
Eine Gruppe von Gymnasial-Schülerinnen und -Schülern auf der place de la République in Paris beschriftet Schilder für die Demonstration. Aufschrift auf dem Plakat in der Mitte: Apprendre est un droit, être en colère aussi (Lernen ist ein Recht, zornig sein auch)
Der Demonstrationszug zwischen Place de la République und der Place de la Nation, der „klassischen“ Pariser Demonstrationsmeile, war Teil einer landesweiten Schülerdemonstration, der sich auch Eltern, Lehrer und Studenten anschlossen. Insgesamt waren allein in Paris 56 000 Menschen beteiligt: bisheriger Höhepunkt einer Kampagne, die am 21. September begonnen hat.

Der Stundenplan: stärker gefüllt als das Strafregister von Marine (le Pen)
Die Forderungen vor allem: Bessere Lehrerversorgung, Verbesserung von Schulen mit unzureichender Bausubstanz und Ausstattung, kompaktere/reduzierte Stundenpläne, Abschaffung von Parcoursoup, dem automatisierten Verteilungssystem von Studienplätzen.

Rêve générale: Allgemeiner Traum. Ein Wortspiel mit Grève générale (Generalstreik)
Von der schon als historisch charakterisierten Schülerbewegung wurde die Regierung völlig überrascht. Die Antwort war zunächst ein massiver und eher hilfloser Polizeieinsatz. Dabei musste selbst der die Bewegung entschieden kritisierende Figaro konstatieren, dass es, im Gegensatz etwa zu den Demonstrationen gegen die Rentenreform, „wenig Beschädigungen“ gegeben habe. Allerdings hatten sich viele Geschäfte entlang der Demonstrationsroute schon vorsorglich barrikadiert.

Das Heimwerker-Geschäft Mr. Bricolage am Boulevard Voltaire vor der Demonstration. Der ironische Spruch auf der zum Schutz der Fenster angebrachten Sperrholzwand (Jeden Tag um 13 Uhr 12 aufstehen) stammt noch von einer früheren Demonstration.
Angemessene Antworten auf die Schülerbewegung sind in der Tat nicht einfach: Es geht ja nicht, wie bei vielen anderen Protestbewegungen, um die Rücknahme einer geplanten Maßnahme, sondern um Forderungen, deren Erfüllung sehr komplex, zeitaufwändig und kostspielig ist. Und finanziell steht Frankreich derzeit aufgrund seiner exorbitanten Verschuldung mit dem Rücken zur Wand.
Die Schülerbewegung reiht sich mit ihrem Protest an den schulischen Lernbedingungen ein in eine breite gesellschaftliche „Bewegung des Zorns“: gegen die hohen Benzinpreise, gegen Einschnitte im öffentlichen Dienst, im Gesundheitswesen, gegen eine Reduzierung der Kaufkraft (pouvoir d’achat), für konsequenteres Handeln gegen die Klimawandel…
Und die Regierung befürchtet mit Recht eine sogenannte convergence des colères, eine Zusammenführung verschiedener Protestbewegungen, wie sie Frankreich mit den gilets jaunes (2018/2019) und zuvor schon einmal im Mai 68 erlebt hat.

Hier sitzen Alt und Jung nach der Demonstration in einem Café an der Place Voltaire beisammen. Auf dem Plakat wird zum Generalstreik aufgerufen. Der alte Herr trägt eine gelbe Weste… Und der nächste Aktionstag soll schon am 8. Oktober sein…