gegeben haben soll: „[…] il faut exterminer tous les hommes qui ont pris les armes, et frapper avec eux leurs pères, leurs femmes, leurs sœurs et leurs enfants. La Vendée doit n’être qu’un grand cimetière national.„Wir müssen alle Männer vernichten, die zu den Waffen gegriffen haben und sie mit ihren Vätern, ihren Frauen, ihren Schwestern und ihren Kinder zerschlagen. Die Vendée soll nichts anderes sein als ein großer nationaler Friedhof.“ (a.a.O.)

 Zu den prominentesten  Opfern des jacobinischen Terrors, die auf dem Cimetière de Picpus verscharrt wurden, gehören sicherlich die 16 Karmeliterinnen von Compègne, an die eine weitere  Marmortafel an der Friedhofsmauer erinnert:

„Zur Erinnerung an die 16 Carmeliterinnen  von Compiègne, die am 17. Juli 1794 für ihren  Glauben  starben und am 27. Mai 1906 seliggesprochen  wurden. Ihre Körper ruhen hinter dieser Mauer.“        

Picpus Karmeliter Grabplatte

An die 16 Karmeliterinnen erinnert übrigens auch ein Fenster in der Kirche St. Marguerite im Faubourg Saint Antoine, die auch wegen seines kleinen Friedhofs und der mit trompe d’oeil-Technik ausgemalten Kapelle sehenswert ist.

Carmelite St Marguerite Div. 11e 004

Die Nonnen hatten sich geweigert, ihr Ordensgelübde zu brechen, und wurden deshalb zum Tode verurteilt. Im Karmeliterkloster von Jonquière, einem Nachbarort von Compiègne, wird  die Erinnerung an die 16 Ordensschwestern wach gehalten. Dort wird auch eine Marienstatue gezeigt, die sie auf dem Weg zum Schafott in den Händen gehalten haben sollen.      

IMG_2517   

IMG_2525 Kopie

 Im Kloster von Jonquière hängt auch das  Bild von G. Molinari (1906), das die 16 Karmeliterinnen auf dem Weg zum Schafott zeigt.  Im Hintergrund sind die beiden Säulen der Barrière du Trône zu sehen.

IMG_2527 Kopie

Die beiden Königsstatuen auf den Säulen gab es damals allerdings noch nicht. Sie wurden erst 1845 hinzugefügt.

Das Schicksal der 16 Karmeliterinnen wurde mehrfach künstlerisch verarbeitet.  Es inspirierte Gertrud von Le Fort zu ihrer 1931 erschienenen Novelle   Die Letzte am Schafott.  Im Mittelpunkt der Novelle steht die junge, vormals ängstliche Blanche, die an der Guillotine den frommen Gesang der (anschließend) enthaupteten Nonnen mutig aufnimmt  und damit ihre schwache Stimme gegen den blutigen Terror der Revolution erhebt.

Download Poulenc

             Poulec: Dialogues des Carmélites im Théatre des Champs-Elysées 2013/2014

photo : Vincent Pontet/Wikispectacle)

Georges Bernanos schrieb auf der Basis der Erzählung zunächst 1947 ein Film-Drehbuch, das 1960 unter dem Titel Le Dialogue des Carmélites (dt. Opfergang einer Nonne) verfilmt wurde. Jeanne Moreau spielte in diesem Film die Schwester Marie, Pascale Audret die Blanche.  Und Francis Poulenc  machte aus  diesem Stoff seine Oper Dialogues des Carmélites, die 1957 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde. Wir haben das Stück 2013 in einer beeindruckenden Inszenierung von Olivier Py  im Théatre des Champs-Elysées gesehen.[11]

des_carmelites_jansenistes_1

Besonders eindrucksvoll fanden wir das letzte Bild: Nach und nach gehen die Nonnen langsam nach hinten, wo eine Treppe nach unten führt, über die sie Schritt für Schritt aus dem Blickfeld der Zuschauer verschwinden. Ein harter Knall markiert das Ende auf dem Schafott, bevor dann die nächste –und schließlich Blanche, die letzte- an der Reihe ist.

Die Geschichte des Friedhofs von Picpus

Es gibt aber noch zwei weitere prominente Opfer des jacobinischen Terrors, die beide am 23. Juli 1794 guillotiniert und auf dem Gelände des heutigen cimetière de Picpus verscharrt wurden:  Alexandre de Beauharnais, der erste Mann von Josephine,  der späteren Frau Napoleons, und der Prinz Friedrich III. von Salm-Kyrburg. Ohne sie hätte  es wohl diesen Friedhof nie  gegeben. Vor allem aber   ist seine Entstehung der Schwester Friedrichs III. zu verdanken, der Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen. Dahinter verbirgt sich eine ziemlich abenteuerliche deutsch-französische Geschichte, die es wert ist, hier erzählt zu werden.

 Beginnen wir die Geschichte mit dem Fürsten Friedrich III- Johann Otto zu Salm-Kyrburg  (1745–1794).[12] Sitz seiner Familie war ursprünglich die Kyrburg in Kirn, einem kleinen Städtchen an der Nahe. Die Kyrburg war im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit eine ansehnliche Residenz, bis sie 1734 unter französischer Besatzung gesprengt wurde.

csm_gemaelde_kl_142eba707f

Das ist übrigens auch insofern  von Bedeutung, weil sich der finanziell stets klamme  Friedrich III. später um eine Kriegsentschädigung seitens der französischen Krone bemühte, die ihm aber verweigert wurde. Nach der Zerstörung des Schlosses richteten die Fürsten von Salm-Kyrburg dort zwar in einem zweistöckigen Neubau eine Garnison ein–heute ein Restaurant-, als Residenz kamen die Ruinen  der Kyrburg aber nicht mehr in Frage.  Wenigstens dienten sie dann  der Bevölkerung als Steinbruch.

Friedrich III., immerhin verheiratet mit einer leibhaftigen Hohenzollern (Johanna Franziska von Hohenzollern-Sigmaringen), beauftragte also keinen Geringeren als den Pariser Architekten Jacques- Denis Antoine mit der Konzeption eines Stadtentwicklungsplans –wie man  heute sagen würde- für Kirn  und mit dem Bau einer standesgemäßen barocken Sommerresidenz. Antoine war – zusammen  mit Soufflot und Ledoux- vor der Revolution einer der bekanntesten und auch international geschätzten französischen Architekten. Antoine verstand es, wie es in einem Informationsblatt über die von ihm entworfene und kürzlich renovierte Monnaie de Paris heißt,  äußerst begüterte und renommierte internationale Auftraggeber zu gewinnen[13]. Dazu gehörte offenbar auch der Prinz von Salm-Kyrburg. Zu Ehren seiner Schwester, Amalie Zephyrine von Salm-Kyrburg, erhielt die Residenz den  Namen Amalienlust.

36e4bef3-446b-44d9-bb5c-3a54606390ac www, Gastlandschaften. Amalienlust

http://www.gastlandschaften.de

Erhalten  sind davon noch zwei Pavillons (Teichweg 7 und 11) und ein Theater (Teichweg 12).[14] Auch wenn bei Wikipedia zu lesen ist, dass dieses Theater  – ein bescheidenes Gebäude vom Umfang eines Ein- oder höchstens Zweifamilienhauses- „mondäne Ansprüche… befriedigt“ habe[15]: Das Provinznest Kirn mit seiner –wenn auch von einem Franzosen geplanten- Duodez-Residenz war dem Fürsten einfach zu eng.

IMG_2319

Portrait von Friedrich III. von Salm-Kyrburg im Salon de l’aurore des Hôtel de Salm (Kopie)

Wohin also? Natürlich nach Paris, der Hauptstadt nicht nur des 19.Jahrhunderts, wie Walter Benjamin es formulierte,  sondern auf jeden  Fall auch  des  18. Jahrhunderts. In Paris hatten schon seine Eltern einen „Zweitwohnsitz“- so wie viele andere linksrheinische deutsche Adelsfamilien, denen es zu Hause zu eng war und die vom Glanz des Pariser Hofes angezogen wurden. So ist es zu erklären, dass  Friedrich schon einen Teil seiner Jugend in Paris verbracht und dort die noble Schule Louis le Grand besucht hatte. Seit 1771 war er sogar „colonel“ in einem in französischen  Diensten stehenden deutschen Infanterieregiment. (Emig, 69)

In Paris  nutzte Friedrich III. seine Aura als deutscher Märchenprinz und die Einkünfte aus seinen Besitzungen in Deutschland und Belgien und ließ durch den Architekten Pierre Rousseau von 1782 bis 1787 ein grandioses Adelspalais (hôtel particulier) in bester Lage an der Seine errichten, das Hôtel de Salm am Quai d’Orsay.[16]

Download Hotel de Salm

Bau des Hôtel  de Salm (anonym) Musée Carnavalet

Dieses Bauwerk erregte damals außerordentliche Bewunderung. In zeitgenössischen Handbüchern  der Architektur wurde es als eines der schönsten Häuser von Paris gerühmt. Als Thomas Jefferson Botschafter der Vereinigten  Staaten von Amerika in Paris war, bat er darum, seinen Sessel im Tuilerien-Garten  so aufzustellen, dass er das Hôtel de Salm betrachten konnte, in dem er auch gerne und oft zu Gast war.[17] Er sei in dieses Gebäude verliebt, schrieb er.[18]

IMG_1598

Kein Wunder,  denn  die Schauseite zur Seine ist von einer außerordentlichen  Eleganz (damals noch zu einem Garten geöffnet und nicht durch den vorbeibrausenden Verkehr beeinträchtigt), während die gegenüberliegende pompöse Seite mit ihrem aufgeblähten Portikus ganz offensichtlich dazu diente, den Rang Friedrichs in der Adelshierarchie ostentativ zur Schau zu stellen.

IMG_2298

Für Jefferson gehörten die beiden Frontseiten des Hôtel de Salm  zu den “celebrated fronts of modern buildings”, die als Vorbild für Amerika dienen könnten. Und als Jefferson sein Landhaus in Monticello entwarf, ließ er sich dabei von seinem geliebten Hôtel de Salm inspirieren.[19]

img_8799

Es passt also genau, dass  an der Seine eine Statue Jeffersons platziert ist, der auf das fahnengeschmückte Hôtel de Salm blickt. Und in seiner Hand trägt er die Skizze seines Handhauses in Monticello.

IMG_8782.JPG

Die ostentative Präsentation des Ranges in der Adelshierarchie und des erworbenen Sozialprestiges beschränkte sich bei Friedrich aber nicht nur auf die Architektur, sondern umfasste den gesamten repräsentativen Lebensstil:  Anfang des Jahres 1789 gab Friedrich III. zum Beispiel  in seinem noch nicht ganz  fertiggestellten hôtel ein großes Abendessen mit anschließendem Ball, zu dem über 1000 Gäste – halb Paris also, wie ein Gast damals schrieb-  eingeladen waren![20] Seit 1804 ist das Hôtel de Salm Palais und Museum der 1802 gegründeten Ehrenlegion und lässt auch im Innern noch etwas von dem früheren Glanz spüren, auch wenn der Großteil der ursprünglichen Inneneinrichtung dem Feuer der Commune zum Opfer fiel.[21]

IMG_2322 IMG_2326

Aber noch ist es nicht soweit: Noch logiert in dem  Hôtel nicht die Ehrenlegion, sondern der Prinz von Salm-Kyrburg,  dessen  Namen  es nach wie vor trägt. Und  bald nach seiner Errichtung wird es ein Treffpunkt der hochadligen Oberschicht des (vor)revolutionären Frankreich.

Und jetzt kommt ein zweites Mitglied des oben genannten  Trios ins Spiel, nämlich Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen, die Schwester Friedrichs III.[22]

Amalie wurde 1860 in Paris geboren und in der großartigen Kirche Saint-Sulpice getauft – in derselben  Kirche, in der  gut 60 Jahre später Charles Baudelaire ebenfalls getauft wurde und  Heinrich Heine im Todesjahr Amalies seine Mathilde heiratete[23]. Erzogen wurde sie, wie es sich für ein Mädchen ihres Standes gehörte[24], zunächst im katholischen Mädchenpensionat Couvent Port-Royal, danach im noblen Kloster Bellechasse Faubourg Saint-Germain.  1782 heiratete Amalie –allerdings in Kirn-  auf Wunsch ihrer Eltern den Erbprinzen Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen, den Bruder Johannas, der frischvermählten Frau ihres Bruders. Seinen ersten gemeinsamen Winter verbrachte das junge Paar immerhin noch in Paris. 1784 kam Amalie Zephyrine dann zum ersten Mal nach Sigmaringen, wo sie sich nun auf Wunsch ihres Mannes und Schwiegervaters fest installieren sollte. Amalie konnte jedoch keine Zuneigung zu dem ihr angeheirateten Anton Alyois entwickeln, den sie „mon prince héréditaire“ nannte.  Und das von ihrem Schwiegervater streng reglementierte  Leben in der kleinen Residenzstadt an der Donau empfand sie als „unerträglich einengend“. Sigmaringen hatte zwar ein imposantes Schloss, aber es war ansonsten  ein bescheidenes Städtchen von 1000 Einwohnern. Paris dagegen, die Stadt ihrer Jugend und ihrer Träume, war Ende des 18. Jahrhunderts die geistige, künstlerische und politische Metropole Europas.[25] Also floh Amalie bereits ein Jahr später, zehn Wochen nach der Geburt ihres Sohnes Karl, als Mann verkleidet aus der oberschwäbischen Provinz nach Kirn zu ihrem Bruder. Den Mann und das kleine  Kind  ließ sie in Sigmaringen zurück. Ihr eigentliches Ziel war aber selbstverständlich nicht der Hunsrück, sondern das glänzende Paris, wo Friedrich III. und seine Frau die meiste Zeit des  Jahres verbrachten.

Download Amalia Zephyrine

                             Amalie Zephyrine  (Fürstl. Hohenzoll. Samml. Sigmaringen)

Und nun kommt auch der Dritte im Bunde ins Spiel, Alexandre de Beauharnais.

Download Alexandre de Beauharnais

http://frda.stanford.edu/

Der Vicomte de Beauharnais hatte –wie Lafayette- am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teilgenommen und sich dort ausgezeichnet, 1779 heiratete er Joséphine, die wie er aus der französischen Kolonie Martinique stammte. Eigentlich hatte er Joséphines drei Jahre jüngere Schwester Catherine-Désirée Alexandre heiraten wollen, doch die starb an Tuberkulose. Die dritte Schwester, Marie Françoise, war erst elf Jahre alt, also noch etwas zu jung zum Heiraten. Schließlich akzeptierte er Joséphine als Frau – sie war ihm mit ihren 16 Jahren aber eigentlich bereits zu alt. Die Ehe verlief alles andere als glücklich, es kam zu einer psychischen und physischen Entfremdung und Alexandre unterstellte seiner Gattin sogar, dass die gemeinsame Tochter ein Kukuckskind sei. Im Jahr 1785 beschloss das Ehepaar mit beiderseitigem Einverständnis die Trennung.[26] So konnte Beauharnais seine wahre Liebe entdecken in Gestalt der …. natürlich!: Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen, die er –bei allen sonstigen Affairen- seine „einzige wahre Freundin“ nannte.[27] Die lebte jetzt in Paris wie eine Göttin in Frankreich mit ihrem geliebten Bruder Friedrich und ihrem Liebhaber Alexandre. Und Josephine, immer noch Ehefrau Alexandres, freute sich offenbar an dem Liebesglück ihres Mannes und war mit Anna Amalie in einer herzlichen Freundschaft verbunden. Das kam gewissermaßen noch als i-Tüpfelchen dazu und erwies sich später als politisch höchst bedeutsam, als Josephine die Ehefrau Napoleons war und es um die Existenz des Hauses Hohenzollern ging. Aber das ist eine andere Geschichte….

Das Glück der drei Protagonisten unserer Geschichte währte allerdings nicht lange. Da gab es vor allem die finanziellen Probleme  Friedrichs, dessen finanzielle Mittel nicht auf gleicher Höhe waren wie sein Adelsprädikat und seine Ansprüche.  Friedrich hatte schon seit seiner Jugend einen Hang zur Verschwendung. Dazu kamen zahlreiche verlustreiche finanzielle Engagements- zum Beispiel das schließlich gescheiterte Projekt eines Kanals zwischen  Provins und der Seine. Die Schulden wuchsen ihm allmählich über den Kopf, der Druck der Geldgeber wurde immer massiver. Der dem adligen Prestigestreben geschuldete Bau des hôtel de Salm und die aufwändige doppelte Hofhaltung in Paris und Kirn waren absolut ruinös. Da außerdem die französische Krone sich weigerte, ihn für die Zerstörung der Kyrburg zu entschädigen, musste Friedrich  einen  Teil seines Besitzes veräußern oder pfänden, sein Pariser hôtel an den Architekten verkaufen und –das gab es schon damals!- zurückleasen.

Friedrich III. betrachtete insofern die revolutionären Ereignisse bis 1793 durchaus als eine Chance und als eine Art Neubeginn: „wenn nicht in ökonomischer Sicht, so doch in Form einer Distanzierung und Abrechnung mit einem ‚Ancien régime‘, das ihn in seiner finanziellen Misere im Stich gelassen und damit die Aufrechterhaltung seines adligen Status in Gefahr gebracht hatte.“ (Emig, 262)

Friedrichs Sympathie für die revolutionären Ereignisse hatte  ihre Grundlage aber durchaus auch in seiner Offenheit gegenüber den Ideen der Aufklärung:  Wie bei manchen anderen Mitgliedern des Hochadels gehörte es zum guten vorrevolutionären Ton, Kontakte zu den prominenten „gens de lettres“ der Aufklärung zu pflegen. Es galt geradezu als Maßstab des gesellschaftlichen Ansehens, von Voltaire in Fernay in der Nähe von Genf  empfangen zu werden. Friedrich unternahm die Reise im August 1771. Voltaire war offensichtlich von ihm sehr angetan und beschrieb ihn gegenüber d’Alembert als „instruit, modeste, très aimable et digne d’un meilleur siècle.“[28]

In Paris bemühte sich Friedrich auch um Jean Jacques Rousseau, der sich seit 1770 in seine ‚Dachkammer‘ in der rue de la Platrière zurückgezogen hatte, und besuchte ihn dort zusammen mit dem österreichischen Offizier, Diplomaten und Schriftsteller Karl  Charles Joseph de Ligne. Solche Besuche ausländischer Adliger bei französischen Philosophen und Schriftstellern gehörten damals zum Programm von Bildungsreisen und dienten der gegenseitigen Aufwertung. Und sie stärkten das bürgerliche Selbstbewusstsein im vorrevolutionären Frankreich: „Visitant les hommes de lettres parce qu’ils sont devenus le seul étendard prestigieux de l’identité nationale, les princes étrangers confortent le sentiment que l’opinion avait de leur pouvoir.“ [29]

Dass Friedrich dann auch die revolutionären Ereignisse von 1789 mit Anteilnahme und Sympathie verfolgte, zeigt seine  Teilnahme am Föderationsfest vom 14. Juli 1790, zu dem er  extra mit Amalie Zephyrine aus Kirn anreiste. Dieses Fest hatte der Bürgermeister von Paris, de Bailly, vorgeschlagen, mit dem Friedrich enge Kontakte pflegte- ebenso wie mit anderen der Revolution zuneigenden Adligen  wie La Fayette, Alexandre de Beauharnais und seine Frau Josephine. Gerade auch Frauen wie  Josephine oder Madame de La  Fayette spielten damals eine  wichtige Rolle und führten in veränderter Form die Tradition der vorrevolutionären Salons fort. „Ein zeitgenössischer Beobachter und Gast dieser Salons, der amerikanische Gouverneur Morris, benannte explizit Amalie als  Initiatorin und Gastgeberin eines solchen Salons, der offenbar im ‚Hôtel de Salm‘ stattfand. Morris behauptete in diesem Zusammenhang sogar, dass jenen  Frauen fast eine ‚republikanische Gesinnung‘ unterstellt werden konnte.“ (Emig,  267)

Inwieweit bei Friedrichs aufklärerischem und revolutionsfreundlichem Eifer auch opportunistische Erwägungen, nämlich der Statuserhaltung allen politischen und sozialen Umwälzungen zum Trotz- eine Rolle  gespielt haben, sei allerdings dahingestellt.  Das gilt auch für sein am 19. Dezember 1792  in einem Brief an den Konvent verkündetes Dekret der Untertanenbefreiung:

Ich ging zu den Menschen, die ich einmal meine Untertanen genannt habe und jetzt meine Mitbürger, meine Freunde, meine Kinder nenne, um ihre Knechtschaft und Hörigkeit, die lehnsherrlichen Rechte über ihr Hab und Gut – mit einem Wort, alle barbarischen Reste der Feudalherrschaft abzuschaffen.[30]

Man kann dies, wie Rudolf Augstein,  als Versuch verstehen, die französische Revolutionsideologie auf deutschem Boden auszubreiten, aber auch als ‚Verzweiflungsakt‘ , mit der Friedrich angesichts des Vordringens der Revolutionsarmee in linksrheinisches Gebiet noch etwas von seiner dortigen Stellung bewahren wollte.[31]

Dass Friedrich trotz aller öffentlichen Bekenntnisse zur Revolution ins Visier des jacobinischen Wohlfahrtsausschusses geriet, beruhte offenbar auf Denunziationen und  Namensverwechslungen mit anderen Angehörigen der weitverzweigten Salm-Dynastie, die der Konterrevolution verdächtigt wurden. Anfang April 1794 wurde Friedrich verhaftet und in die in einem aufgehobenen Karmeliterkloster  eingerichtete  Anstalt „Les Carmes“ eingeliefert. Die Haftbedingungen waren dort so, dass er zeitweise geradezu ein Ende fast herbeisehnte:

Il ne reste plus qu’à désirer la fin d’une existence que l’ont ne peut plus supporter“ (cit. Emig,333)

Dieses Ende kam dann sehr schnell. Aus Furcht vor konspirativen Umtrieben in den Gefängnissen wurden sie von verdächtigen „Elementen gesäubert“. Friedrich wurde mit 50 anderen  Gefangenen in die Conciergerie verlegt, und am 23. Juli 1794 verurteilte ihn das Revolutionstribunal zum Tode, weil  er unter der Maske des Patriotismus ein Agent der deutschen Koalition gegen Frankreich sei.[32]

Noch am gleichen Tag wurde Friedrich auf der Place de la Barrière de Vincennes bzw. Place du Trône renversée guillotiniert – zusammen mit Alexandre de  Beauharnais, mit dem er auch schon seine letzten Wochen im Gefängnis verbracht hatte.  Mit ihm war Friedrich –vermittelt über Amalie Zephyrine- schon seit längerem freundschaftlich verbunden. Beauharnais gehörte zu den  ersten  adligen Abgeordneten  der Nationalversammlung, die zum Dritten Stand übertraten. Im Juni und Juli 1791 stieg er zum amtierenden Präsidenten der Nationalversammlung auf und war 1791 eine Zeit lang Sekretär, dann Präsident des Jacobinerclubs. Als  Oberbefehlshaber der ersten  Rheinarmee wurde ihm vorgeworfen, aus Inkompetenz bzw. fehlendem revolutionärem Eifer 1793 den Fall von Mainz verschuldet zu haben. Jedenfalls Grund genug für ein Todesurteil.[33] Seine und Josephines Kinder, Eugène und Hortense, wurden von Napoleon adoptiert und mit höchsten Ämtern ausgestattet. Die beiden  kauften  übrigens 1803 ein zur Zeit Ludwigs XIV. errichtetes Adelspalais, das seitdem den Namen der Familie trägt: Nach dem Sturz Napoleons ging Eugène ins Exil nach München und verkaufte 1818 sein Hôtel de Beauharnais an den  preußischen  König.  Heute ist es Sitz der deutschen Botschaft- auch eine ganz besondere deutsch-französische Geschichte…[34]

Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen erwarb am 14. November 1796  das Terrain mit den  beiden Massengräbern, um ihrem Bruder und ihrem  Geliebten eine würdige letzte Ruhestätte zu schaffen.[35]  Ein Versuch der Exhumierung scheiterte jedoch.  Auch der vorgesehene  Grabstein, auf den sie nach dem Rat des Dichters Treneuil folgende Worte  einmeißeln wollte, wurde nicht ausgeführt:

„C’est ici,qu’avec toi je viens  m’entretenir:

Mon frère! Ô Frédéric!, pour  ta soeur, ton amie

Il n’est qu’une pensée., il n’est qu’un souvenir

Et ta mort l’a rendu étrangère à la vie.“[36]

Ausgeführt wurde aber die Ummauerung des Grundstücks, das  mit einem vergitterten Eingang versehen wurde. Dies ist der Ursprung des Cimetière de Picpus. 1802/03  kaufte mit Hilfe  einer Subskription die Marquise de Montagu das Gebiet des ehemaligen Klosters, seine Gärten und damit auch den Ort der Massengräber.  Familien, deren Angehörige dem  jacobinischen Terror zum Opfer gefallen waren (Noallies, Montagu, Montmorency u.a.) , gründeten die Société de Picpus und errichteten neben den Massengräbern einen zweiten Friedhof, den  privaten Cimetière de Picpus, der heute einer Stiftung gehört und von ihr verwaltet wird. Es ist der einzige private Friedhof von Paris, der heute noch betrieben wird.

In ihm wird in eindrucksvoller Weise die Erinnerung an den jacobinischen Terror wachgehalten – aber auch an die Verbrechen des Nationalsozialismus: Bevor man den Friedhof verlässt, geht man an Tafeln vorbei, die an Mitglieder der Stiftungsfamilien erinnern, die von den  Nazis umgebracht wurden.[37]

Picpus Fermeture 2010 018  Picpus Fermeture 2010 017

Auch im Blick darauf kann man den Cimetière de Picpus mit vollem Recht als einen deutsch-französischen Erinnerungsort bezeichnen.

Zu den vielfachen literarischen Bezügen des Cimetière de Picpus  gehört übrigens auch Patrick Modianos Roman „Dora Bruder“.  Darauf wurde ich aufmerksam durch einen Vortrag von Christoph König in der Mediathek Marguerite Duras in Paris am 5.12.2015 im Rahmen einer Veranstaltung über den Cimetière de Picpus, an der auch unsere Freundin Marie-Christine Schmitt und ich teilgenommen  haben.

 In seinem Vortrag wies Christoph König darauf hin, dass die Straßen um den Friedhof von Picpus zu den wichtigsten Schauplätzen des Romans gehören.[38]  „Der Friedhof wird erwähnt…. Und wie beiläufig zur Chiffre für das Unrecht, das im Grande Terreur und in der Zeit der Ermordung der Juden genau an diesem Ort stattfindet.“  Patrick Modianos Roman geht von einer Vermisstenanzeige im Jahr 1941 aus, die die Eltern von Dora Bruder für ihre Tochter aufgegeben haben.  „Sorgfältig und geduldig sucht der Autor nun die Hintergründe, das Leben der bis heute Vergessenen. Doch was Dora in den Monaten  gemacht hat, nachdem sie im Dezember 1941 weggelaufen ist und bis sie wieder, im April 1942, in die Wohnung der Mutter zurück kommt, bleibt ihm unzugänglich. So versucht er sich ihr zu nähern etwa über den Verlauf des Wetters und der politischen Ereignisse und der eigenen Biographie damals:

‚Die einzige Möglichkeit, Dora  Bruder in diesem Zeitraum nicht ganz zu verlieren, wäre vielleicht, von den Wetterveränderungen zu berichten. Am 4. November 1941 war zum ersten Mal Schnee gefallen. Der Winter hatte am 22. Dezember mit empfindlicher Kälte eingesetzt. Am 29. Dezember war die Temperatur noch weiter gesunken, und die Fensterscheiben waren mit einer leichten Eisschicht überogen. Vom 13. Januar an hatte die Kälte sibirische Ausmaße erreicht. Das Wasser gefror. Ungefähr vier Wochen war es so geblieben. Am 12. Februar scheint ein wenig die Sonne. (…) Am Abend dieses 12. Februars wurde mein Vater von den Beamten der Polizei für Judenfragen geschnappt….‘“

 Bevor der Erzähler weiter an der Geschichte Dora Bruders arbeitet, schreibt er einen Roman, ‚Hochzeitsreise‘. Aber auch da ist er Dora Bruder nahe und zugleich den in den letzten Tagen der Schreckensherrschaft Ermordeten, die gerade an den  Schauplätzen dieses Romans begraben  sind:

Auf dem Plan folgend einander auf der anderen Seite der Rue de Picpus , dem Pensionat (Saint Coeur de-Marie,wo Dora 1940 aufgenommen wurde) gegenüber, die Kongregation der Mutter Gottes, die Ordensfrauen der Anbetung und das Oratorium von Picpus mit dem Friedhof, wo in einem Massengrab über tausend Opfer beigesetzt sind, die während der letzten Monate der Schreckensherrschaft guillotiniert wurden.‘

Die  meisten der im Cimetière Picpus Verscharrten haben keine Zeugnisse hinterlassen- das verbindet sie mit Dora Bruder. Ihr hat Patrick Modiano  mit den Mitteln der Literatur Leben zurückgegeben. Der Roman regt dazu auch,  auch an das Leben der Guillotinierten zu denken, die auf den großen  Tafeln  des Oratoriums von Picpus verzeichnet sind.

Cimetière de Picpus

35, rue de Picpus

Tel. 01 43 44 18 54

Métro: Place de la Nation

Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag 14 – 17 Uhr

An Sonn- und Feiertagen geschlossen

Anmerkungen

(0) In einem Beitrag von Le Monde vom 10. Februar 2017 („Paris par la petite porte„) wird der cimetière de Picpus zu den „lieux confidentiels“ gerechnet, die den Charme von Paris ausmachten.

[1] George Lenotre: Le jardin de Picpus. Paris 1955

[2] S. Bericht 3 und http://www.tombes-sepultures.com/crbst_756.html

[3] „Les tombereaux sanglants  de la guillotine, établie 1794 barrière du trône, ont pénétré dans les jardins des dames chanoinesses de St. Augustin de Picpus, par une porte charretière pratiqué dans le mur nord de ce jardin. Le linteau des cette porte existe encore. Les corps mutilés des 1306 victimes reposent  dans deux fosses communes.”

[4] https://fr.wikipedia.org/wiki/Cimeti%C3%A8re_de_Picpus

(4a) Eine Liste aller vom 14. Juni bis zum 27. Juli hingerichteten Opfer findet sich in der Broschüre „Les Victimes de Picpus“, die am Eingang des Friedhofs verkauft wird.

[5] Vom Freiheitsrausch bis Waterloo. Der Spiegel 4/1989 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13495571.html

Dabei hatte Danton die Einrichtung der Revolutionstribunale gerade damit begründet, dass die Entscheidung über das Leben von Revolutionsgegnern nicht den Zufälligkeiten und Stimmungen der Straße überlassen werden sollte: „Soyons terrible pour dispenser le peuple d’être terrible.“

(5a) Bild von: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b53002994t

[6] http://www.parisinfo.com/musee-monument-paris/71410/Cimeti%C3%A8re-de-Picpus   siehe dazu auch den zusammenfassenden Text:

Klicke, um auf MC41.pdf zuzugreifen

[7] „A quinze ans, j’ai monté à l’assaut pour mon roi, à près de quatre-vingt, je monterai à l’échafaut pour mon Dieu.”

[8] Christoph König, Manuskript für Vortrag in der Médiathèque M. Duras, Paris vom 5.12.2015

[9] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13495571.html

[10] http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-welt-von-gestern-6858/7

[11] http://www.diapasonmag.fr/actualites/critiques/au-theatre-des-champs-elysees-des-dialogues-des-carmelites-entre-ascese-et-perfe  Dort auch ein kurzes Video mit einem Ausschnitt der Inszenierung

[12] Joachim Emig: Friedrich III. von Salm-Kyrburg (1745–1794). Ein deutscher Reichsfürst im Spannungsfeld zwischen Ancien régime und Revolution. Lang, Frankfurt a.M. u.a., 1997, ISBN 3-631-31352-7 (Europäische Hochschulschriften, Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, 750.

[13]une clientèle parmi les plus prestigieuses et fortunées de son temps“ . (Monnaie de Paris: Salon Dupré, p.2)

[14] www. Google.de Amalienlust in Kirn

[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Amalie_Zephyrine_von_Salm-Kyrburg

[16] Joëlle Bertrand et al: L’hôtel de Salm, Palais de la Légion d’honneur. Préface du général Kelche, Grand Chancelier de la Légion d’honneur Saint-Rémy-en-l’eau 2009)

http://www.carnavalet.paris.fr/fr/collections/l-hotel-de-salm-en-construction-vers-1786-actuel-7e-arrondissement

[17] Loges, 130/131

[18] https://fr.wikipedia.org/wiki/Pierre_Rousseau_(1751-1829)

[19] http://france.usembassy.gov/jefferson.html

[20] Ein zu dieser ‚Großveranstaltung‘ eingeladener Graf charakterisierte diese Festivität mit den Worten: „Le prince de Salm eut alors la  fantaisie de donner un bal où la moitié  de Paris fut invitée.“ (Emig, 85)

[21] Im Hôtel de Salm gibt es auch einen von der Grande Chancellerie de la Légion d’honneur herausgegebenen Film über „Les Secrets du Palais“ von Eric Beuaducel, der über die Geschichte des Bauwerks informiert und Bilder der normalerweise unzugänglichen Partien zeigt.

[22] Gabriele Loges: Paris, Sigmaringen oder Die Freiheit der Amalie Zephyrine von Hohenzollern, Klöpfer & Meyer, Tübingen 2013. Gunter  Haug: Die Schicksalsfürstin. Amalie Zephyrine, die Retterin von Hohenzollern. Historischer Roman. Leinfelden-Echterdingen 2005

[23] Loges, 37 und 19. Bericht: Auf den Spuren Heinrich Heines durch Paris:  https://paris-blog.org/2017/10/02/mit-heinrich-heine-in-paris/

[24] „fille de grande naissance“ hieß das damals

[25] Noch eine kleine deutsch-französische historische Fußnote: Das Schloss diente ab August 1944 bis Kriegsende als Sitz des Vichy-Regierung. Vor den heranrückenden  Alliierten wurden die Kollaborateure Pétain und die Regierung Laval von den Nazis als Exilregierung in Sigmaringen installiert.

[26] https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandre_de_Beauharnais

[27] Zit. bei Loges, S. 134

[28] Cit. bei Emig, 74

[29] http://www.deutsche-biographie.de/sfz51389.html und Olivier Nora. La visite au grand écrivain. In: Pierre Nora (dir): Les lieux de mémoire, Bd II La Nation, p. 570

[30]  Cit. Bei Rudolf Augstein, Vom Freiheitsrausch bis Waterloo. Der Spiegel 4/1989. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13495571.html

[31] s. Emig,  276ff und Zusammenfassung S. 312

[32] „… qui n’étoit sous le masque du patriotisme que  l’agent caché de la coalition allemande contre la France“. Cit Emig, 339

[33] http://www.executedtoday.com/2008/07/23/1794-alexandre-de-beauharnais-josephine-napoleon-widow/

[34] http://www.allemagne.diplo.de/Vertretung/frankreich/fr/01-Botschaft/03-residenz/00-residenz-uebseite.html

[35] Es ist allerdings bedauerlich, dass weder in dem kleinen Informationsblatt, das am Eingang des Friedhofs ausliegt, noch im neuen Guide Vert von Paris (Ausgabe 2010,  Seite 421) auf ihre entscheidende Rolle hingewiesen wird. In der wesentlich schmaleren Ausgabe von 1997 wird immerhin noch auf „une princesse de Hohenzollern“ hingewiesen, „dont le frère, le prince  de  Salm, était l’une des victimes“ – unerwähnt bleibt dabei allerdings der Geliebte. Sie habe „le terrain mortuaire“ gekauft und mit einer Mauer umgeben. (S. 228)

Bei  Wikipedia wird als Grund für den  Kauf durch Amalie Zephyrine  übrigens  nur der Bruder genannt, nicht der Geliebte….  https://fr.wikipedia.org/wiki/Cimeti%C3%A8re_de_Picpus

[36] Zit bei Emig, S. 341

[37] Allerdings ist es zwar vielleicht ehrenvoll gewesen, aber es wird keineswegs  „süß“ gewesen sein,  wie es der Horaz’sche Spruch der Grabinschrift verkündet, in der Hölle von Mauthausen zu sterben, selbst wenn es „pro patria“ gewesen  ist.

[38] Christoph König (Universität Osnabrück) Manuskript für den 5.12.2015. Mediathèque M. Duras, Paris

Die nachfolgenden Passagen sind weitestgehend diesem Vortrag entnommen.

Weitere Blog-Beiträge mit Bezug zu deutschsprachigen Schriftstellern in Paris/im französischen Exil: